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Trizyklische Antidepressiva

Trizyklische Antidepressiva (TZA) sind eine seit Jahrzehnten gebräuchliche Gruppe von Antidepressiva; zugelassen sind sie vor allem bei Depressionen, einzelne Wirkstoffe auch zur Schmerzbehandlung, bei Zwangs- und Angststörungen oder gegen nächtliches Einnässen bei Kindern. Als wichtige Nebenwirkungen nennt die NVL Unipolare Depression unter anderem Mundtrockenheit, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Schwindel und Störungen des Herzrhythmus. Zu Beginn der Behandlung kann das Risiko für Suizidgedanken steigen; bei solchen Gedanken brauchen Sie sofort Hilfe.

Mann in den Fünfzigern legt an einem Holztisch im Wohnzimmer ruhig ein großes Puzzle
Bild: KI-generiert

Trizyklische Antidepressiva (TZA) sind laut Embryotox eine seit über 60 Jahren gebräuchliche Gruppe von Antidepressiva. Die NVL Unipolare Depression (Version 3.2, gültig bis September 2027) teilt Antidepressiva nach ihrer chemischen Struktur oder ihrem Wirkmechanismus in Klassen ein und fasst unter dem Namen TZA die tri- und tetrazyklischen Antidepressiva zusammen. Als Fachbegriff nennt sie auch "nichtselektive Monoamin-Rückaufnahme-Inhibitoren" (NSMRI); den Namen TZA behält sie bei, weil er in den meisten Studien und in der deutschen Versorgung üblich ist. [1, 8]

Nervenzellen geben Signale über Botenstoffe weiter. TZA hemmen laut NVL in unterschiedlichem Ausmaß, dass Nervenzellen die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin wieder aufnehmen; dadurch wird die Signalübertragung über diese Botenstoffe im Gehirn verstärkt. Zusätzlich blockieren sie eine Reihe weiterer Andockstellen (Rezeptoren), etwa für Acetylcholin, für Histamin und Alpha1-Rezeptoren für Adrenalin und Noradrenalin, wodurch zusätzliche Wirkungen und Nebenwirkungen entstehen. Wie Antidepressiva insgesamt wirken, erklärt die Seite Wie wirken Antidepressiva? [1]

Zugelassen sind die TZA mit eigener Seite auf dieser Website vor allem zur Behandlung von Depressionen; ihre Fachinformationen nennen je Wirkstoff weitere Anwendungsgebiete. Amitriptylin ist bei Erwachsenen auch bei Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen) und zur Vorbeugung von chronischem Spannungskopfschmerz und Migräne zugelassen. Clomipramin ist außerdem bei Zwangsstörungen, Phobien und Panikstörungen zugelassen, zur langfristigen Schmerzbehandlung im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts und bei Schlaflähmung, plötzlichem Verlust der Muskelspannung (Kataplexie) und Halluzinationen bei Narkolepsie. Doxepin ist auch bei krankhaften Angstzuständen und leichten Entzugserscheinungen bei Alkohol-, Arzneimittel- oder Drogenabhängigkeit zugelassen. Imipramin darf in den Stärken 10 und 25 mg auch zur langfristigen Schmerzbehandlung eingesetzt werden, Trimipramin ist bei Depressionen mit den Leitsymptomen Schlafstörungen, Angst und innere Unruhe zugelassen. [2, 3, 4, 5, 6]

Zur Behandlung von Schlafstörungen allein ist keiner dieser Wirkstoffe zugelassen. Doxepin nennt Schlafstörungen nur im Zusammenhang mit einer depressiven Erkrankung oder leichten Entzugserscheinungen, Trimipramin als Leitsymptom einer Depression. Mehr zum Thema unter Schlafstörungen. [2, 3, 4, 5, 6]

