MedikamenteWirkstoff
Amitriptylin
Amitriptylin ist ein verschreibungspflichtiges trizyklisches Antidepressivum. Zugelassen ist es bei Erwachsenen gegen Depressionen und Nervenschmerzen und zur Vorbeugung von chronischen Spannungskopfschmerzen und Migräne, bei Kindern ab 6 Jahren unter strengen Bedingungen gegen nächtliches Einnässen. Die antidepressive und die schmerzlindernde Wirkung setzen in der Regel nach 2 bis 4 Wochen ein; bei Gedanken, sich selbst zu verletzen, brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Wofür wird Amitriptylin eingesetzt?
Amitriptylin ist bei Erwachsenen zur Behandlung von Depressionen (Episoden einer Major Depression) und von neuropathischen Schmerzen, also Nervenschmerzen, zugelassen. Außerdem darf es zur Vorbeugung von chronischen Spannungskopfschmerzen und von Migräne eingesetzt werden. [1, 2]
Bei Kindern ab 6 Jahren ist es gegen nächtliches Einnässen zugelassen, aber nur, wenn organische Ursachen wie eine Spina bifida und verwandte Störungen ausgeschlossen sind und alle anderen medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungen nicht geholfen haben, darunter Muskelentspannungsmittel und Desmopressin. Verschreiben sollten es dann nur Ärztinnen und Ärzte mit Erfahrung in der Behandlung von anhaltendem Bettnässen. [1, 2]
Gegen Depressionen, Nervenschmerzen, Spannungskopfschmerz und Migräne sollte Amitriptylin bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden, weil Sicherheit und Wirksamkeit in diesem Alter nicht nachgewiesen sind; unter 6 Jahren darf es gar nicht angewendet werden. Schlafstörungen gehören nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten. [1, 2]
Wie wirkt Amitriptylin?
Amitriptylin gehört zu den trizyklischen Antidepressiva. Es blockiert die Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin an den Nervenendigungen, sodass sie im Gehirn stärker wirken; das scheint laut Fachinformation mit der antidepressiven Wirkung zusammenzuhängen. Wie Antidepressiva allgemein wirken, erklärt die Seite Wie wirken Antidepressiva? [1, 2]
Außerdem blockiert Amitriptylin Ionenkanäle für Natrium und Kalium sowie sogenannte NMDA-Kanäle, im Gehirn und im Rückenmark. Die Wirkung auf Noradrenalin, auf die Natrium- und auf die NMDA-Kanäle trägt laut Fachinformation zur Linderung von Nervenschmerzen und zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerz und Migräne bei. Die schmerzlindernde Wirkung beruht laut Fachinformation nicht auf der antidepressiven. [2]
Amitriptylin hat ausgeprägte anticholinerge Eigenschaften, wirkt also hemmend auf den Botenstoff Acetylcholin, und es wirkt beruhigend (sedierend). Laut Embryotox wirkt Amitriptylin antidepressiv, schmerzmodulierend und schlafanstoßend und kann zu einer Gewichtszunahme führen. [2, 3]
Hauptsächlich wirksames Abbauprodukt von Amitriptylin ist Nortriptylin. Die Halbwertszeit von Amitriptylin, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert, beträgt rund 25 Stunden; gleichbleibende Spiegel von Amitriptylin und Nortriptylin stellen sich bei den meisten Menschen innerhalb einer Woche ein. Abgebaut wird es vor allem über die Leberenzyme CYP2D6 und CYP2C19; bei Menschen, die über diese Enzyme bekanntermaßen langsam abbauen, kann der Spiegel erhöht sein. [2]
Wann wirkt Amitriptylin und wie lange wird behandelt?
Laut Fachinformation setzt die antidepressive Wirkung in der Regel nach 2 bis 4 Wochen ein, ebenso die schmerzlindernde; die beruhigende Wirkung tritt ohne Verzögerung ein. Die Packungsbeilage rechnet bei einer Depression mit einigen Wochen und bei Nervenschmerzen, Spannungskopfschmerz und Migräne mit mehreren Wochen, bis Sie eine Besserung bemerken. [1, 2]
Zur Dauer bei einer Depression sagen die Quellen nicht ganz dasselbe. Die Fachinformation nennt eine Fortführung normalerweise bis zu 6 Monate nach Abklingen der Beschwerden, die Packungsbeilage in der Regel mindestens 6 Monate. Nach der NVL Unipolare Depression soll die Einnahme eines Antidepressivums 6 bis 12 Monate über das Abklingen der Episode hinaus empfohlen werden. Wie lange Sie Amitriptylin nehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen fest; die Zeitleiste zeigt die Angaben im Einzelnen, und die Seiten Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen? erklären die Hintergründe. [1, 2, 5]
- BeginnBei einer Depression wird die Dosis laut Fachinformation zu Behandlungsbeginn niedrig angesetzt und schrittweise gesteigert, unter aufmerksamer Beobachtung von Ansprechen und Anzeichen einer Unverträglichkeit; für Menschen über 65 Jahre und mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist eine niedrigere Anfangsdosis vorgesehen. Einige Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Zittern, Aufmerksamkeitsstörungen, Verstopfung und verringerte Libido können auch Zeichen der Depression sein und werden in der Regel schwächer, wenn sich die Depression bessert. Die meisten berichteten schweren Hautreaktionen traten innerhalb von 2 bis 6 Wochen auf.[2]
