MedikamenteWirkstoff

Lisdexamfetamin

Lisdexamfetamin ist ein anregendes Mittel (Stimulans) zur Behandlung von ADHS, das im Körper zu Dexamfetamin umgewandelt wird, und gehört zu den Betäubungsmitteln. Zugelassen ist es im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie bei Kindern ab 6 Jahren, wenn eine Behandlung mit Methylphenidat nicht ausreichend gewirkt hat, und bei Erwachsenen mit ADHS-Beschwerden seit der Kindheit; bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Elvanse adult. Vor und während der Behandlung werden Blutdruck, Puls, Gewicht, bei Kindern auch das Wachstum, und die seelische Verfassung regelmäßig kontrolliert; Herzklopfen oder einen unregelmäßigen Herzschlag melden Sie umgehend.

Frau Mitte dreißig packt am Morgen im hellen Flur ihren Rucksack, bevor sie das Haus verlässt
Bild: KI-generiert

Wofür wird Lisdexamfetamin eingesetzt?

Lisdexamfetamin ist zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie zugelassen. Bei Kindern ab 6 Jahren gilt das, wenn das Ansprechen auf eine zuvor erhaltene Behandlung mit Methylphenidat als klinisch unzureichend angesehen wird; die Packungsbeilage nennt Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren. Bei Erwachsenen ist es zugelassen, wenn ADHS-Beschwerden bereits in der Kindheit bestanden. Die Behandlung muss unter der Aufsicht einer Spezialistin oder eines Spezialisten für Verhaltensstörungen erfolgen, bei Kindern und Jugendlichen für Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter. [1, 2]

Zu einer solchen Gesamtstrategie gehören laut Fachinformation in der Regel psychologische, pädagogische, verhaltens- und beschäftigungstherapeutische und soziale Maßnahmen, gegebenenfalls zusammen mit Medikamenten. Lisdexamfetamin ist nicht bei allen Menschen mit ADHS angezeigt; vor der Entscheidung werden unter anderem Schwere und Dauer der Beschwerden, das Potenzial für Missbrauch, Fehlgebrauch oder Zweckentfremdung und das Ansprechen auf frühere Behandlungen bewertet. Laut IQWiG gehört Lisdexamfetamin bei Kindern und Jugendlichen zu den Mitteln der zweiten Wahl und ist für sie nur zugelassen, wenn vorher eine Behandlung mit Methylphenidat ausprobiert wurde. [2, 19]

Bei Erwachsenen müssen laut Fachinformation schon im Kindesalter Beschwerden einer ADHS bestanden haben; das sollte nachträglich bestätigt werden, anhand von Behandlungsunterlagen oder mit strukturierten Befragungen. Die ADHS sollte mindestens moderat ausgeprägt sein und die Leistungsfähigkeit in zwei oder mehr Lebensbereichen beeinträchtigen, etwa im sozialen Leben, in der Ausbildung oder im Beruf. Wer noch keine ADHS-Behandlung erhalten hat, wird laut Packungsbeilage vor der Verordnung darauf untersucht, ob die ADHS seit der Kindheit besteht. [1, 2]

Bei Kindern unter 6 Jahren darf Lisdexamfetamin nicht angewendet werden, weil Sicherheit und Wirksamkeit in diesem Alter nicht erwiesen sind. Für ältere Menschen liegen nur begrenzte Daten vor; deshalb sind laut Fachinformation vor der Behandlung eine gründliche Beurteilung und währenddessen eine fortlaufende Überwachung von Blutdruck und Herz-Kreislauf-Zustand erforderlich. Lisdexamfetamin gibt es als Hartkapseln; die Anwendung muss laut Fachinformation stets in Übereinstimmung mit der zugelassenen Indikation erfolgen. [2]

Wer verschreibt Lisdexamfetamin?

Lisdexamfetamin steht in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes, bei den verkehrsfähigen und verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln. Nach § 13 BtMG dürfen solche Mittel nur ärztlich, zahnärztlich oder tierärztlich verschrieben werden, wenn ihre Anwendung begründet ist; nicht begründet ist sie insbesondere, wenn der beabsichtigte Zweck auf andere Weise erreicht werden kann. Verschrieben wird auf einem dreiteiligen amtlichen Formblatt, dem Betäubungsmittelrezept, das das BfArM an die einzelne Ärztin oder den einzelnen Arzt ausgibt. Auf ein Betäubungsmittelrezept, das bei Vorlage in der Apotheke vor mehr als sieben Tagen ausgestellt wurde, darf nichts mehr abgegeben werden. [4, 14, 15, 16]

Für die Verordnung zulasten der gesetzlichen Krankenkassen nennt die Arzneimittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA, Anlage III Nr. 44) weitere Bedingungen. Bei Kindern ab 6 Jahren und Jugendlichen dürfen Stimulanzien gegen ADHS nur von einer Spezialistin oder einem Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen verordnet und unter deren Aufsicht angewendet werden. Bei Erwachsenen ab 18 Jahren setzt die Richtlinie voraus, dass die Erkrankung schon im Kindesalter bestand; das muss mit einem validierten Erhebungsinstrument (Wender-Utah-Rating-Scale, Kurzform) erfasst werden, und verordnen dürfen Fachärztinnen und Fachärzte unter anderem für Psychiatrie und Psychotherapie oder Neurologie. In Ausnahmefällen dürfen Hausärztinnen und Hausärzte Folgeverordnungen ausstellen, wenn die Aufsicht durch eine Spezialistin oder einen Spezialisten gewährleistet ist. Mehr unter Wer verschreibt Psychopharmaka? und Kosten und Rezept. [18]

Wie wirkt Lisdexamfetamin?

