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Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen

Für Kinder und Jugendliche sind nur einzelne Psychopharmaka zugelassen, jeweils ab einem bestimmten Alter und für bestimmte Erkrankungen, etwa Methylphenidat bei ADHS ab 6 Jahren oder Fluoxetin bei mittelgradiger bis schwerer Depression ab 8 Jahren zusammen mit einer psychologischen Behandlung. Mehrere Antidepressiva und Antipsychotika sind für unter 18-Jährige nicht zugelassen, etwa Citalopram, Escitalopram, Quetiapin und Olanzapin, und unter Antidepressiva traten in Studien mit Kindern und Jugendlichen Suizidgedanken, Suizidversuche und feindseliges Verhalten häufiger auf als unter Placebo. Ob ein Mittel für Ihr Kind infrage kommt, besprechen Sie mit der behandelnden Fachärztin oder dem behandelnden Facharzt.

Paar Mitte vierzig sitzt am Abend nebeneinander auf den Holzstufen vor dem Haus und unterhält sich ruhig
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Diese Seite richtet sich an Eltern und andere Sorgeberechtigte. Bevor die europäische Verordnung über Kinderarzneimittel im Jahr 2007 in Kraft trat, waren laut Europäischer Arzneimittel-Agentur (EMA) viele in Europa zugelassene Arzneimittel bei Kindern nicht ausreichend untersucht oder nicht für sie zugelassen. Das erschwerte die Behandlung für Ärztinnen, Ärzte und Apotheken ebenso wie für die Kinder und ihre Familien. Die Aufgaben, die ihr die Verordnung überträgt, ermöglichen es der EMA, die Forschung zur Anwendung bei Kindern anzuregen und zu Zulassungen in allen Altersgruppen beizutragen [1].

Was "zugelassen" bei Kindern bedeutet

Für welche Erkrankungen und Altersgruppen ein Arzneimittel zugelassen ist, steht in Abschnitt 4.1 seiner Fachinformation. Die Fachinformation von Fluoxetin nennt dort zum Beispiel getrennte Anwendungsgebiete für Erwachsene und für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren [7]. Abschnitt 4.2 enthält Angaben zu Kindern und Jugendlichen, Abschnitt 4.4 die Warnhinweise. So sollten Citalopram und Escitalopram laut Fachinformation nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden, und ein Anwendungsgebiet für diese Altersgruppe nennen beide Fachinformationen nicht; für Kinder und Jugendliche sind sie also nicht zugelassen [10, 11].

Die Fachinformation von Citalopram regelt auch den Fall, dass trotzdem eine Behandlung erfolgt: Wird aufgrund klinischer Notwendigkeit die Entscheidung dafür getroffen, ist der junge Mensch sorgfältig auf Anzeichen von Suizidalität zu überwachen [10]. Die Packungsbeilage von Fluvoxamin bittet Eltern, sich erneut an die Ärztin oder den Arzt zu wenden, wenn einem Patienten unter 18 Jahren das Mittel verschrieben wurde und sie darüber sprechen möchten [9]. Fragen Sie nach, wenn Sie nicht wissen, ob ein Mittel für das Alter und die Erkrankung Ihres Kindes zugelassen ist.

Welche Psychopharmaka für Kinder und Jugendliche zugelassen sind

Die Bedingungen in der Tabelle sind gekürzt und keine Empfehlung; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Arzneimittels.

