MedikamenteWirkstoff
Methylphenidat
Methylphenidat ist ein anregendes Mittel (Stimulans) zur Behandlung von ADHS und gehört zu den Betäubungsmitteln. Als Retardtabletten und als Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung ist es bei Kindern ab 6 Jahren und bei Erwachsenen zugelassen, im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie und wenn andere Maßnahmen allein nicht ausreichen; bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Medikinet adult und Ritalin Adult. Vor und während der Behandlung werden Blutdruck, Puls, Gewicht, bei Kindern auch das Wachstum, und die seelische Verfassung regelmäßig kontrolliert; bei Suizidgedanken oder Zeichen von Herzproblemen holen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Wofür wird Methylphenidat eingesetzt?
Methylphenidat ist zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zugelassen, bei Kindern ab 6 Jahren und bei Erwachsenen. Das gilt laut Fachinformation für beide Formen, auf die sich diese Seite stützt: die Retardtabletten und die Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung. Eingesetzt wird es im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn sich andere therapeutische Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben. Beginnen und überwachen muss die Behandlung eine Ärztin oder ein Arzt mit Spezialisierung auf ADHS, zum Beispiel aus der Kinderheilkunde, der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder der Erwachsenenpsychiatrie. [2, 6]
Eine solche Gesamtstrategie umfasst laut Fachinformation in der Regel psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen und zusätzlich Medikamente. Laut Packungsbeilage wird Methylphenidat nur angewendet, nachdem eine Behandlung ohne Arzneimittel versucht wurde, etwa psychologische Beratung und Verhaltenstherapie. Nicht alle Menschen mit ADHS müssen mit Arzneimitteln behandelt werden. Laut IQWiG wird bei Kindern und Jugendlichen fast immer zuerst Methylphenidat eingesetzt, weil es am längsten erprobt ist. [1, 2, 18]
Bei Erwachsenen ist laut Fachinformation Voraussetzung, dass die ADHS schon in der Kindheit bestand. Das muss im Nachhinein ermittelt werden, anhand von Patientenakten oder mit strukturierten Befragungen; ist unsicher, ob die Beschwerden im Kindes- oder Jugendalter bestanden, soll die Behandlung nicht begonnen werden. Die Diagnose sollte außerdem eine mäßige oder schwere Beeinträchtigung in mindestens zwei Lebensbereichen umfassen, etwa im sozialen Leben, in der Ausbildung oder im Beruf. [2]
Bei Kindern unter 6 Jahren darf Methylphenidat nicht angewendet werden, weil Sicherheit und Wirksamkeit in diesem Alter nicht nachgewiesen sind. Bei älteren Menschen darf es laut Fachinformation ebenfalls nicht angewendet werden; auch bei ihnen sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht nachgewiesen. Zur Vorbeugung oder Behandlung gewöhnlicher Müdigkeit sollte Methylphenidat nicht angewendet werden. [2, 6]
Retardtabletten und Hartkapseln
Beide Formen dieser Seite setzen den Wirkstoff nicht auf einmal frei. Bei den Retardtabletten löst sich zuerst der Überzug, sodass nach etwa 1 bis 2 Stunden eine erste Höchstkonzentration im Blut erreicht ist; danach wird der Wirkstoff aus dem Tablettenkern schrittweise freigesetzt, die höchsten Spiegel sind nach etwa 6 bis 8 Stunden erreicht. Die Hartkapseln enthalten einen schnell freisetzenden Anteil und einen Anteil, der nach etwa 4 Stunden freigesetzt wird. [2, 6]
Bei lang wirksamen Präparaten, auch Retard-Präparate genannt, hält die Wirkung laut IQWiG 8 bis 12 Stunden an. Welche Methylphenidat-Form gewählt wird, entscheidet laut Fachinformation die behandelnde Fachärztin oder der behandelnde Facharzt je nach gewünschter Wirkdauer. Zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen sollte laut Fachinformation der Hartkapseln nur eine Methylphenidat-Form mit veränderter Wirkstofffreisetzung angewendet werden. [2, 6, 18]
Wer verschreibt Methylphenidat?
Methylphenidat steht in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes, bei den verkehrsfähigen und verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln. Nach § 13 BtMG dürfen solche Mittel nur ärztlich, zahnärztlich oder tierärztlich verschrieben werden, wenn ihre Anwendung begründet ist; nicht begründet ist sie insbesondere, wenn der beabsichtigte Zweck auf andere Weise erreicht werden kann. Verschrieben wird auf einem dreiteiligen amtlichen Formblatt, dem Betäubungsmittelrezept, das das BfArM an die einzelne Ärztin oder den einzelnen Arzt ausgibt. Auf ein Betäubungsmittelrezept, das bei Vorlage in der Apotheke vor mehr als sieben Tagen ausgestellt wurde, darf nichts mehr abgegeben werden. [4, 13, 14, 15]
Für die Verordnung zulasten der gesetzlichen Krankenkassen nennt die Arzneimittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA, Anlage III Nr. 44) weitere Bedingungen. Bei Kindern ab 6 Jahren und Jugendlichen dürfen Stimulanzien gegen ADHS nur von einer Spezialistin oder einem Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen verordnet und unter deren Aufsicht angewendet werden, etwa aus der Kinder- und Jugendmedizin oder der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Bei Erwachsenen ab 18 Jahren setzt die Richtlinie voraus, dass die Erkrankung schon im Kindesalter bestand; das muss mit einem validierten Erhebungsinstrument (Wender-Utah-Rating-Scale, Kurzform) erfasst werden, und verordnen dürfen Fachärztinnen und Fachärzte unter anderem für Psychiatrie und Psychotherapie oder Neurologie. In Ausnahmefällen dürfen Hausärztinnen und Hausärzte Folgeverordnungen ausstellen, wenn die Aufsicht durch eine Spezialistin oder einen Spezialisten gewährleistet ist. Mehr unter Wer verschreibt Psychopharmaka? und Kosten und Rezept. [17]
Wie wirkt Methylphenidat?
