MedikamenteWirkstoff

Imipramin

Imipramin ist ein verschreibungspflichtiges trizyklisches Antidepressivum. Zugelassen ist es zur Behandlung von Depressionen, zur langfristigen Schmerzbehandlung und für Kinder ab 5 Jahren gegen Bettnässen und Nachtangst. Weil es Herz, Kreislauf und Blutbild beeinflussen kann, gehören regelmäßige Kontrollen dazu; bei Gedanken, sich selbst zu verletzen, brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Frau in den Fünfzigern mit kurzen grauen Haaren schenkt sich in einer hellen Küche morgens ein Glas Wasser ein
Bild: KI-generiert

Wofür wird Imipramin eingesetzt?

Imipramin ist zur Behandlung von depressiven Erkrankungen zugelassen, unabhängig davon, welcher Form der Depression sie zugeordnet werden. Die Filmtabletten zu 10 und 25 mg sind außerdem für die langfristige Schmerzbehandlung im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts zugelassen. Bei Kindern ab 5 Jahren werden sie gegen Bettnässen (Enuresis) eingesetzt, wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind, und gegen Nachtangst (Pavor nocturnus), ebenfalls im Rahmen eines Gesamtkonzepts. [1, 2]

Die NVL Unipolare Depression führt Imipramin unter den tri- und tetrazyklischen Antidepressiva auf, die in Deutschland zur Behandlung einer Depression zur Verfügung stehen. Schlafstörungen gehören nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten. Mehr über die Erkrankung, ihre Anzeichen und die Behandlung nach der Leitlinie lesen Sie auf der Seite Depression. [1, 4]

Wie wirkt Imipramin?

Nervenzellen geben Signale über Botenstoffe weiter, etwa Noradrenalin und Serotonin. Imipramin hemmt die Wiederaufnahme dieser Botenstoffe in die Nervenzellen, stark bei Noradrenalin, schwächer bei Serotonin; dadurch steht mehr Botenstoff für die Signalübertragung zur Verfügung. Die Wirkung auf Noradrenalin geht vorwiegend auf das Abbauprodukt Desipramin zurück. [1, 4]

Wie andere trizyklische Antidepressiva blockiert Imipramin zusätzlich Andockstellen (Rezeptoren) für Acetylcholin, Histamin und Serotonin sowie für Adrenalin und Noradrenalin (alpha-Adrenozeptoren). Nach der NVL rufen solche Blockaden bei dieser Gruppe zusätzliche Wirkungen und Nebenwirkungen hervor. Die Fachinformation fasst Mundtrockenheit, verstopfte Nase, Schwitzen, verschwommenes Sehen, Hitzewallungen und Verstopfung als anticholinerge Wirkungen zusammen. Sie beschreibt außerdem eine geringe beruhigende Wirkkomponente und eine schmerzhemmende Wirkung. [1, 4]

Warum Antidepressiva wirken, ist laut NVL nicht vollständig geklärt. Ob ein Mangel an Botenstoffen eine Depression verursacht, ist heute umstritten, und diese Erklärung sagt nicht, warum die Wirkung erst nach einiger Zeit eintritt. Einen Überblick über alle Gruppen gibt die Seite Antidepressiva, die Grundlagen erklärt Wie wirken Antidepressiva?. [4]

Imipramin wird nach der Einnahme vollständig aufgenommen, aber schon beim ersten Durchgang durch die Leber stark abgebaut; unverändert in den Kreislauf gelangen 22 bis 77 % (Bioverfügbarkeit). In einer Studie mit 8 Männern betrug die mittlere Halbwertszeit 12,2 Stunden. Wie der Körper Imipramin aufnimmt, verteilt und abbaut, unterschied sich in einer Kinetikstudie stark von Mensch zu Mensch, teils nach Geschlecht und vor allem nach Alter. [1]

Wann wirkt Imipramin und wie lange wird behandelt?

Beruhigend wirkt Imipramin laut Fachinformation meist schon in den ersten Tagen, stimmungsaufhellend in der Regel nach 1 bis 3 Wochen. [1, 2]

Zur Dauer der Behandlung sagen die Quellen nicht dasselbe. Die Fachinformation von 2020 sieht bei sogenannten endogenen Depressionen eventuell eine Weiterbehandlung mit verringerter Dosis für 4 bis 6 Monate vor. Nach der NVL von 2023 soll die Einnahme eines Antidepressivums 6 bis 12 Monate über das Abklingen der Episode hinaus in gleicher Dosis empfohlen werden, nach mehreren Episoden unter bestimmten Bedingungen sollte sie mindestens 2 Jahre lang empfohlen werden. Wie lange Sie Imipramin nehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen fest. Die Zeitleiste zeigt die Angaben beider Quellen; mehr dazu auf den Seiten Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen?. [1, 4]

