MedikamenteWirkstoff

Perazin

Perazin ist ein verschreibungspflichtiges Neuroleptikum (Antipsychotikum) aus der Gruppe der Phenothiazine, das die Fachinformation als mittelpotent einstuft. Zugelassen ist es bei akuten psychotischen und katatonen Syndromen, bei chronisch verlaufenden Psychosen auch zur Rückfallvorbeugung, bei maniformen Syndromen und bei psychomotorischen Erregungszuständen. Das Blutbild wird vor Beginn und während der Behandlung regelmäßig kontrolliert, in den ersten vier Monaten möglichst wöchentlich, und bei Fieber, Halsschmerzen oder Entzündungen im Mund sollten Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen.

Mann in den Vierzigern mit kurzen braunen Haaren und leichtem Bart gießt am Morgen Pflanzen in einem kleinen, sonnigen Garten
Bild: KI-generiert

Wofür wird Perazin eingesetzt?

Perazin ist laut Fachinformation für vier Anwendungsgebiete zugelassen:

  • akute psychotische Syndrome mit Wahn, Halluzinationen, Denkstörungen und Ich-Störungen sowie katatone Syndrome, [1]
  • chronisch verlaufende endogene und exogene Psychosen, um die Beschwerden zu unterdrücken und Rückfällen vorzubeugen, [1]
  • maniforme Syndrome, also Zustände mit krankhaft gehobener Stimmung und gesteigertem Antrieb, [1]
  • psychomotorische Erregungszustände. [1]

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind von der Behandlung auszunehmen, weil kein ausreichendes klinisches Erkenntnismaterial vorliegt. Für Verhaltensstörungen, die mit einer Demenz zusammenhängen, ist Perazin nicht zugelassen. Perazin ist verschreibungspflichtig. Was hinter Begriffen wie Psychose, Wahn und Halluzination steht und wie diese Erkrankungen behandelt werden, erklären die Seiten Psychose, Schizophrenie und Bipolare Störung. [1, 3]

Wie wirkt Perazin?

Perazin ist laut Fachinformation ein mittelpotentes Neuroleptikum aus der Reihe der Phenothiazine; Embryotox nennt es ein konventionelles Antipsychotikum mit mittelstarker Bindung an die D2-Rezeptoren für Dopamin. Im Tierversuch hemmt Perazin die Andockstellen (Rezeptoren) D1 und D2 für den Botenstoff Dopamin, dadurch steigt die Ausschüttung des Hormons Prolaktin. Außerdem blockiert es Rezeptoren für Adrenalin und Noradrenalin (alpha-adrenerge Rezeptoren), für Acetylcholin, Histamin und Serotonin. [1, 2]

Im klinischen Bild wirkt Perazin antipsychotisch: Es verringert Wahn, Halluzinationen, Denkstörungen und Ich-Störungen und beeinflusst katatone Erregung und affektive Gespanntheit günstig. Darüber hinaus senkt es den Blutdruck, wirkt beruhigend (sedierend) und verstärkt die schmerzstillende Wirkung von Morphin. Embryotox weist auf ein hohes Risiko für Wechselwirkungen und für Blutbildveränderungen hin. Einen Überblick über die Gruppe gibt die Seite Nieder- und mittelpotente Antipsychotika, alle Gruppen zeigt die Seite Antipsychotika. [1, 2]

Nach dem Einnehmen wird Perazin schnell aufgenommen und erreicht innerhalb von 1 bis 4 Stunden die höchsten Blutspiegel. Weil wahrscheinlich schon beim ersten Durchgang durch die Leber viel abgebaut wird, schwanken die Werte stark, von Mensch zu Mensch und auch bei derselben Person. Ein gleichbleibender Spiegel stellt sich nach 7 bis 8 Tagen ein. In Einzeldosisversuchen mit 10 Personen betrug die Halbwertszeit in der letzten Phase der Ausscheidung 8 bis 16 Stunden. Ausgeschieden wird Perazin zu je etwa der Hälfte über die Nieren und den Stuhl, fast nur in Form von Abbauprodukten; bei älteren Menschen ist der Abbau verlangsamt. [1]

Wann wirkt Perazin und wie lange wird behandelt?