Methylphenidat ist laut Fachinformation ein leichtes Stimulans des zentralen Nervensystems. Wie es bei ADHS wirkt, ist nicht bekannt. Es gilt als Hemmer der Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin in die Nervenzelle und erhöht die Freisetzung dieser Botenstoffe. Botenstoffe wie Dopamin und Noradrenalin übertragen laut IQWiG Informationen zwischen Nervenzellen. Methylphenidat ist ein Gemisch aus zwei Formen des Moleküls, der D- und der L-Form; die D-Form ist pharmakologisch wirksamer. Weitere Mittel zeigt die Seite ADHS-Medikamente. [2, 19]
Laut Packungsbeilage verbessert Methylphenidat die Aktivität bestimmter Teile des Gehirns, die eine verminderte Aktivität zeigen. Es kann helfen, die Aufmerksamkeit und die Konzentration zu verbessern und impulsives Verhalten zu vermindern. Eine Heilung für ADHS gibt es nicht, die Krankheit kann aber mit entsprechenden Behandlungsprogrammen unter Kontrolle gehalten werden. Laut IQWiG wirken die Medikamente nur so lange, wie sie eingenommen werden, und sie helfen nicht allen Kindern. [1, 18]
Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert, beträgt bei Erwachsenen nach Einnahme der Retardtabletten ungefähr 3,5 Stunden. Im Körper wird Methylphenidat vor allem zu einem Abbauprodukt umgebaut, das nur geringe oder keine Wirkung hat; der größte Teil wird innerhalb von 48 bis 96 Stunden über den Urin ausgeschieden. Wie sich Methylphenidat von Lisdexamfetamin unterscheidet, zeigt der Vergleich Lisdexamfetamin oder Methylphenidat. [2]
Wann wirkt Methylphenidat und wie lange wird behandelt?
Wie lange eine Einnahme wirkt, hängt von der Form ab; mehr dazu oben unter Retardtabletten und Hartkapseln. Zu Beginn wird die Dosis laut Fachinformation sorgfältig eingestellt, beginnend mit der niedrigsten möglichen Dosis. Geht es nach einem Monat nicht besser, könnte die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage entscheiden, dass eine andere Behandlung nötig ist. [1, 2, 18]
Laut Fachinformation sollte und muss die Behandlung nicht unbegrenzt erfolgen. Wendet die Ärztin oder der Arzt Methylphenidat länger als 12 Monate an, muss sie oder er den langfristigen Nutzen regelmäßig neu bewerten und dafür behandlungsfreie Zeiten einlegen, um das Verhalten ohne Medikament zu beurteilen. [2] Auch die Arzneimittel-Richtlinie des G-BA verlangt, eine Dauertherapie über 12 Monate besonders zu dokumentieren; die behandlungsfreien Zeitabschnitte sollten mindestens einmal jährlich beurteilt werden. Mehr zur Dauer unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? und zu den ersten Wochen unter Die ersten Wochen mit einem Psychopharmakon. [17]
- BeginnVor dem Beginn beurteilt die Ärztin oder der Arzt Herz und Kreislauf einschließlich Blutdruck und Herzfrequenz, fragt nach anderen Erkrankungen, Arzneimitteln und plötzlichen unerklärbaren Todesfällen in der Familie und erfasst Körpergröße und Gewicht in einem Wachstumsdiagramm. Bei Erwachsenen, die zum ersten Mal Methylphenidat erhalten, wird laut Fachinformation vorher kardiologischer Rat eingeholt, wenn die örtlichen Leitlinien es verlangen. Die Behandlung beginnt mit einer niedrigen Dosis, die bei Bedarf schrittweise erhöht wird; Ziel ist die niedrigste wirksame Dosis.[1, 2]
- Erste WirkungIn Studien bei Kindern hielt die Wirkung der Retardtabletten nach der Einnahme am Morgen bis 12 Stunden an. Fühlen Sie oder Ihr Kind sich nach einem Monat Behandlung nicht besser, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bessern sich die Beschwerden nach einer passenden Dosisanpassung über einen Monat nicht, muss die Behandlung laut Fachinformation beendet werden.[1, 2]
- ErhaltungMethylphenidat muss nicht für immer eingenommen werden; bei Kindern und Jugendlichen wird es in der Regel während oder nach der Pubertät abgesetzt. Sicherheit und Wirksamkeit einer Anwendung über mehr als 12 Monate wurden laut Fachinformation nicht systematisch in kontrollierten Studien untersucht. Bei so langer Behandlung bewertet die Ärztin oder der Arzt den Nutzen regelmäßig mit behandlungsfreien Zeiten neu; empfohlen wird, Methylphenidat mindestens einmal im Jahr abzusetzen, bei Kindern am besten in den Schulferien.[1, 2]
- AbsetzenSprechen Sie vor dem Beenden mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach einem plötzlichen Abbruch können die ADHS-Beschwerden zurückkehren oder unerwünschte Wirkungen wie eine Depression auftreten; die Ärztin oder der Arzt verringert die Dosis eventuell allmählich. Eine Besserung kann laut Fachinformation auch nach einem vorübergehenden oder vollständigen Absetzen bestehen bleiben.[1, 2]
Nebenwirkungen im Blick
Sehr häufig sind laut Packungsbeilage Kopfschmerzen, Nervosität und Schlaflosigkeit. Häufig sind unter anderem verminderter Appetit, Gewichtsabnahme, trockener Mund, Probleme beim Einschlafen, ein hoher Blutdruck und ein rascher Herzschlag. In Studien mit Kindern und Jugendlichen veränderten sich unter Methylphenidat häufig der obere und der untere Blutdruckwert gegenüber dem Ausgangswert, und auch bei Erwachsenen stieg der Blutdruck an; welche kurz- und langfristigen Folgen das bei Kindern und Jugendlichen hat, ist laut Fachinformation nicht bekannt. Bei den Hartkapseln treten Magen-Darm-Beschwerden laut deren Fachinformation in der Regel zu Beginn der Behandlung auf. [1, 2, 6]