Lisdexamfetamin ist laut Fachinformation eine pharmakologisch unwirksame Vorstufe (Prodrug). Nach der Einnahme wird es rasch aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen und vor allem von den roten Blutkörperchen zu Dexamfetamin umgewandelt, das für die Wirkung verantwortlich ist; Embryotox nennt Dexamfetamin auch D-Amfetamin. Wie Amfetamin bei ADHS wirkt, ist nicht vollständig aufgeklärt; angenommen wird, dass es die Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin in die Nervenzelle blockiert und ihre Freisetzung verstärkt. Diese Botenstoffe übertragen laut IQWiG Informationen zwischen Nervenzellen. Weitere Mittel zeigt die Seite ADHS-Medikamente, den Wirkstoff selbst die Seite Dexamfetamin. [2, 3, 20]

Laut Packungsbeilage verbessert Lisdexamfetamin die Aktivität bestimmter Abschnitte des Gehirns, deren Aktivität zu gering ist. Es kann dazu beitragen, die Aufmerksamkeit und die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und impulsives Verhalten zu verringern. Laut IQWiG wirken ADHS-Medikamente nur so lange, wie sie eingenommen werden, und sie helfen nicht allen Kindern. [1, 19]

Die Halbwertszeit von Dexamfetamin, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert, liegt bei 11 Stunden; die von Lisdexamfetamin selbst lag in Studien in der Regel unter einer Stunde. Lisdexamfetamin wird nicht über Cytochrom-P450-Enzyme abgebaut, und ausgeschieden wird der Wirkstoff vor allem über den Urin. Wie schnell das geschieht, hängt vom Säuregehalt des Urins ab: Was den Urin ansäuert, etwa Vitamin C (Ascorbinsäure), beschleunigt die Ausscheidung von Amfetamin und verkürzt seine Halbwertszeit; was ihn alkalisch macht, etwa Natriumhydrogencarbonat oder eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse, verlangsamt die Ausscheidung. Wie sich Lisdexamfetamin von Methylphenidat unterscheidet, zeigt der Vergleich Lisdexamfetamin oder Methylphenidat. [2]

Wann wirkt Lisdexamfetamin und wie lange wird behandelt?

Einen Zeitpunkt für den Wirkungseintritt nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. In einer Studie mit Kindern war die höchste Konzentration von Dexamfetamin im Blut nach etwa 3,5 Stunden erreicht; in einer Studie mit gesunden Erwachsenen verschob eine fettreiche Mahlzeit den Zeitpunkt der höchsten Konzentration um etwa eine Stunde, die Höhe der Spiegel blieb gleich. Fühlen Sie sich nach einem Monat nicht besser oder sogar schlechter, müssen Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wenden; möglicherweise ist eine andere Behandlung nötig. [1, 2]

Die Arzneimittel-Richtlinie des G-BA verlangt, eine Dauertherapie über 12 Monate besonders zu dokumentieren; die behandlungsfreien Zeitabschnitte sollten mindestens einmal jährlich beurteilt werden. Mehr zur Dauer unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? und zu den ersten Wochen unter Die ersten Wochen mit einem Psychopharmakon. [18]

  1. BeginnVor dem Beginn beurteilt die Ärztin oder der Arzt Herz und Kreislauf einschließlich Blutdruck und Herzfrequenz, fragt nach anderen Erkrankungen und Arzneimitteln und erfasst das Körpergewicht, bei Kindern und Jugendlichen zusammen mit der Körpergröße in einem Wachstumsdiagramm. Zu Beginn wird die Dosis sorgfältig eingestellt und kann später erhöht werden; eingenommen wird die niedrigste wirksame Dosis. Laut Fachinformation wird zu Beginn der Behandlung auf neues oder stärkeres aggressives oder feindseliges Verhalten geachtet.[1, 2]
  2. Erste WirkungLisdexamfetamin wirkt laut Packungsbeilage über einen Zeitraum von 13 Stunden stetig; in Studien hielt die Wirkung nach der Einnahme am Morgen bei Kindern 13 Stunden und bei Erwachsenen 14 Stunden an. Geht es Ihnen nach einem Monat Behandlung nicht besser, informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Bessern sich die Beschwerden nach einer passenden Dosisanpassung über einen Monat nicht, muss die Behandlung laut Fachinformation beendet werden.[1, 2]
  3. ErhaltungDie medikamentöse Behandlung der ADHS kann über längere Zeit nötig sein; Lisdexamfetamin sollte und muss aber nicht unbegrenzt eingenommen werden. Nach mehr als 12 Monaten bewertet die Ärztin oder der Arzt den Nutzen laut Fachinformation mindestens einmal im Jahr neu und legt dafür behandlungsfreie Zeiten ein, am besten in den Schulferien oder in arbeitsfreier Zeit.[1, 2]
  4. AbsetzenBrechen Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache und nicht eigenmächtig plötzlich ab; danach können die ADHS-Beschwerden zurückkehren. Wann und wie die Behandlung endet, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1]

Nebenwirkungen im Blick

Die Nebenwirkungen spiegeln laut Fachinformation vor allem die Wirkungen wider, die häufig mit Stimulanzien verbunden sind. Sehr häufig sind laut Packungsbeilage verminderter Appetit, Schlafstörungen, Mundtrockenheit und Kopfschmerzen; zu den Schlafstörungen zählen Schlaflosigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen und vorzeitiges Erwachen. Bei Kindern und Jugendlichen ist Gewichtsverlust sehr häufig, bei Kindern auch Bauchschmerzen. [1, 2]

