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Müdigkeit durch Psychopharmaka

Müdigkeit und Schläfrigkeit stehen in den Packungsbeilagen vieler Psychopharmaka, darunter Antidepressiva, Antipsychotika, Beruhigungs- und Schlafmittel und Stimmungsstabilisierer; unter anderem bei Mirtazapin, Amitriptylin, Sertralin, Quetiapin, Olanzapin, Clozapin und Lorazepam sind sie als sehr häufig angegeben. Mehrere Packungsbeilagen nennen die Müdigkeit vor allem zu Beginn der Behandlung. Solange Sie müde oder benommen sind, führen Sie kein Fahrzeug, und setzen Sie das Mittel nicht selbst ab.

Mann in den Dreißigern ruht am Nachmittag mit einer Tasse Tee auf einem hellen Sofa in einem ruhigen Wohnzimmer
Bild: KI-generiert

Müdigkeit hat in den Packungsbeilagen viele Namen. Bei Lorazepam stehen "Beruhigung (Sedierung), Müdigkeit, Benommenheit" unter den sehr häufigen Nebenwirkungen, bei Mirtazapin "Schläfrigkeit oder Müdigkeit" und unter den häufigen "Teilnahmslosigkeit", bei Carbamazepin außerdem "Erschöpfung" [1, 14, 17]. Die Packungsbeilage von Risperidon umschreibt eine sedierende Wirkung als "beruhigende und müde machende" Wirkung [12].

Wie oft eine Nebenwirkung vorkommt, geben die Packungsbeilagen in festen Klassen an: "sehr häufig" kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen, "häufig" bis zu 1 von 10 und "gelegentlich" bis zu 1 von 100 [3]. Was diese Angaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. Die S3-Leitlinie Schizophrenie (Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026) beschreibt Sedierung bei der Behandlung mit Antipsychotika in vielen klinischen Situationen auch als gewünschte Wirkung; erwünschte und unerwünschte Wirkungen müssen dann gegeneinander abgewogen werden [20].

Welche Psychopharmaka müde machen können

Antidepressiva

Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression (Version 3.2, gültig bis 29.09.2027) führt in ihrer Übersicht Sedierung als wichtige Nebenwirkung der trizyklischen Antidepressiva und der Alpha2-Rezeptor-Antagonisten Mirtazapin und Mianserin auf, Müdigkeit bei Trazodon und Agomelatin [19]. Bei Mirtazapin nennt die Packungsbeilage Schläfrigkeit oder Müdigkeit als sehr häufig, bei Amitriptylin Schläfrigkeit und Benommenheit [1, 2]. Amitriptylin kann laut Packungsbeilage Schläfrigkeit und Schwindel hervorrufen, insbesondere zu Beginn der Behandlung [2].

Auch unter SSRI und SNRI kommt Müdigkeit vor. Bei Sertralin stehen Müdigkeit und Schläfrigkeit unter "sehr häufig", bei Citalopram, Venlafaxin und Duloxetin die Schläfrigkeit; bei Fluoxetin zählt Müdigkeit zu den sehr häufigen Nebenwirkungen [3, 4, 5, 6, 7]. Laut Packungsbeilage von Citalopram sind die Nebenwirkungen in der Regel mild und vorübergehend; sie treten vor allem zu Beginn der Behandlung auf und lassen mit Besserung der depressiven Beschwerden gewöhnlich nach [4].

Antipsychotika

Unter den Antipsychotika wird Sedierung laut S3-Leitlinie Schizophrenie vor allem durch niedrig- bis mittelpotente Mittel hervorgerufen, weil diese meist antihistaminische Eigenschaften haben; sie tritt aber auch bei anderen Antipsychotika auf [20]. Schläfrigkeit ist laut Packungsbeilage bei Quetiapin, Olanzapin und Clozapin sehr häufig, ebenso bei Risperidon das Gefühl, schläfrig oder unaufmerksam zu sein [8, 9, 10, 12]. Bei Levomepromazin steht Müdigkeit, insbesondere zu Beginn der Behandlung, unter den sehr häufigen Nebenwirkungen, bei Haloperidol Schläfrigkeit unter den häufigen [11, 13].

Für Quetiapin heißt es, die Schläfrigkeit könne vergehen, wenn Sie das Mittel länger einnehmen; sie kann aber zu Stürzen führen [8]. Clozapin kann laut Packungsbeilage Müdigkeit und Schläfrigkeit verursachen, insbesondere zu Beginn der Behandlung. Um unter anderem das Risiko der Schläfrigkeit gering zu halten, steigert die Ärztin oder der Arzt die Dosis schrittweise [10].

Kinder und Jugendliche scheinen laut S3-Leitlinie Schizophrenie unter anderem auf die Sedierung durch Antipsychotika empfindlicher zu reagieren als ältere Patientinnen und Patienten [20]. Für Risperidon nennt die Packungsbeilage Schläfrigkeit, Unaufmerksamkeit und Erschöpfung unter den Nebenwirkungen, die bei Kindern und Jugendlichen häufiger berichtet wurden als bei Erwachsenen [12]. Im Alter reagiert das zentrale Nervensystem laut Leitlinie in der Regel stärker auf Psychopharmaka; häufige Folge ist eine deutlichere Sedierung [20]. Mehr dazu unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen und Psychopharmaka im Alter.

