WirkstoffgruppenWirkstoffgruppe
Nieder- und mittelpotente Antipsychotika
Nieder- und mittelpotente Antipsychotika binden schwächer an die D2-Rezeptoren für Dopamin als hochpotente und werden laut S3-Leitlinie Schizophrenie eher so dosiert, dass die beruhigende Wirkung im Vordergrund steht. Zugelassen sind sie je nach Wirkstoff unter anderem bei Unruhe und Erregung, bei Psychosen und einige bei Schlafstörungen. Dass sich eine Schizophrenie mit niedrigpotenten Mitteln schlechter behandeln lässt, ist laut Leitlinie nicht belegt.

Nieder- und mittelpotente Antipsychotika (auch niederpotente Neuroleptika) binden schwächer an bestimmte Andockstellen für den Botenstoff Dopamin im Gehirn, die D2-Rezeptoren, als hochpotente Mittel. Die S3-Leitlinie Schizophrenie der DGPPN (Version 5.0, Fassung vom 13. Juni 2026, laut DGPPN gültig bis 12. Juli 2027) beschreibt die Einteilung in hoch-, mittel- und niedrigpotente Antipsychotika als Versuch, die Mittel nach ihrer "antipsychotischen Potenz" zu ordnen; sie orientiert sich daran, wie stark ein Mittel an D2-artige Dopaminrezeptoren bindet. [1, 2]
Die Einteilung legt nahe, dass sich eine Schizophrenie mit einem niedrigpotenten Antipsychotikum schlechter behandeln lässt als mit einem hochpotenten. Das ist laut S3-Leitlinie nicht belegt. Bei niedrigpotenten Mitteln begrenzen laut Leitlinie oft vegetative Nebenwirkungen die Dosis, die für eine ausreichende antipsychotische Wirkung nötig wäre; sie gehen auf die Blockade von Rezeptoren für Acetylcholin (muskarinische Rezeptoren), Noradrenalin (Alpha-1) und Histamin (H1) zurück. Deshalb werden niedrigpotente Antipsychotika laut Leitlinie eher so dosiert, dass die beruhigende (sedierende) Wirkung im Vordergrund steht. [1]
Ähnlich beschreiben es die Fachinformationen: Die antipsychotische Potenz von Chlorprothixen reicht im Allgemeinen nicht aus, um akute Psychosen allein damit zu behandeln, weil die Art der Nebenwirkungen die Dosis begrenzt. Melperon führt laut Fachinformation je nach Dosis zunächst zu Entspannung mit erhöhter Schlafbereitschaft, eine antipsychotische Wirkung tritt erst bei höheren Dosierungen ein. [5, 8]
Die Anwendungsgebiete unterscheiden sich je Wirkstoff. Zur Dämpfung von Unruhe- und Erregungszuständen sind laut ihren Fachinformationen bzw. ihrer Packungsbeilage unter anderem Chlorprothixen, Levomepromazin, Pipamperon, Melperon und Prothipendyl zugelassen, Chlorprothixen im Rahmen akuter psychotischer Syndrome, Levomepromazin im Rahmen psychotischer Störungen und Prothipendyl im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen. Chlorprothixen ist außerdem bei manieähnlichen Zuständen zugelassen, Levomepromazin bei akuten Erregungszuständen in manischen Episoden und als Kombinationsbehandlung bei schweren oder chronischen Schmerzen. Pipamperon ist laut Fachinformation bei Schlafstörungen, besonders bei älteren Menschen, zugelassen, Melperon bei Schlafstörungen und Verwirrtheitszuständen. Perazin ist unter anderem für akute und chronisch verlaufende Psychosen zugelassen. Für Sulpirid nennt die Fachinformation von Sulpirid-neuraxpharm Depressionen, wenn die Behandlung mit einem anderen Antidepressivum erfolglos war, und Schwindel bei Störungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr; weitere Präparate und Anwendungsgebiete stehen auf der Wirkstoffseite. [3, 4, 5, 6, 7, 8, 9]
Wie die Quellen die Wirkstoffe einordnen
