Behandlung
Die ersten Wochen mit einem Psychopharmakon
Die ersten Wochen sind eine Einstellungsphase: Antidepressiva sollen laut Nationaler VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression in der Regel mit einer niedrigen Anfangsdosis beginnen, einige Nebenwirkungen treten laut Patientenleitlinie vor allem zu Beginn auf und lassen mit der Zeit nach, und die Wirkung braucht Zeit. Kontrolltermine sind in dieser Phase häufiger; bei einer Depression sollten sie laut Leitlinie in den ersten 4 Wochen wöchentlich stattfinden. Weil zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva das Risiko für Suizidgedanken steigen kann, holen Sie sich bei solchen Gedanken sofort Hilfe.

Die ersten Wochen mit einem Psychopharmakon sind eine Einstellungsphase. Für Antidepressiva beschreibt die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression den Ablauf so: Die Behandlung beginnt in der Regel mit einer niedrigen Dosis, die in einer möglichst kurzen Aufdosierungsphase bis zur empfohlenen Standarddosis gesteigert wird. Ab dann rechnet die NVL mit einer Wirklatenz von 3 bis 4 Wochen, bei älteren Menschen bis zu 6 Wochen, bevor gemeinsam entschieden wird, ob das Mittel anspricht [1]. Wirklatenz heißt die Zeit, bis ein Medikament spürbar wirkt. Für andere Gruppen gelten andere Zeiträume; sie stehen auf der Seite Wann wirken Psychopharmaka?
Vor dem Start: Absprachen und Untersuchungen
Schon vor Beginn einer Behandlung mit einem Antidepressivum soll laut NVL mit Ihnen vereinbart werden, wann das Ansprechen bewertet und über das weitere Vorgehen entschieden wird; wegen der Wirklatenz soll dieser Zeitpunkt 3 bis 4 Wochen nach Erreichen der Standarddosis liegen ("soll"). Außerdem sollen vorher die Untersuchungen erfolgen, die die NVL für das jeweilige Medikament in ihren Kontrolltabellen empfiehlt ("soll") [1]. Vor Beginn und im ersten Monat gehören dazu unter anderem Blutbild, Nierenwerte, Leberwerte, Blutsalze sowie Blutdruck und Puls, vor Beginn auch das Körpergewicht. Ein EKG sieht die Tabelle für Antidepressiva außer den trizyklischen nur bei Citalopram, Escitalopram und Venlafaxin vor oder wenn eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder ein Risiko dafür besteht; die Tabelle für trizyklische Antidepressiva sieht es bei allen vor. Die NVL versteht diese Angaben als Orientierungswerte, von denen im begründeten Fall abgewichen werden kann [1].
Für andere Gruppen nennen die Fachinformationen eigene Untersuchungen. Vor einer Behandlung mit Haloperidol wird ein EKG empfohlen [12]. Vor einer Verschreibung von Methylphenidat werden Herz und Kreislauf einschließlich Blutdruck und Herzfrequenz beurteilt, Begleitmedikamente, frühere und aktuelle Erkrankungen und unter anderem plötzliche Herzerkrankungen in der Familie erfragt sowie Körpergröße und Gewicht genau erfasst [16]. Bei einer Schizophrenie fasst die S3-Leitlinie die nötigen Kontrolluntersuchungen in einer Tabelle zusammen, die sie als Orientierungshilfe versteht. Betroffene, Angehörige und andere Vertrauenspersonen sollen über die erforderlichen Kontrollen informiert werden, wobei die Schweigepflicht zu beachten ist ("soll") [3].
Die Dosis wird schrittweise eingestellt
In der Regel soll ein Antidepressivum laut NVL mit der niedrigen, als Anfangsdosis bezeichneten Tagesdosis begonnen werden ("soll"). Das verringert das Risiko, dass unerwünschte Wirkungen plötzlich und stark auftreten; ohne Aufdosierung können sie laut NVL verstärkt auftreten. Unter Berücksichtigung der Verträglichkeit sollte danach so schnell wie möglich auf die empfohlene Standarddosis gesteigert werden ("sollte"), denn die Wirksamkeit ist nur für die jeweils empfohlene Dosis belegt. Bei jüngeren Menschen ohne Begleiterkrankungen, die wenig empfindlich auf Nebenwirkungen reagieren, können laut NVL SSRI auch gleich in der Standarddosis begonnen werden, andere Antidepressiva nicht [1]. SSRI sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, eine Gruppe von Antidepressiva (mehr unter SSRI).
