MedikamenteWirkstoff

Agomelatin

Agomelatin ist ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum, zugelassen zur Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen. Bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Valdoxan. Weil während der Behandlung erhöhte Leberwerte auftreten können, werden die Leberwerte vor Beginn und danach nach etwa 3, 6, 12 und 24 Wochen kontrolliert; bei Anzeichen einer Leberschädigung holen Sie unverzüglich ärztlichen Rat.

Älterer Mann sitzt am frühen Abend entspannt in einem Sessel neben einer warmen Stehlampe im Wohnzimmer
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Wofür wird Agomelatin eingesetzt?

Agomelatin ist ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum. Zugelassen ist es zur Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen, also einer depressiven Erkrankung. Der erwartete Nutzen ist laut Packungsbeilage, die Beschwerden der Depression zu bessern und schrittweise zu beseitigen. Mehr zur Erkrankung unter Depression. [1, 2]

Bei Kindern und Jugendlichen von 7 bis 17 Jahren sollte Agomelatin nicht angewendet werden, weil Sicherheit und Wirksamkeit nicht nachgewiesen sind; unter 7 Jahren wird es wegen fehlender Informationen nicht empfohlen. Bei Menschen ab 75 Jahren ist die Wirksamkeit nicht belegt, deshalb sollte es bei ihnen nicht angewendet werden. Auch bei älteren Menschen mit Demenz sollte Agomelatin laut Fachinformation nicht zur Behandlung depressiver Episoden angewendet werden, weil Sicherheit und Wirksamkeit für sie nicht belegt sind. [1, 2]

Zur Behandlung von Schlafstörungen ist Agomelatin nicht zugelassen; die Fachinformation nennt als Anwendungsgebiet nur Episoden einer Major Depression. Mehr zu Schlafproblemen unter Schlafstörungen. [2]

Wie wirkt Agomelatin?

Agomelatin regt die Melatonin-Rezeptoren MT1 und MT2 an und blockiert den Serotonin-Rezeptor 5-HT2C. Rezeptoren sind Andockstellen an Nervenzellen, über die Botenstoffe Signale weitergeben. Auf die Aufnahme von Monoaminen, also Botenstoffen wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, in die Nervenzellen hat Agomelatin keinen Effekt. Es erhöht aber die Freisetzung von Noradrenalin und Dopamin im vorderen Teil der Großhirnrinde und beeinflusst den Serotoninspiegel außerhalb der Zellen nicht. [2]

In Tiermodellen brachte Agomelatin gestörte Tag-Nacht-Rhythmen (zirkadiane Rhythmen) wieder in Takt. Beim Menschen verschiebt es das Einschlafen, das Absinken der Körpertemperatur und den Beginn der Melatoninausschüttung nach vorn. Agomelatin gehört zu den weiteren Antidepressiva; wie Antidepressiva insgesamt wirken, erklärt die Seite Wie wirken Antidepressiva? [2]

Agomelatin wird schnell und gut aufgenommen; die höchste Konzentration im Blut ist 1 bis 2 Stunden nach der Einnahme erreicht. Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich die Menge im Blut halbiert, liegt im Mittel zwischen 1 und 2 Stunden. Abgebaut wird Agomelatin vor allem über das Leberenzym CYP1A2, zu einem kleinen Teil über CYP2C9 und CYP2C19; Mittel, die diese Enzyme beeinflussen, können die Menge im Blut verändern. Bei Frauen gelangt mehr Wirkstoff ins Blut als bei Männern, die Pille erhöht die Menge, Rauchen verringert sie. [2]

Wann wirkt Agomelatin und wie lange wird behandelt?

Bei den meisten Menschen mit Depression beginnt Agomelatin laut Packungsbeilage innerhalb von zwei Wochen nach Behandlungsbeginn zu wirken. Damit sichergestellt ist, dass Sie beschwerdefrei sind, sollte die Behandlung über einen ausreichenden Zeitraum von mindestens 6 Monaten erfolgen; die Ärztin oder der Arzt kann Agomelatin auch dann weiter verordnen, wenn Sie sich besser fühlen. Veränderungen können Sie im Stimmungstagebuch festhalten; mehr zur Dauer unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [1, 2]

