MedikamenteWirkstoff

Pipamperon

Pipamperon ist ein verschreibungspflichtiges Neuroleptikum aus der Gruppe der Butyrophenone, zugelassen zur Behandlung von Schlafstörungen, insbesondere bei älteren Menschen, und von bestimmten (psychomotorischen) Erregungszuständen. Bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Dipiperon. Sehr häufig sind Schläfrigkeit und das sogenannte Zahnradphänomen; beendet wird die Behandlung nur nach ärztlicher Absprache, und laut Packungsbeilage wird empfohlen, die Dosis dabei schrittweise zu verringern.

Frau Ende siebzig mit kurzen silbernen Haaren sitzt morgens entspannt in einem Sessel in einem hellen Wohnzimmer
Bild: KI-generiert

Wofür wird Pipamperon eingesetzt?

Pipamperon ist zugelassen zur Behandlung von Schlafstörungen, insbesondere bei älteren Menschen, und von bestimmten (psychomotorischen) Erregungszuständen. Die Fachinformation nennt es für diese Anwendungsgebiete ein schwach potentes Neuroleptikum; die Packungsbeilage beschreibt es als Mittel zur Behandlung von Unruhe und Erregungszuständen. [1, 5]

Zur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen, ist Pipamperon laut Fachinformation nicht zugelassen. Bei älteren Menschen mit einer Demenz, die mit konventionellen Antipsychotika behandelt werden, ist das Sterblichkeitsrisiko laut Fachinformation leicht erhöht; mehr dazu im Abschnitt Wer Pipamperon nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte. [1, 5]

Zur Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen laut Fachinformation nur begrenzte Studien vor. Deshalb sollte Pipamperon ihnen nur unter besonderer Berücksichtigung von Nutzen und Risiko verordnet werden. Eine Dauerbehandlung sollte im Regelfall sechs Wochen nicht überschreiten und nur Teil einer Gesamtstrategie sein, die in der Regel psychologische, pädagogische, soziale und medikamentöse Maßnahmen umfasst; bei längerer Anwendung soll die Ärztin oder der Arzt Nutzen, Risiko und die Gründe für die Weiterbehandlung fortlaufend prüfen. Mehr dazu unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [1, 4, 5]

Wie wirkt Pipamperon?

Pipamperon gehört zu den Neuroleptika aus der Gruppe der Butyrophenone. Embryotox bezeichnet es als konventionelles Antipsychotikum, das vor allem beruhigend (sedierend) wirkt. Für die Wirkung der Neuroleptika wird laut Fachinformation verantwortlich gemacht, dass sie Andockstellen (Rezeptoren) für den Botenstoff Dopamin in verschiedenen Bahnen des zentralen Nervensystems blockieren. Pipamperon bindet an Dopamin-Rezeptoren vom Typ D4 mit 15-fach höherer Bindungsstärke (Affinität) als an solche vom Typ D2; daneben bindet es stark an Rezeptoren für den Botenstoff Serotonin (5-HT2). [2, 5]

Im klinischen Einsatz wirkt Pipamperon laut Fachinformation vor allem beruhigend, schlaffördernd und erregungsdämpfend. Seine antipsychotische Wirkstärke reicht im Allgemeinen nicht aus, um sogenannte produktive Symptome zu behandeln. Anticholinerge Wirkungen fehlen weitgehend, und die extrapyramidal-motorische Wirkung, die sich in Bewegungsstörungen zeigen kann, ist gering ausgeprägt; Embryotox schreibt, dass Pipamperon kaum anticholinerge und antihistaminerge Eigenschaften hat. Verwandte Mittel stellen die Seiten Nieder- und mittelpotente Antipsychotika, Antipsychotika und Schlafmittel vor; den Unterschied zu einem häufig verglichenen Mittel beschreibt Melperon oder Pipamperon. [2, 5]

Laut Fachinformation wird Pipamperon schnell aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Nach Einnahme einer Tablette mit 40 mg wird der höchste Spiegel im Blut nach 1,8 Stunden erreicht. Für gesunde Menschen und Ältere wird eine Halbwertszeit von 17 bis 22 Stunden berichtet, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert. Ausgeschieden wird Pipamperon vorwiegend in Form seiner Abbauprodukte über die Nieren. Die Datenlage dazu, wie der Körper Pipamperon aufnimmt, verteilt und abbaut, nennt die Fachinformation lückenhaft. [5]

Wann wirkt Pipamperon und wie lange wird behandelt?