Die dämpfende Wirkung tritt laut Fachinformation sofort ein, die antipsychotische Wirkung erreicht ihr Maximum zuweilen erst nach 1 bis 3 Wochen Behandlung. Für die ambulante Behandlung wird ein Beginn mit langsam ansteigender Dosis vorgeschlagen; im Krankenhaus kann auch mit höheren Dosen begonnen werden, um rasch eine Wirkung zu erzielen. Abrupte starke Dosisänderungen sollten wegen des erhöhten Risikos für Nebenwirkungen vermieden werden. [1]

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Krankheitsverlauf. Nach dem Abklingen akuter Beschwerden folgt eine Erhaltungsbehandlung; bei chronisch verlaufenden Psychosen nennt die Fachinformation ausdrücklich das Ziel, Rückfällen vorzubeugen. Wie lange Sie Perazin nehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen fest. Mehr dazu auf den Seiten Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen?. [1]

  1. BeginnFür die ambulante Behandlung wird ein Beginn mit langsam ansteigender Dosis vorgeschlagen; im Krankenhaus kann mit höheren Dosen begonnen werden. Abrupte starke Dosisänderungen sollten wegen des erhöhten Risikos für Nebenwirkungen vermieden werden. Vor Behandlungsbeginn wird das Blutbild kontrolliert; niedriger Blutdruck und beschleunigter Herzschlag treten insbesondere zu Beginn auf.[1]
  2. Erste WirkungDie dämpfende Wirkung auf Unruhe und Bewegungsdrang tritt sofort ein. Die antipsychotische Wirkung erreicht zuweilen erst nach 1 bis 3 Wochen Behandlung ihr Maximum.[1]
  3. ErhaltungDie Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Krankheitsverlauf. Nach dem Abklingen akuter Beschwerden folgt eine Erhaltungsbehandlung; das Blutbild wird in den ersten vier Monaten möglichst wöchentlich, danach bei unauffälligen Befunden monatlich kontrolliert.[1]
  4. AbsetzenNach einer längerfristigen Behandlung wird die Dosis in sehr kleinen Schritten über große Zeiträume verringert, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt. Abruptes Absetzen hoher Dosen begünstigt Krampfanfälle; Spätdyskinesien können erst nach dem Ende der Behandlung sichtbar werden.[1]

Nebenwirkungen im Blick

Häufig, insbesondere zu Beginn der Behandlung, treten laut Fachinformation ein niedriger Blutdruck, auch beim Aufstehen, und als Gegenreaktion ein schneller Herzschlag auf. Häufig sind außerdem eine Dämpfung (Sedierung), frühe Bewegungsstörungen wie Krämpfe der Zungen- und Schlundmuskulatur, Blickkrämpfe oder ein Schiefhals und Beschwerden wie bei der Parkinson-Krankheit mit Zittern, Steifigkeit und Bewegungsarmut. Treten solche Bewegungsstörungen auf, ist laut Fachinformation eine Verringerung der Dosis oder eine Behandlung mit einem anticholinerg wirkenden Parkinsonmittel erforderlich. [1]

Vor allem unter höheren Dosen und bei längerer Behandlung kann gelegentlich eine Bewegungsunruhe vor allem der Beine auftreten (Akathisie), häufig verbunden mit einer depressiven Verstimmung. Nach längerfristiger Anwendung von Neuroleptika können gelegentlich, besonders bei älteren Menschen und bei Frauen, Spätdyskinesien vor allem im Mundbereich auftreten, die noch nach dem Ende der Behandlung anhalten können und manchmal nicht umkehrbar sind. Gelegentlich kommen auch eine Gewichtszunahme unter höheren Dosen, Veränderungen des Blutbilds, Milchfluss aus der Brust, ein Ausbleiben der Regelblutung und eine Lichtüberempfindlichkeit von Haut und Augen vor. [1]

Nebenwirkungen im Blick

Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.

"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit.

Ohne Häufigkeitsangabe nennt die Fachinformation unter anderem eine Verlängerung des QT-Intervalls im EKG, bei der Herzrhythmusstörungen vom Typ Torsade de pointes besonders bei weiteren Risikofaktoren nicht auszuschließen sind, Blutgerinnsel in den Venen und in Einzelfällen Schlafstörungen, Verwirrtheitszustände, Alp- und Angstträume und eine starke Verminderung der Granulozyten (Agranulozytose). Diese Angaben fehlen deshalb in der Übersicht und in der folgenden Liste und stehen bei den Hinweisen zur Vorsicht. Ein malignes neuroleptisches Syndrom kann bei der Behandlung mit Neuroleptika in Einzelfällen auftreten; unter Perazin ist es laut Fachinformation bisher nicht berichtet worden. [1]

Die folgende Liste nennt alle Nebenwirkungen, für die die Fachinformation eine Häufigkeit angibt; was die Angaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. [1]

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • NervensystemDämpfung (Sedierung)[1]Mehr dazu: Müdigkeit
  • Leber und GalleVorübergehend erhöhte Leberenzymwerte[1]
  • NervensystemFrühe Bewegungsstörungen (Frühdyskinesien): krampfartiges Herausstrecken der Zunge, Verkrampfung der Schlundmuskulatur, Blickkrämpfe (okulogyre Krisen), Schiefhals, Versteifung der Rückenmuskulatur, Kiefermuskelkrämpfe[1]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
  • NervensystemBeschwerden wie bei der Parkinson-Krankheit (Parkinson-Syndrom): Zittern, Steifigkeit, Bewegungsarmut[1]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
  • Gefäße und KreislaufNiedriger Blutdruck oder Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Dysregulation), insbesondere zu Beginn der Behandlung[1]
  • HerzBeschleunigter Herzschlag als Gegenreaktion (reflektorisch), insbesondere zu Beginn der Behandlung[1]Mehr dazu: Herzrasen
  • HerzEKG-Veränderungen in Form klinisch nicht bedeutsamer Erregungsrückbildungsstörungen[1]
  • Stoffwechsel und ErnährungUnter mittleren bis hohen Dosen veränderter Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest) mit erhöhten Blutzuckerwerten[1]Mehr dazu: Erhöhter Blutzucker