Stimulanzien lassen laut Fachinformation den durchschnittlichen Blutdruck und die durchschnittliche Herzfrequenz geringfügig ansteigen, im Einzelfall auch stärker; alle Behandelten sollten auf größere Veränderungen überwacht werden. Bei einigen Menschen verlängert Lisdexamfetamin das QTc-Intervall im EKG, mehr dazu unter Herz und QT-Zeit. Unter chronischer Anwendung von Amfetamin und auch unter Lisdexamfetamin wurde über Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie) berichtet. Laut Packungsbeilage kann das Risiko von Herzproblemen mit höherer Dosis steigen. [1, 2]

Bei Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren wurden Stimulanzien mit einer langsameren Gewichtszunahme und einer geringeren endgültigen Körpergröße in Verbindung gebracht, bei Erwachsenen mit Gewichtsverlust. Wächst ein Kind nicht wie erwartet oder nimmt es nicht wie erwartet zu, oder verliert ein Erwachsener Gewicht, muss die Behandlung laut Fachinformation möglicherweise unterbrochen werden. [2]

Stimulanzien können aggressives oder feindseliges Verhalten hervorrufen, und unter Stimulanzien wurde über eine Verschlimmerung von Tics und des Tourette-Syndroms berichtet. Bei Kindern und Jugendlichen ohne bekannte psychotische Erkrankung oder Manie können Stimulanzien in üblicher Dosierung neue psychotische oder manische Beschwerden hervorrufen, etwa Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder eine Manie. Häufig sind laut Packungsbeilage ein Gefühl der Erregung oder Zerfahrenheit, Angst, Depression, Aggressivität, Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen. [1, 2]

Nebenwirkungen im Blick

Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.

"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen von Lisdexamfetamin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de.

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Verminderter Appetit[1, 2]
  • Sehr häufig: Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafstörungen, vorzeitiges Erwachen)[1, 2]
  • Sehr häufig: Mundtrockenheit[1, 2]
  • Sehr häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
  • Häufig: Unregelmäßiger Herzschlag (Palpitationen)[1, 2]
  • Häufig: Schmerzen in der Brust, möglicher Hinweis auf Herzbeschwerden[1, 2]
  • Häufig: Gefühl der Erregung, Zerfahrenheit oder "Hippeligkeit", Angst, Depression, Aggressivität, Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen[1, 2]
  • Häufig: Müdigkeitsgefühl[1, 2]
  • Häufig: Unruhe[1, 2]
  • Häufig: Unfähigkeit, eine Erektion zu bekommen oder zu halten, oder Veränderungen des Geschlechtstriebs[1, 2]
  • Häufig: Schwindelgefühl[1, 2]
  • Häufig: Unkontrollierte zuckende oder fahrige Bewegungen, Zittern oder ungewöhnlich starke Aktivität[1, 2]
  • Häufig: Schwer zu kontrollierende, sich wiederholende Zuckungen eines Körperteils oder sich wiederholende Töne und Wörter (Tics)[1, 2]
  • Häufig: Schneller oder unregelmäßiger Herzschlag (Tachykardie)[1, 2]
  • Häufig: Hoher Blutdruck[1, 2]
  • Häufig: Atemschwierigkeiten[1, 2]
  • Häufig: Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall[1, 2]
  • Häufig: Verstopfung[1, 2]
  • Häufig: Gewichtsabnahme[1, 2]
  • Häufig: Bauchschmerzen[1, 2]
  • Häufig: Zähneknirschen[1, 2]
  • Häufig: Vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)[2]

Alle Nebenwirkungen von Lisdexamfetamin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de, dort auch die Angaben für Kinder und Jugendliche

Was Angaben wie "häufig" oder "nicht bekannt" bedeuten, zeigt der Häufigkeits-Übersetzer. Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Herz und QT-Zeit, sexuelle Probleme, Müdigkeit, vermehrtes Schwitzen und Serotonin-Syndrom.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Spüren Sie während der Behandlung Herzklopfen oder einen unregelmäßigen Herzschlag, informieren Sie laut Packungsbeilage umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Treten Schmerzen in der Brust bei Belastung, eine unklare Ohnmacht oder andere Zeichen einer Herzerkrankung auf, sollte laut Fachinformation umgehend eine Herzuntersuchung erfolgen. [1, 2]

Suizidgedanken nennen Packungsbeilage und Fachinformation von Lisdexamfetamin nicht als Nebenwirkung. Angst und Depression gehören laut Packungsbeilage zu den häufigen Nebenwirkungen, und vor Behandlungsbeginn erfragt die Ärztin oder der Arzt die seelische Vorgeschichte, auch in der Familie. Haben Sie Gedanken, sich das Leben zu nehmen, wenden Sie sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; Telefonnummern und Anlaufstellen für eine akute Krise finden Sie unter Hilfe in der Krise. [1, 2]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann Ende zwanzig bindet an einem klaren Morgen auf einer Holzbank in einem ruhigen Park seine Laufschuhe
Bild: KI-generiert

Ändern Sie die Dosis nicht selbst und brechen Sie die Einnahme nicht eigenmächtig ab. Für Kinder und Jugendliche schreibt das IQWiG, dass ein Medikament bei Nebenwirkungen nicht zwangsläufig abgesetzt werden muss; möglicherweise reicht eine Anpassung der Dosis oder eine Änderung des Einnahmezeitpunkts. Wichtig ist laut IQWiG, dass Eltern dann mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen und das Medikament nicht einfach weglassen. [19]

Verringern die Medikamente den Appetit, hilft es laut IQWiG möglicherweise, sie mit oder nach einer Mahlzeit einzunehmen; Lisdexamfetamin kann laut Packungsbeilage mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Wegen möglicher Schlafstörungen vermeiden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme am Nachmittag. [1, 19]

Beschwerden, Schlaf und Appetit können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch notieren und mit den Fragen fürs Arztgespräch den nächsten Termin vorbereiten. Mehr für Eltern unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen.

