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SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer)

SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) sind Antidepressiva, die gezielt die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin hemmen. Zur Gruppe gehören Venlafaxin, Duloxetin, Milnacipran und Desvenlafaxin; alle werden bei Depressionen eingesetzt, Venlafaxin und Duloxetin sind zusätzlich für Angststörungen zugelassen, Duloxetin auch für Schmerzen bei Nervenschäden durch Diabetes (diabetische Polyneuropathie). Als wichtige Nebenwirkungen von SNRI wie Venlafaxin und Duloxetin nennt die NVL neben Übelkeit und Schlafstörungen auch Bluthochdruck, Mundtrockenheit und zum Teil ausgeprägte Absetzsymptome.

Frau Ende fünfzig mit kurzen grauen Haaren dehnt sich am Morgen in einem hellen Wohnzimmer auf einer Gymnastikmatte
Bild: KI-generiert

Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SNRI, sind Antidepressiva, die laut NVL Unipolare Depression gezielt hemmen, dass die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin aus dem Spalt zwischen zwei Nervenzellen wieder aufgenommen werden. Über solche Botenstoffe geben Nervenzellen im Gehirn Signale weiter. Als Wirkstoffe dieser Gruppe nennt die NVL Venlafaxin, Duloxetin und Milnacipran; sie kürzt die Gruppe meist mit SSNRI ab. [1]

Die Fachinformationen beschreiben die Wirkung im Einzelnen. Venlafaxin und sein wirksames Abbauprodukt O-Desmethylvenlafaxin hemmen laut präklinischen Studien die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin, Venlafaxin außerdem schwach die von Dopamin; laut Embryotox hemmt Venlafaxin die Wiederaufnahme von Noradrenalin vor allem in höheren Dosierungen. Duloxetin ist ein kombinierter Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer mit geringer Wirkung auf Dopamin; seine schmerzhemmende Wirkung erklärt man sich laut Fachinformation über eine Verstärkung der absteigenden schmerzhemmenden Nervenbahnen. Milnacipran ist laut Fachinformation ein dualer Wiederaufnahmehemmer von Serotonin und Noradrenalin. Desvenlafaxin gehört laut seiner Packungsbeilage ebenfalls zu den SNRI; laut Embryotox ist es das wirksame Abbauprodukt O-Desmethylvenlafaxin, zu dem Venlafaxin in der Leber vor allem umgewandelt wird. [2, 3, 4, 5, 7]

Eingesetzt werden alle vier bei Depressionen. Venlafaxin und Duloxetin sind laut Fachinformation zusätzlich für Angststörungen zugelassen, Duloxetin außerdem für Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie. Wie Antidepressiva insgesamt wirken, erklärt die Seite Wie wirken Antidepressiva? [2, 3, 4, 5]

Wofür SNRI zugelassen sind

In den Fachinformationen heißen depressive Erkrankungen meist "Episoden einer Major Depression". Die Übersicht nennt, was Abschnitt 4.1 der Fachinformation bzw. bei Desvenlafaxin die Packungsbeilage als Anwendungsgebiet angibt. [2, 3, 4, 5]

Anwendungsgebiete der SNRI laut Produktinformation (Fachinformation Abschnitt 4.1, bei Desvenlafaxin Packungsbeilage)
WirkstoffAnwendungsgebieteKinder und Jugendliche
DesvenlafaxinDepressionen bei Erwachsenensollte unter 18 Jahren normalerweise nicht angewendet werden
Duloxetinbei Erwachsenen: depressive Erkrankungen (Major Depression), Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie, generalisierte Angststörungdarf unter 18 Jahren nicht angewendet werden
MilnacipranEpisoden einer Major Depression bei Erwachsenensollte unter 18 Jahren nicht angewendet werden
VenlafaxinEpisoden einer Major Depression und Vorbeugung erneuter Episoden (Rezidivprophylaxe), generalisierte Angststörung, soziale Angststörung, Panikstörung mit oder ohne Agoraphobiesollte unter 18 Jahren nicht angewendet werden