Auch die Fachinformationen anderer Mittel sehen eine sorgfältige Einstellung zu Beginn vor, zum Beispiel diese:
- Haloperidol: Empfohlen wird eine niedrige Anfangsdosis, die schrittweise an das Ansprechen angepasst werden kann [12].
- Methylphenidat: Zu Beginn ist eine sorgfältige Einstellung der Dosis erforderlich, die mit der niedrigsten möglichen Dosis beginnen sollte [16].
- Lamotrigin bei bipolarer Störung: Die Dosis wird über sechs Wochen bis zur stabilisierenden Erhaltungsdosis gesteigert; die Dosen für Beginn und Steigerung sollten wegen des Risikos von Hautausschlägen nicht überschritten werden [15].
- Lithium: Die Dosis wird nach dem Blutspiegel und dem Ansprechen persönlich festgelegt; laut der österreichischen Fachinformation eines Lithiumpräparats sollte der Spiegel in der akuten Phase häufig, nämlich wöchentlich, bestimmt werden [14].
Wie schnell Ihre Dosis steigt, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Die Patientenleitlinie zur NVL rät, die Dosis eines Antidepressivums auf keinen Fall eigenständig zu verändern [2]. Was in der Packungsbeilage zur Dosierung steht, finden Sie auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel unter Sertralin: Dosierung laut Packungsbeilage.
Nebenwirkungen am Anfang
Laut Patientenleitlinie treten einige Begleiterscheinungen von Antidepressiva vor allem zu Therapiebeginn auf und lassen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz; unerwünschte Wirkungen besprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt, die oder der das Mittel verschrieben hat [2]. Die Fachinformationen einzelner Mittel beschreiben den zeitlichen Verlauf so:
- Citalopram: Die Nebenwirkungen sind im Allgemeinen leicht und vorübergehend. Sie treten am häufigsten in den ersten ein oder zwei Behandlungswochen auf und klingen danach im Allgemeinen wieder ab; zu Beginn können Schlaflosigkeit und Unruhe (Agitiertheit) auftreten [7].
- Escitalopram: Nebenwirkungen treten am häufigsten in der ersten oder zweiten Behandlungswoche auf und nehmen bei fortgesetzter Behandlung normalerweise an Stärke und Häufigkeit ab [8].
- Duloxetin: Am häufigsten waren Übelkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Schläfrigkeit und Schwindel, überwiegend leicht bis mittelschwer. Sie traten gewöhnlich zu Behandlungsbeginn auf und verschwanden meistens, auch wenn die Behandlung weiterging [9].
- Sertralin: Übelkeit ist die am häufigsten berichtete Nebenwirkung. Die Nebenwirkungen hängen von der Dosis ab und gehen bei fortdauernder Behandlung meist zurück [5].
Menschen mit Angststörungen reagieren laut S3-Leitlinie Angststörungen empfindlich auf Antidepressiva. Unruhe, Nervosität, mehr Angst und Schlaflosigkeit in den ersten Tagen oder Wochen einer Behandlung mit SSRI oder SNRI können die regelmäßige Einnahme erschweren, und nicht selten wird das Mittel wegen der Unruhe zu Beginn abgesetzt; eine niedrige Dosis zu Beginn kann diese Überstimulierung vermeiden [4]. Bei einigen Menschen mit Panikstörung treten zu Beginn verstärkte Angstsymptome auf, die laut Fachinformation von Escitalopram meistens innerhalb von zwei Wochen weiterer Behandlung von selbst abklingen [8].
In Studien zu bipolaren Depressionen trat die Schläfrigkeit unter Quetiapin normalerweise in den ersten 3 Behandlungstagen auf und war überwiegend leicht bis mittelschwer; wer stark betroffen ist, sollte laut Fachinformation engmaschiger kontrolliert werden [11]. Mirtazapin kann Konzentration und Wachsamkeit laut Fachinformation insbesondere zu Beginn beeinträchtigen [10]. Unter Lorazepam sind Nebenwirkungen laut Fachinformation insbesondere zu Beginn zu erwarten; sie können im weiteren Verlauf von selbst abklingen oder wenn die Ärztin oder der Arzt die Dosis verringert [13]. Für Lithium nennt die Fachinformation zu Beginn feinschlägiges Zittern, vermehrtes Wasserlassen, vermehrten Durst und Übelkeit, die meist mit der Fortdauer der Behandlung oder nach einer Verringerung der Dosis abklingen [14]. Mehr unter Müdigkeit.