Beruhigungs- und Schlafmittel

Bei Lorazepam aus der Gruppe der Benzodiazepine stehen Beruhigung (Sedierung), Müdigkeit und Benommenheit unter "sehr häufig" [14]. Die NVL Unipolare Depression nennt als Risiken von Benzodiazepinen Sedierung, Beeinträchtigungen der Psychomotorik und der geistigen Leistungsfähigkeit sowie Sturzgefahr [19]. Wird Lorazepam als Schlafmittel genommen, muss laut Packungsbeilage eine ausreichende Schlafzeit von etwa 7 bis 8 Stunden sichergestellt sein; dann lassen sich Nachwirkungen am folgenden Morgen wie Müdigkeit meist vermeiden [14]. Wie andere Schlaf- und Beruhigungsmittel wirkt Zopiclon laut Packungsbeilage dämpfend auf das zentrale Nervensystem; Benommenheit am folgenden Tag steht dort unter "häufig" [15].

Weitere Psychopharmaka

Bei Pregabalin stehen Benommenheit und Schläfrigkeit unter "sehr häufig"; laut Packungsbeilage könnte das bei älteren Menschen zu häufigeren Unfallverletzungen führen [16]. Unter den Stimmungsstabilisierern nennt die Packungsbeilage von Carbamazepin Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit und Schläfrigkeit sowie Erschöpfung als sehr häufig [17]. Lithium kann laut Packungsbeilage vor allem zu Beginn der Behandlung zu Schläfrigkeit und Benommenheit führen [18].

Alle Wirkstoffe mit Datensatz im Überblick

Die Tabelle zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Datensatz auf Psychopharmakon.de, deren Produktinformation Müdigkeit, Schläfrigkeit oder Benommenheit nennt, jeweils mit der höchsten angegebenen Häufigkeit. Sie ist keine Rangliste: Jede Klasse stammt aus der Produktinformation eines einzelnen Präparats, und welches Mittel für Sie in Frage kommt, hängt von vielen weiteren Punkten ab, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen abwägt. Unter der Tabelle stehen aufklappbar die Mittel, bei denen die Produktinformation Müdigkeit nur als Zeichen einer anderen Nebenwirkung nennt.