  1. BeginnDie Behandlung beginnt mit einer schrittweisen Dosissteigerung. Die häufigen Nebenwirkungen treten laut Fachinformation insbesondere zu Beginn auf, etwa Benommenheit, Zittern, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfung, niedriger Blutdruck und schneller Herzschlag. Die beruhigende Wirkung setzt meist unmittelbar in den ersten Tagen ein. Die Verkehrstüchtigkeit kann zu Behandlungsbeginn besonders beeinträchtigt sein.[1, 2]
  2. Bis zur BesserungDepressionen gehen mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken einher, das besteht, bis sich die Beschwerden deutlich bessern; zu Beginn einer Behandlung kann es ansteigen. Laut Fachinformation sollten Behandelte deshalb bis zum Eintritt der Besserung engmaschig überwacht werden, besonders zu Beginn und nach Dosisänderungen.[1, 2]
  3. Erste WirkungDie stimmungsaufhellende Wirkung ist laut Fach- und Gebrauchsinformation in der Regel nach 1 bis 3 Wochen zu erwarten. Bis die Krankheitszeichen nachlassen, dauert eine Behandlungsperiode im Allgemeinen mindestens 4 bis 6 Wochen.[1, 2]
  4. WirkungsprüfungDie NVL Unipolare Depression nennt für Antidepressiva eine Wirklatenz von 3 bis 4 Wochen ab Erreichen der Standarddosis, bei älteren Menschen bis 6 Wochen. Danach soll gemeinsam mit der behandelten Person beurteilt werden, ob sich die Beschwerden im Sinne der vereinbarten Ziele bessern.[4]
  5. ErhaltungÜber die Dauer der Behandlung entscheidet die Ärztin oder der Arzt individuell. Bei sogenannten endogenen Depressionen soll die Behandlung nach Rückbildung der depressiven Beschwerden laut Fachinformation eventuell mit einer verringerten (ambulanten) Dosis für 4 bis 6 Monate weitergeführt werden.[1, 2]
  6. RückfallvorbeugungLaut NVL Unipolare Depression soll die Einnahme eines Antidepressivums 6 bis 12 Monate über das Abklingen der depressiven Episode (Remission) hinaus empfohlen werden, in gleicher Dosis wie in der Akutphase. Menschen mit 2 bis 3 oder mehr depressiven Episoden und bedeutsamen Einschränkungen in den letzten 5 Jahren sollte empfohlen werden, das Antidepressivum mindestens 2 Jahre lang einzunehmen.[4]
  7. AbsetzenDie Behandlung wird laut Fachinformation durch langsame Verringerung der Dosis beendet; nach plötzlichem Absetzen sind Absetzbeschwerden wie Unruhe, Schweißausbrüche, Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen möglich. Die NVL ordnet Imipramin den Antidepressiva mit hohem Risiko für Absetzsyndrome zu; am Ende der Erhaltungstherapie soll ein Antidepressivum schrittweise abgesetzt werden. Wann und wie, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1, 2, 4]

Nebenwirkungen im Blick

Die häufigen Nebenwirkungen, die bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen können, treten laut Fachinformation besonders zu Beginn der Behandlung auf, etwa Benommenheit, Mundtrockenheit, Verstopfung, niedriger Blutdruck, schneller Herzschlag und eine Zunahme des Körpergewichts. Auch auf Dauer sollte das Blutbild kontrolliert werden, besonders bei Fieber und grippalen Infekten. [1, 2]

Gelegentlich kommen sexuelle Funktionsstörungen, Müdigkeit, innere Unruhe, Störungen beim Wasserlassen und bei Herzgesunden Herzrhythmus- und Leitungsstörungen vor. Selten sind Veränderungen des Blutbilds, sehr selten eine quälende Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie). Suizidgedanken und suizidales Verhalten sind während der Behandlung und kurz nach ihrem Ende berichtet worden; eine Häufigkeit nennen die Quellen dafür nicht. [1, 2]

Nebenwirkungen im Blick

Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.

"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit.

Absetzbeschwerden, Suizidgedanken und ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche beschreiben die Quellen ohne Häufigkeitsangabe. Sie fehlen deshalb in der Übersicht und in der folgenden Liste und stehen in den Abschnitten zu Warnzeichen, Vorsicht und Absetzen. Die Liste nennt alle Nebenwirkungen, für die Fach- oder Gebrauchsinformation eine Häufigkeit angeben; was die Angaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. [1, 2]

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • HormonsystemZunahme des Körpergewichts, insbesondere zu Beginn der Behandlung[1, 2]Mehr dazu: Gewichtszunahme
  • PsycheBenommenheit, insbesondere zu Beginn der Behandlung[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
  • NervensystemZittern (Tremor) und Schwindel, insbesondere zu Beginn der Behandlung[1, 2]
  • Magen und DarmMundtrockenheit, insbesondere zu Beginn der Behandlung[1, 2]
  • Magen und DarmVerstopfung (Obstipation), insbesondere zu Beginn der Behandlung[1, 2]
  • AtemwegeVerstopfte Nase[1, 2]
  • HautSchwitzen[1, 2]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen
  • AugenStörungen der Scharfeinstellung des Auges (Akkommodationsstörungen), verschwommenes Sehen[1, 2]
  • Gefäße und KreislaufHitzewallungen[1, 2]
  • Gefäße und KreislaufNiedriger Blutdruck (Hypotonie) und Kreislaufregulationsstörungen beim Aufstehen (orthostatische Dysregulation), insbesondere zu Beginn der Behandlung[1, 2]
  • HerzSchneller Herzschlag (Tachykardie), insbesondere zu Beginn der Behandlung[1, 2]Mehr dazu: Herzrasen
  • HerzEKG-Veränderungen ohne klinische Bedeutung (Veränderungen der T-Welle und der ST-Strecke)[1, 2]
  • Leber und GalleVorübergehender Anstieg der Leberenzyme, insbesondere zu Beginn der Behandlung[1, 2]