Eine Liste, die jedes Antipsychotikum einer Potenzstufe zuordnet, enthält die S3-Leitlinie nicht. Sie zeigt in ihrer Tabelle 12, wie stark einige Antipsychotika im Laborversuch an Rezeptoren binden, darunter an den D2-Rezeptor, halbquantitativ mit Zeichen von 0 bis +++. Ausdrücklich niedrigpotent nennt sie Clozapin, gemessen an seiner niedrigen Affinität zu D2-artigen Rezeptoren, und im Kapitel zu Kindern und Jugendlichen die beiden klassischen Mittel, die ihre Tabelle 30 neben Haloperidol aufführt, Chlorprothixen und Levomepromazin. Die Fachinformationen mehrerer Wirkstoffe enthalten eine eigene Einordnung. [1, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 12, 13, 16]
| Wirkstoff | Chemische Gruppe | Bindung an D2-Rezeptoren laut S3-Leitlinie | Angabe der Fachinformation, der Leitlinie bzw. von Embryotox |
|---|---|---|---|
| Chlorprothixen | Thioxanthen | nicht aufgeführt | S3-Leitlinie: niederpotent; Fachinformation: stark beruhigend, schwach antipsychotisch |
| Levomepromazin | Phenothiazin | nicht aufgeführt | S3-Leitlinie: niederpotent; Packungsbeilage: stark dämpfendes Neuroleptikum; Embryotox: stark sedierend, gering antipsychotisch |
| Melperon | Butyrophenon | + | Fachinformation: schwach bis mittelstark wirkendes Neuroleptikum |
| Perazin | Phenothiazin | nicht aufgeführt | Fachinformation: mittelpotentes Neuroleptikum; Embryotox: mittelstarke Affinität zu D2-Rezeptoren |
| Pipamperon | Butyrophenon | + | Fachinformation: schwach potentes Neuroleptikum |
| Promethazin | Phenothiazin | nicht aufgeführt | Embryotox: wirkt vorwiegend über Histamin-H1-Rezeptoren vor allem beruhigend, antiallergisch und gegen Übelkeit |
| Prothipendyl | Azaphenothiazin | nicht aufgeführt | Fachinformation: gehört zu den schwach wirkenden Neuroleptika |
| Sulpirid | Benzamid | nicht aufgeführt | Fachinformation: schwaches bis mittelstarkes Neuroleptikum |
| Zuclopenthixol | Thioxanthen | +++ | Embryotox: wirkt antipsychotisch und stark sedierend; die Einordnung der Fachinformation steht auf der Wirkstoffseite |
Zum Vergleich: Flupentixol, Fluphenazin und Haloperidol stehen in Tabelle 12 der Leitlinie bei der D2-Bindung ebenfalls mit +++ (siehe Hochpotente Antipsychotika). Die chemischen Gruppen in der Tabelle oben folgen der Einteilung der S3-Leitlinie, die zum Beispiel Phenothiazine, Thioxanthene und das Azaphenothiazin Prothipendyl zu den trizyklischen Antipsychotika zählt. [1]
Wirkstoffe der Gruppe
Chlorprothixenz. B. Chlorprothixen Holsten, Chlorprothixen-neuraxpharmUnruhe und Erregung bei Psychosen, manische Zustände
Levomepromazinz. B. Levomepromazin-neuraxpharm, NeurocilUnruhe und Erregung bei Psychosen und Manie, starke Schmerzen (in Kombination)
Melperonz. B. Melneurin, Melperon AbZ, Melperon-ratiopharmSchlafstörungen, Verwirrtheit, Unruhe und Erregungszustände, insbesondere in der Altersmedizin (Geriatrie) und Psychiatrie
Perazinz. B. Perazin-neuraxpharmPsychosen, Manie, Erregungszustände
Pipamperonz. B. Dipiperon, Pipamperon-neuraxpharmSchlafstörungen, vor allem bei älteren Menschen; Unruhe und Erregungszustände
Promethazinz. B. Atosil, Promethazin-neuraxpharmUnruhe- und Erregungszustände, Übelkeit und Erbrechen, Schlafstörungen
Prothipendylz. B. Dominal 40 mg, Dominal forte 80 mg, Dominal TropfenUnruhe- und Erregungszustände bei psychiatrischen Erkrankungen
Sulpiridz. B. Sulpirid-neuraxpharm, Sulpirid - 1 A PharmaSchizophrenie (je nach Präparat), Depression (wenn andere Antidepressiva nicht halfen), Schwindel
Zuclopenthixolz. B. Ciatyl-Z, Ciatyl-Z Depot, Ciatyl-Z AcuphaseSchizophrenie, Manie, Erregungszustände
