MedikamenteWirkstoff
Lamotrigin
Lamotrigin ist ein Antiepileptikum, das laut Fachinformation zur Behandlung der Epilepsie und bei Erwachsenen ab 18 Jahren zur Vorbeugung depressiver Episoden bei einer Bipolar-I-Störung mit überwiegend depressiven Episoden zugelassen ist, nicht aber zur Akutbehandlung einer Manie oder Depression. Bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Lamictal. Weil schwere, möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen vorkommen können, im Allgemeinen in den ersten acht Wochen, wird die Dosis langsam gesteigert; bei Hautausschlag, Blasen oder Fieber holen Sie umgehend ärztliche Hilfe.

Wofür wird Lamotrigin eingesetzt?
Lamotrigin gehört laut Packungsbeilage zu den Antiepileptika und wird bei zwei Krankheitsbildern angewendet: bei Epilepsie und bei der bipolaren Störung. Bei Epilepsie ist es laut Fachinformation für Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren zugelassen, allein oder zusätzlich zu anderen Mitteln bei partiellen und generalisierten Anfällen einschließlich tonisch-klonischer Anfälle, außerdem bei Anfällen im Rahmen des Lennox-Gastaut-Syndroms; dort wird es als Zusatzbehandlung gegeben, kann aber auch als erstes Antiepileptikum zu Beginn der Behandlung angewendet werden. Bei Kindern von 2 bis 12 Jahren ist es als Zusatzbehandlung bei diesen Anfallsformen und beim Lennox-Gastaut-Syndrom zugelassen und allein bei typischen Absencen, einer bestimmten Form der Epilepsie. Für Kinder unter 2 Jahren wird Lamotrigin nicht empfohlen. [1, 2]
Bei der bipolaren Störung wechseln sich laut Packungsbeilage Phasen der Manie (Erregung oder Euphorie) mit Phasen der Depression (tiefe Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit) ab. Für diese Erkrankung ist Lamotrigin nur bei Erwachsenen ab 18 Jahren zugelassen, und zwar zur Vorbeugung depressiver Episoden bei Bipolar-I-Störung mit überwiegend depressiven Episoden, allein oder zusammen mit anderen Mitteln. Für die Akutbehandlung manischer oder depressiver Episoden ist Lamotrigin laut Fachinformation nicht zugelassen. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren darf es laut Packungsbeilage nicht zur Behandlung einer bipolaren Störung angewendet werden; laut Fachinformation wies eine Studie keine signifikante Wirksamkeit nach und zeigte vermehrt Meldungen von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten (siehe Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen). [1, 2]
Die S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen (Langversion 2.1, Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020) zählt Lamotrigin zu den Stimmungsstabilisierern. In der Langzeitbehandlung sollte Lamotrigin laut Leitlinie zur Vorbeugung depressiver Episoden eingesetzt werden, wenn Betroffene es in der akuten Krankheitsphase erhalten und ausreichend gut vertragen haben; auch ohne vorherige Gabe in der depressiven Akutphase kann der Einsatz erwogen werden (klinischer Konsenspunkt). Zur Vorbeugung manischer Episoden gibt es laut Leitlinie keine gesicherten Erkenntnisse. Zur Akutbehandlung einer bipolaren Depression kann Lamotrigin laut Leitlinie eingesetzt werden, wobei wegen der sehr langsamen Aufdosierung eine Wirkung erst nach mehreren Wochen zu erwarten ist; dafür ist es nicht zugelassen. Zur Behandlung der Manie formuliert die Leitlinie keine Empfehlung, auch dafür ist Lamotrigin nicht zugelassen. Die Leitlinienübersicht der DGPPN führt die Leitlinie mit dem Vermerk "Gültig bis: 01.03.2023"; diese Gültigkeit ist abgelaufen. [4, 13]
Wie wirkt Lamotrigin?
Laut Packungsbeilage hemmt Lamotrigin Signale im Gehirn, die epileptische Anfälle auslösen. Studien deuten laut Fachinformation darauf hin, dass es spannungsgesteuerte Natriumkanäle der Nervenzellen blockiert. Es hemmt anhaltende, sich wiederholende Entladungen der Nervenzellen und die Freisetzung des Botenstoffs Glutamat, der bei der Entstehung epileptischer Anfälle eine Schlüsselrolle spielt; diese Wirkungen tragen wahrscheinlich zum Schutz vor Anfällen bei. Wie Lamotrigin bei der bipolaren Störung wirkt, ist laut Fachinformation noch nicht eindeutig geklärt; wahrscheinlich sind die Natriumkanäle auch dabei von Bedeutung. Chemisch gehört Lamotrigin laut Embryotox zur Gruppe der Phenyltriazine. [1, 2, 3]
Nach der Einnahme ist die Konzentration im Blut nach ungefähr 2,5 Stunden am höchsten. Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert, liegt bei gesunden Erwachsenen bei ungefähr 33 Stunden (14 bis 103 Stunden). Andere Arzneimittel verändern sie erheblich: Mit Carbamazepin oder Phenytoin sinkt sie im Mittel auf etwa 14 Stunden, mit Valproat steigt sie im Mittel auf etwa 70 Stunden. Abgebaut wird Lamotrigin von bestimmten Enzymen, den UDP-Glucuronyltransferasen. [2]
Wann wirkt Lamotrigin und wie lange wird behandelt?