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

  • HormonsystemSexuelle Funktionsstörungen (Libido, Potenz)[1, 2]Mehr dazu: ErektionsstörungenVeränderte Lust auf Sex
  • PsycheMüdigkeit, Schlafstörungen[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
  • PsycheInnere Unruhe, Verstärkung von Angst und Erregung[1, 2]Mehr dazu: Unruhe und Nervosität
  • PsycheUmschlagen der Depression in eine Hypomanie oder Manie (krankhafte Hochstimmung mit Überaktivität)[1, 2]
  • PsycheVerwirrtheitszustände und andere Zeichen eines Delirs wie Desorientierung und Sinnestäuschungen (Halluzinationen), besonders bei älteren Menschen und bei Morbus Parkinson oder Parkinson-Syndrom[1, 2]
  • NervensystemMissempfindungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln (Parästhesien)[1, 2]
  • NervensystemKopfschmerzen[1, 2]
  • Nieren und HarnwegeStörungen beim Wasserlassen (Miktionsstörungen)[1, 2]
  • HerzBei Herzgesunden Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien), Störungen der Erregungsleitung (QRS-Verbreiterung, PQ-Verlängerung, Schenkelblock) und Herzklopfen (Palpitationen)[1, 2]Mehr dazu: HerzrhythmusstörungenHerzrasen
  • Magen und DarmÜbelkeit, Erbrechen, Durstgefühl, Appetitlosigkeit (Anorexie)[1, 2]
  • HautAllergische Hautreaktionen wie Hautausschlag (Exanthem) und Nesselsucht (Urtikaria)[1, 2]

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • HormonsystemAbsonderung von Milch aus der Brustdrüse (Galaktorrhoe)[1, 2]Mehr dazu: Brustspannen und Brustvergrößerung
  • PsycheAktivierung psychotischer Beschwerden[1, 2]
  • NervensystemKrampfanfälle[1, 2]
  • Nieren und HarnwegeHarnsperre (die Blase lässt sich nicht entleeren)[1, 2]
  • Gefäße und KreislaufKreislaufkollaps (Kollapszustände)[1, 2]
  • HerzVerstärkung einer bestehenden Herzschwäche (Herzinsuffizienz)[1, 2]
  • Magen und DarmDarmlähmung (paralytischer Ileus)[1, 2]
  • Leber und GalleKlinisch bedeutsame Störungen der Leberfunktion[1, 2]
  • Blut und LymphsystemVeränderungen des Blutbilds, meist als Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukozytopenie)[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • HormonsystemUnangemessene Ausschüttung eines Hormons, das den Wasserhaushalt regelt (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion, SIADH)[1, 2]Mehr dazu: Natriummangel
  • HormonsystemErhöhung oder Erniedrigung der Blutzuckerwerte[1, 2]Mehr dazu: Erhöhter BlutzuckerUnterzuckerung
  • HormonsystemGewichtsabnahme[1, 2]
  • HormonsystemVergrößerung der Brustdrüse beim Mann (Gynäkomastie)[1, 2]Mehr dazu: Brustspannen und Brustvergrößerung
  • PsycheAggressives Verhalten[1, 2]
  • NervensystemBewegungsstörungen: quälende Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie) und unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien)[1, 2]Mehr dazu: Sitzunruhe (Akathisie)Unruhe und NervositätBewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
  • NervensystemVeränderungen der Hirnstromkurve (EEG-Veränderungen)[1, 2]
  • NervensystemMuskelzuckungen (Myoklonien), Schwäche, Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), Sprachstörungen[1, 2]Mehr dazu: Schwäche (Asthenie)
  • NervensystemErkrankungen der peripheren Nerven (Polyneuropathien)[1, 2]
  • NervensystemArzneimittelfieber[1, 2]
  • AugenErweiterte Pupillen (Mydriasis) und Anfälle von grünem Star (Glaukomanfälle), insbesondere bei engem Kammerwinkel[1, 2]
  • Gefäße und KreislaufBlutdruckanstieg[1, 2]
  • HerzPlötzliche Verschlechterung der Herzleistung (kardiale Dekompensation)[1, 2]
  • Gefäße und KreislaufGefäßverkrampfungen an Armen und Beinen (periphere vasospastische Reaktionen)[1, 2]
  • Magen und DarmBauchbeschwerden[1, 2]
  • Magen und DarmEntzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis) und der Zunge (Glossitis)[1, 2]
  • Leber und GalleLeberentzündung (Hepatitis), auch mit Gelbsucht (Ikterus)[1, 2]
  • HautJuckreiz (Pruritus), punktförmige Hautblutungen (Petechien), Lichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilität), örtlich begrenzte oder ausgedehnte Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), Haarausfall[1, 2]
  • ImmunsystemAllergische Entzündung der Lungenbläschen (Alveolitis), mit oder ohne Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie)[1, 2]
  • ImmunsystemSchwere allergische (anaphylaktische oder anaphylaktoide) Reaktionen mit Blutdruckabfall[1, 2]
  • Blut und LymphsystemVermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie), Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) und starke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen (Agranulozytose), teilweise mit Hautblutungen (Purpura)[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • Ohr und GleichgewichtOhrgeräusche (Tinnitus)[1, 2]