Innere Unruhe und Bewegungsstörungen

Eine quälende innere Unruhe mit Bewegungsdrang, bei der man oft nicht still sitzen oder stehen kann, heißt Akathisie. Die Fachinformationen von Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Mirtazapin, Quetiapin und Haloperidol nennen sie als Nebenwirkung, die am ehesten oder am wahrscheinlichsten in den ersten Behandlungswochen auftritt. Bei Betroffenen kann eine Erhöhung der Dosis laut diesen Fachinformationen schädlich oder nachteilig sein [5, 7, 8, 10, 11, 12]. Die Packungsbeilage von Sertralin bittet, die Ärztin oder den Arzt zu informieren, wenn ein Gefühl der Ruhelosigkeit entsteht [6]. Mehr unter Unruhe und Akathisie.
Bei Antipsychotika gehört die Akathisie zu den extrapyramidal-motorischen Störungen (EPS), einer Gruppe von Bewegungsstörungen. Akute EPS treten laut S3-Leitlinie Schizophrenie in der Regel in den ersten Tagen und Wochen nach Beginn auf und hängen von der Dosis ab. Dazu zählen Frühdyskinesien, also unwillkürliche Verkrampfungen, die üblicherweise die Hals-, Nacken-, Augen- und Rumpfmuskulatur betreffen, ein Parkinsonoid mit unter anderem verlangsamten Bewegungen, Muskelsteifigkeit und Zittern sowie die Akathisie, die unter Antipsychotika der ersten Generation schon in den ersten Tagen, aber auch erst in den ersten Wochen und Monaten beginnen kann [3]. Laut Fachinformation von Haloperidol kann eine akute Dystonie, eine solche Muskelverkrampfung, in den ersten Tagen auftreten, wurde aber auch später und nach einer Dosiserhöhung berichtet [12]. Weil Betroffene diese Beschwerden nicht immer von sich aus berichten, müssen sie laut S3-Leitlinie in der Praxis erkannt und aktiv erfragt werden [3]. Wenn Sie so etwas bemerken, melden Sie sich in der Praxis und ändern Sie die Dosis nicht selbst. Mehr unter Bewegungsstörungen.
Ein malignes neuroleptisches Syndrom (MNS) wurde laut S3-Leitlinie vor allem bei hochpotenten Antipsychotika der ersten Generation in den ersten zwei bis vier Wochen nach Beginn beschrieben; grundsätzlich ist es bei jedem Antipsychotikum möglich. Es ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Zu den Merkmalen gehören unter anderem Fieber über 38 °C zusammen mit starkem Schwitzen, Muskelsteifigkeit, Bewusstseinsstörungen und Zeichen einer gestörten Steuerung durch das vegetative Nervensystem wie ein schneller Puls oder ein erhöhter Blutdruck [3]. Mehr unter Malignes neuroleptisches Syndrom.
Kontrollen in den ersten Wochen
Bei einer Depression sehen Sie Ihre Praxis in den ersten Wochen häufiger als später: Das Monitoring sollte laut NVL in den ersten 4 Behandlungswochen wöchentlich erfolgen, im 2. und 3. Monat alle 2 bis 4 Wochen und danach in längeren Abständen; es sollte die Beschwerden einschließlich Suizidalität, Nebenwirkungen, die psychosoziale Situation und den Bedarf an Hilfen zur Teilhabe sowie die regelmäßige Einnahme umfassen ("sollte"). In den ersten Wochen ist laut NVL ein engmaschigeres Monitoring nötig als nach einer ersten Stabilisierung; die Abstände können je nach Verlauf anders gewählt werden, bei leichten Verläufen etwa alle 14 Tage, bei schweren Verläufen enger [1]. Die Patientenleitlinie nennt dieselben Abstände und beschreibt, worum es in den Terminen geht: um Ihre Beschwerden, Nebenwirkungen, Ihre persönliche, familiäre oder berufliche Situation, vergessene Termine oder Medikamente und darum, ob Sie wieder besser am normalen Leben teilnehmen können [2].