Wann die Wirkung einsetzt, geben Packungsbeilage und Fachinformation nicht an. Wie lange Sie Pipamperon nehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; was die Quellen zum Beginn, zur längeren Behandlung und zum Beenden sagen, fasst die Zeitleiste zusammen. Allgemeines zur Dauer erklären die Seiten Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [1, 5]

  1. BeginnBei Erwachsenen mit Schlafstörungen reicht laut Packungsbeilage in vielen Fällen eine geringe Dosis. Ältere Menschen können besonders empfindlich auf Bewegungsstörungen reagieren; für sie empfiehlt die Fachinformation, mit einer niedrigeren Dosis einschleichend zu beginnen und sie langsam unter regelmäßiger Blutdruckkontrolle zu steigern. Bei Kindern prüft die Ärztin oder der Arzt kurz nach Beginn der Behandlung, ob Pipamperon ausreichend wirkt und ob es weiterhin benötigt wird.[1, 4, 5]
  2. ErhaltungDosierung und Dauer legt laut Packungsbeilage die Ärztin oder der Arzt nach Art und Schwere der Erkrankung und der persönlichen Reaktion fest; bei längerer Behandlung sollte durch regelmäßige Dosisanpassungen die niedrigste erforderliche Dosis bestimmt werden. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte eine Dauerbehandlung in der Regel sechs Wochen nicht überschreiten und Teil eines Gesamtkonzepts sein; bei längerer Anwendung sollen Nutzen, Risiko und die Gründe für die Weiterbehandlung fortlaufend geprüft werden.[1, 4, 5]
  3. AbsetzenUnterbrechen oder beenden Sie die Behandlung nicht eigenmächtig, weil der Behandlungserfolg gefährdet werden könnte; soll sie beendet werden, wird empfohlen, die Dosis schrittweise zu verringern. Unwillkürliche Bewegungen von Zunge, Gesicht, Mund oder Kiefer (Spätdyskinesie) können laut Fachinformation auch nach dem Absetzen auftreten.[1, 5]

Nebenwirkungen im Blick

In klinischen Studien waren Schläfrigkeit und das sogenannte Zahnradphänomen die häufigsten Nebenwirkungen; beide sind sehr häufig und können also mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Wie bei allen Neuroleptika können Bewegungsstörungen (extrapyramidale Symptome) auftreten, etwa Zittern, Muskelsteife, vermehrter Speichelfluss, verlangsamte Bewegungen, Sitzunruhe oder akute Fehlhaltungen. Ihr Auftreten steigt mit der Dosis und ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden; ältere Menschen können besonders empfindlich reagieren. [1, 5]

Unter einer Langzeitbehandlung oder nach dem Absetzen können bei manchen Menschen Spätdyskinesien auftreten: rhythmische, unfreiwillige Bewegungen von Zunge, Gesicht, Mund oder Kiefer. Die Beschwerden können fortbestehen und scheinen bei einigen Menschen dauerhaft zu sein. Wie alle Antipsychotika kann Pipamperon außerdem den Spiegel des Hormons Prolaktin erhöhen; das kann Milchfluss, eine Vergrößerung der männlichen Brustdrüse und Störungen oder das Ausbleiben der Monatsblutung verursachen. [1, 5]

Pipamperon kann wie andere Neuroleptika das QT-Intervall im EKG verlängern, einen Abschnitt der Herzstromkurve. Im Zusammenhang mit Antipsychotika wurde selten über solche Veränderungen, über Herzrhythmusstörungen und einen Herzstillstand berichtet. In sehr seltenen Fällen wurde von schweren Hautreaktionen mit großflächigem Ausschlag, Abschälen der Haut und Blasen an Mund, Augen und Geschlechtsorganen berichtet. Eine Zunahme des Körpergewichts und ein gesteigerter Appetit kommen nach einem Beschluss der europäischen Koordinierungsgruppe CMDh vom Juni 2026 als Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit in die Produktinformation; die Packungsbeilage des Safts führt sie bereits. [1, 4, 5, 6]

Nebenwirkungen im Blick

Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.