Bei Langzeitanwendung wurden bei Kindern eine mäßig verringerte Gewichtszunahme und eine Wachstumsverzögerung berichtet. Laut Packungsbeilage betrifft eine Wachstumsverzögerung bei Anwendung über mehr als ein Jahr weniger als 1 von 10 behandelten Kindern. Wie sich Methylphenidat auf die endgültige Körpergröße und das endgültige Gewicht auswirkt, ist laut Fachinformation noch nicht bekannt und wird untersucht. Bei Erwachsenen wurde eine Gewichtsabnahme berichtet. [1, 2]
Unter Methylphenidat wurde über Angst, Anspannung und Erregtheit berichtet, und es wird auch mit der Verschlimmerung bestehender Beschwerden dieser Art in Verbindung gebracht; bei einigen Behandelten führte die Angst zum Absetzen. Methylphenidat wurde auch mit dem Auftreten oder der Verschlimmerung von Tics in Verbindung gebracht, also schwer zu beherrschendem Zucken von Körperteilen oder dem ständigen Wiederholen von Lauten oder Worten; mehr dazu unter Tourette-Syndrom. Psychotische Beschwerden wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen oder eine Manie können durch normale Dosierungen hervorgerufen werden, auch bei Menschen ohne bekannte psychotische Erkrankung oder Manie. [1, 2]
Nebenwirkungen im Blick
Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.
- MüdigkeitHäufig
- SchlafstörungenSehr häufig
- Unruhe und NervositätSehr häufig
- Gewichtszunahmenicht genannt
- Weniger oder veränderte Lust auf SexHäufig
- ErektionsstörungenHäufig
- MundtrockenheitHäufig
- Vermehrtes SchwitzenHäufig
- ÜbelkeitHäufig
- SchwindelHäufig
- ZitternGelegentlich
- BewegungsstörungenHäufig
- Herzrhythmus und QT-ZeitHäufig
- Natriummangelnicht genannt
- AbhängigkeitNicht bekannt
- Sitzunruhe (Akathisie)nicht genannt
"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen von Methylphenidat nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de.
Die häufigsten Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Nervosität, Schlaflosigkeit[1, 2]
- Sehr häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
- Häufig: Husten, Hals- oder Nasenentzündung und Rachenreizung, Infektion der oberen Atemwege, Infektion der Nasennebenhöhlen[1, 2]
- Häufig: Appetitverlust oder verminderter Appetit[1, 2]
- Häufig: Wachstumsverzögerung bei Kindern bei Anwendung über mehr als ein Jahr, mit verminderter Gewichts- und Größenzunahme (betrifft weniger als 1 von 10 behandelten Kindern)[1, 2]
- Häufig: Stimmungsveränderungen, Stimmungsschwankungen oder Veränderungen der Persönlichkeit[1, 2]
- Häufig: Aggressivität, Erregtheit, Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Angespanntheit, anomales Verhalten[1, 2]
- Häufig: Depressive Stimmung[1, 2]
- Häufig: Sich panisch fühlen[1, 2]
- Häufig: Probleme beim Einschlafen[1, 2]
- Häufig: Verminderter sexueller Antrieb[1, 2]
- Häufig: Übermäßiges Zähneknirschen (Bruxismus)[1, 2]
- Häufig: Ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Benommenheit, sich müde fühlen[1, 2]
- Häufig: Spannungskopfschmerzen[1, 2]
- Häufig: Unkontrollierbare Bewegungen (Dyskinesie), Überaktivität[1, 2]
- Häufig: Prickelndes Gefühl, Kribbeln oder Taubheit der Haut[1, 2]
- Häufig: Verschwommenes Sehen[1, 2]
- Häufig: Schwindel (Vertigo)[1, 2]
- Häufig: Unregelmäßiger Herzschlag (Palpitationen), rascher Herzschlag (Tachykardie)[1, 2]
- Häufig: Hoher Blutdruck[1, 2]
- Häufig: Magenverstimmung oder Verdauungsstörung, Magenschmerzen, Magenbeschwerden, Durchfall, Übelkeit, sich krank fühlen[1, 2]
- Häufig: Trockener Mund[1, 2]
- Häufig: Erhöhter Wert des Leberenzyms Alaninaminotransferase im Blut[1, 2]
- Häufig: Anomaler Haarausfall oder Haarausdünnung[1, 2]
- Häufig: Juckreiz, Ausschlag oder juckender Hautausschlag mit Rötung (Nesselsucht)[1, 2]
- Häufig: Übermäßiges Schwitzen[1, 2]
- Häufig: Gelenkschmerzen, Muskelanspannung, Muskelkrämpfe[1, 2]
- Häufig: Unvermögen, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten[1, 2]
- Häufig: Erhöhte Temperatur (Fieber), Durst, Schwächegefühl[1, 2]
- Häufig: Gewichtsabnahme[1, 2]
Alle Nebenwirkungen von Methylphenidat nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Was Angaben wie "häufig" oder "selten" bedeuten, zeigt der Häufigkeits-Übersetzer. Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Herz und QT-Zeit, sexuelle Probleme, Müdigkeit, vermehrtes Schwitzen und Serotonin-Syndrom.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Suizidgedanken oder Suizidabsichten nennt die Packungsbeilage als gelegentliche Nebenwirkung, sie können also bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen; ein Suizidversuch ist sehr selten. Bemerken Sie solche Gedanken bei sich oder bei Ihrem Kind, wenden Sie sich laut Packungsbeilage sofort an eine Ärztin oder einen Arzt. Laut Fachinformation sollte dann sofort ärztlich beurteilt werden, ob sich eine zugrunde liegende psychische Erkrankung verschlechtert hat und ob ein Zusammenhang mit Methylphenidat besteht; eine Beendigung der Behandlung sollte in Erwägung gezogen werden. [1, 2]
Haben Sie oder hat Ihr Kind Gedanken, sich das Leben zu nehmen, wenden Sie sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder an eines der folgenden Hilfsangebote.
