MedikamenteWirkstoff
Amisulprid
Amisulprid ist ein verschreibungspflichtiges Antipsychotikum, zugelassen zur Behandlung akuter und chronischer schizophrener Störungen, sowohl bei Wahnvorstellungen und Halluzinationen als auch bei vorwiegend negativen Zuständen mit Gefühlsverflachung und Rückzug. Bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Solian. Amisulprid verlängert die QT-Zeit im EKG abhängig von der Dosis und erhöht häufig den Prolaktinspiegel; bei hohem Fieber mit Muskelsteifigkeit informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und nehmen das Mittel nicht weiter ein.

Wofür wird Amisulprid eingesetzt?
Amisulprid ist zur Behandlung akuter und chronischer schizophrener Störungen zugelassen. Die Fachinformation nennt zwei Formen: produktive Zustände mit Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkstörungen, Feindseligkeit und Misstrauen und primär negative Zustände (Defektsyndrom) mit Gefühlsverflachung (Affektverflachung) sowie emotionalem und sozialem Rückzug. Weitere Anwendungsgebiete nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Mehr zur Erkrankung unter Schizophrenie. [1, 2]
Die S3-Leitlinie Schizophrenie (Version 5.0, 2026) nennt Amisulprid bei vorherrschenden Negativsymptomen, also Krankheitszeichen wie Gefühlsverflachung und Rückzug: Dann sollte Amisulprid in niedriger Dosis oder Cariprazin angeboten werden. Die Leitlinie stuft das als bedingte Empfehlung ein: Die Belege für Amisulprid stammen aus Auswertungen kleinerer Studien mit erhöhtem Verzerrungsrisiko, für Cariprazin gibt es zu dieser Frage nur eine Studie. [2, 4]
Bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren darf Amisulprid nicht angewendet werden, weil Belege für die Sicherheit in dieser Altersgruppe bislang fehlen. Für Jugendliche von 15 bis 18 Jahren wird die Anwendung nicht empfohlen, bis weitere Daten vorliegen; ist eine Behandlung absolut erforderlich, muss sie von einer Ärztin oder einem Arzt mit Erfahrung in der Behandlung der Schizophrenie bei Jugendlichen eingeleitet und durchgeführt werden. Mehr unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. Für die Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz ist Amisulprid laut Fachinformation nicht zugelassen. [1, 2]
Wie wirkt Amisulprid?
Amisulprid gehört zu den Antipsychotika und dort zu den atypischen Antipsychotika; die Packungsbeilage beschreibt es als Dopamin-Gegenspieler (Dopaminantagonist) vom Benzamid-Typ. Es bindet gezielt an die Andockstellen (Rezeptoren) für den Botenstoff Dopamin vom Typ D2 und D3. An Rezeptoren für Serotonin, Histamin (Typ H1) und Acetylcholin und an die Alpha-Rezeptoren für Adrenalin und Noradrenalin bindet es laut Fachinformation nicht. [1, 2, 3]
In höheren Dosen blockiert Amisulprid vor allem D2-Rezeptoren an den empfangenden Nervenzellen in einem bestimmten Bereich des Gehirns, dem limbischen System. In niedriger Dosis blockiert es vor allem vorgeschaltete D2- und D3-Rezeptoren, was zu einer vermehrten Ausschüttung von Dopamin führt. Dieses Profil erklärt laut Fachinformation möglicherweise, dass Amisulprid sowohl auf positive als auch auf negative Krankheitszeichen der Schizophrenie wirkt. [2]
Dopamin spielt laut S3-Leitlinie eine wesentliche Rolle bei Motivation und im Belohnungssystem; eine zu starke Blockade der D2-Rezeptoren kann deshalb möglicherweise Negativsymptome hervorrufen. Bei vorherrschenden Negativsymptomen werden laut Leitlinie eher geringere Dosierungen empfohlen als bei der Behandlung von Positivsymptomen wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen. [2, 4]
Nach der Einnahme erreicht der Spiegel im Blut zwei Höchstwerte, nach ca. 1 Stunde und nach 3 bis 4 Stunden. Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert, beträgt ca. 12 Stunden. Amisulprid wird nur schwach abgebaut und vorwiegend unverändert über die Nieren ausgeschieden; bei eingeschränkter Nierenfunktion sieht die Fachinformation deshalb eine geringere Dosis vor, bei eingeschränkter Leberfunktion nicht. [2]
Wann wirkt Amisulprid und wie lange wird behandelt?