Zugelassene Anwendungsgebiete für Kinder und Jugendliche laut Fach- bzw. EMA-Produktinformation, Abschnitt 4.1, bei Dexamfetamin und Fluvoxamin laut Packungsbeilage (keine Rangfolge)
Wirkstoff (Gruppe)AlterAnwendungsgebiet und Bedingungen
Methylphenidat (ADHS-Medikament)ab 6 JahrenADHS im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben; Beginn und Überwachung durch eine auf ADHS spezialisierte Ärztin oder einen Arzt [2]
Lisdexamfetamin (ADHS-Medikament)ab 6 JahrenADHS im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn das Ansprechen auf eine vorherige Behandlung mit Methylphenidat als klinisch unzureichend angesehen wird [3]
Dexamfetamin (ADHS-Medikament)6 bis 17 JahreADHS, nur wenn ein Mittel mit Methylphenidat nicht ausreichend wirksam war, als Teil eines Behandlungsprogramms; laut Packungsbeilage nicht für alle Kinder mit ADHS angezeigt [4]
Atomoxetin (ADHS-Medikament)ab 6 JahrenADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms [5]
Guanfacin (ADHS-Medikament)6 bis 17 JahreADHS, wenn Stimulanzien nicht infrage kommen, nicht vertragen werden oder unwirksam waren, im Rahmen einer umfassenden Gesamtstrategie [6]
Fluoxetin (Antidepressivum)ab 8 Jahrenmittelgradige bis schwere Episoden einer Major Depression, wenn die Depression nach 4 bis 6 Sitzungen nicht auf eine psychologische Behandlung anspricht; das Antidepressivum sollte nur zusammen mit einer gleichzeitigen psychologischen Behandlung gegeben werden [7]
Sertralin (Antidepressivum)6 bis 17 JahreZwangsstörung; für andere Anwendungsgebiete sollte Sertralin unter 18 Jahren nicht angewendet werden [8]
Fluvoxamin (Antidepressivum)ab 8 Jahrenlaut Packungsbeilage Zwangsstörung, mit einer Dosierung für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren; nicht zur Behandlung von Depressionen unter 18 Jahren [9]
Amitriptylin (Antidepressivum)ab 6 Jahrennächtliches Einnässen (Enuresis nocturna), wenn eine organische Ursache ausgeschlossen ist und alle anderen Behandlungen ohne Erfolg blieben; verordnen sollten es nur Ärztinnen und Ärzte mit Erfahrung in der Behandlung des anhaltenden Einnässens [12]
Imipramin (Antidepressivum)ab 5 JahrenEinnässen nach Ausschluss organischer Ursachen und Nachtangst (Pavor nocturnus), jeweils im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts; nur die Filmtabletten mit 10 und 25 mg [13]
Risperidon (Antipsychotikum)ab 5 Jahrensymptomatische Kurzzeitbehandlung (bis zu 6 Wochen) anhaltender Aggression bei Verhaltensstörung bei unterdurchschnittlicher intellektueller Funktion oder geistiger Behinderung, als Teil eines umfassenden Programms mit psychosozialen und erzieherischen Maßnahmen [14]
Haloperidol (Antipsychotikum)6 bis 17, 10 bis 17 bzw. 13 bis 17 Jahreschwere anhaltende Aggression bei Autismus oder tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (6 bis 17 Jahre), Tics einschließlich Tourette-Syndrom bei starker Beeinträchtigung (10 bis 17 Jahre) und Schizophrenie (13 bis 17 Jahre), jeweils erst, wenn andere Behandlungen versagt haben oder nicht vertragen wurden [16]
Aripiprazol (Antipsychotikum)ab 15 bzw. ab 13 JahrenSchizophrenie ab 15 Jahren; mäßige bis schwere manische Episoden der Bipolar-I-Störung ab 13 Jahren für bis zu 12 Wochen [15]
Paliperidon (Antipsychotikum)ab 15 JahrenSchizophrenie (Retardtabletten) [18]
Ziprasidon (Antipsychotikum)10 bis 17 Jahremanische oder gemischte Episoden bis zu einem mäßigen Schweregrad bei bipolaren Störungen; zur Schizophrenie ist es nur bei Erwachsenen zugelassen [17]
Melatonin (Schlafmittel)2 bis 18 bzw. 6 bis 17 Jahreein Präparat (Retardtabletten für Kinder): Schlafstörungen bei Autismus-Spektrum-Störung und/oder bestimmten neurogenetischen Störungen (2 bis 18 Jahre) und bei ADHS (6 bis 17 Jahre), jeweils wenn Maßnahmen der Schlafhygiene nicht ausgereicht haben [24]
Natriumoxybat (Narkolepsie)ab 7 JahrenNarkolepsie mit Kataplexie [32]
Pitolisant (Narkolepsie)ab 6 JahrenNarkolepsie mit oder ohne Kataplexie [33]

ADHS-Medikamente

Für die ADHS-Medikamente sind die Bedingungen der Zulassung eng gefasst: Lisdexamfetamin und Dexamfetamin setzen laut Fachinformation bzw. Packungsbeilage voraus, dass eine Behandlung mit Methylphenidat nicht ausreichend geholfen hat, Guanfacin, dass Stimulanzien nicht infrage kommen, nicht vertragen werden oder unwirksam waren [3, 4, 6]. Die Packungsbeilage von Dexamfetamin nennt als Altersgruppe nur Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren [4]. Was die abgelaufene S3-Leitlinie ADHS, die Arzneimittel-Richtlinie und die Fachinformationen zur Behandlung von Kindern sagen, steht ausführlich unter ADHS.

