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Stimmungsstabilisierer

Stimmungsstabilisierer sind Medikamente, die bei einer bipolaren Störung zur Behandlung akuter Phasen und zur Vorbeugung neuer manischer oder depressiver Phasen eingesetzt werden. Die S3-Leitlinie Bipolare Störungen zählt Lithium, Carbamazepin, Valproinsäure und Lamotrigin dazu; zugelassen ist jeder dieser Wirkstoffe laut Fachinformation nur für bestimmte Situationen. Zur Vorbeugung neuer Phasen soll laut Leitlinie Lithium eingesetzt werden, dessen Blutspiegel die Ärztin oder der Arzt regelmäßig bestimmt.

Frau Ende dreißig streicht in einem hellen, leeren Zimmer mit einer Farbrolle eine Wand
Bild: KI-generiert

Stimmungsstabilisierer sind Medikamente, die bei einer bipolaren Störung eingesetzt werden, und zwar laut S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen in der Akutbehandlung und zur Vorbeugung neuer manischer und depressiver Phasen, der sogenannten Phasenprophylaxe. Im Sinne der Leitlinie gehören vier Wirkstoffe dazu: Lithium sowie die Antikonvulsiva, also Mittel gegen epileptische Anfälle, Carbamazepin, Valproinsäure und Lamotrigin. Den Begriff selbst hält die Leitlinie für ungenau, weil darunter meist sehr unterschiedliche Substanzen zusammengefasst werden. [1]

Die vier Mittel wirken unterschiedlich. Lithium hat laut Fachinformation ausgeprägte Wirkungen auf eine Vielzahl neurochemischer Systeme, unter anderem auf Ionenkanäle, auf Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin und auf Signalwege innerhalb der Zellen. Bei Valproinsäure gilt eine Verstärkung der hemmenden Wirkung des Botenstoffs GABA als wahrscheinlichster Mechanismus. Lamotrigin blockiert nach pharmakologischen Studien bestimmte Natriumkanäle der Nervenzellen; wie es bei der bipolaren Störung wirkt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Carbamazepin hemmt die Signalübertragung zwischen Nervenzellen, sein Wirkmechanismus ist laut Fachinformation bislang nicht geklärt. [3, 4, 5, 8]

Die S3-Leitlinie liegt als Langversion 2.1 vor (Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020). Die Leitlinienübersicht der DGPPN führt sie mit dem Vermerk "Gültig bis: 01.03.2023"; diese Gültigkeit ist abgelaufen, eine neuere Fassung ist dort nicht aufgeführt. [1, 2]

Wofür Stimmungsstabilisierer zugelassen sind

Wofür ein Arzneimittel zugelassen ist, steht in Abschnitt 4.1 seiner Fachinformation; bei der bipolaren Störung unterscheiden sich die vier Wirkstoffe darin deutlich. Die Tabelle stellt daneben, was die S3-Leitlinie empfiehlt, und kennzeichnet Einsätze ohne Zulassung. [1, 3, 4, 5, 8]