Zu Beginn der Behandlung ist es laut Packungsbeilage nicht erforderlich, die Dosis schrittweise einzustellen; die Dosis sollte nach dem individuellen Ansprechen angepasst werden. Vor der ersten Einnahme sollten Risikofaktoren für Herzrhythmusstörungen ausgeschlossen werden, mehr dazu unter Kontrollen. [1, 2]
Einen festen Zeitpunkt für den Wirkungseintritt nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Bei einer Schizophrenie zeigte laut S3-Leitlinie eine große Auswertung vieler Studien, dass die wesentlichen Wirkungen von Antipsychotika schon in den ersten zwei Wochen nachweisbar waren; manche Menschen brauchen länger, bis die Behandlung anspricht. Ob sie anspricht, soll laut Leitlinie nach zwei bis vier Wochen überprüft werden. [4]
Hinreichende Erfahrungen aus kontrollierten Studien liegen laut Fachinformation über ein Jahr vor; wie lange behandelt wird, bestimmt die Ärztin oder der Arzt. In der längerfristigen Behandlung sollte die geringste wirksame Dosis verordnet werden. Zur Rückfallvorbeugung soll bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie das Antipsychotikum angeboten werden, das schon zu einem guten Ansprechen geführt hat, sofern keine Verträglichkeitsgründe dagegensprechen. Die Fachinformation nennt die Rückfallvorbeugung nicht als eigenes Anwendungsgebiet. [1, 2, 4]
Veränderungen können Sie im Stimmungstagebuch festhalten; mehr zur Dauer unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? und zu den ersten Wochen unter Die ersten Wochen mit einem Psychopharmakon.
- BeginnZu Beginn ist laut Fachinformation keine schrittweise Dosissteigerung erforderlich; die Dosis sollte nach dem Ansprechen angepasst werden. Vor der ersten Einnahme sollten Risikofaktoren für Herzrhythmusstörungen ausgeschlossen werden, etwa deutliche Störungen der Herzfunktion, ein langsamer Herzschlag, niedrige Kalium- oder Magnesiumwerte, ein angeborenes QT-Syndrom oder Arzneimittel, die die QT-Zeit verlängern können. Bei älteren Menschen sollte Amisulprid wegen der Gefahr von Müdigkeit und Blutdrucksenkung mit besonderer Vorsicht angewendet werden.[1, 2]
- Erste WirkungBei einer Schizophrenie zeigte laut S3-Leitlinie eine Analyse von 119 Studien, dass die wesentlichen Wirkungen von Antipsychotika schon in den ersten zwei Wochen nachweisbar waren; manche Menschen brauchen länger, bis die Behandlung anspricht. Ob sie anspricht, soll laut Leitlinie nach zwei bis vier Wochen überprüft werden. Haben Sie den Eindruck, dass die Wirkung zu stark oder zu schwach ist, sprechen Sie laut Packungsbeilage mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.[1, 4]
- ErhaltungWie lange behandelt wird, bestimmt laut Fachinformation die Ärztin oder der Arzt; hinreichende Erfahrungen aus kontrollierten Studien liegen über einen Zeitraum von einem Jahr vor. Laut S3-Leitlinie soll bei einer Schizophrenie nach einer ersten Erkrankung wie nach wiederholten Episoden eine Behandlung zur Rückfallvorbeugung ohne Unterbrechung angeboten werden, mit dem Mittel, das gut gewirkt hat, wenn es vertragen wird; eine feste Dauer nennt die Leitlinie nicht.[1, 2, 4]
- AbsetzenBesprechen Sie eine Unterbrechung vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; laut Packungsbeilage gefährdet ein eigenmächtiges Absetzen den Behandlungserfolg. Amisulprid wird schrittweise abgesetzt, um Absetzerscheinungen zu vermeiden; nach plötzlichem Absetzen hoher Dosen von Antipsychotika wurden Übelkeit, Erbrechen und Schlaflosigkeit beschrieben, außerdem ein Wiederauftreten psychotischer Beschwerden und unwillkürliche Bewegungsstörungen. Bei einer Schizophrenie soll laut S3-Leitlinie über das erhöhte Rückfallrisiko aufgeklärt werden. Ist eine Dosisverringerung beschlossen, sollte sie laut Leitlinie kontrolliert und in sehr kleinen Schritten angeboten werden; Dosisverringerung und Absetzen geschehen gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt. Nach dem Absetzen soll laut Leitlinie mindestens zwei Jahre lang eine fortlaufende Beobachtung auf Zeichen eines Rückfalls angeboten werden.[1, 2, 4]
Nebenwirkungen im Blick
Sehr häufig sind Bewegungsstörungen (extrapyramidale Störungen) wie Zittern, Muskelsteifigkeit, verminderte Beweglichkeit, vermehrter Speichelfluss, Sitzunruhe (Akathisie) und unwillkürliche Bewegungen. Bei optimaler Dosiseinstellung sind sie laut Fachinformation meist nur schwach ausgeprägt und lassen sich teilweise ohne Unterbrechung der Behandlung mit Antiparkinson-Mitteln beseitigen. Wie häufig sie auftreten, hängt von der Dosis ab; bei den niedrigen Dosen für vorwiegend negative Zustände ist die Häufigkeit sehr gering. Häufig sind akute Muskelkrämpfe (Dystonien) wie Schiefhals, Augenmuskelkrämpfe oder Kieferkrämpfe. [1, 2]
Häufig steigt der Spiegel des Hormons Prolaktin im Blut; nach dem Absetzen geht er zurück. Dadurch können Milchfluss, ein Ausbleiben der Monatsblutung oder Zyklusstörungen, eine Vergrößerung der männlichen Brustdrüse, Brustschmerzen, eine Brustvergrößerung und Erektionsstörungen auftreten. Selten sind gutartige Tumoren der Hirnanhangsdrüse wie ein Prolaktinom; bei Verdacht, etwa bei Gesichtsfeldausfällen, wird untersucht, und liegt ein solcher Tumor vor, wird die Behandlung beendet. [1, 2]
Spätdyskinesien, also rhythmische unwillkürliche Bewegungen vor allem von Zunge oder Gesicht, sind gelegentlich und treten gewöhnlich nach langer Behandlung auf. Ebenfalls gelegentlich sind ein erhöhter Blutzucker, erhöhte Blutfette und eine Minderung der Knochendichte und Knochenschwund (Osteoporose). Selten sind eine Verlängerung der QT-Zeit im EKG und schwerwiegende Herzrhythmusstörungen. Nach plötzlichem Absetzen sind Entzugserscheinungen und Bewegungsstörungen möglich; mehr dazu unter Einnahme und Absetzen. [1, 2]
Nebenwirkungen im Blick
Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.