- Erste WirkungLaut Fachinformation setzt die antidepressive Wirkung in der Regel nach 2 bis 4 Wochen ein, die schmerzlindernde Wirkung in der Regel nach 2 bis 4 Wochen Behandlungsdauer. Laut Packungsbeilage kann es bei einer Depression einige Wochen dauern, bevor Sie eine Besserung bemerken, bei Nervenschmerzen und zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerzen und Migräne mehrere Wochen.[1, 2]
- Wirkung prüfenBei einer Depression soll laut NVL Unipolare Depression ab Erreichen der Standarddosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob sich die Behandlung in Richtung der vereinbarten Ziele entwickelt. Für ältere Menschen nennt die Leitlinie eine Zeit bis zum Wirkungseintritt von bis zu 6 Wochen.[5]
- ErhaltungLaut Fachinformation muss die Behandlung einer Depression über einen angemessenen Zeitraum fortgeführt werden, normalerweise bis zu 6 Monate nach Abklingen der Beschwerden, um einen Rückfall zu vermeiden; laut Packungsbeilage dauert sie in der Regel mindestens 6 Monate. Laut NVL soll empfohlen werden, das Antidepressivum 6 bis 12 Monate über das Abklingen der depressiven Episode (Remission) hinaus in gleicher Dosis weiter einzunehmen. Bei Nervenschmerzen kann eine Behandlung über mehrere Jahre nötig sein; bei Nervenschmerzen, Spannungskopfschmerzen und Migräne wird eine regelmäßige Neubeurteilung empfohlen, ob die Weiterführung weiterhin angemessen ist. Beim nächtlichen Einnässen sollte die Behandlung höchstens 3 Monate dauern; sind mehrere Behandlungszyklen nötig, erfolgt alle 3 Monate eine ärztliche Überprüfung.[1, 2, 5]
- Rückfall vorbeugenWer 2 bis 3 oder mehr depressive Episoden und in den letzten 5 Jahren bedeutsame Einschränkungen im Alltag hatte, dem sollte laut NVL Unipolare Depression empfohlen werden, das Antidepressivum mindestens 2 Jahre lang in der Dosis weiter einzunehmen, die in der Akutbehandlung gewirkt hat. Diese Empfehlung gilt für Antidepressiva allgemein; die Fachinformation von Amitriptylin nennt die Rückfallvorbeugung nicht als eigenes Anwendungsgebiet.[2, 5]
- AbsetzenDie Behandlung endet nur nach ärztlicher Absprache. Laut Fachinformation sollte Amitriptylin über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden; ein plötzliches Absetzen nach längerer Behandlung kann Absetzsymptome wie Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlafstörungen und Reizbarkeit hervorrufen. Am Ende einer Erhaltungstherapie oder einer langfristigen Rückfallvorbeugung (Rezidivprophylaxe) sollte ein Antidepressivum laut NVL über mindestens 8 bis 12 Wochen ausgeschlichen werden, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen. Wird die Behandlung einer Depression zu früh beendet, können die Beschwerden laut Packungsbeilage wiederkehren. Vor einer geplanten Operation muss die Behandlung eventuell ausgesetzt werden, laut Fachinformation möglichst rechtzeitig vorher; das legt das Behandlungsteam fest.[1, 2, 5]
Nebenwirkungen im Blick
Amitriptylin kann ähnliche Nebenwirkungen hervorrufen wie andere trizyklische Antidepressiva. Einige davon, etwa Kopfschmerzen, Zittern, Aufmerksamkeitsstörungen, Verstopfung und eine verringerte Libido, können auch Zeichen der Depression sein und werden in der Regel schwächer, wenn sich die Depression bessert. [2]
Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, sind unter anderem Schläfrigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfung, starkes Schwitzen und eine Gewichtszunahme. Häufig sind Veränderungen im EKG, darunter ein verlängertes QT-Intervall (Herz und QT-Zeit), und ein zu niedriger Natriumwert im Blut (Natriummangel). [1, 2]
Im Zusammenhang mit Amitriptylin wurden schwerwiegende Hautreaktionen berichtet, darunter eine Arzneimittelreaktion mit großflächigem Ausschlag, hoher Körpertemperatur und vergrößerten Lymphknoten (DRESS); die meisten dieser Reaktionen traten innerhalb von 2 bis 6 Wochen auf. Laut Fachinformation sollten Behandelte schon bei der Verschreibung über die Anzeichen informiert und sorgfältig auf Hautreaktionen überwacht werden. In epidemiologischen Studien, überwiegend mit Menschen ab 50 Jahren, war das Risiko für Knochenbrüche unter SSRI und trizyklischen Antidepressiva erhöht. [1, 2]
Nebenwirkungen im Blick
Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.
- MüdigkeitSehr häufig
- SchlafstörungenGelegentlich
- Unruhe und NervositätHäufig
- GewichtszunahmeSehr häufig
- Weniger oder veränderte Lust auf SexHäufig
- ErektionsstörungenHäufig
- MundtrockenheitSehr häufig
- Vermehrtes SchwitzenSehr häufig
- ÜbelkeitSehr häufig
- SchwindelSehr häufig
- ZitternSehr häufig
- BewegungsstörungenSehr selten
- Herzrhythmus und QT-ZeitHäufig
- NatriummangelHäufig
- Abhängigkeitnicht genannt
- Sitzunruhe (Akathisie)Sehr selten
"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen von Amitriptylin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de.