Melperon und Pipamperon gehören wie Haloperidol und Benperidol zu den Butyrophenonen, binden aber laut Tabelle 12 der S3-Leitlinie schwächer an D2-Rezeptoren als Haloperidol. Bei Melperon zeigt die Fachinformation im Laborversuch eine im Vergleich zur Wirkung auf Dopamin starke Wirkung gegen Serotonin; die Wirkung auf Acetylcholin und Histamin ist kaum messbar. Pipamperon bindet laut Fachinformation deutlich stärker an D4- als an D2-Rezeptoren und hat eine hohe Affinität zu Serotonin-Rezeptoren (5-HT2). Prothipendyl hat laut Fachinformation neben der beruhigenden auch antihistaminerge Eigenschaften und wirkt gegen Übelkeit und Erbrechen. [1, 7, 8, 9]
Sulpirid reichert sich laut Fachinformation mehr im mesolimbischen System an als im nigrostriatalen System, das laut S3-Leitlinie die unwillkürlichen Bewegungen steuert, und erhöht den Prolaktinspiegel relativ stark. In niedriger Dosierung scheint es antidepressiv zu wirken; die Beschwerden einer Schizophrenie beeinflusst es erst in höheren Dosen. Perazin blockiert laut Fachinformation neben Dopamin- auch Acetylcholin-, Histamin-, Serotonin- und Alpha-Rezeptoren, senkt den Blutdruck und wirkt beruhigend. Laut Embryotox besitzt Perazin ein hohes Risiko für Wechselwirkungen und für Veränderungen des Blutbilds. [1, 3, 4, 16]
Nebenwirkungen im Vergleich
Müdigkeit (Sedierung) ruft laut S3-Leitlinie vor allem eine Behandlung mit niedrig- bis mittelpotenten Antipsychotika hervor, weil diese meist auch Histamin-Rezeptoren blockieren; sie tritt aber auch bei anderen Antipsychotika auf. In vielen Situationen ist die Beruhigung erwünscht. Sie erhöht laut Leitlinie aber die Gefahr von Stürzen und Lungenentzündungen, zusammen mit Bewegungsstörungen auch die Gefahr, dass Speisen oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangen (Aspiration). [1]
Nebenwirkungen über Acetylcholin-Rezeptoren (anticholinerge Nebenwirkungen) sieht die Leitlinie ebenfalls eher unter klassischen niedrig- bis mittelpotenten Antipsychotika. Als Risikofaktoren nennt sie höheres Alter, Vorerkrankungen des Gehirns, des Magen-Darm-Trakts oder der Harn- und Geschlechtsorgane, eine vergrößerte Prostata, ein Engwinkelglaukom und weitere anticholinerg wirkende Medikamente. Viele meist trizyklische klassische Antipsychotika blockieren laut Leitlinie außerdem Alpha-1-Rezeptoren; das kann einen Blutdruckabfall beim Aufstehen mit Schwindel, kurzer Ohnmacht und Stürzen auslösen und den Herzschlag beschleunigen. Verstopfung kommt laut Leitlinie auch unter trizyklischen klassischen Antipsychotika mit anticholinerger Wirkung vor. Bei Levomepromazin nennt Embryotox häufig ausgeprägte vegetative Wirkungen wie niedrigen Blutdruck, schnellen Herzschlag, Störungen der Erregungsleitung im Herzen oder Störungen beim Wasserlassen. [1, 10]
Veränderungen des Blutbilds werden laut S3-Leitlinie eher unter trizyklischen Antipsychotika, unter anderem Phenothiazinen und Thioxanthenen, beobachtet als unter Butyrophenonen und Benzamiden. Bewegungsstörungen, ein malignes neuroleptisches Syndrom und ein erhöhter Prolaktinspiegel sind grundsätzlich bei jedem Antipsychotikum möglich. [1]
Die folgende Tabelle zeigt für jeden Wirkstoff der Gruppe die höchste Häufigkeitsangabe seiner Produktinformation für einige Beschwerden. Sie ist keine Rangliste: Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde, nicht, wie stark sie ist. Laut S3-Leitlinie unterscheiden sich Antipsychotika in ihren Nebenwirkungen deutlich voneinander; bei der Auswahl muss in jedem Fall eine Abwägung von Nutzen und Risiken erfolgen, die die Nebenwirkungen des jeweiligen Wirkstoffs berücksichtigt. [1]
| Wirkstoff | Müdigkeit | Mundtrockenheit | Niedriger Blutdruck | Herzrasen | Verstopfung | Gewichtszunahme | Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie) | Herzrhythmusstörungen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Chlorprothixen | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig |
| Levomepromazin | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Sehr häufig |
| Melperon | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt |
| Perazin | Häufig | Gelegentlich | Häufig | Häufig | Selten | Gelegentlich | Häufig | Nicht bekannt |
| Pipamperon | Sehr häufig | nicht genannt | Häufig | Häufig | nicht genannt | Nicht bekannt | Sehr häufig | Selten |
| Promethazin | Sehr häufig | Sehr häufig | Nicht bekannt | Nicht bekannt | nicht genannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Sehr selten |
| Sulpirid | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Selten |
| Zuclopenthixol | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Sehr häufig | Selten |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Nicht in der Tabelle, weil Packungsbeilage bzw. Fachinformation die Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangaben nennen: Prothipendyl. Die Beschwerden stehen auf der Wirkstoffseite.
Die Fachinformation von Melperon ordnet ihre Nebenwirkungen keiner Häufigkeitsklasse zu oder gibt die Häufigkeit als nicht bekannt an; in der Tabelle steht bei Melperon deshalb "Nicht bekannt". Melperon kann laut Fachinformation besonders zu Beginn der Behandlung müde machen und, besonders zu Beginn oder bei höherer Dosis, den Blutdruck senken, auch beim Aufstehen, und den Herzschlag beschleunigen. Auch für Prothipendyl nennt die Fachinformation die meisten Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe: Besonders zu Beginn kann es Kreislaufstörungen beim Aufstehen auslösen, bei einer Langzeitbehandlung leichte Gewichtszunahmen; außerdem wurde über Mundtrockenheit berichtet. [8, 9]
Mehr zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Herz und QT-Zeit, Blutbild und Bewegungsstörungen.
Wirkungseintritt und Dauer

Eine beruhigende Wirkung kann laut S3-Leitlinie schneller eintreten, wenn ein Antipsychotikum gespritzt wird, als bei Tabletten; sie unterscheidet sich aber von der eigentlichen antipsychotischen Wirkung, die mehrere Tage oder Wochen dauern kann. Bei den meisten Antipsychotika zum Einnehmen stellt sich laut Leitlinie zumeist nach 2 bis 5 Tagen ein gleichbleibender Blutspiegel ein, bei Wirkstoffen mit langer Halbwertszeit kann es bis zu 2 Wochen dauern. [1]
Wie lange behandelt wird, hängt von der Erkrankung ab und wird ärztlich mit Ihnen besprochen. Für Prothipendyl gilt laut Fachinformation der Grundsatz, die Dosis so gering und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich zu halten. Bei einer längerfristigen Behandlung mit Pipamperon sollte laut Fachinformation durch regelmäßige Anpassung die jeweils niedrigste erforderliche Dosis bestimmt werden. Mehr dazu: Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [7, 9]
Absetzen
Beim plötzlichen Absetzen klassischer Antipsychotika sind laut S3-Leitlinie in älteren Studien Absetzerscheinungen beschrieben worden, unter anderem Unruhe, Unwohlsein, Schlaflosigkeit und Schweißausbrüche, die in der Regel spätestens einige Tage nach dem Absetzen auftreten. Deshalb wurde laut Leitlinie beim Absetzen ein schrittweises Vorgehen empfohlen. Nach längerer Anwendung sollte Prothipendyl laut Fachinformation nicht abrupt, sondern ausschleichend abgesetzt werden. Bei Perazin und Chlorprothixen erhöhen abrupte starke Dosisänderungen laut Fachinformation das Risiko für Nebenwirkungen; nach einer längerfristigen Behandlung muss die Dosis schrittweise über einen langen Zeitraum verringert werden. [1, 3, 5, 9]
Absetzen und Wechsel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ausführlich: Antipsychotika absetzen und Psychopharmaka absetzen; Schlaf, Stimmung und Beschwerden können Sie im Stimmungstagebuch festhalten.