Die Vorbeugung erneuter depressiver Episoden (Rezidivprophylaxe) führt unter diesen Produktinformationen nur die Fachinformation von Venlafaxin als eigenes Anwendungsgebiet. Für Antidepressiva allgemein empfiehlt die NVL bei einer Depression, die Einnahme über das Abklingen der Beschwerden hinaus fortzusetzen (siehe Wirkungseintritt und Dauer). Duloxetin wird laut Fachinformation unter verschiedenen Handelsnamen auch gegen Belastungsharninkontinenz angewendet; mehr als eines dieser Arzneimittel gleichzeitig anzuwenden, sollte vermieden werden. [1, 2, 3, 4, 5]

Wirkstoffe der Gruppe

  • Desvenlafaxinz. B. DesveneuraxDepression
  • Duloxetinz. B. Cymbalta, Duloxalta, Duloxetin AbZDepression, generalisierte Angststörung, Nervenschmerzen bei Diabetes
  • Milnacipranz. B. Milnacipran Glenmark, Milnacipran Micro Labs, MilnaneuraxDepression
  • Venlafaxinz. B. Trevilor retard, Venlafaxin - 1 A Pharma, Venlafaxin AurobindoDepressionen, generalisierte Angststörung, soziale Angststörung, Panikstörung

Einige Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen gelten nur für einzelne Wirkstoffe. Duloxetin darf laut Fachinformation nicht bei einer Lebererkrankung mit eingeschränkter Leberfunktion und nicht bei schwerer Einschränkung der Nierenfunktion angewendet werden, außerdem nicht zusammen mit Fluvoxamin, Ciprofloxacin oder Enoxacin, die als starke Hemmer des Enzyms CYP1A2 den Duloxetin-Spiegel erhöhen. Bei unkontrolliertem Bluthochdruck darf eine Behandlung mit Duloxetin nicht begonnen werden, Milnacipran ist dann ebenso wie bei schwerer oder instabiler koronarer Herzkrankheit kontraindiziert. Bei Milnacipran verlangt die Fachinformation außerdem Vorsicht bei Störungen der Harnentleerung in der Vorgeschichte, besonders bei einer vergrößerten Prostata. [3, 4]

Desvenlafaxin darf laut Packungsbeilage nicht einnehmen, wer gegen Desvenlafaxin oder Venlafaxin allergisch ist. Die Unterschiede zwischen Venlafaxin und Duloxetin zeigt der Vergleich Venlafaxin oder Duloxetin. Bei einer Depression soll das Antidepressivum laut NVL nach dem Sicherheits- und Wechselwirkungsprofil, Ihren Wünschen, der Erfahrung der Behandelnden und weiteren Kriterien ausgewählt werden; die Studienlage legt laut NVL eine weitgehend vergleichbare Wirksamkeit der Antidepressiva nahe. [1, 5]

Nebenwirkungen im Vergleich

Als wichtige Nebenwirkungen der SNRI nennt die NVL in ihrer Übersicht, in der sie Venlafaxin und Duloxetin aufführt, Übelkeit, Unruhe und Antriebssteigerung, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Schwitzen vor allem nachts, Zittern, Bluthochdruck, Mundtrockenheit und einen Natriummangel im Blut (Hyponatriämie). Dazu kommen laut NVL zum Teil ausgeprägte Absetzsymptome. Die Übersicht ist eine Auswahl mit Stand 2021; maßgeblich ist die aktuelle Fachinformation des Präparats. [1]

Über einen dosisabhängigen Anstieg des Blutdrucks unter Venlafaxin wurde laut Fachinformation häufig berichtet, nach der Markteinführung auch über einige Fälle von stark erhöhtem Blutdruck, der sofort behandelt werden musste; besonders bei höherer Dosierung kann auch der Puls steigen. Duloxetin stand laut Fachinformation bei einigen Menschen mit Blutdruckanstiegen in Zusammenhang, was auf seine Wirkung über Noradrenalin zurückgehen könnte; Blutdruckkrisen wurden besonders bei bereits bestehendem Bluthochdruck berichtet. Mehr unter Herz und QT-Zeit. [2, 3]