Die häufigsten Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Aggression[1, 2]
- Sehr häufig: Schläfrigkeit und Benommenheit[1, 2]
- Sehr häufig: Zittern der Hände oder anderer Körperteile (Tremor)[1, 2]
- Sehr häufig: Schwindel[1, 2]
- Sehr häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
- Sehr häufig: Undeutliches oder langsames Sprechen (Dysarthrie)[1, 2]
- Sehr häufig: Sehstörungen (Störung der Nah-Fern-Einstellung des Auges, Akkommodationsstörung)[1, 2]
- Sehr häufig: Herzklopfen, unregelmäßiger oder schneller Herzschlag (Tachykardie)[1, 2]
- Sehr häufig: Schwindelgefühl beim Aufstehen wegen zu niedrigen Blutdrucks (orthostatische Hypotonie)[1, 2]
- Sehr häufig: Verstopfte Nase[1, 2]
- Sehr häufig: Mundtrockenheit[1, 2]
- Sehr häufig: Verstopfung[1, 2]
- Sehr häufig: Übelkeit[1, 2]
- Sehr häufig: Starkes Schwitzen (Hyperhidrose)[1, 2]
- Sehr häufig: Gewichtszunahme[1, 2]
- Häufig: Verwirrtheit[1, 2]
- Häufig: Verminderter sexueller Antrieb (Libido vermindert)[1, 2]
- Häufig: Ruhelosigkeit (Agitiertheit)[1, 2]
- Häufig: Aufmerksamkeitsstörungen[1, 2]
- Häufig: Geschmacksstörungen[1, 2]
- Häufig: Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Armen oder Beinen (Parästhesie)[1, 2]
- Häufig: Koordinationsstörungen (Ataxie)[1, 2]
- Häufig: Erweiterte Pupillen (Mydriasis)[1, 2]
- Häufig: Herzblock, also gestörte Erregungsleitung im Herzen (atrioventrikulärer Block, Schenkelblock)[1, 2]
- Häufig: Störungen bei der Blasenentleerung[1, 2]
- Häufig: Erektionsschwierigkeiten[1, 2]
- Häufig: Müdigkeit[1, 2]
- Häufig: Durstgefühl[1, 2]
- Häufig: Veränderungen im EKG, darunter ein verlängertes QT-Intervall und ein verlängerter QRS-Komplex[1, 2]
- Häufig: Zu niedriger Natriumwert im Blut (Hyponatriämie)[1, 2]
Alle Nebenwirkungen von Amitriptylin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, sexuelle Probleme, vermehrtes Schwitzen, innere Unruhe (Akathisie) und Veränderungen des Blutbilds.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Wer depressiv ist, kann manchmal Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva können solche Gedanken verstärkt sein, weil diese Mittel einige Zeit brauchen, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal länger. Wahrscheinlicher ist das bei Menschen, die solche Gedanken schon früher hatten, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, gehen Sie sofort zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in ein Krankenhaus. [1]
Suizidgedanken und suizidales Verhalten können auch zu Beginn einer Behandlung auftreten, die einer anderen Erkrankung als einer Depression gilt; beim nächtlichen Einnässen gelten deshalb laut Fachinformation dieselben Vorsichtsmaßnahmen. Laut Packungsbeilage kann es helfen, Angehörigen oder Freunden von der Depression zu erzählen und sie zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sich Ihr Zustand aus ihrer Sicht verschlechtert oder sie sich Sorgen über Veränderungen in Ihrem Verhalten machen. [1, 2]
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Ändern Sie die Dosis nicht und beenden Sie die Einnahme nicht, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen; so steht es auch in der Packungsbeilage. Belastende Beschwerden gehören in die Sprechstunde: Bei einer Depression sollen laut NVL Wirkungen und typische Nebenwirkungen aktiv erfragt werden. [1, 5]
Einige Hinweise aus Fach- und Gebrauchsinformation betreffen den Alltag:
- Vor einer Operation, einer Narkose oder einer örtlichen Betäubung beim Zahnarzt sagen Sie, dass Sie Amitriptylin nehmen. Bei einer geplanten Operation muss die Behandlung eventuell vorher ausgesetzt werden; das klärt die Ärztin oder der Arzt. Mehr dazu unter Psychopharmaka vor einer Operation. [1, 2]
- Bei Diabetes kann Amitriptylin die Insulin- und Blutzuckerreaktion beeinflussen; die Diabetesbehandlung muss dann möglicherweise angepasst werden. [1, 2]
- Wurden trizyklische Antidepressiva zusammen mit anticholinerg wirkenden Mitteln oder Neuroleptika gegeben, wurde über Fälle von stark erhöhter Körpertemperatur (Hyperpyrexie) berichtet, besonders bei hohen Außentemperaturen. Hinweise für heiße Tage gibt die Seite Psychopharmaka bei Hitze und Sonne. [2]
Im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch können Sie Beschwerden und Stimmung festhalten und zum Termin mitnehmen; die Fragen fürs Arztgespräch helfen bei der Vorbereitung.