"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen von Pipamperon nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de.

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Schläfrigkeit[1, 5]
  • Sehr häufig: Zahnradphänomen[1, 5]
  • Häufig: Depression[1, 5]
  • Häufig: Erhöhte Muskelspannung, Sitzunruhe, Blickkrampf, krampfhafte Überstreckung des Körpers, Bewegungsstörung[1, 5]
  • Häufig: Gangstörungen[1, 5]
  • Häufig: Beschleunigter Herzschlag[1, 5]
  • Häufig: Blutdruckabfall beim Wechsel vom Liegen zum Stehen[1, 5]
  • Häufig: Erbrechen[1, 5]
  • Häufig: Nesselsucht[1, 5]
  • Häufig: Muskuläre Spastizität[1, 5]
  • Häufig: Ausbleiben der Menstruation[1, 5]
  • Häufig: Kraftlosigkeit[1, 5]

Alle Nebenwirkungen von Pipamperon nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de

Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, Bewegungsstörungen, innere Unruhe (Akathisie), Spätdyskinesien, Gewichtszunahme, Herz und QT-Zeit und malignes neuroleptisches Syndrom.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Eine Depression gehört laut Packungsbeilage zu den häufigen Nebenwirkungen, sie kann also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen. Wie alle antipsychotischen Mittel sollte Pipamperon bei einer bestehenden Depression nicht allein gegeben werden; es kann mit Antidepressiva kombiniert werden, wenn eine Depression zusammen mit einer Psychose auftritt. Merken Sie oder Ihre Angehörigen, dass sich Ihre Stimmung deutlich verschlechtert, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [1, 5]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann Anfang siebzig geht mit seiner erwachsenen Tochter am späten Nachmittag langsam einen ruhigen Gartenweg entlang
Bild: KI-generiert

Möchten Sie die Behandlung wegen Nebenwirkungen unterbrechen oder beenden, sprechen Sie laut Packungsbeilage auf jeden Fall vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; eigenmächtig beendet, könnte der Erfolg der Behandlung gefährdet werden. Bei Bewegungsstörungen hilft laut Packungsbeilage eine Verringerung der Dosis, falls möglich, oder ein zusätzliches anticholinerges Mittel; das entscheidet die Ärztin oder der Arzt. [1]

Einige Hinweise aus Packungsbeilage und Fachinformation betreffen den Alltag:

  • Nehmen Sie Mittel gegen Epilepsie, sagen Sie das in der Praxis: Pipamperon kann die Krampfschwelle senken, und die Behandlung der Epilepsie ist dann gegebenenfalls anzupassen. [1, 5]
  • Die Tabletten enthalten Milchzucker (Lactose), der Saft Sorbitol. Wissen Sie von einer Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern, nehmen Sie Pipamperon erst nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein. [1, 4]

Beschwerden und Schlaf können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten; die Fragen fürs Arztgespräch und der Medikationsplan helfen bei der Vorbereitung des nächsten Termins.

Kontrollen während der Behandlung

Ältere Menschen können besonders empfindlich auf Bewegungsstörungen reagieren; für sie werden laut Packungsbeilage eine niedrigere Dosis und regelmäßige Blutdruckkontrollen empfohlen. Weil Menschen, die Antipsychotika nehmen, häufig erworbene Risikofaktoren für Blutgerinnsel in den Venen haben, sollten laut Fachinformation alle möglichen Risikofaktoren vor und während der Behandlung erkannt und vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. [1, 5]

Kontrolluntersuchungen bei Pipamperon
UntersuchungWann oder warum
BlutdruckBei älteren Menschen regelmäßig, während die Dosis langsam gesteigert wird; laut Fachinformation ist bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wegen der möglichen Blutdrucksenkung Vorsicht geboten[1, 5]
Wirkung und weitere Notwendigkeit bei Kindern und JugendlichenKurz nach Beginn der Behandlung und danach regelmäßig, ob Pipamperon hilft und noch nötig ist; bei längerer Anwendung fortlaufende Prüfung von Nutzen, Risiko und Gründen für die Weiterbehandlung[4, 5]
Dosis bei längerer BehandlungRegelmäßige Dosisanpassungen, um die niedrigste erforderliche Dosis zu bestimmen[1, 5]
Risikofaktoren für Blutgerinnsel in den VenenLaut Fachinformation vor und während der Behandlung erkennen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen[5]

Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Was die einzelnen Werte bedeuten, erklärt die Seite Kontrollen während der Behandlung.