- MüdigkeitHäufig
- SchlafstörungenHäufig
- Unruhe und NervositätHäufig
- GewichtszunahmeHäufig
- Weniger oder veränderte Lust auf Sexnicht genannt
- Erektionsstörungennicht genannt
- MundtrockenheitHäufig
- Vermehrtes Schwitzennicht genannt
- ÜbelkeitHäufig
- SchwindelHäufig
- ZitternSehr häufig
- BewegungsstörungenSehr häufig
- Herzrhythmus und QT-ZeitSelten
- NatriummangelSelten
- Abhängigkeitnicht genannt
- Sitzunruhe (Akathisie)Sehr häufig
"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen von Amisulprid nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de.
Die häufigsten Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Extrapyramidale Störungen wie Zittern (Tremor), Muskelversteifung (Rigidität), verminderte Bewegungsfähigkeit (Hypokinese), vermehrter Speichelfluss, Unvermögen, ruhig zu sitzen (Akathisie), unwillkürliche Bewegungsstörungen (Dyskinesie); bei optimaler Dosiseinstellung meist nur schwach ausgeprägt; ihre Häufigkeit hängt von der Dosis ab und ist bei vorwiegend negativen Zuständen mit niedrigen Dosen sehr gering[1, 2]
- Häufig: Akute Muskelkrämpfe (Dystonien) wie Schiefhals (Torticollis spasmodicus), Augenmuskelkrämpfe (okulogyre Krise) und Kieferkrämpfe (Trismus); sie verschwinden ohne Unterbrechung der Behandlung nach Gabe von Antiparkinson-Mitteln[1, 2]
- Häufig: Schläfrigkeit und Schwindel[1, 2]
- Häufig: Schlaflosigkeit, Angst, gesteigerte körperliche Erregbarkeit (Agitiertheit) und Orgasmusstörungen[1, 2]
- Häufig: Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen; Mundtrockenheit[1, 2]
- Häufig: Erhöhter Prolaktinspiegel im Blut, der nach Absetzen zurückgeht; dadurch können Milchfluss (Galaktorrhö), Ausbleiben der Monatsblutung oder Zyklusstörungen, Vergrößerung der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie), Brustschmerz, Brustvergrößerung und Erektionsstörungen auftreten[1, 2]
- Häufig: Blutdrucksenkung[1, 2]
- Häufig: Gewichtszunahme[1, 2]
- Häufig: Verschwommenes Sehen[1, 2]
Alle Nebenwirkungen von Amisulprid nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Was Angaben wie "häufig" oder "gelegentlich" bedeuten, zeigt der Häufigkeits-Übersetzer. Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Bewegungsstörungen, innere Unruhe und Sitzunruhe, Spätdyskinesien, erhöhtes Prolaktin, sexuelle Probleme, Gewichtszunahme, Blutzucker und Blutfette, Müdigkeit sowie Herz und QT-Zeit.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Suizidgedanken nennen Packungsbeilage und Fachinformation von Amisulprid nicht als Nebenwirkung. Bei einer Schizophrenie ist das Suizidrisiko laut S3-Leitlinie aber erheblich erhöht; besonders kritisch scheint die Zeit nach der ersten Diagnose zu sein, und als wichtige Risikofaktoren nennt die Leitlinie unter anderem depressive Beschwerden und frühere Suizidversuche. Laut Leitlinie soll Suizidalität offen und einfühlsam angesprochen werden. Haben Sie Gedanken, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder wenden Sie sich sofort an eines der folgenden Hilfsangebote. [1, 2, 4]
Was Ihnen in einer Krise hilft und wen Sie anrufen können, lässt sich vorab im Krisenplan festhalten.