Wirkstoffe der Gruppe

  • Amitriptylinz. B. Amitriptylin-CT, Amitriptylin neuraxpharmDepression, Nervenschmerzen, Vorbeugung von Spannungskopfschmerz und Migräne, nächtliches Einnässen bei Kindern
  • Clomipraminz. B. Anafranil, Clomipramin-neuraxpharmDepression, Zwangs- und Panikstörung, Phobien, chronische Schmerzen, Kataplexie
  • Doxepinz. B. Doxepin STADA Filmtabletten, Doxepin-ratiopharm Filmtabletten, AponalDepression, Angstzustände, Schlafstörungen bei Depression, leichte Entzugserscheinungen
  • Imipraminz. B. Imipramin-neuraxpharmDepression, Schmerzbehandlung, Bettnässen und Nachtangst bei Kindern
  • Opipramolz. B. Insidon, Opipramol STADA, Opipramol-neuraxpharmGeneralisierte Angststörung, somatoforme Störungen
  • Trimipraminz. B. Stangyl, Trimipramin STADADepressionen mit Schlafstörungen, Angst und innerer Unruhe

Imipramin hemmt die Aufnahme von Noradrenalin in die Nervenzellen stark, vorwiegend über sein Hauptabbauprodukt Desipramin, die von Serotonin weniger stark. Clomipramin hemmt die Aufnahme von Serotonin sehr stark und die von Noradrenalin weniger stark; sein Hauptabbauprodukt Desmethylclomipramin wirkt dagegen stärker auf Noradrenalin. Beiden schreiben ihre Fachinformationen nur eine geringe beruhigende Wirkkomponente zu. Amitriptylin hat ausgeprägte anticholinerge und beruhigende (sedierende) Eigenschaften, Doxepin wirkt ausgeprägt beruhigend sowie angstlösend und stimmungsaufhellend. Trimipramin gilt nach Untersuchungen zur Rezeptorbindung als atypisches Trizyklikum, weil es anders als vergleichbare Substanzen nicht über eine Hemmung der Wiederaufnahme von Noradrenalin oder Serotonin wirkt. [2, 3, 4, 5, 6]

Auf dieser Website steht Opipramol in der Liste der Gruppe. Laut seiner Fachinformation ist es mit den trizyklischen Antidepressiva strukturverwandt, gehört aber zu den beruhigenden und angstlösenden Mitteln (Sedativa, Anxiolytika): Im Unterschied zu den strukturverwandten TZA hat Opipramol nur eine geringe anticholinerge Wirkung und hemmt die Rückaufnahme von Serotonin oder Noradrenalin nicht. Zugelassen ist es nur bei generalisierter Angststörung und somatoformen Störungen, nicht zur Behandlung einer Depression. Mehr dazu auf den Seiten Opipramol, Generalisierte Angststörung und Beruhigungsmittel. [7]

Welche Antidepressiva als Tropfen vorliegen, ändert sich laut NVL häufig; mit Stand 2021 nennt sie unter den TZA Amitriptylin und Trimipramin und empfiehlt die Rücksprache mit der Apotheke. [1]

Nebenwirkungen im Vergleich

Als wichtige Nebenwirkungen der TZA nennt die NVL in ihrer Übersicht (Auswahl, Stand 2021) anticholinerge Wirkungen und Mundtrockenheit, Müdigkeit (Sedierung), Appetit- und Gewichtszunahme, Störungen der Erregungsleitung und des Rhythmus am Herzen, Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen (Dysorthostase), Schwindel, niedrigen Blutdruck, Störungen der Scharfeinstellung des Auges (Akkommodationsstörungen) und Verwirrtheitszustände (Delir). Maßgeblich ist jeweils die aktuelle Fachinformation des Präparats. [1]

Die Fachinformation von Imipramin fasst Mundtrockenheit, eine verstopfte Nase, Schwitzen, Akkommodationsstörungen, verschwommenes Sehen, Hitzewallungen und Verstopfung als anticholinerge Wirkungen zusammen, die besonders zu Beginn der Behandlung auftreten; unter derselben Überschrift stehen Störungen beim Wasserlassen. Laut Fachinformation von Amitriptylin können einige Beschwerden wie Kopfschmerzen, Zittern, Aufmerksamkeitsstörungen, Verstopfung und eine verringerte Libido auch Zeichen der Depression sein; sie werden in der Regel schwächer, wenn sich die Depression bessert. [2, 3]