Zulassung laut Fachinformation (Abschnitt 4.1) und Empfehlungen der S3-Leitlinie Bipolare Störungen, Langversion 2.1 (alphabetisch, ohne Rangfolge)
WirkstoffBipolare Störung laut FachinformationWeitere Anwendungsgebiete laut FachinformationWas die S3-Leitlinie sagt
CarbamazepinVorbeugung manisch-depressiver Phasen, wenn die Behandlung mit Lithium versagt hat beziehungsweise unter Lithium schnelle Phasenwechsel auftraten und wenn mit Lithium nicht behandelt werden darf [8]Epilepsie; anfallsartige Gesichtsschmerzen (Trigeminus-Neuralgie) und Schmerzen im Rachenraum (Glossopharyngeus-Neuralgie); Schmerzen bei diabetischer Neuropathie; nicht-epileptische Anfälle bei Multipler Sklerose; Anfallsverhütung beim Alkoholentzug, nur stationär [8]Vorbeugung: kann eingesetzt werden (0), mit den Einschränkungen der Zulassung. Manie und Mischzustände: sollte als Retardform allein eingesetzt werden (B), dafür nicht zugelassen. Akute bipolare Depression: kann eingesetzt werden (0), dafür nicht zugelassen. Zu beachten: Müdigkeit (Sedierung) und hohes Risiko für Wechselwirkungen [1]
Lamotriginnur bei Erwachsenen ab 18 Jahren: Vorbeugung depressiver Episoden bei Bipolar-I-Störung mit überwiegend depressiven Episoden; nicht zur Akutbehandlung manischer oder depressiver Episoden [4]Epilepsie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 13 Jahren und, mit Einschränkungen, bei Kindern von 2 bis 12 Jahren [4]Vorbeugung depressiver Episoden: sollte eingesetzt werden, wenn Lamotrigin in der Akutphase gegeben und ausreichend gut vertragen wurde (B); sonst kann es erwogen werden (KKP). Vorbeugung manischer Episoden: keine gesicherten Erkenntnisse (Statement). Manie: keine Empfehlung (Statement), dafür nicht zugelassen. Akute bipolare Depression: kann eingesetzt werden (0), dafür nicht zugelassen [1]
LithiumVorbeugung der bipolaren affektiven Störung, auch im Rahmen schizoaffektiver Psychosen; Behandlung der manischen Episode, gegebenenfalls zusammen mit Neuroleptika [3]Vorbeugung von Episoden einer Major Depression; Behandlung bestimmter akuter Depressionen, zum Beispiel wenn Antidepressiva nicht wirken oder nicht vertragen werden; Cluster-Kopfschmerz [3]Vorbeugung: soll eingesetzt werden (A). Manie: sollte allein eingesetzt werden (B). Akute bipolare Depression: als alleinige Medikation nicht empfohlen (0, abratend). Zu beachten: Blutkontrollen vor und während der Behandlung, enger Dosisbereich und Risiken bei Überdosierung [1]
ValproinsäureBehandlung manischer Episoden, wenn Lithium kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird; nach Ansprechen kann eine weiterführende Behandlung erwogen werden [5]Epilepsie mit verschiedenen Anfallsformen [5]Manie: sollte allein eingesetzt werden (B). Vorbeugung: kann eingesetzt werden (0); zugelassen ist laut Fachinformation nur eine weiterführende Behandlung nach Ansprechen in einer akuten Manie. Akute bipolare Depression: nicht empfohlen (0, abratend). Wegen der Fruchtschädigung und des Risikos von Zysten an den Eierstöcken nicht für Frauen im gebärfähigen Alter empfohlen [1, 5]

Die Leitlinie formuliert "soll" für eine starke Empfehlung (Grad A), "sollte" für eine einfache Empfehlung (Grad B) und "kann" für eine offene Empfehlung (Grad 0). Empfehlungen nach klinischem Konsens (KKP) gelten als gleichwertig. Ziel ist laut Leitlinie eine Behandlung mit nur einem Wirkstoff; wirkt sie nicht ausreichend, sollte eine Kombination oder die zusätzliche Gabe eines Wirkstoffs erwogen werden (Statement). Welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [1]

Für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist laut der zugehörigen S3-Leitlinie (Fassung 2022, laut DGPPN gültig bis 31.05.2026 und damit abgelaufen) in Deutschland kein Medikament zugelassen; eine Verordnung geschieht außerhalb der Zulassung, und Medikamente sollen laut Leitlinie nicht die primäre Therapie sein. Die vorliegenden Studienergebnisse, unter anderem zu Lamotrigin und Valproinsäure, nennt die Leitlinie wenig belastbar. Mehr unter Borderline-Persönlichkeitsstörung. [2, 14]

Wirkstoffe der Gruppe

  • Carbamazepinz. B. Carbamazepin-ratiopharm, Finlepsin, TegretalEpilepsie, Trigeminus-Neuralgie, Nervenschmerzen bei Diabetes, Vorbeugung manisch-depressiver Phasen
  • Lamotriginz. B. Lamictal, Lamotrigin AbZ, Lamotrigin-CTEpilepsie, Vorbeugung depressiver Phasen bei bipolarer Störung
  • Lithiumz. B. Quilonum retard, HypnorexManie, Vorbeugung bipolarer Störungen, bestimmte Depressionen, Cluster-Kopfschmerz
  • Valproinsäurez. B. Valproat-ratiopharm chrono, Valproinsäure-ratiopharm, Valproat STADAEpilepsie, Manie bei bipolarer Störung