Bei einer bipolaren Störung kann es laut Packungsbeilage einige Zeit dauern, bis Lamotrigin seine Wirkung entfaltet, sodass Sie sich wahrscheinlich nicht sofort besser fühlen. Die Dosis wird zu Beginn über einige Wochen schrittweise gesteigert, weil das Risiko eines schweren Hautausschlags laut Fachinformation mit hohen Anfangsdosen und einem Überschreiten der empfohlenen Steigerung zusammenhängt. Auch nach einer Unterbrechung sollte die Ärztin oder der Arzt laut Fachinformation abwägen, ob die Dosis erneut schrittweise gesteigert werden muss; je länger die Pause zurückliegt, desto eher sollte das in Betracht gezogen werden. Worauf Sie und Ihre Angehörigen gerade zu Beginn und nach Dosisänderungen achten sollten, steht unter Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen. [1, 2]
Veränderungen von Stimmung und Schlaf können Sie im Stimmungstagebuch festhalten; mehr zur Dauer unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen?
- BeginnDie Ärztin oder der Arzt beginnt mit einer niedrigen Dosis und erhöht sie über einige Wochen schrittweise, bis die wirksame Dosis erreicht ist; bei der bipolaren Störung dauert die Steigerung bis zur stabilisierenden Dosis laut Fachinformation sechs Wochen. Die empfohlenen Anfangsdosen und Steigerungsschritte sollten laut Fachinformation nicht überschritten werden, weil das Risiko schwerer Hautausschläge mit hohen Anfangsdosen, zu schneller Steigerung und der gleichzeitigen Einnahme von Valproat zusammenhängt. Hautreaktionen traten im Allgemeinen in den ersten acht Wochen auf, eine schwere Überreaktion des Immunsystems (hämophagozytische Lymphohistiozytose, HLH) normalerweise in den ersten 4 Wochen. Bei der bipolaren Störung sollten Behandelte laut Fachinformation besonders zu Beginn und bei Dosisanpassungen engmaschig auf eine Verschlechterung und auf Suizidgedanken überwacht werden.[1, 2]
- Wirkung prüfenEs kann einige Zeit dauern, die richtige Dosis zu finden; sie hängt vom Alter, von anderen Arzneimitteln und von Nieren- oder Leberproblemen ab. Bei der bipolaren Störung dient Lamotrigin der Vorbeugung depressiver Phasen; laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen sollte die Wirksamkeit einer solchen Vorbeugung (Phasenprophylaxe) nach dem persönlichen Krankheitsverlauf überprüft werden, nach klinischer Erfahrung nach Ablauf der doppelten Dauer des durchschnittlichen Krankheitszyklus (Zeit vom Beginn einer Krankheitsphase bis zum Beginn der nächsten). Bei einem Rückfall in den ersten 6 Monaten sollte die Behandlung in der Regel nicht verändert werden.[1, 4]
- ErhaltungLamotrigin muss so lange eingenommen werden, wie die Ärztin oder der Arzt es empfiehlt. Bei der bipolaren Störung ist laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen zu vermeiden, dass eine nicht vollständig erfolgreiche Phasenprophylaxe ungeprüft und unverändert über Jahre fortgeführt wird.[1, 4]
- AbsetzenBrechen Sie die Einnahme nicht ohne ärztlichen Rat ab. Bei Epilepsie wird die Dosis über etwa 2 Wochen schrittweise verringert, weil ein plötzliches Ende die Anfälle wiederkehren oder schlimmer werden lassen kann, außer Sicherheitsgründe wie ein Hautausschlag verlangen ein sofortiges Ende. Bei der bipolaren Störung traten in Studien nach plötzlichem Absetzen keine vermehrten Nebenwirkungen auf, deshalb ist dort laut Fachinformation keine schrittweise Verringerung nötig; sprechen Sie trotzdem vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Soll Lamotrigin nach einer Pause wieder begonnen werden, sollte die Ärztin oder der Arzt laut Fachinformation abwägen, ob die Dosis erneut schrittweise gesteigert werden muss.[1, 2]
Nebenwirkungen im Blick
Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen, die mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen können, gehören laut Packungsbeilage Kopfschmerzen und Hautausschlag. Eine Gewichtszunahme nennen Packungsbeilage und Fachinformation unter den Nebenwirkungen nicht. [1, 2]
Unerwünschte Hautreaktionen traten laut Fachinformation im Allgemeinen in den ersten acht Wochen nach Beginn der Behandlung auf. Die meisten Hautausschläge sind leicht und klingen von selbst ab. Berichtet wurden aber auch schwere Hautausschläge, die eine Behandlung im Krankenhaus und das Absetzen von Lamotrigin nötig machten, darunter möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom, die toxische epidermale Nekrolyse und das Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS). Die Packungsbeilage beschreibt sie als ausgedehnten Ausschlag mit Blasen und sich abschälender Haut, besonders um Mund, Nase, Augen und Genitalbereich, als ausgeprägtes Abschälen großer Hautflächen oder als ausgedehnten Ausschlag mit Beteiligung von Leber, Blut und anderen Organen. Auch wenn sich die meisten dieser Reaktionen nach dem Absetzen zurückbilden, bleiben laut Fachinformation bei einigen Betroffenen dauerhafte Narben zurück. [1, 2]
Das Risiko schwerer Hautausschläge ist laut Fachinformation bei Kindern höher als bei Erwachsenen; bei Kindern kann ein beginnender Ausschlag fälschlicherweise für eine Infektion gehalten werden. Außerdem scheint das Risiko eng mit hohen Anfangsdosen, einem Überschreiten der empfohlenen schrittweisen Dosissteigerung und der gleichzeitigen Anwendung von Valproat zusammenzuhängen. Bei Menschen, die schon auf andere Antiepileptika mit einer Allergie oder einem Hautausschlag reagiert haben, waren nicht schwerwiegende Hautausschläge unter Lamotrigin deutlich häufiger als bei Menschen ohne diese Vorgeschichte. Bei Menschen asiatischer Herkunft, vor allem Han-Chinesen und Thailändern, ist die Genvariante HLA-B*1502 mit dem Risiko eines Stevens-Johnson-Syndroms oder einer toxischen epidermalen Nekrolyse verbunden. Mehr unter Lamotrigin und Hautausschlag. [1, 2]
Gelegentlich kommt es laut Packungsbeilage zu Hautausschlag oder Sonnenbrand nach Sonne oder künstlichem UV-Licht (Lichtempfindlichkeit). Sehr selten ist eine schwerwiegende Reaktion des Immunsystems (hämophagozytische Lymphohistiozytose, HLH), die laut Fachinformation normalerweise in den ersten 4 Wochen auftritt und lebensbedrohlich sein kann. Selten sind gemeinsam auftretende Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und extreme Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht, die durch eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningitis) verursacht sein können. Sehr selten sind Veränderungen des Blutbilds. Lamotrigin kann laut Packungsbeilage EKG-Veränderungen auslösen, die zu Herzrhythmusstörungen führen können, und bei langer Anwendung wurden Knochenerkrankungen wie Osteoporose und Knochenbrüche berichtet. [1, 2]
Nebenwirkungen im Blick
Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.