Die Tabelle zeigt für jeden Wirkstoff mit Datensatz die höchste Häufigkeitsangabe seiner Produktinformation für einige Beschwerden. Sie ist keine Rangliste: Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde, nicht, wie stark sie ist. Ausgewählt werden soll ein Antidepressivum laut NVL unter anderem nach seinem Sicherheits- und Wechselwirkungsprofil, Ihren Wünschen und der Erfahrung der Behandelnden. [1]

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffMüdigkeitMundtrockenheitVerstopfungSchwindelNiedriger BlutdruckGewichtszunahmeVermehrtes SchwitzenHerzrhythmusstörungen
AmitriptylinSehr häufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigHäufig
ClomipraminSehr häufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigHäufigSehr häufigSehr häufigGelegentlich
DoxepinNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntGelegentlich
ImipraminHäufigHäufigHäufigHäufigHäufigHäufigHäufigGelegentlich
OpipramolHäufigHäufigGelegentlichHäufigHäufigGelegentlichSeltenSelten
TrimipraminNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekannt

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

In epidemiologischen Studien, hauptsächlich mit Menschen ab 50 Jahren, war das Risiko für Knochenbrüche unter SSRI und TZA erhöht; welcher Mechanismus dahintersteckt, ist laut Fachinformation von Amitriptylin nicht bekannt. Nach der NVL sollen Wirkungen und typische Nebenwirkungen in der Behandlung aktiv erfragt werden, auch solche, die viele nicht von sich aus ansprechen, etwa sexuelle Funktionsstörungen. Mehr zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Herz und QT-Zeit, sexuelle Funktionsstörungen und vermehrtes Schwitzen. [1, 3]

Wirkungseintritt und Dauer

Mann in den Vierzigern angelt an einem nebligen Morgen ruhig von einem Holzsteg an einem stillen See
Bild: KI-generiert

Beruhigend wirken Imipramin und Clomipramin laut Fachinformation meist unmittelbar in den ersten Tagen, Trimipramin meist in den ersten Stunden. Mit der stimmungsaufhellenden Wirkung ist bei diesen drei Wirkstoffen in der Regel nach 1 bis 3 Wochen zu rechnen. Bei Amitriptylin setzt die antidepressive Wirkung in der Regel nach 2 bis 4 Wochen ein, die schmerzlindernde ebenfalls. [2, 3, 4, 6]

Für Antidepressiva allgemein empfiehlt die NVL, die Behandlung in der Regel mit einer niedrigen Anfangsdosis zu beginnen ("soll") und, soweit die Verträglichkeit es erlaubt, so schnell wie möglich auf die empfohlene Standarddosis zu steigern ("sollte"). Ab dann rechnet sie mit einer Wirklatenz von 3 bis 4 Wochen, bei älteren Menschen mit bis zu 6 Wochen; danach soll gemeinsam beurteilt werden, ob sich die Beschwerden im Sinne der vereinbarten Ziele bessern. Bis dahin soll die Verträglichkeit sorgfältig überwacht werden, besonders auf Anzeichen, die auf ein steigendes Suizidrisiko hindeuten. [1]

Zur Dauer sagen Fachinformationen und Leitlinie nicht dasselbe. Laut den Fachinformationen von Imipramin und Clomipramin soll die Behandlung bei sogenannten endogenen Depressionen nach dem Abklingen der Beschwerden 4 bis 6 Monate weitergeführt werden, eventuell mit einer verringerten Dosis. Laut Fachinformation von Doxepin sollte die Behandlung nach dem Verschwinden der Beschwerden noch weitere 4 bis 6 Monate fortgeführt werden, um einen Rückfall zu verhindern. Nach der NVL soll die Einnahme eines Antidepressivums 6 bis 12 Monate über das Abklingen der Episode hinaus in gleicher Dosis empfohlen werden; nach 2 bis 3 oder mehr Episoden mit bedeutsamen Einschränkungen in den letzten 5 Jahren sollte eine Einnahme über mindestens 2 Jahre empfohlen werden. Als eigenes Anwendungsgebiet nennen die Fachinformationen dieser Seite die Rückfallvorbeugung nicht. [1, 2, 4, 5]

Wie lange Sie behandelt werden, legen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest. Hintergründe erklären die Seiten Wann wirken Psychopharmaka?, Wie lange werden Psychopharmaka genommen? und Wenn ein Antidepressivum nicht wirkt.