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

  • Blut und LymphsystemBlutbildveränderungen: vorübergehende Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie) und relative Verminderung der Granulozyten bei Vermehrung der Lymphozyten oder Monozyten[1]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • Blut und LymphsystemVerminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie)[1]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • NervensystemVor allem unter höheren Dosen: gestörte Speichelbildung[1]
  • AtemwegeVor allem unter höheren Dosen: verstopfte Nase[1]
  • AugenVor allem unter höheren Dosen: Veränderungen des Augeninnendrucks, Störungen der Naheinstellung des Auges (Akkommodationsstörungen)[1]
  • HautVor allem unter höheren Dosen: Schwitzen[1]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen
  • Allgemeine BeschwerdenVor allem unter höheren Dosen: vermehrtes Durstgefühl[1]
  • Magen und DarmVor allem unter höheren Dosen: Mundtrockenheit[1]
  • Stoffwechsel und ErnährungVor allem unter höheren Dosen: Gewichtszunahme[1]Mehr dazu: Gewichtszunahme
  • NervensystemBewegungsunruhe vor allem der Beine (Akathisie), häufig mit depressiver Verstimmung verbunden; vor allem unter höheren Dosen und bei längerer Behandlung[1]Mehr dazu: Sitzunruhe (Akathisie)
  • NervensystemNach längerfristiger Anwendung von Neuroleptika, insbesondere bei älteren Menschen und bei Frauen: Spätdyskinesien vor allem im Mundbereich, die noch nach dem Ende der Behandlung anhalten können und manchmal nicht umkehrbar sind[1]Mehr dazu: Spätdyskinesien
  • Geschlechtsorgane und BrustMilchfluss aus der Brust (Galaktorrhö), Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö), Vergrößerung der Brustdrüse[1]Mehr dazu: Brustspannen und BrustvergrößerungZyklusstörungen
  • Allgemeine BeschwerdenErhöhte Körpertemperatur[1]
  • HautLichtüberempfindlichkeit der Haut und der Augen (Photosensibilität)[1]
  • NervensystemEmpfindungsstörungen an Händen und/oder Füßen, insbesondere nach starker Sonnenbestrahlung[1]
  • HautAllergische Hauterscheinungen[1]

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • Nieren und HarnwegeStörungen beim Wasserlassen[1]
  • Magen und DarmVerstopfung[1]
  • Geschlechtsorgane und BrustAuswirkungen auf die sexuellen Funktionen, zum Beispiel beeinträchtigte sexuelle Reaktionsfähigkeit und sexuelles Verlangen, Störungen der Erektion und des Samenergusses[1]Mehr dazu: Weniger Lust auf SexErektionsstörungenOrgasmus- und Samenergussstörungen
  • PsycheVerstärkung depressiver Beschwerden, die nach dem Abklingen einer akuten Psychose häufig zu beobachten sind[1]
  • Blut und LymphsystemVerminderung der Blutplättchen (Thrombopenie)[1]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • AtemwegeNasenbluten[1]
  • HautSchwere phototoxische Reaktionen der Haut[1]
  • NervensystemKrampfanfälle[1]
  • Gefäße und KreislaufKreislaufversagen[1]
  • PsycheVerwirrtheitszustand durch die anticholinerge Wirkung (anticholinerges Delir)[1]

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • HerzVerlängerung des QT-Intervalls; Herzrhythmusstörungen vom Typ Torsades de Pointes sind insbesondere bei weiteren Risikofaktoren nicht auszuschließen[1]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Ein malignes neuroleptisches Syndrom mit hohem Fieber und Muskelstarre wird laut Fachinformation nicht selten als Katatonie fehlgedeutet. Weil eine erneute Gabe eines Neuroleptikums dann lebensbedrohlich sein kann, ist die Unterscheidung von entscheidender Bedeutung. [1]

Nach dem Abklingen einer akuten Psychose sind depressive Beschwerden laut Fachinformation häufig zu beobachten, und in seltenen Fällen kann Perazin sie verstärken. Merken Sie, dass Ihre Stimmung sinkt, oder geht es Ihnen sehr schlecht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In einer akuten Krise erreichen Sie Hilfe unter diesen Nummern. [1]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau in den Dreißigern mit breitkrempigem Sonnenhut sitzt an einem hellen Sommertag im Schatten eines Baums in einem Park
Bild: KI-generiert