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • HautVerstärkte Pigmentierung der Haut (Hyperpigmentierung)[1, 2]

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Depressionen gehen mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken einher, und zu Beginn einer Behandlung kann es laut Fachinformation ansteigen. Stärker gefährdet sind junge Erwachsene unter 25 Jahren und Menschen, die schon früher solche Gedanken hatten. Die Packungsbeilage rät, Angehörigen oder Freunden von der Depression zu erzählen und sie zu bitten, auf Veränderungen zu achten. [1, 2]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann in den Vierzigern mit kurzem Bart geht an einem Herbstnachmittag ruhig einen baumgesäumten Uferweg entlang
Bild: KI-generiert

Setzen Sie Imipramin wegen Nebenwirkungen nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; so steht es auch in der Packungsbeilage. Viele der häufigen Beschwerden treten laut Fachinformation besonders zu Beginn auf. Was sich bei Ihnen ändern lässt, klären Sie in der Praxis. [1, 2]

Einige Hinweise aus Fach- und Gebrauchsinformation betreffen den Alltag:

  • Bei einem Fieber oder grippalen Infekt informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; dann ist laut Fachinformation eine Kontrolle des Blutbilds angezeigt. [1]
  • Neigen Sie schon zu Verstopfung, sagen Sie es in der Praxis: Trizyklische Antidepressiva können vor allem bei älteren und bettlägerigen Menschen eine Darmlähmung auslösen. [1]
  • Bei längerer Einnahme von Antidepressiva wurde vermehrt Karies beobachtet. Die Fachinformation nennt regelmäßige Kontrollen der Zähne, bei Kindern rät die Packungsbeilage zu besonders sorgfältiger Zahnpflege. [1, 2]
  • Wer Kontaktlinsen trägt, sollte wissen, dass weniger Tränenflüssigkeit und zäher Schleim die Hornhaut schädigen können. [1]
  • Vor einer örtlichen Betäubung oder einer Narkose geben Sie an, dass Sie Imipramin nehmen. [1]

Im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch können Sie Beschwerden und Stimmung festhalten und zum Termin mitnehmen; die Fragen fürs Arztgespräch helfen bei der Vorbereitung.

Kontrollen während der Behandlung

Imipramin kann Herz, Kreislauf, Blutbild und Leber beeinflussen; deshalb sieht die Fachinformation Kontrollen je nach Risiko vor, beim Blutdruck schon vor Beginn der Behandlung. Die NVL Unipolare Depression nennt für trizyklische Antidepressiva vor Beginn der Behandlung Blutbild, Nierenfunktion, Leberenzyme, Blutsalze, EKG, Blutdruck und Puls sowie das Körpergewicht und danach weitere Kontrollen in den ersten Monaten und im Verlauf; die Abstände versteht sie als Orientierungswerte. [1, 4]

Kontrolluntersuchungen bei Imipramin
UntersuchungWann oder warum
BlutdruckVor Beginn der Behandlung, um die Risikolage zu erkennen; bei niedrigem Blutdruck, Kreislaufregulationsstörungen beim Aufstehen oder labilem Kreislauf auch während der Behandlung, weil starke Blutdruckabfälle möglich sind[1]
Blutdruck, EKG, Blutbild, Leberfunktion, gegebenenfalls EEGIn regelmäßigen Abständen, je nachdem, wie wahrscheinlich eine Nebenwirkung ist und welche Risiken bei Ihnen bestehen[1, 2]
EKG und HerzfunktionBei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, besonders mit Störungen der Erregungsleitung in der Vorgeschichte, und bei älteren Menschen; bei AV-Block I. Grades oder anderen Leitungsstörungen engmaschig[1, 2]
BlutbildWährend der gesamten Behandlung, besonders wenn Fieber oder ein grippaler Infekt auftritt, weil sich das Blutbild verändern kann[1]
LeberenzymeRegelmäßig bei Lebererkrankungen[1]
ZahnstatusRegelmäßig, weil bei längerer Einnahme von Antidepressiva vermehrt Karies beobachtet wurde[1]
BlutgerinnungBei gleichzeitiger Einnahme von Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ regelmäßig, weil Imipramin deren Wirkung verstärken kann[1, 2]

Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Den Spiegel des Medikaments im Blut sollte man laut NVL in bestimmten Situationen messen, etwa bei Verträglichkeitsproblemen, bei Leber- oder Nierenschwäche oder wenn die Behandlung nicht anspricht. Einzelheiten: Kontrollen während der Behandlung und Medikamentenspiegel. [4]

Wechselwirkungen

MAO-Hemmer dürfen nicht gleichzeitig mit Imipramin eingenommen werden, und Mittel gegen Herzrhythmusstörungen vom Typ Ia und III sollten laut Fachinformation nicht gleichzeitig angewendet werden. Die Wirkung von Alkohol und anderen dämpfend wirkenden Mitteln kann verstärkt werden; zusammen mit anderen anticholinerg wirkenden Mitteln ist mit stärkeren Wirkungen an Auge, Darm und Blase und im Gehirn zu rechnen, insbesondere mit einem Verwirrtheitszustand (Delir). Nikotin und hormonelle Verhütungsmittel können den Abbau von Imipramin beschleunigen. [1, 2]

