MedikamenteWirkstoff
Esketamin
Esketamin ist ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum, das als Nasenspray zusammen mit einem anderen Antidepressivum angewendet wird; bekannt ist es als Spravato. Zugelassen ist es für Erwachsene mit einer mittelgradigen bis schweren Depression, die in der aktuellen Episode auf mindestens zwei Behandlungen mit Antidepressiva nicht angesprochen hat, und als Kurzzeitbehandlung im psychiatrischen Notfall. Sie wenden es selbst unter Aufsicht in einer Praxis oder Klinik an und werden danach überwacht, weil es vorübergehend den Blutdruck erhöhen, schläfrig machen und ein Gefühl des Abgespaltenseins auslösen kann.

Wofür wird Esketamin eingesetzt?
Esketamin ist als Nasenspray für Erwachsene mit einer Major Depression zugelassen, und zwar für zwei Situationen. In beiden wird es zusammen mit einem anderen Antidepressivum angewendet. [1, 2]
- Therapieresistente Depression: Die aktuelle mittelgradige bis schwere Episode hat auf mindestens zwei unterschiedliche Behandlungen mit Antidepressiva nicht angesprochen. Esketamin kommt dann zu einem SSRI oder SNRI hinzu. [2]
- Akute Kurzzeitbehandlung bei einer mittelgradigen bis schweren Episode, um depressive Beschwerden schnell zu verringern, die nach ärztlichem Ermessen einem psychiatrischen Notfall entsprechen. Hier wird es mit einer antidepressiven Behandlung zum Einnehmen kombiniert. [2]
Die Entscheidung zur Verordnung trifft eine Psychiaterin oder ein Psychiater. Esketamin ist verschreibungspflichtig, und laut EMA-Produktinformation unterliegt das Nasenspray der besonderen und eingeschränkten ärztlichen Verschreibung. [2, 4, 15]
Die NVL Unipolare Depression (Version 3.2) nennt Esketamin für eine mittelgradige bis schwere depressive Episode, die auf mehrere angemessen durchgeführte Behandlungsversuche nicht angesprochen hat: Dann kann es im stationären oder teilstationären Rahmen zusätzlich zu einem Antidepressivum angeboten werden. Für Notfallsituationen spricht sie dieselbe offene Empfehlung aus. Außerhalb dieser beiden Situationen ist Esketamin zur Behandlung einer unipolaren Depression nicht zugelassen. Mehr zur Erkrankung und zu den Möglichkeiten, wenn eine Behandlung nicht anschlägt, lesen Sie auf den Seiten Depression und Wenn Antidepressiva nicht wirken. [14]
Die Fachinformation erwähnt Esketamin und Ketamin auch als Narkosemittel (Anästhetikum), das in die Vene gespritzt wird. Diese Seite beschreibt nur das Nasenspray zur Behandlung von Depressionen. Was Ketamin und Esketamin unterscheidet, erklärt die Seite Ketamin und Esketamin bei Depression. [2]
Wie wirkt Esketamin?
Nervenzellen geben Signale über Botenstoffe weiter. Esketamin setzt am Botenstoff Glutamat an: Es blockiert eine seiner Andockstellen im Gehirn, den NMDA-Rezeptor, nicht selektiv und nicht kompetitiv. Dadurch wird vorübergehend mehr Glutamat ausgeschüttet, das andere Andockstellen (AMPA-Rezeptoren) stärker anregt und in der Folge Signalwege verstärkt, die von sogenannten Neurotrophinen ausgelöst werden. Laut Fachinformation kann das dazu beitragen, die Funktion der Synapsen, also der Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen, in Hirnregionen wiederherzustellen, die für Stimmung und Gefühle zuständig sind. [2]
Zum schnellen Wirkungseintritt trägt laut Fachinformation möglicherweise bei, dass die Signalübertragung über Dopamin in Hirnregionen für Belohnung und Motivation wiederhergestellt wird und Hirnregionen, die mit Freudlosigkeit (Anhedonie) in Verbindung stehen, weniger angeregt werden. Die NVL Unipolare Depression beschreibt Esketamin als neuen Ansatz der medikamentösen Behandlung, dessen Stärke vor allem der schnelle Wirkungseintritt ist. [2, 14]
Esketamin ist eine der beiden spiegelbildlichen Formen des Ketamins: Ketamin ist ein Gemisch (Racemat) aus R-Ketamin und Esketamin. In der Fachinformation zählt Esketamin zu den anderen Antidepressiva (Gruppe Weitere Antidepressiva). Einen Überblick über alle Gruppen gibt die Seite Antidepressiva, die Grundlagen erklärt Wie wirken Antidepressiva?. [2]
Über die Nasenschleimhaut wird Esketamin schnell aufgenommen; den höchsten Blutspiegel erreicht es typischerweise 20 bis 40 Minuten nach dem letzten Sprühstoß einer Sitzung. Die Halbwertszeit liegt im Allgemeinen bei 7 bis 12 Stunden. Abgebaut wird Esketamin vor allem in der Leber, hauptsächlich über die Enzyme CYP2B6 und CYP3A4. Bei zweimal wöchentlicher Anwendung wurde keine Anreicherung im Blut beobachtet. [2]
Wann wirkt Esketamin und wie lange wird behandelt?