Antidepressiva

Fluoxetin darf laut Fachinformation bei Kindern und Jugendlichen von 8 bis 18 Jahren nur zur Behandlung mittelgradiger bis schwerer depressiver Episoden angewendet werden und nicht bei anderen Anwendungsgebieten [7]. Sertralin ist für Kinder und Jugendliche nur bei Zwangsstörung zugelassen [8]. Amitriptylin ist für Depression, Nervenschmerzen und die Vorbeugung von chronischem Spannungskopfschmerz und Migräne nur bei Erwachsenen zugelassen; vor einer Behandlung des Einnässens ist laut Fachinformation ein EKG durchzuführen, um ein Long-QT-Syndrom auszuschließen [12]. Citalopram und Escitalopram sind für Kinder und Jugendliche nicht zugelassen [10, 11]. Mehr zur Gruppe steht unter Antidepressiva und zur Erkrankung unter Zwangsstörung.

Antipsychotika

Auch bei den Antipsychotika gelten die Zulassungen nur für einzelne Anwendungsgebiete. Risperidon wird laut Fachinformation bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mit Schizophrenie oder bipolaren Störungen wegen fehlender Daten zur Wirksamkeit nicht empfohlen; vor einer Verordnung bei Verhaltensstörung sollten körperliche und soziale Hintergründe des aggressiven Verhaltens, etwa Schmerzen oder Belastungen im Umfeld, vollständig abgeklärt sein [14]. Aripiprazol wird bei Kindern unter 13 Jahren nicht empfohlen; für Reizbarkeit im Zusammenhang mit Autismus sind Sicherheit und Wirksamkeit bei unter 18-Jährigen laut Fachinformation nicht erwiesen, es ist dafür nicht zugelassen [15]. Für Paliperidon sind Sicherheit und Wirksamkeit bei Jugendlichen von 12 bis 14 Jahren nicht erwiesen [18]. Mehr zu den Erkrankungen lesen Sie unter Autismus und Tourette-Syndrom.

Quetiapin wird bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht empfohlen, weil keine Daten vorhanden sind, die die Anwendung in dieser Altersgruppe unterstützen [19]. Olanzapin ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht angezeigt; bei Jugendlichen wurden in Kurzzeitstudien eine stärkere Gewichtszunahme und stärkere Veränderungen von Blutfetten und Prolaktin berichtet als bei Erwachsenen [20]. Für Kinder und Jugendliche sind damit beide nicht zugelassen [19, 20].

Für Pipamperon nennt die Fachinformation in den Anwendungsgebieten keine Altersgrenze. Weil zu Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Kindern und Jugendlichen nur begrenzte Studien vorliegen, sollte es unter 18 Jahren nur unter besonderer Berücksichtigung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses verordnet werden. Eine Dauerbehandlung sollte im Regelfall sechs Wochen nicht überschreiten und nur im Rahmen einer Gesamtstrategie mit psychologischen, pädagogischen und sozialen Maßnahmen erfolgen [21]. Melperon darf laut Fachinformation bei Kindern unter 12 Jahren nicht angewendet werden [22]. Für Arzneimittel mit Promethazin hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Gegenanzeige für Kinder unter 6 Jahren erwirkt, bisher galt sie unter 2 Jahren; laut Risikoinformation vom 20.11.2025 sind die Fach- und Gebrauchsinformationen entsprechend geändert. Grund sind Berichte über Nebenwirkungen an Nervensystem und Psyche, insbesondere Halluzinationen und aggressives Verhalten [23].