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Ändern Sie die Dosis nicht selbst und beenden Sie die Einnahme nicht eigenmächtig; eine Unterbrechung besprechen Sie laut Packungsbeilage vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Haben Sie den Eindruck, dass die Wirkung zu stark oder zu schwach ist, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke. [1]
Bemerken Sie Zittern, Steifigkeit, Krämpfe der Hals-, Augen- oder Kiefermuskeln oder eine Unruhe, bei der Sie nicht ruhig sitzen können, sagen Sie es in der Praxis. Akute Muskelkrämpfe verschwinden laut Fachinformation ohne Unterbrechung der Behandlung nach Gabe von Antiparkinson-Mitteln. Bei Spätdyskinesien sollten Antiparkinson-Mittel dagegen nicht eingesetzt werden, weil sie unwirksam sind oder die Beschwerden verstärken können. [1, 2]
Veränderungen an der Brust, Milchfluss, eine ausbleibende Monatsblutung oder Erektionsstörungen sprechen Sie bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an. Bei einer Schizophrenie nennt die S3-Leitlinie bei solchen Beschwerden eine Messung des Prolaktinspiegels. Bei Mundtrockenheit nennt sie, öfter kleine Mengen zu trinken, Lutschtabletten oder Kaugummis, und zur Vorbeugung einer Verstopfung ballaststoffreiche Ernährung und körperliche Aktivität. [4]
Ihre Haut kann empfindlicher auf Sonne und ultraviolettes Licht reagieren; wie häufig, ist nicht bekannt. Mehr dazu unter Psychopharmaka bei Hitze und Sonne. Beschwerden und Stimmung können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch notieren und mit den Fragen fürs Arztgespräch den nächsten Termin vorbereiten. [1, 2]
Kontrollen während der Behandlung
Amisulprid verlängert das QT-Intervall abhängig von der Dosis. Die Packungsbeilage erklärt das als Veränderung im EKG, die auf eine Störung der Erregungsleitung im Herzen hinweist. Diese Wirkung erhöht das Risiko schwerwiegender Herzrhythmusstörungen wie Torsade de pointes. Vor der Anwendung sollten deshalb Risikofaktoren ausgeschlossen werden, etwa deutliche Störungen der Herzfunktion, ein niedriger Kalium- oder Magnesiumspiegel, ein langsamer Herzschlag, ein angeborenes QT-Syndrom oder Arzneimittel, die den Herzschlag verlangsamen, den Kaliumspiegel senken, die Erregungsleitung im Herzen verlangsamen oder das QT-Intervall verlängern können. Bei QT-Verlängerungen in der Familie ist Vorsicht geboten. [1, 2]
Bei Diabetes oder Risikofaktoren für Diabetes sollte der Blutzucker regelmäßig kontrolliert werden; bei einer Epilepsie in der Vorgeschichte sollte sorgfältig überwacht werden, weil die Krampfbereitschaft steigen kann. Wer selbst oder in der Familie Brustkrebs hatte, sollte während der Behandlung engmaschig überwacht werden. Infektionen unklarer Ursache oder Fieber erfordern laut Fachinformation unverzüglich eine Blutuntersuchung. [1, 2]
Für die Behandlung einer Schizophrenie nennt die S3-Leitlinie außerdem feste Zeitpunkte für Kontrollen von Blutbild, Blutzucker, Blutfetten, Leber- und Nierenwerten, EKG, Blutdruck, Puls, Gewicht und Prolaktin. Diese Zeitpunkte sind laut Leitlinie als Orientierungshilfen gedacht; bei Beschwerden oder auffälligen Vorbefunden werden die Abstände angepasst. [4]
| Untersuchung | Wann oder warum |
|---|---|
| EKG (Herzstromkurve) und Blutsalze (Elektrolyte) | Laut Fachinformation vor der Anwendung und je nach klinischem Zustand Ausschluss von Risikofaktoren für Rhythmusstörungen wie langsamem Herzschlag, niedrigem Kalium- oder Magnesiumwert oder angeborener QT-Verlängerung, weil Amisulprid die QT-Zeit dosisabhängig verlängert. Bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie vor Beginn, im 1. und im 6. Monat, danach jährlich; über 60 Jahren häufiger, bei Herzrisiken gegebenenfalls ebenfalls häufiger[1, 2, 4] |
| Blutzucker | Laut Fachinformation regelmäßig bei Diabetes oder Risikofaktoren für Diabetes[1, 2] |
| Blutzucker (auch HbA1c) und Blutfette | Bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie für Amisulprid (in der Gruppe der übrigen Antipsychotika) vor Beginn, im 6. Monat, danach jährlich[4] |
| Blutbild | Laut Fachinformation unverzüglich bei Infektionen unklarer Ursache oder Fieber. Bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie vor Beginn, im 1. Monat und danach jährlich[1, 2, 4] |
| Leberwerte (Leberenzyme) | Laut Fachinformation unverzüglich bei Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Gelbfärbung von Haut oder Augen. Bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie vor Beginn, in den Monaten 1, 3 und 6, danach halbjährlich; bei unauffälligem, stabilem Verlauf können jährliche oder längere Abstände ausreichen[1, 2, 4] |
| Nierenwerte (Kreatinin, GFR) | Bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie vor Beginn, in den Monaten 1, 3 und 6, danach jährlich. Laut Fachinformation wird Amisulprid über die Nieren ausgeschieden; bei eingeschränkter Nierenfunktion wird die Dosis verringert[1, 2, 4] |