Bei einer therapieresistenten Depression beginnt die Behandlung mit einer vierwöchigen Anfangsphase (Induktionsphase); an ihrem Ende soll laut Fachinformation der Nutzen beurteilt werden, um über die weitere Behandlung zu entscheiden. In der Erhaltungsphase sollte der längste Abstand zwischen zwei Anwendungen gewählt werden, mit dem die Besserung erhalten bleibt, und der weitere Bedarf soll in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Im psychiatrischen Notfall sollte Esketamin Teil eines umfassenden Behandlungsplans sein. Wie oft Sie in den einzelnen Phasen kommen, steht im Abschnitt zur Dosierung, was bei versäumten Terminen gilt, in der Übersicht zum Alltag. [1, 2]
Allgemeines zum Zeitverlauf einer Behandlung erklären die Seiten Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen?.
- BeginnVor jeder Anwendung wird der Blutdruck gemessen, weil Esketamin ihn danach für etwa 1 bis 2 Stunden erhöhen kann. Dissoziation und Schläfrigkeit treten laut Fachinformation am Tag der Anwendung auf und klingen typischerweise innerhalb von 1,5 Stunden ab; bis Sie stabil genug sind, werden Sie überwacht. Das Suizidrisiko kann in den frühen Phasen des Ansprechens auf die Behandlung steigen.[1, 2]
- Erste WirkungBei therapieresistenter Depression soll laut Fachinformation am Ende der vierwöchigen Anfangsphase (Induktionsphase) der Nutzen beurteilt werden, um über die weitere Behandlung zu entscheiden. Als Kurzzeitbehandlung im psychiatrischen Notfall wird Esketamin angewendet, um depressive Beschwerden schnell zu verringern.[1, 2]
- ErhaltungBei therapieresistenter Depression wird laut Fachinformation empfohlen, die Behandlung nach einer Besserung mindestens 6 Monate fortzusetzen; in der Erhaltungsphase sollte der längste Abstand zwischen den Anwendungen gewählt werden, mit dem die Besserung erhalten bleibt, und der weitere Behandlungsbedarf soll regelmäßig überprüft werden. Nach der vierwöchigen Notfallbehandlung sollte die Behandlung mit Antidepressiva zum Einnehmen nach ärztlichem Ermessen fortgesetzt werden.[2]
- AbsetzenEin Ausschleichen ist laut Fachinformation nicht nötig; das Risiko für Absetzerscheinungen ist nach Studiendaten gering.[2]
Nebenwirkungen im Blick
Das Gefühl, von sich selbst, den eigenen Gedanken und der Umgebung abgespalten zu sein (Dissoziation), war laut Fachinformation eine der häufigsten Wirkungen von Esketamin auf das Erleben. Es trat am Tag der Anwendung auf, klang typischerweise innerhalb von 1,5 Stunden ab und wurde bei wiederholter Behandlung tendenziell schwächer. Auch Sedierung und Schläfrigkeit traten am Tag der Anwendung auf und klangen am selben Tag von selbst ab, die beruhigende Wirkung typischerweise innerhalb von 1,5 Stunden. Den Blutdruck kann Esketamin vorübergehend erhöhen; die Spitzenwerte werden etwa 40 Minuten nach der Anwendung erreicht und halten etwa 1 bis 2 Stunden an. [2]
Für die Langzeitbehandlung beschreibt die Fachinformation eine Studie, in der Menschen mit therapieresistenter Depression im Mittel 42,9 Monate behandelt wurden: Das Sicherheitsprofil entsprach dem der Zulassungsstudien, neue Risiken zeigten sich nicht. Nach täglicher, langfristiger Anwendung hoher Dosen von Ketamin wurden Blasenentzündungen einer bestimmten Form (interstitielle Zystitis) berichtet. In den Studien mit Esketamin gab es keine solchen Fälle, Beschwerden der unteren Harnwege wie häufiger oder plötzlicher Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen kamen aber öfter vor als unter einem Scheinmedikament (Placebo). [2]
Nebenwirkungen im Blick
Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.