Müdigkeit als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
AlprazolamSehr häufigBeruhigung (Sedierung), Schläfrigkeit · Ermüdung
AmitriptylinSehr häufigSchläfrigkeit und Benommenheit · Müdigkeit
BenperidolSehr häufigMüdigkeit · Schwindel, Teilnahmslosigkeit (Lethargie), Kopfschmerzen
BuspironSehr häufigSchwindel, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit · Benommenheit, Koordinationsstörungen, Zittern · Fieber, Dröhnen im Kopf, Unwohlsein, Müdigkeit
CarbamazepinSehr häufigBenommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit sowie Gang- und Bewegungsstörungen (Ataxie) · Erschöpfung
ChlorprothixenSehr häufigMüdigkeit, verlängerte Reaktionszeit, Benommenheit, Schwindelgefühl · Gefühl körperlicher Schwäche und Kraftlosigkeit (Asthenie), Abgeschlagenheit
CitalopramSehr häufigSchläfrigkeit · Müdigkeit
ClomipraminSehr häufigBenommenheit, Müdigkeit
ClozapinSehr häufigSchläfrigkeit (Sedierung), Benommenheit und Schwindel · Müdigkeit, Fieber, gutartige Erhöhung der Körpertemperatur, Störung der Schweiß- und Temperaturregulation mit vermehrtem Schwitzen
DesvenlafaxinSehr häufigBenommenheit, Kopfschmerzen · Schläfrigkeit · Ermüdung, Schwäche
DiazepamSehr häufigUnerwünscht starke Beruhigung am Tage sowie Müdigkeit (Schläfrigkeit, Mattigkeit, Benommenheit, verlängerte Reaktionszeit)
DikaliumclorazepatSehr häufigSchläfrigkeit · Überhangeffekte am Morgen nach abendlicher Einnahme: Konzentrationsstörungen und Restmüdigkeit können die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen · Benommenheit · Müdigkeit
DuloxetinSehr häufigSchläfrigkeit · Müdigkeit
EsketaminSehr häufigSchläfrigkeit (Somnolenz) · Sedierung, extreme Schläfrigkeit mit Antriebslosigkeit (Lethargie)
FluoxetinSehr häufigMüdigkeit (laut Fachinformation einschließlich Schwäche) · Schlechte Konzentrationsfähigkeit, Müdigkeit oder Schläfrigkeit, Schwindel, Geschmacksveränderungen, unkontrollierbare schüttelnde Bewegungen (Zittern)
FlupentixolSehr häufigMüdigkeit, besonders zu Beginn der Behandlung (Depotspritze) · Schläfrigkeit (Filmtabletten) · Müdigkeit (Filmtabletten) · Benommenheit, Teilnahmslosigkeit (Lethargie)
GuanfacinSehr häufigSchläfrigkeit (Somnolenz) · Müdigkeit (laut Fachinformation Ermüdung) · Benommenheit (Sedierung) · Antriebslosigkeit (Lethargie) · Übermäßiges Schlafbedürfnis (Hypersomnie)
HydroxyzinSehr häufigMüdigkeit (Ermüdung) · Schläfrigkeit (Somnolenz) · Benommenheit, Dämpfung der Gehirnfunktionen (Sedierung)
LevomepromazinSehr häufigMüdigkeit, insbesondere zu Beginn der Behandlung · Benommenheit, Schwindelgefühl
LorazepamSehr häufigBeruhigung (Sedierung), Müdigkeit, Benommenheit
MethadonSehr häufigBenommenheit
MirtazapinSehr häufigSchläfrigkeit, Beruhigung (Sedierung) · Teilnahmslosigkeit (Lethargie) · Müdigkeit (Fatigue)
OlanzapinSehr häufigSchläfrigkeit · Starke Müdigkeit
OxcarbazepinSehr häufigMüdigkeit · Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit; laut Fachinformation Schläfrigkeit
PipamperonSehr häufigSchläfrigkeit · Erschöpfungserscheinungen, erniedrigte Körpertemperatur
PregabalinSehr häufigBenommenheit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen · Beruhigung (Sedierung), Lethargie · Müdigkeit (Abgeschlagenheit), Krankheitsgefühl
PromethazinSehr häufigMüdigkeit (Sedierung)
QuetiapinSehr häufigSchläfrigkeit (kann bei längerer Einnahme vergehen; kann zu Stürzen führen)
RisperidonSehr häufigSchläfrigkeit oder Unaufmerksamkeit (Sedierung, Somnolenz) · Schwellungen am Körper, an Armen oder Beinen (Ödeme), Fieber, Schmerzen im Brustkorb, Schwäche, Erschöpfung (Müdigkeit), Schmerzen
SertralinSehr häufigSchwindelgefühl, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen · Müdigkeit
TemazepamSehr häufigBeruhigung und Dämpfung (Sedierung) · Müdigkeit · Benommenheit, auch am folgenden Tag
VenlafaxinSehr häufigSchwindelgefühl, Kopfschmerzen und Schläfrigkeit · Erschöpfung (Asthenie), Abgeschlagenheit (Fatigue) und Schüttelfrost
ZiprasidonSehr häufigSchläfrigkeit (Somnolenz), Kopfschmerzen · Dämpfung (Sedierung) · Fieber, Schmerzen, Schwäche (Asthenie), Müdigkeit · Übermäßige Schläfrigkeit (Hypersomnie), Teilnahmslosigkeit (Lethargie)
ZuclopenthixolSehr häufigMüdigkeit, besonders zu Beginn der Behandlung · Benommenheit, Schläfrigkeit und Teilnahmslosigkeit (Lethargie)
AgomelatinHäufigSchwindel und Schläfrigkeit (Somnolenz) · Müdigkeit
AmisulpridHäufigSchläfrigkeit und Schwindel
AripiprazolHäufigMüdigkeit, Schläfrigkeit, Benommenheit · Ermüdung · Bei Jugendlichen ab 13 Jahren: Schläfrigkeit, unkontrollierbare Zuckbewegungen, Unruhe und Müdigkeit
AtomoxetinHäufigBei Kindern und Jugendlichen: Kopfschmerzen und Schläfrigkeit · Bei Kindern und Jugendlichen: Antriebs- und Teilnahmslosigkeit (Lethargie), Brustschmerzen und Müdigkeit · Bei Erwachsenen: Schwindel; Schläfrigkeit,…
BromazepamHäufigMüdigkeit, Schläfrigkeit und Benommenheit · Nachwirkungen am nächsten Tag (Überhangeffekte) und Müdigkeit tagsüber (Tagessedierung) · Störungen der Bewegungsabläufe (laut Fachinformation Ataxie), Bewusstseinsstörung…
BuprenorphinHäufigWassereinlagerungen (Ödeme, z. B. geschwollene Beine), Müdigkeit (Pflaster) · Ruhigstellung (Sedierung) in unterschiedlichem Ausmaß, von leichter Müdigkeit bis zur Benommenheit (Pflaster) · Abgeschlagenheit (Pflaster)…
BupropionHäufigSchwäche, Müdigkeit (Asthenie)
CariprazinHäufigSchläfrigkeit (Sedierung) · Müdigkeit · Benommenheit, Energielosigkeit oder mangelndes Interesse an Aktivitäten (Lethargie)
ClonazepamHäufigBenommenheit, Schläfrigkeit (Somnolenz) · Müdigkeit, Mattigkeit (Fatigue)
DaridorexantHäufigÜbermäßige Schläfrigkeit (Somnolenz) · Müdigkeit
DonepezilHäufigMüdigkeit und Schmerz
EscitalopramHäufigEinschlafschwierigkeiten (Schlaflosigkeit) und Schläfrigkeit · Müdigkeit und Fieber
EszopiclonHäufigSchläfrigkeit, Benommenheit · Fieber, Müdigkeit
FlurazepamHäufigAbnorme Schläfrigkeit (Somnolenz), verringerte Aufmerksamkeit · Müdigkeit · Nachwirkungen am folgenden Tag (Schläfrigkeit, herabgesetzte Reaktionsfähigkeit)
FluvoxaminHäufigTeilnahmslosigkeit (Lethargie)
GalantaminHäufigSchläfrigkeit (Somnolenz), Teilnahmslosigkeit (Lethargie) · Übermäßiges Schlafbedürfnis (Hypersomnie) · Müdigkeit, Kraftlosigkeit (Asthenie), Unwohlsein
HaloperidolHäufigAbnorme Muskelspannung, Schwindelgefühl (zum Beispiel nach dem Aufsetzen oder Aufstehen), Schläfrigkeit
ImipraminHäufigBenommenheit, insbesondere zu Beginn der Behandlung · Müdigkeit, Schlafstörungen
LamotriginHäufigSchläfrigkeit oder Benommenheit · Müdigkeit
LevomethadonHäufigBenommenheit, Beruhigung (Sedation), Verwirrtheit, Desorientiertheit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Unruhe, gelegentlich bis häufig
LisdexamfetaminHäufigMüdigkeitsgefühl · Bei Kindern und Jugendlichen: ungewöhnliche Schläfrigkeit · Ungewöhnliche Schläfrigkeit
MedazepamHäufigUnerwünscht starke Beruhigung am Tage sowie Müdigkeit (Schläfrigkeit, Mattigkeit, Benommenheit, verlängerte Reaktionszeit) · Überhangeffekte am Morgen nach der abendlichen Einnahme: Konzentrationsstörungen und…
MemantinHäufigSchläfrigkeit · Müdigkeit
MethylphenidatHäufigUngewöhnliche Schläfrigkeit oder Benommenheit, sich müde fühlen · Lustlosigkeit (Lethargie)
MilnacipranHäufigSchläfrigkeit · Müdigkeit
ModafinilHäufigSchläfrigkeit (Somnolenz)
NaltrexonHäufigBenommenheit, Schüttelfrost, Schwindel · Zittern (Tremor), Schläfrigkeit
NatriumoxybatHäufigSchläfrigkeit (Somnolenz), übermäßige Tagesschläfrigkeit, dämpfende Wirkung (Sedierung) · Schwäche (Asthenie), Müdigkeit
NitrazepamHäufigVerschlafenheit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl · Ermüdung · Schläfrigkeit (Somnolenz) · Nachwirkungen am folgenden Tag (Schläfrigkeit, herabgesetzte Reaktionsfähigkeit)
OpipramolHäufigMüdigkeit, besonders zu Beginn der Behandlung · Schwindel, Benommenheit, Zittern
OxazepamHäufigKopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit (Somnolenz), Beruhigung (Sedierung) · Ermüdung (und Tagesmüdigkeit)
PaliperidonHäufigRuhelosigkeit (laut Fachinformation Akathisie), sich schläfrig fühlen oder unaufmerksam sein (Sedierung, Somnolenz) · Fieber, Schwäche, Erschöpfung (Müdigkeit)
ParoxetinHäufigSchlaflosigkeit oder Schläfrigkeit
PerazinHäufigDämpfung (Sedierung)
PitolisantHäufigMüdigkeit (Erschöpfung) · Übermäßige Schläfrigkeit (Hypersomnie), Somnolenz
RivastigminHäufigMüdigkeits- oder Schwächegefühl (Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit) · Zittern und Schläfrigkeit
SulpiridHäufigDämpfung (Sedierung) und Benommenheit · Müdigkeit, Appetitsteigerung
TianeptinHäufigSchlaflosigkeit, Schläfrigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen
TiapridHäufigSchläfrigkeit (Benommenheit), Dämpfung (Sedierung) · Schnelle Ermüdbarkeit, Schwäche (Asthenie), geistige oder körperliche Ermüdung
TranylcyprominHäufigMüdigkeit
TrazodonHäufigMüdigkeit · Schläfrigkeit, Benommenheit (Somnolenz), verminderte Aufmerksamkeit
TriazolamHäufigSchläfrigkeit · Starke Müdigkeit (Sedierung), getrübter Bewusstseinszustand
ValproinsäureHäufigStupor mit Taubheitsgefühl und Unbeweglichkeit, starke Schläfrigkeit und Benommenheit, bei der vorübergehende Bewusstlosigkeit möglich ist, manchmal mit weiteren Krampfanfällen; in der Regel nach plötzlicher…
VareniclinHäufigSchläfrigkeit (Somnolenz), Schwindelgefühl, Geschmacksveränderungen (Dysgeusie) · Brustkorbschmerzen, Müdigkeit · Trägheitsgefühl (Lethargie)
ZolpidemHäufigSchläfrigkeit am folgenden Tag, gedämpfte Emotionen, verminderte Wachsamkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel · Erschöpfung (Fatigue)
ZopiclonHäufigBenommenheit am folgenden Tag · Müdigkeit
MelatoninGelegentlichLethargie (Müdigkeit, Antriebslosigkeit), Benommenheit, Schläfrigkeit · Abgeschlagenheit, Schmerzen, Durst · Bei Kindern und Jugendlichen (Retardtabletten für Kinder): Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, plötzliche…
BiperidenSeltenMüdigkeit, Schwindelgefühl, Benommenheit und Gedächtnisstörungen
DexamfetaminSeltenMüdigkeit · Störung der Bewegungskoordination, Benommenheit
DoxepinNicht bekanntMüdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Zittern, Schlafstörungen
DoxylaminNicht bekanntSchläfrigkeit, Schwindelgefühl, Benommenheit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen · Müdigkeit, Mattigkeit, verlängerte Reaktionszeit
JohanniskrautNicht bekanntMüdigkeit
LithiumNicht bekanntSchwindel und Benommenheit; laut Fachinformation auch Drehschwindel · Halluzinationen, Schläfrigkeit (Somnolenz), Erinnerungsverlust (Amnesie)
MelperonNicht bekanntMüdigkeit, insbesondere zu Beginn der Behandlung
TrimipraminNicht bekanntBesonders zu Beginn der Behandlung: Zittern (Tremor), Benommenheit und Schwindel · Beruhigung (Sedierung) · Besonders zu Beginn der Behandlung: Müdigkeit