Kontrollen während der Behandlung
Laut Fachinformation sollten Behandelte bis zum Eintritt einer Besserung engmaschig auf eine Verschlechterung und auf Suizidgedanken hin überwacht werden, besonders zu Beginn und nach Dosisanpassungen. Bei einer Depression nennt die NVL für trizyklische Antidepressiva vor Beginn der Behandlung Blutbild, Nierenfunktion, Leberenzyme, Blutsalze, EKG, Blutdruck und Puls sowie das Körpergewicht und danach weitere Kontrollen in den ersten Monaten und im Verlauf; die Abstände versteht sie als Orientierungswerte. Vor einer Behandlung des nächtlichen Einnässens ist laut Fachinformation ein EKG durchzuführen, um ein langes QT-Syndrom auszuschließen. [2, 5]
| Untersuchung | Wann oder warum |
|---|---|
| Befinden, Stimmung und Verhalten | Engmaschig, vor allem zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen, bis eine Besserung eintritt; besonders sorgfältig bei Suizidgedanken oder suizidalem Verhalten in der Vorgeschichte. Dieselben Vorsichtsmaßnahmen gelten beim nächtlichen Einnässen[2] |
| Gespräch über Wirkung, Einnahme und Nebenwirkungen | Bei einer Depression laut NVL in den Monaten 1 bis 3 je zweimal (diese Termine auch telefonisch möglich), in den Monaten 4 bis 6 je einmal, danach vierteljährlich[5] |
| EKG (Herzstromkurve) | Bei einer Depression laut NVL für trizyklische Antidepressiva vor Beginn, im 1. und im 6. Monat, danach halbjährlich. Beim nächtlichen Einnässen ist laut Fachinformation vor Beginn ein EKG durchzuführen, um ein langes QT-Syndrom (Long-QT-Syndrom) auszuschließen; laut Packungsbeilage wird die Behandlung nach 3 Monaten überprüft und bei Bedarf noch einmal ein EKG gemacht[1, 2, 5] |
| Blutbild | Bei einer Depression laut NVL für trizyklische Antidepressiva vor Beginn und in den Monaten 1 bis 6 jeden Monat, danach vierteljährlich[5] |
| Nierenwerte (GFR, berechnet aus dem Kreatinin) | Bei einer Depression laut NVL für trizyklische Antidepressiva vor Beginn, im 1., 3. und 6. Monat, danach halbjährlich[5] |
| Leberwerte (Leberenzyme) | Bei einer Depression laut NVL für trizyklische Antidepressiva vor Beginn, im 1., 2., 3. und 6. Monat, danach vierteljährlich[5] |
| Salze im Blut (Elektrolyte) | Bei einer Depression laut NVL für trizyklische Antidepressiva vor Beginn, im 1., 2., 3. und 6. Monat, danach vierteljährlich. Ein niedriger Kalium- oder Magnesiumwert und ein hoher Kaliumwert erhöhen laut Fachinformation das Risiko für Herzrhythmusstörungen[2, 5] |
| Blutdruck und Puls | Bei einer Depression laut NVL für trizyklische Antidepressiva vor Beginn, im 1., 2., 3. und 6. Monat, danach vierteljährlich. Ältere Menschen sind laut Fachinformation besonders anfällig für einen Blutdruckabfall beim Aufstehen[2, 5] |
| Körpergewicht | Bei einer Depression laut NVL für trizyklische Antidepressiva vor Beginn, im 3. und im 6. Monat, danach vierteljährlich[5] |
| Untersuchungen bei höherer Tagesdosis | Bei höheren Tagesdosen untersucht die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage möglicherweise häufiger[1] |
| Amitriptylin-Spiegel im Blut | Bei eingeschränkter Leberfunktion ist laut Fachinformation nach Möglichkeit eine Kontrolle der Blutspiegel ratsam; laut Packungsbeilage eventuell auch bei langsamerer Verstoffwechselung[1, 2] |
| Haut | Die meisten schweren Hautreaktionen traten innerhalb von 2 bis 6 Wochen auf; Behandelte sollten bei der Verschreibung über die Anzeichen informiert und sorgfältig auf Hautreaktionen überwacht werden[2] |
| Blutzucker bei Diabetes | Amitriptylin kann die Insulin- und Blutzuckerreaktion beeinflussen; die Diabetesbehandlung muss eventuell angepasst werden[2] |
| Beobachtung bei gleichzeitiger Einnahme anderer serotonerger Mittel | Sorgfältige Beobachtung, besonders bei Behandlungsbeginn und Dosiserhöhungen, wenn Amitriptylin zusammen mit anderen serotonergen Mitteln wie Buprenorphin angezeigt ist[2] |
Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Den Spiegel des Medikaments im Blut sollte man bei einer Depression laut NVL in bestimmten Situationen messen, etwa bei Verträglichkeitsproblemen, bei Leber- oder Nierenschwäche oder wenn die Behandlung nicht anspricht. Einzelheiten: Kontrollen während der Behandlung und Medikamentenspiegel. [5]
Wechselwirkungen
Zusammen mit MAO-Hemmern darf Amitriptylin nicht eingenommen werden, weil die Kombination ein Serotonin-Syndrom hervorrufen kann. Eine Behandlung mit Amitriptylin kann laut Fachinformation 14 Tage nach dem Absetzen eines irreversiblen, nicht-selektiven MAO-Hemmers beginnen, nach Moclobemid frühestens 1 Tag danach; umgekehrt kann eine Behandlung mit einem MAO-Hemmer 14 Tage nach dem Absetzen von Amitriptylin beginnen. Auch zusammen mit anderen serotonergen Mitteln wie dem Opioid Buprenorphin ist ein Serotonin-Syndrom möglich, und Tramadol erhöht zusammen mit Amitriptylin das Risiko für Krampfanfälle und ein Serotonin-Syndrom. [1, 2]