Kontrollen während der Behandlung

Die Untersuchungen sollen laut Packungsbeilage sicherstellen, dass Lisdexamfetamin für Sie sicher ist und Sie von der Behandlung profitieren; nach Behandlungsbeginn finden sie mindestens alle 6 Monate statt, möglicherweise öfter, und bei jeder Änderung der Dosis. Laut Fachinformation sollten Wachstum bei Kindern, psychischer Zustand und Herz-Kreislauf-Zustand fortlaufend überwacht werden. Weisen die Befunde vor Beginn auf eine Herzerkrankung hin, sollten weiterführende Herzuntersuchungen erfolgen, zum Beispiel ein EKG oder eine Echokardiographie. [1, 2]

Kontrolluntersuchungen bei Lisdexamfetamin
UntersuchungWann oder warum
Blutdruck und PulsVor Beginn, bei jeder Dosisanpassung und mindestens alle 6 Monate; bei Kindern und Jugendlichen in einer grafischen Darstellung, bei älteren Menschen fortlaufend[1, 2]
Körpergröße, Gewicht und Appetit bei Kindern und JugendlichenVor Beginn und mindestens alle 6 Monate in einem Wachstumsdiagramm; wer nicht wie erwartet wächst oder zunimmt, muss die Behandlung möglicherweise unterbrechen[1, 2]
Körpergewicht bei ErwachsenenVor Beginn und regelmäßig während der Behandlung; wer Gewicht verliert, muss die Behandlung möglicherweise unterbrechen[2]
Stimmung und seelische VerfassungBei jeder Dosisanpassung, mindestens alle 6 Monate und bei jedem Kontrolltermin wird erfasst, ob psychische Erkrankungen neu auftreten oder sich verschlechtern; zu Beginn wird auf neues oder stärkeres aggressives oder feindseliges Verhalten geachtet[1, 2]
Herzuntersuchung, zum Beispiel EKGWenn Vorgeschichte oder körperliche Untersuchung auf eine Herzerkrankung hinweisen; umgehend, wenn während der Behandlung Brustschmerzen bei Belastung, eine unklare Ohnmacht oder andere Zeichen einer Herzerkrankung auftreten[2]
TicsVor Beginn werden Kinder und ihre Familien auf Tics und das Tourette-Syndrom untersucht, weil Stimulanzien Tics verschlimmern können[2]
Fehlgebrauch und MissbrauchWährend der Behandlung wird auf das Risiko von Zweckentfremdung, Fehlgebrauch und Missbrauch geachtet[2]

Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Was bei Kontrollen allgemein geschieht, erklärt die Seite Kontrollen während der Behandlung.

Wechselwirkungen

Lisdexamfetamin darf nicht zusammen mit MAO-Hemmern gegen Depressionen eingenommen werden, auch nicht in den 14 Tagen nach deren Einnahme. Sonst kann laut Packungsbeilage der Blutdruck plötzlich ansteigen; laut Fachinformation können starke Kopfschmerzen und weitere Zeichen einer hypertensiven Krise auftreten, außerdem schädliche Wirkungen auf das Nervensystem und gefährlich hohes Fieber, die lebensbedrohlich sein können. Zusammen mit Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRI ist es selten zu einem Serotonin-Syndrom gekommen. Die anregende Wirkung kann laut Fachinformation durch Haloperidol und Lithium gehemmt werden. [1, 2]

Wechselwirkungen von Lisdexamfetamin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
MAO-Hemmer (gegen Depressionen)Plötzlicher Blutdruckanstieg; laut Fachinformation kann eine hypertensive Krise mit starken Kopfschmerzen entstehen[1, 2]Nicht einnehmen, auch nicht innerhalb von 14 Tagen nach einem MAO-Hemmer
Mittel gegen schwere geistig-seelische Probleme (z. B. Haloperidol, Chlorpromazin) und LithiumKönnen die stimulierende Wirkung abschwächen[1, 2]Vorher Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Apotheke
Blutdrucksenkende oder blutdrucksteigernde MittelLisdexamfetamin kann die Wirkung blutdrucksenkender Mittel abschwächen[1, 2]Vorher Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Apotheke
Husten- und ErkältungsmittelManche enthalten Wirkstoffe, die den Blutdruck beeinflussen können[1]Beim Kauf in der Apotheke Rücksprache halten
Arzneimittel, die bei Operationen angewendet werden, z. B. SchmerzmittelLaut Fachinformation verstärken Amfetamine die schmerzlindernde Wirkung starker Schmerzmittel (Narkoanalgetika)[1, 2]Vorher Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Apotheke
Mittel, die den Säuregehalt des Urins verändern, z. B. Vitamin C (Ascorbinsäure) oder NatriumhydrogencarbonatSie verändern den Säuregehalt des Urins und damit, wie schnell der Wirkstoff ausgeschieden wird[1, 2]Vorher Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Apotheke
Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRISelten Serotonin-Syndrom[2]Ärztin oder Arzt informieren

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren, zu Eingriffen unter Psychopharmaka vor einer Operation.