Wechselwirkungen

Mit anderen dämpfenden Mitteln und mit Alkohol können sich Wirkungen und Nebenwirkungen gegenseitig verstärken; die blutdrucksenkende Wirkung von Mitteln gegen Bluthochdruck kann verstärkt werden. Die Wirkung bestimmter Mittel gegen die Parkinson-Krankheit (Dopamin-Agonisten, zum Beispiel Levodopa) wird vermindert. Die gleichzeitige Anwendung von Mitteln, die ebenfalls das QT-Intervall im EKG verlängern oder den Kaliumspiegel senken können, ist laut Packungsbeilage zu vermeiden; die gleichzeitige Anwendung von Mitteln, die die Krampfschwelle des Gehirns herabsetzen, sollte vermieden werden. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und in der Apotheke, welche Mittel Sie sonst nehmen. [1, 5]

Wechselwirkungen von Pipamperon
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Andere Mittel, die das zentrale Nervensystem dämpfen: Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmittel, andere Psychopharmaka, bestimmte AllergiemittelWirkungen und Nebenwirkungen, besonders Schläfrigkeit und Blutdrucksenkung, können sich gegenseitig verstärken[1]Ärztin oder Arzt informieren
Barbiturate oder OpiateIhre dämpfende Wirkung auf das Atemzentrum wird verstärkt[1]Ärztin oder Arzt informieren
Mittel, die die Krampfschwelle des Gehirns senkenKrampfanfälle werden wahrscheinlicher[1]Gleichzeitige Anwendung vermeiden
Dopamin-Agonisten gegen die Parkinson-Krankheit (z. B. Levodopa, Bromocriptin, Lisurid)Deren Wirkung wird vermindert[1]Ärztin oder Arzt informieren
BlutdrucksenkerDie blutdrucksenkende Wirkung kann verstärkt werden[1]Blutdruck beachten; Ärztin oder Arzt informieren
Mittel, die das QT-Intervall verlängern (z. B. Mittel gegen Herzrhythmusstörungen der Klassen IA oder III, einige Antibiotika wie Erythromycin, Malariamittel, einige Allergiemittel, Mittel gegen Depressionen) oder den Kaliumspiegel senken (z. B. bestimmte harntreibende Mittel)Höheres Risiko für Herzrhythmusstörungen[1]Gleichzeitige Anwendung vermeiden
AlkoholAlkohol verändert und verstärkt die Wirkung von Pipamperon unvorhersehbar und verschlechtert das Reaktionsvermögen weiter[1]Alkohol meiden

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren.

Wer Pipamperon nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Nicht eingenommen werden darf Pipamperon unter anderem bei der Parkinson-Krankheit oder ähnlichen Erkrankungen, bei Zuständen, in denen das zentrale Nervensystem gedämpft ist, etwa im Koma oder bei akuten Vergiftungen, sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Besondere Vorsicht gilt unter anderem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einem erhöhten Schlaganfallrisiko, Blutgerinnseln in der eigenen oder familiären Vorgeschichte und bestimmten Herzerkrankungen. [1, 5]

Nicht anwenden bei

  • Allergie gegen Pipamperon, verwandte Wirkstoffe (Butyrophenone) oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 5]
  • Zustände, bei denen das zentrale Nervensystem gedämpft ist, etwa Koma oder akute Vergiftungen mit Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln oder Psychopharmaka[1, 5]
  • Parkinson-Krankheit oder ähnliche Erkrankungen[1, 5]
  • Schwangerschaft und Stillzeit[1, 5]

