Behandlung
Was sind Psychopharmaka?
Psychopharmaka sind Medikamente zur Behandlung seelischer Erkrankungen, zum Beispiel Antidepressiva, Antipsychotika, Beruhigungs- und Schlafmittel, Stimmungsstabilisierer, Mittel gegen ADHS und Antidementiva. Die Gruppen setzen an unterschiedlichen Botenstoffen im Gehirn an und unterscheiden sich in Einsatz, Nebenwirkungen und Risiken. Ob und welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Psychopharmaka sind laut der Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression Medikamente zur Behandlung seelischer Erkrankungen [2]. Eingesetzt werden sie zum Beispiel bei Depressionen, Psychosen, bipolaren Störungen, schweren Angst- und Spannungszuständen, ADHS oder einer Alzheimer-Demenz [1, 2, 5, 6, 7, 8, 9]. Unter dem Begriff stehen sehr verschiedene Mittel: Antidepressiva, Antipsychotika, Beruhigungs- und Schlafmittel, Stimmungsstabilisierer, Mittel gegen ADHS und Antidementiva. Die Gruppen setzen an unterschiedlichen Botenstoffen im Gehirn an und haben jeweils eigene Risiken. Einzelheiten zu jedem Mittel stehen auf den Seiten der Wirkstoffgruppen und der Wirkstoffe.
Viele Menschen mit Depressionen zögern laut IQWiG, Medikamente gegen psychische Beschwerden zu nehmen, oder fürchten, davon abhängig zu werden; manche haben auch Angst, nicht "normal" zu sein, wenn sie Psychopharmaka nehmen. Das Institut betont, dass man sich dafür nicht schämen muss, ebenso wenig wie bei Medikamenten gegen körperliche Erkrankungen. Laut IQWiG ist es wichtig, dass Sie Bedenken offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen [4].
Welche Psychopharmaka gibt es?
Eine einheitliche Einteilung gibt es nicht. Die S3-Leitlinie zu bipolaren Störungen nennt die Einteilung der dort eingesetzten Medikamente in Gruppen oder Klassen problematisch, weil unterschiedliche Einteilungsprinzipien verwendet werden und es Überlappungen gibt; den Begriff "Stimmungsstabilisierer" hält sie für ungenau [6]. Innerhalb der Gruppen wird weiter unterteilt: Antidepressiva laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression nach ihrer Strukturformel oder ihrem Wirkmechanismus, Antipsychotika laut S3-Leitlinie Schizophrenie nach chemischer Struktur, antipsychotischer Potenz und dem Spektrum ihrer Wirkungen und Nebenwirkungen [1, 5].
| Gruppe | Wofür sie vor allem eingesetzt werden | Wirkstoffe (Beispiele) |
|---|---|---|
| Antidepressiva | Behandlung von Depressionen [1, 2] | Citalopram, Sertralin, Venlafaxin, Mirtazapin, Amitriptylin, Bupropion |
| Antipsychotika (früher Neuroleptika) | vor allem psychotische Symptome, etwa bei Schizophrenie; laut Patientenleitlinie zur NVL auch bei einer Depression mit psychotischen Symptomen oder zusätzlich, wenn ein Antidepressivum allein nicht ausreicht. Für diese Ergänzung ist laut NVL Quetiapin zugelassen; Aripiprazol, Olanzapin und Risperidon sind dafür nicht zugelassen [1, 2, 5] | Aripiprazol, Haloperidol, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon |
| Benzodiazepine | laut Patientenleitlinie Schlafstörungen, Ängste und innere Unruhe, auch Krampfanfälle; Lorazepam laut Fachinformation zur kurzzeitigen Behandlung schwerwiegender Angst-, Spannungs- und Erregungszustände [2, 8] | Diazepam, Lorazepam |
| Z-Substanzen | Schlaf- und Beruhigungsmittel, die den Benzodiazepinen ähneln [2] | Zolpidem, Zopiclon |