Wirkungen und typische Nebenwirkungen sollen laut NVL aktiv erfragt werden ("soll"), ausdrücklich auch solche, die viele nicht von sich aus ansprechen, etwa sexuelle Funktionsstörungen [1]. In den ersten drei Monaten sehen die Kontrolltabellen der NVL für Antidepressiva zweimal im Monat vor, die regelmäßige Einnahme zu prüfen und typische Nebenwirkungen zu erfassen; das ist auch telefonisch möglich [1]. Wird Lithium im Rahmen einer Depressionsbehandlung gegeben, nennt die Tabelle für den ersten Monat vier Bestimmungen des Blutspiegels und der Nierenwerte [1]. Mehr unter Kontrollen während der Behandlung und Medikamentenspiegel.
Bei einigen Mitteln richten sich die Kontrollen in den ersten Wochen nach bestimmten Risiken:
- Lamotrigin: Unerwünschte Hautreaktionen traten laut Fachinformation im Allgemeinen in den ersten acht Wochen nach Beginn auf. Die meisten Hautausschläge sind leicht und klingen von selbst ab, es wurden aber auch schwere, möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen berichtet. Wer einen Hautausschlag bekommt, sollte umgehend untersucht werden. Eine Überreaktion des Immunsystems mit Zeichen wie Fieber, Hautausschlag und neurologischen Beschwerden (hämophagozytische Lymphohistiozytose, HLH) tritt normalerweise in den ersten 4 Wochen auf und kann lebensbedrohlich sein; Patientinnen und Patienten sollten über diese Zeichen informiert werden und bei ihnen sofort medizinische Hilfe aufsuchen [15]. Mehr unter Lamotrigin und Hautausschlag.
- Clozapin: Bei einer Neueinstellung empfiehlt die S3-Leitlinie Schizophrenie vorher unter anderem ein EKG und Blutwerte für Entzündung und Herzmuskel, danach 4 Wochen lang wöchentlich diese Blutwerte und alle 2 Tage Blutdruck, Puls und Temperatur. Eine Herzmuskelentzündung unter Clozapin tritt laut Leitlinie in der Regel in den ersten vier Behandlungswochen auf [3]. Zum Blutbild steht mehr unter Clozapin und Blutbild.
- Methylphenidat: Blutdruck und Puls sollen laut Fachinformation bei jeder Dosisanpassung festgehalten werden, und neue oder stärker werdende psychische Beschwerden sind bei jeder Dosisanpassung zu erfassen [16].
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva kann laut NVL aus der Aktivierung sowie aus Nebenwirkungen wie innerer und motorischer Unruhe, Schlafstörungen oder Angst ein erhöhtes Suizidrisiko entstehen, insbesondere bei SSRI und SNRI. Werden diese Mittel eingesetzt, ist laut NVL in den ersten Behandlungswochen daher ein engmaschiges und aktives Monitoring der Suizidalität notwendig. Während der Aufdosierung und der Wirklatenz soll besonders auf Zeichen geachtet werden, die auf ein steigendes Suizidrisiko hindeuten ("soll") [1]. Laut Fachinformation von Sertralin besteht bei einer Depression ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken, bis sich die Beschwerden deutlich bessern, und das geschieht nicht unbedingt schon in den ersten Behandlungswochen; bis zur Besserung sollten Betroffene engmaschig überwacht werden. Die bisherige klinische Erfahrung zeigt, dass das Suizidrisiko zu Beginn einer Behandlung ansteigen kann [5]. Bei Erwachsenen unter 25 Jahren mit psychischen Erkrankungen zeigte eine Auswertung von Studien laut BfArM (2008) unter Antidepressiva ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) [17].
Auch zu anderen Gruppen weisen Fachinformationen und Leitlinien auf die Zeit des Beginns hin. Unter Lamotrigin bei bipolarer Störung und unter Lithium bei Depression oder bipolarer Störung sollten Betroffene vor allem zu Beginn und bei Dosisanpassungen engmaschig auf eine Verschlechterung und auf Suizidalität überwacht werden [14, 15]. Benzodiazepine wie Lorazepam können laut Fachinformation bei Menschen mit Depression suizidale Tendenzen demaskieren, also hervortreten lassen; die Behandlung sollte nicht ohne eine angemessene antidepressive Behandlung erfolgen [13]. Die S3-Leitlinie Schizophrenie weist darauf hin, dass eine Akathisie mit einem erhöhten Risiko für Suizidalität verbunden ist [3].