| Prolaktin und Brust | Bei Brustkrebs in der eigenen oder familiären Vorgeschichte laut Fachinformation engmaschige Überwachung während der Behandlung; bei sehr hohen Prolaktinwerten oder Zeichen eines Tumors der Hirnanhangsdrüse, etwa Gesichtsfeldausfällen und Kopfschmerzen, eine Magnetresonanztomografie. Bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie Prolaktin einmal vor Beginn, im Verlauf nur bei entsprechenden Beschwerden[1, 2, 4] |
| Körpergewicht | Bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie vor Beginn, in den Monaten 1, 2, 3 und 6, danach vierteljährlich, zusätzlich Taillenumfang und monatliches Wiegen durch die behandelte Person selbst[4] |
| Blutdruck und Puls | Bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie vor Beginn, in den Monaten 1, 3 und 6, danach vierteljährlich[4] |
| Bewegungsstörungen, Müdigkeit und sexuelle Nebenwirkungen | Bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie vor Beginn, in den Monaten 1, 3 und 6, danach halbjährlich; bei unauffälligem, stabilem Verlauf können jährliche oder längere Abstände ausreichen[4] |
| Krampfanfälle bei Epilepsie | Laut Fachinformation sorgfältige Überwachung, weil die Krampfbereitschaft steigen kann[1, 2] |
| Schwangerschaftstest | Bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie bei Frauen im gebärfähigen Alter vor Beginn der Behandlung[4] |
Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Was die einzelnen Werte bedeuten, erklärt die Seite Kontrollen während der Behandlung; mehr zum Herzrhythmus unter Herz und QT-Zeit.
Wechselwirkungen
Nicht zusammen mit Amisulprid eingenommen werden dürfen das Parkinsonmittel Levodopa, weil sich die Wirkungen gegenseitig abschwächen, und Arzneimittel, die schwerwiegende Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auslösen können. Dazu gehören unter anderem bestimmte Mittel gegen Herzrhythmusstörungen wie Chinidin, Amiodaron und Sotalol, das Antipsychotikum Thioridazin, Methadon und das Antibiotikum Erythromycin als Infusion. Die Wirkung von Parkinsonmitteln wie Bromocriptin oder Ropinirol kann Amisulprid vermindern. [1, 2]
Nicht empfohlen ist die gleichzeitige Anwendung mit Mitteln, die den Herzschlag verlangsamen oder zu Kaliummangel führen können, mit Antipsychotika wie Pimozid und Haloperidol, mit trizyklischen Antidepressiva, Lithium, bestimmten Antihistaminika und bestimmten Malariamitteln. Vorsicht gilt bei Mitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen, etwa Schmerzmitteln, müde machenden Antihistaminika wie Promethazin oder Benzodiazepinen, bei blutdrucksenkenden Mitteln und bei Clozapin, mit dem der Amisulprid-Spiegel im Blut steigen kann. [1, 2]
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Levodopa | Gegenseitige Abschwächung der Wirkung[1, 2] | Nicht zusammen einnehmen |
| Dopaminagonisten wie Bromocriptin oder Ropinirol (Parkinson-Mittel) | Ihre Wirkung kann vermindert werden[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Mittel, die schwerwiegende Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auslösen können, etwa Chinidin, Disopyramid, Amiodaron, Sotalol, Thioridazin, Sultoprid, Pentamidin, Halofantrin, Sparfloxacin, Imidazol-Antimykotika, Erythromycin als Infusion, Cisaprid, Bepridil, Methadon, Vincamin als Infusion | Schwerwiegende Herzrhythmusstörungen[1, 2] | Nicht gleichzeitig einnehmen |
| Mittel, die den Herzschlag verlangsamen (Betablocker, Diltiazem, Verapamil, Clonidin, Guanfacin, Digitalis), Mittel, die zu Kaliummangel führen können (Entwässerungsmittel, bestimmte Abführmittel, Amphotericin B als Infusion, Glukokortikoide, Tetracosactid), Neuroleptika wie Pimozid und Haloperidol, trizyklische Antidepressiva, Lithium, bestimmte Antihistaminika (Astemizol, Terfenadin), bestimmte Malariamittel (z. B. Mefloquin) | Höheres Risiko für schwerwiegende Herzrhythmusstörungen bzw. Beeinflussung der Erregungsleitung (QT-Verlängerung)[1, 2] | Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen; ein Kaliummangel muss behandelt werden |
| Mittel, die das zentrale Nervensystem dämpfen (Narkosemittel, Schmerzmittel, müde machende Antihistaminika wie Promethazin, Barbiturate, Benzodiazepine, Clonidin und verwandte Stoffe), Blutdrucksenker, Clozapin | Verstärkte Wirkungen bzw. stärkere Blutdrucksenkung[1, 2] | Vorsicht; Ärztin oder Arzt informieren |
| Alkohol | Amisulprid kann die zentralen Wirkungen von Alkohol verstärken; Alkohol verschlechtert das Reaktionsvermögen weiter[1, 2] | Gleichzeitigen Alkoholgenuss vermeiden |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren; zu Eingriffen unter Psychopharmaka vor einer Operation.