Beruhigungs- und Schlafmittel

Für das Melatonin-Präparat für Erwachsene ab 55 Jahren sind Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen laut Fachinformation nicht erwiesen; für diese Altersgruppe können andere Darreichungsformen oder Stärken geeigneter sein [25]. Lorazepam sollte laut Fachinformation bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden, außer zur Beruhigung vor Untersuchungen sowie vor und nach Operationen bei Kindern ab 6 Jahren; unter 6 Jahren sollte es nicht angewendet werden [26]. Bei Diazepam sind Neugeborene und Säuglinge bis zum Alter von 6 Monaten von der Behandlung auszuschließen; Kindern und Jugendlichen sollte es nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko verordnet werden [27]. Zopiclon dürfen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht erhalten [28]. Mehr dazu unter Schlafmittel und Beruhigungsmittel.

Stimmungsstabilisierer

Eine Behandlung mit Lithium wird laut Fachinformation bei Kindern unter 12 Jahren und bei Jugendlichen nicht empfohlen, weil keine Erfahrungswerte vorliegen [29]. Lamotrigin ist für die bipolare Störung nur bei Erwachsenen ab 18 Jahren zugelassen; für Kinder und Jugendliche nennt die Fachinformation nur Anwendungsgebiete bei Epilepsie [30]. Für Valproinsäure gelten bei Mädchen besondere Regeln: Laut Fachinformation darf Valproat bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter nur angewendet werden, wenn andere Behandlungen nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden, und es wird nach dem Valproat-Schwangerschaftsverhütungsprogramm verschrieben und abgegeben. Die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt muss sicherstellen, dass die Eltern oder Betreuungspersonen wissen, dass sie die Fachärztin oder den Facharzt informieren müssen, sobald die erste Regelblutung einsetzt. Nach der ersten Regelblutung werden die Eltern oder Betreuungspersonen umfassend über die Risiken für ein Kind im Mutterleib informiert, und die Fachärztin oder der Facharzt muss die Behandlung jährlich neu beurteilen; sie oder er sollte alles daransetzen, Mädchen vor dem Erwachsenenalter auf eine andere Behandlung umzustellen [31]. Einzelheiten zum Schwangerschaftsverhütungsprogramm stehen auf der Wirkstoffseite.

Stimmung und Verhalten: Warnhinweise für junge Menschen

Die Fachinformationen der Antidepressiva enthalten für Kinder und Jugendliche einen gemeinsamen Warnhinweis, etwa bei Fluoxetin, Sertralin, Citalopram und Escitalopram: In klinischen Studien wurden suizidale Verhaltensweisen, also Suizidversuche und Suizidgedanken, sowie Feindseligkeit, vorwiegend Aggressivität, oppositionelles Verhalten und Wut, bei Kindern und Jugendlichen unter Antidepressiva häufiger beobachtet als unter Placebo [7, 8, 10, 11]. Zur Sicherheit bei langer Anwendung in Bezug auf Wachstum, Reifung sowie geistige Entwicklung und Verhaltensentwicklung gibt es laut Fachinformation nur begrenzte Daten oder sie fehlen [7, 10]. Eine Auswertung von Studien bei Erwachsenen mit psychischen Erkrankungen zeigte außerdem für Menschen unter 25 Jahren unter Antidepressiva ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu Placebo [7].

Depressive Erkrankungen gehen laut den Fachinformationen von Fluoxetin und Citalopram mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken, Selbstverletzung und Suizid einher, bis sich die Beschwerden deutlich bessern, und das Risiko kann zu Beginn einer Behandlung ansteigen [7, 10]. Laut Fachinformation von Fluoxetin sollte die Behandlung mit einer engmaschigen Überwachung einhergehen, besonders zu Beginn und nach Dosisanpassungen. Behandelte und ihre Betreuungspersonen sind darauf hinzuweisen, auf jede Verschlechterung, auf Suizidgedanken oder suizidales Verhalten und auf ungewöhnliche Verhaltensänderungen zu achten; treten sie auf, sollten sie unverzüglich medizinischen Rat einholen [7]. In Studien an Kindern wurden unter Fluoxetin Manien und Hypomanien berichtet, also krankhaft gehobene Stimmung; die Fachinformation empfiehlt daher eine regelmäßige Beobachtung darauf [7]. Wichtig ist laut Fachinformation, dass die verschreibende Ärztin oder der verschreibende Arzt Risiken und Nutzen sorgfältig mit dem jungen Menschen und/oder seinen Eltern bespricht [7].