Was in einer Krise hilft und wen Sie anrufen können, lässt sich vorab im Krisenplan festhalten.
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Ändern Sie die Dosis nicht selbst und beenden Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache. Für Kinder und Jugendliche schreibt das IQWiG, dass ein Medikament bei Nebenwirkungen nicht zwangsläufig abgesetzt werden muss; möglicherweise reicht eine Anpassung der Dosis oder eine Änderung des Einnahmezeitpunkts. Wichtig ist laut IQWiG, dass Eltern dann mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen und das Medikament nicht einfach weglassen. [18]
Verringern die Medikamente den Appetit, hilft es laut IQWiG möglicherweise, sie mit oder nach einer Mahlzeit einzunehmen; die Retardtabletten und die Hartkapseln können laut Packungsbeilage mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Magen-Darm-Beschwerden lassen sich laut Fachinformation der Hartkapseln durch gleichzeitige Nahrungsaufnahme möglicherweise lindern. Die Hartkapseln sollten laut deren Packungsbeilage und Fachinformation nicht zu spät am Vormittag eingenommen werden, weil es sonst zu Schlafstörungen kommen kann. [1, 5, 6, 18]
Beschwerden, Schlaf und Appetit können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch notieren und mit den Fragen fürs Arztgespräch den nächsten Termin vorbereiten. Mehr für Eltern unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen.
Kontrollen während der Behandlung
Die Untersuchungen sollen laut Packungsbeilage sicherstellen, dass Methylphenidat sicher ist und von Nutzen sein wird; nach Behandlungsbeginn finden sie mindestens alle 6 Monate statt, möglicherweise öfter, und bei jeder Änderung der Dosis. Laut Fachinformation sollten Wachstum, psychischer Zustand und Herz-Kreislauf-Zustand fortlaufend überwacht werden; wer länger als 12 Monate behandelt wird, muss darauf laufend sorgfältig überwacht werden. [1, 2]
| Untersuchung | Wann oder warum |
|---|---|
| Blutdruck und Puls | Vor Beginn, bei jeder Dosisanpassung und mindestens alle 6 Monate, in einer grafischen Darstellung. Bei wiederholt schnellem Herzschlag, Herzrhythmusstörungen oder erhöhtem oberem Blutdruckwert sollte Methylphenidat laut Fachinformation abgesetzt und eine Überweisung zur Kardiologie erwogen werden[1, 2] |
| Körpergröße, Gewicht und Appetit bei Kindern und Jugendlichen | Vor Beginn und mindestens alle 6 Monate in einem Wachstumsdiagramm; wer nicht wie erwartet wächst oder zunimmt, muss die Behandlung möglicherweise unterbrechen[1, 2] |
| Körpergewicht bei Erwachsenen | Regelmäßig während der Behandlung[2] |
| Stimmung, Verhalten, Angst und Tics | Vor Beginn wird auf psychische Erkrankungen, Angst und Tics untersucht; danach bei jeder Dosisanpassung, mindestens alle 6 Monate und bei jedem Termin, ob psychische Beschwerden neu auftreten oder sich verschlechtern, darunter aggressives oder feindseliges Verhalten, Angst, Anspannung und Tics[1, 2] |
| Herzuntersuchung, zum Beispiel EKG | Wenn Vorgeschichte oder körperliche Untersuchung auf eine Herzerkrankung hinweisen, durch Fachleute; umgehend, wenn während der Behandlung Herzklopfen, Brustschmerzen bei Belastung, eine unklare Ohnmacht oder Atemnot auftreten[2] |
| Neurologische Anzeichen bei zusätzlichen Risikofaktoren | Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Vorgeschichte oder blutdrucksteigernden Begleitmitteln bei jedem Termin nach Behandlungsbeginn[2] |
| Augeninnendruck | Bei erhöhtem Augeninnendruck in der Vorgeschichte wird eine augenärztliche Überwachung empfohlen; bei Anzeichen eines erhöhten Augeninnendrucks oder grünen Stars die Ärztin oder den Arzt verständigen[2] |
| Befinden beim Absetzen | Sorgfältig, weil beim Absetzen eine Depression oder eine anhaltende Überaktivität zum Vorschein kommen kann; manche Menschen brauchen über längere Zeit Nachuntersuchungen[2] |
| Fehlgebrauch und Missbrauch | Während der Behandlung wird auf das Risiko von Zweckentfremdung, Fehlgebrauch und Missbrauch geachtet[2] |
Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Was bei Kontrollen allgemein geschieht, erklärt die Seite Kontrollen während der Behandlung.
