MedikamenteWirkstoff

Milnacipran

Milnacipran ist ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum aus der Gruppe der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), zugelassen für Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen. Bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Milnaneurax. Milnacipran kann Blutdruck und Herzfrequenz steigen lassen, und die Fachinformation empfiehlt regelmäßige Kontrollen beider Werte; bei Suizidgedanken oder einer Verschlechterung sollten Sie unverzüglich ärztlichen Rat einholen.

Mann in den Sechzigern mit grauem Haar sitzt an einem hellen Vormittag entspannt auf einer Holzbank im Park
Bild: KI-generiert

Wofür wird Milnacipran eingesetzt?

Milnacipran ist laut Fachinformation zur Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen zugelassen. Das Mittel ist verschreibungspflichtig und als Hartkapseln erhältlich. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten nicht mit Milnacipran behandelt werden. [1, 3]

Die NVL Unipolare Depression zählt Milnacipran zusammen mit Venlafaxin und Duloxetin zu den Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern, die in Deutschland zur Behandlung einer Depression zur Verfügung stehen. Wie die Erkrankung erkannt und nach der Leitlinie behandelt wird, beschreibt die Seite Depression. [11]

Wie wirkt Milnacipran?

Nervenzellen im Gehirn geben Signale mit Hilfe von Botenstoffen weiter. Milnacipran hemmt die Wiederaufnahme von zwei dieser Botenstoffe, Serotonin und Noradrenalin, in die Nervenzellen; die Fachinformation spricht von einem dualen Wiederaufnahmehemmer. Nach der NVL verstärken Mittel dieser Gruppe so die Signalübertragung im Gehirn. [1, 11]

Rezeptoren sind Andockstellen, an denen Botenstoffe wirken. Anders als viele trizyklische Antidepressiva bindet Milnacipran laut Fachinformation weder an Alpha-1-Rezeptoren für Adrenalin und Noradrenalin noch an Histamin-H1-Rezeptoren. An Rezeptoren für Dopamin (D1 und D2), Benzodiazepine und Opioide bindet es ebenfalls nicht, und für die Andockstellen des Botenstoffs Acetylcholin (Muskarinrezeptoren) ergaben Studien keinen Hinweis darauf. Die Wirkungen auf Verdauung sowie Harn- und Geschlechtsorgane scheinen mit der Hemmung der Noradrenalin-Wiederaufnahme zusammenzuhängen und können indirekt dem Acetylcholin entgegenwirken. Beruhigend wirkt Milnacipran nur gering, und kognitive Tests beeinträchtigte es nicht. [1]

Über welche Mechanismen Antidepressiva letztlich helfen, ist nach der NVL nicht vollständig geklärt. Die Annahme, ein Mangel an Botenstoffen wie Serotonin und Noradrenalin verursache die Depression, gilt heute als umstritten; sie erklärt zum Beispiel nicht, warum nur ein Teil der Behandelten anspricht und warum die Wirkung verzögert einsetzt. Einen Überblick geben die Seiten SNRI und Antidepressiva, die Grundlagen erklärt Wie wirken Antidepressiva?. [11]

Nach der Einnahme wird Milnacipran gut aufgenommen: Etwa 85 % gelangen in den Kreislauf, Mahlzeiten ändern daran nichts. Der höchste Blutspiegel ist nach etwa zwei Stunden erreicht, ein gleichbleibender Spiegel nach zwei bis drei Tagen. Die Halbwertszeit beträgt etwa acht Stunden. Abgebaut wird Milnacipran im Wesentlichen durch Glucuronidierung, eine Kopplung an Glucuronsäure, und ausgeschieden hauptsächlich mit dem Urin. Zwei bis drei Tage nach dem Ende einer wiederholten Einnahme ist es vollständig ausgeschieden; bei eingeschränkter Nierenfunktion verläuft die Ausscheidung langsamer. [1]

Wann wirkt Milnacipran und wie lange wird behandelt?

Wie bei anderen Antidepressiva setzt die Wirkung von Milnacipran laut Fachinformation erst nach 1 bis 3 Wochen ein. Nach der NVL Unipolare Depression soll ab Erreichen der üblichen Dosis wegen dieser Verzögerung mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet werden; dann soll gemeinsam beurteilt werden, ob sich die Beschwerden im Sinne der vereinbarten Ziele bessern. Mehr dazu auf der Seite Wann wirken Psychopharmaka?. [1, 11]

Bei der Dauer zählen die Quellen unterschiedlich. Laut Fachinformation sollten Patientinnen und Patienten über einen ausreichend langen Zeitraum behandelt werden, im Allgemeinen 6 Monate, um beschwerdefrei zu werden. Die NVL von 2023 setzt beim Abklingen der Episode (Remission) an: Danach soll die Einnahme noch 6 bis 12 Monate in gleicher Dosis empfohlen werden. Menschen mit zwei bis drei oder mehr depressiven Episoden und bedeutsamen Einschränkungen ihrer Funktionsfähigkeit in den letzten fünf Jahren sollte nach der NVL empfohlen werden, das Antidepressivum mindestens 2 Jahre zur Vorbeugung weiter einzunehmen. Die Fachinformation nennt diese Langzeitvorbeugung nicht als eigenes Anwendungsgebiet. Wie lange Sie Milnacipran nehmen, legen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest; Hintergründe stehen auf der Seite Wie lange werden Psychopharmaka genommen?. [1, 4, 11]