  1. BeginnVor Beginn sollen laut Fachinformation bei allen Behandelten die Leberwerte (Transaminasen) bestimmt werden; bei Risikofaktoren für eine Leberschädigung soll Agomelatin nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden. Die Nebenwirkungen waren in der Regel leicht bis mäßig und traten während der ersten beiden Behandlungswochen auf; am häufigsten waren Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel, meistens vorübergehend.[1, 2]
  2. Erste WirkungLaut Packungsbeilage beginnt Agomelatin bei den meisten Menschen mit Depression innerhalb von zwei Wochen nach Behandlungsbeginn zu wirken. Ist nach zweiwöchiger Behandlung keine Besserung eingetreten, kann die Dosis laut Fachinformation erhöht werden; die Entscheidung für eine Dosissteigerung muss gegen das höhere Risiko steigender Leberwerte abgewogen werden.[1, 2]
  3. Wirkung prüfenBei einer Depression soll laut NVL Unipolare Depression ab Erreichen der Standarddosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob sich die Behandlung in Richtung der vereinbarten Ziele entwickelt. Für ältere Menschen nennt die Leitlinie eine Zeit bis zum Wirkungseintritt von bis zu 6 Wochen.[3]
  4. ErhaltungLaut Fachinformation sollen Menschen mit einer Depression über einen ausreichenden Zeitraum von mindestens 6 Monaten behandelt werden, um sicherzustellen, dass sie beschwerdefrei sind. Laut NVL soll empfohlen werden, das Antidepressivum 6 bis 12 Monate über das Abklingen der depressiven Episode (Remission) hinaus in gleicher Dosis weiter einzunehmen.[1, 2, 3]
  5. Rückfall vorbeugenFür Antidepressiva allgemein gilt laut NVL: Wer 2 bis 3 oder mehr depressive Episoden und in den letzten 5 Jahren bedeutsame Einschränkungen im Alltag hatte, dem sollte empfohlen werden, das Antidepressivum mindestens 2 Jahre lang in der Dosis weiter einzunehmen, die in der Akutbehandlung gewirkt hat. Die Fachinformation nennt die Rückfallvorbeugung nicht als eigenes Anwendungsgebiet.[2, 3]
  6. AbsetzenDie Behandlung endet nur nach ärztlicher Absprache. Laut Fachinformation ist beim Absetzen von Agomelatin kein Ausschleichen der Dosis erforderlich. Für Antidepressiva allgemein empfiehlt die NVL, am Ende einer Erhaltungstherapie oder einer langfristigen Rückfallvorbeugung (Rezidivprophylaxe) über mindestens 8 bis 12 Wochen auszuschleichen, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen ("sollte").[2, 3]

Nebenwirkungen im Blick

Die Nebenwirkungen waren laut Fachinformation in der Regel leicht bis mäßig und traten während der ersten beiden Behandlungswochen auf; am häufigsten waren Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel, meistens vorübergehend. Erhöhte Leberwerte im Blut gehören zu den häufigen Nebenwirkungen, Leberentzündung, Gelbsucht und Leberversagen sind selten. Deshalb sollen laut Packungsbeilage regelmäßig Blutuntersuchungen der Leber erfolgen, mehr unter Kontrollen während der Behandlung. [1, 2]

Sexuelle Funktionsstörungen stehen nicht in der Nebenwirkungstabelle. In einer zusammengefassten Auswertung mehrerer Studien mit einem Fragebogen stand Agomelatin laut Fachinformation nicht im Zusammenhang mit sexuellen Funktionsstörungen. Bemerken Sie Veränderungen, sprechen Sie sie an; laut NVL sollen bei einer Depression Wirkungen und typische Nebenwirkungen aktiv erfragt werden. [2, 3]

Nebenwirkungen im Blick

Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.

"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen von Agomelatin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de.