- MüdigkeitSehr häufig
- Schlafstörungennicht genannt
- Unruhe und NervositätHäufig
- Gewichtszunahmenicht genannt
- Weniger oder veränderte Lust auf Sexnicht genannt
- Erektionsstörungennicht genannt
- MundtrockenheitHäufig
- Vermehrtes SchwitzenHäufig
- ÜbelkeitSehr häufig
- SchwindelSehr häufig
- ZitternHäufig
- Bewegungsstörungennicht genannt
- Herzrhythmus und QT-Zeitnicht genannt
- Natriummangelnicht genannt
- Abhängigkeitnicht genannt
- Sitzunruhe (Akathisie)nicht genannt
"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit.
Die folgende Liste nennt alle Nebenwirkungen, für die Fach- und Gebrauchsinformation eine Häufigkeit angeben. Missbrauch und Abhängigkeit beschreibt die Fachinformation als Risiko ohne Häufigkeitsangabe; mehr dazu im Abschnitt zum Alltag. Was die Angaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. [1, 2]
Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen
- PsycheGefühl des Abgespaltenseins von sich selbst, den eigenen Gedanken, Gefühlen und der Umgebung (Dissoziation)[1, 2]
- NervensystemSchwindelgefühl, Kopfschmerzen[1, 2]
- NervensystemSchläfrigkeit (Somnolenz)[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
- NervensystemVerändertes Geschmacksempfinden (Dysgeusie)[1, 2]
- NervensystemVermindertes Empfinden oder verminderte Empfindlichkeit, auch im Mundbereich (Hypästhesie)[1, 2]
- Ohr und GleichgewichtDrehschwindel (Vertigo)[1, 2]
- Magen und DarmÜbelkeit, Erbrechen[1, 2]
- Laborwerte und UntersuchungenErhöhter Blutdruck[1, 2]
Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
- PsycheAngstgefühl, Panikattacken[1, 2]
- PsycheÜberschwängliches Glücksgefühl (Euphorie)[1, 2]
- PsycheVerwirrtheitsgefühl (Verwirrtheitszustand)[1, 2]
- PsycheGefühl von Realitätsverlust (Derealisation)[1, 2]
- PsycheReizbarkeit[1, 2]
- PsycheSehen, Fühlen, Hören oder Riechen von Dingen, die nicht da sind (Halluzinationen, einschließlich optischer Halluzinationen)[1, 2]
- PsycheUnruhe (Agitiertheit)[1, 2]Mehr dazu: Unruhe und Nervosität
- PsycheSinnestäuschungen der Augen, Ohren oder des Tastsinns, bei denen etwas nicht so ist, wie es scheint (Illusionen)[1, 2]
- PsycheVerändertes Zeitgefühl[1, 2]
- NervensystemUngewöhnliches Gefühl wie Prickeln oder Kribbeln, zum Beispiel im Mund (Parästhesie)[1, 2]
- NervensystemMuskelzittern (Tremor)[1, 2]
- NervensystemSedierung, extreme Schläfrigkeit mit Antriebslosigkeit (Lethargie)[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
- NervensystemProbleme beim Denken (geistige Beeinträchtigung), Konzentrationsprobleme (Aufmerksamkeitsstörung)[1, 2]
- NervensystemSchwierigkeiten beim Sprechen (Dysarthrie)[1, 2]
- AugenVerschwommenes Sehen[1, 2]
- Ohr und GleichgewichtAnhaltendes Klingeln in den Ohren (Tinnitus), erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Lärm oder Geräuschen (Hyperakusis)[1, 2]
- HerzSchneller Herzschlag (Tachykardie)[1, 2]Mehr dazu: Herzrasen
- Gefäße und KreislaufHoher Blutdruck (arterielle Hypertonie)[1, 2]
- AtemwegeNasenbeschwerden, gereizter Hals, Halsschmerzen, trockene Nase einschließlich Verkrustungen in der Nase, juckende Nase[1, 2]
- Magen und DarmVermindertes Gefühl oder verminderte Empfindlichkeit im Mund (orale Hypoästhesie)[1, 2]
- Magen und DarmTrockener Mund[1, 2]
- HautÜbermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose)[1, 2]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen
- Nieren und HarnwegeHäufiger Harndrang (Pollakisurie), Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie), plötzlicher Harndrang[1, 2]
- Allgemeine BeschwerdenAnormales Gefühl, sich betrunken fühlen, sich schwach fühlen (Asthenie), Weinen, Gefühl von Körpertemperaturänderungen[1, 2]Mehr dazu: Schwäche (Asthenie)
Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen
- PsycheVerlangsamte Gedanken, Sprache und Bewegungen (psychomotorische Verlangsamung)[1, 2]
- PsycheEmotionale Belastung (emotionaler Stress), sich unbehaglich oder angespannt fühlen (Dysphorie)[1, 2]
- NervensystemSchnelle, nicht zu kontrollierende Augenbewegungen (Nystagmus)[1, 2]