Worauf Sie achten sollten
Ein malignes neuroleptisches Syndrom kann laut S3-Leitlinie grundsätzlich bei jedem Antipsychotikum auftreten. Die Fachinformation von Perazin beschreibt es mit hohem Fieber und Muskelstarre und warnt, dass es nicht selten als Katatonie fehlgedeutet wird; weil eine erneute Gabe eines Neuroleptikums dann lebensbedrohlich sein kann, ist die Unterscheidung von entscheidender Bedeutung. Mehr dazu: Malignes neuroleptisches Syndrom. [1, 3]
Bei einer Schizophrenie ist das Risiko für einen Suizid laut S3-Leitlinie erheblich erhöht. Besonders bei einer Depression nach einer psychotischen Episode muss laut Leitlinie mit einem erhöhten Suizidrisiko gerechnet werden; zu den Folgen von Schlafstörungen bei Menschen mit Schizophrenie zählt die Leitlinie unter anderem eine erhöhte Suizidalität. Merken Sie, dass Ihre Stimmung sinkt, oder geht es Ihnen sehr schlecht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In einer akuten Krise erreichen Sie Hilfe unter diesen Nummern. [1]
Wechselwirkungen und Alkohol
Zusammen mit anderen zentral dämpfenden Mitteln wie Schlaf- oder Schmerzmitteln kann es laut den Fachinformationen von Perazin, Melperon und Pipamperon zu einer verstärkten Beruhigung kommen, bei Perazin und Melperon auch zu einer Dämpfung der Atmung (Atemdepression). Zusammen mit Perazin oder Melperon kann sich laut Fachinformation die Wirkung von Alkohol verstärken, bei Perazin kann außerdem der Blutdruck sinken. Pipamperon kann laut Fachinformation die Wirkung von Dopaminagonisten wie Levodopa vermindern. Chlorprothixen darf laut Fachinformation nicht zusammen mit Arzneimitteln gegeben werden, die die QT-Zeit im EKG deutlich verlängern. Weitere Wechselwirkungen stehen auf den Wirkstoffseiten; was beim Kombinieren gilt, erklärt Psychopharmaka kombinieren. [3, 5, 7, 8]
Autofahren und Maschinen
Die Mittel können laut ihren Fachinformationen auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zum Fahren oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt ist. Laut den Fachinformationen von Melperon und Chlorprothixen sollten Sie zumindest in der ersten Phase der Behandlung kein Fahrzeug führen, keine Maschinen bedienen und keine anderen gefährlichen Tätigkeiten ausüben; bei Perazin gilt das zumindest für die ersten Tage. Im Einzelfall entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Mehr: Psychopharmaka und Autofahren. [3, 5, 8]
Kontrollen und höheres Alter
Bei einer Schizophrenie sollen laut S3-Leitlinie vor Beginn einer Behandlung mit Medikamenten Laboruntersuchungen und ein EKG erfolgen (Empfehlung 16); Betroffene, Angehörige und Vertrauenspersonen sollen über die nötigen Kontrollen informiert werden (Empfehlung 55). Höheres Alter nennt die Leitlinie als Risikofaktor für anticholinerge Nebenwirkungen, und Müdigkeit sowie ein Blutdruckabfall beim Aufstehen erhöhen laut Leitlinie die Sturzgefahr. Bei älteren Menschen mit Demenz, die mit konventionellen (typischen) Antipsychotika behandelt werden, ist das Sterblichkeitsrisiko laut den Fachinformationen von Chlorprothixen, Melperon, Perazin, Pipamperon, Prothipendyl und Sulpirid leicht erhöht. Chlorprothixen, Perazin, Pipamperon und Prothipendyl sind zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz nicht zugelassen; bei Melperon prüft das laut Fachinformation die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall. Sprechen Sie Stürze, Schwindel beim Aufstehen oder Probleme beim Wasserlassen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an. Einzelheiten: Kontrollen während der Behandlung und Psychopharmaka im Alter. [1, 3, 4, 5, 7, 8, 9]
Schwangerschaft und Stillzeit