Auch außerhalb der Antidepressiva nennen Fachinformationen solche Hinweise. Unter dem ADHS-Medikament Atomoxetin wurden suizidale Verhaltensweisen in Studien bei Kindern und Jugendlichen häufiger beobachtet als unter Placebo; alle, die wegen ADHS behandelt werden, müssen sorgfältig darauf überwacht werden [5]. Bei der bipolaren Störung wird Lamotrigin unter 18 Jahren nicht empfohlen, weil eine Studie keine signifikante Wirksamkeit nachwies und mehr Meldungen von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten zeigte (Studienergebnis) [30].

Was unter ADHS-Medikamenten bei Suizidgedanken, Aggressivität oder psychotischen Beschwerden gilt, steht unter ADHS, Hinweise zur Erkrankung unter Depression.

Wachstum, Gewicht und weitere Kontrollen

Unter Methylphenidat sollten laut Fachinformation Wachstum, psychischer Zustand und Herz-Kreislauf-Zustand kontinuierlich überwacht werden. Blutdruck und Puls sollen bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate dokumentiert werden, Körpergröße, Gewicht und Appetit bei Kindern mindestens alle 6 Monate in einem Wachstumsdiagramm [2]. In einer Studie über 19 Wochen nahmen Kinder und Jugendliche unter Fluoxetin weniger an Größe und Gewicht zu (Studienergebnis); eine Verzögerung der Pubertät kann laut Fachinformation nicht ausgeschlossen werden, Wachstum und Pubertätsentwicklung sollten deshalb während und nach der Behandlung überwacht werden [7]. Auch bei einer Langzeitbehandlung mit Sertralin muss die Ärztin oder der Arzt Wachstum und Entwicklung überwachen [8].

Unter Risperidon nahmen Körpergewicht und Body-Mass-Index im Mittel zu; empfohlen werden eine Messung des Gewichts vor Beginn und regelmäßige Gewichtskontrollen. Wie sich eine Langzeitbehandlung auf Wachstum und sexuelle Reife auswirkt, ist laut Fachinformation noch nicht ausreichend untersucht [14]. Bei Haloperidol zeigen die Sicherheitsdaten für Kinder und Jugendliche ein Risiko für Bewegungsstörungen, einschließlich Spätdyskinesien, und für Dämpfung (Sedierung); Daten zur Langzeitsicherheit sind begrenzt [16]. Mehr dazu unter Bewegungsstörungen und Gewichtszunahme.

Bei Benzodiazepinen wie Lorazepam muss laut Fachinformation insbesondere bei Kindern und älteren Menschen mit paradoxen Reaktionen gerechnet werden, etwa mit Angst, Erregung oder aggressivem Verhalten; treten sie auf, muss die Behandlung beendet werden [26]. Zu Beginn sollte die Ärztin oder der Arzt die Reaktion auf das Mittel kontrollieren, das gilt laut Fachinformation insbesondere für Kinder [26]. Welche Untersuchungen es allgemein unter Psychopharmaka gibt, steht unter Kontrollen und Blutwerte.

Was Eltern tun können

Junger Mann um die zwanzig spielt an einem sonnigen Nachmittag auf einem Freiplatz Basketball
Bild: KI-generiert

Fragen Sie vor Beginn, für welche Erkrankung und welches Alter das Mittel zugelassen ist, welche Kontrollen nötig sind und woran Sie Nebenwirkungen erkennen. Ihre Fragen können Sie mit den Fragen fürs Arztgespräch vorbereiten, alle Mittel Ihres Kindes mit Einnahmezeiten im Medikationsplan festhalten. Beobachtungen zu Stimmung, Schlaf und Beschwerden lassen sich im Stimmungstagebuch notieren. Wer welche Mittel verschreiben darf, lesen Sie unter Wer verschreibt Psychopharmaka.

Die Packungsbeilage von Dexamfetamin erinnert daran, dass das Arzneimittel Ihrem Kind persönlich verschrieben wurde. Geben Sie es nicht an andere weiter; es kann anderen Menschen schaden, auch wenn sie dieselben Beschwerden haben. Bewahren Sie es für Kinder unzugänglich auf [4]. Bei Methylphenidat sollten Behandelte laut Fachinformation auch auf das Risiko überwacht werden, dass das Mittel weitergegeben, falsch gebraucht oder missbraucht wird [2]. Ändern Sie Dosis oder Einnahme nicht eigenmächtig und beenden Sie eine Behandlung nur gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt; mehr dazu unter Absetzen.