  1. BeginnDie Nebenwirkungen treten laut Fachinformation meist in der ersten Woche oder den ersten beiden Behandlungswochen auf und klingen später zusammen mit der Besserung der Depression ab. Das Suizidrisiko kann zu Beginn einer Behandlung ansteigen; bis zur Besserung, die nicht unbedingt schon in den ersten Wochen eintritt, sollten Patientinnen und Patienten engmaschig überwacht werden.[1]
  2. Erste WirkungWie bei anderen Antidepressiva tritt die Wirkung von Milnacipran erst nach 1 bis 3 Wochen ein.[1]
  3. ErhaltungDie Behandlung sollte über einen ausreichend langen Zeitraum erfolgen, im Allgemeinen 6 Monate, um Beschwerdefreiheit zu erreichen.[1]
  4. AbsetzenDie Behandlung sollte laut Fachinformation ausschleichend beendet werden, um Absetzsymptome zu vermeiden. Absetzsymptome treten im Allgemeinen in den ersten Tagen nach dem Ende auf und verschwinden im Allgemeinen innerhalb von zwei Wochen, können bei einigen aber zwei bis drei Monate oder länger anhalten.[1]

Nebenwirkungen im Blick

Die Nebenwirkungen treten laut Fachinformation meist in der ersten Woche oder den ersten beiden Behandlungswochen auf und klingen später ab, wenn sich die Depression bessert. Am häufigsten wurden in Studien Übelkeit und Kopfschmerzen berichtet; beide können mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Häufig sind unter anderem Erregtheit und Ängstlichkeit, Schläfrigkeit und Müdigkeit, Schwindel, Zittern, schneller Herzschlag, Bluthochdruck, Verstopfung, Mundtrockenheit und vermehrtes Schwitzen. [1]

Ebenfalls häufig sind Störungen des Samenergusses, Erektionsstörungen und Hodenschmerzen, gelegentlich eine verminderte Lust auf Sex. Unter SSRI und SNRI wurden außerdem sexuelle Funktionsstörungen berichtet, die nach dem Absetzen bestehen blieben. Gelegentlich kommen erhöhte Blutfette, eine Gewichtsabnahme, Herzrhythmusstörungen und eine Sitzunruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie) vor. Mit der Häufigkeit "nicht bekannt" führt die Fachinformation einen Natriummangel und ein Serotonin-Syndrom auf, Letzteres vor allem zusammen mit anderen Arzneimitteln, die auf das Serotonin-System wirken. [1]

Nebenwirkungen im Blick

Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.

"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit.

Über einige mögliche Absetzreaktionen nach dem Ende der Behandlung wurde berichtet. Eine Häufigkeit nennt die Fachinformation dafür nicht, deshalb fehlen sie in der Übersicht und in der Liste; mehr dazu im Abschnitt Einnahme und Absetzen. Die vollständige Liste stammt aus der Fachinformation von 2020, eine Angabe (anfallsartige Angstbeschwerden) aus der Fachinformation eines anderen Herstellers von 2023. Eine Gewichtszunahme führt keine der beiden auf. Was die Häufigkeitsangaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. [1, 4]

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • NervensystemKopfschmerzen[1]
  • Magen und DarmÜbelkeit[1]

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • PsycheErregtheit (Agitiertheit), Ängstlichkeit[1]Mehr dazu: Unruhe und Nervosität
  • PsycheDepression[1]
  • PsycheEssstörungen[1]
  • PsycheSchlafstörungen[1]
  • PsycheSuizidales Verhalten[1]
  • NervensystemMigräne[1]
  • NervensystemZittern (Tremor), Schwindel[1]
  • NervensystemEmpfindungsstörungen[1]
  • NervensystemSchläfrigkeit[1]Mehr dazu: Müdigkeit
  • HerzSchneller Herzschlag (Tachykardie), Herzklopfen (Palpitationen)[1]Mehr dazu: Herzrasen
  • Gefäße und KreislaufHitzewallungen[1]
  • Gefäße und KreislaufBluthochdruck (Hypertonie)[1]
  • Magen und DarmVerstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen (Dyspepsie), Erbrechen, Mundtrockenheit[1]
  • HautJuckreiz (Pruritus), Hautausschlag, vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)[1]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen
  • Muskeln, Knochen und GelenkeSchmerzen der Skelettmuskulatur[1]
  • Nieren und HarnwegeSchwierigkeiten beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen[1]
  • Geschlechtsorgane und BrustStörungen des Samenergusses, Erektionsstörung, Hodenschmerzen[1]Mehr dazu: ErektionsstörungenOrgasmus- und Samenergussstörungen
  • Allgemeine BeschwerdenMüdigkeit[1]Mehr dazu: Müdigkeit