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
  • Häufig: Schwindel und Schläfrigkeit (Somnolenz)[1, 2]
  • Häufig: Schlafschwierigkeiten (Schlaflosigkeit)[1, 2]
  • Häufig: Angst[1, 2]
  • Häufig: Ungewöhnliche Träume[1, 2]
  • Häufig: Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen und Erbrechen[1, 2]
  • Häufig: Erhöhte Leberenzymwerte im Blut (AST und/oder ALT)[1, 2]
  • Häufig: Rückenschmerzen[1, 2]
  • Häufig: Müdigkeit[1, 2]
  • Häufig: Gewichtszunahme[1, 2]

Alle Nebenwirkungen von Agomelatin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de

Alle Nebenwirkungen von Agomelatin nach Häufigkeit, auch die seltenen, finden Sie über die Zeile "Weiterführend" unter den Quellen. Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Gewichtszunahme, Müdigkeit, innere Unruhe (Akathisie), vermehrtes Schwitzen und sexuelle Probleme.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Wer depressiv ist, kann manchmal Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva können solche Gedanken verstärkt sein, weil diese Mittel einige Zeit brauchen, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal länger. Wahrscheinlicher ist das bei Menschen, die solche Gedanken schon früher hatten, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, gehen Sie zu einer Ärztin oder einem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf. [1]

Laut Packungsbeilage kann es hilfreich sein, Freunden oder Verwandten zu erzählen, dass Sie depressiv sind, und sie zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sie den Eindruck haben, dass sich Ihre Depression verschlimmert, oder wenn sie sich Sorgen über Veränderungen in Ihrem Verhalten machen. [1]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau in den Vierzigern hört im ruhigen Gespräch an einem Schreibtisch in einer hellen Praxis einem älteren Arzt aufmerksam zu
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Die meisten Nebenwirkungen sind laut Packungsbeilage leicht oder mäßig, treten normalerweise in den ersten beiden Behandlungswochen auf und gehen im Allgemeinen vorüber. Beenden Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, auch wenn Sie sich besser fühlen, und sprechen Sie belastende Beschwerden an. [1]

Nehmen Sie die Termine für die Blutuntersuchungen wahr: Auf Grundlage dieser Werte entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, ob Sie Agomelatin weiter einnehmen. Treten Anzeichen einer Leberschädigung auf, holen Sie unverzüglich ärztlichen Rat. [1]

Schwindel und Schläfrigkeit gehören zu den häufigen Nebenwirkungen. Stellen Sie sicher, dass Ihre Reaktionsfähigkeit normal ist, bevor Sie ein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen. Beschwerden und Fragen können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch notieren und mit den Fragen fürs Arztgespräch vorbereiten. [1]

Kontrollen während der Behandlung

Nach der Markteinführung wurden unter Agomelatin Fälle von Leberschädigung berichtet, darunter Leberversagen, stark erhöhte Leberwerte, Leberentzündung und Gelbsucht; die meisten traten in den ersten Behandlungsmonaten auf. Nach dem Absetzen gingen erhöhte Leberwerte für gewöhnlich wieder auf normale Werte zurück. Laut Fachinformation ist schon vor Beginn Vorsicht geboten, und alle Behandelten sollen engmaschig überwacht werden, vor allem Menschen mit Risikofaktoren für eine Leberschädigung und Menschen, die zugleich Arzneimittel nehmen, die die Leber schädigen können. Liegen die Leberwerte vor Beginn über einem bestimmten Grenzwert, darf die Behandlung nicht begonnen werden. [2]

Für die Behandlung einer Depression mit Antidepressiva soll das Monitoring laut NVL nach einer Übersichtstabelle der Leitlinie erfolgen, unter anderem mit Blutbild, Nierenwerten, Blutsalzen, Blutdruck und Gewicht. Die zusätzlichen Leberkontrollen bei Agomelatin nennt die NVL als Empfehlung der Hersteller. Die Zeitpunkte der Leitlinie sind Orientierungswerte, von denen im begründeten Fall abgewichen werden kann. [3]