Wer Amisulprid nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Nicht anwenden bei
- Allergie gegen Amisulprid oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
- Bestehende prolaktinabhängige Tumoren, etwa der Hirnanhangsdrüse, oder Brustkrebs[1, 2]
- Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom)[1, 2]
- Stark eingeschränkte Nierenfunktion; hier liegen keine Erfahrungen vor[1, 2]
- Kombination mit Levodopa (Mittel gegen die Parkinson-Krankheit)[1, 2]
- Kombination mit Arzneimitteln, die schwerwiegende Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auslösen können, etwa Mittel gegen Herzrhythmusstörungen der Klasse Ia (Chinidin, Disopyramid) und III (Amiodaron, Sotalol) sowie Bepridil, Cisaprid, Thioridazin, Methadon, Sultoprid, Erythromycin oder Vincamin als Infusion, Halofantrin, Pentamidin, Sparfloxacin, Imidazol-Antimykotika[1, 2]
- Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren[1, 2]
Besondere Vorsicht bei
- QT-Verlängerung: Amisulprid verlängert das QT-Intervall abhängig von der Dosis und erhöht damit das Risiko schwerwiegender Herzrhythmusstörungen. Vorher sollten Risikofaktoren ausgeschlossen werden, etwa deutliche Störungen der Herzfunktion, niedriger Kalium- oder Magnesiumspiegel, langsamer Herzschlag, ein angeborenes QT-Syndrom oder Mittel, die den Herzschlag verlangsamen, den Kaliumspiegel senken, die Erregungsleitung verlangsamen oder das QT-Intervall verlängern; Vorsicht auch bei QT-Verlängerungen in der Familie[1, 2]
- Parkinson-Krankheit: Sie kann sich verschlechtern; Amisulprid sollte dann nur angewendet werden, wenn eine neuroleptische Behandlung unabdingbar ist[1, 2]
- Diabetes oder Risikofaktoren für Diabetes: Blutzucker regelmäßig kontrollieren[1, 2]
- Epilepsie in der Vorgeschichte: sorgfältige Überwachung, weil die Krampfbereitschaft steigen kann[1, 2]
- Leicht bis mittelmäßig eingeschränkte Nierenfunktion: Die Tagesdosis sollte herabgesetzt werden, weil Amisulprid über die Nieren ausgeschieden wird[1, 2]
- Erhöhtes Schlaganfallrisiko oder vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns; Blutgerinnsel bei Ihnen oder in Ihrer Familie[1, 2]
- Brustkrebs bei Ihnen oder in Ihrer Familie: Anwendung mit Vorsicht und regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Bei Verdacht auf einen Tumor der Hirnanhangsdrüse, etwa bei Gesichtsfeldausfällen, wird untersucht; liegt ein solcher Tumor vor, wird die Behandlung beendet[1, 2]
- Ältere Menschen: besondere Vorsicht wegen der Gefahr von Beruhigung (Sedierung) und Blutdrucksenkung; bei älteren Menschen mit Demenz ist das Sterblichkeitsrisiko unter Antipsychotika laut Fachinformation leicht erhöht, Amisulprid ist nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz zugelassen[1, 2]
- Jugendliche von 15 bis 18 Jahren: Anwendung nicht empfohlen, bis weitere Daten vorliegen; wenn absolut erforderlich, nur durch eine in der Behandlung von Schizophrenie bei Jugendlichen erfahrene Ärztin oder einen erfahrenen Arzt[1, 2]
- Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1, 2]
Bei älteren Menschen sollte Amisulprid laut Fachinformation mit besonderer Vorsicht angewendet werden; mehr dazu unter Psychopharmaka im Alter. [2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Amisulprid kann laut Packungsbeilage die Wirkungen von Alkohol auf das zentrale Nervensystem verstärken; deshalb ist während der Behandlung der gleichzeitige Genuss von Alkohol zu vermeiden. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2]
Amisulprid kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen, etwa durch Schläfrigkeit und verschwommenes Sehen, so weit verändern, dass Sie auf unerwartete und plötzliche Ereignisse nicht mehr schnell oder gezielt genug reagieren können. Laut Packungsbeilage sind die Teilnahme am Straßenverkehr, das Bedienen von Maschinen und Arbeiten ohne sicheren Halt deshalb während der Behandlung zu vermeiden; Alkohol verschlechtert das Reaktionsvermögen noch weiter. [1, 2] Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [12] Die Ausnahme für bestimmungsgemäß eingenommene, für einen konkreten Krankheitsfall verschriebene Arzneimittel in § 24a Abs. 4 StVG bezieht sich nur auf bestimmte Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG. [11] Mehr dazu unter Psychopharmaka und Autofahren.