Weitere Warnungen stehen in den Fachinformationen von Venlafaxin, Duloxetin und Milnacipran. SNRI können Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen; berichtet wurden lang anhaltende Beschwerden, die nach dem Absetzen bestehen blieben. Unter SSRI und SNRI wurden Blutungen berichtet, etwa Blutergüsse oder Blutungen im Magen-Darm-Bereich; Vorsicht gilt besonders zusammen mit Mitteln, die die Blutgerinnung oder die Blutplättchen beeinflussen, etwa Acetylsalicylsäure und nicht-steroidale Entzündungshemmer. Ein Natriummangel kann auftreten; bei älteren Menschen kann das Risiko erhöht sein. Vor allem in den ersten Behandlungswochen kann sich laut den Fachinformationen von Venlafaxin und Duloxetin eine Akathisie entwickeln, eine als quälend erlebte Ruhelosigkeit mit Bewegungsdrang. Mundtrockenheit kann laut Fachinformation von Venlafaxin das Risiko für Karies erhöhen; auf Zahnpflege sollte geachtet werden. [2, 3, 4]

Die Tabelle ist keine Rangliste: Eine Häufigkeitsangabe sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde, nicht, wie stark sie ist.

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffÜbelkeitMundtrockenheitVermehrtes SchwitzenSchlafstörungenMüdigkeitBlutdruckanstiegWeniger Lust auf SexOrgasmus- und SamenergussstörungenGewichtszunahme
DesvenlafaxinSehr häufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigHäufigHäufigHäufigHäufig
DuloxetinSehr häufigSehr häufigHäufigHäufigSehr häufigHäufigHäufigHäufigGelegentlich
MilnacipranSehr häufigHäufigHäufigHäufigHäufigHäufigGelegentlichHäufignicht genannt
VenlafaxinSehr häufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigHäufigHäufigHäufigHäufig

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Bei einer Depression sollen Wirkungen und typische Nebenwirkungen laut NVL aktiv erfragt werden, auch solche, die viele nicht von sich aus ansprechen, zum Beispiel sexuelle Funktionsstörungen. Mehr zu einzelnen Beschwerden: vermehrtes Schwitzen, sexuelle Funktionsstörungen, Unruhe und Akathisie, Natriummangel und Gewichtszunahme. [1]

Wirkungseintritt und Dauer

Mann in den Sechzigern mit grauem Bart pflegt an einem sonnigen Nachmittag Tomatenpflanzen in einem kleinen Garten
Bild: KI-generiert

Antidepressiva brauchen laut Packungsbeilage von Venlafaxin einige Zeit, bis sie wirken, gewöhnlich etwa 2 Wochen, manchmal auch länger. Bei einer Depression rechnet die NVL Unipolare Depression (Version 3.2, gültig bis spätestens September 2027) ab Erreichen der Standarddosis mit einer Wirklatenz von 3 bis 4 Wochen; bei älteren Menschen kann laut NVL ein längeres Abwarten sinnvoll sein, zum Beispiel 6 Wochen. Danach soll gemeinsam beurteilt werden, ob sich die Beschwerden im Sinne der vereinbarten Ziele bessern. Bis dahin soll die Verträglichkeit sorgfältig überwacht werden, besonders auf Zeichen, die auf ein steigendes Suizidrisiko hindeuten. [1, 6]

Spricht die Behandlung an, soll laut NVL die Fortsetzung bis zum Abklingen der Episode (Remission) und danach eine Erhaltungstherapie empfohlen werden: 6 bis 12 Monate über die Remission hinaus in gleicher Dosis wie in der Akutphase. Menschen mit 2 bis 3 oder mehr depressiven Episoden und bedeutsamen Einschränkungen ihrer Funktionsfähigkeit in den letzten 5 Jahren sollte empfohlen werden, das Antidepressivum mindestens 2 Jahre lang einzunehmen. Laut Fachinformation von Milnacipran sollten Behandelte über einen ausreichend langen Zeitraum, im Allgemeinen 6 Monate, behandelt werden. [1, 4]

Mehr dazu auf den Seiten Wann wirken Psychopharmaka?, Die ersten Wochen, Wie lange werden Psychopharmaka genommen? und Wenn ein Antidepressivum nicht wirkt.