- NervensystemHyperaktiv sein (psychomotorische Hyperaktivität)[1, 2]
- HerzLangsamer Herzschlag (Bradykardie)[1, 2]Mehr dazu: Verlangsamter Herzschlag
- Gefäße und KreislaufNiedriger Blutdruck (Hypotonie)[1, 2]
- Magen und DarmVermehrter Speichelfluss (Hypersalivation)[1, 2]
- HautKalter Schweiß[1, 2]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen
- Allgemeine BeschwerdenGehprobleme (Gangstörung)[1, 2]
Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Bleibt der Blutdruck nach der Anwendung über längere Zeit erhöht, muss laut Fachinformation unverzüglich eine Ärztin oder ein Arzt mit Erfahrung in der Blutdruckkontrolle hinzugezogen werden, und Zeichen einer Blutdruckkrise (hypertensive Krise) müssen sofort notfallmäßig behandelt werden. [2]
In den frühen Phasen des Ansprechens auf die Behandlung kann das Suizidrisiko laut Fachinformation steigen, und dass Esketamin Suizide verhindert oder Suizidgedanken verringert, ist nicht nachgewiesen. Eine Aufnahme ins Krankenhaus kann auch dann nötig sein, wenn es Ihnen nach der ersten Anwendung besser geht. [2]
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Einige Hinweise aus Fach- und Gebrauchsinformation helfen, mit Beschwerden rund um die Behandlung umzugehen:
- Weil nach der Anwendung Übelkeit oder Erbrechen auftreten können, sollten Sie 2 Stunden vorher nichts mehr essen und 30 Minuten vorher nichts mehr trinken. [1, 2]
- Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie während der Anwendung Schläfrigkeit, Schwindel, Angst, ein Gefühl des Abgespaltenseins oder Atemprobleme bemerken. Wenn Sie das Gefühl haben, nicht wach bleiben zu können oder ohnmächtig zu werden, informieren Sie das Fachpersonal umgehend. [1]
- Schmerzen beim Wasserlassen oder Blut im Urin melden Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei anhaltenden Beschwerden der Harnwege empfiehlt die Fachinformation, an eine Fachärztin oder einen Facharzt zu überweisen. [1, 2]
- Weil Sie bis zum nächsten Tag nach einem erholsamen Schlaf kein Fahrzeug führen sollen, klären Sie vor dem Termin, wie Sie nach Hause kommen. [1, 2]
Beschwerden und Stimmung zwischen den Terminen können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten; die Fragen fürs Arztgespräch helfen bei der Vorbereitung auf die nächste Sitzung.
Kontrollen während der Behandlung
Überwacht werden Sie nach jeder Anwendung wegen möglicher Sedierung, Dissoziation und eines erhöhten Blutdrucks. Ist der Blutdruck schon vor der Anwendung erhöht, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob Sie das Nasenspray anwenden können oder warten müssen, bis er gesunken ist. Steigt er nach der Anwendung deutlich und bleibt über mehrere Stunden erhöht, benötigen Sie möglicherweise weitere Untersuchungen. [1, 2]
| Untersuchung | Wann oder warum |
|---|---|
| Blutdruck | Vor jeder Anwendung; etwa 40 Minuten danach und anschließend nach klinischem Ermessen, bis ein akzeptabler Wert erreicht ist. Engmaschig bei gleichzeitiger Einnahme von Psychostimulanzien oder anderen blutdrucksteigernden Mitteln[1, 2] |
| Überwachung nach jeder Anwendung | Auf Schläfrigkeit (Sedierung), Dissoziation, Atemdepression und erhöhten Blutdruck, bis Sie nach ärztlicher Einschätzung stabil genug für die Entlassung sind; ältere Menschen wegen des Sturzrisikos besonders sorgfältig[1, 2] |
| Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit | Vor der Verordnung beurteilen; während der Behandlung auf Anzeichen von Abhängigkeit oder Missbrauch achten[2] |
| Beschwerden der Harnwege und der Harnblase | Während der Behandlung darauf achten; bei anhaltenden Beschwerden Überweisung zur Fachärztin oder zum Facharzt[2] |
| Engmaschige Beobachtung auf Verschlechterung, Suizidgedanken, suizidales Verhalten und ungewöhnliche Verhaltensänderungen | Besonders zu Behandlungsbeginn und nach Dosisanpassungen[2] |
Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Wie Kontrollen bei Psychopharmaka allgemein ablaufen, beschreibt die Seite Kontrollen und Blutwerte.