Besondere Vorsicht bei

  • Ältere Menschen mit Demenz: Laut Fachinformation ist das Sterblichkeitsrisiko bei Behandlung mit konventionellen Antipsychotika leicht erhöht; Pipamperon ist nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen zugelassen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen. Besondere Vorsicht gilt bei erhöhtem Schlaganfallrisiko oder vorübergehenden Durchblutungsstörungen des Gehirns[1, 5]
  • Venöse Blutgerinnsel (Thrombosen) bei Ihnen oder in Ihrer Familie[1]
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil Pipamperon den Blutdruck senken kann[1, 5]
  • Verlängerung des QT-Intervalls möglich: Vorsicht bei niedrigem oder hohem Blutdruck, Schwarzwerden vor den Augen, zum Beispiel beim plötzlichen Aufstehen, langsamem Herzschlag, Kalium- oder Magnesiummangel, angeborenem langem QT-Syndrom oder anderen klinisch bedeutsamen Herzschäden (insbesondere Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße, Erregungsleitungsstörungen, Herzrhythmusstörungen)[1, 5]
  • Bestimmte hormonabhängige Tumoren (prolaktinabhängige Tumoren)[1, 5]
  • Epilepsie: Pipamperon kann die Krampfschwelle senken; eine Behandlung gegen Epilepsie passt die Ärztin oder der Arzt gegebenenfalls an[1, 5]
  • Depression: Pipamperon sollte bei einer bestehenden Depression nicht allein gegeben werden[1, 5]
  • Ältere Menschen können besonders empfindlich auf Bewegungsstörungen (extrapyramidale Symptome) reagieren; empfohlen werden eine niedrigere Dosierung und regelmäßige Blutdruckkontrollen[1, 5]
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: nur nach besonderer Abwägung von Nutzen und Risiko; eine Dauerbehandlung sollte in der Regel sechs Wochen nicht überschreiten und Teil eines Gesamtkonzepts sein, das auch psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen umfasst; bei längerer Anwendung sollen Nutzen und Risiko sowie die Gründe für die Weiterbehandlung fortlaufend geprüft werden. Kurz nach Beginn der Behandlung überprüft die Ärztin oder der Arzt, ob Pipamperon ausreichend wirkt und ob das Kind es weiterhin benötigt; ist eine Weiterbehandlung erforderlich, kontrolliert sie oder er regelmäßig, ob Pipamperon weiterhin hilft und ob es nach wie vor notwendig ist[1, 4, 5, 6]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1, 5]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Schwangerschaft

Laut Packungsbeilage dürfen Sie Pipamperon in der Schwangerschaft nicht anwenden, weil weder ausreichende Tierstudien noch Erfahrungen zur Sicherheit bei Schwangeren vorliegen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte vor Behandlungsbeginn eine Schwangerschaft ausgeschlossen und während der Behandlung sicher verhütet werden. Bei Neugeborenen, deren Mütter Pipamperon in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten einnahmen, können Zittern, Muskelsteifheit oder -schwäche, Schläfrigkeit, Ruhelosigkeit, Atembeschwerden und Schwierigkeiten beim Stillen auftreten; wenden Sie sich dann an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.[1]

Embryotox schätzt den Erfahrungsumfang als gering ein; für das erste Schwangerschaftsdrittel ist die Datenlage unzureichend und reicht für eine differenzierte Risikobewertung nicht aus. Nach Einnahme von Antipsychotika bis zur Geburt ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht; die Entbindung sollte laut Embryotox in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen, und nach Einnahme im ersten Drittel sollte eine weiterführende Ultraschalluntersuchung angeboten werden. Bei einer Neueinstellung sollten laut Embryotox möglichst besser erprobte Mittel vorgezogen werden; als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Promethazin, bei Schlafstörungen auch Mirtazapin und Amitriptylin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Laut Packungsbeilage dürfen Sie Pipamperon in der Stillzeit nicht anwenden.[1]