Der Erfahrungsumfang unterscheidet sich laut Embryotox je Wirkstoff: Er ist bei Promethazin sehr hoch, bei Chlorprothixen und Levomepromazin hoch und bei Melperon, Pipamperon und Perazin gering. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox für Melperon und Pipamperon Promethazin, bei Schlafstörungen auch Mirtazapin und Amitriptylin; für Chlorprothixen je nach Anwendungsgebiet als beruhigendes Antipsychotikum Quetiapin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr auf den Seiten Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit. [10, 11, 13, 14, 15, 16]
Abgrenzung zu verwandten Gruppen
Hochpotente Antipsychotika binden stark an D2-Rezeptoren; Bewegungsstörungen und ein Anstieg des Prolaktins treten laut S3-Leitlinie vor allem bei klassischen Mitteln mit starker D2-Blockade auf (siehe Hochpotente Antipsychotika). Clozapin ist gemessen an seiner D2-Bindung laut Leitlinie ebenfalls niedrigpotent; es gehört auf dieser Website zu den atypischen Antipsychotika. [1]
Niederpotente Antipsychotika werden laut S3-Leitlinie häufig zusätzlich zu einem anderen Antipsychotikum zur Beruhigung und zur Förderung des Schlafs verschrieben. Melperon und Pipamperon nennt die Leitlinie als Antipsychotika, die in Deutschland häufig bei Schlafstörungen angeboten werden und dafür zugelassen sind. Tritt bei einer Schizophrenie eine Schlafstörung auf, sollen laut Leitlinie die Ursachen geklärt und, wenn möglich, beseitigt werden (Empfehlung 89). Übersichten über andere Mittel: Schlafmittel, Beruhigungsmittel sowie die Seiten Pipamperon zum Schlafen und Promethazin zum Schlafen. [1]
Chlorpromazin
Chlorpromazin ist ein Antipsychotikum aus der Gruppe der Phenothiazine. Die S3-Leitlinie Schizophrenie führt es als in Deutschland vom Markt genommen und an anderen Stellen als in Deutschland nicht mehr verfügbar. Ob Chlorpromazin in Deutschland noch im Handel ist, ist nicht belegt. Eine eigene Wirkstoffseite hat Chlorpromazin auf dieser Website nicht. [1]
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (veröffentlicht 15.07.2026); laut DGPPN-Übersicht gültig bis 12.07.2027. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Schizophrenie. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Perazin-neuraxpharm 25 mg, 100 mg, 200 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Sulpirid-neuraxpharm 50 mg/100 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 08/2021. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Chlorprothixen-neuraxpharm 15 mg, 50 mg, 100 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 06/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Levomepromazin-neuraxpharm 10 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2021. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Pipamperon-neuraxpharm 40 mg Tabletten, Pipamperon-neuraxpharm 120 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Melperon STADA 10 mg und 25 mg Filmtabletten, 25 mg/5 ml Lösung zum Einnehmen. STADAPHARM GmbH. Stand 06/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Dominal 40 mg überzogene Tabletten, Dominal forte 80 mg Filmtablette, Dominal Tropfen. TEVA GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Levomepromazin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Chlorprothixen. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Zuclopenthixol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Promethazin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Melperon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Pipamperon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Perazin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was sind niederpotente Neuroleptika?