Wechselwirkungen
Zusammen mit anderen dämpfend wirkenden Mitteln, etwa Benzodiazepinen, Opioiden oder Alkohol, kann die beruhigende Wirkung von Esketamin stärker werden; laut Fachinformation ist dann eine engmaschige Überwachung notwendig. Bei Psychostimulanzien und anderen Mitteln, die den Blutdruck erhöhen können, darunter MAO-Hemmer wie Tranylcypromin, muss der Blutdruck engmaschig überwacht werden. [1, 2]
Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über alle Arzneimittel, die Sie anwenden, kürzlich angewendet haben oder anwenden möchten, und über alkoholhaltige Arzneimittel oder Getränke. [1]
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Zentral dämpfende Mittel, zum Beispiel Benzodiazepine, Opioide, Alkohol | Die beruhigende (sedierende) Wirkung kann verstärkt werden[1, 2] | Engmaschige ärztliche Überwachung; die Einnahme der Ärztin oder dem Arzt mitteilen |
| Psychostimulanzien, zum Beispiel Amphetamine, Methylphenidat, Modafinil, Armodafinil | Der Blutdruck kann zusätzlich steigen[1, 2] | Der Blutdruck muss engmaschig überwacht werden; die Einnahme der Ärztin oder dem Arzt mitteilen |
| Andere blutdrucksteigernde Mittel: Schilddrüsenhormone, Xanthin-Derivate (Asthmamittel), Ergometrin, Vasopressin, MAO-Hemmer wie Tranylcypromin, Selegilin, Phenelzin | Der Blutdruck kann zusätzlich steigen[1, 2] | Der Blutdruck muss engmaschig überwacht werden; die Einnahme der Ärztin oder dem Arzt mitteilen |
| Kortikoid-haltige oder abschwellende Nasensprays | In Studien geringe Auswirkungen auf die Pharmakokinetik von Esketamin[1, 2] | Am Behandlungstag nicht innerhalb von 1 Stunde vor der Anwendung von Esketamin anwenden |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wie Psychopharmaka zusammenwirken, erklärt die Seite Psychopharmaka kombinieren; einen Überblick über Ihre eigenen Mittel gibt der Medikationsplan.
Wer Esketamin nicht oder nur mit Vorsicht anwenden sollte
Esketamin darf nicht angewendet werden, wenn ein Anstieg des Blutdrucks oder des Drucks im Schädel ein schwerwiegendes Risiko darstellt: bei einer Gefäßaussackung (Aneurysma), einer Hirnblutung in der Vorgeschichte oder einem Herzinfarkt oder anderen Herz-Kreislauf-Ereignis in den letzten 6 Wochen. Auch eine Allergie gegen Esketamin, Ketamin oder einen der sonstigen Bestandteile schließt die Anwendung aus. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird Esketamin nicht angewendet. [1, 2]
Vorher mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen sollten Sie unter anderem bei bestimmten Erkrankungen von Herz, Lunge und Gehirn, bei einer Psychose, Manie oder bipolaren Störung, einer nicht ausreichend behandelten Schilddrüsenüberfunktion, einer schweren Lebererkrankung und wenn Sie früher Drogenprobleme hatten. [1, 2]
Nicht anwenden bei
- Allergie gegen Esketamin, Ketamin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
- Gefäßaussackung (Aneurysma), auch an Hirngefäßen, der Brust- oder Bauchschlagader oder an Arterien der Arme und Beine, jemals in der Vorgeschichte[1, 2]
- Hirnblutung in der Vorgeschichte[1, 2]
- Herzinfarkt oder anderes Herz-Kreislauf-Ereignis innerhalb der letzten 6 Wochen; Esketamin kann den Blutdruck vorübergehend erhöhen, was dann zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann[1, 2]
Besondere Vorsicht bei
- Nicht ausreichend kontrollierte Herzprobleme wie verminderte Durchblutung der Herzgefäße (zum Beispiel Angina pectoris), Bluthochdruck, Herzklappenerkrankung oder Herzschwäche, ein früherer Herzinfarkt sowie verlangsamter oder beschleunigter Herzschlag mit Beschwerden: Laut Fachinformation darf die Behandlung bei bedeutsamen oder instabilen Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen nur begonnen werden, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt, und muss in einem Umfeld mit Ausstattung und geschultem Personal für eine Wiederbelebung stattfinden[1, 2]
- Lungenerkrankungen mit Atembeschwerden (Lungenversagen, chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD) sowie nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) mit starkem Übergewicht[1, 2]
- Durchblutungsstörung des Gehirns in der Vorgeschichte (zum Beispiel Schlaganfall), schwere Kopfverletzung oder ernsthafte Erkrankungen des Gehirns, besonders mit erhöhtem Druck im Schädelinneren[1, 2]
- Psychose (Wahnvorstellungen oder Halluzinationen), bipolare Störung oder Manie, auch früher, und nicht ausreichend behandelte Schilddrüsenüberfunktion: Behandlung laut Fachinformation nur nach sorgfältiger Untersuchung und wenn der Nutzen die Risiken überwiegt[1, 2]