Absetzen

Beim Absetzen von Antidepressiva, besonders wenn es zu schnell geschieht, können laut NVL unerwünschte Effekte auftreten. Bei TZA ist ein erhöhtes Risiko für Absetzsyndrome zu erwarten, ebenso bei MAO-Hemmern, Venlafaxin und Paroxetin; in der Übersicht der NVL stehen Amitriptylin und Imipramin bei den Wirkstoffen mit hohem Risiko. Typisch sind unter anderem grippeähnliche Beschwerden, Kopfschmerz, Schlafstörungen und Albträume, Übelkeit, Schwindel, stromschlagähnliche Missempfindungen sowie Angst und Reizbarkeit. Die Beschwerden sind überwiegend mild, beginnen meist 36 bis 96 Stunden nach dem Absetzen und bilden sich je nach Halbwertszeit innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst zurück. [1]

Laut Fachinformation von Amitriptylin kann ein plötzliches Absetzen nach längerer Behandlung Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlafstörungen und Reizbarkeit hervorrufen; beendet werden sollte die Behandlung über mehrere Wochen schrittweise. Bei Clomipramin sollte ein plötzliches Absetzen einer längerfristigen, hoch dosierten Behandlung vermieden werden, weil dann mit Unruhe, Schweißausbrüchen, Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen zu rechnen ist; beendet wird sie durch eine langsame Verringerung der Dosis. Am Ende einer Erhaltungstherapie soll ein Antidepressivum laut NVL schrittweise abgesetzt werden, und zwar über mindestens 8 bis 12 Wochen, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen ("sollte"). [1, 3, 4]

Absetzen und Wechsel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ausführlich: Antidepressiva absetzen und Absetzsymptome. [1]

Worauf Sie achten sollten

Depressive Erkrankungen sind laut den Fachinformationen mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken und suizidales Verhalten verbunden, das bis zu einer deutlichen Besserung bestehen bleibt; zu Beginn der Behandlung kann das Risiko ansteigen. Höher ist es bei Menschen, die früher schon suizidales Verhalten zeigten oder vor der Behandlung ausgeprägte Suizidabsichten hatten. Eine Auswertung placebokontrollierter Studien mit Erwachsenen mit psychiatrischen Erkrankungen zeigte für unter 25-Jährige unter Antidepressiva ein höheres Risiko für suizidales Verhalten als unter Placebo. Behandelte und die Menschen, die sie betreuen, sind laut Fachinformation darauf hinzuweisen, auf jede Verschlechterung, auf Suizidgedanken und ungewöhnliche Verhaltensänderungen zu achten; treten sie auf, sollten sie unverzüglich medizinischen Rat einholen. Laut Fachinformation von Amitriptylin wurden solche Gedanken auch kurz nach dem Ende einer Behandlung berichtet. [2, 3, 4]

Wechselwirkungen

Zusammen mit MAO-Hemmern dürfen Imipramin, Amitriptylin und Clomipramin laut Fachinformation nicht eingenommen werden, Trimipramin nicht zusammen mit irreversiblen MAO-Hemmern; vor einer Behandlung mit Doxepin sollen irreversible MAO-Hemmer laut Fachinformation abgesetzt werden. Für den Wechsel von und zu einem MAO-Hemmer schreiben die Fachinformationen Wartezeiten vor (siehe MAO-Hemmer und Medikament wechseln). Als wichtige Wechselwirkungen der Gruppe nennt die NVL andere Mittel mit anticholinerger Wirkung, Alkohol und Mittel, die die QT-Zeit im EKG verlängern. Antidepressiva haben laut NVL außerdem ein hohes Potenzial für Wechselwirkungen über Abbau-Enzyme wie Cytochrom P450; bei Menschen, die mehrere Medikamente nehmen, empfiehlt sie vor Behandlungsbeginn eine Prüfung auf Wechselwirkungen. [1, 2, 3, 4, 5, 6]