Gehen Sie laut Packungsbeilage von Sertralin zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf, wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken entwickeln, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Es kann laut Packungsbeilage hilfreich sein, einer Freundin, einem Freund oder Verwandten zu erzählen, dass Sie depressiv sind oder eine Angststörung haben, und sie zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sie den Eindruck haben, dass sich Ihre Beschwerden verschlimmern oder sich Ihr Verhalten verändert [6].
Alltag in der Einstellungsphase
Mehrere Fach- und Gebrauchsinformationen raten vom Autofahren und vom Bedienen von Maschinen ab, solange nicht bekannt ist, wie das Mittel bei Ihnen wirkt. Laut Fachinformation von Haloperidol kann es vor allem zu Behandlungsbeginn und bei höherer Dosis zu Sedierung, also Dämpfung, oder zu verminderter Reaktionsfähigkeit kommen, verstärkt durch Alkohol; empfohlen wird, kein Fahrzeug zu führen und keine Maschinen zu bedienen, bis die eigene Empfindlichkeit bekannt ist [12]. Die Fachinformation von Quetiapin rät vom Autofahren ab, bis das persönliche Ansprechen bekannt ist [11]. Bei Lorazepam sollten Fahren und andere gefahrvolle Tätigkeiten so lange unterbleiben, bis sich gezeigt hat, dass die Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt ist [13]. Die Packungsbeilage von Sertralin weist darauf hin, dass Psychopharmaka wie Sertralin die Fähigkeit zum Führen eines Fahrzeugs und zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen können, und verlangt, beides nicht zu tun, solange Sie nicht wissen, wie sich das Mittel auf diese Fähigkeit auswirkt [6]. Ob und wann Sie fahren können, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; die Rechtslage erklärt Psychopharmaka und Autofahren.
Mirtazapin kann laut Fachinformation die dämpfende Wirkung von Alkohol verstärken; Patientinnen und Patienten sollte deshalb geraten werden, während der Einnahme keinen Alkohol zu trinken [10]. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol.
Bei Benzodiazepinen wie Lorazepam ist die Dauer der Behandlung von Anfang an begrenzt. Lorazepam hat laut Fachinformation ein primäres Abhängigkeitspotenzial: Bereits bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit, auch im üblichen Dosisbereich. Benzodiazepine sollten grundsätzlich nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen, und nach 2 Wochen täglicher Einnahme sollte die Ärztin oder der Arzt durch eine schrittweise Verringerung der Dosis klären, ob die Behandlung weiterhin nötig ist [13]. Fragen Sie zu Beginn, wie lange Sie das Mittel nehmen sollen. Mehr unter Machen Psychopharmaka abhängig?
Antidepressiva wirken laut Patientenleitlinie nur, wenn Sie sie in ausreichender Dosis über einen angemessenen Zeitraum regelmäßig einnehmen. Ein zu frühes Absetzen, "weil es ja schon wieder besser geht", ist von Nachteil und kann einen Rückfall zur Folge haben [2]. Zweifel am Mittel sprechen Sie am besten beim nächsten Termin an, statt es wegzulassen; Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt (mehr unter Medikament wechseln).
Was Sie selbst tun können
- Fragen Sie beim ersten Termin, wann die Wirkung beurteilt wird, welche Nebenwirkungen am Anfang möglich sind und bei welchen Beschwerden Sie sich sofort melden sollen; dabei helfen die Fragen fürs Arztgespräch.
- Bringen Sie eine Liste aller Medikamente mit, die Sie nehmen. Das empfiehlt die Patientenleitlinie wegen möglicher Wechselwirkungen [2]; beim Aufschreiben hilft der Medikationsplan.
- Wenn Sie einverstanden sind, sollen Angehörige bei einer Depression laut NVL in Aufklärung, Information und Behandlung eingebunden werden [1]. Hinweise für Familie und Freunde stehen unter Angehörige.
- Überlegen Sie, wen Sie in einer Krise anrufen können, und halten Sie es im Krisenplan fest.