Kontrolluntersuchungen bei Agomelatin
UntersuchungWann oder warum
Leberwerte (Transaminasen)Laut Fachinformation bei allen vor Beginn der Behandlung, dann nach etwa 3, 6, 12 und 24 Wochen und danach, wenn ärztlich angezeigt; nach einer Dosissteigerung erneut in derselben Häufigkeit wie zu Beginn. Erhöhte Werte sollten innerhalb von 48 Stunden nachkontrolliert werden. Steigen die Werte über einen bestimmten Grenzwert oder treten Zeichen einer Leberschädigung auf, ist Agomelatin sofort abzusetzen; danach sollten die Leberwerte kontrolliert werden, bis sie wieder im Normbereich liegen. Die NVL nennt diese zusätzlichen Kontrollen als Herstellerempfehlung[1, 2, 3]
Befinden, Stimmung und VerhaltenEngmaschig, vor allem zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen, bis eine Besserung eintritt; besonders sorgfältig bei Suizidgedanken oder suizidalem Verhalten in der Vorgeschichte[2]
Gespräch über Wirkung, Einnahme und NebenwirkungenBei einer Depression laut NVL in den Monaten 1 bis 3 je zweimal (diese Termine auch telefonisch möglich), in den Monaten 4 bis 6 je einmal, danach vierteljährlich[3]
Blutbild und Nierenwerte (GFR, berechnet aus dem Kreatinin)Bei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat, danach halbjährlich; bei langfristig stabilem Verlauf können jährliche Kontrollen ausreichen[3]
Salze im Blut (Elektrolyte)Bei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat, danach halbjährlich (bei langfristig stabilem Verlauf können jährliche Kontrollen ausreichen)[3]
Blutdruck und PulsBei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat[3]
KörpergewichtBei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 3. und im 6. Monat, danach vierteljährlich; bei langfristig stabilem Verlauf können seltenere Kontrollen ausreichen[3]
EKG (Herzstromkurve)Bei einer Depression laut NVL vor Beginn und im 1. Monat, wenn ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine solche Erkrankung besteht[3]

Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Was die einzelnen Werte bedeuten, erklärt die Seite Kontrollen während der Behandlung.

Wechselwirkungen

Agomelatin wird vor allem über das Leberenzym CYP1A2 abgebaut. Fluvoxamin, ein anderes Mittel gegen Depressionen, und das Antibiotikum Ciprofloxacin hemmen dieses Enzym stark; sie dürfen deshalb nicht zusammen mit Agomelatin eingenommen werden. Bei Propranolol, einem Betablocker gegen Bluthochdruck, und dem Antibiotikum Enoxacin ist laut Fachinformation Vorsicht geboten, weil die Agomelatin-Menge im Körper steigen könnte. Agomelatin selbst hat laut Fachinformation keinen Einfluss darauf, wie viel von anderen Arzneimitteln, die über Cytochrom-P450-Enzyme abgebaut werden, im Körper ankommt. [1, 2]

Zigarettenrauch regt CYP1A2 an und kann die Agomelatin-Menge im Blut verringern, vor allem bei 15 oder mehr Zigaretten am Tag. Rauchen Sie mehr als 15 Zigaretten am Tag, informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Siehe auch Rauchen und Psychopharmaka. [1, 2]

Wenn Sie Arzneimittel einnehmen, die die Leber beeinflussen, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat. Zur gleichzeitigen Elektrokrampftherapie gibt es keine Erfahrungen; weil Tierstudien keine krampffördernden Eigenschaften zeigten, gelten Auswirkungen laut Fachinformation als unwahrscheinlich. [1, 2]

Wechselwirkungen von Agomelatin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Fluvoxamin (Mittel gegen Depressionen) und Ciprofloxacin (Antibiotikum)Sie können die Agomelatin-Menge im Blut verändern; laut Fachinformation hemmt Fluvoxamin den Abbau von Agomelatin deutlich; die Agomelatin-Menge im Körper steigt dadurch stark an[1, 2]Nicht zusammen einnehmen
Propranolol (Betablocker gegen Bluthochdruck) und Enoxacin (Antibiotikum)Laut Fachinformation kann die Agomelatin-Menge im Körper steigen[1, 2]Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren; laut Fachinformation nur mit Vorsicht kombinieren
ÖstrogeneLaut Fachinformation mehrfach erhöhte Agomelatin-Menge im Körper; bei 800 Behandelten, die gleichzeitig Östrogene erhielten, gab es keine speziellen Anzeichen für mangelnde Sicherheit[2]Ärztlich besprechen
Rifampicin (Antibiotikum)Laut Fachinformation kann weniger Agomelatin ins Blut gelangen[2]Ärztlich besprechen
Rauchen (Zigarettenrauch)Kann die Agomelatin-Menge im Blut verringern, laut Fachinformation vor allem bei starken Raucherinnen und Rauchern (15 oder mehr Zigaretten am Tag)[1, 2]Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren, wenn Sie mehr als 15 Zigaretten am Tag rauchen
Arzneimittel, die die Leber beeinflussen oder schädigen könnenHöheres Risiko für Leberschäden[1, 2]Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat fragen
Benzodiazepine, Lithium, Paroxetin, Fluconazol und TheophyllinIn Studien kein Nachweis einer Wechselwirkung[2]Trotzdem alle Arzneimittel der Ärztin oder dem Arzt nennen

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren.