| Stimmungsstabilisierer | bipolare Störungen, auch zur Vorbeugung weiterer Krankheitsphasen (Phasenprophylaxe) [6] | Lithium, Carbamazepin, Lamotrigin, Valproinsäure |
| ADHS-Medikamente | ADHS; Methylphenidat laut Fachinformation bei Kindern ab 6 Jahren und bei Erwachsenen im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie [9] | Methylphenidat |
| Antidementiva | Alzheimer-Demenz, als symptomatische Behandlung [7] | Donepezil, Galantamin, Rivastigmin, Memantin |
Der Begriff Neuroleptikum entstand in den 1950er-Jahren und lässt sich laut S3-Leitlinie Schizophrenie mit "Nervendämpfungsmittel" übersetzen; er rückte die dämpfenden und beruhigenden Eigenschaften der ersten Mittel in den Vordergrund. Mit modernen Antipsychotika, die nahezu keine oder wenige Bewegungsstörungen auslösen und zum Teil nicht beruhigend wirken, hat er seine Bedeutung verloren. Die Leitlinie gibt deshalb dem Begriff Antipsychotikum den Vorzug, der eine Gruppe von Medikamenten gegen psychotische Symptome bezeichnet [5]. Als Stimmungsstabilisierer bezeichnet die S3-Leitlinie zu bipolaren Störungen Lithium sowie die Antikonvulsiva (Mittel gegen Krampfanfälle) Carbamazepin, Valproinsäure und Lamotrigin; Antipsychotika werden dort zum Teil ebenfalls zur Stimmungsstabilisierung oder Phasenprophylaxe eingesetzt [6].
Benzodiazepine und Antipsychotika haben laut NVL keine spezifisch antidepressive Wirkung, werden bei Depressionen aber in bestimmten Situationen eingesetzt [1]. Benzodiazepine können depressive Beschwerden laut Patientenleitlinie nicht lindern und sind bei einer Depression deshalb in der Regel nicht geeignet [2]. Johanniskraut ist eine Pflanze, deren Inhaltsstoffe zum Teil gegen Depressionen wirken; welche davon über welchen Mechanismus, ist laut NVL nicht abschließend geklärt (siehe Pflanzliche Mittel) [1, 2].
Wie Psychopharmaka wirken
Im Gehirn sind laut Patientenleitlinie Milliarden Nervenzellen über ihre Ausläufer, die Nervenfasern, miteinander verbunden. Wo sich die Fasern zweier Zellen berühren, bleibt ein winziger Spalt, der synaptische Spalt. Dort gibt die eine Zelle einen Botenstoff ab, der durch den Spalt wandert, an der Nachbarzelle andockt und so das Signal weitergibt [2]. Solche Botenstoffe heißen auch Neurotransmitter, ihre Andockstellen Rezeptoren. Die Gruppen der Psychopharmaka greifen an unterschiedlichen Stellen in diese Signalübertragung ein:
- Antidepressiva erhöhen laut NVL fast alle auf unterschiedlichem Weg die Menge der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin, eventuell auch Dopamin, im synaptischen Spalt. Ob ein Mangel an diesen Botenstoffen eine Depression verursacht, ist heute umstritten [1]. Mehr dazu unter Wie wirken Antidepressiva?
- Alle Antipsychotika können laut S3-Leitlinie Schizophrenie bestimmte Andockstellen für den Botenstoff Dopamin im Gehirn besetzen, die D2-Rezeptoren, mit unterschiedlicher Stärke. Gemeinsam ist allen eine Blockade dieser Rezeptoren im mesolimbischen System, einem der Dopamin-Systeme des Gehirns, dessen Überfunktion hauptsächlich für die sogenannten Positivsymptome der Schizophrenie verantwortlich gemacht wird. Werden Dopamin-Rezeptoren in dem System blockiert, das die extrapyramidale, also unwillkürliche Motorik steuert, können Bewegungsstörungen entstehen; in einem anderen System, das die Freisetzung von Hormonen der Hirnanhangdrüse steuert, kann das Hormon Prolaktin ansteigen [5].