Wechselwirkungen
Methylphenidat darf nicht zusammen mit MAO-Hemmern eingenommen werden, einer Gruppe von Antidepressiva, auch nicht in den 14 Tagen nach deren Einnahme, weil der Blutdruck plötzlich ansteigen kann. Zusammen mit trizyklischen Antidepressiva, SSRI oder SNRI kann ein lebensbedrohlicher Anstieg von Serotonin im Gehirn entstehen (Serotonin-Syndrom), mit Verwirrtheit oder Ruhelosigkeit, Schwitzen, Schüttelfrost, Muskelzucken oder raschem Herzschlag; dann suchen Sie laut Packungsbeilage umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf. Ist eine Operation geplant, sagen Sie es laut Packungsbeilage Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [1, 2]
Über Cytochrom-P450-Enzyme wird Methylphenidat laut Fachinformation nicht in nennenswertem Ausmaß abgebaut; es gibt aber Berichte mit Hinweisen, dass es den Abbau von Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ, einigen Mitteln gegen Epilepsie und einigen Antidepressiva hemmen kann. [2]
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| MAO-Hemmer (bestimmte Antidepressiva), auch innerhalb der letzten 14 Tage | Plötzlicher Blutdruckanstieg (hypertensive Krise) möglich[1, 2] | Nicht zusammen einnehmen |
| Trizyklische Antidepressiva, SSRI, SNRI und andere serotonerge Arzneimittel | Lebensbedrohlicher Anstieg von Serotonin im Gehirn (Serotoninsyndrom) möglich; Methylphenidat kann außerdem den Abbau trizyklischer Antidepressiva und von SSRI hemmen[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren; bei Zeichen eines Serotoninsyndroms umgehend ärztliche Hilfe |
| Blutdrucksenkende Mittel | Ihre Wirkung kann abgeschwächt werden[1, 2] | Vorher ärztlich besprechen |
| Mittel, die den Blutdruck erhöhen, auch bestimmte Husten- und Erkältungsmittel | Vorsicht wegen zusätzlicher Blutdruckerhöhung[1, 2] | Vorher ärztlich besprechen; beim Kauf in der Apotheke nachfragen |
| Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ, Mittel gegen Epilepsie (z. B. Phenobarbital, Phenytoin, Primidon) | Methylphenidat kann ihren Abbau hemmen; Dosisanpassung und Spiegelkontrollen können nötig sein[1, 2] | Vorher ärztlich besprechen |
| Mittel gegen schwere psychiatrische Erkrankungen (Antipsychotika), Mittel gegen die Parkinson-Krankheit wie Levodopa und andere dopaminerge Mittel | Gegenseitige Beeinflussung der Wirkung möglich[1, 2] | Vorher ärztlich besprechen |
| Clonidin und andere zentral wirksame Alpha-2-Agonisten | Schwerwiegende, auch lebensbedrohliche Nebenwirkungen berichtet; Langzeitsicherheit der Kombination nicht systematisch untersucht[2] | Nur nach ärztlicher Rücksprache |
| Bestimmte Narkosemittel (halogenierte Narkosemittel) | Plötzlicher Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz während der Operation möglich[1, 2] | Bei einer geplanten Operation sollte Methylphenidat laut Fachinformation am Tag der Operation nicht angewendet werden; geplante Operationen der Ärztin oder dem Arzt mitteilen |
| Alkohol | Kann die Nebenwirkungen verstärken[1, 2] | Während der Behandlung keinen Alkohol trinken; auch Alkohol in Nahrungs- und Arzneimitteln beachten |
| Alkohol (bei den Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung) | Bei sehr hohen Alkoholkonzentrationen kann sich laut Fachinformation der Hartkapseln das kinetische Profil hin zu einem Muster mit eher schneller Wirkstofffreisetzung verändern[5, 6] | Während der Behandlung keinen Alkohol trinken |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren, zu Eingriffen unter Psychopharmaka vor einer Operation.
Wer Methylphenidat nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Nicht anwenden bei
- Allergie gegen Methylphenidat oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
- Schilddrüsenprobleme, erhöhter Augeninnendruck (Glaukom), Tumor der Nebenniere (Phäochromozytom)[1, 2]
- Essstörung ohne Hungergefühl, etwa Anorexia nervosa[1, 2]
- Sehr hoher Blutdruck oder Verengung der Blutgefäße mit Schmerzen in Armen und Beinen[1, 2]
- Herzprobleme wie Herzinfarkt, unregelmäßiger Herzschlag, Schmerzen oder Beschwerden im Brustbereich, Herzschwäche, Herzkrankheit oder angeborener Herzfehler[1, 2]
- Probleme mit den Blutgefäßen im Gehirn, etwa Schlaganfall, Aneurysma, verengte oder verstopfte Blutgefäße oder Gefäßentzündung (Vaskulitis)[1, 2]
- Einnahme von MAO-Hemmern (bestimmte Antidepressiva) derzeit oder in den letzten 14 Tagen[1, 2]
- Psychiatrische Erkrankungen wie Psychopathie, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie, Suizidgedanken, schwere Depression oder Manie[1, 2]
- Kinder unter 6 Jahren und ältere Menschen: Sicherheit und Wirksamkeit nicht nachgewiesen[1, 2]
Besondere Vorsicht bei
- Leber- oder Nierenprobleme; Probleme, ganze Tabletten zu schlucken[1]
- Krampfanfälle oder auffälliges EEG in der Vorgeschichte[1, 2]
- Missbrauch oder Abhängigkeit von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen in der Vorgeschichte[1, 2]
- Tics (schwer zu beherrschendes Zucken oder ständiges Wiederholen von Lauten oder Worten), auch in der Familie[1, 2]
- Hoher Blutdruck oder Herzprobleme, die nicht unter den Gegenanzeigen genannt sind; plötzliche unerklärbare Todesfälle in der Familie[1, 2]