Belastende Nebenwirkungen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; setzen Sie Perazin nicht eigenmächtig ab. Bei einer Akathisie kann laut Fachinformation zunächst eine Verringerung der Dosis versucht werden. Einige Hinweise der Fachinformation betreffen den Alltag: [1]

  • Intensive Sonnenbäder sollten Sie meiden oder die Haut zumindest mit einem Lichtschutzmittel schützen, weil die Haut lichtüberempfindlich werden kann; Empfindungsstörungen an Händen und Füßen kommen besonders nach starker Sonnenbestrahlung vor. [1]
  • Ältere Menschen sind empfindlicher: Anticholinerge Nebenwirkungen sind häufig stärker ausgeprägt, Bewegungsstörungen können schon bei niedrigen Dosen auftreten, die beruhigende Wirkung ist stärker und ein niedriger Blutdruck kommt häufiger vor. [1]
  • Bei starken Rauchern werden Phenothiazine im Durchschnitt schneller ausgeschieden, mit größeren Unterschieden zwischen den Personen; sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie stark rauchen. [1]
  • Hormonelle Verhütungsmittel zum Einnehmen können den Abbau der Phenothiazine hemmen, sodass erwünschte und unerwünschte Wirkungen stärker werden; sagen Sie in der Praxis, wenn Sie so verhüten. [1]

Beschwerden und Stimmung können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten; die Fragen fürs Arztgespräch helfen bei der Vorbereitung auf den nächsten Termin.

Kontrollen während der Behandlung

Vor der Behandlung mit Perazin ist laut Fachinformation das Blutbild einschließlich Differentialblutbild und Blutplättchen zu kontrollieren; bei abweichenden Blutwerten darf keine Behandlung erfolgen. Während der Behandlung sind regelmäßig Blutbildkontrollen durchzuführen, in den ersten vier Monaten möglichst wöchentlich, danach bei unauffälligen Befunden monatlich. Sinken die weißen Blutkörperchen schnell ab oder zeigen sich andere Blutbildveränderungen, ist die Behandlung sofort abzubrechen. [1]

EKG- oder Kaliumkontrollen schreibt die Fachinformation nicht ausdrücklich vor. Sie verlangt aber besondere Vorsicht bei Herzerkrankungen, Kaliummangel und Mitteln, die das QT-Intervall verlängern, und beim Auftreten von Torsade de pointes ist die Behandlung abzubrechen. Bei gestörter Leberfunktion müssen die Dosen angepasst werden. [1]

Kontrolluntersuchungen bei Perazin
UntersuchungWann oder warum
Blutbild einschließlich Differentialblutbild und BlutplättchenVor Behandlungsbeginn; bei auffälligen Blutwerten darf keine Behandlung erfolgen[1]
Blutbild (weiße Blutkörperchen und Differentialblutbild)Während der Behandlung regelmäßig: in den ersten vier Monaten möglichst wöchentlich, danach bei unauffälligen Befunden monatlich. Sinken die weißen Blutkörperchen schnell ab, insbesondere unter einen in der Fachinformation genannten Grenzwert, oder zeigen sich andere Blutbildveränderungen, wird die Behandlung laut Fachinformation sofort abgebrochen; Kontrollen dann bis zur Normalisierung[1]

Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Was die einzelnen Werte bedeuten, erklärt die Seite Kontrollen und Blutwerte; mehr zu den Blutzellen unter Blutbild, zum Herzen unter Herz und QT-Zeit.

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Mitteln, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern, ist laut Fachinformation zu vermeiden, zum Beispiel bestimmter Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, Makrolid-Antibiotika, Malariamittel, Antihistaminika, Antidepressiva und anderer Neuroleptika. Dasselbe gilt für Mittel, die einen Kaliummangel verursachen oder den Abbau von Perazin in der Leber hemmen können. Phenothiazine wie Perazin erhöhen den Spiegel trizyklischer Antidepressiva und ihrer Abbauprodukte stark, sodass diese giftiger wirken können, und auch der Spiegel von Clozapin kann stark ansteigen. Zusammen mit Lithium nehmen Bewegungsstörungen stark zu. [1]

Alkohol kann zusammen mit Perazin stärker wirken und den Blutdruck senken, und mit anderen zentral dämpfenden Mitteln kann es zu verstärkter Dämpfung oder einer Atemdämpfung kommen. Kombinationen mit Beruhigungsmitteln (Tranquilizern) sollten vor allem wegen der verzögerten Reaktionsgeschwindigkeit vermieden werden. Mit anticholinerg wirkenden Psychopharmaka wie Antidepressiva können sich die anticholinergen Wirkungen addieren, und medikamentös bedingte Verwirrtheitszustände (Delir) können vermehrt auftreten. Blutdrucksenkende Mittel wirken stärker, Mittel gegen Krampfanfälle beschleunigen den Abbau der Phenothiazine. [1]