Wer Agomelatin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Nicht anwenden bei

  • Allergie gegen Agomelatin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Leberfunktionsstörung (laut Fachinformation Leberzirrhose oder aktive Lebererkrankung) oder Leberwerte (Transaminasen) über einem in der Fachinformation genannten Grenzwert[1, 2]
  • Gleichzeitige Einnahme von Fluvoxamin (ein anderes Mittel gegen Depressionen) oder Ciprofloxacin (ein Antibiotikum); laut Fachinformation allgemein starke Hemmstoffe des Enzyms CYP1A2[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Risikofaktoren für eine Leberschädigung wie Übergewicht oder Fettleibigkeit, nicht alkoholbedingte Fettleber, Diabetes, Alkoholmissbrauch oder der Konsum beträchtlicher Mengen Alkohol sowie Arzneimittel, die die Leber schädigen können: laut Fachinformation nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko[1, 2]
  • Bereits vor der Behandlung erhöhte Leberwerte: Ihre Ärztin oder Ihr Arzt entscheidet, ob Agomelatin für Sie geeignet ist[1, 2]
  • Bipolare Störung oder manische Beschwerden, auch früher: vorher mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen[1, 2]
  • Demenz: Laut Fachinformation sollte Agomelatin bei älteren Menschen mit Demenz nicht zur Behandlung depressiver Episoden angewendet werden, weil Sicherheit und Wirksamkeit für sie nicht belegt sind; laut Packungsbeilage beurteilt die Ärztin oder der Arzt das im Einzelfall[1, 2]
  • Menschen ab 75 Jahren: Die Wirksamkeit ist nicht belegt; Agomelatin sollte bei ihnen nicht angewendet werden[1, 2]
  • Frühere Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung und junges Erwachsenenalter (bis 25 Jahre): höheres Risiko für Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung; solche Gedanken können zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva verstärkt sein[1, 2]
  • Mäßig oder schwer eingeschränkte Nierenfunktion: Laut Fachinformation gibt es nur begrenzte Erfahrungen, Vorsicht ist geboten; laut Packungsbeilage beurteilt die Ärztin oder der Arzt individuell, ob die Einnahme sicher ist[1, 2]
  • Kinder und Jugendliche: unter 7 Jahren nicht empfohlen; von 7 bis 17 Jahren sollte es nicht angewendet werden, weil Sicherheit und Wirksamkeit nicht nachgewiesen sind[1, 2]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1]

Mehr zu besonderen Situationen: Bipolare Störung, Psychopharmaka im Alter und Kinder und Jugendliche.

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Ob Sie Auto fahren oder Maschinen bedienen können, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [12] Die Ausnahme für bestimmungsgemäß eingenommene, für einen konkreten Krankheitsfall verschriebene Arzneimittel in § 24a Abs. 4 StVG bezieht sich nur auf bestimmte Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG. [11] Mehr dazu unter Psychopharmaka und Autofahren.

Werden Sie während der Behandlung schwanger, setzen Sie Agomelatin nicht selbst ab, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Allgemeines unter Psychopharmaka und Alkohol, Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit.

In Studien an gesunden Probanden zeigte Agomelatin kein Missbrauchspotenzial. Allgemein zum Thema: Machen Psychopharmaka abhängig? [2]