Bei gleichzeitiger Gabe von TZA mit anticholinerg wirkenden Mitteln oder Neuroleptika wurde laut Fachinformation von Amitriptylin über eine stark erhöhte Körpertemperatur (Hyperpyrexie) berichtet, besonders bei hohen Außentemperaturen. Amitriptylin wirkt beruhigend; Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen können beeinträchtigt sein, und Alkohol kann das verstärken. Ob und wann Sie fahren, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu: Psychopharmaka kombinieren, Hitze und Sonne, Autofahren und Alkohol. [3]

Gegenanzeigen, höheres Alter und Kontrollen

Wichtige Gegenanzeigen der Gruppe sind laut NVL unter anderem ein Harnverhalt oder eine vergrößerte Prostata, ein Engwinkelglaukom, eine Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose) und Darmverschluss, schwere Herzerkrankungen einschließlich Störungen der Erregungsleitung und des Rhythmus sowie Demenz und Delir. Ältere Menschen mit körperlichen Vorerkrankungen haben laut NVL ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen und für potenziell gravierende Komplikationen, bei TZA zum Beispiel Delir, Blockbildungen und Rhythmusstörungen am Herzen und Harnverhalt. [1]

Vor Beginn einer Behandlung sollen laut NVL die für das Medikament empfohlenen Untersuchungen erfolgen. Für TZA nennt sie eine eigene Übersicht: vor Beginn Blutbild, Nierenfunktion, Leberwerte, Blutsalze, EKG, Blutdruck und Puls sowie das Körpergewicht, danach weitere Kontrollen in den ersten Monaten und im Verlauf. Die Abstände versteht sie als Orientierungswerte, von denen im begründeten Fall abgewichen werden kann. Den Spiegel des Medikaments im Blut sollte man laut NVL in bestimmten Fällen bestimmen, unter anderem bei Verträglichkeitsproblemen, bei Leber- oder Nierenschwäche und wenn die Behandlung nicht anspricht. Einzelheiten: Kontrollen während der Behandlung, Medikamentenspiegel und Psychopharmaka im Alter. [1]

Schwangerschaft und Stillzeit

Den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft bewertet Embryotox für die trizyklischen Antidepressiva insgesamt als sehr hoch, für die einzelnen Wirkstoffe als hoch (Amitriptylin, Clomipramin), mittel (Imipramin, Doxepin) oder gering (Trimipramin). Amitriptylin kann laut Embryotox bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch angewendet werden. Für Imipramin, Clomipramin, Doxepin und Trimipramin gilt laut Embryotox: Bei einer Neueinstellung sollten besser untersuchte Antidepressiva eingesetzt werden; als Alternativen nennt Embryotox Amitriptylin und je nach Grunderkrankung Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [8, 9, 10, 11, 12]

Werden Antidepressiva bis zur Entbindung eingenommen, ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen laut Embryotox erhöht; die Entbindung sollte deshalb in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen. Zur Stillzeit sagen die Quellen nicht dasselbe. Die Fachinformationen von Imipramin und Clomipramin raten vom Stillen ab, bei Doxepin ist die Stillzeit eine Gegenanzeige, und die Fachinformationen von Amitriptylin und Trimipramin verlangen, den Nutzen des Stillens für das Kind gegen den Nutzen der Behandlung für die Frau abzuwägen. Embryotox hält Stillen bei Amitriptylin, Imipramin und Clomipramin bei Monotherapie und guter Beobachtung des Kindes für akzeptabel, bei Trimipramin nur unter Vorbehalt und nur, wenn besser untersuchte Antidepressiva nicht infrage kommen; bei Doxepin beurteilt Embryotox das Stillen eher kritisch. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was für Sie gilt, klären Sie in der Praxis; Hintergründe auf den Seiten Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit. [2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10, 11, 12]