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (89 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Müdigkeit als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (4 Wirkstoffe)

Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.

Müdigkeit als Zeichen einer anderen Nebenwirkung
WirkstoffAngabe in der ProduktinformationHäufigkeit dieser Nebenwirkung
CarbamazepinHoher Ammoniakspiegel im Blut (Hyperammonämie), möglicherweise mit Reizbarkeit, Verwirrtheit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und SchläfrigkeitNicht bekannt
DuloxetinVerminderte Schilddrüsenfunktion (Hypothyreose), die Müdigkeit oder Gewichtszunahme verursachen kannSelten
LecanemabVorhofflimmern (Herzrhythmusstörung), mit Anzeichen wie unregelmäßigem Herzschlag (Herzrasen oder Flattern im Brustkorb), Schmerzen im Brustkorb, Kurzatmigkeit, Schwindel- oder Ohnmachtsgefühl, Müdigkeit oder eingeschränkter BelastbarkeitHäufig
OxcarbazepinSchilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), erkennbar an Gewichtszunahme, Müdigkeit, Haarausfall, Muskelschwäche und KältegefühlGelegentlich

Schwäche und Kraftlosigkeit

Manche Packungsbeilagen nennen neben der Müdigkeit eine körperliche Schwäche. Bei Citalopram steht "Schwäche oder Kraftlosigkeit (Asthenie)" unter den sehr häufigen Nebenwirkungen, bei Sertralin, Olanzapin und Quetiapin eine Schwäche oder ein Schwächegefühl unter den häufigen [3, 4, 8, 9]. Die folgende Tabelle zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Datensatz, deren Produktinformation eine solche Schwäche nennt.