- Das Benzodiazepin Lorazepam bindet laut seiner Fachinformation an Bindungsstellen im Zentralnervensystem, die sogenannten Benzodiazepin-Rezeptoren. Sie sind eng mit den Rezeptoren des hemmenden Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure (GABA) verbunden, und Lorazepam verstärkt dessen hemmende Wirkung. Laut Fachinformation dämpft Lorazepam Angst, Spannung und Erregung, wirkt beruhigend und schlaffördernd, entspannt die Muskeln und wirkt gegen Krampfanfälle [8]. Z-Substanzen heißen in der Fachsprache Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten; sie sind etwas anders aufgebaut, wirken laut Patientenleitlinie ähnlich wie Benzodiazepine, aber kürzer [2].
- Lithium zählt laut NVL im engeren Sinn nicht zu den Antidepressiva. Es beeinflusst auf komplexe Weise die Signalübertragung innerhalb der Zellen, mit Folgen für die Regulation der Botenstoffe und für die Aktivität von Genen [1]. Die Patientenleitlinie beschreibt es als ein in der Natur vorkommendes Salz, das die Stimmung stabilisiert [2].
- Methylphenidat ist laut Fachinformation ein leichtes Stimulans des Zentralnervensystems. Wie es bei ADHS wirkt, ist nicht bekannt; es gilt als Hemmer der Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin in die Nervenzelle und erhöht deren Freisetzung [9].
- Bei den Antidementiva nennt die S3-Leitlinie Demenzen die Acetylcholinesterasehemmer Donepezil, Galantamin und Rivastigmin, zugelassen bei leichter und mittelschwerer Alzheimer-Demenz, sowie Memantin, das den NMDA-Rezeptor blockiert und bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz zugelassen ist. Die Leitlinie bezeichnet beide Behandlungen als symptomatisch [7].
Wann Psychopharmaka eingesetzt werden

Eine allein auf Medikamenten beruhende Behandlung von Depressionen hält die NVL nicht für ausreichend; sie empfiehlt grundsätzlich, Medikamente in ein Gesamtkonzept einzubetten: eine Grundversorgung mit Gesprächen, die sich mit weiteren unterstützenden und psychosozialen Angeboten kombinieren lässt [1]. Antidepressiva kommen laut IQWiG vor allem bei mittelschweren und schweren Depressionen infrage, oft zusammen mit einer Psychotherapie; bei leichten Depressionen helfen sie kaum oder gar nicht [3]. Wie beides zusammenwirkt, steht unter Psychotherapie und Medikamente.
Bei ADHS ist Methylphenidat laut Fachinformation im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie angezeigt, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben; die Behandlung muss eine auf ADHS spezialisierte Ärztin oder ein spezialisierter Arzt einleiten und überwachen [9]. Angst- und Spannungszustände infolge von gewöhnlichem Alltagsstress sollten laut Fachinformation von Lorazepam normalerweise nicht mit einem Tranquilizer, also einem Beruhigungsmittel dieser Art, behandelt werden [8].
Bei Depressionen sollen Entscheidungen zu Diagnostik und Behandlung laut NVL nach dem Konzept der partizipativen Entscheidungsfindung fallen, also gemeinsam mit Ihnen ("soll") [1]. Das IQWiG rät, die Vor- und Nachteile einer Behandlung mit Antidepressiva mit der Ärztin oder dem Arzt abzuwägen. Eine Rolle spielen unter anderem die Stärke der Beschwerden, ob gleichzeitig eine Psychotherapie läuft oder geplant ist, ob früher schon Antidepressiva geholfen haben und wie schwer Nebenwirkungen im Verhältnis zum möglichen Nutzen wiegen [3]. Wer Psychopharmaka verordnet, steht unter Wer verschreibt Psychopharmaka?