- Psychiatrische Erkrankungen wie bipolare Störung, Aggressivität oder Feindseligkeit, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Paranoia, Erregbarkeit, Ängstlichkeit, Anspannung, Niedergeschlagenheit oder Schuldgefühle: Methylphenidat kann diese Probleme verstärken[1, 2]
- Mädchen und Frauen, die bereits ihre Periode haben: Empfängnisverhütung, Schwangerschaft und Stillen mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen[1]
- Vor Beginn und mindestens alle 6 Monate werden Appetit, Körpergewicht und -größe, Blutdruck, Puls und die seelische Verfassung kontrolliert; Erwachsene, die Methylphenidat erstmalig erhalten, werden möglicherweise zunächst an eine Kardiologin oder einen Kardiologen überwiesen[1, 2]
- Drogentests und Dopingkontrollen im Sport können positiv ausfallen[1]
- Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1]
Zu den Gegenanzeigen gehören laut Packungsbeilage auch schwere Stimmungsprobleme wie Suizidgedanken oder eine schwere Depression; Hilfsangebote stehen im Abschnitt Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen. Bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Methylphenidat laut Fachinformation gegenangezeigt, es sei denn, es wurde der Rat einer Kardiologin oder eines Kardiologen eingeholt. [1, 2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Laut Fachinformation kann Alkohol die Nebenwirkungen psychoaktiver Arzneimittel auf das zentrale Nervensystem verstärken, auch die von Methylphenidat; daher ist es angebracht, während der Behandlung keinen Alkohol zu trinken. Die Packungsbeilage sagt, dass während der Einnahme kein Alkohol getrunken werden darf. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2]
Methylphenidat kann Schwindel, Schläfrigkeit und Sehstörungen wie verschwommenes Sehen oder Doppeltsehen verursachen und einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit haben. Treten diese Wirkungen auf, sollten Sie laut Fachinformation gefährliche Tätigkeiten wie das Führen von Fahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen vermeiden; die Packungsbeilage nennt außerdem Radfahren, Reiten und Klettern. [1, 2] Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [12] Die Ausnahme für bestimmungsgemäß eingenommene, für einen konkreten Krankheitsfall verschriebene Arzneimittel in § 24a Abs. 4 StVG bezieht sich nur auf bestimmte Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG. [11] Mehr dazu unter Psychopharmaka und Autofahren.
Laut Fachinformation kann Methylphenidat bei Drogentests, insbesondere bei Immunoassay-Verfahren, zu einem falsch positiven Ergebnis für Amphetamine führen. Bei Dopingkontrollen im Sport kann die Anwendung zu positiven Ergebnissen führen. [1, 2]
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Methylphenidat in der Schwangerschaft als sehr hoch an; dokumentiert sind etwa 4.000 Schwangerschaften mit Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel. Zur Stillzeit liegen laut Embryotox publizierte Erfahrungen zu 9 Mutter-Kind-Paaren vor. Die Fachinformation empfiehlt Methylphenidat in der Schwangerschaft nicht, es sei denn, es ist klinisch entschieden, dass ein Aufschieben der Behandlung ein größeres Risiko für die Schwangerschaft bedeutet. Mädchen und Frauen, die bereits ihre Periode haben, sprechen laut Packungsbeilage vor der Anwendung mit der Ärztin oder dem Arzt, auch über Empfängnisverhütung. Setzen Sie Methylphenidat nicht selbst ab; wenn Sie schwanger sind, stillen oder schwanger werden möchten, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Allgemeines unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft, in der Stillzeit und Verhütung und Psychopharmaka. [1, 2, 3]
Methylphenidat hat laut Fachinformation ein Potenzial für Fehlgebrauch, Missbrauch und Zweckentfremdung. Chronischer Missbrauch kann zu ausgeprägter Toleranz und seelischer Abhängigkeit mit abnormem Verhalten führen; Fälle von Missbrauch und Abhängigkeit wurden beschrieben. Wird Methylphenidat nicht richtig angewendet, kann laut Packungsbeilage eine Abhängigkeit entstehen; sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie oder Ihr Kind jemals Missbrauch oder Abhängigkeit von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen hatten. Mehr unter Machen Psychopharmaka abhängig? [1, 2]
Schwangerschaft
Die verfügbaren Daten deuten nicht auf ein allgemein erhöhtes Risiko von Geburtsfehlern hin; ein leicht erhöhtes Risiko von Fehlbildungen des Herzens bei Anwendung in den ersten 3 Monaten kann aber nicht ausgeschlossen werden. Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob Methylphenidat in der Schwangerschaft eingenommen werden sollte, und bespricht mit Ihnen die Empfängnisverhütung.[1, 2]