Schwäche (Asthenie) als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
BuprenorphinSehr häufigEntzugserscheinungen (Arzneimittelentzugssyndrom), Schmerzen, Schwäche (Asthenie) (Substitution, Sublingualtabletten ohne Naloxon)
CitalopramSehr häufigSchwäche oder Kraftlosigkeit (Asthenie)
FluoxetinSehr häufigMüdigkeit (laut Fachinformation einschließlich Schwäche)
NaltrexonSehr häufigSchwäche, Kraftlosigkeit (Asthenie)
AlprazolamHäufigSchwäche (Asthenie)
AtomoxetinHäufigBei Kindern und Jugendlichen: Kraftlosigkeit, Energielosigkeit · Bei Erwachsenen: Kraftlosigkeit, Energielosigkeit, Müdigkeit, Antriebs- und Teilnahmslosigkeit (Lethargie), Schüttelfrost und Durstgefühl
BupropionHäufigSchwäche, Müdigkeit (Asthenie)
BuspironHäufigSchwächegefühl
ChlorprothixenHäufigGefühl körperlicher Schwäche und Kraftlosigkeit (Asthenie), Abgeschlagenheit
DesvenlafaxinHäufigErmüdung, Schwäche
DikaliumclorazepatHäufigMattigkeit (Asthenie)
EsketaminHäufigAnormales Gefühl, sich betrunken fühlen, sich schwach fühlen (Asthenie), Weinen, Gefühl von Körpertemperaturänderungen
EszopiclonHäufigSchwäche, Schmerzen
FlupentixolHäufigSchwäche (Asthenie)
FluvoxaminHäufigUnwohlsein, Muskelschwäche (Asthenie)
GalantaminHäufigMüdigkeit, Kraftlosigkeit (Asthenie), Unwohlsein
LevomethadonHäufigSchweißausbrüche, Mattigkeit, Schwächeanfälle, Wassereinlagerungen (Ödeme), gelegentlich bis häufig
LorazepamHäufigMuskelschwäche, Mattigkeit
MethylphenidatHäufigErhöhte Temperatur (Fieber), Durst, Schwächegefühl
ModafinilHäufigSchwäche (Asthenie), Brustschmerzen
NatriumoxybatHäufigSchwäche (Asthenie), Müdigkeit
OlanzapinHäufigSchwäche
OxcarbazepinHäufigSchwäche
PaliperidonHäufigFieber, Schwäche, Erschöpfung (Müdigkeit)
ParoxetinHäufigUngewöhnliches Schwächegefühl
PipamperonHäufigKraftlosigkeit
QuetiapinHäufigSchwächegefühl (Asthenie)
RisperidonHäufigSchwellungen am Körper, an Armen oder Beinen (Ödeme), Fieber, Schmerzen im Brustkorb, Schwäche, Erschöpfung (Müdigkeit), Schmerzen
RivastigminHäufigMüdigkeits- oder Schwächegefühl (Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit)
SertralinHäufigUnwohlsein, Brustschmerzen, Schwäche (Asthenie), Fieber
TianeptinHäufigSchwäche (Asthenie) und das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben
TiapridHäufigSchnelle Ermüdbarkeit, Schwäche (Asthenie), geistige oder körperliche Ermüdung
TranylcyprominHäufigSchwäche
VenlafaxinHäufigErschöpfung (Asthenie), Abgeschlagenheit (Fatigue) und Schüttelfrost
ZiprasidonHäufigFieber, Schmerzen, Schwäche (Asthenie), Müdigkeit
ZuclopenthixolHäufigSchwächegefühl (Asthenie), Unwohlsein, Schmerzen
GuanfacinGelegentlichSchwächegefühl (Asthenie)
MelatoninGelegentlichSchwächegefühl (Asthenie)
MoclobemidGelegentlichSchwäche (Asthenie)
PitolisantGelegentlichKraftverlust (Asthenie), Brustschmerzen, Unwohlsein, Gefühl, sich anormal zu fühlen
PregabalinGelegentlichKraftlosigkeit, Durst, Engegefühl in der Brust, Schmerzen, Frösteln, Fieber
VareniclinGelegentlichSchwächegefühl (Asthenie), Unwohlsein
ImipraminSehr seltenMuskelzuckungen (Myoklonien), Schwäche, Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), Sprachstörungen
MethadonNicht bekanntKraftlosigkeit (Asthenie)
TrazodonNicht bekanntUnwohlsein, Schwäche, Wassereinlagerungen (Ödeme, auch an Armen und Beinen), grippeähnliche Beschwerden, Schmerzen in der Brust, Fieber

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (45 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Warum Psychopharmaka müde machen können

Die NVL erklärt die sedierenden und gewichtssteigernden Eigenschaften von Mirtazapin und Mianserin mit ihrer deutlichen antihistaminergen Wirkung, also einer Hemmung der Wirkung des Botenstoffs Histamin [19]. Trizyklische Antidepressiva blockieren laut NVL zusätzlich eine Reihe von Andockstellen (Rezeptoren), etwa für die Botenstoffe Acetylcholin und Histamin, wodurch weitere Wirkungen und Nebenwirkungen entstehen [19]. Ähnlich beschreibt die S3-Leitlinie Schizophrenie die niedrigpotenten Antipsychotika: Ihre vegetativen Nebenwirkungen gehen auf eine Blockade bestimmter Rezeptoren zurück, darunter die H1-Rezeptoren für Histamin. Diese Nebenwirkungen begrenzen oft die Dosis, die für eine ausreichende antipsychotische Wirkung nötig wäre; deshalb werden niedrigpotente Antipsychotika laut Leitlinie eher in Dosierungen gegeben, bei denen die sedierenden Wirkungen im Vordergrund stehen [20].