- MüdigkeitHäufig
- SchlafstörungenHäufig
- Unruhe und NervositätHäufig
- Gewichtszunahmenicht genannt
- Weniger oder veränderte Lust auf Sexnicht genannt
- Erektionsstörungennicht genannt
- MundtrockenheitHäufig
- Vermehrtes Schwitzennicht genannt
- ÜbelkeitHäufig
- SchwindelHäufig
- ZitternHäufig
- BewegungsstörungenSehr selten
- Herzrhythmus und QT-Zeitnicht genannt
- Natriummangelnicht genannt
- Abhängigkeitnicht genannt
- Sitzunruhe (Akathisie)nicht genannt
"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen von Lamotrigin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de.
Die häufigsten Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
- Sehr häufig: Hautausschlag[1, 2]
- Häufig: Aggressivität oder Reizbarkeit[1, 2]
- Häufig: Schläfrigkeit oder Benommenheit[1, 2]
- Häufig: Schwindelgefühl[1, 2]
- Häufig: Schütteln oder Zittern (Tremor)[1, 2]
- Häufig: Schlafstörungen (Insomnie)[1, 2]
- Häufig: Ruhelosigkeit (Agitiertheit)[1, 2]
- Häufig: Durchfall[1, 2]
- Häufig: Mundtrockenheit[1, 2]
- Häufig: Übelkeit oder Erbrechen[1, 2]
- Häufig: Gelenkschmerzen (Arthralgie)[1, 2]
- Häufig: Müdigkeit[1, 2]
- Häufig: Schmerzen im Rücken oder an anderen Stellen[1, 2]
Alle Nebenwirkungen von Lamotrigin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Was Angaben wie "häufig" oder "selten" bedeuten, zeigt der Häufigkeits-Übersetzer. Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, Bewegungsstörungen, Blutbildveränderungen und Herz und QT-Zeit.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Bei Zeichen einer möglicherweise lebensbedrohlichen Reaktion, etwa Hautausschlag, Blasen, Fieber oder geschwollenen Drüsen, nehmen Sie laut Packungsbeilage umgehend die Hilfe einer Ärztin oder eines Arztes in Anspruch. In vielen Fällen sind diese Beschwerden Zeichen weniger schwerwiegender Nebenwirkungen; sie können aber auch lebensbedrohlich verlaufen und sich unbehandelt zu ernsten Problemen wie Organversagen entwickeln. [1]
Laut Fachinformation sollten alle Behandelten, die einen Hautausschlag entwickeln, umgehend untersucht werden, und Lamotrigin sollte sofort abgesetzt werden, es sei denn, der Ausschlag hängt eindeutig nicht mit der Behandlung zusammen. Frühe Zeichen einer Überempfindlichkeit wie Fieber oder geschwollene Lymphknoten können auch ohne Hautausschlag auftreten. Nach einem Stevens-Johnson-Syndrom, einer toxischen epidermalen Nekrolyse oder einem DRESS im Zusammenhang mit Lamotrigin darf Lamotrigin nie wieder angewendet werden. [1, 2]
Bei einer bipolaren Störung können laut Packungsbeilage mitunter Gedanken aufkommen, sich selbst zu schädigen oder sich das Leben zu nehmen, möglicherweise eher zu Beginn der Behandlung, wenn Sie schon früher daran gedacht haben oder wenn Sie jünger als 25 Jahre sind. Haben Sie solche Gedanken, fühlen Sie sich während der Behandlung schlechter oder treten neue Beschwerden auf, gehen Sie so schnell wie möglich zur Ärztin oder zum Arzt oder in das nächstgelegene Krankenhaus. Über solche Gedanken und suizidales Verhalten wurde laut Fachinformation auch bei Menschen berichtet, die Antiepileptika in verschiedenen Anwendungsgebieten nahmen; eine Metaanalyse von Studien mit Antiepileptika zeigte ein leicht erhöhtes Risiko. Wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken haben, setzen Sie sich laut Packungsbeilage sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung. [1, 2]
Laut Packungsbeilage kann es hilfreich sein, einem Familienmitglied, einer Betreuungsperson oder einem engen Freund zu erzählen, dass Sie depressiv werden können oder ernst zu nehmende Stimmungsschwankungen haben, und diese Personen zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sie sich Sorgen über Ihre Depression oder andere Veränderungen in Ihrem Verhalten machen. [1]
Was Ihnen in einer Krise hilft und wen Sie anrufen können, lässt sich vorab im Krisenplan festhalten.