Quellen

  1. Behörde Paediatric medicines: Overview. European Medicines Agency (EMA). Stand aktualisiert 03.06.2024. abgerufen am 23.10.2026
  2. Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025 (Version 14). abgerufen am 23.10.2026
  3. Fachinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Attentin 10 mg/20 mg Tabletten (Dexamfetamin). MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Atomoxetin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024 (Version 4). abgerufen am 23.10.2026
  6. EMA-Produktinformation Intuniv (Guanfacin, EPAR), Anhang I: Fachinformation (Abschnitt 4.1). Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026. abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026 (Version 6). abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Fluvoxamin-neuraxpharm 100 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2020. abgerufen am 23.10.2026
  10. Fachinformation Citalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  11. Fachinformation Escitalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 12). abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024 (Version 6). abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Imipramin-neuraxpharm 10 mg, 25 mg, 100 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2020. abgerufen am 23.10.2026
  14. Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
  15. EMA-Produktinformation ABILIFY (Aripiprazol, EPAR), Anhang I: Fachinformation ABILIFY Tabletten (Abschnitte 4.1 und 4.2). Otsuka Pharmaceutical Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 23.10.2026
  16. Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
  17. Fachinformation Ziprasidon-neuraxpharm 20 mg/40 mg/60 mg/80 mg Hartkapseln. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 09/2020. abgerufen am 23.10.2026
  18. EMA-Produktinformation INVEGA (Paliperidon, EPAR), Anhang I: Fachinformation Invega Retardtabletten (Abschnitte 4.1 und 4.2). Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
  19. Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024 (Version 10). abgerufen am 23.10.2026
  20. Fachinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2020 (Version 4). abgerufen am 23.10.2026
  21. Fachinformation Pipamperon-neuraxpharm 40 mg Tabletten, Pipamperon-neuraxpharm 120 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 23.10.2026
  22. Fachinformation Melperon STADA 10 mg und 25 mg Filmtabletten, 25 mg/5 ml Lösung zum Einnehmen. STADAPHARM GmbH. Stand 06/2022. abgerufen am 23.10.2026
  23. Behörde Risikoinformation: Promethazin, Neue Kontraindikation für Kinder unter 6 Jahren. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 20.11.2025. abgerufen am 23.10.2026
  24. EMA-Produktinformation Slenyto (Melatonin, EPAR), Anhang I: Fachinformation Slenyto 1 mg und 5 mg Retardtabletten (Abschnitt 4.1). RAD Neurim Pharmaceuticals EEC SARL (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
  25. EMA-Produktinformation Circadin (Melatonin, EPAR), Anhang I: Fachinformation Circadin 2 mg Retardtabletten (Abschnitte 4.1 und 4.2). RAD Neurim Pharmaceuticals EEC SARL (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
  26. Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  27. Fachinformation Diazepam STADA 10 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2018. abgerufen am 23.10.2026
  28. Fachinformation Zopiclon-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2024 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  29. Fachinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
  30. Fachinformation Lamotrigin-ratiopharm Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026 (Version 9). abgerufen am 23.10.2026
  31. Fachinformation Valproinsäure-ratiopharm 300 Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026 (Version 10). abgerufen am 23.10.2026
  32. EMA-Produktinformation Xyrem (Natriumoxybat, EPAR), Anhang I: Fachinformation (Abschnitt 4.1). UCB Pharma S.A. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 05/2025. abgerufen am 23.10.2026
  33. EMA-Produktinformation Wakix (Pitolisant, EPAR), Anhang I: Fachinformation (Abschnitt 4.1). Bioprojet Pharma (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Welche Antidepressiva sind für Kinder und Jugendliche zugelassen?

Bei Depression ist von den hier beschriebenen Mitteln nur Fluoxetin zugelassen, ab 8 Jahren bei mittelgradigen bis schweren Episoden, wenn die Depression nach 4 bis 6 Sitzungen nicht auf eine psychologische Behandlung anspricht; gegeben werden sollte es laut Fachinformation nur zusammen mit dieser Behandlung. Bei Zwangsstörung ist Sertralin ab 6 Jahren zugelassen, beim nächtlichen Einnässen sind es Amitriptylin ab 6 und Imipramin ab 5 Jahren unter strengen Bedingungen. Für Fluvoxamin nennt die Packungsbeilage bei Zwangsstörung eine Dosierung ab 8 Jahren. Citalopram und Escitalopram sollten laut Fachinformation unter 18 Jahren nicht angewendet werden.