Die Müdigkeit kann sich verstärken, wenn mehrere dämpfende Mittel zusammenkommen. Laut Packungsbeilage von Mirtazapin kann es die Schläfrigkeit verstärken, die zum Beispiel Benzodiazepine, Olanzapin, das Allergiemittel Cetirizin oder das Schmerzmittel Morphin verursachen [1]. Risperidon könnte laut Packungsbeilage die beruhigende und müde machende Wirkung von Benzodiazepinen, manchen Schmerzmitteln (Opiaten) und einigen Allergiemitteln steigern [12]. Bei Levomepromazin nennt die Packungsbeilage für die gleichzeitige Anwendung mit Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmitteln verstärkte Müdigkeit und Benommenheit sowie eine Erschwerung der Atmung [11].

Auch Alkohol kann die Müdigkeit verstärken. Die Packungsbeilage von Venlafaxin warnt, dass Alkohol während der Behandlung zu extremer Müdigkeit und Bewusstlosigkeit führen kann; bei Mirtazapin können Sie sich schläfrig fühlen, wenn Sie Alkohol trinken, und bei Amitriptylin kann Alkohol die dämpfende Wirkung verstärken [1, 2, 6]. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol.

Schließlich spielt die Dosis eine Rolle. Bei Carbamazepin führen Benommenheit, Müdigkeit und andere zentralnervöse Nebenwirkungen laut Packungsbeilage zu Beginn der Behandlung, bei Dosissteigerung oder höheren Dosen und bei gleichzeitiger Einnahme anderer auf das zentrale Nervensystem wirkender Mittel zu Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit [17]. Bei Antidepressiva beschreibt die NVL, dass Nebenwirkungen wie Sedierung bei einer zu hohen Dosierung eine depressive Symptomatik vortäuschen können [19].

Kommt die Müdigkeit vom Medikament?

Einen Anhaltspunkt gibt der zeitliche Verlauf. Mehrere Packungsbeilagen nennen die Müdigkeit vor allem zu Beginn der Behandlung, etwa die von Amitriptylin, Clozapin, Levomepromazin und Lithium [2, 10, 11, 18]. Bei Quetiapin kann die Schläfrigkeit laut Packungsbeilage vergehen, wenn Sie das Mittel länger einnehmen [8].

Müdigkeit kann auch zur Erkrankung gehören. Bei einer Depression zählt die NVL einen verminderten Antrieb oder eine gesteigerte Ermüdbarkeit zu den Hauptsymptomen; allgemeine körperliche Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Kraftlosigkeit nennt sie unter den Beschwerden, die auf eine depressive Störung hinweisen können [19]. Bei Menschen mit Schizophrenie tritt laut S3-Leitlinie ein obstruktives Schlafapnoesyndrom häufiger auf als in der übrigen Bevölkerung; bei Tagesmüdigkeit, Abgeschlagenheit, Übergewicht oder Schnarchen sollte es abgeklärt werden [20]. Gemeint ist eine Erkrankung, bei der die Atmung im Nachtschlaf für kurze Zeit aussetzt; die Packungsbeilage von Quetiapin bittet, vor der Einnahme mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen, wenn eine solche Schlafapnoe besteht oder bestand und zugleich dämpfende Arzneimittel eingenommen werden [8].

Müdigkeit kann außerdem Zeichen einer anderen Nebenwirkung sein. Bei Citalopram können Müdigkeit, Verwirrtheit und Unwohlsein mit Muskelschwäche laut Packungsbeilage Anzeichen eines niedrigen Natriumspiegels im Blut sein [4]. Bei Duloxetin nennt die Packungsbeilage als seltene Nebenwirkung eine verminderte Schilddrüsenfunktion, die Müdigkeit verursachen kann [7]. Mehr dazu lesen Sie unter Natriummangel durch Antidepressiva.

Notieren Sie, wann die Müdigkeit auftritt, wie lange sie anhält und wann Sie Ihr Mittel eingenommen haben, zum Beispiel im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch, und nehmen Sie die Notizen zum nächsten Termin mit. Nach der NVL sollen Wirkungen und typische Nebenwirkungen einer Behandlung mit Antidepressiva aktiv erfragt werden (Empfehlung 4-13), nach der S3-Leitlinie Schizophrenie auch die Nebenwirkungen von Antipsychotika (Empfehlung 51) [19, 20].

Müdigkeit im Straßenverkehr und bei der Arbeit

Bei Levomepromazin kann laut Packungsbeilage insbesondere zu Beginn der Behandlung verstärkt Müdigkeit, Schwindel- und Schwächegefühl auftreten, wodurch Reaktionsvermögen und Urteilskraft vermindert sind; die Packungsbeilage sagt dazu "Fahren Sie nicht Auto oder andere Fahrzeuge" [11]. Auch andere Packungsbeilagen enthalten klare Vorgaben:

  • Quetiapin: Führen Sie kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen, solange Sie Ihre individuelle Reaktion auf die Tabletten nicht kennen [8].
  • Amitriptylin: Treten Schläfrigkeit oder Schwindel auf, dürfen Sie kein Fahrzeug führen und keine Werkzeuge und Maschinen bedienen [2].
  • Clozapin: Mit Müdigkeit, Schläfrigkeit oder Krampfanfällen dürfen Sie sich nicht an das Steuer eines Fahrzeugs setzen und keine Maschinen bedienen [10].
  • Lorazepam: Besonders in den ersten Tagen ist mit Einschränkungen des Reaktionsvermögens zu rechnen; "Führen Sie keine Fahrzeuge." Ob eine Teilnahme am Straßenverkehr möglich ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt [14].
  • Zopiclon: Mindestens 12 Stunden nach der Einnahme sollten Sie kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen; bei einzelnen Menschen kann es laut Packungsbeilage ratsam sein, das am Tag nach der Einnahme auch über 12 Stunden hinaus zu vermeiden. Am Tag danach können Sie sich benommen, schläfrig, schwindelig oder verwirrt fühlen [15].
  • Lithium: Weil es vor allem zu Beginn schläfrig und benommen machen kann, sollen keine Fahrzeuge gelenkt und keine Maschinen bedient werden [18].
  • Pregabalin: Sie sollten kein Fahrzeug führen und keine komplizierten Maschinen bedienen, solange Sie nicht wissen, ob das Mittel Sie dabei beeinflusst [16].