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Halten Sie sich genau an die verordnete Dosis und an die Schritte, mit denen sie gesteigert wird; nehmen Sie laut Packungsbeilage niemals mehr ein, als Ihnen verordnet wurde, und immer die volle Dosis, nie nur einen Teil einer Tablette. Einen Hautausschlag lassen Sie umgehend ärztlich ansehen, besonders in den ersten acht Wochen der Behandlung; die Zeichen stehen unter Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen. [1, 2]
Bekommen Sie nach Sonne oder künstlichem UV-Licht, zum Beispiel im Sonnenstudio, einen Hautausschlag oder Sonnenbrand, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Sie oder er überprüft laut Packungsbeilage die Behandlung und rät gegebenenfalls, Sonne zu meiden oder sich zu schützen, zum Beispiel mit Sonnencreme und Schutzkleidung. Mehr unter Psychopharmaka bei Hitze und Sonne. [1]
Beschwerden und Fragen können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch notieren und mit den Fragen fürs Arztgespräch vorbereiten. [1]
Kontrollen während der Behandlung
Hautausschläge treten laut Fachinformation im Allgemeinen in den ersten acht Wochen auf, und eine Schwangerschaft, hormonelle Verhütung und manche Arzneimittel können den Lamotrigin-Spiegel verändern; für diese Situationen nennt die Fachinformation eigene Kontrollen. Bei Kindern muss außerdem das Gewicht überwacht und die Dosis bei einer Gewichtsänderung gegebenenfalls angepasst werden. [2]
| Untersuchung | Wann oder warum |
|---|---|
| Haut | In den ersten acht Behandlungswochen besonders auf Hautausschläge achten, bei Kindern auch auf Hautausschlag mit Fieber; bei Zeichen einer Lichtempfindlichkeit wie starkem Sonnenbrand sollte laut Fachinformation ein Absetzen erwogen werden[2] |
| Stimmung und Suizidgedanken | Bei allen Behandelten auf Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten; bei der bipolaren Störung besonders zu Beginn und bei Dosisanpassungen engmaschig auf eine Verschlechterung, neue Beschwerden und Suizidalität[2] |
| Lamotrigin-Spiegel in der Schwangerschaft | Vor, während und nach der Schwangerschaft sowie kurz nach der Entbindung, weil der Spiegel in der Schwangerschaft sinken und nach der Geburt rasch ansteigen kann[2] |
| Lamotrigin-Spiegel bei hormoneller Verhütung oder Hormonersatz | Messungen vor und nach Beginn oder Ende einer hormonellen Verhütung können erwogen werden, bei Pillen mit pillenfreier Woche in der dritten Einnahmewoche; bei Hormonersatztherapie engmaschige Überwachung einschließlich Spiegelmessungen möglich. Veränderungen der Regelblutung wie Zwischenblutungen umgehend melden[2] |
| Lamotrigin-Spiegel bei bestimmten HIV-Mitteln | Vor und innerhalb von 2 Wochen nach Beginn oder Ende einer Behandlung mit Atazanavir/Ritonavir oder Lopinavir/Ritonavir[2] |
| Herz | Bei klinisch bedeutsamer Herzerkrankung wie Brugada-Syndrom, Herzschwäche, Herzblock oder Kammerrhythmusstörungen sollte die Anwendung laut Fachinformation sorgfältig abgewogen werden; vor Beginn sollte dann eine Rücksprache mit einer Kardiologin oder einem Kardiologen erwogen werden[2] |
| Untersuchungen vor Beginn bei bipolarer Störung | Laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen vor jeder medikamentösen Behandlung obligat (klinischer Konsenspunkt): Blutbild mit Differenzierung, Salze im Blut, Leberwerte, Nüchternblutzucker, Kreatinin, Blutdruck und Puls, Körpergewicht und Körpergröße, ein Schwangerschaftstest bei Frauen im gebärfähigen Alter und ein EKG[4] |
| Jährliche Untersuchungen bei bipolarer Störung | Laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen für alle Behandelten jährlich Schilddrüsenwerte (bei schnellem Phasenwechsel, Rapid Cycling, alle 6 Monate), Blutzucker, Blutfette, Blutdruck und Gewicht[4] |
Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Bei einer bipolaren Störung sollten Behandelte laut Fachinformation besonders zu Beginn und bei Dosisanpassungen engmaschig auf eine Verschlechterung, neue Beschwerden und Suizidgedanken überwacht werden. Haben Sie solche Gedanken, wenden Sie sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder an eines dieser Hilfsangebote. [1, 2]
Mehr dazu unter Kontrollen während der Behandlung und Medikamentenspiegel.