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

  • ImmunsystemÜberempfindlichkeit[1]
  • Stoffwechsel und ErnährungErhöhte Blutfette (Hyperlipidämie)[1]Mehr dazu: Erhöhte Blutfette
  • Stoffwechsel und ErnährungGewichtsabnahme[1]
  • PsychePanikattacken[1]
  • PsycheVerwirrtheit[1]
  • PsycheWahnvorstellungen, Halluzinationen[1]
  • PsycheManie (krankhaft gehobene Stimmung)[1]
  • PsycheVerminderter Geschlechtstrieb (verminderte Libido)[1]Mehr dazu: Weniger Lust auf Sex
  • PsycheAlbträume[1]
  • PsycheSuizidgedanken[1]
  • NervensystemGedächtnisstörungen[1]
  • NervensystemSitzunruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie)[1]Mehr dazu: Sitzunruhe (Akathisie)
  • NervensystemGleichgewichtsstörungen[1]
  • NervensystemGeschmacksstörungen[1]
  • NervensystemOhnmacht (Synkope)[1]
  • AugenTrockene Augen, Augenschmerzen, erweiterte Pupillen (Mydriasis), Störungen der Scharfeinstellung des Auges (Akkommodationsstörungen), verschwommenes Sehen, Sehstörungen[1]
  • Ohr und GleichgewichtOhrgeräusche (Tinnitus), Schwindel[1]
  • HerzHerzrhythmusstörungen, Störung der Erregungsleitung im Herzen (Schenkelblock), zusätzliche Herzschläge (Extrasystolen)[1]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen
  • HerzHerzinfarkt (Myokardinfarkt)[1]
  • Gefäße und KreislaufDurchblutungsstörung an Fingern oder Zehen (Raynaud-Phänomen)[1]
  • Gefäße und KreislaufNiedriger Blutdruck (Hypotonie), Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie)[1]
  • AtemwegeHusten, Atemnot (Dyspnoe), trockene Nase, Erkrankungen des Rachenraums[1]
  • Magen und DarmDickdarmentzündung (Kolitis), Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Störungen der Magen-Darm-Bewegung (Motilitätsstörungen), Bauchbeschwerden, Blähungen[1]
  • Magen und DarmGeschwüre in Magen oder Zwölffingerdarm (gastroduodenale Geschwüre)[1]
  • Magen und DarmHämorrhoiden, Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis)[1]
  • Leber und GalleErhöhte Leberwerte[1]
  • HautNesselsucht (Urtikaria), Hautentzündung (Dermatitis), Hauterkrankung (Dermatose)[1]
  • Muskeln, Knochen und GelenkeMuskelsteifheit (Muskelrigidität), Muskelschmerzen (Myalgie)[1]
  • Nieren und HarnwegeAbnorme Urinfärbung[1]
  • Nieren und HarnwegeUngewollter Harnabgang (Harninkontinenz), Harnverhalt[1]
  • Geschlechtsorgane und BrustAusbleiben der Regelblutung, verstärkte Regelblutung, Menstruationsstörungen, Blutungen außerhalb der Regel (intermenstruelle Uterusblutung)[1]Mehr dazu: Zyklusstörungen
  • Geschlechtsorgane und BrustProstataerkrankung[1]
  • Allgemeine BeschwerdenFieber, Brustschmerz, Schüttelfrost, Unbehagen, Unwohlsein[1]

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • ImmunsystemAllergischer Schock (anaphylaktischer Schock)[1]
  • HormonsystemUnangemessene Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (inadäquate ADH-Sekretion)[1]Mehr dazu: Natriummangel
  • PsycheRealitätsverlust, abnormes Denken, psychotische Störungen[1]
  • NervensystemSchlaganfall[1]
  • NervensystemBewegungsstörungen (Dyskinesie), Parkinson-ähnliche Beschwerden (Parkinsonismus)[1]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
  • NervensystemKrampfanfälle[1]
  • HerzBrustenge (Angina Pectoris)[1]
  • Leber und GalleLeberentzündung (Hepatitis), Leberzellschädigung[1]
  • HautLichtempfindlichkeitsreaktionen[1]

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • Blut und LymphsystemBlaue Flecken (Ekchymose), Haut- oder Schleimhautblutungen[1]
  • Stoffwechsel und ErnährungNiedriger Natriumspiegel im Blut (Hyponatriämie)[1]Mehr dazu: Natriummangel
  • PsycheAggression[1]
  • PsycheAufhebung der Antriebshemmung mit Suizidrisiko (nach der Markteinführung berichtet, im Zusammenhang mit der Depression gesehen)[1]
  • PsycheStimmungsschwankungen mit manischen Episoden (nach der Markteinführung berichtet, im Zusammenhang mit der Depression gesehen)[1]
  • PsycheWiederaufleben von Wahnvorstellungen bei Menschen mit Psychose (nach der Markteinführung berichtet, im Zusammenhang mit der Depression gesehen)[1]
  • PsycheAnfallsartige Angstbeschwerden (paroxysmale Angstsymptome) bei antriebssteigernden (psychostimulierenden) Antidepressiva (nach der Markteinführung berichtet, im Zusammenhang mit der Depression gesehen)[4]
  • NervensystemSerotonin-Syndrom, vor allem zusammen mit anderen Arzneimitteln, mit mindestens drei Beschwerden wie Erregung, Verwirrtheit, Angstgefühl, Agitiertheit, Delirium und Unruhe, Zittern, Steifheit, Muskelzuckungen (Myoklonus), gesteigerte Reflexe, Störung der Bewegungskoordination (Ataxie), niedriger oder hoher Blutdruck, Schwitzen, Fieber, Schüttelfrost und Durchfall[1]Mehr dazu: Serotonin-Syndrom
  • NervensystemKrampfanfälle, vor allem bei Menschen mit Epilepsie in der Vorgeschichte[1]
  • HerzErkrankung des Herzmuskels (Tako-Tsubo-Kardiomyopathie)[1]
  • Leber und GalleLeberentzündung mit Untergang von Leberzellen (zytolytische Hepatitis)[1]
  • HautStevens-Johnson-Syndrom[1]
  • Geschlechtsorgane und BrustBlutungen nach der Geburt (postpartale Hämorrhagie), berichtet für die Gruppe der SSRI und SNRI[1]