Kinder und Jugendliche

Zur Behandlung von Depressionen sollten TZA bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren laut den Fachinformationen nicht angewendet werden; in Studien zur Behandlung von Depressionen in dieser Altersgruppe zeigten sie keinen therapeutischen Nutzen. Kinder unter 12 Jahren dürfen laut Fachinformation nicht mit Doxepin behandelt werden. Bei Kindern zugelassen sind nur einzelne Anwendungen: Imipramin ab 5 Jahren gegen Bettnässen und Nachtangst, wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind, und Amitriptylin ab 6 Jahren gegen nächtliches Einnässen, wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind und alle anderen Behandlungen nicht geholfen haben. Hinweise für Eltern stehen auf der Seite Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [2, 3, 4, 5, 6]

Abgrenzung zu verwandten Gruppen

SSRI hemmen laut NVL gezielt (selektiv) die Wiederaufnahme von Serotonin, SNRI die von Serotonin und Noradrenalin. Mirtazapin und Mianserin ordnet die NVL einer eigenen Klasse zu, den Alpha2-Rezeptor-Antagonisten; laut Embryotox ähnelt Mirtazapin den tetrazyklischen Antidepressiva. Auf dieser Website stehen beide unter Weitere Antidepressiva. MAO-Hemmer blockieren laut NVL das Enzym Monoaminooxidase. Einen Überblick über alle Gruppen gibt die Seite Antidepressiva; zu den anderen Untergruppen: SSRI, SNRI und MAO-Hemmer. [1, 13]

Nortriptylin

Die NVL führt auch Nortriptylin unter den trizyklischen Antidepressiva. Ob Nortriptylin in Deutschland noch im Handel ist, ist nicht belegt; eine eigene Wirkstoffseite gibt es hier deshalb nicht. Fragen zu einem Präparat beantwortet Ihre Apotheke. [1]

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF). Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
  2. Fachinformation Imipramin-neuraxpharm 10 mg, 25 mg, 100 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2020. abgerufen am 23.10.2026
  3. Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Clomipramin-neuraxpharm 75 mg retard Retardtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Doxepin STADA 50 mg/100 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Trimipramin STADA 100 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Opipramol STADA 50 mg/100 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2018. abgerufen am 23.10.2026
  8. Embryotox: Amitriptylin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  9. Embryotox: Imipramin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  10. Embryotox: Clomipramin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  11. Embryotox: Doxepin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  12. Embryotox: Trimipramin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  13. Embryotox: Mirtazapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Welche trizyklischen Antidepressiva gibt es?

Die NVL Unipolare Depression nennt als trizyklische Antidepressiva Amitriptylin, Clomipramin, Doxepin, Imipramin, Nortriptylin und Trimipramin. Auf dieser Website haben Amitriptylin, Clomipramin, Doxepin, Imipramin und Trimipramin eine eigene Seite; ob Nortriptylin in Deutschland noch im Handel ist, ist nicht belegt. Opipramol ist chemisch verwandt, wird in seiner Fachinformation aber den beruhigenden und angstlösenden Mitteln zugeordnet.

Ist Opipramol ein trizyklisches Antidepressivum?

Opipramol ist mit den trizyklischen Antidepressiva strukturverwandt. Die Fachinformation ordnet es aber den beruhigenden und angstlösenden Mitteln (Sedativa, Anxiolytika) zu: Opipramol hat nur eine geringe anticholinerge Wirkung und hemmt die Rückaufnahme von Serotonin oder Noradrenalin nicht. Zugelassen ist es nur bei generalisierter Angststörung und somatoformen Störungen, nicht zur Behandlung einer Depression.

Ist Mirtazapin ein trizyklisches Antidepressivum?