Wechselwirkungen von Perazin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
AlkoholVerstärkte Alkoholwirkung und Blutdrucksenkung[1]Mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen
Andere dämpfende MittelVerstärkte Dämpfung (Sedierung) oder Atemdämpfung (Atemdepression)[1]Ärztin oder Arzt informieren
Beruhigungsmittel (Tranquilizer)Verzögerte Reaktionsgeschwindigkeit[1]Kombination vermeiden
Anticholinerg wirkende Psychopharmaka, zum Beispiel AntidepressivaDie anticholinergen Wirkungen können sich addieren; vermehrt medikamentös bedingte Verwirrtheitszustände (delirante Syndrome)[1]Ärztin oder Arzt informieren
Trizyklische AntidepressivaDeren Blutspiegel und der ihrer Abbauprodukte steigt stark, vermehrte Giftigkeit (Toxizität) der Antidepressiva möglich[1]Ärztin oder Arzt informieren
ClozapinDer Clozapin-Spiegel kann stark ansteigen[1]Ärztin oder Arzt informieren
MAO-HemmerBefunde zu Bewegungsstörungen sind widersprüchlich; mit Phenelzin wurde in einem Fallbericht ein Zustand starker Reaktionslosigkeit (Stupor) beschrieben[1]Ärztin oder Arzt informieren
LithiumStarke Zunahme von Bewegungsstörungen (Gangstörungen, rumpfnahe Überbewegungen, Zittern, Steifigkeit)[1]Ärztin oder Arzt informieren
Orale VerhütungsmittelDer Abbau der Phenothiazine kann gehemmt sein, erwünschte und unerwünschte Wirkungen verstärken sich[1]Ärztin oder Arzt informieren
Opioide und andere Schmerz- und FiebermittelVerstärkte schmerzlindernde und beruhigende Wirkung[1]Ärztin oder Arzt informieren
Blutdrucksenkende MittelVerstärkte Blutdrucksenkung und verstärkte Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen[1]Ärztin oder Arzt informieren
Mittel gegen Krampfanfälle (Antikonvulsiva)Gesteigerter Abbau der Phenothiazine[1]Ärztin oder Arzt informieren
Rauchen (starke Raucher)Die Ausscheidung von Phenothiazinen ist im Durchschnitt erhöht, mit größerer Streuung[1]Ärztin oder Arzt informieren
Mittel, die das QT-Intervall verlängern (z. B. Antiarrhythmika der Klassen IA oder III, Makrolid-Antibiotika, Malariamittel, Antihistaminika, Antidepressiva, andere Neuroleptika), Mittel, die einen Kaliummangel verursachen (z. B. bestimmte harntreibende Mittel), und Mittel, die den Abbau von Perazin in der Leber hemmenErhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen[1]Gleichzeitige Anwendung vermeiden

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wie Psychopharmaka zusammenwirken, erklärt die Seite Psychopharmaka kombinieren; einen Überblick über alle Mittel, die Sie nehmen, gibt der Medikationsplan.

Wer Perazin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Perazin darf nicht eingenommen werden bei einer Überempfindlichkeit gegen Perazin oder andere Neuroleptika, insbesondere vom Phenothiazin-Typ, und bei einer bestehenden schweren Schädigung der Blutzellen oder des Knochenmarks; bei abweichenden Blutwerten vor Beginn darf keine Behandlung erfolgen. Besondere Vorsicht gilt unter anderem bei Herzerkrankungen, niedrigem oder hohem Blutdruck, Kaliummangel, epileptischen Anfällen in der Vorgeschichte, schweren Lebererkrankungen und einem malignen neuroleptischen Syndrom in der Vorgeschichte. [1]

Nicht anwenden bei

  • Überempfindlichkeit gegen Perazin, andere Neuroleptika, insbesondere vom Phenothiazin-Typ, oder einen der sonstigen Bestandteile[1]
  • Bestehende schwere Schädigung der Blutzellen oder des Knochenmarks[1]