Wechselwirkungen
Valproat hemmt laut Fachinformation den Abbau von Lamotrigin und verlängert seine Halbwertszeit deutlich; zusammen mit Valproat gilt ein eigenes Dosierschema, und das Risiko eines Hautausschlags scheint eng mit der gleichzeitigen Anwendung von Valproat zusammenzuhängen. Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Primidon, das Antibiotikum Rifampicin und die HIV-Mittel Lopinavir/Ritonavir und Atazanavir/Ritonavir senken den Lamotrigin-Spiegel. Kam Carbamazepin zu einer Lamotrigin-Behandlung hinzu, wurden Schwindel, Bewegungsstörungen, Doppeltsehen, verschwommenes Sehen und Übelkeit berichtet. [1, 2]
Östrogenhaltige Arzneimittel wie die Pille oder eine Hormonersatztherapie können den Lamotrigin-Spiegel senken; ein gesunkener Spiegel wurde laut Fachinformation mit dem Verlust der Anfallskontrolle in Zusammenhang gebracht. In der pillenfreien Woche steigt der Spiegel vorübergehend an. Laut Fachinformation sollte deshalb eine Verhütung ohne pillenfreie Woche als erste Wahl erwogen werden, zum Beispiel durchgehend angewendete hormonelle Verhütungsmittel oder nicht hormonelle Methoden. Umgekehrt ist eine geringere Wirksamkeit der Verhütung laut Packungsbeilage unwahrscheinlich; Zwischen- oder Schmierblutungen melden Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Verhütung und Psychopharmaka. [1, 2]
Geringe oder keine Wirkung auf den Lamotrigin-Spiegel haben laut Fachinformation unter anderem Lithium, Olanzapin, Aripiprazol, Oxcarbazepin, Pregabalin und Paracetamol. Laut Packungsbeilage muss Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wissen, ob Sie diese Mittel einnehmen, damit Sie die richtige Dosis von Lamotrigin bekommen. Lamotrigin kann laut Fachinformation die Spiegel von Metformin, Gabapentin und Vareniclin erhöhen; welche Bedeutung das hat, ist noch nicht eindeutig geklärt. Zu Ibuprofen enthalten Packungsbeilage und Fachinformation keinen eigenen Hinweis. [1, 2]
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Valproat (gegen Epilepsie und psychische Erkrankungen) | Lamotrigin wird langsamer abgebaut, seine Halbwertszeit kann deutlich steigen; das Risiko eines Hautausschlags scheint eng mit der gleichzeitigen Anwendung von Valproat zusammenzuhängen[1, 2] | Eigenes Dosierungsschema laut Fachinformation; Ärztin oder Arzt informieren |
| Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital oder Primidon (gegen Epilepsie) | Lamotrigin wird schneller abgebaut, sein Spiegel sinkt. Kam Carbamazepin zu einer Lamotrigin-Behandlung hinzu, wurden Schwindel, Bewegungsstörungen (Ataxie), Doppeltsehen, verschwommenes Sehen und Übelkeit berichtet[1, 2] | Eigenes Dosierungsschema; Beginn und Ende der Einnahme ärztlich besprechen |
| Rifampicin (Antibiotikum) und HIV-Mittel aus Lopinavir und Ritonavir oder Atazanavir und Ritonavir | Lamotrigin-Spiegel sinkt[1, 2] | Beginn und Ende der Einnahme ärztlich besprechen |
| Östrogenhaltige Arzneimittel, z. B. die "Pille" (hormonelle Empfängnisverhütung) oder eine Hormonersatztherapie | Können den Lamotrigin-Spiegel senken; ein gesunkener Spiegel wurde mit dem Verlust der Anfallskontrolle in Verbindung gebracht. In der pillenfreien Woche steigt der Spiegel vorübergehend an. Umgekehrt ist eine geringere Wirksamkeit der Verhütung unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen[1, 2] | Verhütung vorher mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen; eventuell Blutspiegelkontrolle; Zwischen- oder Schmierblutungen melden |
| Risperidon (gegen psychische Erkrankungen) | Gegenseitige Beeinflussung möglich; in einer Studie mit gesunden Probanden wurde nach der Kombination häufiger über Schläfrigkeit berichtet als unter einem der beiden Mittel allein[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Oxcarbazepin, Felbamat, Gabapentin, Levetiracetam, Pregabalin, Topiramat, Zonisamid, Lithium, Olanzapin, Aripiprazol, Bupropion, Paracetamol | Die Ärztin oder der Arzt muss davon wissen, damit die Lamotrigin-Dosis stimmt; laut Fachinformation haben diese Mittel geringe oder keine Wirkung auf den Lamotrigin-Spiegel[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Metformin, Gabapentin oder Vareniclin | Lamotrigin kann den Spiegel dieser über die Nieren ausgeschiedenen Mittel erhöhen; die klinische Bedeutung ist noch nicht geklärt[2] | Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme; ärztlich besprechen |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren.