Die NVL Unipolare Depression führt Mirtazapin nicht unter den trizyklischen Antidepressiva, sondern zusammen mit Mianserin in einer eigenen Klasse, den Alpha2-Rezeptor-Antagonisten. Laut Embryotox ähnelt Mirtazapin den tetrazyklischen Antidepressiva. Auf dieser Website steht es unter den weiteren Antidepressiva.

Welche Nebenwirkungen haben trizyklische Antidepressiva?

Die NVL nennt als wichtige Nebenwirkungen der Gruppe unter anderem anticholinerge Wirkungen wie Mundtrockenheit und Störungen der Scharfeinstellung des Auges, Müdigkeit, Appetit- und Gewichtszunahme, Störungen von Erregungsleitung und Rhythmus am Herzen, Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen, Schwindel, niedrigen Blutdruck und Verwirrtheitszustände. Wie häufig eine Beschwerde bei einem bestimmten Wirkstoff ist, zeigt die Vergleichstabelle auf dieser Seite; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Was sind anticholinerge Nebenwirkungen?

Anticholinerg wirkt ein Mittel, wenn es Andockstellen des Botenstoffs Acetylcholin blockiert; bei trizyklischen Antidepressiva betrifft das laut NVL cholinerge Rezeptoren im Gehirn und im übrigen Körper. Die Fachinformation von Imipramin fasst Mundtrockenheit, eine verstopfte Nase, Schwitzen, Störungen der Scharfeinstellung, verschwommenes Sehen, Hitzewallungen und Verstopfung als anticholinerge Wirkungen zusammen. Zusammen mit anderen anticholinerg wirkenden Mitteln ist laut Fachinformation mit stärkeren Wirkungen an Auge, Darm und Blase und im Gehirn zu rechnen, insbesondere mit einem Verwirrtheitszustand (Delir).

Wann wirken trizyklische Antidepressiva?

Beruhigend wirken Imipramin und Clomipramin laut Fachinformation meist schon in den ersten Tagen, Trimipramin in den ersten Stunden; mit der stimmungsaufhellenden Wirkung ist in der Regel nach 1 bis 3 Wochen zu rechnen. Bei Amitriptylin setzt die antidepressive Wirkung in der Regel nach 2 bis 4 Wochen ein. Nach der NVL soll ab Erreichen der Standarddosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob die Behandlung hilft.

Machen trizyklische Antidepressiva abhängig?

Eine Abhängigkeit im Sinne der Definition ist laut NVL bei Antidepressiva formell nicht gegeben, weil nur zwei Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung erfüllt sind: Toleranzentwicklung und Entzugssymptome. Beim Absetzen, besonders wenn es zu schnell geschieht, können aber Absetzsymptome auftreten, und bei trizyklischen Antidepressiva ist das Risiko dafür laut NVL erhöht. Abgesetzt wird schrittweise und gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Darf man trizyklische Antidepressiva in der Schwangerschaft nehmen?

Den Erfahrungsumfang mit trizyklischen Antidepressiva in der Schwangerschaft bewertet Embryotox insgesamt als sehr hoch, für die einzelnen Wirkstoffe unterschiedlich. Amitriptylin kann laut Embryotox bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft angewendet werden; bei einer Neueinstellung sollten statt Imipramin, Clomipramin, Doxepin oder Trimipramin besser untersuchte Antidepressiva eingesetzt werden, Embryotox nennt je nach Grunderkrankung unter anderem Amitriptylin, Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Wirkstoffgruppen MAO-Hemmer

    MAO-Hemmer sind Antidepressiva, die das Enzym Monoaminooxidase hemmen.

  • Wirkstoffgruppen Weitere Antidepressiva

    Weitere Antidepressiva wirken anders als SSRI, SNRI oder Trizyklika.

  • Wirkstoffgruppen Antipsychotika (Neuroleptika)

    Antipsychotika, früher Neuroleptika genannt, werden vor allem bei Psychosen eingesetzt.

  • Erkrankungen Depression

    Depression ist eine häufige psychische Erkrankung, die sich in vielen Fällen erfolgreich behandeln lässt.