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Eine Depression geht mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken und selbstschädigendes Verhalten einher, bis sich die Beschwerden deutlich bessern, und zu Beginn einer Behandlung kann dieses Risiko laut Fachinformation ansteigen. Stärker gefährdet sind Menschen, die schon früher suizidales Verhalten oder ausgeprägte Suizidabsichten hatten, und laut einer zusammenfassenden Auswertung von Studien (Meta-Analyse) Erwachsene unter 25 Jahren mit psychischen Erkrankungen, die Antidepressiva nehmen. In der Nebenwirkungstabelle der Fachinformation ist suizidales Verhalten als häufig eingestuft, Suizidgedanken als gelegentlich; über solche Fälle wurde während der Behandlung und kurz nach ihrem Ende berichtet. Nach der Markteinführung wurde außerdem über eine Aufhebung der Antriebshemmung mit Suizidrisiko berichtet, die mit der Depression in Zusammenhang gebracht wird. [1]

Bei einer Verschlechterung, bei Suizidgedanken oder ungewöhnlichen Verhaltensänderungen sollten Sie unverzüglich ärztlichen Rat einholen. Laut Fachinformation sind auch Betreuende darauf hinzuweisen, auf solche Zeichen zu achten. [1]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau in den Dreißigern mit dunklem schulterlangem Haar topft auf einer sonnigen Terrasse Kräuter um
Bild: KI-generiert

Setzen Sie Milnacipran wegen Nebenwirkungen nicht auf eigene Faust ab, denn ein abruptes Ende kann Absetzsymptome auslösen. Belasten Sie Beschwerden, sprechen Sie früh in der Praxis darüber. Leiden Sie zu Beginn unter Schlaflosigkeit oder Nervosität, ist laut Fachinformation möglicherweise vorübergehend eine Behandlung dieser Beschwerden nötig; das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. [1]

Aus der Fachinformation ergeben sich einige Hinweise für den Alltag:

  • Hatten Sie schon Probleme beim Wasserlassen, etwa durch eine vergrößerte Prostata, sagen Sie es in der Praxis. Dann ist eine Kontrolle der Blasenentleerung erforderlich. [1]
  • Bevor Ihnen Adrenalin am Zahnfleisch oder unter die Haut gegeben wird, sagen Sie, dass Sie Milnacipran nehmen. Zusammen mit Milnacipran kann Adrenalin schwere Rhythmusstörungen der Herzkammern auslösen, die Adrenalinmenge ist deshalb zu begrenzen. [1]
  • Sind Sie älter und nehmen Entwässerungsmittel oder andere Mittel, die den Natriumspiegel senken können, sprechen Sie das in der Praxis an: Unter Serotonin-Wiederaufnahmehemmern sind Fälle von Natriummangel aufgetreten, und laut Fachinformation ist dann Vorsicht geboten. [1]

Beschwerden, Stimmung und Einnahme können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch notieren und zum Termin mitbringen. Für das Gespräch selbst gibt es die Fragen fürs Arztgespräch.

Kontrollen während der Behandlung

Milnacipran kann Blutdruck und Herzfrequenz steigen lassen; Bluthochdruck und schneller Herzschlag sind häufige Nebenwirkungen. Die Fachinformation empfiehlt bei allen Behandelten Kontrollen beider Werte. Bleiben sie erhöht, sollte erwogen werden, die Behandlung zu beenden, wenn dies klinisch angezeigt ist. [1]

Kontrolluntersuchungen bei Milnacipran
UntersuchungWann oder warum
Blutdruck und HerzfrequenzZu Beginn der Behandlung, nach Dosiserhöhungen und in regelmäßigen Abständen während der Behandlung, bei allen Patienten und besonders bei bekanntem Herz-Kreislauf-Risiko[1]
BlasenentleerungBei Störungen der Harnentleerung in der Vorgeschichte, besonders bei vergrößerter Prostata, ist eine Kontrolle der Blasenentleerungsstörung erforderlich[1]
Engmaschige Beobachtung auf Verschlechterung, Suizidgedanken, suizidales Verhalten und ungewöhnliche VerhaltensänderungenBis zum Eintritt einer Besserung, vor allem zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen[1]

Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Die NVL Unipolare Depression nennt für Antidepressiva außer den trizyklischen Kontrollen vor Beginn der Behandlung: Blutbild, Nierenfunktion, Leberenzyme, Blutsalze, Blutdruck und Puls sowie das Körpergewicht. Ein EKG nennt sie dort nur für einige andere Wirkstoffe und für Menschen mit Risiko für oder bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Weitere Kontrollen sieht sie in den ersten Monaten und im Verlauf vor, bei Milnacipran zusätzlich eine Bestimmung der Nierenfunktion nach drei Monaten. Unter SNRI in hoher Dosis sieht die NVL häufigere Blutdruckkontrollen vor. Das Monitoring soll laut NVL nach dieser Übersicht erfolgen, die Abstände gelten als Orientierungswerte. [11]

Den Wirkstoffspiegel im Blut zu messen, empfiehlt die NVL mit dem Grad "sollte" vor allem bei besonderen Anlässen, zum Beispiel bei der Höchstdosis, bei Verträglichkeitsproblemen, bei Leber- oder Nierenschwäche oder wenn die Behandlung nicht anspricht. Für Milnacipran führt sie die Spiegelbestimmung ebenfalls mit "sollte". Einzelheiten erklären die Seiten Kontrollen während der Behandlung und Medikamentenspiegel. [11]

Wechselwirkungen

Mit irreversiblen MAO-Hemmern wie Tranylcypromin darf Milnacipran wegen des Risikos eines Serotonin-Syndroms nicht kombiniert werden. Zwischen dem Ende eines MAO-Hemmers und dem Beginn mit Milnacipran sind laut der Fachinformation von 2023 zwei Wochen einzuhalten, in umgekehrter Richtung mindestens eine Woche; einen solchen Wechsel plant Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Ein möglicherweise lebensbedrohliches Serotonin-Syndrom kann auch mit anderen Mitteln entstehen, die das Serotonin-System beeinflussen, etwa mit Johanniskraut, Tramadol, Buprenorphin und den meisten Antidepressiva. Bei Mitteln, die das Blutungsrisiko erhöhen, ist Vorsicht geboten, weil unter Serotonin-Wiederaufnahmehemmern zum Teil schwere Blutungen berichtet wurden. [1, 4]

Wechselwirkungen von Milnacipran
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Irreversible MAO-Hemmer (zum Beispiel Iproniazid, Tranylcypromin)Risiko eines Serotonin-Syndroms[1, 4]Nicht zusammen anwenden; zwischen dem Ende eines MAO-Hemmers und dem Beginn mit Milnacipran sind 2 Wochen einzuhalten, zwischen dem Ende von Milnacipran und dem Beginn eines MAO-Hemmers mindestens 1 Woche; ein Wechsel geschieht nur gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt
Selektive MAO-A-Hemmer: Linezolid, Moclobemid, MethylenblauRisiko eines Serotonin-Syndroms[1]Nicht empfohlen; lässt sich die Kombination nicht vermeiden, sehr sorgfältige ärztliche Überwachung und Beginn mit der niedrigsten empfohlenen Dosis
Andere serotonerge Mittel: Johanniskraut, Buprenorphin, Pethidin, Tramadol, die meisten AntidepressivaRisiko eines möglicherweise lebensbedrohlichen Serotonin-Syndroms[1, 4]Vorher ärztlich besprechen
Alpha- und Beta-Sympathomimetika, in den Muskel oder die Vene gespritztAnfallsartiger Bluthochdruck mit möglichen Herzrhythmusstörungen[1]Nicht empfohlen
Adrenalin, am Zahnfleisch oder unter die Haut angewendetSchwere Herzrhythmusstörungen der Herzkammern durch gesteigerte Erregbarkeit des Herzens[1]Vor einer Anwendung von Adrenalin die Einnahme von Milnacipran angeben; laut Fachinformation ist die Adrenalindosis zu begrenzen
Gerinnungshemmer zum Einnehmen, Mittel, die die Blutplättchen beeinflussen (zum Beispiel NSAR und Acetylsalicylsäure), andere Mittel, die das Blutungsrisiko erhöhenVorsicht wegen möglicher Blutungen[1]Vorher ärztlich besprechen
LevomepromazinBei gesunden Probanden stieg die Menge von Milnacipran im Körper an; bei älteren Menschen oder eingeschränkter Nierenfunktion ist ein höherer Anstieg zu erwarten[1]Vorher ärztlich besprechen
AlkoholHinweise auf eine Wechselwirkung gibt es nicht; wie bei allen Psychopharmaka wird vom Alkohol abgeraten[1]Auf Alkohol verzichten

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Was beim Kombinieren mehrerer Psychopharmaka zu beachten ist, erklärt die Seite Psychopharmaka kombinieren.