Wechselwirkungen von Imipramin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Alkohol und andere dämpfend wirkende Mittel (zum Beispiel Schlaf-, Schmerz- und Psychopharmaka)Ihre Wirkung kann verstärkt werden[1, 2]Vorher ärztlich besprechen; auf Alkohol verzichten
Mittel mit anticholinerger Wirkung wie Phenothiazine, Mittel gegen die Parkinson-Krankheit, Antihistaminika, Atropin, BiperidenVerstärkte Wirkungen an Auge, Darm und Harnblase und im Gehirn, insbesondere ein Verwirrtheitszustand (Delir)[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer; besonders Fluoxetin und FluvoxaminSich verstärkende Wirkungen auf das Serotonin-System; unter Fluoxetin und Fluvoxamin können die Imipramin-Spiegel und die Nebenwirkungen steigen, auch bei vorausgegangener Anwendung[1, 2]Gegebenenfalls passt die Ärztin oder der Arzt die Dosis an
Sympathomimetika, zum Beispiel gefäßverengende Zusätze in Mitteln zur örtlichen BetäubungDeren Wirkung auf das vegetative Nervensystem kann erheblich verstärkt werden[1, 2]Vor einer Betäubung die Einnahme von Imipramin angeben
MAO-Hemmer vom irreversiblen TypSchwere Nebenwirkungen wie Erregung, Delir, Koma, sehr hohes Fieber, Krampfanfälle und starke Blutdruckschwankungen[1, 2]Nicht zusammen anwenden: mindestens 14 Tage Abstand zwischen beiden Behandlungen, in beide Richtungen; nach einem Wechsel mit niedriger Anfangsdosis beginnen
Blutdruckmittel wie Guanethidin, Betanidin, Reserpin, Clonidin und Alpha-MethyldopaIhre blutdrucksenkende Wirkung kann vermindert oder aufgehoben werden; unter Clonidin kann der Blutdruck wieder ansteigen (Rebound-Hypertension)[1, 2]Laut Fachinformation sollten Menschen mit behandlungsbedürftigem Bluthochdruck Blutdruckmittel mit anderem Wirkmechanismus erhalten, etwa Diuretika, gefäßerweiternde Mittel oder Betablocker; ärztlich besprechen
Mittel gegen Herzrhythmusstörungen vom Typ Ia (zum Beispiel Chinidin) und Typ III (zum Beispiel Amiodaron)Deren Wirkungen können verstärkt werden, Herzrhythmusstörungen sind möglich[1, 2]Nicht gleichzeitig anwenden
Neuroleptika (Mittel gegen Psychosen)Höhere Blutspiegel von Imipramin, niedrigere Krampfschwelle und Krampfanfälle sowie stärkere Nebenwirkungen auf das Nervensystem; unter Imipramin und Thioridazin wurden schwere Herzrhythmusstörungen beobachtet[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Cimetidin (Mittel gegen Magengeschwüre) und MethylphenidatDer Imipramin-Spiegel kann steigen[1, 2]Die Ärztin oder der Arzt verringert gegebenenfalls die Dosis von Imipramin
Mittel, die Abbau-Enzyme der Leber anregen: Barbiturate, Carbamazepin, Phenytoin, Nikotin, hormonelle Verhütungsmittel ("Pille")Imipramin kann schneller abgebaut werden und schwächer wirken; umgekehrt können die Spiegel von Phenytoin oder Carbamazepin steigen[1, 2]Dosisanpassungen ärztlich prüfen lassen
ÖstrogeneEs gibt Hinweise, dass sie die Wirkung von Imipramin abschwächen und zugleich die Nebenwirkungen verstärken können[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Gerinnungshemmer vom Cumarin-TypIhre gerinnungshemmende Wirkung kann verstärkt werden[1, 2]Engmaschig ärztlich überwachen und die Blutgerinnung regelmäßig kontrollieren lassen

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wie Psychopharmaka zusammenwirken, erklärt die Seite Psychopharmaka kombinieren.

Wer Imipramin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Zu den Gegenanzeigen gehören unter anderem bestimmte Erkrankungen von Augen, Prostata, Magen und Darm, die Erholungsphase nach einem Herzinfarkt und die gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten nicht mit Imipramin gegen Depressionen behandelt werden. [1, 2]