Schwangerschaft

Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat, wenn Sie schwanger sind, eine Schwangerschaft vermuten oder planen. Laut Fachinformation gibt es keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen bei Schwangeren (weniger als 300 Schwangerschaftsausgänge); Tierstudien lassen nicht auf schädliche Auswirkungen schließen. Aus Vorsichtsgründen sollte eine Anwendung in der Schwangerschaft vermieden werden.[1, 2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Wenn Sie Agomelatin einnehmen, sollten Sie laut Packungsbeilage abstillen. Laut Fachinformation ist nicht bekannt, ob Agomelatin beim Menschen in die Muttermilch übergeht; im Tierversuch ging es in die Milch über, ein Risiko für das Kind ist nicht ausgeschlossen.[1, 2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Während der Behandlung sollten Sie keinen Alkohol trinken; die Fachinformation hält die gleichzeitige Einnahme für nicht ratsam. Alkoholmissbrauch und der Konsum beträchtlicher Mengen Alkohol zählen laut Fachinformation zu den Risikofaktoren für eine Leberschädigung.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Agomelatin kann Schwindel oder Schläfrigkeit verursachen und so die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Stellen Sie sicher, dass Ihre Reaktionsfähigkeit normal ist, bevor Sie ein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen.[1, 2]

Anwendung

Die Tablette mit etwas Wasser schlucken, beim Zubettgehen und unabhängig von den Mahlzeiten. Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge nehmen, sondern die nächste Dosis zur üblichen Zeit.[1]

Kontrolle der Leberfunktion: Die Ärztin oder der Arzt untersucht vor Beginn der Behandlung und danach in regelmäßigen Abständen, normalerweise nach 3, 6, 12 und 24 Wochen, ob die Leber richtig arbeitet; bei einer Dosiserhöhung ebenso zu Beginn der Dosissteigerung und dann normalerweise nach 3, 6, 12 und 24 Wochen. Hält die Ärztin oder der Arzt es für erforderlich, können weitere Kontrollen folgen.[1]

Absetzen

Beenden Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, auch wenn Sie sich besser fühlen. Laut Fachinformation ist beim Absetzen kein Ausschleichen der Dosis erforderlich.[1, 2]

Wechsel von einem anderen Antidepressivum (SSRI oder SNRI): Beim Absetzen des bisherigen Mittels können für einige Wochen Absetzbeschwerden wie Schwindel, Benommenheit, Schlafstörungen, Unruhe oder Angst, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Zittern auftreten, auch wenn die Dosis schrittweise verringert wird. Sie sollten nicht mit einem fehlenden frühen Ansprechen auf Agomelatin verwechselt werden. Wie das bisherige Antidepressivum am besten abgesetzt wird, besprechen Sie laut Packungsbeilage mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1]

Überdosierung

Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen. Berichtet wurden Schmerzen im oberen Bauchbereich, Schläfrigkeit, Ermüdung, Unruhe, Angst, Anspannung, Schwindel, Blaufärbung der Haut (Zyanose) oder Unwohlsein.[1, 2]

Einnahme und Absetzen

Beenden Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, auch wenn Sie sich besser fühlen; wann und wie die Behandlung endet, entscheiden Sie gemeinsam. Laut Fachinformation ist beim Absetzen von Agomelatin kein Ausschleichen der Dosis erforderlich; in einer dort beschriebenen Studie mit Menschen, deren Depression abgeklungen war, löste ein abrupter Behandlungsabbruch kein Absetzsyndrom aus. Die NVL ordnet das Risiko für Absetzsymptome bei Agomelatin als gering ein. Ihre allgemeine Empfehlung zum Ausschleichen von Antidepressiva steht im Behandlungsverlauf. [1, 2, 3]

Stellt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt von einem SSRI oder SNRI auf Agomelatin um, können Absetzsymptome des bisherigen Mittels auftreten, die nicht mit einem fehlenden frühen Ansprechen auf Agomelatin verwechselt werden sollten. Wie Sie das bisherige Mittel absetzen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ausführlich: Medikament wechseln, Antidepressiva absetzen und Absetzsymptome. [1]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage nennt eine empfohlene Dosis beim Zubettgehen und eine höhere Dosis, die die Ärztin oder der Arzt in manchen Fällen verordnet. Eine Dosissteigerung muss laut Fachinformation gegen das höhere Risiko steigender Leberwerte abgewogen werden; danach sollen die Leberwerte erneut in derselben Häufigkeit wie zu Beginn kontrolliert werden. [1, 2]