Machen Psychopharmaka abhängig?
Das unterscheidet sich je nach Gruppe. Lorazepam hat laut Fachinformation ein primäres Abhängigkeitspotenzial: Schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich. Das Risiko steigt mit der Dauer der Einnahme und der Dosis; grundsätzlich sollten Benzodiazepine laut dieser Fachinformation nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen [8]. Die Patientenleitlinie schreibt, dass sich der Körper schon nach 2 Wochen an ein Benzodiazepin gewöhnen und sich nach 4 Wochen eine Abhängigkeit entwickeln kann. Auch Z-Substanzen können abhängig machen [2]. Um Abhängigkeit zu vermeiden, nennt die Patientenleitlinie für Benzodiazepine einfache Regeln von Fachleuten [2]:
- nur einnehmen, wenn die Notwendigkeit ärztlich geprüft ist
- die kleinste wirksame Dosis nehmen
- so kurz wie möglich einnehmen
- nicht abrupt absetzen, weil sonst Entzugserscheinungen auftreten können, und mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, wie Sie schrittweise absetzen
Antidepressiva machen laut IQWiG anders als viele Schlaf- und Beruhigungsmittel nicht körperlich abhängig oder süchtig; beim Absetzen kann es aber vorübergehend zu Beschwerden wie Schlaflosigkeit und Unruhe kommen [4]. Eine Abhängigkeit im Sinne der Definition ist laut NVL formell nicht gegeben, weil von den Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung nur zwei erfüllt sind, die Toleranzentwicklung und die Entzugssymptome. Bei Tianeptin weist die NVL auf eine mögliche missbräuchliche Verwendung hin [1]. Wie das Absetzen abläuft, erklärt Antidepressiva absetzen.
Methylphenidat ist laut Fachinformation verschreibungspflichtig und ein Betäubungsmittel. Chronischer Missbrauch kann zu ausgeprägter Toleranz und psychischer Abhängigkeit führen; bei Menschen mit bekannter Drogen- oder Alkoholabhängigkeit sollte es nur mit Vorsicht angewendet werden [9]. Mehr zu diesem Thema unter Abhängigkeit von Medikamenten und Benzodiazepine absetzen.
Nebenwirkungen und Warnzeichen
Ob, wie häufig und welche Nebenwirkungen auftreten, hängt laut IQWiG bei Antidepressiva auch vom Wirkstoff und der Dosierung ab [3]. Die Patientenleitlinie schreibt, dass alle Antidepressiva Nebenwirkungen haben können, die sich meist körperlich äußern, etwa Mundtrockenheit, Schlafprobleme, ein veränderter Blutdruck oder sexuelle Funktionsstörungen; einige treten vor allem zu Beginn der Behandlung auf und lassen mit der Zeit nach oder verschwinden ganz [2]. Trizyklische Antidepressiva blockieren laut NVL zusätzlich eine Reihe weiterer Rezeptoren, wodurch zusätzliche Wirkungen und Nebenwirkungen entstehen [1].
Bei Antipsychotika kann die Blockade von Dopamin-Rezeptoren laut S3-Leitlinie Schizophrenie Bewegungsstörungen und eine Erhöhung von Prolaktin hervorrufen [5]. Benzodiazepine können laut Patientenleitlinie zum Beispiel Tagesmüdigkeit, Atemstörungen sowie Gedächtnis- oder Konzentrationsprobleme verursachen. Weil sie die Muskeln entspannen, können sie besonders bei älteren Menschen zu Stürzen führen, und sie können schwere Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben [2]. Wie häufig eine Nebenwirkung bei einem bestimmten Mittel ist, steht in seiner Packungsbeilage und auf seiner Wirkstoffseite. Einzelne Beschwerden erklären die Seiten Gewichtszunahme, Müdigkeit, sexuelle Funktionsstörungen, Bewegungsstörungen und Prolaktin; mehrere Wirkstoffe nebeneinander zeigt das Werkzeug Nebenwirkungen vergleichen.
Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva kann laut NVL aus der Aktivierung sowie aus Nebenwirkungen wie innerer und motorischer Unruhe, Schlafstörungen oder Angst ein erhöhtes Suizidrisiko entstehen. Während die Dosis gesteigert wird und bis die Wirkung einsetzt, soll die Verträglichkeit deshalb sorgfältig überwacht und besonders auf Zeichen eines steigenden Suizidrisikos geachtet werden ("soll") [1]. Auch die Patientenleitlinie schreibt, dass Antidepressiva zu Beginn der Behandlung möglicherweise das Risiko für Suizidgedanken und Suizidversuche erhöhen [2]. Wenn Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun oder nicht mehr leben zu wollen, holen Sie sofort Hilfe.
Rezept und Kontrollen
Ob ein Psychopharmakon verschreibungspflichtig ist oder als Betäubungsmittel gilt, unterscheidet sich je nach Wirkstoff. Lorazepam ist laut Fachinformation verschreibungspflichtig, Methylphenidat verschreibungspflichtig und ein Betäubungsmittel [8, 9]. Johanniskraut ist nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung nur zur Behandlung mittelschwerer Depressionen verschreibungspflichtig [10]. Die Patientenleitlinie weist darauf hin, dass es Johanniskraut auch in Drogerien und Supermärkten gibt, Art und Menge der enthaltenen Wirkstoffe dort aber sehr unterschiedlich sind; bei als Arzneimittel zugelassenen Präparaten aus der Apotheke ist das genau festgelegt. Weil Johanniskraut die Wirkung anderer Medikamente abschwächen kann, sollten Sie es laut Patientenleitlinie nie ohne ärztliche Absprache einnehmen, auch wenn es frei verkäuflich ist [2]. Den Status jedes Wirkstoffs zeigt der Steckbrief auf seiner Seite; zu Rezept und Zuzahlung siehe Kosten und Rezept.
Bei Antidepressiva sollen nach Meinung der Leitliniengruppe vor und während der Behandlung das Blutbild und die Leberwerte untersucht werden; auch Kontrollen von Körpergewicht, Puls, Blutdruck und EKG hält sie für ratsam [2]. Welche Untersuchungen bei anderen Mitteln vorgesehen sind, steht in deren Fachinformation und auf der Seite Kontrollen und Blutwerte.
Im Alltag mit Psychopharmaka
Damit Antidepressiva wirken, müssen Sie sie laut Patientenleitlinie regelmäßig, in ausreichender Dosis und über einen angemessenen Zeitraum einnehmen. Ein zu frühes Absetzen, weil es schon besser geht, kann einen Rückfall zur Folge haben, und die Dosis sollten Sie auf keinen Fall eigenständig verändern [2]. Setzen Sie auch andere Psychopharmaka nicht eigenmächtig ab; Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt (mehr unter Psychopharmaka absetzen).
Manche Arzneimittel verstärken oder mindern sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Die Patientenleitlinie rät deshalb, eine Medikamentenliste zum Arztgespräch mitzubringen, und schlägt Fragen vor, etwa welche Nebenwirkungen zu erwarten sind, wann sich eine Wirkung zeigen sollte und was passiert, wenn man die Medikamente nicht oder nur unregelmäßig einnimmt [2]. Was zu Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft und höherem Alter gilt, steht unter Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft und Psychopharmaka im Alter.