Niederpotente Neuroleptika sind Antipsychotika, die nur schwach an die D2-Rezeptoren für Dopamin binden. Nach dieser Bindung richtet sich laut S3-Leitlinie Schizophrenie die Einteilung in hoch-, mittel- und niedrigpotente Mittel. Ihre Nebenwirkungen begrenzen laut Leitlinie oft die Dosis, die für eine ausreichende antipsychotische Wirkung nötig wäre; deshalb werden sie eher so dosiert, dass die beruhigende Wirkung im Vordergrund steht.
Welche Neuroleptika sind niederpotent?
Die S3-Leitlinie Schizophrenie nennt Chlorprothixen und Levomepromazin niederpotente Antipsychotika, außerdem Clozapin wegen seiner niedrigen Bindung an D2-Rezeptoren. Die Fachinformationen bezeichnen Pipamperon als schwach potentes, Prothipendyl als schwach wirkendes und Melperon und Sulpirid als schwach bis mittelstark wirkende Neuroleptika; Perazin ist laut Fachinformation mittelpotent. Alle Wirkstoffe dieser Gruppe mit eigener Seite stehen in der Liste auf dieser Seite.
Wofür werden niederpotente Neuroleptika eingesetzt?
Das hängt vom Wirkstoff ab. Laut ihren Fachinformationen bzw. Packungsbeilagen sind zum Beispiel Chlorprothixen, Levomepromazin, Pipamperon, Melperon und Prothipendyl zur Dämpfung von Unruhe- und Erregungszuständen zugelassen, Pipamperon und Melperon auch bei Schlafstörungen, Perazin bei Psychosen und Sulpirid in einem Präparat bei Depressionen, wenn ein anderes Antidepressivum erfolglos war, und bei bestimmten Formen von Schwindel. Die genauen Anwendungsgebiete stehen auf den Wirkstoffseiten.
Helfen niederpotente Neuroleptika beim Schlafen?
Für Schlafstörungen zugelassen sind laut Fachinformation zum Beispiel Pipamperon, besonders bei älteren Menschen, und Melperon. Die S3-Leitlinie Schizophrenie nennt Melperon und Pipamperon als Antipsychotika, die in Deutschland zur Behandlung von Schlafstörungen zugelassen sind. Ob ein Mittel für Sie infrage kommt, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt; tritt bei einer Schizophrenie eine Schlafstörung auf, sollen laut Leitlinie die Ursachen geklärt und, wenn möglich, beseitigt werden.
Machen niederpotente Neuroleptika müde?
Müdigkeit (Sedierung) ruft laut S3-Leitlinie Schizophrenie vor allem eine Behandlung mit niedrig- bis mittelpotenten Antipsychotika hervor, weil diese meist auch Histamin-Rezeptoren blockieren. Die Beruhigung ist oft erwünscht, sie erhöht laut Leitlinie aber die Gefahr von Stürzen und Lungenentzündungen. Wie häufig Müdigkeit bei den einzelnen Wirkstoffen auftritt, zeigt die Vergleichstabelle auf dieser Seite.
Gibt es Chlorpromazin noch?
Ob Chlorpromazin in Deutschland noch im Handel ist, ist nicht belegt. Die S3-Leitlinie Schizophrenie führt Chlorpromazin als in Deutschland vom Markt genommen und nicht mehr verfügbar.
Darf man mit niederpotenten Neuroleptika Auto fahren?
Die Fachinformationen, die diese Seite auswertet, warnen: Die Mittel können auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zum Fahren beeinträchtigt ist, verstärkt zusammen mit Alkohol. Laut den Fachinformationen von Melperon und Chlorprothixen sollten Sie zumindest in der ersten Phase der Behandlung kein Fahrzeug führen; im Einzelfall entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
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Wirkstoffgruppen Depot-AntipsychotikaDepot-Antipsychotika werden als Spritze in den Muskel gegeben und wirken lange.
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Wirkstoffgruppen BenzodiazepineBenzodiazepine sind Beruhigungs- und Schlafmittel mit Abhängigkeitsrisiko.
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