Nicht anwenden bei

  • Allergie gegen Imipramin, andere trizyklische Antidepressiva, die Farbstoffe Gelborange S (E 110) oder Ponceau 4R (E 124) oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Akute Vergiftung mit Alkohol oder mit dämpfend wirkenden Mitteln wie Schlaf-, Schmerz- oder Psychopharmaka[1, 2]
  • Akutes Harnverhalten[1, 2]
  • Akute Verwirrtheits- und Erregungszustände mit Sinnestäuschungen (akutes Delir)[1, 2]
  • Unbehandelter erhöhter Augeninnendruck bei engem Kammerwinkel (Engwinkelglaukom)[1, 2]
  • Vergrößerung der Vorsteherdrüse mit Restharnbildung (Prostatahypertrophie mit Restharn)[1, 2]
  • Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose)[1, 2]
  • Darmlähmung (paralytischer Ileus)[1, 2]
  • Gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern (bestimmte andere Mittel gegen Depressionen)[1, 2]
  • Erholungsphase nach einem Herzinfarkt[1, 2]
  • Stillzeit: Während der Behandlung sollte nicht gestillt werden; bei zwingender Indikation sollte abgestillt werden[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Vergrößerung der Vorsteherdrüse ohne Restharnbildung[1, 2]
  • Schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen[1, 2]
  • Erhöhte Krampfbereitschaft, etwa bei Epilepsie oder Hirnschäden, bei Alkoholkrankheit, im Alkoholentzug, bei gleichzeitiger Einnahme von Neuroleptika oder beim Beenden einer Behandlung mit Barbituraten oder Benzodiazepinen: Imipramin kann die Krampfschwelle senken, die Wahrscheinlichkeit von Krampfanfällen ist dosisabhängig[1, 2]
  • Störungen der Blutbildung[1, 2]
  • Tumoren des Nebennierenmarks (Phäochromozytom, Neuroblastom), weil gefährliche Blutdruckanstiege (hypertensive Krisen) möglich sind[1, 2]
  • Vorschädigungen des Herzens, besonders Störungen der Erregungsleitung: bei AV-Block I. Grades oder anderen Leitungsstörungen, vor allem Linksschenkelblock, nur unter engmaschiger EKG-Kontrolle; bei höhergradigen AV-Blockierungen oder ausgedehnten Leitungsstörungen nur in Ausnahmefällen[1, 2]
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, besonders mit Störungen der Erregungsleitung in der Vorgeschichte, und höheres Alter: Überwachung der Herzfunktion und EKG-Kontrollen sind angezeigt[1]
  • Niedriger Blutdruck, Kreislaufregulationsstörungen beim Aufstehen oder labiler Kreislauf: starke Blutdruckabfälle sind möglich[1]
  • Schilddrüsenüberfunktion oder Behandlung mit Schilddrüsenhormonen: unerwünschte Wirkungen am Herzen können verstärkt auftreten, deshalb ist Vorsicht bei der Dosierung geboten[1]
  • Suizidales Verhalten in der Vorgeschichte, ausgeprägte Suizidabsichten vor der Behandlung und junge Erwachsene unter 25 Jahren: höheres Risiko für Suizidgedanken und suizidales Verhalten; engmaschige Überwachung besonders zu Beginn der Behandlung und nach Dosisänderungen[1, 2]
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: nicht zur Behandlung von Depressionen. In Studien zeigten trizyklische Antidepressiva in dieser Altersgruppe keinen therapeutischen Nutzen; ein erhöhtes Risiko für suizidales und feindseliges Verhalten, wie es bei anderen Antidepressiva beobachtet wurde, ist nicht auszuschließen. Dazu kommen das Risiko für Nebenwirkungen an Herz und Kreislauf und fehlende Daten zur Langzeitsicherheit für Wachstum und Entwicklung[1, 2]
  • Kinder: Unter 16 Jahren laut Packungsbeilage nur bei zwingender Indikation; Neugeborene und Säuglinge bis 6 Monate sind ausgeschlossen, Ausnahmen nur aus zwingendem Grund im Krankenhaus; mit Kindern unter 5 Jahren liegen keine Erfahrungen vor[1, 2]
  • Ältere oder geschwächte Menschen, hirnorganische Veränderungen, Kreislauf- oder Atmungsschwäche (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion[2]
  • Ältere Menschen und Menschen mit hirnorganischem Psychosyndrom: Ein durch das Arzneimittel ausgelöster Verwirrtheitszustand (pharmakogenes Delir) ist möglich, oft in der Nacht; nach dem Absetzen verschwinden die Beschwerden in der Regel innerhalb weniger Tage[1]
  • Chronische Verstopfung: Vor allem bei älteren und bettlägerigen Menschen können trizyklische Antidepressiva eine Darmlähmung auslösen[1]
  • Vor einer örtlichen Betäubung oder einer Narkose das Behandlungsteam über die Einnahme informieren[1]
  • Kontaktlinsen: Weniger Tränenflüssigkeit und zäher Schleim können Hornhautschäden verursachen[1]
  • In Studien vor allem mit Menschen ab 50 Jahren wurde unter SSRI und trizyklischen Antidepressiva ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche beobachtet[1, 2]
  • Bei längerer Einnahme von Antidepressiva wurde vermehrt Karies beobachtet; bei Kindern ist das Risiko erhöht, auf die tägliche Zahnpflege sollte besonders geachtet werden[1, 2]
  • Die Farbstoffe Gelborange S (E 110) und Ponceau 4R (E 124) können allergische Reaktionen hervorrufen[1, 2]
  • Seltene erbliche Galactose-Unverträglichkeit, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption: Die Filmtabletten enthalten Lactose; Betroffene sollten sie laut Fachinformation nicht einnehmen[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Schwangerschaft

Imipramin sollte in der Schwangerschaft, besonders in den ersten drei Monaten, nur bei zwingender Indikation und nach strenger Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden. Bisherige Beobachtungen ergaben laut Packungsbeilage keine Hinweise auf fruchtschädigende Wirkungen therapeutischer Dosen. Nach der Geburt wurden beim Neugeborenen Entzugserscheinungen beobachtet, besonders nach höheren Dosen von Antidepressiva in der Schwangerschaft: Störungen von Herz- und Atemfunktion, von Harn- und Stuhlentleerung sowie Unruhe. Laut Fachinformation sollte Imipramin deshalb mindestens 7 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin schrittweise abgesetzt sein; wird es darüber hinaus angewendet, ist das Neugeborene im ersten Lebensmonat auf Entzugszeichen (Koliken, Blaufärbung der Haut, Unruhe) zu überwachen.[1, 2]