Alkohol verschlechtert das Reaktionsvermögen laut Packungsbeilage von Lorazepam zusätzlich [14]. Die Rechtslage beschreibt die Seite Psychopharmaka und Autofahren.

Was Sie tun können

Frau in den Fünfzigern sitzt am Vormittag ausgeruht auf einer Parkbank in der Sonne
Bild: KI-generiert

Setzen Sie ein Psychopharmakon wegen Müdigkeit nicht selbst ab und ändern Sie die Dosis nicht eigenmächtig. Die Packungsbeilage von Amitriptylin etwa sagt ausdrücklich, dass Sie die Behandlung nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beenden [2]. Unter den Beispielen für individuelle Therapieziele nennt die NVL auch, Belastungen und Nebenwirkungen der Therapie zu verringern, etwa eine Sedierung [19]. Mehrere Punkte können Sie im Gespräch ansprechen:

  • Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann prüfen, ob ein anderer Einnahmezeitpunkt in Frage kommt. Bei Mirtazapin ist es laut Packungsbeilage am besten, die Tabletten als Einmaldosis vor dem Zubettgehen einzunehmen; wird die Dosis aufgeteilt, sollte die höhere Dosis vor dem Zubettgehen eingenommen werden [1]. Für Kinder und Jugendliche mit einer Schizophrenie sollte laut S3-Leitlinie die Gabe von Antipsychotika am Abend bevorzugt werden, und bei Risperidon kann ein Wechsel des Einnahmezeitpunkts bei Kindern und Jugendlichen mit Müdigkeit die Aufmerksamkeitsschwierigkeiten verbessern [12, 20].
  • Bei einer Schizophrenie nennt eine Übersicht der S3-Leitlinie zur Vorbeugung von Sedierung ein geeignetes Antipsychotikum und die Beachtung der übrigen Medikamente, zur Behandlung eine Verringerung der Dosis [20]. Für Nebenwirkungen von Antipsychotika soll je nach Schwere nach Abwägung von Nutzen und Risiko eine Anpassung oder Verringerung der Dosis, eine Umstellung auf ein anderes Präparat oder das Absetzen angeboten werden (Empfehlung 52) [20].
  • Bei Antidepressiva sollten Kontrollen des Medikamentenspiegels im Blut laut NVL unter anderem bei Verträglichkeitsproblemen erfolgen (Empfehlung 4-14) [19]. Mehr dazu unter Medikamentenspiegel.
  • Nennen Sie alle Mittel, die Sie einnehmen, auch solche gegen Allergien oder zum Schlafen; mehrere Packungsbeilagen beschreiben, dass Kombinationen dämpfender Mittel die Müdigkeit verstärken können [1, 11, 12]. Eine Übersicht hilft der Medikationsplan.

Viele Packungsbeilagen raten von Alkohol ab. Bei Mirtazapin heißt es, Sie sollten überhaupt keinen Alkohol trinken, bei Venlafaxin und Olanzapin "Trinken Sie keinen Alkohol", bei Quetiapin sollen Sie darauf achten, wie viel Alkohol Sie trinken [1, 6, 8, 9]. Bei Schlafmitteln hängen die Nachwirkungen am nächsten Morgen auch von der Schlafdauer ab: Laut Packungsbeilage von Lorazepam lassen sie sich meist vermeiden, wenn eine ausreichende Schlafzeit von etwa 7 bis 8 Stunden sichergestellt ist [14].

Bei jedem Medikamentenwechsel kann es laut S3-Leitlinie Schizophrenie zu einer Verschlechterung der Beschwerden oder zu mehr Nebenwirkungen kommen (Empfehlung 30) [20]. Ob und wie die Behandlung angepasst wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; Hintergründe lesen Sie unter Ein Psychopharmakon wechseln.

Wann Sie ärztlichen Rat brauchen

Bei Citalopram sollen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt sofort aufsuchen, wenn Müdigkeit, Verwirrtheit und Unwohlsein mit Muskelschwäche auftreten; diese Beschwerden können laut Packungsbeilage Anzeichen eines niedrigen Natriumspiegels sein [4]. Bei Quetiapin und Clozapin gehört unerklärliche Müdigkeit, ebenso wie schneller und unregelmäßiger Herzschlag, Atemprobleme oder Schmerzen in der Brust, zu den Beschwerden, bei denen die Ärztin oder der Arzt das Herz untersuchen muss; bei Quetiapin sollen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt dann unverzüglich informieren [8, 10]. Laut Packungsbeilage von Carbamazepin sollen Sie sofort ärztlichen Rat einholen bei Müdigkeit zusammen mit Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung, Schwindel, bleichem Aussehen oder häufigen Infektionen; das können Anzeichen bestimmter Blutbildveränderungen sein [17]. Mehr dazu unter Veränderungen des Blutbilds.