- Missbrauch und Abhängigkeit: Wer früher Drogenprobleme oder einen Missbrauch von Arzneimitteln hatte, kann ein erhöhtes Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit von Esketamin haben; laut Fachinformation sollte das individuelle Risiko vor der Verordnung beurteilt werden, und während der Behandlung soll auf Anzeichen von Abhängigkeit oder Missbrauch geachtet werden. Bei langfristiger Anwendung von Ketamin wurden Abhängigkeit und Gewöhnung (Toleranz) berichtet, nach dem Absetzen bei Ketamin-Abhängigen Entzugsbeschwerden wie starkes Verlangen, Angst, Zittern, Schweißausbrüche und Herzrasen. Das Nasenspray könnte missbräuchlich angewendet oder entwendet werden; weil die Anwendung unter direkter Aufsicht stattfindet, ist das Risiko laut Fachinformation minimal[1, 2]
- Schwere Lebererkrankung: Die Anwendung wird nicht empfohlen. Weil bei Langzeitanwendung von Ketamin Leberschäden berichtet wurden, ist dies bei Langzeitanwendung von Esketamin nicht auszuschließen[1, 2]
- Laut Fachinformation ist nicht nachgewiesen, dass Esketamin Suizide verhindert oder suizidale Gedanken oder Verhaltensweisen verringert; eine Aufnahme ins Krankenhaus kann trotzdem nötig sein, auch wenn nach der ersten Dosis eine Besserung eintritt. Depression ist mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken, selbstschädigendes Verhalten und Suizid verbunden, bis sich die Beschwerden deutlich bessern; das Suizidrisiko kann in den frühen Phasen des Ansprechens auf die Behandlung steigen und ist bei suizidalem Verhalten oder ausgeprägten Suizidabsichten in der Vorgeschichte erhöht[2]
- Es kann helfen, mit Angehörigen oder Freunden zu sprechen und sie zu fragen, ob sie den Eindruck haben, dass sich die Depression verschlimmert hat, oder ob sie sich Sorgen über das Verhalten machen[1]
- Atemdepression: Nach der Markteinführung wurden seltene Fälle beobachtet, meist zusammen mit zentral dämpfenden Mitteln oder bei Begleiterkrankungen wie starkem Übergewicht (Adipositas), Angstzuständen, Herz- oder Lungenerkrankungen; sie waren vorübergehend[2]
- Ältere Menschen über 65 Jahre werden sorgfältig überwacht, weil beim Aufstehen und Herumgehen nach der Behandlung ein erhöhtes Sturzrisiko bestehen kann[1, 2]
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: nicht anwenden, weil Esketamin in dieser Altersgruppe nicht bei therapieresistenter Depression untersucht wurde[1]
- Frauen, die schwanger werden könnten, müssen während der Behandlung verhüten[1]
- Beschwerden der Harnwege und der Harnblase wurden berichtet; bei anhaltenden Beschwerden laut Fachinformation Überweisung an eine Fachärztin oder einen Facharzt[1, 2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Schwangerschaft
Laut Packungsbeilage wenden Sie Esketamin nicht an, wenn Sie schwanger sind; laut Fachinformation wird es in der Schwangerschaft und für Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, nicht empfohlen. Frauen, die schwanger werden könnten, müssen während der Behandlung verhüten. Wer während der Behandlung schwanger wird, muss das sofort der Ärztin oder dem Arzt mitteilen; laut Fachinformation muss die Behandlung dann abgebrochen werden, und die Patientin sollte so schnell wie möglich über mögliche Risiken für das Kind und die Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt werden. Erfahrungen bei Schwangeren gibt es nicht oder nur begrenzt; in Tierstudien wirkte Ketamin schädlich auf die Entwicklung des Nervensystems des Ungeborenen, ein ähnliches Risiko ist für Esketamin nicht auszuschließen.[1, 2]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Laut Packungsbeilage wenden Sie Esketamin nicht an, wenn Sie stillen; die Ärztin oder der Arzt bespricht mit Ihnen, ob Sie das Stillen oder die Behandlung abbrechen müssen. Laut Fachinformation muss entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung unterbrochen wird, mit Blick auf den Nutzen des Stillens für das Kind und den Nutzen der Behandlung für die Frau. Ob Esketamin beim Menschen in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt; in Tierstudien ging es in die Milch über, ein Risiko für gestillte Kinder ist nicht auszuschließen.[1, 2]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Informieren Sie die Ärztin oder den Arzt, wenn Sie alkoholhaltige Arzneimittel oder Getränke zu sich nehmen; Alkohol kann die beruhigende Wirkung von Esketamin verstärken.[1, 2]
Autofahren und Maschinen
Esketamin hat großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit: Es kann schläfrig und schwindelig machen und vorübergehend die Fähigkeit beeinträchtigen, ein Fahrzeug zu führen, Maschinen zu bedienen oder Dinge zu tun, die volle Aufmerksamkeit fordern. Üben Sie nach der Behandlung bis zum nächsten Tag nach einem erholsamen Schlaf keine dieser Tätigkeiten aus.[1, 2]
Anwendung
Sie wenden das Nasenspray selbst unter der Aufsicht von Ärztin, Arzt oder medizinischem Fachpersonal in einer Praxis oder Klinik an; dort wird Ihnen die Handhabung gezeigt. Ein Applikator gibt zwei Sprühstöße ab, einen pro Nasenloch; werden mehrere Applikatoren gebraucht, liegen laut Fachinformation jeweils 5 Minuten dazwischen. Während und nach der Anwendung werden Sie überwacht, bis Sie stabil genug sind, um nach Hause zu gehen.[1, 2]