Embryotox gibt den Erfahrungsumfang für Imipramin mit "mittel" an, für trizyklische Antidepressiva insgesamt mit "sehr hoch"; qualitativ hochwertige Daten zu Imipramin fehlen laut Embryotox bisher. Bei einer Neueinstellung sollten laut Embryotox besser untersuchte Antidepressiva eingesetzt werden; bietet die Behandlung oder Weiterbehandlung mit Imipramin eindeutig therapeutische Vorteile, ist die Einnahme auch in der Schwangerschaft akzeptabel. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Amitriptylin als trizyklisches Antidepressivum, je nach Grunderkrankung auch Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Schwangerschaft sollte laut Embryotox sorgfältig gynäkologisch überwacht und engmaschig psychiatrisch begleitet werden; in den ersten Lebenstagen ist beim Neugeborenen auf Anpassungsstörungen zu achten, die Entbindung sollte deshalb in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Imipramin geht in die Muttermilch über. Laut Fach- und Gebrauchsinformation sollte während der Behandlung nicht gestillt werden; bei zwingender Indikation sollte abgestillt werden.[1, 2]

Embryotox beschreibt publizierte Erfahrungen mit mehr als 25 Mutter-Kind-Paaren. Im Blut der gestillten Kinder lag der Imipramin-Spiegel unter der Nachweisgrenze oder war sehr niedrig; über unerwünschte Wirkungen bei Säuglingen wird nicht berichtet. Laut Embryotox ist Stillen akzeptabel, wenn Imipramin als einziges Medikament eingenommen (Monotherapie) und das Kind gut beobachtet wird.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Während der Behandlung dürfen Sie laut Packungsbeilage keinen Alkohol trinken. Imipramin kann die Wirkung von Alkohol verstärken, und Alkohol verschlechtert die Verkehrstüchtigkeit zusätzlich.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Imipramin kann durch unterschiedlich auftretende Reaktionen die Fähigkeit beeinträchtigen, am Straßenverkehr teilzunehmen oder Maschinen zu bedienen, verstärkt zu Behandlungsbeginn, bei einem Präparatewechsel und zusammen mit anderen zentral wirkenden Mitteln wie Schmerz-, Schlaf- oder Psychopharmaka. Laut Fachinformation sollten das Führen von Fahrzeugen, das Bedienen von Maschinen und andere gefahrvolle Tätigkeiten ganz unterbleiben, zumindest aber in den ersten Tagen der Behandlung; die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt im Einzelfall.[1, 2]

Anwendung

Die Filmtabletten werden zu oder unabhängig von den Mahlzeiten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen.[1, 2]

Bei Bettnässen wird die Tagesdosis am frühen Abend eingenommen, bei frühem Einnässen am Nachmittag oder verteilt auf Nachmittag und Abend; bei Nachtangst wird die Dosis möglichst über den Tag verteilt.[1]

Einnahme vergessen: beim nächsten Mal nicht mehr einnehmen, sondern die Behandlung mit der verordneten Dosis fortsetzen.[2]

Absetzen

Unterbrechen oder beenden Sie die Behandlung nicht eigenmächtig, auch nicht wegen Nebenwirkungen, sondern sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Behandlung wird durch langsame Verringerung der Dosis beendet. Ein plötzliches Absetzen einer längeren, hoch dosierten Behandlung sollte vermieden werden, weil dann Absetzbeschwerden wie Unruhe, Schweißausbrüche, Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen zu erwarten sind. Nach einem Abbruch ohne schrittweise Dosisverringerung wurden außerdem Bauchschmerzen, Durchfall, Kopfschmerz und Angstgefühl beobachtet.[1, 2]

Überdosierung

Mögliche Anzeichen sind Verwirrtheit, starke Erregung bis zu Krampfanfällen, Bewusstseinstrübung bis zum Koma und Atemstillstand, niedriger Blutdruck, schneller Herzschlag und Herzrhythmusstörungen; außerdem können eine abgeschwächte Atmung, Blaufärbung der Haut, Erbrechen, Fieber, weite Pupillen, Schwitzen und eine verminderte oder fehlende Urinausscheidung auftreten. Bei Verdacht, besonders bei Kindern, sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen.[1, 2]

Setzen Sie Imipramin in der Schwangerschaft nicht selbst ab; das Vorgehen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Fach- und Gebrauchsinformation raten in der Stillzeit vom Stillen ab, Embryotox hält Stillen unter bestimmten Bedingungen für akzeptabel; was für Sie gilt, klären Sie in der Praxis. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch, Stillzeit und Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2, 3]

Zur Rechtslage beim Fahren: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht sicher fahren kann, auch bei Fahrlässigkeit. Die Medikamentenklausel in § 24a Abs. 4 StVG betrifft die dort und in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Substanzen, etwa Amfetamin oder Morphin, wenn sie aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammen. Ob und wann Sie fahren, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [11, 12, 13]

Einnahme und Absetzen

Was die Packungsbeilage zur Einnahme sagt, auch zum Zeitpunkt bei Bettnässen und zu einer vergessenen Dosis, steht in der Übersicht zum Alltag. Beendet wird die Behandlung durch langsame Verringerung der Dosis. [1, 2]