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft als sehr hoch an; dokumentiert sind etwa 4.000 Schwangerschaftsverläufe mit Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel. Laut Embryotox sollte die Verordnung in der Schwangerschaft, vor allem im ersten Drittel, kritisch geprüft werden; wenn das Absetzen zu einer eindeutigen und alltagsrelevanten Verschlechterung der ADHS führt, ist die Anwendung in allen Phasen der Schwangerschaft akzeptabel. Bei Einnahme bis zur Geburt können beim Neugeborenen Anpassungsstörungen auftreten; die Entbindung sollte in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Methylphenidat geht in die Muttermilch über; die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob während der Einnahme gestillt werden sollte.[1, 2]
Laut Embryotox liegen publizierte Erfahrungen zu 9 Mutter-Kind-Paaren vor, allerdings wurden nicht alle Kinder voll gestillt. Embryotox hält Stillen bei alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel; besonders auf eine reguläre Gewichtszunahme des Kindes sollte geachtet werden.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Während der Einnahme darf kein Alkohol getrunken werden, denn er kann die Nebenwirkungen verstärken. Denken Sie daran, dass einige Nahrungs- und Arzneimittel Alkohol enthalten.[1]
Autofahren und Maschinen
Schwindel, Probleme beim Scharfsehen oder verschwommenes Sehen sind möglich. Dann können Tätigkeiten wie Autofahren, das Bedienen von Maschinen oder Radfahren gefährlich sein.[1, 2]
Anwendung
Die Retardtablette einmal täglich am Morgen mit einem Glas Wasser einnehmen, mit oder ohne Nahrung. Sie muss im Ganzen geschluckt werden und darf nicht zerkaut, zerbrochen, zerteilt oder zerkleinert werden. Das Arzneimittel ist nur für die Person bestimmt, der es verordnet wurde, und darf nicht weitergegeben werden.[1]
Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge nehmen, sondern bis zur nächsten Einnahme warten und wie verordnet fortfahren.[1]
Wurde Methylphenidat länger als ein Jahr eingenommen, sollte die Ärztin oder der Arzt die Behandlung für kurze Zeit unterbrechen, etwa in den Schulferien, um zu prüfen, ob sie noch nötig ist.[1, 2]
Absetzen
Sprechen Sie vor dem Beenden der Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach plötzlichem Abbruch können die ADHS-Beschwerden zurückkehren oder unerwünschte Wirkungen wie eine Depression auftreten; die Ärztin oder der Arzt verringert die Dosis eventuell allmählich.[1, 2]
Überdosierung
Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen und angeben, welche Menge eingenommen wurde. Mögliche Zeichen sind unter anderem Erbrechen, Erregtheit, Zittern, unkontrollierte Bewegungen, Muskelzuckungen, Krampfanfälle, möglicherweise mit anschließendem Koma, Verwirrtheit, Halluzinationen, Schweißausbrüche, hohes Fieber, Veränderungen des Herzschlags, Bluthochdruck und dunkler Urin.[1]
Betäubungsmittel: Aufbewahrung und Reisen
Das Arzneimittel ist nur für die Person bestimmt, der es verschrieben wurde; geben Sie es laut Packungsbeilage nicht an andere weiter, auch nicht an Menschen mit ähnlichen Beschwerden, und bewahren Sie es für Kinder unzugänglich auf. Laut Fachinformation sollten Behandelte auf das Risiko von Zweckentfremdung, also illegaler Verbreitung, und von Fehlgebrauch und Missbrauch hin überwacht werden. [1, 2]
Wer mit Methylphenidat in einen Staat des Schengener Abkommens reist, braucht laut BfArM für Reisen bis zu 30 Tagen eine von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ausgefüllte Bescheinigung nach Artikel 75 des Schengener Durchführungsübereinkommens. Sie muss vor Reiseantritt von der obersten Landesgesundheitsbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle beglaubigt werden, gilt höchstens 30 Tage und wird für jedes Betäubungsmittel gesondert ausgestellt; mitgeführt werden dürfen Betäubungsmittel nur für den eigenen Bedarf. Für Reisen in andere Staaten empfiehlt die Bundesopiumstelle eine mehrsprachige, ebenfalls beglaubigte ärztliche Bescheinigung; außerdem gelten die Bestimmungen des Ziel- oder Transitlandes. Mehr unter Reisen mit Psychopharmaka. [16]
Einnahme und Absetzen
Wie die Retardtablette eingenommen wird, steht oben in der Übersicht unter Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft. Die Hartkapseln sollten ebenfalls im Ganzen mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Bei Schluckproblemen kann laut deren Packungsbeilage der Kapselinhalt auf eine kleine Menge eines nicht warmen, breiigen Nahrungsmittels wie Apfelmus gestreut und sofort vollständig gegessen werden, ohne die Kügelchen zu zerkleinern oder zu zerkauen. [1, 5]
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung beenden. Wird Methylphenidat plötzlich abgebrochen, können die ADHS-Beschwerden zurückkehren oder unerwünschte Wirkungen wie eine Depression auftreten; die Ärztin oder der Arzt wird die Tagesdosis eventuell allmählich verringern wollen, bevor das Mittel ganz abgesetzt wird. Laut Fachinformation ist beim Absetzen eine sorgfältige Überwachung nötig, weil dabei Depressionen oder eine anhaltende Überaktivität zum Vorschein kommen können; manche Menschen brauchen über längere Zeit Nachuntersuchungen. Verschlechtert sich die Stimmung, finden Sie Hilfsangebote im Abschnitt Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen. [1, 2]
Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Psychopharmaka absetzen und Medikament wechseln.