Lithium ist laut Fachinformation ein Lithiumsalz und hat nur eine geringe therapeutische Breite: Die giftigen Konzentrationen liegen dicht bei den wirksamen. Regelmäßige Kontrollen des Lithiumspiegels im Blut sind dringend erforderlich, und auf eine ausreichende Kochsalz- und Flüssigkeitszufuhr ist zu achten, besonders bei einer Abmagerungskur oder Diät. Mehr dazu unter Lithiumspiegel. [3]

Lamotrigin wird zu Beginn schrittweise bis zur Erhaltungsdosis gesteigert, weil das Risiko eines schweren Hautausschlags laut Fachinformation mit hohen Anfangsdosen und einem Überschreiten der empfohlenen Steigerung zusammenhängt. Carbamazepin regt laut seiner Fachinformation Abbau-Enzyme der Leber an, vor allem CYP3A4, und kann so die Spiegel vieler anderer Arzneimittel senken. Für Valproinsäure gilt bei Mädchen und Frauen ein eigenes Schwangerschaftsverhütungsprogramm, beschrieben im Abschnitt Worauf Sie achten sollten. [4, 5, 8]

Nebenwirkungen im Vergleich

Welche Nebenwirkungen auftreten, unterscheidet sich zwischen den vier Wirkstoffen. Bei Lithium hängen Häufigkeit und Stärke der Nebenwirkungen laut Fachinformation im Allgemeinen vom Lithiumspiegel und von der persönlichen Empfindlichkeit ab. Vor allem zu Beginn sind feinschlägiges Zittern, vermehrtes Wasserlassen, Durst und Übelkeit möglich, die meist mit der Zeit oder nach einer Verringerung der Dosis abklingen; besonders in den ersten zwei Jahren ist häufig eine Gewichtszunahme zu beobachten. Die meisten Nebenwirkungen führt die Fachinformation von Lithium mit der Häufigkeit "nicht bekannt", also nicht abschätzbar. [3]

Unter Lamotrigin traten Hautausschläge laut Fachinformation im Allgemeinen in den ersten acht Wochen auf. Die meisten sind leicht und klingen von selbst ab, es wurden aber auch schwere, möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen berichtet; das Risiko scheint eng mit hohen Anfangsdosen, einer zu schnellen Steigerung und der gleichzeitigen Anwendung von Valproat zusammenzuhängen. Unter Valproinsäure sind laut Fachinformation gelegentlich schwere Leberschäden und selten Schäden der Bauchspeicheldrüse möglich, meist bei Kleinkindern unter 3 Jahren mit schweren epileptischen Anfällen; die Leberschäden treten meist in den ersten 6 Monaten auf. Unter Carbamazepin kann die Zahl der Blutplättchen oder weißen Blutkörperchen sinken, meist vorübergehend. [4, 5, 8]

Die folgende Tabelle zeigt für jeden Wirkstoff mit Datensatz die höchste Häufigkeitsangabe seiner Produktinformation für einige Beschwerden, nach denen oft gefragt wird. Sie ist keine Rangliste: Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde, nicht, wie stark sie ist. Die S3-Leitlinie empfiehlt regelmäßige Gewichtskontrollen insbesondere bei Lithium und Valproinsäure, neben einigen Antidepressiva und Antipsychotika (KKP). [1]

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffZitternMüdigkeitSchwindelÜbelkeitKopfschmerzenGewichtszunahmeHautausschlagHaarausfall
CarbamazepinGelegentlichSehr häufigSehr häufigSehr häufigHäufigHäufigSehr häufigSehr selten
LamotriginHäufigHäufigHäufigHäufigSehr häufignicht genanntSehr häufigGelegentlich
LithiumNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekanntNicht bekannt
ValproinsäureSehr häufigHäufigHäufigSehr häufigHäufigHäufigGelegentlichHäufig

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Mehr zu einzelnen Beschwerden: Gewichtszunahme, Müdigkeit, Blutbildveränderungen und Lamotrigin und Hautausschlag; Häufigkeitsangaben erklärt der Häufigkeits-Übersetzer.