Mittel, die das QT-Intervall verlängern, können zusammen mit trizyklischen Antidepressiva das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöhen. Starke Hemmer des Leberenzyms CYP2D6 wie Bupropion, Fluoxetin, Paroxetin und Chinidin können den Abbau von Amitriptylin deutlich bremsen; Fluvoxamin erhöht den Amitriptylin-Spiegel, diese Kombination ist zu vermeiden. Bei Menschen, die mit SSRI behandelt werden, ist Amitriptylin mit Vorsicht anzuwenden. [1, 2]
Hormonelle Verhütungsmittel zum Einnehmen (die Pille), Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin, Barbiturate und Johanniskraut können den Abbau von Amitriptylin beschleunigen, den Spiegel senken und die antidepressive Wirkung abschwächen. Amitriptylin kann die beruhigende Wirkung von Alkohol, Barbituraten und anderen dämpfenden Mitteln verstärken. [1, 2]
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| MAO-Hemmer (z. B. Phenelzin, Tranylcypromin, Moclobemid, Selegilin) | Gefahr eines Serotoninsyndroms[1, 2] | Kombination nicht erlaubt; Abstände von 14 Tagen bzw. bei Moclobemid 1 Tag einhalten |
| Buprenorphin und andere serotonerge Arzneimittel | Serotoninsyndrom möglich, eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung[1, 2] | Nur nach ärztlicher Rücksprache und mit sorgfältiger Beobachtung kombinieren |
| Tramadol | Höheres Risiko für Krampfanfälle und Serotoninsyndrom; die Tramadolkonzentration kann steigen[1, 2] | Vorher Rücksprache halten |
| Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängern (z. B. Chinidin, Sotalol, Pimozid, Sertindol, Cisaprid, Halofantrin, Astemizol, Terfenadin), Methadon sowie Entwässerungsmittel wie Furosemid | Höheres Risiko für Herzrhythmusstörungen[1, 2] | Vorher Rücksprache halten |
| Thioridazin | Höheres Risiko für Nebenwirkungen am Herzen[1, 2] | Kombination laut Fachinformation vermeiden |
| Anticholinergika (z. B. Atropin, Hyoscyamin, bestimmte Mittel gegen Parkinson oder Magen-Darm-Beschwerden) | Wirkungen auf Augen, Gehirn, Darm und Blase verstärkt; Risiko für Darmlähmung und Überhitzung (Hyperpyrexie)[1, 2] | Kombination laut Fachinformation vermeiden |
| Adrenalin, Ephedrin, Isoprenalin, Noradrenalin, Phenylephrin, Phenylpropanolamin (auch in Husten- und Erkältungsmitteln und Betäubungsmitteln) | Wirkungen auf Herz und Kreislauf können verstärkt werden[1, 2] | Vorher Rücksprache halten |
| Blutdrucksenker wie Guanethidin, Betanidin, Clonidin, Reserpin oder Methyldopa | Blutdrucksenkende Wirkung kann abgeschwächt werden[1, 2] | Blutdruckbehandlung ärztlich überprüfen lassen |
| Hemmer des Leberenzyms CYP2D6, z. B. Bupropion, Fluoxetin, Paroxetin, Chinidin, Duloxetin, Neuroleptika, SSRI, Betablocker, Antiarrhythmika | Abbau von Amitriptylin gehemmt, Spiegel im Blut kann steigen[1, 2] | Vorher Rücksprache halten; die Dosis muss eventuell angepasst werden |
| Fluvoxamin | Amitriptylin-Spiegel im Blut steigt[1, 2] | Kombination laut Fachinformation vermeiden |
| Cimetidin, Methylphenidat, Calciumkanalblocker wie Diltiazem oder Verapamil | Amitriptylin-Spiegel kann steigen und die Giftigkeit zunehmen[1, 2] | Vorher Rücksprache halten |
| Pilzmittel wie Fluconazol und Terbinafin | Amitriptylin-Spiegel kann steigen; Fälle von Ohnmacht (Synkope) und Torsades de Pointes sind aufgetreten[1, 2] | Vorher Rücksprache halten |
| Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir | Klinisch bedeutsame Wechselwirkungen sind laut Fachinformation potenziell zu erwarten[1, 2] | Vorher Rücksprache halten |
| Valproinsäure (Natriumvalproat, Valpromid) | Amitriptylin-Spiegel kann steigen[1, 2] | Ärztliche Überwachung empfohlen |
| Schilddrüsenmittel | Laut Fachinformation drohen Herzrhythmusstörungen[1, 2] | Vorher Rücksprache halten |
| Orale Verhütungsmittel, Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin, Barbiturate, Johanniskraut | Amitriptylin-Spiegel kann sinken und die antidepressive Wirkung nachlassen[1, 2] | Vorher Rücksprache halten |
| Alkohol, Barbiturate und andere dämpfende Mittel | Beruhigende, dämpfende Wirkung verstärkt[1, 2] | Alkohol während der Behandlung nicht ratsam |
| Neuroleptika | Gegenseitig gehemmter Abbau; die Krampfschwelle kann sinken und Krampfanfälle können auftreten[2] | Vorher Rücksprache halten; die Dosis muss eventuell angepasst werden |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wie Psychopharmaka zusammenwirken, erklärt die Seite Psychopharmaka kombinieren; Fragen zur Verhütung beantwortet Psychopharmaka und Verhütung.