Absetzen

Absetzreaktionen sind bei Antidepressiva bekannt, und ihre Auswirkungen können laut Fachinformation von Venlafaxin langwierig und schwerwiegend sein. Bei Venlafaxin treten sie beim Beenden der Behandlung häufig auf, besonders wenn sie plötzlich abgebrochen wird. Am häufigsten berichtet werden Schwindel, Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Schlafstörungen auch mit intensiven Träumen, Unruhe oder Angst, Übelkeit oder Erbrechen, Zittern, Kopfschmerzen, Sehstörungen und ein Anstieg des Blutdrucks. Meist klingen die Beschwerden innerhalb von 2 Wochen ab; bei einigen Menschen halten sie 2 bis 3 Monate oder länger an. Auch bei Duloxetin und Milnacipran klingen sie laut Fachinformation im Allgemeinen innerhalb von 2 Wochen ab und können bei einigen Menschen 2 bis 3 Monate oder länger anhalten. [2, 3, 4]

Die NVL beschreibt das Absetzsyndrom bei Antidepressiva als überwiegend mild und vorübergehend; je nach Halbwertszeit bildet es sich innerhalb von 2 bis 6 Wochen zurück und ist teilweise nur schwer von einem Rückfall abzugrenzen. Unter den SNRI zählt die NVL Venlafaxin zu den Wirkstoffen, bei denen ein erhöhtes Risiko für Absetzsyndrome zu erwarten ist. Am Ende einer Erhaltungstherapie soll ein Antidepressivum laut NVL schrittweise abgesetzt werden. [1]

Laut Fachinformation von Venlafaxin wurden Suizidgedanken und Aggression bei Änderungen der Dosierung beobachtet, auch während des Absetzens; Behandelte sollten deshalb beim Verringern der Dosis und beim Absetzen engmaschig überwacht werden. Die Packungsbeilage von Venlafaxin sagt, dass Suizidgedanken auch auftreten können, wenn die Dosis verringert oder die Behandlung beendet wird. Auch für Duloxetin und Milnacipran wurden Suizidgedanken und suizidales Verhalten während der Behandlung oder kurz nach ihrem Ende berichtet. [2, 3, 4, 6]

Laut Fachinformation von Venlafaxin wird empfohlen, die Dosis über mehrere Wochen oder Monate schrittweise zu verringern, je nach Bedarf; bei einigen Menschen kann das Absetzen über Monate oder länger nötig sein. Für Duloxetin empfiehlt die Fachinformation, es langsam über mindestens 2 Wochen auszuschleichen, für Milnacipran nach längerer Einnahme, die Behandlung ausschleichend statt abrupt zu beenden. Absetzen geschieht immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ausführlich: Antidepressiva absetzen und Absetzsymptome; Beschwerden und Stimmung können Sie im Stimmungstagebuch festhalten. [2, 3, 4]

Worauf Sie achten sollten

Depressive Erkrankungen sind laut Fachinformation mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken, selbstschädigendes Verhalten und Suizid verbunden. Dieses Risiko besteht, bis sich die Beschwerden deutlich bessern, und kann zu Beginn einer Behandlung ansteigen. Eine Metaanalyse placebokontrollierter Studien bei Erwachsenen mit psychischen Erkrankungen zeigte für Menschen unter 25 Jahren, die Antidepressiva einnahmen, ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu Placebo. Laut NVL kann zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva aus der Aktivierung sowie aus Nebenwirkungen wie innerer und motorischer Unruhe, Schlafstörungen oder Angst ein erhöhtes Suizidrisiko entstehen, insbesondere bei SSRI und SNRI. Werden diese Mittel eingesetzt, ist in den ersten Behandlungswochen deshalb eine engmaschige und aktive Beobachtung auf Suizidalität notwendig. [1, 2]

Gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf, wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Laut Packungsbeilage kann es helfen, einer vertrauten Person von der Depression oder Angststörung zu erzählen und sie zu bitten, Ihnen Bescheid zu geben, wenn sie den Eindruck hat, dass sich die Beschwerden verschlimmern. [6]