Wirkungseintritt und Dauer

Mann in den Sechzigern spielt in einem hellen Wohnzimmer Klavier
Bild: KI-generiert

Bei Lithium lässt sich ein voller Behandlungserfolg laut Fachinformation mitunter erst nach sechs bis zwölf Monaten feststellen; ein anfangs unbefriedigendes Ergebnis sollte deshalb kein Grund sein, die Behandlung vorzeitig abzubrechen. Laut S3-Leitlinie gibt es sehr guten Grund zu der Annahme, dass Lithium täglich eingenommen werden muss, damit die vorbeugende Wirkung erhalten bleibt. Bei Lamotrigin ist in der Akutbehandlung einer bipolaren Depression wegen der sehr langsamen Aufdosierung eine Wirkung laut Leitlinie erst nach mehreren Wochen zu erwarten. [1, 3]

Bei den meisten Menschen mit bipolarer Störung besteht laut Leitlinie ein Grund für eine vorbeugende Langzeitmedikation; schon bei der Akutbehandlung einer bipolaren Depression sollte deshalb mitbedacht werden, ob ein Mittel auch dafür geeignet ist (KKP). Ob die Vorbeugung wirkt, sollte nach dem eigenen Krankheitsverlauf beurteilt werden, nach klinischer Erfahrung nach der doppelten Dauer eines durchschnittlichen Krankheitszyklus; Rückfälle in den ersten 6 Monaten sollten in der Regel noch nicht zu einer Änderung führen (KKP). [1]

Stimmung und Schlaf können Sie im Stimmungstagebuch festhalten; mehr zur Dauer unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen?

Absetzen

Die Unterbrechung einer erfolgreichen Vorbeugung mit Lithium kann laut Fachinformation in kürzester Zeit zu Rückfällen führen. Soll Lithium abgesetzt werden, sollte die Dosis laut Fachinformation schrittweise über mindestens 2 Wochen verringert werden, um die Rückfallgefahr zu senken; bei den ersten Anzeichen einer Lithiumvergiftung ist die Behandlung dagegen sofort abzusetzen. Auch die S3-Leitlinie beschreibt Rückfälle nach schnellem Absetzen von Lithium, und ein abruptes Absetzen einer Phasenprophylaxe mit Lithium zählt sie zu den Risikofaktoren für suizidales Verhalten (siehe Worauf Sie achten sollten). [1, 3]

Lamotrigin kann laut Fachinformation bei der bipolaren Störung ohne schrittweise Verringerung der Dosis abgesetzt werden, weil in Studien nach einem abrupten Absetzen Nebenwirkungen nicht häufiger, schwerer oder anders auftraten als unter einem Scheinmedikament. Für Valproinsäure und Carbamazepin nennen die Fachinformationen bei Epilepsie ein schrittweises Absetzen über einen Zeitraum von einem bis zwei Jahren. In Abschnitt 4.4 nennt die Fachinformation von Carbamazepin außerdem ein schrittweises Absetzen, weil ein abruptes Absetzen zu Anfällen führen kann. [4, 5, 8]

Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ausführlich: Psychopharmaka absetzen.

Worauf Sie achten sollten

Suizidalität, also Suizidgedanken und suizidales Verhalten, ist laut S3-Leitlinie bei bipolaren Störungen ein häufiges Phänomen; Suizide finden sich am häufigsten in depressiven Phasen, auch in gemischten, selten in der Manie. Bei jedem Menschen mit bipolarer Störung sollte Suizidalität laut Leitlinie regelmäßig, bei jedem Kontakt, eingeschätzt werden. Laut Fachinformation von Lithium können bei einer Depression oder bipolaren Störung Suizidgedanken und suizidales Verhalten auftreten, unabhängig davon, ob eine antidepressive Behandlung erfolgt; Betroffene sollten vor allem zu Beginn und bei Dosisanpassungen engmaschig überwacht werden. Die Fachinformationen von Lamotrigin, Valproinsäure und Carbamazepin berichten über Suizidgedanken bei Menschen, die Antiepileptika in verschiedenen Anwendungsgebieten nahmen; eine Metaanalyse zeigte ein leicht erhöhtes Risiko. Treten solche Gedanken auf, holen Sie sofort ärztlichen Rat ein oder wenden Sie sich an eines dieser Hilfsangebote. [1, 3, 4, 5, 8]