Weil nach der Anwendung Übelkeit oder Erbrechen auftreten können, 2 Stunden vorher nichts mehr essen und 30 Minuten vorher nichts mehr trinken. Kortikoid-haltige oder abschwellende Nasensprays nicht innerhalb von 1 Stunde vor der Behandlung anwenden.[1, 2]
Versäumte Behandlungstermine: Es ist wichtig, zu allen vorgesehenen Terminen zu erscheinen. Laut Fachinformation sollte bei versäumten Sitzungen in den ersten 4 Wochen das bisherige Schema fortgesetzt werden; verschlechtert sich eine therapieresistente Depression nach versäumten Sitzungen in der Erhaltungsphase, sollte nach ärztlichem Ermessen erwogen werden, zum vorherigen Schema zurückzukehren.[1, 2]
Absetzen
Laut Fachinformation ist beim Beenden der Behandlung kein Ausschleichen nötig; nach Daten aus klinischen Studien ist das Risiko für Absetzerscheinungen gering. Das Beenden geschieht gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.[2]
Überdosierung
Mögliche Anzeichen einer Überdosierung sind häufigere Nebenwirkungen wie Schwindelgefühl, übermäßiges Schwitzen, Schläfrigkeit, vermindertes Empfinden, anormales Gefühl, Übelkeit und Erbrechen; bei Ketamin wurden außerdem Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen und Atemstillstand beschrieben. Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen.[1, 2]
Werden Sie während der Behandlung schwanger, teilen Sie es sofort Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit; Frauen, die schwanger werden könnten, müssen während der Behandlung verhüten. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch, Stillzeit, Verhütung und Psychopharmaka und Alkohol. [1]
Das Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit beschreibt die Fachinformation bei den Hinweisen zur Vorsicht. Das Risiko für Missbrauch, Fehlgebrauch und Weitergabe schätzt sie als minimal ein, weil das Nasenspray unter direkter Aufsicht angewendet wird. Nach den Bedingungen der Zulassung soll es an die medizinischen Einrichtungen geliefert werden, in denen es angewendet wird, und in jedem EU-Mitgliedstaat, in dem es auf dem Markt ist, muss ein Programm für einen kontrollierten Zugang bestehen, das Missbrauch verhindern oder verringern soll. [2, 15]
Allgemeines zum Thema erklärt die Seite Abhängigkeit von Medikamenten.
Zur Rechtslage beim Fahren: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen, auch bei Fahrlässigkeit. Die Medikamentenklausel in § 24a Abs. 4 StVG betrifft die dort und in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Substanzen, etwa Amfetamin oder Morphin, wenn sie aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammen. Wann Sie wieder fahren, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [11, 12, 13]
Anwendung und Beenden der Behandlung
Wie eine Behandlungssitzung abläuft und was Sie vorher beachten, steht in der Übersicht zum Alltag. Zu jeder Sitzung gehören die Anwendung und eine anschließende Nachbeobachtung; beides muss laut Fachinformation in einem geeigneten medizinischen Umfeld stattfinden. [2]
Ein Ausschleichen ist beim Beenden laut Fachinformation nicht nötig. Ob und wann die Behandlung endet, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Für das Antidepressivum, das Sie zusätzlich einnehmen, gelten dessen eigene Hinweise; was beim Beenden einer Behandlung mit Antidepressiva wichtig ist, erklärt die Seite Antidepressiva absetzen. [2]
Dosierung laut Packungsbeilage
Wie viele Applikatoren Sie in einer Sitzung brauchen und wie oft Sie in die Praxis oder Klinik kommen, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Die Packungsbeilage beschreibt dazu den üblichen Ablauf. [1]
Präparate mit Esketamin
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Spravato | Janssen-Cilag GmbH | Nasenspray, 28 mg Esketamin je Applikator, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- EMA-Produktinformation Spravato (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Spravato 28 mg Nasenspray, Lösung. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2025. abgerufen am 22.10.2026
- EMA-Produktinformation Spravato (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Spravato 28 mg Nasenspray, Lösung. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2025. abgerufen am 22.10.2026
- Embryotox: Depressive Krankheitsbilder. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Esketamin. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF). Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Spravato (EPAR), Anhang II: Bedingungen oder Einschränkungen für die Abgabe und den Gebrauch, Bedingungen für die sichere und wirksame Anwendung. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Wie wirkt Esketamin bei Depressionen?