Besondere Vorsicht bei

  • Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind von der Behandlung auszunehmen, weil keine ausreichenden klinischen Erkenntnisse vorliegen[1]
  • Auffällige Blutwerte vor Behandlungsbeginn: Dann darf keine Behandlung mit Perazin erfolgen. Vorsicht außerdem bei Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie) und anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems[1]
  • Malignes neuroleptisches Syndrom in der Vorgeschichte[1]
  • Akute Vergiftung mit dämpfenden Mitteln (zum Beispiel Opiate, Schlafmittel, Antidepressiva, Neuroleptika, Beruhigungsmittel) oder Alkohol[1]
  • Prolaktinabhängige Tumoren, zum Beispiel Brusttumoren[1]
  • Schwere Lebererkrankung; bei gestörter Leberfunktion müssen die Dosen angepasst werden. Unter extrem hohen Dosen können schwere Leberschäden häufiger sein[1]
  • Vorschädigung des Herzens, angeborenes langes QT-Syndrom oder andere klinisch bedeutsame Herzstörungen (insbesondere koronare Herzkrankheit, Erregungsleitungsstörungen, Herzrhythmusstörungen); niedriger oder hoher Blutdruck, Blutdruckabfall beim Aufstehen, langsamer Herzschlag, Kaliummangel. Perazin kann das QT-Intervall verlängern; besonders bei weiteren Risikofaktoren sind Torsades de Pointes nicht auszuschließen, dann ist die Behandlung abzubrechen[1]
  • Gleichzeitige Behandlung mit Arzneimitteln, die ebenfalls das QT-Intervall im EKG verlängern oder einen Kaliummangel hervorrufen können[1]
  • Epileptische Anfälle in der Vorgeschichte: Perazin kann die Anfallsbereitschaft erhöhen; Krampfanfälle werden durch hohe Dosen zu Behandlungsbeginn, schnelle Dosissteigerungen und abruptes Absetzen hoher Dosen begünstigt. Wird die Behandlung gegen Krampfanfälle fortgeführt, ist ein Anfallsleiden kein absoluter Ausschlussgrund[1]
  • Parkinson-Syndrome, die nicht durch Arzneimittel bedingt sind, und andere Erkrankungen der Stammganglien: Perazin nur in Ausnahmefällen; bei Verschlechterung ist die Behandlung abzusetzen[1]
  • Grüner Star (Glaukom), Störungen beim Wasserlassen, Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose), vergrößerte Vorsteherdrüse (Prostata)[1]
  • Organische Hirnschäden, arteriosklerotische Erkrankungen der Hirngefäße und Depressionen: besondere Vorsicht, depressive Beschwerden können sich teilweise verstärken[1]
  • Lichtüberempfindlichkeit der Haut möglich: intensive Sonnenbäder vermeiden oder die Haut zumindest mit einem Lichtschutzmittel schützen[1]
  • Ältere Menschen: erhöhte Empfindlichkeit; anticholinerge Nebenwirkungen sind häufig stärker ausgeprägt, Bewegungsstörungen können schon bei niedrigen Dosen auftreten, Spätdyskinesien sind häufiger, die beruhigende Wirkung ist stärker und niedriger Blutdruck tritt häufiger auf[1]
  • Ältere Menschen mit Demenz: Unter konventionellen Antipsychotika ist das Sterblichkeitsrisiko laut Fachinformation leicht erhöht; Perazin ist nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz zugelassen[1]
  • Erhöhtes Schlaganfallrisiko[1]
  • Unter Antipsychotika wurden venöse Blutgerinnsel (Thromboembolien, einschließlich Lungenembolie und tiefer Venenthrombose) berichtet, ohne Häufigkeitsangabe; Risikofaktoren sollten vor und während der Behandlung erkannt und vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden[1]
  • In Einzelfällen berichtet, ohne Häufigkeitsangabe: Schlafstörungen, Verwirrtheitszustände und allgemeine Unruhe, Zustände mit Verwirrtheit und Desorientierung (amentielle Syndrome), Bewusstseinstrübungen und Zustände starker Reaktionslosigkeit (Stupor), vermehrtes Träumen, Alp- und Angstträume, Störungen der Atmung, starke Verminderung der Granulozyten (Agranulozytose), Darmentzündung mit Absterben von Gewebe (nekrotisierende Enteritis), Lupus erythematodes[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Schwangerschaft

Zu Perazin liegen laut Fachinformation keine ausreichend dokumentierten Erfahrungen zur Wirkung auf das ungeborene Kind vor; Perazin geht über die Plazenta zum Kind über. Für Phenothiazine wurde in Einzelfallberichten und einer kontrollierten Studie über unterschiedliche Fehlbildungen berichtet, ein ursächlicher Zusammenhang ließ sich in größeren Studien nicht erhärten. Perazin soll im ersten Schwangerschaftsdrittel nicht angewendet werden, im zweiten und dritten Drittel nur bei zwingender Notwendigkeit und in der niedrigsten wirksamen Dosis. In den letzten 10 Tagen vor der Geburt sollte es nicht mehr angewendet werden, um Bewegungsstörungen und Entzugsbeschwerden beim Neugeborenen zu verhindern. Bei Neugeborenen, die im letzten Schwangerschaftsdrittel Antipsychotika ausgesetzt waren, wurden Erregtheit, erhöhte oder verminderte Muskelspannung, Zittern, Schläfrigkeit, Atemnot und Probleme bei der Nahrungsaufnahme berichtet; sie sollten sorgfältig überwacht werden. Wenden Sie sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie schwanger werden möchten oder eine Schwangerschaft vermuten.[1]

Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit "gering" an: Systematische und methodisch hochwertige Untersuchungen zu Perazin in der Schwangerschaft gibt es nicht. Für die Gruppe der Phenothiazine hat sich bisher kein ernsthafter Verdacht auf Fehlbildungen ergeben, sie wurden aber meist niedrig dosiert und kurz gegen Übelkeit untersucht; für eine differenzierte Risikobewertung reichen die Daten laut Embryotox nicht aus. Bei Einnahme von Antipsychotika bis zur Geburt ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht; die Entbindung sollte laut Embryotox in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen. Bei einer Neueinstellung sollten laut Embryotox besser erprobte Antipsychotika vorgezogen werden. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Haloperidol, wenn ein klassisches Antipsychotikum notwendig ist, und, wenn eine Behandlung mit atypischen Antipsychotika möglich ist, Quetiapin, Risperidon oder Aripiprazol. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Perazin und seine Abbauprodukte gehen in die Muttermilch über. Ist eine Behandlung unverzichtbar, ist laut Fachinformation abzustillen.[1]

Laut Embryotox gibt es keine veröffentlichten Erfahrungen; Embryotox liegen Untersuchungen zu einem Mutter-Kind-Paar mit niedriger Dosis vor, bei dem das Kind keine Beschwerden zeigte. Embryotox hält Stillen bei niedrig dosierter alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel. Treten beim Kind anders nicht erklärbare Beschwerden wie Schläfrigkeit (Sedierung), Bewegungsstörungen, Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollten eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt und Embryotox kontaktiert werden.[2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Alkohol kann zusammen mit Perazin die Alkoholwirkung verstärken und den Blutdruck senken; die Verkehrstüchtigkeit wird zusätzlich beeinträchtigt.[1]

Autofahren und Maschinen

Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch und besonders in den ersten Tagen kann Perazin die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen, verstärkt zusammen mit Alkohol oder anderen zentral wirksamen Medikamenten. Fahren, Maschinenbedienung und andere gefahrvolle Tätigkeiten sollten zumindest in den ersten Tagen der Behandlung unterbleiben; die Entscheidung im Einzelfall trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.[1]

Anwendung

Die Filmtabletten unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit einnehmen. Die Tagesmenge kann auf mehrere Einzelgaben verteilt werden.[1]

Absetzen

Beenden oder verändern Sie die Behandlung nicht selbst; Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach einer längerfristigen Behandlung muss die Dosis in sehr kleinen Schritten über große Zeiträume verringert werden. Abruptes Absetzen hoher Dosen begünstigt Krampfanfälle. Spätdyskinesien können während der Behandlung verdeckt sein und erst nach dem Ende der Behandlung sichtbar werden.[1]

Überdosierung

Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen. Mögliche Zeichen sind Bewegungsstörungen mit starker Muskelsteifheit, Dämpfung bis zu schweren Bewusstseinsstörungen, epileptische Anfälle, Unterkühlung, niedriger Blutdruck, schneller oder langsamer Herzschlag, Herzrhythmusstörungen, Herz- und Kreislaufversagen, Blaufärbung der Haut (Zyanose), Atemdämpfung bis zum Atemstillstand, Einatmen von Mageninhalt (Aspiration) und Lungenentzündung.[1]

Setzen Sie Perazin nicht selbst ab, wenn Sie schwanger werden; laut Fachinformation sollten Sie sich unverzüglich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wenden, wenn Sie schwanger werden möchten oder eine Schwangerschaft vermuten. Zur Stillzeit sagen die Quellen nicht dasselbe: Ist eine Behandlung unverzichtbar, ist laut Fachinformation abzustillen, während Embryotox Stillen bei niedrig dosierter alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel hält. Was für Sie gilt, klären Sie in der Praxis. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch, Stillzeit und Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2]

Zur Rechtslage beim Fahren: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen, auch bei Fahrlässigkeit. Die Medikamentenklausel in § 24a Abs. 4 StVG betrifft die dort und in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Substanzen, etwa Amfetamin oder Morphin, wenn sie aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammen. Die Entscheidung im Einzelfall trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Mehr dazu auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [1, 11, 12, 13]

Einnahme und Absetzen

Wie Sie die Filmtabletten einnehmen, steht in der Übersicht zum Alltag. Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach einer längerfristigen Behandlung muss die Dosis laut Fachinformation in sehr kleinen Schritten über große Zeiträume verringert werden, und ein abruptes Absetzen hoher Dosen begünstigt Krampfanfälle. [1]

Spätdyskinesien können während der Behandlung verdeckt sein und erst nach ihrem Ende sichtbar werden. Weitere Absetzbeschwerden beschreibt die Fachinformation von Perazin nicht. Was beim Beenden einer Behandlung mit Antipsychotika wichtig ist, erklärt die Seite Antipsychotika absetzen; mögliche Beschwerden beschreibt die Seite Absetzsymptome. [1]