Wer Amitriptylin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Nicht eingenommen werden darf Amitriptylin unter anderem nach einem kürzlich zurückliegenden Herzinfarkt, bei Herzblock, im EKG festgestellten Herzrhythmusstörungen oder einer koronaren Herzkrankheit, bei einer schweren Lebererkrankung, zusammen mit MAO-Hemmern und bei Kindern unter 6 Jahren. Herzrhythmusstörungen und ein zu niedriger Blutdruck können bei hoher Dosis auftreten, bei einer schon bestehenden Herzerkrankung auch bei normaler Dosierung. [1, 2]
Nicht anwenden bei
- Allergie gegen Amitriptylin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
- Kürzlich zurückliegender Herzinfarkt[1, 2]
- Herzprobleme wie im EKG festgestellte Herzrhythmusstörungen, Herzblock oder koronare Herzkrankheit[1, 2]
- Gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern oder Einnahme eines MAO-Hemmers in den letzten 14 Tagen; nach dem Ende einer Amitriptylin-Behandlung müssen bis zum Beginn eines MAO-Hemmers ebenfalls 14 Tage vergehen[1, 2]
- Einnahme von Moclobemid (MAO-Hemmer) am Vortag[1, 2]
- Schwere Lebererkrankung[1, 2]
- Kinder unter 6 Jahren[1, 2]
Besondere Vorsicht bei
- Herzerkrankungen: Herzrhythmusstörungen und zu niedriger Blutdruck können bei hoher Dosis auftreten, bei vorbestehender Herzerkrankung auch bei normaler Dosierung[1, 2]
- Risiko für eine QT-Verlängerung: verlangsamter Herzschlag, Herzschwäche, andere Arzneimittel, die Herzprobleme verursachen können, zu niedriger Kalium- oder Magnesiumwert oder zu hoher Kaliumwert im Blut[1, 2]
- Schilddrüsenüberfunktion oder Einnahme von Schilddrüsenmitteln: laut Fachinformation große Vorsicht wegen drohender Herzrhythmusstörungen[1, 2]
- Geplante Operation oder Narkose: Die Behandlung muss eventuell vorher ausgesetzt werden; bei kurzfristigen Eingriffen die Anästhesistin oder den Anästhesisten informieren; auch beim Zahnarzt vor einer örtlichen Betäubung Bescheid geben[1, 2]
- Engwinkelglaukom (Sehverlust durch erhöhten Druck im Augapfel)[1, 2]
- Epilepsie, Zuckungen oder Krampfanfälle in der Vorgeschichte[1, 2]
- Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder vergrößerte Prostata[1, 2]
- Bipolare Störung oder Schizophrenie[1, 2]
- Schwere Leber- oder Herzerkrankung[1, 2]
- Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose) oder Darmverschluss (paralytischer Ileus)[1, 2]
- Diabetes: Die Diabetesbehandlung muss möglicherweise angepasst werden[1, 2]
- Gleichzeitige Gabe mit Anticholinergika oder Neuroleptika, insbesondere bei hohen Außentemperaturen: Laut Fachinformation ist über Fälle von Hyperpyrexie (stark erhöhter Körpertemperatur) berichtet worden[2]
- Suizidgedanken können zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva verstärkt sein, besonders nach früheren Suizidgedanken und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre; auch bei Behandlung des nächtlichen Einnässens[1, 2]
- Ältere Menschen: Bestimmte Nebenwirkungen sind wahrscheinlicher, zum Beispiel Schwindelgefühl beim Aufstehen wegen niedrigen Blutdrucks[1, 2]
- Kinder und Jugendliche: bei Depression, Nervenschmerzen, Spannungskopfschmerz und Migräne unter 18 Jahren nicht anwenden (Sicherheit und Wirksamkeit nicht nachgewiesen); vor einer Behandlung des nächtlichen Einnässens ist ein EKG nötig, um ein Long-QT-Syndrom auszuschließen[1, 2]
- Erkrankungen der Leber oder langsamer Abbau des Wirkstoffs im Körper: in der Regel niedrigere Dosis, eventuell Bestimmung der Konzentration im Blut[1, 2]
- Bei Menschen, die mit dieser Gruppe von Arzneimitteln behandelt wurden, wurde ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche beobachtet[1, 2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Schwangerschaft
Amitriptylin wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen, es sei denn, die Ärztin oder der Arzt hält es für eindeutig erforderlich und hat Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen. Nach Einnahme im letzten Abschnitt der Schwangerschaft können beim Neugeborenen Entzugserscheinungen auftreten, zum Beispiel Reizbarkeit, erhöhte Muskelspannung, Zittern, unregelmäßige Atmung, ungenügendes Trinken, lautes Schreien, Harnverhalt und Verstopfung.[1, 2]