Warnzeichen der einzelnen Wirkstoffe

Warn- und erste Zeichen einer Lithiumvergiftung können laut Fachinformation unter anderem Durchfall, Erbrechen, Zittern, Muskelzucken, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Schläfrigkeit und Schwindel sein; bei den ersten Anzeichen ist Lithium laut Fachinformation sofort abzusetzen. Verständigen Sie dann sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, den Notruf 112 oder einen Giftnotruf. Unter Carbamazepin sollten Sie bei Fieber, Halsschmerzen, Hautausschlag, Geschwüren im Mund, Lymphknotenschwellungen oder einer Neigung zu blauen Flecken laut Fachinformation sofort die Ärztin oder den Arzt aufsuchen. Unter Lamotrigin sollte laut Fachinformation jeder Hautausschlag umgehend ärztlich untersucht werden. Unter Valproinsäure können einer schweren Leber- oder Bauchspeicheldrüsenschädigung unspezifische Zeichen vorausgehen, zum Beispiel Schwäche, Teilnahmslosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder häufigere Anfälle; treten sie auf, ist laut Fachinformation sofort die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt zu informieren. [3, 4, 5, 8]

Kontrollen

Während einer Behandlung sollte laut S3-Leitlinie regelmäßig der Medikamentenspiegel im Blut gemessen werden, besonders bei Lithium, aber auch bei Valproat und Carbamazepin (KKP). Bei Lithium nennt die Fachinformation außerdem unter anderem Nierenwert, Gewicht, Schilddrüse, Blutsalze und EKG. Bei Carbamazepin sollten Blutbild und Leberwerte vor Beginn, im ersten Monat wöchentlich und danach monatlich kontrolliert werden; nach 6 Monaten reichen teilweise 2 bis 4 Kontrollen im Jahr. Vor einer Behandlung mit Valproinsäure sieht die Fachinformation eine ausführliche Vorgeschichte, eine Untersuchung und Labortests vor. Einzelheiten: Kontrollen während der Behandlung und Medikamentenspiegel. [1, 3, 5, 8]

Wechselwirkungen

Den Lithiumspiegel erhöhen und damit möglicherweise zu einer Vergiftung führen können laut Fachinformation unter anderem entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen und bestimmte Entwässerungsmittel (Diuretika); dann sind engmaschige Kontrollen des Spiegels nötig. Valproat hemmt laut Fachinformation den Abbau von Lamotrigin; zusammen mit Valproat gilt für Lamotrigin ein eigenes Dosierschema. Zu den Mitteln, deren Wirkung Carbamazepin abschwächen kann, zählen laut Fachinformation mehrere Antipsychotika und hormonelle Verhütungsmittel. Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren. [3, 4, 8]

Verhütung, Kinderwunsch und Schwangerschaft

Valproat hat laut Fachinformation ein hohes fruchtschädigendes Potenzial: Kinder, die im Mutterleib Valproat ausgesetzt sind, haben ein hohes Risiko für angeborene Fehlbildungen und neurologische Entwicklungsstörungen. Bei der bipolaren Störung ist Valproat in der Schwangerschaft kontraindiziert und bei Frauen im gebärfähigen Alter ebenfalls, es sei denn, die Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms werden eingehalten. Über dieses Programm informierten die Zulassungsinhaber in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur und dem BfArM in einem Rote-Hand-Brief vom 9. November 2018. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang als sehr hoch an; bei einer geplanten oder bestehenden Schwangerschaft darf Valproat laut Embryotox nicht eingesetzt werden, die einzige Ausnahme sind Patientinnen mit Epilepsie, für die keine geeigneten anderen Behandlungen zur Verfügung stehen. [5, 6, 12]

Zu den Bedingungen gehört laut Fachinformation ein negativer Schwangerschaftstest vor Beginn, eine ununterbrochene zuverlässige Verhütung während der gesamten Behandlung und mindestens einmal im Jahr eine Überprüfung der Behandlung durch eine erfahrene Fachärztin oder einen erfahrenen Facharzt. Möchte eine Frau mit bipolarer Störung schwanger werden, muss laut Fachinformation eine erfahrene Fachärztin oder ein erfahrener Facharzt hinzugezogen, Valproat beendet und bei Bedarf schon vor der Empfängnis auf eine andere Behandlung umgestellt werden. Patientinnen sollen laut Fachinformation die Einnahme nicht abbrechen und bei einer geplanten oder vermuteten Schwangerschaft unverzüglich eine Fachärztin oder einen Facharzt aufsuchen. [5]

Auch Männer betrifft ein Hinweis: Laut Rote-Hand-Brief vom 19. Februar 2024 deutet eine Beobachtungsstudie auf ein erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern hin, deren Väter in den drei Monaten vor der Zeugung allein mit Valproat behandelt wurden, verglichen mit Kindern von Vätern, die allein Lamotrigin oder Levetiracetam nahmen. Ärztinnen und Ärzte sollten mit männlichen Patienten besprechen, während der Behandlung und drei Monate danach eine zuverlässige Verhütung in Betracht zu ziehen. Laut aktueller Fachinformation sind die Daten uneinheitlich, und ob Valproat die Ursache ist, ist ungewiss. Ausführlich: Valproinsäure: Schwangerschaft und Verhütung. [5, 7]