Serotonin-Syndrom und Wechselwirkungen

Wie bei anderen serotonergen Wirkstoffen kann unter Venlafaxin laut Fachinformation ein Serotonin-Syndrom auftreten, ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand, insbesondere zusammen mit anderen Mitteln, die auf das Serotoninsystem wirken. Genannt werden unter anderem Triptane, SSRI, andere SNRI, trizyklische Antidepressiva, Lithium, Johanniskraut, Opioide wie Tramadol, MAO-Hemmer sowie Antipsychotika. Als mögliche Anzeichen nennt die Packungsbeilage unter anderem Ruhelosigkeit, Sinnestäuschungen, Koordinationsverlust, beschleunigten Herzschlag, erhöhte Körpertemperatur, rasche Blutdruckänderungen, überaktive Reflexe, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Koma. Wenn Sie meinen, dass bei Ihnen ein Serotonin-Syndrom aufgetreten ist, informieren Sie laut Packungsbeilage unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder begeben Sie sich in die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses. Mehr unter Serotonin-Syndrom. [2, 6]

Zusammen mit bestimmten MAO-Hemmern ist jedes der vier SNRI laut Produktinformation nicht anzuwenden; für den Abstand zwischen beiden Behandlungen nennen die Produktinformationen eigene Fristen. Antidepressiva haben laut NVL zudem ein hohes Potenzial für Wechselwirkungen über Enzyme wie Cytochrom P450; die NVL empfiehlt deshalb, vor Beginn mögliche Wechselwirkungen anhand der Fachinformationen oder einer Datenbank zu prüfen oder eine Apothekerin oder einen Apotheker hinzuzuziehen, besonders bei Menschen, die mehrere Medikamente nehmen. Laut Packungsbeilage von Venlafaxin sollten Sie andere Arzneimittel, auch nicht verschreibungspflichtige und pflanzliche, nicht beginnen oder beenden, bevor Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke gesprochen haben. Mehr unter Psychopharmaka kombinieren. [1, 2, 3, 4, 5, 6]

Kontrollen

Laut Fachinformation sollte bei Venlafaxin ein bestehender Bluthochdruck vor Behandlungsbeginn eingestellt und der Blutdruck nach Behandlungsbeginn und nach Dosiserhöhungen regelmäßig kontrolliert werden; bei einer Langzeitbehandlung sollte eine Bestimmung des Cholesterinspiegels erwogen werden. Bei Duloxetin wird für Menschen mit bekanntem Bluthochdruck oder anderen Herzerkrankungen eine angemessene Überwachung des Blutdrucks empfohlen, besonders im ersten Behandlungsmonat. Bei Milnacipran wird eine Überwachung von Blutdruck und Puls zu Beginn, nach Dosiserhöhungen und in regelmäßigen Abständen empfohlen. [2, 3, 4]

Bei einer Depression nennt die NVL für Antidepressiva außer den trizyklischen Kontrollen vor Beginn und im Verlauf, unter anderem von Blutbild, Nierenwerten, Leberwerten, Blutsalzen, Blutdruck, Puls und Körpergewicht; die Abstände versteht sie als Orientierungswerte. Unter SNRI in hoher Dosierung sieht sie häufigere Blutdruckkontrollen vor, ein EKG vor Beginn und im ersten Monat bei Venlafaxin, und bei Milnacipran eine zusätzliche Bestimmung der Nierenfunktion im dritten Monat. Einzelheiten: Kontrollen während der Behandlung und Psychopharmaka im Alter. [1]

Schwangerschaft und Stillzeit

Für Venlafaxin und Duloxetin gibt Embryotox den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft als sehr hoch an. Bei stabiler Einstellung kann die Behandlung laut Embryotox fortgesetzt werden; bei einer Neueinstellung sollte zunächst geprüft werden, ob die am besten untersuchten Antidepressiva Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram eingesetzt werden können, die Embryotox als besser geeignete Alternativen nennt, bei Duloxetin für depressive Erkrankungen. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Schwangerschaft sollte laut Embryotox sorgfältig gynäkologisch überwacht und eng psychiatrisch begleitet werden. In den ersten Lebenstagen ist beim Neugeborenen auf mögliche Anpassungsstörungen zu achten, und die Entbindung sollte deshalb in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen. [7, 8]