Wer Lisdexamfetamin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Nicht anwenden bei

  • Allergie gegen Lisdexamfetamin, sympathomimetische Amine oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Einnahme eines MAO-Hemmers gegen Depressionen, auch in den letzten 14 Tagen[1, 2]
  • Schilddrüsenüberfunktion[1, 2]
  • Ungewöhnliche Erregung, übermäßige Aktivität oder Enthemmung[1, 2]
  • Herzprobleme, auch in der Vorgeschichte, etwa Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Schmerzen und Beschwerden im Brustkorb, Herzmuskelschwäche, Herzkrankheit oder angeborener Herzfehler[1, 2]
  • Hoher oder sehr hoher Blutdruck oder eine Verengung der Blutgefäße[1, 2]
  • Erhöhter Augeninnendruck (Glaukom)[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Früherer Missbrauch von oder Abhängigkeit von Alkohol, verschreibungspflichtigen Arzneimitteln oder illegalen Drogen, auch in der Vorgeschichte des Kindes: Lisdexamfetamin hat ein Potenzial für Missbrauch und Abhängigkeit; laut Fachinformation kann das Risiko für Fehlgebrauch bei Erwachsenen, besonders jungen Erwachsenen, größer sein als bei Kindern und Jugendlichen[1, 2]
  • Nierenprobleme[1]
  • Krampfanfälle oder auffällige Hirnstromkurven (EEG) in der Vorgeschichte[1, 2]
  • Tics: schwer zu kontrollierende Zuckungen oder Laute, auch in der Familie[1, 2]
  • Hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen in der eigenen oder familiären Vorgeschichte, Erkrankungen oder Arzneimittel, die anfällig für Herzrhythmus- oder Elektrolytstörungen machen, oder andere Herzprobleme[1, 2]
  • Schwerwiegende Herzerkrankungen wie strukturelle Herzfehler (Herzanomalien), Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien) oder schwerwiegende Herzrhythmusstörungen: Laut Fachinformation wurde unter Stimulanzien bei Kindern und Jugendlichen, darunter solchen mit diesen Erkrankungen, über lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Ereignisse berichtet, bei Erwachsenen, die Stimulanzien in üblichen Dosen gegen ADHS einnahmen, über lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Ereignisse, Schlaganfall und Herzinfarkt; welche Rolle die Stimulanzien in diesen Fällen spielten, ist auch bei Erwachsenen nicht bekannt. Menschen mit solchen Erkrankungen sollten generell nicht mit Stimulanzien behandelt werden[2]
  • Geistig-seelische Probleme: bipolare Störung, neues oder zunehmendes aggressives oder feindseliges Verhalten, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Misstrauen (Paranoia), Rastlosigkeit, Angst, Anspannung, Niedergeschlagenheit oder Schuldgefühle, Lisdexamfetamin kann diese Probleme verschlimmern[1, 2]
  • Wachstum und Gewicht: Lisdexamfetamin kann zu Gewichtsverlust und bei Kindern und Jugendlichen zu mangelnder Gewichtszunahme führen. Laut Fachinformation wurden Stimulanzien bei Kindern und Jugendlichen mit einer verlangsamten Gewichtszunahme und einer geringeren endgültigen Körpergröße in Verbindung gebracht. Körpergröße, Gewicht und Appetit werden regelmäßig kontrolliert; wächst ein Kind nicht wie erwartet oder verliert es Gewicht, kann die Ärztin oder der Arzt die Behandlung abbrechen[1, 2]
  • Kinder unter 6 Jahren: nicht angewendet, weil nicht bekannt ist, ob die Anwendung sicher ist oder nützt[1]
  • Doping- und Drogentests: Die Anwendung kann zu positiven Ergebnissen führen[1, 2]

Bei Kindern und Jugendlichen mit bekannten schwerwiegenden strukturellen Herzanomalien, Erkrankungen des Herzmuskels, schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen oder anderen schwerwiegenden Herzerkrankungen sollten Stimulanzien laut Fachinformation generell nicht angewendet werden; Erwachsene mit solchen Erkrankungen sollten ebenfalls generell nicht mit Stimulanzien behandelt werden. Patientinnen und Patienten mit Drogenmissbrauch oder -abhängigkeit in der Vorgeschichte sollten Stimulanzien nur mit Vorsicht verschrieben werden. Mehr zur Behandlung im Alter unter Psychopharmaka im Alter. [2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Zu möglichen Wechselwirkungen mit Alkohol liegen laut Fachinformation nur begrenzte Daten vor. Die Packungsbeilage nennt Alkohol im Zusammenhang mit früheren Problemen: Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie jemals ein Problem mit Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen hatten. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2]

Lisdexamfetamin kann Schwindel, Schläfrigkeit und Sehstörungen wie verschwommenes Sehen verursachen und einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit haben. Treten diese Wirkungen auf, sollten Sie laut Fachinformation gefährliche Tätigkeiten wie das Führen von Fahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen vermeiden. [1, 2] Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [12] Die Ausnahme für bestimmungsgemäß eingenommene, für einen konkreten Krankheitsfall verschriebene Arzneimittel in § 24a Abs. 4 StVG bezieht sich nur auf bestimmte Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG. [11] Mehr dazu unter Psychopharmaka und Autofahren.