Wer Milnacipran nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Zu den Gegenanzeigen gehören neben der Stillzeit ein nicht eingestellter Bluthochdruck und eine schwere oder instabile koronare Herzkrankheit, weil steigender Blutdruck oder steigende Herzfrequenz diese Erkrankungen verschlechtern können. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten Milnacipran nicht erhalten. [1]

Nicht anwenden bei

  • Überempfindlichkeit gegen Milnacipran oder einen der sonstigen Bestandteile[1]
  • Gleichzeitige Anwendung von irreversiblen MAO-Hemmern (zum Beispiel Iproniazid, Tranylcypromin)[1, 4]
  • Stillzeit[1]
  • Nicht eingestellter (unkontrollierter) Bluthochdruck, schwere oder instabile koronare Herzkrankheit, weil steigender Blutdruck oder steigende Herzfrequenz diese Erkrankungen verschlechtern können[1]

Besondere Vorsicht bei

  • Depressive Erkrankungen gehen mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken, selbstschädigendes Verhalten und Suizid einher, bis sich die Beschwerden deutlich bessern; das Risiko kann zu Beginn einer Behandlung steigen. Bei suizidalem Verhalten in der Vorgeschichte oder ausgeprägten Suizidabsichten vor der Behandlung ist es erhöht, ebenso bei Erwachsenen unter 25 Jahren mit psychiatrischen Erkrankungen unter Antidepressiva (Meta-Analyse im Vergleich zu Placebo). Laut Fachinformation sollten Patientinnen und Patienten deshalb bis zur Besserung engmaschig überwacht werden, besonders zu Beginn und nach Dosisanpassungen[1]
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Milnacipran sollte nicht angewendet werden. In Studien traten suizidales Verhalten (Suizidversuch und Suizidgedanken) und Feindseligkeit (vorwiegend Aggressivität, oppositionelles Verhalten und Wut) bei mit Antidepressiva behandelten Kindern und Jugendlichen häufiger auf als unter Placebo; Langzeitdaten zu Wachstum, Reifung sowie kognitiver Entwicklung und Verhaltensentwicklung fehlen[1]
  • Schlaflosigkeit oder Nervosität zu Beginn der Behandlung: Möglicherweise ist eine vorübergehende Behandlung dieser Beschwerden nötig[1]
  • Laut Fachinformation kann zu Beginn ein Beruhigungs- oder Angstlösemittel zusätzlich sinnvoll sein, um Angstzuständen entgegenzuwirken; vor der Aufhebung der Antriebshemmung und vor Suizidversuchen schützen Angstlösemittel (Anxiolytika) aber nicht unbedingt[1, 4]
  • Eingeschränkte Nierenfunktion: Wegen einer längeren Halbwertszeit kann eine geringere Dosis nötig sein[1]
  • Störungen der Harnentleerung in der Vorgeschichte, besonders bei vergrößerter Prostata (Prostatahypertrophie) und anderen urogenitalen Störungen: Die Blasenentleerungsstörung muss kontrolliert werden[1]
  • Bluthochdruck oder Herzerkrankungen: Laut Fachinformation wird bei allen Patientinnen und Patienten, besonders bei bekanntem Herz-Kreislauf-Risiko, eine Überwachung von Blutdruck und Herzfrequenz empfohlen; bei anhaltend hohem Blutdruck oder erhöhter Herzfrequenz sollte ein Abbruch der Behandlung erwogen werden, wenn dies klinisch angezeigt ist[1]
  • Erhöhter Augeninnendruck oder Risiko für ein Engwinkelglaukom[1]
  • Epilepsie, auch in der Vorgeschichte: Anwendung mit Vorsicht; bei einem Anfall ist die Behandlung abzubrechen[1]
  • Unter Serotonin-Wiederaufnahmehemmern sind Fälle von niedrigem Natriumspiegel (Hyponatriämie) aufgetreten, wahrscheinlich durch eine unangemessene Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (SIADH). Vorsicht bei älteren Menschen, die Entwässerungsmittel (Diuretika) oder andere natriumsenkende Arzneimittel einnehmen, sowie bei Zirrhose oder Mangelernährung[1]
  • Unter Serotonin-Wiederaufnahmehemmern wurden zum Teil schwere Blutungen berichtet. Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von Gerinnungshemmern, Mitteln, die die Blutplättchen beeinflussen (zum Beispiel NSAR und Acetylsalicylsäure), oder anderen Mitteln, die das Blutungsrisiko erhöhen, sowie bei Blutungsstörungen in der Vorgeschichte. SSRI und SNRI können das Risiko für Blutungen nach der Geburt erhöhen[1]
  • SSRI und SNRI können sexuelle Funktionsstörungen verursachen; es wurden lang anhaltende sexuelle Funktionsstörungen berichtet, die nach dem Absetzen bestehen blieben[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Schwangerschaft