Dosierung laut Packungsbeilage
Die Angaben stammen aus der Packungsbeilage der Retardtabletten. Sie nennt Anfangs- und Höchstdosis getrennt für Kinder ab 6 Jahren und für Erwachsene und unterscheidet bei Erwachsenen, ob sie das Mittel schon früher eingenommen haben. Für die Hartkapseln gelten die Angaben ihrer eigenen Packungsbeilage. [1, 5]
Präparate mit Methylphenidat
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Concerta | Betäubungsmittel | |
| Kinecteen | Betäubungsmittel | |
| Medikinet adult | Betäubungsmittel | |
| Methylphenidat-HCl-ratiopharm | ratiopharm GmbH | Retardtabletten, Betäubungsmittel; Grundlage dieser Seite |
| Ritalin Adult | Betäubungsmittel |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 10.10.2026
- Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 10.10.2026
- Embryotox: Methylphenidat. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
- Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III, Eintrag Methylphenidat. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 10.10.2026
- Gebrauchsinformation Methylphenidat-ratiopharm Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung (10 bis 60 mg). ratiopharm GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 10.10.2026
- Fachinformation Methylphenidat-ratiopharm Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung (10 bis 60 mg). ratiopharm GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 16.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Langfassung, Version 2.0 (AWMF-Register-Nr. 028-045), Fassung für die Konsultationsphase (Entwurf), Abschnitte 1.5.5 und 1.5.6 (Untersuchungen vor und während einer medikamentösen Behandlung). Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), DGPPN und Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) als federführende Fachgesellschaften (Koordination: Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim). Stand Version 2.0, Fassung für die Konsultationsphase (PDF vom 19.05.2026). abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 13 Betäubungsmittelgesetz (BtMG): Verschreibung und Abgabe auf Verschreibung (Abs. 1). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 8 Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV): Betäubungsmittelrezept (Abs. 1 und 2). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 12 Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV): Abgabe (Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe c). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Behörde Reisen mit Betäubungsmitteln (Abschnitte Reisen in Staaten des Schengener Abkommens und Reisen in andere Staaten). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bundesopiumstelle. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 23.10.2026
- Behörde Arzneimittel-Richtlinie, Anlage III: Übersicht über Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse (Nr. 44 Stimulantien). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand letzte Änderung in Kraft getreten am 03.10.2026. abgerufen am 23.10.2026
- Was kann Kindern und Jugendlichen mit ADHS helfen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026
- Behandlung von ADHS bei Erwachsenen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026
Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Methylphenidat nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Häufige Fragen
Wie lange wirkt Methylphenidat?
Das hängt von der Form ab. Bei lang wirksamen Präparaten, auch Retard-Präparate genannt, hält die Wirkung laut IQWiG 8 bis 12 Stunden an. Bei den Retardtabletten, auf die sich diese Seite stützt, hielt die Wirkung laut Fachinformation in Studien mit Kindern bis 12 Stunden an, wenn sie morgens eingenommen wurden. Fühlen Sie sich oder fühlt sich Ihr Kind nach einem Monat Behandlung nicht besser, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ist Methylphenidat für Erwachsene zugelassen?
Ja, die Retardtabletten und die Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung sind laut Fachinformation bei Kindern ab 6 Jahren und bei Erwachsenen angezeigt, im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie und wenn andere Maßnahmen allein nicht ausreichen. Bei Erwachsenen ist Voraussetzung, dass die ADHS schon in der Kindheit bestand; ist das unsicher, soll die Behandlung nicht begonnen werden. Zur Behandlung von Erwachsenen sollte laut Fachinformation der Hartkapseln nur eine Form mit veränderter Wirkstofffreisetzung angewendet werden. Mehr unter ADHS bei Erwachsenen.
Darf ich mit Methylphenidat Alkohol trinken?
Nein. Laut Packungsbeilage darf während der Einnahme kein Alkohol getrunken werden, weil er die Nebenwirkungen verstärken kann. Denken Sie daran, dass auch einige Nahrungs- und Arzneimittel Alkohol enthalten. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol.
Macht Methylphenidat abhängig?
Laut Fachinformation hat Methylphenidat ein Potenzial für Fehlgebrauch, Missbrauch und Zweckentfremdung; chronischer Missbrauch kann zu ausgeprägter Toleranz und seelischer Abhängigkeit führen. Fälle von Missbrauch und Abhängigkeit wurden beschrieben. Wird Methylphenidat nicht richtig angewendet, kann laut Packungsbeilage eine Abhängigkeit entstehen. Mehr dazu im Abschnitt Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft.
Welche Langzeitfolgen kann Methylphenidat haben?
Sicherheit und Wirksamkeit einer Anwendung über mehr als 12 Monate sind laut Fachinformation nicht systematisch in kontrollierten Studien untersucht. Bei Kindern wurden bei Langzeitanwendung eine mäßig verringerte Gewichtszunahme und eine Wachstumsverzögerung berichtet; wie sich Methylphenidat auf die endgültige Größe und das endgültige Gewicht auswirkt, ist noch nicht bekannt. Größe, Gewicht, Blutdruck und Puls werden mindestens alle 6 Monate kontrolliert, und empfohlen wird, Methylphenidat mindestens einmal im Jahr abzusetzen, um das Befinden zu beurteilen.
Wie setzt man Methylphenidat ab?
Sprechen Sie vor dem Beenden mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach einem plötzlichen Abbruch können laut Packungsbeilage die ADHS-Beschwerden zurückkehren oder unerwünschte Wirkungen wie eine Depression auftreten; die Ärztin oder der Arzt wird die Tagesdosis eventuell allmählich verringern wollen, bevor das Mittel ganz abgesetzt wird. Laut Fachinformation ist beim Absetzen eine sorgfältige Überwachung nötig.
Wie hoch ist die Dosis von Methylphenidat?
Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; Ziel sollte laut Packungsbeilage die niedrigste Dosis sein, die wirkt. Was die Packungsbeilage als Anfangs- und Höchstdosis für Kinder und Erwachsene nennt, steht im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Braucht man für Methylphenidat ein besonderes Rezept?
Ja. Methylphenidat ist ein Betäubungsmittel und wird auf einem Betäubungsmittelrezept verschrieben, einem dreiteiligen amtlichen Formblatt. Auf ein Betäubungsmittelrezept, das bei Vorlage in der Apotheke vor mehr als sieben Tagen ausgestellt wurde, darf nichts mehr abgegeben werden. Wer mit Methylphenidat verreist, braucht für Staaten des Schengener Abkommens laut BfArM eine ärztliche Bescheinigung, die vor der Reise beglaubigt wird; mehr im Abschnitt Alltag.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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