Die NVL Unipolare Depression ordnet Imipramin den Antidepressiva mit hohem Risiko für Absetzsyndrome zu. Typisch sind laut NVL unter anderem grippeähnliche Beschwerden, Kopfschmerz, Schlafstörungen und Albträume, Übelkeit, Schwindel, stromschlagähnliche Missempfindungen sowie Angst und Reizbarkeit. Die Beschwerden sind laut NVL überwiegend mild, beginnen meist 36 bis 96 Stunden nach dem Absetzen und bilden sich je nach Halbwertszeit innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst zurück. Über die Möglichkeit solcher Beschwerden sollen Patientinnen und Patienten laut NVL schon vor Beginn der Behandlung aufgeklärt werden. [4]

Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was beim Beenden einer Behandlung mit Antidepressiva wichtig ist, erklärt die Seite Antidepressiva absetzen; mögliche Beschwerden beschreibt Absetzsymptome. [2]

Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation

Packungsbeilage und Fachinformation nennen Anfangs- und Tagesdosen je nach Filmtablettenstärke, Alter und Anwendungsgebiet. Dosierung und Dauer richten sich nach der individuellen Reaktion, dem Anwendungsgebiet und der Schwere der Erkrankung; Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. [1, 2]

Präparate mit Imipramin

Präparate mit Imipramin
PräparatAnbieterHinweis
Imipramin-neuraxpharmneuraxpharm Arzneimittel GmbHFilmtabletten 10, 25 und 100 mg, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Fachinformation Imipramin-neuraxpharm 10 mg, 25 mg, 100 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2020. abgerufen am 22.10.2026
  2. Gebrauchsinformation Imipramin-neuraxpharm 10 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2016. abgerufen am 22.10.2026
  3. Embryotox: Imipramin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 22.10.2026
  4. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF). Stand 07/2023. abgerufen am 22.10.2026
  5. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 22.10.2026
  6. Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 22.10.2026
  7. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 22.10.2026

Häufige Fragen

Wofür wird Imipramin verschrieben?

Imipramin ist zur Behandlung von depressiven Erkrankungen zugelassen. Die Filmtabletten zu 10 und 25 mg dürfen außerdem zur langfristigen Schmerzbehandlung im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts eingesetzt werden und bei Kindern ab 5 Jahren gegen Bettnässen und Nachtangst, wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind. Imipramin ist verschreibungspflichtig.

Ab wann wirkt Imipramin?

Die beruhigende Wirkung setzt laut Fachinformation meist schon in den ersten Tagen ein. Die stimmungsaufhellende Wirkung ist in der Regel nach 1 bis 3 Wochen zu erwarten; bis die Krankheitszeichen nachlassen, dauert es im Allgemeinen mindestens 4 bis 6 Wochen. Nach der NVL Unipolare Depression soll ab Erreichen der Standarddosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob die Behandlung hilft.

Hilft Imipramin zum Schlafen?

Schlafstörungen gehören nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten von Imipramin. Laut Fachinformation hat Imipramin eine geringe beruhigende Wirkkomponente; Benommenheit ist eine häufige Nebenwirkung, Müdigkeit und auch Schlafstörungen kommen gelegentlich vor. Wenn Sie schlecht schlafen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Nimmt man mit Imipramin zu?

Eine Zunahme des Körpergewichts ist laut Fachinformation häufig, betrifft also bis zu 1 von 10 Behandelten, vor allem zu Beginn der Behandlung. Sehr selten ist auch eine Gewichtsabnahme beschrieben. Die NVL Unipolare Depression nennt für trizyklische Antidepressiva Kontrollen des Körpergewichts vor und während der Behandlung.

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Imipramin nehme?

Laut Packungsbeilage dürfen Sie während der Behandlung keinen Alkohol trinken. Imipramin kann die Wirkung von Alkohol verstärken, und Alkohol verschlechtert die Verkehrstüchtigkeit zusätzlich. Bei einer akuten Alkoholvergiftung darf Imipramin nicht eingenommen werden.

Darf ich mit Imipramin Auto fahren?

Imipramin kann die Fähigkeit beeinträchtigen, am Straßenverkehr teilzunehmen, besonders zu Behandlungsbeginn, bei einem Präparatewechsel und zusammen mit anderen zentral wirkenden Mitteln. Laut Fachinformation sollte das Führen von Fahrzeugen ganz unterbleiben, zumindest aber in den ersten Tagen der Behandlung; die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall. Alkohol verschlechtert die Fahrtüchtigkeit weiter.

Wie setze ich Imipramin ab?

Beenden Sie die Einnahme nicht eigenmächtig, sondern sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Behandlung wird durch langsame Verringerung der Dosis beendet. Nach plötzlichem Absetzen sind Absetzbeschwerden wie Unruhe, Schweißausbrüche, Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen möglich; die NVL Unipolare Depression ordnet Imipramin den Antidepressiva mit hohem Risiko für Absetzsyndrome zu.

Wie hoch ist die Dosis von Imipramin?

Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; sie richtet sich nach Anwendungsgebiet, Schwere der Erkrankung, Alter und Ihrer Reaktion auf das Mittel. Die Angaben der Packungsbeilage und der Fachinformation stehen auf dieser Seite im Abschnitt zur Dosierung, getrennt nach Filmtablettenstärke und Altersgruppe.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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