Ab welchem Alter sind ADHS-Medikamente zugelassen?

Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Atomoxetin sind laut Fachinformation ab 6 Jahren zugelassen, Dexamfetamin und Guanfacin für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren. Lisdexamfetamin und Dexamfetamin kommen erst infrage, wenn Methylphenidat nicht ausreichend geholfen hat, Guanfacin, wenn Stimulanzien nicht infrage kommen, nicht vertragen werden oder unwirksam waren. Unter 6 Jahren nennt keine dieser Fachinformationen ein Anwendungsgebiet.

Gibt es Neuroleptika für Kinder?

Einige Antipsychotika (Neuroleptika) sind für einzelne Anwendungsgebiete zugelassen: Risperidon ab 5 Jahren kurzzeitig bei anhaltender Aggression bei Verhaltensstörung bei unterdurchschnittlicher intellektueller Funktion oder geistiger Behinderung, Haloperidol ab 6 Jahren bei schwerer Aggression bei Autismus, ab 10 Jahren bei Tics und ab 13 Jahren bei Schizophrenie, jeweils erst, wenn andere Behandlungen versagt haben oder nicht vertragen wurden, Aripiprazol ab 13 Jahren bei Manie und ab 15 Jahren bei Schizophrenie, Paliperidon ab 15 Jahren bei Schizophrenie und Ziprasidon ab 10 Jahren bei manischen oder gemischten Episoden einer bipolaren Störung. Quetiapin und Olanzapin sind für unter 18-Jährige nicht zugelassen, Melperon darf unter 12 Jahren nicht angewendet werden.

Gibt es Schlaf- oder Beruhigungsmittel für Kinder?

Ein Melatonin-Präparat ist für Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störung oder bestimmten neurogenetischen Störungen ab 2 Jahren und mit ADHS ab 6 Jahren zugelassen, wenn Maßnahmen der Schlafhygiene nicht ausgereicht haben. Lorazepam sollte unter 18 Jahren nur zur Beruhigung vor oder nach Eingriffen bei Kindern ab 6 Jahren angewendet werden, Diazepam nur nach sorgfältiger Abwägung, Zopiclon nicht. Promethazin darf laut BfArM bei Kindern unter 6 Jahren nicht angewendet werden; was für ältere Kinder und Jugendliche gilt, steht auf der Seite zu Promethazin.

Was bedeutet es, wenn ein Medikament für Kinder nicht zugelassen ist?

Abschnitt 4.1 der Fachinformation nennt dann kein Anwendungsgebiet für Kinder oder Jugendliche, und Abschnitt 4.2 rät oft ausdrücklich von der Anwendung in dieser Altersgruppe ab. Laut EMA waren vor 2007 viele Arzneimittel bei Kindern nicht ausreichend untersucht. Wird trotzdem behandelt, verlangt etwa die Fachinformation von Citalopram eine sorgfältige Überwachung. Fragen Sie nach, wenn Sie unsicher sind, ob ein Mittel für Ihr Kind zugelassen ist.

Erhöhen Antidepressiva bei Jugendlichen das Risiko für Suizidgedanken?

In klinischen Studien wurden Suizidversuche, Suizidgedanken und feindseliges Verhalten bei Kindern und Jugendlichen unter Antidepressiva häufiger beobachtet als unter Placebo, und bei Erwachsenen unter 25 Jahren zeigte sich ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten. Laut den Fachinformationen sollten Behandelte engmaschig überwacht werden, besonders zu Beginn und nach Dosisanpassungen. Bei Gedanken an Selbstverletzung holen Sie sofort Hilfe; die Angebote stehen unter Hilfe in der Krise.

Warum werden Größe und Gewicht meines Kindes kontrolliert?

Unter Methylphenidat sollen Körpergröße, Gewicht und Appetit bei Kindern mindestens alle 6 Monate in einem Wachstumsdiagramm festgehalten werden. Unter Fluoxetin nahmen Kinder in einer Studie weniger an Größe und Gewicht zu, unter Risperidon nahm das Gewicht im Mittel zu. Für Sertralin verlangt die Fachinformation bei Langzeitbehandlung eine Überwachung von Wachstum und Entwicklung.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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