Esketamin blockiert im Gehirn eine Andockstelle des Botenstoffs Glutamat, den NMDA-Rezeptor. Laut Fachinformation setzt das mehrere Schritte in Gang, die dazu beitragen können, die Funktion der Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen in Hirnregionen für Stimmung und Gefühle wiederherzustellen. Die NVL Unipolare Depression sieht die Stärke dieses neuen Ansatzes vor allem im schnellen Wirkungseintritt.
Was ist der Unterschied zwischen Ketamin und Esketamin?
Ketamin ist ein Gemisch aus zwei spiegelbildlichen Formen, R-Ketamin und Esketamin; Esketamin ist eine dieser beiden Formen. Ketamin wird laut NVL Unipolare Depression seit Jahrzehnten als Narkosemittel eingesetzt, zum Beispiel bei Operationen. Als Nasenspray gegen Depressionen ist Esketamin zugelassen. Ketamin als Infusion ist dafür nicht zugelassen, und nach der NVL soll es nicht außerhalb eines stationären psychiatrischen Rahmens angewendet werden.
Wo wird das Esketamin-Nasenspray angewendet?
Sie wenden das Nasenspray selbst an, aber nur unter Aufsicht von Ärztin, Arzt oder medizinischem Fachpersonal in einer Praxis oder Klinik. Vorher wird der Blutdruck gemessen, danach bleiben Sie unter Beobachtung, bis Sie stabil genug sind, um nach Hause zu gehen. Über die Verordnung entscheidet eine Psychiaterin oder ein Psychiater, und nach den Bedingungen der Zulassung soll das Nasenspray an die Einrichtungen geliefert werden, in denen es angewendet wird.
Wie schnell wirkt Esketamin?
Die NVL Unipolare Depression sieht die Stärke von Esketamin vor allem im schnellen Wirkungseintritt. Bei einer therapieresistenten Depression soll laut Fachinformation am Ende der vierwöchigen Anfangsphase beurteilt werden, ob die Behandlung nützt und weitergeführt wird.
Darf ich nach der Behandlung selbst Auto fahren?
Laut Packungsbeilage nicht: Bis zum nächsten Tag nach einem erholsamen Schlaf sollen Sie kein Fahrzeug führen, keine Maschinen bedienen und nichts tun, was Ihre volle Aufmerksamkeit verlangt. Esketamin kann schläfrig und schwindelig machen und diese Fähigkeiten vorübergehend beeinträchtigen. Klären Sie vor dem Termin, wie Sie nach Hause kommen.
Darf ich während der Behandlung mit Esketamin Alkohol trinken?
Alkohol kann die beruhigende Wirkung von Esketamin verstärken; bei gleichzeitiger Anwendung dämpfender Mittel einschließlich Alkohol ist laut Fachinformation eine engmaschige Überwachung notwendig. Die Packungsbeilage bittet Sie, Ihre Ärztin oder Ihren Arzt zu informieren, wenn Sie alkoholhaltige Arzneimittel oder Getränke zu sich nehmen.
Darf Esketamin in der Schwangerschaft angewendet werden?
Laut Packungsbeilage wird Esketamin in der Schwangerschaft und in der Stillzeit nicht angewendet. Frauen, die schwanger werden könnten, müssen während der Behandlung verhüten. In Tierstudien wirkte Ketamin schädlich auf die Entwicklung des Nervensystems des Ungeborenen; ein ähnliches Risiko ist für Esketamin nicht auszuschließen.
Kann man von Esketamin abhängig werden?
Die Fachinformation nennt ein Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit. Wer früher Drogen- oder Medikamentenprobleme hatte, kann ein erhöhtes Risiko haben, und bei langfristiger Anwendung von Ketamin wurden Abhängigkeit und Gewöhnung berichtet. Vor der Verordnung sollte das persönliche Risiko beurteilt werden, während der Behandlung soll darauf geachtet werden. Weil das Nasenspray nur unter direkter Aufsicht angewendet wird, ist das Risiko für Missbrauch laut Fachinformation minimal.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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