Carbamazepin erhöht laut Embryotox das Risiko für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind, den Erfahrungsumfang gibt Embryotox als sehr hoch an. Bei psychiatrischen Anwendungsgebieten sollte Carbamazepin laut Embryotox bei geplanter Schwangerschaft nicht verwendet werden, stattdessen sollten etablierte Psychopharmaka bevorzugt werden. Lamotrigin ist laut Embryotox wegen des sehr hohen Erfahrungsumfangs das Antiepileptikum der Wahl in der Schwangerschaft, falls es ausreichend wirksam ist; bei psychiatrischen Anwendungsgebieten und einer Neueinstellung ist zu prüfen, ob es Alternativen gibt. Für Lithium gibt Embryotox den Erfahrungsumfang als hoch an; bei einer Neueinstellung sollten laut Embryotox wenn möglich andere Strategien bevorzugt werden, zur Phasenprophylaxe vor allem gut erprobte atypische Antipsychotika. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Weiteres unter Schwangerschaft, Stillzeit und Verhütung und Psychopharmaka. [10, 11, 13]

Kinder, Jugendliche und Alkohol

Bei Kindern unter 12 Jahren ist eine Lithiumbehandlung laut Fachinformation nicht zu empfehlen, weil keine Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit vorliegen. Lamotrigin wird bei einer bipolaren Störung unter 18 Jahren nicht empfohlen, und die Behandlung einer bipolaren Störung mit Valproat wurde unter 18 Jahren laut Fachinformation nicht untersucht. Die Einnahme von Alkohol wird unter Valproat laut Fachinformation nicht empfohlen; unter Carbamazepin sollten Behandelte keinen Alkohol trinken, weil es die Alkoholtoleranz vermindern kann. Mehr unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen und Psychopharmaka und Alkohol. [3, 4, 5, 8]

Abgrenzung zu verwandten Gruppen

Atypische Neuroleptika (atypische Antipsychotika) werden laut S3-Leitlinie zum Teil ebenfalls zur Stimmungsstabilisierung oder Phasenprophylaxe eingesetzt, sie zählen dort aber nicht zu den Stimmungsstabilisierern und werden gesondert behandelt. Auch die Antidepressiva sind dort eine eigene Gruppe; was die Leitlinie insgesamt empfiehlt, steht unter Bipolare Störung. [1]

Beim Antiepileptikum Oxcarbazepin ist die S3-Leitlinie nicht einheitlich. In ihrer Begriffsbestimmung (Kapitel 5.1.2.1) nennt sie als Stimmungsstabilisierer nur Lithium, Carbamazepin, Valproinsäure und Lamotrigin. Im Kapitel zur Behandlung der Manie steht Oxcarbazepin dagegen im Abschnitt "Stimmungsstabilisierer" (5.2.1.2.4) und in der Übersicht der Evidenzlage (5.2.4). Eine Empfehlung zur Behandlung der Manie formuliert die Leitlinie wegen der spärlichen Datenlage nicht (Statement), und sie weist darauf hin, dass Oxcarbazepin zur Akutbehandlung der Manie nicht zugelassen ist. Laut seiner Fachinformation ist Oxcarbazepin nur zur Behandlung fokaler Anfälle bei Epilepsie zugelassen. [1, 9]

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, Langversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 038-019). Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) und DGPPN. Stand Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.03.2023. abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Einträge Bipolare Störungen und Borderline-Persönlichkeitsstörung. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
  3. Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Deutschland). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber). Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Lamotrigin-ratiopharm Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026 (Version 9). abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg/500 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026 (Version 14). abgerufen am 23.10.2026
  6. Rote-Hand-Brief Valproat: Neue Anwendungseinschränkungen, Einführung des Schwangerschaftsverhütungsprogramms. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht von ratiopharm GmbH). Stand 09.11.2018. abgerufen am 23.10.2026
  7. Rote-Hand-Brief zu Valproat: Mögliches Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern, deren Väter mit Valproat behandelt wurden. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 19.02.2024. abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023 (Version 5). abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Oxcarbazepin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025 (Version 7). abgerufen am 23.10.2026
  10. Embryotox: Lithiumsalze. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  11. Embryotox: Lamotrigin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  12. Embryotox: Valproinsäure. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  13. Embryotox: Carbamazepin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  14. Leitlinie S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Langversion (AWMF-Register-Nr. 038-015). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Fassung vom 14.11.2022; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 31.05.2026 (abgelaufen). abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Welche Stimmungsstabilisierer gibt es?