Laut Packungsbeilage kann die Anwendung von Lisdexamfetamin bei Tests auf Drogengebrauch und bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen. [1, 2]

Embryotox gibt den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft für die therapeutische Anwendung von Amfetaminpräparaten insgesamt als sehr hoch an; Lisdexamfetamin wurde in den Studien in der Regel nicht getrennt ausgewertet. Laut Fachinformation sollte es in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen das mögliche Risiko für das ungeborene Kind rechtfertigt, und es darf in der Stillzeit nicht angewendet werden. Zur Stillzeit liegen laut Embryotox publizierte Erfahrungen mit Amfetaminen zu 19 Mutter-Kind-Paaren vor; auf eine reguläre Gewichtszunahme des Kindes ist in jedem Fall zu achten. Treten beim gestillten Kind anders nicht erklärbare Beschwerden wie Unruhe, Schläfrigkeit, Magen-Darm-Beschwerden oder Trinkschwäche auf, sollten laut Embryotox eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt und Embryotox kontaktiert werden. Setzen Sie Lisdexamfetamin nicht selbst ab; wenn Sie schwanger sind, stillen oder schwanger werden möchten, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Allgemeines unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. [2, 3]

Stimulanzien einschließlich Lisdexamfetamin haben laut Fachinformation ein Potenzial für Missbrauch, Fehlgebrauch, Abhängigkeit und Zweckentfremdung. Das Risiko für Fehlgebrauch kann bei Erwachsenen, besonders jungen Erwachsenen, größer sein als bei Kindern und Jugendlichen. Missbrauch von Amfetaminen kann zu Toleranz und seelischer Abhängigkeit mit auffälligem Verhalten führen, und es wurde über Entzugsbeschwerden wie Müdigkeit und Depressionen berichtet. Wird Lisdexamfetamin nicht bestimmungsgemäß angewendet, kann laut Packungsbeilage das Gefühl entstehen, das Arzneimittel aus anderen Gründen als der Behandlung der ADHS zu "brauchen". Mehr unter Machen Psychopharmaka abhängig? [1, 2]

Schwangerschaft

Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Abbauprodukte von Lisdexamfetamin gelangen über den Mutterkuchen zum Kind. Die verfügbaren Daten zur Einnahme in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zeigen keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko, aber ein erhöhtes Risiko für Präeklampsie (Bluthochdruck mit Eiweiß im Urin, üblicherweise nach der 20. Woche) und Frühgeburt. Neugeborene, die in der Schwangerschaft Amfetamin ausgesetzt waren, können Entzugserscheinungen entwickeln (Zittern, Reizbarkeit, starke Muskelanspannung). Lisdexamfetamin darf in der Schwangerschaft nur nach ausdrücklicher ärztlicher Anweisung angewendet werden.[1, 2]

Laut Embryotox ist der Erfahrungsumfang für die therapeutische Anwendung von Amfetaminpräparaten insgesamt sehr hoch; Studien mit etwa 6.200 Schwangerschaften ergaben keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko nach therapeutischer Anwendung von Amfetaminen; Lisdexamfetamin wurde dabei in der Regel nicht getrennt ausgewertet. Die Verordnung in der Schwangerschaft sollte kritisch geprüft werden; führt das Absetzen zu einer eindeutigen, alltagsrelevanten Verschlechterung der ADHS, hält Embryotox die Anwendung in allen Phasen der Schwangerschaft für akzeptabel. Nach Behandlung bis zur Geburt ist mit Anpassungsstörungen beim Neugeborenen zu rechnen; die Entbindung sollte in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Während der Einnahme von Lisdexamfetamin dürfen Sie nicht stillen: Abbauprodukte gehen in die Muttermilch über.[1, 2]

Laut Embryotox liegen publizierte Erfahrungen zum Stillen unter Amfetaminen zu 19 Mutter-Kind-Paaren vor. Embryotox beurteilt das Stillen unter Lisdexamfetamin, besonders in höheren Dosierungen, kritisch; allenfalls bei niedrig dosierter alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes hält es Stillen unter Vorbehalt für akzeptabel, in jedem Fall ist auf eine reguläre Gewichtszunahme zu achten. Treten beim Kind anders nicht erklärbare Beschwerden wie Unruhe, Schläfrigkeit, Magen-Darm-Beschwerden oder Trinkschwäche auf, sollten eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt und Embryotox kontaktiert werden.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Zu möglichen Wechselwirkungen mit Alkohol liegen laut Fachinformation begrenzte Daten vor. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie jemals ein Problem mit Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen hatten.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Lisdexamfetamin kann Schwindel, Probleme beim Scharfsehen oder verschwommenes Sehen verursachen; laut Fachinformation auch Schläfrigkeit. Dann sind Autofahren, das Bedienen von Maschinen, Radfahren, Reiten oder Klettern gefährlich.[1, 2]

Anwendung

Morgens vor dem Frühstück einnehmen, mit oder ohne Essen; wegen möglicher Schlafstörungen nicht am Nachmittag. Die Hartkapsel im Ganzen mit ausreichend Wasser schlucken oder öffnen und den gesamten Inhalt in Joghurt, Wasser oder Orangensaft vollständig verrühren und sofort ganz zu sich nehmen; nichts aufheben. Die Dosis einer Kapsel nicht aufteilen.[1]

Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge nehmen, sondern bis zum nächsten Tag warten.[1]

An einem sicheren Ort aufbewahren, zu dem andere Personen keinen Zugang haben, und nie an andere weitergeben, auch nicht bei scheinbar ähnlichen Beschwerden. Laut Checkliste zur sicheren Anwendung soll das Arzneimittel eines Kindes auch in der Schule sicher verwahrt werden; regelmäßiges Zählen der Kapseln hilft sicherzustellen, dass nur das Kind sie einnimmt.[1, 5]