Laut Fachinformation liegen keine hinreichenden Erfahrungen mit Milnacipran bei Schwangeren vor; Tierstudien ergaben keine Hinweise auf schädliche Wirkungen auf Schwangerschaft, Entwicklung des Kindes, Geburt oder Entwicklung nach der Geburt. Beobachtungsdaten weisen auf ein erhöhtes Risiko für Blutungen nach der Geburt hin, wenn im Monat vor der Geburt SSRI oder SNRI eingenommen wurden. Nach Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern in der Schwangerschaft wurde beim Neugeborenen über schnelle Atmung, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, Zittern, erhöhte oder verminderte Muskelspannung, Schlafstörungen, Übererregbarkeit und eher selten lang andauerndes Schreien berichtet; diese Erscheinungen treten in den ersten Lebenstagen auf, sind meist von kurzer Dauer und nicht schwerwiegend. Daten aus epidemiologischen Studien deuten darauf hin, dass SSRI in der Schwangerschaft das Risiko für einen erhöhten Blutdruck in der Lunge des Neugeborenen (persistierende pulmonale Hypertonie, PPHN) erhöhen können; für Milnacipran lässt sich dieses mögliche Risiko laut Fachinformation wegen seines Wirkmechanismus nicht ausschließen. Als vorbeugende Maßnahme empfiehlt die Fachinformation, Milnacipran in der Schwangerschaft nicht einzunehmen.[1, 4]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Laut Fachinformation darf während der Behandlung mit Milnacipran nicht gestillt werden, weil geringe Mengen in die Muttermilch übergehen; die Stillzeit zählt zu den Gegenanzeigen.[1]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Hinweise auf eine Wechselwirkung mit Alkohol gibt es nicht; wie bei allen anderen Psychopharmaka wird laut Fachinformation vom Alkohol abgeraten.[1]

Autofahren und Maschinen

Bei gesunden Erwachsenen wurde keine Beeinträchtigung geistiger oder motorischer Funktionen festgestellt; Milnacipran kann aber die körperlichen und geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen, die für gefährliche Tätigkeiten wie das Führen von Fahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen nötig sind.[1]

Anwendung

Die Hartkapseln werden eingenommen, laut Fachinformation vorzugsweise mit den Mahlzeiten; Nahrung beeinflusst die Aufnahme des Wirkstoffs nicht.[1]

Absetzen

Laut Fachinformation sollte die Behandlung nicht abrupt, sondern ausschleichend (mit schrittweiser Verringerung der Dosis) beendet werden, um Absetzsymptome zu vermeiden; das geschieht gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt. Das Risiko für Absetzsymptome unter SSRI und SNRI kann unter anderem von der Dauer der Behandlung, der Dosis und der Geschwindigkeit der Dosisverringerung abhängen. Sie sind im Allgemeinen leicht bis mäßig, können bei einigen aber stark sein, treten im Allgemeinen in den ersten Tagen nach dem Ende der Behandlung auf und verschwinden im Allgemeinen innerhalb von zwei Wochen; bei einigen können sie zwei bis drei Monate oder länger anhalten. Sehr selten wurden Absetzerscheinungen nach einer versehentlich vergessenen Dosis berichtet.[1]

Überdosierung

Überdosierungen sind beobachtet worden. Als Anzeichen wurden unter anderem Übelkeit, übermäßiges Schwitzen, Verstopfung, Erbrechen, Atembeschwerden (Apnoe-Anfälle) und schneller Herzschlag beschrieben. Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen.[1]

In der Schwangerschaft empfiehlt die Fachinformation vorsorglich, auf Milnacipran zu verzichten, und während der Behandlung darf nicht gestillt werden; die Stillzeit zählt zu den Gegenanzeigen. Sind Sie schwanger oder planen Sie eine Schwangerschaft, setzen Sie Milnacipran nicht eigenmächtig ab und besprechen Sie das Vorgehen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch, Stillzeit und Psychopharmaka und Alkohol. [1, 4]

Zur Rechtslage beim Fahren: Wer ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht sicher fahren kann, macht sich nach § 316 StGB strafbar, auch bei Fahrlässigkeit. Ordnungswidrig handelt nach § 24a StVG, wer unter der Wirkung eines in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Mittels ein Kraftfahrzeug führt; nach Absatz 4 gilt das nicht, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt. Ob und wann Sie fahren können, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [12, 13, 14]

Einnahme und Absetzen

Die Hartkapseln werden laut Fachinformation vorzugsweise zu den Mahlzeiten eingenommen; das Essen beeinflusst nicht, wie viel Wirkstoff aufgenommen wird. Wie viel Sie einnehmen, steht im Abschnitt Dosierung. [1]

Beendet werden sollte die Behandlung laut Fachinformation ausschleichend, also mit schrittweiser Verringerung der Dosis, um Absetzsymptome zu vermeiden; ein abruptes Ende wird nicht empfohlen. Das Risiko für Absetzsymptome unter SSRI und SNRI kann unter anderem von der Dauer der Behandlung, der Dosis und der Geschwindigkeit der Dosisverringerung abhängen. Im Allgemeinen sind die Beschwerden leicht bis mäßig, setzen in den ersten Tagen nach dem Ende ein, gehen von selbst zurück und verschwinden innerhalb von zwei Wochen. Bei einigen Menschen können sie aber stark sein oder zwei bis drei Monate und länger anhalten. Sehr selten wurden Absetzerscheinungen schon nach einer versehentlich vergessenen Dosis berichtet. [1]