Embryotox stuft den Erfahrungsumfang für Amitriptylin als hoch ein, für trizyklische Antidepressiva insgesamt als sehr hoch. Laut Embryotox gibt es bei mehr als 1.000 ausgewerteten Schwangerschaften keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko durch Amitriptylin. Embryotox hält die Anwendung bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch für möglich. Bei Einnahme von Antidepressiva bis zur Geburt ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht; die Entbindung sollte deshalb in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Amitriptylin und seine Abbaustoffe gehen in die Muttermilch über; ein Risiko für den Säugling kann laut Fachinformation nicht ausgeschlossen werden. Ob gestillt oder die Behandlung unterbrochen wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Abwägung des Nutzens für Kind und Mutter.[1, 2]
Laut Embryotox ist Stillen bei Behandlung mit Amitriptylin als einzigem Mittel und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel; die allermeisten gestillten Kinder waren unauffällig.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Alkohol ist während der Behandlung nicht ratsam, weil er die dämpfende Wirkung von Amitriptylin verstärken kann. Laut Fachinformation kann Alkohol auch die Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit und Konzentration verstärken und die Folgen einer Überdosierung verschlimmern.[1, 2]
Autofahren und Maschinen
Amitriptylin kann Schläfrigkeit und Schwindel hervorrufen, besonders zu Beginn der Behandlung. Dann dürfen Sie kein Fahrzeug führen und keine Werkzeuge oder Maschinen bedienen.[1, 2]
Anwendung
Mit oder ohne Nahrung einnehmen; die Tabletten mit Wasser und ohne zu kauen gleich schlucken, weil der Wirkstoff bitter schmeckt. Beim nächtlichen Einnässen 1 bis 1,5 Stunden vor dem Schlafengehen einnehmen. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.[1, 2]
Dosis vergessen: zum nächsten regulären Zeitpunkt die normale Dosis nehmen, nicht die doppelte Menge.[1]
Bis zur Besserung einer Depression oder von Schmerzen kann es einige bis mehrere Wochen dauern. Bei Depression dauert die Behandlung in der Regel mindestens 6 Monate; beim nächtlichen Einnässen prüft die Ärztin oder der Arzt nach 3 Monaten, ob sie fortgesetzt wird.[1]
Absetzen
Ändern Sie die Dosis nicht und beenden Sie die Einnahme nicht, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen. Bei zu plötzlichem Abbruch können Beschwerden wie Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit auftreten; laut Fachinformation sollte Amitriptylin über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden. Wird die Behandlung einer Depression zu früh beendet, können die Beschwerden wiederkehren.[1, 2]
Überdosierung
Bei Verdacht auf eine Überdosierung, besonders bei Kindern, sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen, auch ohne Beschwerden, und die Packung mitnehmen. Mögliche Zeichen sind unter anderem erweiterte Pupillen, schneller, unregelmäßiger oder langsamer Herzschlag, Krampfanfälle, Verwirrtheit, Atembeschwerden, Bewusstlosigkeit und Koma.[1, 2]
Laut Fachinformation waren unter Alkohol die Spiegel von freiem Amitriptylin und von Nortriptylin im Blut erhöht. Hintergründe stehen unter Psychopharmaka und Alkohol. [2]
Zur Rechtslage beim Fahren: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen, auch bei Fahrlässigkeit. Die Medikamentenklausel in § 24a Abs. 4 StVG betrifft die dort und in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Substanzen, etwa Amfetamin oder Morphin, wenn sie aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammen. Ob und wann Sie fahren, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr dazu auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [11, 12, 13]
Den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft bewertet Embryotox für Amitriptylin als hoch, für die trizyklischen Antidepressiva insgesamt als sehr hoch. Setzen Sie Amitriptylin in der Schwangerschaft nicht selbst ab; was für Sie gilt, klären Sie in der Praxis. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit. [3]
Einnahme und Absetzen
Was die Packungsbeilage zur Einnahme und zu einer vergessenen Dosis sagt, steht in der Übersicht zum Alltag.