Laut Packungsbeilage wird Amisulprid in der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht wirksam verhüten, nicht empfohlen. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Amisulprid in der Schwangerschaft als gering an. Setzen Sie Amisulprid nicht selbst ab; wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Allgemeines unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft, in der Stillzeit und Verhütung und Psychopharmaka. [1, 3]
Schwangerschaft
Amisulprid wird in der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht wirksam verhüten, nicht empfohlen; die Unbedenklichkeit in der Schwangerschaft ist beim Menschen nicht belegt. Von der Anwendung wird abgeraten, es sei denn, die Ärztin oder der Arzt schätzt den Nutzen für Mutter und Kind höher ein als mögliche Risiken. Nach Einnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel können beim Neugeborenen Zittern, Muskelsteifheit oder -schwäche, Schläfrigkeit, Ruhelosigkeit, Atembeschwerden und Schwierigkeiten beim Trinken auftreten. Laut Fachinformation geht Amisulprid über die Plazenta auf das Kind über.[1, 2]
Laut Embryotox ist der Erfahrungsumfang gering: Bei knapp 30 dokumentierten Schwangerschaften fanden sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko, für eine differenzierte Risikobewertung reichen die Daten aber nicht aus. Bei einer medikamentösen Neueinstellung sind laut Embryotox besser erprobte Antipsychotika vorzuziehen; ist eine Behandlung mit Amisulprid im ersten Schwangerschaftsdrittel dringend nötig, muss laut Embryotox nicht zwingend umgestellt werden. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Quetiapin, gegebenenfalls auch Risperidon und, wenn auf klassische Antipsychotika zurückgegriffen werden muss, Haloperidol. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Während der Behandlung sollten Sie nicht stillen; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die beste Art, Ihr Kind zu ernähren. Laut Fachinformation geht Amisulprid in ziemlich großen Mengen in die Muttermilch über; es muss entschieden werden, ob abgestillt oder auf die Behandlung verzichtet wird.[1, 2]
Laut Embryotox liegen veröffentlichte Untersuchungen zu drei Mutter-Kind-Paaren vor. Amisulprid geht laut Embryotox stark in die Muttermilch über, sodass volles Stillen eher kritisch zu beurteilen ist; im Einzelfall kann Stillen bei alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel sein. Dann sollte zwei bis drei Wochen nach der Geburt und gegebenenfalls im weiteren Verlauf der Blutspiegel des Kindes kontrolliert werden. Treten beim Kind anders nicht erklärbare Beschwerden wie Schläfrigkeit (Sedierung), Trinkschwäche oder Unruhe auf, sollten eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt und Embryotox kontaktiert werden.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Amisulprid kann die zentralen Wirkungen von Alkohol verstärken; vermeiden Sie deshalb während der Behandlung Alkohol. Alkohol verschlechtert Ihr Reaktionsvermögen noch weiter.[1, 2]
Autofahren und Maschinen
Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kann Amisulprid das Reaktionsvermögen, etwa durch Schläfrigkeit und verschwommenes Sehen, so weit verändern, dass Sie auf unerwartete und plötzliche Ereignisse nicht mehr schnell oder gezielt genug reagieren können. Teilnahme am Straßenverkehr, Bedienen von Maschinen und Arbeiten ohne sicheren Halt sind deshalb während der Behandlung zu vermeiden.[1, 2]
Anwendung
Die Tabletten unzerkaut mit etwas Flüssigkeit einnehmen, unabhängig von den Mahlzeiten; sie sind in zwei Hälften teilbar. Wie viele Tabletten Sie nehmen und wie Sie die Einnahme über den Tag verteilen, sagt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.[1]
Einnahme vergessen: die versäumte Dosis nicht nachträglich einnehmen, sondern wie verordnet fortsetzen.[1]
Absetzen
Beenden Sie die Einnahme nicht eigenmächtig, sondern besprechen Sie eine Unterbrechung vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; Amisulprid wird nicht abrupt, sondern schrittweise abgesetzt. Nach plötzlichem Absetzen hoher Dosen von Antipsychotika wurden Übelkeit, Erbrechen und Schlaflosigkeit beobachtet; auch die ursprünglichen Beschwerden und unwillkürliche Bewegungsstörungen wie Akathisie, Dystonie und Dyskinesie können auftreten.[1, 2]
Überdosierung
Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen und die Packung zeigen. Zeichen einer Überdosierung können Benommenheit, Schläfrigkeit, Blutdrucksenkung, Bewegungsstörungen und Bewusstlosigkeit sein.[1, 2]
Einnahme und Absetzen
Eine Unterbrechung besprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; wer eigenmächtig absetzt, kann laut Packungsbeilage den Behandlungserfolg gefährden. Um Absetzerscheinungen zu vermeiden, wird laut Fachinformation ein schrittweises Absetzen empfohlen. Nach plötzlichem Absetzen hoher Dosen von Antipsychotika wurden Übelkeit, Erbrechen und Schlaflosigkeit beschrieben, und die psychotischen Beschwerden können wiederkehren; bei Amisulprid wurde nach plötzlichem Absetzen auch über unwillkürliche Bewegungsstörungen wie Akathisie, Dystonie und Dyskinesie berichtet. [1, 2]
Bei einer Schizophrenie soll laut S3-Leitlinie über das erhöhte Rückfallrisiko beim Absetzen aufgeklärt werden; ist eine Dosisverringerung beschlossen, sollte sie laut Leitlinie kontrolliert und in sehr kleinen Schritten angeboten werden. Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ausführlich: Antipsychotika absetzen. [4]
Dosierung laut Packungsbeilage
Die Packungsbeilage nennt getrennte Tagesdosen für vorwiegend produktive und für vorwiegend negative Zustände sowie Anpassungen bei eingeschränkter Nierenfunktion. Zu Beginn ist keine schrittweise Dosissteigerung erforderlich; Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. [1]
Präparate mit Amisulprid
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Solian | Sanofi-Aventis Deutschland GmbH | Tabletten mit 100 oder 200 mg, Filmtabletten mit 400 mg; verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Solian 200 mg Tabletten (gleichlautend für 100 mg Tabletten und 400 mg Filmtabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 11.10.2026
- Fachinformation Solian 100 mg/200 mg Tabletten, Solian 400 mg Filmtabletten. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 11.10.2026
- Embryotox: Amisulprid. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Amisulprid nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Häufige Fragen
Wofür wird Amisulprid eingesetzt?