Die Fachinformation von Milnacipran empfiehlt als vorbeugende Maßnahme, Milnacipran in der Schwangerschaft nicht einzunehmen; in der Stillzeit ist es kontraindiziert. Laut Packungsbeilage von Desvenlafaxin sollten Hebamme und Ärztin oder Arzt wissen, dass Sie es einnehmen, und in der Stillzeit sollte es nur eingenommen werden, wenn die Ärztin oder der Arzt ausdrücklich dazu auffordert. Laut den Fachinformationen können SSRI und SNRI das Risiko für Blutungen nach der Geburt erhöhen. [2, 4, 5]

In der Stillzeit ist Stillen unter Venlafaxin und unter Duloxetin laut Embryotox bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel. Bei einer Neueinstellung in der Stillzeit sollten laut Embryotox Antidepressiva vorgezogen werden, die nur in geringem Umfang über die Muttermilch zum Kind gelangen und sich im Körper des Kindes nicht anreichern, bei den SSRI zum Beispiel Sertralin und Citalopram bzw. Escitalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr: Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit. [7, 8, 9]

Kinder und Jugendliche

Für Kinder und Jugendliche sehen die Produktinformationen keines der vier SNRI vor. Duloxetin darf laut Fachinformation unter 18 Jahren nicht angewendet werden, Venlafaxin und Milnacipran sollten es nicht, Desvenlafaxin laut Packungsbeilage normalerweise nicht. In klinischen Studien wurden bei Kindern und Jugendlichen unter Antidepressiva suizidales Verhalten und Feindseligkeit häufiger beobachtet als unter Placebo; wird trotzdem behandelt, ist laut Fachinformation sorgfältig auf suizidale Symptome zu achten. Hinweise für Eltern: Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [2, 3, 4, 5]

Alkohol

Bei Venlafaxin sollten Behandelte laut Fachinformation darauf hingewiesen werden, keinen Alkohol zu trinken, weil er auf das zentrale Nervensystem wirkt, psychische Erkrankungen verschlechtern und unerwünschte Wechselwirkungen auslösen kann. Laut Packungsbeilage von Desvenlafaxin müssen Sie Alkohol meiden. Bei Milnacipran wird vom Alkoholgenuss abgeraten, obwohl es keine Hinweise auf eine Wechselwirkung gibt, und bei Duloxetin ist zusammen mit Alkohol Vorsicht geboten. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [2, 3, 4, 5]

Abgrenzung zu verwandten Gruppen

SSRI hemmen laut NVL gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin. Trizyklische Antidepressiva hemmen wie SNRI in unterschiedlichem Ausmaß die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin, blockieren aber zusätzlich eine Reihe weiterer Rezeptoren, zum Beispiel für Acetylcholin und Histamin, wodurch zusätzliche Wirkungen und Nebenwirkungen entstehen. Bupropion aus der Gruppe der weiteren Antidepressiva hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin. Die Übersicht aller Gruppen steht auf der Seite Antidepressiva. [1]

Ein SNRI neben einem SSRI zeigt der Vergleich Venlafaxin oder Sertralin.

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF). Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
  2. Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  3. Fachinformation Duloxetin-ratiopharm magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Milnaneurax 25 mg und 50 mg Hartkapseln. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2020. abgerufen am 23.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Desveneurax 50 mg / 100 mg Retardtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 23.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  7. Embryotox: Venlafaxin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  8. Embryotox: Duloxetin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  9. Embryotox: Depressive Krankheitsbilder. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Welche SNRI gibt es?

Als Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, die in Deutschland zur Behandlung einer Depression zur Verfügung stehen, nennt die NVL Unipolare Depression Venlafaxin, Duloxetin und Milnacipran. Auch Desvenlafaxin gehört laut seiner Packungsbeilage zu dieser Gruppe. Alle vier haben auf dieser Website eine eigene Seite, die Liste steht im Abschnitt Wirkstoffe der Gruppe.

Was bedeutet SNRI?