Die S3-Leitlinie Bipolare Störungen zählt in ihrem Sinne vier Wirkstoffe dazu: Lithium sowie die Mittel gegen epileptische Anfälle Carbamazepin, Valproinsäure und Lamotrigin. Atypische Antipsychotika wie Quetiapin oder Olanzapin, die zum Teil ebenfalls zur Stimmungsstabilisierung oder Vorbeugung eingesetzt werden, behandelt die Leitlinie gesondert. Zu jedem der vier Wirkstoffe gibt es auf dieser Website eine eigene Seite.

Was bedeutet Phasenprophylaxe?

So nennt die S3-Leitlinie die vorbeugende Langzeitbehandlung bei einer bipolaren Störung. Ihr Ziel ist laut Leitlinie, den gebesserten Zustand zu erhalten und neue Krankheitsepisoden zu verhindern. Bei den meisten Menschen mit bipolarer Störung besteht laut Leitlinie ein Grund für eine solche Langzeitmedikation; wann sich beurteilen lässt, ob sie wirkt, steht im Abschnitt Wirkungseintritt und Dauer.

Welcher Stimmungsstabilisierer macht nicht dick?

Eine Rangliste gibt diese Seite nicht. Die S3-Leitlinie empfiehlt regelmäßige Gewichtskontrollen unter anderem bei Lithium und Valproinsäure, weil das Gewicht zunehmen kann. Wie häufig die Produktinformationen eine Gewichtszunahme angeben, zeigt die Vergleichstabelle auf dieser Seite. Welches Mittel für Sie infrage kommt, hängt von vielen weiteren Punkten ab und wird mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt entschieden; mehr unter Gewichtszunahme.

Gibt es Stimmungsstabilisierer ohne Rezept oder pflanzliche Stimmungsstabilisierer?

Lithium, Carbamazepin, Valproinsäure und Lamotrigin sind laut ihren Fachinformationen verschreibungspflichtig. In ihrer Begriffsbestimmung zählt die S3-Leitlinie nur diese vier Wirkstoffe zu den Stimmungsstabilisierern, ein pflanzliches Mittel ist nicht darunter. Bevor Sie zusätzlich etwas einnehmen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, denn Lithium und Carbamazepin haben laut Fachinformation viele Wechselwirkungen.

Wie lange dauert es, bis ein Stimmungsstabilisierer wirkt?

Das hängt vom Wirkstoff ab. Bei Lithium lässt sich ein voller Behandlungserfolg laut Fachinformation mitunter erst nach sechs bis zwölf Monaten feststellen, deshalb sollte ein anfangs unbefriedigendes Ergebnis kein Grund sein, vorzeitig abzubrechen. Bei Lamotrigin ist in der Akutbehandlung einer bipolaren Depression, für die es nicht zugelassen ist, laut S3-Leitlinie erst nach mehreren Wochen eine Wirkung zu erwarten.

Sind Stimmungsstabilisierer Antidepressiva?

Die S3-Leitlinie Bipolare Störungen führt Antidepressiva als eigene Gruppe. Einige Stimmungsstabilisierer sind aber auch gegen depressive Phasen zugelassen: Lithium laut Fachinformation zur Vorbeugung von Episoden einer Major Depression und zur Behandlung bestimmter akuter Depressionen, Lamotrigin bei Erwachsenen zur Vorbeugung depressiver Episoden einer Bipolar-I-Störung. Mehr zur anderen Gruppe unter Antidepressiva.

Werden Stimmungsstabilisierer bei einer Borderline-Störung eingesetzt?

Laut S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung ist in Deutschland kein Medikament für diese Erkrankung zugelassen, und Medikamente sollen nicht die primäre Therapie sein. Eine einjährige Studie mit Lamotrigin konnte laut Leitlinie keine Effekte der Medikation nachweisen. Ob ein Mittel wegen bestimmter Beschwerden oder einer Begleiterkrankung infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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