Absetzen

Brechen Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache und nicht eigenmächtig abrupt ab; die ADHS-Beschwerden können zurückkehren.[1, 2]

Lisdexamfetamin sollte und muss nicht unbegrenzt eingenommen werden: Nach mehr als einem Jahr Einnahme sollte die Ärztin oder der Arzt die Behandlung kurz aussetzen, zum Beispiel in den Ferien, um zu prüfen, ob sie noch nötig ist.[1]

Überdosierung

Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen und sagen, wie viel eingenommen wurde.[1, 2]

Betäubungsmittel: Aufbewahrung und Reisen

Bewahren Sie Lisdexamfetamin laut Packungsbeilage an einem sicheren Ort auf, zu dem andere Personen keinen Zugang haben, denn es kann Menschen, denen es nicht verordnet wurde, schwer schaden; geben Sie es nicht an andere weiter, auch wenn die Beschwerden ähnlich erscheinen. Laut Fachinformation sollten Behandelte und Betreuungspersonen angeleitet werden, das Mittel ordnungsgemäß aufzubewahren und nicht verwendete Kapseln richtig zu entsorgen, damit es nicht etwa von Freunden oder Verwandten zweckentfremdet wird. Die mit dem BfArM abgestimmte Checkliste zur sicheren Anwendung nennt für Eltern unter anderem, das Arzneimittel des Kindes auch in der Schule sicher verwahren zu lassen und die Kapseln regelmäßig zu zählen. [1, 2, 5]

Wer mit Lisdexamfetamin in einen Staat des Schengener Abkommens reist, braucht laut BfArM für Reisen bis zu 30 Tagen eine von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ausgefüllte Bescheinigung nach Artikel 75 des Schengener Durchführungsübereinkommens. Sie muss vor Reiseantritt von der obersten Landesgesundheitsbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle beglaubigt werden, gilt höchstens 30 Tage und wird für jedes Betäubungsmittel gesondert ausgestellt; mitgeführt werden dürfen Betäubungsmittel nur für den eigenen Bedarf. Für Reisen in andere Staaten empfiehlt die Bundesopiumstelle eine mehrsprachige, ebenfalls beglaubigte ärztliche Bescheinigung; außerdem gelten die Bestimmungen des Ziel- oder Transitlandes. Mehr unter Reisen mit Psychopharmaka. [17]

Einnahme und Absetzen

Wie die Hartkapsel eingenommen oder geöffnet und eingerührt wird, steht oben in der Übersicht unter Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft. Bleibt nach dem Einrühren im Glas oder Behälter ein Film zurück, ist das laut Packungsbeilage nicht bedenklich; es handelt sich nicht um den Wirkstoff. Nehmen Sie nicht weniger als eine Hartkapsel täglich ein. [1, 2]

Brechen Sie die Einnahme nicht ohne vorherige Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab; laut Packungsbeilage sollten Sie sie nicht eigenmächtig abrupt abbrechen. Nach dem Abbrechen können die ADHS-Beschwerden wieder auftreten. In einer siebenwöchigen Studie mit Kindern und Jugendlichen stiegen die ADHS-Beschwerden nach dem Absetzen im Mittel nicht über die Werte vor der Behandlung an; die Fachinformation schließt daraus, dass ein Rebound-Effekt ausblieb. [1, 2]

Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Psychopharmaka absetzen und Medikament wechseln.

Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation

Die Angaben stammen aus der Packungsbeilage; die Angabe für eine schwere Einschränkung der Nierenfunktion stammt aus der Fachinformation. Die Ärztin oder der Arzt sagt Ihnen, welche Wirkstärke Sie täglich einnehmen, und kann die Dosis später erhöhen. [1, 2]

Präparate mit Lisdexamfetamin

Präparate mit Lisdexamfetamin
PräparatAnbieterHinweis
Elvanse adultBetäubungsmittel
Lisdexamfetamin-ratiopharmratiopharm GmbHHartkapseln mit 20 bis 70 mg, Betäubungsmittel; Grundlage dieser Seite
Lisdexamfetamin-ratiopharm Erwachseneratiopharm GmbHHartkapseln, Betäubungsmittel; eigene Packungsbeilage

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm 20 mg bis 70 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox: Lisdexamfetamin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III, Eintrag Lisdexamfetamin. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 10.10.2026
  5. Checkliste zur sicheren Anwendung für Patientinnen/Patienten und Betreuungspersonen, Lisdexamfetamin (behördlich beauflagtes Schulungsmaterial, mit dem BfArM abgestimmt). ratiopharm GmbH. Stand 06/2024. abgerufen am 10.10.2026
  6. Leitlinie S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Langfassung, Version 2.0 (AWMF-Register-Nr. 028-045), Fassung für die Konsultationsphase (Entwurf), Abschnitte 1.5.5 und 1.5.6 (Untersuchungen vor und während einer medikamentösen Behandlung). Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), DGPPN und Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) als federführende Fachgesellschaften (Koordination: Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim). Stand Version 2.0, Fassung für die Konsultationsphase (PDF vom 19.05.2026). abgerufen am 22.10.2026
  7. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  8. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  9. Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  10. Gesetz § 13 Betäubungsmittelgesetz (BtMG): Verschreibung und Abgabe auf Verschreibung (Abs. 1). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  11. Gesetz § 8 Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV): Betäubungsmittelrezept (Abs. 1 und 2). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  12. Gesetz § 12 Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV): Abgabe (Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe c). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  13. Behörde Reisen mit Betäubungsmitteln (Abschnitte Reisen in Staaten des Schengener Abkommens und Reisen in andere Staaten). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bundesopiumstelle. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 23.10.2026
  14. Behörde Arzneimittel-Richtlinie, Anlage III: Übersicht über Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse (Nr. 44 Stimulantien). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand letzte Änderung in Kraft getreten am 03.10.2026. abgerufen am 23.10.2026
  15. Was kann Kindern und Jugendlichen mit ADHS helfen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026
  16. Behandlung von ADHS bei Erwachsenen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026

Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Lisdexamfetamin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Wie schnell und wie lange wirkt Lisdexamfetamin?