Die NVL Unipolare Depression ordnet Milnacipran in einer Tabelle, die auf einer Übersichtsarbeit beruht, den Antidepressiva mit geringem Risiko für Absetzsyndrome zu; für Milnacipran nennt sie dafür hochwertige Belege aus Absetzstudien. Typisch sind nach der NVL überwiegend milde Beschwerden, zum Beispiel grippeähnliche Symptome, Kopfschmerz, Schlafstörungen und Albträume, Übelkeit, Schwindel, stromschlagähnliche Missempfindungen sowie Angst und Reizbarkeit; sie bilden sich je nach Halbwertszeit innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst zurück. Schon vor Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva sollen Patientinnen und Patienten laut NVL über mögliche Absetzsymptome aufgeklärt werden, und ein geplantes Absetzen am Ende der Erhaltungsbehandlung soll schrittweise erfolgen. [11]

Absetzen und der Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Worauf es beim Beenden ankommt, erklärt die Seite Antidepressiva absetzen; mögliche Beschwerden beschreibt Absetzsymptome. [1]

Dosierung laut Fachinformation

Die Fachinformation nennt eine empfohlene Tagesdosis für Erwachsene und geringere Dosen, wenn die Nieren eingeschränkt arbeiten. Tritt mit der empfohlenen Tagesdosis keine Besserung ein, sollte die Behandlung laut Fachinformation beendet werden; für höhere Tagesdosen sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen. Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. [1]

Präparate mit Milnacipran

Präparate mit Milnacipran
PräparatAnbieterHinweis
Milnacipran GlenmarkGlenmark Arzneimittel GmbHHartkapseln 25 und 50 mg, verschreibungspflichtig
Milnacipran Micro Labsverschreibungspflichtig
Milnaneuraxneuraxpharm Arzneimittel GmbHHartkapseln 25 und 50 mg, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Fachinformation Milnaneurax 25 mg und 50 mg Hartkapseln. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2020. abgerufen am 22.10.2026
  2. Embryotox: Depressive Krankheitsbilder. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 22.10.2026
  3. Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Milnacipran. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 22.10.2026
  4. Fachinformation Milnacipran Glenmark 25 mg/50 mg Hartkapseln. Glenmark Arzneimittel GmbH. Stand 09/2023. abgerufen am 22.10.2026
  5. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF). Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
  6. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  7. Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  8. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Ab wann wirkt Milnacipran?

Wie bei anderen Antidepressiva setzt die Wirkung laut Fachinformation erst nach 1 bis 3 Wochen ein. Nach der NVL Unipolare Depression soll ab Erreichen der üblichen Dosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob sich die Beschwerden bessern. Ändern Sie in dieser Zeit nichts an der Einnahme, ohne mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen.

Wie lange dauern die Nebenwirkungen von Milnacipran?

Die Nebenwirkungen treten laut Fachinformation meist in der ersten Woche oder in den ersten beiden Behandlungswochen auf und klingen später zusammen mit der Besserung der Depression ab. Am häufigsten wurden in Studien Übelkeit und Kopfschmerzen berichtet. Halten Beschwerden an oder belasten sie Sie stark, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Nimmt man mit Milnacipran zu?

Eine Gewichtszunahme führt die Fachinformation nicht als Nebenwirkung auf. Gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten, kommt eine Gewichtsabnahme vor, Essstörungen sind häufig. Die NVL Unipolare Depression nennt für Antidepressiva Kontrollen des Körpergewichts vor Beginn und im Verlauf der Behandlung; sprechen Sie deutliche Veränderungen in der Praxis an.

Macht Milnacipran müde?

Schläfrigkeit und Müdigkeit sind laut Fachinformation häufige Nebenwirkungen und können bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen. Zugleich beschreibt die Fachinformation nur eine geringe beruhigende Wirkung, und bei Menschen mit Depression besserten sich unter Milnacipran die Schlafstörungen. Schlafstörungen stehen allerdings ebenfalls unter den häufigen Nebenwirkungen.

Darf ich mit Milnacipran Alkohol trinken?

Hinweise auf eine Wechselwirkung mit Alkohol gibt es laut Fachinformation nicht. Wie bei allen anderen Psychopharmaka rät sie trotzdem vom Alkohol ab. Die Fachinformation eines anderen Herstellers von 2023 empfiehlt, Alkohol zu vermeiden.

Wie setze ich Milnacipran ab?

Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und beenden Sie die Einnahme nicht eigenmächtig. Laut Fachinformation sollte die Behandlung ausschleichend beendet werden, also mit schrittweiser Verringerung der Dosis; ein abruptes Ende wird nicht empfohlen. Absetzsymptome sind im Allgemeinen leicht bis mäßig und verschwinden innerhalb von zwei Wochen, bei einigen können sie aber stark sein oder zwei bis drei Monate und länger anhalten.

Darf ich Milnacipran in der Schwangerschaft nehmen?

Mit Milnacipran bei Schwangeren gibt es laut Fachinformation keine hinreichenden Erfahrungen; vorsorglich empfiehlt sie, in der Schwangerschaft auf Milnacipran zu verzichten. Während der Behandlung darf nicht gestillt werden, weil geringe Mengen in die Muttermilch übergehen. Wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten, setzen Sie das Mittel nicht selbst ab und besprechen Sie das Vorgehen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie hoch ist die Dosis von Milnacipran?

Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Die Angaben der Fachinformation stehen auf dieser Seite im Abschnitt zur Dosierung. Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird Milnacipran langsamer ausgeschieden; dann ist laut Fachinformation eine Anpassung der Dosis erforderlich.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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