Embryotox liegen keine veröffentlichten Erfahrungen zur Stillzeit vor; es nimmt an, dass Pipamperon in die Muttermilch übergeht und in relevanten Mengen vom Kind aufgenommen werden kann. Embryotox hält Stillen bei kurzfristiger, niedrig dosierter alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel; treten beim Kind anders nicht erklärbare Anzeichen wie Beruhigung (Sedierung), Bewegungsstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Trinkschwäche oder Unruhe auf, sollten eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt und Embryotox kontaktiert werden.[2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Meiden Sie Alkohol während der Behandlung: Er verändert und verstärkt die Wirkung von Pipamperon unvorhersehbar und verschlechtert vor allem das Reaktionsvermögen weiter.[1]

Autofahren und Maschinen

Auch bei richtiger Einnahme kann Pipamperon das Reaktionsvermögen so verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt ist, verstärkt zusammen mit Alkohol.[1, 5]

Anwendung

Die Tabletten können mit oder zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden. Halten Sie sich an die Anweisungen Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes, da Pipamperon sonst nicht richtig wirken kann.[1]

Einnahme vergessen: die versäumte Dosis nicht nachholen, sondern wie verordnet weiter einnehmen.[1]

Absetzen

Unterbrechen oder beenden Sie die Behandlung nicht eigenmächtig, weil der Erfolg der Therapie gefährdet werden könnte; sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Soll die Behandlung beendet werden, wird empfohlen, die Dosis schrittweise zu verringern.[1]

Überdosierung

Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen. Berichtet wurden unter anderem Bewegungsstörungen, Erregungszustände bis zu Krampfanfällen, niedriger Blutdruck, schneller Herzschlag, Schläfrigkeit, Kraftlosigkeit und Erbrechen, außerdem Herzrhythmusstörungen, Herzstillstand, Atemstillstand und Koma.[1]

Zur Rechtslage beim Fahren: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen, auch bei Fahrlässigkeit. Die Medikamentenklausel in § 24a Abs. 4 StVG betrifft die dort und in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Substanzen, etwa Amfetamin oder Morphin, wenn sie aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammen. Führen Sie kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Maschinen, solange Ihr Reaktionsvermögen beeinträchtigt ist; ob das bei Ihnen der Fall ist, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [1, 11, 12, 13]

Zur Stillzeit sagen die Quellen nicht dasselbe: Laut Packungsbeilage dürfen Sie Pipamperon in der Stillzeit nicht anwenden, ebenso wenig in der Schwangerschaft; Embryotox hält das Stillen bei kurzfristiger, niedrig dosierter alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel. Was für Sie gilt, klären Sie in der Praxis. Möchten Sie schwanger werden oder sind Sie es, setzen Sie Pipamperon nicht selbst ab; das Vorgehen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch, Stillzeit, Psychopharmaka und Alkohol und Psychopharmaka im Alter. [1, 2]

Einnahme und Absetzen

Was die Packungsbeilage zur Einnahme und zu einer vergessenen Dosis sagt, steht in der Übersicht zum Alltag. Die Tablette mit 40 mg lässt sich laut Fachinformation in vier gleiche Teile teilen. [1, 5]

Beenden Sie die Behandlung nicht eigenmächtig, weil der Erfolg der Behandlung dadurch gefährdet werden könnte. Soll sie beendet werden, wird laut Packungsbeilage empfohlen, die Dosis schrittweise zu verringern. Spätdyskinesien können laut Fachinformation auch nach dem Absetzen auftreten. [1, 5]

Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was beim Beenden einer Behandlung mit Antipsychotika wichtig ist, erklärt die Seite Antipsychotika absetzen. [1]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage der Tabletten nennt Dosen für Erwachsene mit Schlafstörungen, für die übrigen Anwendungen, für ältere Menschen, Jugendliche und Kinder unter 14 Jahren. Für Kinder sollte im unteren Dosisbereich der Saft verwendet werden, weil die Tabletten viel Wirkstoff enthalten. [1]

Präparate mit Pipamperon

Präparate mit Pipamperon
PräparatAnbieterHinweis
Dipiperonverschreibungspflichtig
Pipamperon-neuraxpharmneuraxpharm Arzneimittel GmbHTabletten mit 40 mg (Grundlage dieser Seite) und mit 120 mg, Saft mit 20 mg je 5 ml; verschreibungspflichtig