Präparate mit Agomelatin

Präparate mit Agomelatin
PräparatAnbieterHinweis
Agomelatin AbZAbZ-Pharma GmbHFilmtabletten mit 25 mg; verschreibungspflichtig
Agomelatin-ratiopharmratiopharm GmbHFilmtabletten mit 25 mg; verschreibungspflichtig
ValdoxanLes Laboratoires Servier (in Deutschland: Servier Deutschland GmbH)Filmtabletten mit 25 mg; verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. EMA-Produktinformation Valdoxan (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Valdoxan 25 mg Filmtabletten. Les Laboratoires Servier (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2025. abgerufen am 11.10.2026
  2. EMA-Produktinformation Valdoxan (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation), und Anhang II. Les Laboratoires Servier (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2025. abgerufen am 11.10.2026
  3. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Kurzfassung, Version 3.2. NVL-Programm von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023. abgerufen am 22.10.2026
  4. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  5. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026

Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Agomelatin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Ab wann wirkt Agomelatin?

Bei den meisten Menschen mit Depression beginnt Agomelatin laut Packungsbeilage innerhalb von zwei Wochen nach Behandlungsbeginn zu wirken. Ist nach zwei Wochen keine Besserung eingetreten, kann die Dosis laut Fachinformation erhöht werden; die Entscheidung muss gegen das höhere Risiko steigender Leberwerte abgewogen werden. Bei einer Depression soll laut NVL ab Erreichen der Standarddosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob die Behandlung wirkt.

Muss man Agomelatin ausschleichen?

Laut Fachinformation ist beim Absetzen von Agomelatin kein Ausschleichen der Dosis erforderlich, und die NVL ordnet das Risiko für Absetzsymptome als gering ein. Für Antidepressiva allgemein empfiehlt die NVL, am Ende einer Erhaltungstherapie oder Rückfallvorbeugung über mindestens 8 bis 12 Wochen auszuschleichen ("sollte"). Beenden Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache; wann und wie die Behandlung endet, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie hoch ist die Dosis von Agomelatin?

Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Was die Packungsbeilage als empfohlene und als höhere Dosis nennt, steht im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage" auf dieser Seite. Nach jeder Dosissteigerung werden die Leberwerte erneut kontrolliert; ändern Sie die Dosis nicht selbst.

Darf ich mit Agomelatin Alkohol trinken?

Laut Packungsbeilage ist es nicht zu empfehlen, während der Behandlung Alkohol zu trinken; die Fachinformation hält die gleichzeitige Einnahme für nicht ratsam. Alkoholmissbrauch und der Konsum beträchtlicher Mengen Alkohol zählen außerdem zu den Risikofaktoren für eine Leberschädigung.

Kann man mit Agomelatin zunehmen?

Ja, Gewichtszunahme gehört laut Packungsbeilage zu den häufigen Nebenwirkungen, sie kann also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen; eine Gewichtsabnahme ist gelegentlich. Übergewicht und Fettleibigkeit zählen zu den Risikofaktoren für eine Leberschädigung, fragen Sie dazu Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Bei der Behandlung einer Depression soll laut NVL auch das Körpergewicht kontrolliert werden.

Was hat Rauchen mit Agomelatin zu tun?

Zigarettenrauch kann die Menge an Agomelatin im Blut verringern, laut Fachinformation vor allem bei 15 oder mehr Zigaretten am Tag. Rauchen Sie mehr als 15 Zigaretten am Tag, informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Hilft Agomelatin beim Schlafen?

Agomelatin ist nur zur Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen zugelassen, für Schlafstörungen ist es nicht zugelassen. Laut Fachinformation verschiebt Agomelatin beim Menschen das Einschlafen zeitlich nach vorn; bei Menschen mit Depression verkürzte es die Zeit bis zum Einschlafen. Schläfrigkeit und Schlaflosigkeit gehören beide zu den häufigen Nebenwirkungen. Sprechen Sie Schlafprobleme bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.

Warum werden unter Agomelatin die Leberwerte kontrolliert?

Bei manchen Menschen können während der Behandlung erhöhte Leberwerte auftreten, und nach der Markteinführung wurden Leberschäden berichtet, darunter Leberentzündung, Gelbsucht und Leberversagen, die meisten in den ersten Behandlungsmonaten. Laut Packungsbeilage sollen deshalb vor Beginn und nach etwa 3, 6, 12 und 24 Wochen Blutuntersuchungen erfolgen, nach einer Dosissteigerung erneut. Steigen die Leberwerte über einen bestimmten Grenzwert, ist Agomelatin laut Fachinformation sofort abzusetzen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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