Quellen
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Version 2 (AWMF-Registernummer 051-028), Langfassung. Bandelow B., Beutel M. E. u. a. (Textredaktion B. Bandelow), über die DGPPN veröffentlicht. Stand Version 2, Stand 06.04.2021. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Citalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Escitalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Duloxetin-ratiopharm magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Filmtabletten (25/100/150/200/300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Lamotrigin-ratiopharm Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Behörde Antidepressiva: Erhöhtes Risiko zu suizidalem Verhalten bei Erwachsenen unter 25 Jahren. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 15.02.2008. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Wie lange dauern die Nebenwirkungen am Anfang?
Das ist je nach Mittel verschieden. Laut Fachinformation von Citalopram treten die Nebenwirkungen am häufigsten in den ersten ein oder zwei Behandlungswochen auf und klingen danach im Allgemeinen ab; bei Escitalopram nehmen sie bei fortgesetzter Behandlung normalerweise an Stärke und Häufigkeit ab. Bleiben Beschwerden bestehen oder belasten Sie stark, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Ist es normal, dass es mir am Anfang schlechter geht?
Zu Beginn einer Behandlung mit SSRI oder SNRI können laut S3-Leitlinie Angststörungen Unruhe, Nervosität, mehr Angst und Schlaflosigkeit auftreten; bei einer Panikstörung klingen verstärkte Ängste laut Fachinformation von Escitalopram meistens innerhalb von zwei Wochen ab. Sprechen Sie eine Verschlechterung trotzdem an, denn zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva kann auch das Risiko für Suizidgedanken steigen. Bei solchen Gedanken holen Sie sofort Hilfe, im Notfall über 112.
Wie oft muss ich in den ersten Wochen zur Kontrolle?
Bei einer Depression sollten die Kontrollen laut NVL in den ersten 4 Behandlungswochen wöchentlich stattfinden, im 2. und 3. Monat alle 2 bis 4 Wochen und danach seltener. Je nach Verlauf können die Abstände anders gewählt werden, und manche Termine sind auch telefonisch möglich. Für andere Erkrankungen und Mittel gelten eigene Kontrollen laut Leitlinie und Fachinformation.
Ab wann merke ich, ob das Medikament wirkt?
Bei Antidepressiva rechnet die NVL ab Erreichen der Standarddosis mit einer Wirklatenz von 3 bis 4 Wochen, bei älteren Menschen mit bis zu 6 Wochen. Wann gemeinsam beurteilt wird, ob das Mittel anspricht, soll schon vor Beginn vereinbart werden. Für andere Gruppen nennen Leitlinien und Fachinformationen andere Zeiträume; eine Übersicht steht auf der Seite Wann wirken Psychopharmaka?
Kann ich in den ersten Wochen Auto fahren?
Das lässt sich nicht allgemein beantworten. Die Fachinformationen von Haloperidol und Quetiapin raten vom Fahren ab, bis bekannt ist, wie Sie auf das Mittel reagieren. Bei Lorazepam sollte das Fahren laut Fachinformation unterbleiben, bis sich gezeigt hat, dass die Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt ist, und die Packungsbeilage von Sertralin verlangt, nicht zu fahren, solange Sie nicht wissen, wie sich das Mittel auf Ihre Fahrfähigkeit auswirkt. Ob und wann Sie fahren können, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was tun, wenn ich innerlich so unruhig bin, dass ich nicht still sitzen kann?
Das kann eine Akathisie sein, eine Nebenwirkung, die laut mehreren Fachinformationen am ehesten in den ersten Behandlungswochen auftritt. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wie es auch die Packungsbeilage von Sertralin vorsieht. Erhöhen Sie die Dosis nicht selbst, denn eine Dosiserhöhung kann bei Akathisie laut Fachinformationen schädlich sein.
Wie lange wird ein Beruhigungsmittel wie Lorazepam verordnet?
Laut Fachinformation so kurz wie möglich: Benzodiazepine sollten grundsätzlich nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen. Schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer Abhängigkeit. Nach 2 Wochen täglicher Einnahme sollte die Ärztin oder der Arzt klären, ob die Behandlung weiter nötig ist.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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Behandlung Wie lange behandeln?Wie lange ein Psychopharmakon genommen wird, hängt von Erkrankung und Mittel ab.
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