Einen Zeitpunkt für den Wirkungseintritt nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht; in einer Studie mit Kindern war die höchste Konzentration des wirksamen Dexamfetamin im Blut laut Fachinformation nach etwa 3,5 Stunden erreicht. Laut Packungsbeilage wirkt Lisdexamfetamin über einen Zeitraum von 13 Stunden stetig; in Studien hielt die Wirkung nach der Einnahme am Morgen bei Kindern 13 und bei Erwachsenen 14 Stunden an. Geht es Ihnen nach einem Monat nicht besser, informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Wie hoch ist die Dosis von Lisdexamfetamin?

Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest, und sie oder er sagt Ihnen, welche Wirkstärke Sie täglich einnehmen. Was die Packungsbeilage als Anfangs- und Tageshöchstdosis nennt und was bei Nierenproblemen und im Alter gilt, steht im Abschnitt Dosierung. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.

Darf ich mit Lisdexamfetamin Alkohol trinken?

Zu möglichen Wechselwirkungen mit Alkohol liegen laut Fachinformation nur begrenzte Daten vor. Die Packungsbeilage nennt Alkohol nur im Zusammenhang mit früheren Problemen: Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie jemals ein Problem mit Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen hatten. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, was für Sie gilt; mehr unter Psychopharmaka und Alkohol.

Was gilt beim Autofahren mit Lisdexamfetamin?

Lisdexamfetamin kann Schwindel, Schläfrigkeit und Sehstörungen verursachen; treten sie auf, sollten Sie laut Fachinformation das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen vermeiden. Was § 316 StGB und § 24a Abs. 4 StVG regeln, steht im Abschnitt Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft.

Macht Lisdexamfetamin abhängig?

Stimulanzien einschließlich Lisdexamfetamin haben laut Fachinformation ein Potenzial für Missbrauch, Fehlgebrauch, Abhängigkeit und Zweckentfremdung; das Risiko für Fehlgebrauch kann bei Erwachsenen, besonders jungen Erwachsenen, größer sein als bei Kindern und Jugendlichen. Missbrauch von Amfetaminen kann zu Toleranz und seelischer Abhängigkeit führen. Wird Lisdexamfetamin nicht bestimmungsgemäß angewendet, kann laut Packungsbeilage das Gefühl entstehen, das Mittel aus anderen Gründen als der ADHS zu "brauchen". Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie jemals ein Problem mit Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen hatten.

Wie setzt man Lisdexamfetamin ab?

Brechen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage nicht ohne vorherige Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab und nicht eigenmächtig abrupt; nach dem Abbrechen können die ADHS-Beschwerden wieder auftreten. Wird es länger als ein Jahr eingenommen, sollte die Ärztin oder der Arzt die Behandlung für kurze Zeit aussetzen, etwa in den Ferien, um zu prüfen, ob sie noch nötig ist. Wann und wie die Behandlung endet, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Darf ich Lisdexamfetamin in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?

In der Schwangerschaft darf Lisdexamfetamin laut Packungsbeilage nur nach ausdrücklicher ärztlicher Anweisung angewendet werden; während der Einnahme dürfen Sie laut Packungsbeilage nicht stillen. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang für Amfetaminpräparate in der Schwangerschaft insgesamt als sehr hoch an und hält das Stillen allenfalls bei niedrig dosierter alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel. Setzen Sie Lisdexamfetamin nicht selbst ab und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten.

Verliert man mit Lisdexamfetamin Gewicht?

Das ist möglich: Gewichtsverlust ist laut Packungsbeilage bei Kindern und Jugendlichen sehr häufig, kann also mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen, und insgesamt häufig. Bei Kindern und Jugendlichen kann Lisdexamfetamin zu mangelnder Gewichtszunahme führen. Die Ärztin oder der Arzt kontrolliert Gewicht und Essverhalten, bei Kindern auch die Größe; wer nicht wie erwartet wächst oder Gewicht verliert, muss die Behandlung möglicherweise unterbrechen.

Wenn es Ihnen gerade sehr schlecht geht: Notruf 112 · TelefonSeelsorge 0800 111 0 111, 0800 111 0 222, 116 123 · Hilfe in der Krise

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Medikamente Methylphenidat

    Methylphenidat ist ein Stimulans gegen ADHS und ein Betäubungsmittel.

  • Medikamente Atomoxetin

    Atomoxetin ist ein ADHS-Medikament, das nicht zu den Stimulanzien gehört.

  • Medikamente Guanfacin

    Guanfacin ist ein ADHS-Medikament für Kinder und Jugendliche, das kein Stimulans ist.

  • Nebenwirkungen Absetzsymptome

    Beim Absetzen von Psychopharmaka können vorübergehend Beschwerden auftreten.