Lorazepam und Zopiclon erhöhen zusammen mit Opioiden, also starken Schmerzmitteln, Mitteln zur Substitutionstherapie und einigen Hustenmitteln, laut Packungsbeilage das Risiko von Schläfrigkeit, Atembeschwerden (Atemdepression) und Koma; die Kombination kann lebensbedrohlich sein [14, 15]. Bei Olanzapin sollen Sie sich sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung setzen, wenn Fieber, rasches Atmen, Schwitzen, Muskelsteifheit und Benommenheit oder Schläfrigkeit zusammen auftreten [9]; mehr dazu unter Malignes neuroleptisches Syndrom.

Fühlen Sie sich in einer akuten seelischen Krise, finden Sie Anlaufstellen unter Hilfe in der Krise.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
  2. Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 23.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Duloxetin-ratiopharm 30 mg, 60 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50/150/200/300/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten (2,5 mg bis 20 mg). ratiopharm GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 23.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Levomepromazin-neuraxpharm 10 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2021. abgerufen am 23.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Risperidon AbZ 1 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 23.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Zopiclon-ratiopharm 7,5 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2023. abgerufen am 23.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln (25 bis 300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
  17. Gebrauchsinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
  18. Gebrauchsinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
  19. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand Version 3.2, Juli 2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
  20. Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026

Weiterführend Müdigkeit durch Psychopharmaka auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Müdigkeit durch Antidepressiva?

Bei Citalopram heißt es in der Packungsbeilage, die Nebenwirkungen seien in der Regel mild und vorübergehend; sie träten vor allem zu Beginn der Behandlung auf und ließen mit Besserung der depressiven Beschwerden gewöhnlich nach. Bei Amitriptylin nennt die Packungsbeilage Schläfrigkeit insbesondere zu Beginn der Behandlung. Hält die Müdigkeit an oder schränkt sie Sie stark ein, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Welche Antidepressiva machen nicht müde?

Eine solche Liste stellt Psychopharmakon.de nicht auf. Die Packungsbeilagen nennen Müdigkeit oder Schläfrigkeit bei vielen Antidepressiva, mit unterschiedlicher Häufigkeit; die Tabelle auf dieser Seite zeigt die Angaben aus den Produktinformationen. Welches Mittel zu Ihnen passt, hängt von vielen weiteren Punkten ab und wird gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt entschieden. Wechseln Sie nicht selbst.

Welche Neuroleptika machen müde?

Laut S3-Leitlinie Schizophrenie wird Sedierung vor allem durch niedrig- bis mittelpotente Antipsychotika hervorgerufen, sie tritt aber auch bei anderen auf. Bei Quetiapin, Olanzapin und Clozapin zum Beispiel nennt die Packungsbeilage Schläfrigkeit als sehr häufig. Die Tabelle auf dieser Seite zeigt die Angaben aller Wirkstoffe mit geprüftem Datensatz; sie ist keine Rangliste. Ob ein anderes Mittel für Sie in Frage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Warum bin ich am nächsten Tag noch müde?

Laut Packungsbeilage von Zopiclon können Sie sich am Tag nach der Einnahme, wie auch bei anderen Schlafmitteln, benommen, schläfrig, schwindelig oder verwirrt fühlen; Benommenheit am folgenden Tag ist dort als häufig angegeben. Bei Lorazepam lassen sich Nachwirkungen am folgenden Morgen laut Packungsbeilage meist vermeiden, wenn bei der Anwendung als Schlafmittel eine ausreichende Schlafzeit von etwa 7 bis 8 Stunden sichergestellt ist. Ob ein anderer Einnahmezeitpunkt oder eine andere Behandlung in Frage kommt, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüfen.

Darf ich Auto fahren, wenn mich mein Medikament müde macht?

Solange Sie müde, schläfrig oder benommen sind, führen Sie kein Fahrzeug. Viele Packungsbeilagen sagen das ausdrücklich, etwa die von Amitriptylin, Clozapin und Olanzapin; bei Lorazepam heißt es "Führen Sie keine Fahrzeuge", bei Quetiapin sollen Sie kein Fahrzeug führen, solange Sie Ihre individuelle Reaktion auf die Tabletten nicht kennen. Ob eine Teilnahme am Straßenverkehr möglich ist, entscheidet laut Packungsbeilage von Lorazepam die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Warum machen manche Psychopharmaka müde?

Die NVL Unipolare Depression erklärt die sedierenden Eigenschaften von Mirtazapin und Mianserin mit ihrer deutlichen antihistaminergen Wirkung. Die S3-Leitlinie Schizophrenie führt die Sedierung durch niedrig- bis mittelpotente Antipsychotika darauf zurück, dass diese meist antihistaminische Eigenschaften haben. Verstärken können die Müdigkeit laut Packungsbeilagen auch Alkohol und andere dämpfende Mittel.

Kann die Müdigkeit auch von der Depression kommen?

Ja. Die NVL Unipolare Depression zählt einen verminderten Antrieb oder eine gesteigerte Ermüdbarkeit zu den Hauptsymptomen einer depressiven Episode und nennt allgemeine körperliche Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Kraftlosigkeit unter den Beschwerden, die auf eine depressive Störung hinweisen können. Ob die Müdigkeit von der Erkrankung, vom Medikament oder von etwas anderem kommt, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüfen.

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Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Nebenwirkungen Bewegungsstörungen

    Antipsychotika können Muskelkrämpfe, Parkinson-ähnliche Beschwerden und Sitzunruhe auslösen.

  • Nebenwirkungen Absetzsymptome

    Beim Absetzen von Psychopharmaka können vorübergehend Beschwerden auftreten.

  • Nebenwirkungen Serotonin-Syndrom

    Ein Serotonin-Syndrom ist selten, kann aber lebensbedrohlich sein.

  • Medikamente Atomoxetin

    Atomoxetin ist ein ADHS-Medikament, das nicht zu den Stimulanzien gehört.