Wer Lamotrigin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Im Abschnitt Gegenanzeigen nennt die Fachinformation nur eine Überempfindlichkeit gegen Lamotrigin oder einen der sonstigen Bestandteile; wegen des enthaltenen Sorbitols dürfen Menschen mit einer erblichen Fructoseunverträglichkeit (hereditäre Fructoseintoleranz) die Tabletten zur Herstellung einer Suspension laut Fachinformation ebenfalls nicht einnehmen. Bei mittelschwerer oder schwerer Einschränkung der Leberfunktion sollten die Dosen laut Fachinformation generell verringert werden; bei älteren Menschen ist keine Anpassung der Dosis erforderlich, mehr unter Psychopharmaka im Alter. [2]
Nicht anwenden bei
Besondere Vorsicht bei
- Früherer Hautausschlag nach Lamotrigin oder nach anderen Mitteln gegen bipolare Störung oder Epilepsie[1, 2]
- Hautausschlag oder Sonnenbrand nach Sonne oder künstlichem UV-Licht (z. B. Solarium) während der Einnahme: Die Ärztin oder der Arzt überprüft die Behandlung und rät gegebenenfalls zu Sonnenschutz[1, 2]
- Hirnhautentzündung (Meningitis) nach einer früheren Einnahme von Lamotrigin, laut Fachinformation sollten Betroffene Lamotrigin nicht wieder einnehmen[1, 2]
- Menschen asiatischer Herkunft (vor allem Han-Chinesen und Thailänder), bei denen die Genvariante HLA-B*1502 nachgewiesen wurde: höheres Risiko für schwere Hautreaktionen, vor der Einnahme ärztlich besprechen[1, 2]
- Nierenprobleme[1, 2]
- Brugada-Syndrom oder andere Herzprobleme: Lamotrigin kann EKG-Veränderungen auslösen, die zu Herzrhythmusstörungen führen können[1, 2]
- Einnahme eines anderen Arzneimittels, das bereits Lamotrigin enthält[1, 2]
- Bipolare Störung: Gedanken an Selbstverletzung oder Selbsttötung sind eher möglich zu Beginn der Behandlung, nach früheren solchen Gedanken und bei Menschen unter 25 Jahren[1, 2]
- Epilepsie: Anfälle können sich während der Einnahme verstärken oder häufiger auftreten; myoklonische Anfälle können durch Lamotrigin verstärkt werden[1, 2]
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: nicht zur Behandlung der bipolaren Störung; Kinder unter 2 Jahren: Anwendung nicht empfohlen[1, 2]
- Langfristige Einnahme von Antiepileptika, bekannte Osteoporose oder gleichzeitige Einnahme von Kortison oder anderen Steroidhormonen: mit Ärztin, Arzt oder Apotheke über die Knochen sprechen[1]
- Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern oder erbliche Fructoseunverträglichkeit (hereditäre Fructoseintoleranz): Die Tabletten zur Herstellung einer Suspension von Lamotrigin-ratiopharm enthalten Sorbitol, vorher ärztlich besprechen; laut Fachinformation dürfen Menschen mit hereditärer Fructoseintoleranz sie nicht einnehmen[1, 2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Zu Alkohol enthalten Packungsbeilage und Fachinformation von Lamotrigin keinen Hinweis. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, was in Ihrer Situation gilt; Allgemeines unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2]
Lamotrigin kann laut Packungsbeilage Schwindel und Doppeltsehen verursachen. Setzen Sie sich laut Packungsbeilage nicht ans Steuer eines Fahrzeugs und bedienen Sie keine Maschinen, solange Sie nicht sicher sind, dass Sie davon nicht betroffen sind. Haben Sie Epilepsie, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre Verkehrstüchtigkeit. [1, 2] Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [12] Die Ausnahme für bestimmungsgemäß eingenommene, für einen konkreten Krankheitsfall verschriebene Arzneimittel in § 24a Abs. 4 StVG bezieht sich nur auf bestimmte Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG. [11] Mehr dazu unter Psychopharmaka und Autofahren.
Bei Frauen, die wegen einer Epilepsie behandelt werden, ist ein plötzliches Absetzen laut Fachinformation zu vermeiden, weil es zu Durchbruchsanfällen mit schwerwiegenden Folgen für Mutter und Kind führen kann. [2]
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Lamotrigin in der Schwangerschaft als sehr hoch an, für die Stillzeit liegen dort publizierte Erfahrungen zu etwa 120 Mutter-Kind-Paaren vor. Setzen Sie Lamotrigin nicht selbst ab; wenn Sie schwanger sind, es werden möchten oder stillen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Allgemeines unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. [1, 3]
Schwangerschaft
Sind Sie schwanger, vermuten Sie es oder planen Sie eine Schwangerschaft, fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke. Brechen Sie die Behandlung nicht ab, ohne mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt gesprochen zu haben, besonders bei Epilepsie. Eine Schwangerschaft kann die Wirksamkeit beeinflussen, sodass Blutuntersuchungen und eine Anpassung der Dosis nötig sein können. Laut Packungsbeilage kann ein geringfügig erhöhtes Risiko für Geburtsfehler einschließlich Lippen- oder Gaumenspalten bestehen, wenn Lamotrigin in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten eingenommen wird; die Ärztin oder der Arzt empfiehlt möglicherweise zusätzlich Folsäure.[1]
Die Fachinformation nennt Daten von mehr als 8.700 Schwangeren mit Lamotrigin als einzigem Antiepileptikum im ersten Schwangerschaftsdrittel, die keinen wesentlichen Anstieg großer angeborener Fehlbildungen einschließlich Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zeigen. Ist die Behandlung nötig, wird die niedrigste mögliche wirksame Dosis empfohlen. Der Lamotrigin-Spiegel sollte vor, während und nach der Schwangerschaft sowie kurz nach der Entbindung kontrolliert werden, weil er in der Schwangerschaft sinken und nach der Geburt rasch ansteigen kann.[2]
Embryotox bezeichnet Lamotrigin wegen des sehr hohen Erfahrungsumfangs als Antiepileptikum der Wahl in der Schwangerschaft, falls es ausreichend wirksam ist, möglichst als einziges Antiepileptikum. In Schwangerschaftsregistern mit über 7.000 Verläufen unter alleiniger Lamotrigin-Behandlung im ersten Schwangerschaftsdrittel ergaben sich bisher keine eindeutigen Hinweise auf fehlbildende Wirkungen. Bei Einnahme bis zur Geburt ist mit Anpassungsstörungen beim Neugeborenen zu rechnen; die Entbindung sollte deshalb in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen. Bei psychiatrischen Anwendungsgebieten und einer Neueinstellung ist laut Embryotox zu prüfen, ob Alternativen vorhanden sind: bei bipolarer Erkrankung je nach Krankheitsverlauf zum Beispiel Quetiapin; bei Epilepsie nennt Embryotox keine besser geeignete Alternative. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Lamotrigin geht in die Muttermilch über und kann dem Kind schaden. Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke. Entscheiden Sie sich nach ärztlicher Abwägung für das Stillen, wird Ihr Kind von Zeit zu Zeit auf Abgeschlagenheit, Hautausschlag und schlechte Gewichtszunahme untersucht; melden Sie solche Zeichen Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1, 2]