Quellen
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005), Kapitel 3.4, 4.4.1, 4.4.2, 4.4.5, 4.4.8, 7.1.3.1 und Anhang 4. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0, Kapitel 4 (Fragen für das Planungsgespräch), Kapitel Medikamente und Wörterbuch. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
- Wie wirksam sind Antidepressiva?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 13.12.2023. abgerufen am 23.10.2026
- Erfahrungen mit Antidepressiva (Abschnitte zu Vorbehalten). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 13.12.2023. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009), Abschnitt Antipsychotika (Begriff, Wirkprinzip, Klassifikation). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, Langversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 038-019), Kapitel 5.1.2.1 Pharmakotherapie. Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) und DGPPN. Stand Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.03.2023. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Demenzen, Living Guideline, Version 6.1 (AWMF-Register-Nr. 038-013), Abschnitt 5.2.2.1 Antidementive Pharmakotherapie. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Stand Fassung vom 27.04.2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Johanniskraut. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was sind Psychopharmaka, einfach erklärt?
Psychopharmaka sind Medikamente zur Behandlung seelischer Erkrankungen, zum Beispiel Antidepressiva und Antipsychotika. Sie verändern die Signalübertragung zwischen Nervenzellen, bei der Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin oder GABA Signale von Zelle zu Zelle weitergeben. Die Gruppen setzen dabei an unterschiedlichen Stellen an.
Welche Psychopharmaka gibt es?
Zu den großen Gruppen gehören Antidepressiva, Antipsychotika, Beruhigungs- und Schlafmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen, Stimmungsstabilisierer wie Lithium, Mittel gegen ADHS wie Methylphenidat und Antidementiva. Eine einheitliche Einteilung gibt es nicht; die S3-Leitlinie zu bipolaren Störungen nennt die Einteilung der dort eingesetzten Medikamente in Gruppen problematisch.
Was ist der Unterschied zwischen Psychopharmaka und Neuroleptika?
Psychopharmaka ist der Oberbegriff. Neuroleptika sind eine Gruppe davon, die die S3-Leitlinie Schizophrenie Antipsychotika nennt; der ältere Begriff "Neuroleptikum" betonte dämpfende Eigenschaften, die moderne Wirkstoffe zum Teil nicht haben. Antipsychotika werden vor allem gegen psychotische Symptome eingesetzt.
Machen Psychopharmaka abhängig?
Das hängt von der Gruppe ab. Benzodiazepine und Z-Substanzen können abhängig machen; laut Fachinformation von Lorazepam besteht schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen die Gefahr einer Abhängigkeit. Antidepressiva machen laut IQWiG nicht körperlich abhängig oder süchtig, beim Absetzen können aber Beschwerden auftreten. Methylphenidat ist ein Betäubungsmittel; chronischer Missbrauch kann zu psychischer Abhängigkeit führen.
Wie wirken Psychopharmaka?
Sie greifen in die Signalübertragung zwischen Nervenzellen ein. Antidepressiva erhöhen laut NVL fast alle die Menge von Serotonin und Noradrenalin im synaptischen Spalt, Antipsychotika blockieren Andockstellen für Dopamin, und das Benzodiazepin Lorazepam verstärkt laut Fachinformation die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA. Wie genau Antidepressiva gegen eine Depression helfen, ist nicht vollständig geklärt.
Gibt es Psychopharmaka ohne Rezept?
Johanniskraut ist nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung nur zur Behandlung mittelschwerer Depressionen verschreibungspflichtig. Die Patientenleitlinie rät, es auch frei verkäuflich nie ohne ärztliche Absprache einzunehmen, weil es die Wirkung anderer Medikamente abschwächen kann. Ob ein anderes Mittel verschreibungspflichtig ist, zeigt der Steckbrief seiner Wirkstoffseite.
Soll ich Psychopharmaka nehmen oder nicht?
Das lässt sich nur im Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt klären. Bei Depressionen sollen Entscheidungen laut NVL gemeinsam getroffen werden; das IQWiG rät, Vor- und Nachteile abzuwägen, zum Beispiel die Stärke der Beschwerden, frühere Erfahrungen mit Antidepressiva und mögliche Nebenwirkungen. Sprechen Sie Ihre Bedenken offen an.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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Behandlung Wie lange behandeln?Wie lange ein Psychopharmakon genommen wird, hängt von Erkrankung und Mittel ab.
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