Wann und wie die Behandlung beendet wird, entscheidet laut Packungsbeilage Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, um Beschwerden bei einem zu plötzlichen Abbruch zu vermeiden, etwa Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit. Laut Fachinformation sollte Amitriptylin über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden. Wird die Behandlung einer Depression zu früh beendet, können die Beschwerden wiederkehren. [1, 2]
Die NVL Unipolare Depression ordnet Amitriptylin den Antidepressiva mit hohem Risiko für Absetzsyndrome zu. Die Beschwerden sind laut NVL überwiegend mild, beginnen meist 36 bis 96 Stunden nach dem Absetzen und bilden sich je nach Halbwertszeit innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst zurück. Über die Möglichkeit solcher Beschwerden sollen Patientinnen und Patienten laut NVL schon vor Beginn der Behandlung aufgeklärt werden. Welche Antidepressiva als Tropfen vorliegen, ändert sich laut NVL häufig; mit Stand 2021 nennt sie darunter Amitriptylin und empfiehlt die Rücksprache mit der Apotheke. [5]
Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was beim Beenden einer Behandlung mit Antidepressiva wichtig ist, erklärt die Seite Antidepressiva absetzen; mögliche Beschwerden beschreibt die Seite Absetzsymptome. [1]
Dosierung laut Packungsbeilage
Die Packungsbeilage nennt Anfangsdosis und Steigerung getrennt nach Anwendungsgebiet und Alter; bei höheren Tagesdosen untersucht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie möglicherweise häufiger. Nicht alle Dosierungen lassen sich mit allen Darreichungsformen und Stärken erreichen. [1]
Bei Amitriptylin neuraxpharm wird der Wirkstoffgehalt seit 2023 schrittweise als Gehalt an Amitriptylin angegeben und nicht mehr als Gehalt an Amitriptylinhydrochlorid; aus Tabletten mit der früheren Bezeichnung 10 mg wurden so zum Beispiel die neu bezeichneten Filmtabletten mit 8,84 mg. Laut Herstellerinformation verringert die einheitliche Angabe das Risiko von Medikationsfehlern durch abweichende Dosierungen. [4]
Präparate mit Amitriptylin
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Amitriptylin-CT | AbZ-Pharma GmbH | verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite |
| Amitriptylin neuraxpharm | neuraxpharm Arzneimittel GmbH | verschreibungspflichtig; Stärke seit 2023/2024 als Gehalt an Amitriptylin (Base) angegeben |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 10.10.2026
- Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 10.10.2026
- Embryotox: Amitriptylin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
- Herstellerinformation: Änderung der Bezeichnungen für Amitriptylin-neuraxpharm, alle Stärken (veröffentlicht von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft). neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 10.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Kurzfassung, Version 3.2. NVL-Programm von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023. abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Amitriptylin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Häufige Fragen
Ab wann wirkt Amitriptylin?
Laut Fachinformation setzen die antidepressive und die schmerzlindernde Wirkung in der Regel nach 2 bis 4 Wochen ein; die beruhigende Wirkung tritt ohne Verzögerung ein. Bei einer Depression soll laut NVL nach Erreichen der üblichen Dosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam geprüft werden, ob die Behandlung wirkt. Bei Nervenschmerzen und zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerz und Migräne kann es laut Packungsbeilage mehrere Wochen dauern, bis sich die Schmerzen bessern.
Hilft Amitriptylin zum Schlafen?
Schlafstörungen gehören nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten von Amitriptylin. Laut Fachinformation hat es ausgeprägte beruhigende Eigenschaften, und Schläfrigkeit gehört zu den sehr häufigen Nebenwirkungen. Wenn Sie schlecht schlafen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Nimmt man mit Amitriptylin zu?
Das ist möglich: Gewichtszunahme gehört laut Packungsbeilage zu den sehr häufigen Nebenwirkungen und kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; selten ist auch ein Gewichtsverlust. Bei einer Depression nennt die NVL für trizyklische Antidepressiva Kontrollen des Körpergewichts vor Beginn und im Verlauf der Behandlung. Sprechen Sie Veränderungen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.
Darf ich mit Amitriptylin Alkohol trinken?
Laut Packungsbeilage ist Alkohol während der Behandlung nicht ratsam, weil er die dämpfende Wirkung von Amitriptylin verstärken kann. Laut Fachinformation kann Alkohol außerdem die Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit und Konzentration verstärken, und unter Alkohol waren die Spiegel von freiem Amitriptylin und von Nortriptylin im Blut erhöht.
Wie setze ich Amitriptylin ab?
Nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Laut Fachinformation sollte Amitriptylin über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden. Bei einem zu plötzlichen Abbruch können Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit auftreten; die NVL Unipolare Depression ordnet Amitriptylin den Antidepressiva mit hohem Risiko für Absetzsyndrome zu. Wird die Behandlung einer Depression zu früh beendet, können die Beschwerden wiederkehren.
Gibt es Amitriptylin als Tropfen?
Die NVL Unipolare Depression nennt Amitriptylin unter den Antidepressiva, die mit Stand 2021 auch als Tropfen vorlagen. Weil sich das häufig ändert, empfiehlt die Leitlinie die Rücksprache mit der Apotheke. Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf Tabletten.
Was bedeutet die Stärke 8,84 mg bei Amitriptylin?
Seit 2023 gibt neuraxpharm bei Amitriptylin neuraxpharm den Wirkstoffgehalt als Amitriptylin an und nicht mehr als Amitriptylinhydrochlorid, das Salz des Wirkstoffs. Aus den früheren Tabletten mit der Bezeichnung 10 mg wurden so Filmtabletten mit 8,84 mg; laut der Herstellerinformation entsprechen zum Beispiel 100 mg Amitriptylinhydrochlorid 88,38 mg Amitriptylin. Fragen zu Ihrer Packung beantwortet Ihre Apotheke.
Wie hoch ist die Dosis von Amitriptylin?
Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; sie hängt vom Anwendungsgebiet, vom Alter, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und davon ab, wie Sie auf das Mittel ansprechen. Die Angaben der Packungsbeilage stehen im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage" auf dieser Seite. Ändern Sie die Dosis nicht, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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