Dosierung laut Fachinformation

Die Fachinformation nennt Einzel- und Tagesdosen als Richtwerte, getrennt nach akuten Beschwerden und chronisch verlaufenden Psychosen, nach Behandlung im Krankenhaus und ambulanter Behandlung sowie Angaben für ältere Menschen und eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion. Darreichungsform, Dosis und Dauer richten sich nach Ihrer Reaktion, dem Anwendungsgebiet, der Schwere der Krankheit und einer möglichen weiteren neuroleptischen Behandlung; Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. [1]

Präparate mit Perazin

Präparate mit Perazin
PräparatAnbieterHinweis
Perazin-neuraxpharmneuraxpharm Arzneimittel GmbHFilmtabletten 25, 100 und 200 mg, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Fachinformation Perazin-neuraxpharm 25 mg, 100 mg, 200 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 22.10.2026
  2. Embryotox: Perazin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 22.10.2026
  3. Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag "Phenothiazin, am Stickstoff substituiertes". Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 22.10.2026
  4. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  5. Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  6. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Wofür wird Perazin verschrieben?

Perazin ist zugelassen bei akuten psychotischen Syndromen mit Wahn, Halluzinationen, Denk- und Ich-Störungen und bei katatonen Syndromen, bei chronisch verlaufenden endogenen und exogenen Psychosen, um die Beschwerden zu unterdrücken und Rückfällen vorzubeugen, außerdem bei maniformen Syndromen und bei psychomotorischen Erregungszuständen. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind laut Fachinformation von der Behandlung auszunehmen. Zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz ist Perazin nicht zugelassen.

Wie schnell wirkt Perazin?

Laut Fachinformation tritt die dämpfende Wirkung auf Unruhe und Bewegungsdrang sofort ein. Die antipsychotische Wirkung erreicht ihr Maximum zuweilen erst nach 1 bis 3 Wochen Behandlung. Ein gleichbleibender Spiegel im Blut stellt sich nach 7 bis 8 Tagen ein.

Nimmt man mit Perazin zu?

Eine Gewichtszunahme kann vor allem unter höheren Dosen gelegentlich auftreten, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten. Unter mittleren bis hohen Dosen zeigt ein Zuckerbelastungstest laut Fachinformation häufig erhöhte Blutzuckerwerte. Sprechen Sie Veränderungen Ihres Gewichts bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.

Darf ich mit Perazin Alkohol trinken?

Laut Fachinformation kann Alkohol zusammen mit Perazin stärker wirken und den Blutdruck senken. Auch die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen, wird mit Alkohol verstärkt beeinträchtigt. Ob und wie viel Alkohol für Sie in Frage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Darf ich mit Perazin Auto fahren?

Perazin kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch und besonders in den ersten Tagen die Fähigkeit beeinträchtigen, am Straßenverkehr teilzunehmen und Maschinen zu bedienen; zusammen mit Alkohol oder anderen zentral wirksamen Medikamenten gilt das verstärkt. Laut Fachinformation sollten das Führen von Fahrzeugen, das Bedienen von Maschinen und andere gefahrvolle Tätigkeiten zumindest in den ersten Tagen der Behandlung unterbleiben. Die Entscheidung im Einzelfall trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Wie setze ich Perazin ab?

Nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach einer längerfristigen Behandlung muss die Dosis laut Fachinformation in sehr kleinen Schritten über große Zeiträume verringert werden. Ein abruptes Absetzen hoher Dosen begünstigt Krampfanfälle, und Spätdyskinesien können erst nach dem Ende der Behandlung sichtbar werden. Weitere Absetzbeschwerden beschreibt die Fachinformation nicht.

Darf ich Perazin in der Schwangerschaft nehmen?

Laut Fachinformation soll Perazin im ersten Schwangerschaftsdrittel nicht angewendet werden, im zweiten und dritten Drittel nur bei zwingender Notwendigkeit und in der niedrigsten wirksamen Dosis; in den letzten 10 Tagen vor der Geburt sollte es nicht mehr angewendet werden. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit "gering" an und rät, bei einer Neueinstellung besser erprobte Antipsychotika vorzuziehen. Als besser geeignet nennt Embryotox Haloperidol, wenn ein klassisches Antipsychotikum nötig ist, und Quetiapin, Risperidon oder Aripiprazol, wenn eine Behandlung mit atypischen Antipsychotika möglich ist. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie hoch ist die Dosis von Perazin?

Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; sie richtet sich nach Ihrer Reaktion, dem Anwendungsgebiet, der Schwere der Krankheit und einer möglichen weiteren neuroleptischen Behandlung. Die Filmtabletten gibt es mit 25, 100 und 200 mg Wirkstoff. Die Angaben der Fachinformation stehen im Abschnitt zur Dosierung auf dieser Seite.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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