Laut Embryotox liegen publizierte Erfahrungen zu etwa 120 Mutter-Kind-Paaren vor. Stillen erscheint laut Embryotox bei alleiniger Lamotrigin-Behandlung und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel, wenn in Kauf genommen wird, dass das Kind unter Umständen wirksame Lamotrigin-Spiegel aufbaut. Die allermeisten gestillten Kinder waren unauffällig.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Autofahren und Maschinen
Lamotrigin kann Schwindel und Doppeltsehen verursachen. Setzen Sie sich laut Packungsbeilage nicht ans Steuer eines Fahrzeugs und bedienen Sie keine Maschinen, solange Sie nicht sicher sind, dass Sie davon nicht betroffen sind. Haben Sie Epilepsie, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die Verkehrstüchtigkeit.[1, 2]
Anwendung
Je nach ärztlicher Anweisung einmal oder zweimal täglich, unabhängig von den Mahlzeiten. Immer die volle verordnete Dosis nehmen, nie nur einen Teil einer Tablette. Die Tabletten von Lamotrigin-ratiopharm können im Ganzen mit etwas Wasser geschluckt, gekaut oder in Wasser aufgelöst werden; die aufgelöste Tablette vollständig trinken und mit etwas Wasser nachspülen.[1]
Eine Dosis vergessen: keine zusätzlichen Tabletten nehmen, sondern die nächste Dosis zur gewohnten Zeit. Mehrere Dosen vergessen: Ihre Ärztin oder Ihren Arzt fragen, wie Sie die Behandlung wieder beginnen und fortsetzen.[1]
Absetzen
Brechen Sie die Einnahme nicht ohne ärztlichen Rat ab. Bei Epilepsie wird die Dosis über etwa 2 Wochen schrittweise verringert; ein plötzliches Ende kann die Epilepsie wieder auftreten lassen oder verschlimmern. Bei bipolarer Störung muss die Dosis nicht schrittweise verringert werden, sprechen Sie trotzdem vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1, 2]
Stellt die Ärztin oder der Arzt ein Stevens-Johnson-Syndrom oder eine toxische epidermale Nekrolyse im Zusammenhang mit Lamotrigin fest, dürfen Sie Lamotrigin nie wieder einnehmen. Laut Fachinformation gilt das auch nach einem Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS).[1, 2]
Überdosierung
Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen und die Packung möglichst mitnehmen. Beobachtet wurden rasche, unkontrollierbare Augenbewegungen (Nystagmus), Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen (Ataxie), Herzrhythmusstörungen, Bewusstseinsverlust, Krampfanfälle oder Koma.[1, 2]
Einnahme und Absetzen
Lamotrigin kann laut Packungsbeilage unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Tabletten zur Herstellung einer Suspension lassen sich im Ganzen mit etwas Wasser schlucken, kauen oder in Wasser auflösen; die aufgelöste Tablette trinken Sie vollständig und spülen mit etwas Wasser nach. Haben Sie eine einzelne Dosis vergessen, nehmen Sie die nächste Dosis zur gewohnten Zeit und keine zusätzlichen Tabletten. [1]
Brechen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage nicht ohne ärztlichen Rat ab. Bei Epilepsie wird die Dosis über etwa 2 Wochen schrittweise verringert; ein plötzliches Ende kann die Epilepsie erneut auftreten lassen oder verschlimmern. Laut Fachinformation kann ein plötzliches Absetzen sogenannte Rebound-Anfälle hervorrufen; die Dosis sollte deshalb über 2 Wochen schrittweise verringert werden, außer wenn Sicherheitsgründe wie ein Hautausschlag einen plötzlichen Abbruch erforderlich machen. [1, 2]
Bei einer bipolaren Störung muss die Dosis laut Packungsbeilage nicht schrittweise verringert werden; in Studien traten nach einem plötzlichen Absetzen laut Fachinformation Nebenwirkungen nicht häufiger, schwerer oder in anderer Art auf als unter einem Scheinmedikament. Sie sollten trotzdem vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen: Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit ihr oder ihm. Ausführlich: Psychopharmaka absetzen. [1, 2]
Dosierung laut Packungsbeilage
Die Packungsbeilage nennt die übliche wirksame Dosis für Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren und für Kinder von 2 bis 12 Jahren nach Körpergewicht. Anfangsdosis und Steigerung über die ersten Wochen richten sich laut Fachinformation unter anderem danach, ob gleichzeitig Valproat oder Mittel genommen werden, die den Abbau von Lamotrigin verstärken; diese Schritte legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. [1, 2]
Präparate mit Lamotrigin
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Lamictal | verschreibungspflichtig | |
| Lamotrigin AbZ | AbZ-Pharma GmbH | verschreibungspflichtig; Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen |
| Lamotrigin-CT | AbZ-Pharma GmbH | verschreibungspflichtig; Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen |
| Lamotrigin DESITIN | DESITIN Arzneimittel GmbH | verschreibungspflichtig; Tabletten |
| Lamotrigin-ratiopharm | ratiopharm GmbH | verschreibungspflichtig; Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen; Grundlage dieser Seite |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Lamotrigin-ratiopharm 100 mg Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 10.10.2026
- Fachinformation Lamotrigin-ratiopharm Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 10.10.2026
- Embryotox: Lamotrigin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, Langversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 038-019), Kapitel 4.8 (Diagnostik vor und während einer Pharmakotherapie, Tabelle 19) und 5.4 (Phasenprophylaxe). Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) und DGPPN. Stand Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020. abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Bipolare Störungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Lamotrigin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Dosis von Lamotrigin?
Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Sie beginnt laut Packungsbeilage niedrig und wird über einige Wochen schrittweise erhöht, bis die wirksame Dosis erreicht ist; die richtige Dosis hängt vom Alter, von anderen Arzneimitteln und von Nieren- oder Leberproblemen ab. Die übliche wirksame Dosis laut Packungsbeilage steht im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage. Nehmen Sie niemals mehr ein, als Ihnen verordnet wurde.
Was tun bei Hautausschlag unter Lamotrigin?
Holen Sie umgehend ärztliche Hilfe. Hautausschläge treten laut Fachinformation im Allgemeinen in den ersten acht Wochen auf; die meisten sind leicht und klingen von selbst ab, es gibt aber auch schwere, möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen. Laut Fachinformation sollte jede Person, die einen Hautausschlag entwickelt, umgehend untersucht werden, und Lamotrigin sollte sofort abgesetzt werden, es sei denn, der Ausschlag hängt eindeutig nicht mit der Behandlung zusammen. Mehr unter Lamotrigin und Hautausschlag.
Wie setzt man Lamotrigin ab?
Brechen Sie die Einnahme nicht ohne ärztlichen Rat ab. Bei Epilepsie wird die Dosis laut Packungsbeilage über etwa 2 Wochen schrittweise verringert, weil ein plötzliches Ende die Epilepsie erneut auftreten lassen oder verschlimmern kann. Bei einer bipolaren Störung muss die Dosis laut Packungsbeilage nicht schrittweise verringert werden; Sie sollten trotzdem vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen.
Darf ich mit Lamotrigin Alkohol trinken?
Zu Alkohol enthalten Packungsbeilage und Fachinformation von Lamotrigin keinen Hinweis. Lamotrigin kann laut Packungsbeilage Schläfrigkeit, Schwindel und Doppeltsehen verursachen. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, was in Ihrer Situation gilt; Allgemeines unter Psychopharmaka und Alkohol.
Verträgt sich Lamotrigin mit der Pille?
Östrogenhaltige Verhütungsmittel wie die Pille können den Lamotrigin-Spiegel laut Fachinformation senken; in der pillenfreien Woche steigt er vorübergehend an. Umgekehrt ist eine geringere Wirksamkeit der Verhütung laut Packungsbeilage unwahrscheinlich; Zwischen- oder Schmierblutungen melden Sie aber Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn Sie hormonell verhüten oder damit beginnen möchten, sprechen Sie laut Packungsbeilage vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die geeignete Methode; mehr unter Verhütung und Psychopharmaka.
Wird bei Lamotrigin der Blutspiegel gemessen?
Die Fachinformation nennt Spiegelmessungen für bestimmte Situationen. In der Schwangerschaft sollte der Lamotrigin-Spiegel vor, während und nach der Schwangerschaft sowie kurz nach der Entbindung überwacht werden, bei bestimmten HIV-Mitteln vor und innerhalb von 2 Wochen nach Beginn oder Ende ihrer Einnahme. Bei Beginn oder Ende einer hormonellen Verhütung können Messungen in Betracht gezogen werden. Mehr unter Medikamentenspiegel.
Darf ich Lamotrigin in der Schwangerschaft nehmen?
Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten, und brechen Sie die Behandlung laut Packungsbeilage nicht ab, ohne mit ihr oder ihm gesprochen zu haben, besonders bei Epilepsie. Laut Packungsbeilage kann ein geringfügig erhöhtes Risiko für Geburtsfehler einschließlich Lippen- oder Gaumenspalten bestehen, wenn Lamotrigin in den ersten drei Monaten eingenommen wird; die Fachinformation nennt Daten von mehr als 8.700 Schwangeren mit Lamotrigin als einzigem Antiepileptikum in den ersten drei Monaten, die keinen wesentlichen Anstieg großer Fehlbildungen zeigen. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang als sehr hoch an und bezeichnet Lamotrigin als Antiepileptikum der Wahl in der Schwangerschaft, falls es ausreichend wirksam ist; bei psychiatrischen Anwendungsgebieten und einer Neueinstellung ist laut Embryotox zu prüfen, ob es Alternativen gibt. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Macht Lamotrigin müde?
Das ist möglich: Schläfrigkeit oder Benommenheit und Müdigkeit gehören laut Packungsbeilage zu den häufigen Nebenwirkungen, sie können also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen. Ebenfalls häufig sind Schlafstörungen. In zwei Studien mit gesunden Probanden unterschied sich Lamotrigin laut Fachinformation bei subjektiven dämpfenden Wirkungen nicht von einem Scheinmedikament. Sprechen Sie anhaltende Müdigkeit bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an; mehr unter Müdigkeit.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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