Amisulprid ist zur Behandlung akuter und chronischer schizophrener Störungen zugelassen, sowohl bei produktiven Zuständen mit Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkstörungen, Feindseligkeit und Misstrauen als auch bei vorwiegend negativen Zuständen mit Gefühlsverflachung und Rückzug. Andere Anwendungsgebiete, etwa Depressionen, nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Für Verhaltensstörungen bei Demenz ist Amisulprid nicht zugelassen.
Wie hoch ist die Dosis von Amisulprid?
Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Die Packungsbeilage nennt unterschiedliche Tagesdosen für vorwiegend produktive und für vorwiegend negative Zustände und eine niedrigere Dosis bei eingeschränkter Nierenfunktion; zu Beginn ist keine schrittweise Steigerung erforderlich. Die Angaben stehen im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Darf ich mit Amisulprid Alkohol trinken?
Laut Packungsbeilage kann Amisulprid die Wirkungen von Alkohol auf das zentrale Nervensystem verstärken; deshalb ist während der Behandlung der gleichzeitige Genuss von Alkohol zu vermeiden. Alkohol verschlechtert außerdem das Reaktionsvermögen noch weiter, das Amisulprid selbst schon beeinträchtigen kann. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol.
Nimmt man mit Amisulprid zu?
Das ist möglich: Gewichtszunahme gehört laut Packungsbeilage zu den häufigen Nebenwirkungen, kann also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen. Gelegentlich sind ein erhöhter Blutzucker und erhöhte Blutfette. Bei einer Schizophrenie nennt die S3-Leitlinie feste Zeitpunkte für Gewichtskontrollen und zusätzlich monatliches Wiegen durch die behandelte Person selbst. Sprechen Sie Veränderungen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an; mehr unter Gewichtszunahme.
Kann Amisulprid Sexualität und Monatsblutung beeinflussen?
Ja. Häufig steigt unter Amisulprid der Prolaktinspiegel im Blut; nach dem Absetzen geht er zurück. Dadurch können Milchfluss aus der Brust, ein Ausbleiben der Monatsblutung oder Zyklusstörungen, eine Vergrößerung der männlichen Brustdrüse, Brustschmerzen, eine Brustvergrößerung und Erektionsstörungen auftreten. Orgasmusstörungen sind ebenfalls häufig. Sprechen Sie solche Beschwerden an; mehr unter Erhöhtes Prolaktin.
Macht Amisulprid müde?
Das kann sein: Schläfrigkeit und Schwindel gehören laut Packungsbeilage zu den häufigen Nebenwirkungen, ebenso Schlaflosigkeit. Amisulprid kann das Reaktionsvermögen auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch so verändern, dass Autofahren, das Bedienen von Maschinen und Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt sind; solche Tätigkeiten sind während der Behandlung zu vermeiden. Bei älteren Menschen ist wegen der Gefahr einer Beruhigung (Sedierung) und einer Blutdrucksenkung besondere Vorsicht geboten.
Ab wann wirkt Amisulprid?
Einen festen Zeitpunkt nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Bei einer Schizophrenie zeigte eine große Auswertung vieler Studien laut S3-Leitlinie, dass die wesentlichen Wirkungen von Antipsychotika schon in den ersten zwei Wochen nachweisbar waren; manche Menschen brauchen aber länger. Ob die Behandlung anspricht, soll laut Leitlinie nach zwei bis vier Wochen überprüft werden. Haben Sie den Eindruck, dass die Wirkung zu stark oder zu schwach ist, sprechen Sie laut Packungsbeilage mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.
Wie setzt man Amisulprid ab?
Nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Eine Unterbrechung besprechen Sie laut Packungsbeilage vorher, denn wer eigenmächtig absetzt, kann den Behandlungserfolg gefährden. Amisulprid wird schrittweise abgesetzt. Nach plötzlichem Absetzen hoher Dosen von Antipsychotika wurden Entzugserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Schlaflosigkeit beobachtet; auch die ursprünglichen Beschwerden können wiederkehren, und unwillkürliche Bewegungsstörungen können auftreten.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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