SNRI steht für Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, englisch Serotonin/Noradrenaline Reuptake Inhibitor. Gemeint sind Antidepressiva, die die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin hemmen. Die NVL kürzt diese Gruppe meist mit SSNRI ab; in ihrem Abkürzungsverzeichnis steht SNRI für selektive Noradrenalin-Rückaufnahme-Inhibitoren, im Text verwendet sie SNRI aber an mehreren Stellen auch für die Gruppe dieser Seite.

Was ist der Unterschied zwischen SNRI und SSRI?

SSRI hemmen laut NVL gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin, SNRI zusätzlich die von Noradrenalin. In ihrer Übersicht der wichtigen Nebenwirkungen nennt die NVL bei den SNRI zusätzlich Bluthochdruck und Mundtrockenheit, Schwitzen vor allem nachts und zum Teil ausgeprägte Absetzsymptome. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen; mehr auf der Seite SSRI.

Welche Nebenwirkungen haben SNRI?

Als wichtige Nebenwirkungen nennt die NVL unter anderem Übelkeit, Unruhe und Antriebssteigerung, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Schwitzen, Zittern, Bluthochdruck, Mundtrockenheit und einen Natriummangel im Blut. Wie häufig die Produktinformationen einzelne Beschwerden angeben, zeigt die Vergleichstabelle auf dieser Seite; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Können SNRI den Blutdruck erhöhen?

Ja. Über einen dosisabhängigen Blutdruckanstieg unter Venlafaxin wurde laut Fachinformation häufig berichtet, bei Duloxetin auch über Blutdruckkrisen, besonders bei bereits bestehendem Bluthochdruck. Die Fachinformationen sehen Blutdruckkontrollen vor, bei Venlafaxin nach Behandlungsbeginn und nach Dosiserhöhungen. Mehr unter Kontrollen während der Behandlung.

Wofür wird Duloxetin außer bei Depressionen eingesetzt?

Laut Fachinformation ist Duloxetin bei Erwachsenen außerdem für die generalisierte Angststörung und für Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie zugelassen, also bei Nervenschäden durch Diabetes. Unter anderen Handelsnamen wird Duloxetin auch gegen Belastungsharninkontinenz angewendet; mehrere Duloxetin-Arzneimittel sollten laut Fachinformation nicht gleichzeitig angewendet werden. Einzelheiten auf der Seite Duloxetin.

Ist Desvenlafaxin dasselbe wie Venlafaxin?

Es ist ein eigener Wirkstoff, aber eng verwandt. Laut Embryotox wird Venlafaxin in der Leber vor allem zu seinem wirksamen Abbauprodukt O-Desmethylvenlafaxin umgewandelt, und das ist Desvenlafaxin. Laut Fachinformation von Venlafaxin ähneln sich die beiden in ihrer Wirkung auf die Wiederaufnahme der Botenstoffe sehr. Desvenlafaxin hat eine eigene Packungsbeilage; wer gegen Venlafaxin allergisch ist, darf es laut Packungsbeilage nicht einnehmen.

Wie setzt man SNRI ab?

Nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und schrittweise. Laut Fachinformation von Venlafaxin treten Absetzreaktionen häufig auf, besonders wenn die Behandlung plötzlich abgebrochen wird, und können langwierig und schwerwiegend sein; empfohlen wird, die Dosis über mehrere Wochen oder Monate schrittweise zu verringern. Bei einigen Menschen kann das Absetzen über Monate oder länger nötig sein. Mehr unter Antidepressiva absetzen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Wirkstoffgruppen Trizyklische Antidepressiva

    Trizyklische Antidepressiva sind lange bekannte Mittel gegen Depressionen.

  • Wirkstoffgruppen MAO-Hemmer

    MAO-Hemmer sind Antidepressiva, die das Enzym Monoaminooxidase hemmen.

  • Wirkstoffgruppen Weitere Antidepressiva

    Weitere Antidepressiva wirken anders als SSRI, SNRI oder Trizyklika.

  • Medikamente Methylphenidat

    Methylphenidat ist ein Stimulans gegen ADHS und ein Betäubungsmittel.