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Pipamperon-neuraxpharm 40 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 10.10.2026
  2. Embryotox: Pipamperon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  3. Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Pipamperon. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 10.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Pipamperon-neuraxpharm Saft. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2026. abgerufen am 17.10.2026
  5. Fachinformation Pipamperon-neuraxpharm 40 mg Tabletten, Pipamperon-neuraxpharm 120 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 17.10.2026
  6. Behörde Beschluss der Koordinierungsgruppe CMDh zu Pipamperon (PSUSA/00002420/202510) mit Anhängen I bis III, umgesetzt mit Bescheid des BfArM vom 03.09.2026. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 25.06.2026. abgerufen am 17.10.2026
  7. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  8. Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  9. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026

Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Pipamperon nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Wofür wird Pipamperon eingesetzt?

Pipamperon ist zugelassen zur Behandlung von Schlafstörungen, insbesondere bei älteren Menschen, und von bestimmten (psychomotorischen) Erregungszuständen. Die Fachinformation führt es dafür als schwach potentes Neuroleptikum. Zur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen, ist Pipamperon nicht zugelassen.

Wie schnell wirkt Pipamperon?

Einen Zeitpunkt für den Wirkungseintritt nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Laut Fachinformation wird Pipamperon schnell aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen; nach Einnahme einer Tablette mit 40 mg wird der höchste Spiegel im Blut nach 1,8 Stunden erreicht. Wie Pipamperon bei Ihnen wirkt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Hilft Pipamperon zum Schlafen?

Schlafstörungen, insbesondere bei älteren Menschen, gehören zu den zugelassenen Anwendungsgebieten. Laut Packungsbeilage reicht dafür bei Erwachsenen in vielen Fällen eine geringe Dosis; die Angaben stehen im Abschnitt zur Dosierung. Schläfrigkeit ist sehr häufig, und das Reaktionsvermögen kann auch bei richtiger Einnahme so verändert sein, dass die Teilnahme am Straßenverkehr beeinträchtigt ist, verstärkt zusammen mit Alkohol.

Nimmt man mit Pipamperon zu?

Das ist möglich. Nach einem Beschluss der europäischen Koordinierungsgruppe CMDh vom Juni 2026 werden eine Zunahme des Körpergewichts und ein gesteigerter Appetit als Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit in die Produktinformation aufgenommen; die Packungsbeilage des Safts mit Stand Oktober 2026 führt sie bereits. Sprechen Sie Veränderungen Ihres Gewichts bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.

Darf ich mit Pipamperon Alkohol trinken?

Laut Packungsbeilage sollten Sie während der Behandlung Alkohol meiden, weil er die Wirkung von Pipamperon in nicht vorhersehbarer Weise verändert und verstärkt; vor allem verschlechtert er das Reaktionsvermögen weiter. Bei einer akuten Alkoholvergiftung darf Pipamperon nicht eingenommen werden.

Wird Pipamperon bei Demenz eingesetzt?

Zur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen, ist Pipamperon laut Fachinformation nicht zugelassen. Bei älteren Menschen mit Demenz, die mit konventionellen Antipsychotika behandelt werden, ist das Sterblichkeitsrisiko laut Fachinformation leicht erhöht, und bei einem erhöhten Schlaganfallrisiko sollte Pipamperon mit Vorsicht angewendet werden. Ob und wie Pipamperon bei Ihnen oder Ihren Angehörigen eingesetzt wird, besprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt.

Wie setzt man Pipamperon ab?

Nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Packungsbeilage sprechen Sie auf jeden Fall mit ihr oder ihm, wenn Sie die Behandlung unterbrechen oder vorzeitig beenden möchten, weil sonst der Erfolg der Behandlung gefährdet werden könnte. Soll die Behandlung enden, wird empfohlen, die Dosis schrittweise zu verringern. Unwillkürliche Bewegungen von Zunge, Gesicht, Mund oder Kiefer (Spätdyskinesien) können auch nach dem Absetzen auftreten.

Wie hoch ist die Dosis von Pipamperon?

Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Was die Packungsbeilage für Erwachsene mit Schlafstörungen, für die übrigen Anwendungen, für ältere Menschen, Jugendliche und Kinder unter 14 Jahren nennt, steht im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage" auf dieser Seite. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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