ErkrankungenErkrankung

Angststörungen

Bei einer Angststörung sind Ängste sehr stark, passen nicht zur tatsächlichen Gefahr oder entstehen ohne erkennbaren Auslöser; häufige Formen sind Panikstörung, Agoraphobie, generalisierte Angststörung, soziale und spezifische Phobien. Bei Panikstörung, generalisierter Angststörung und sozialer Phobie soll laut S3-Leitlinie eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden, unter anderem mit bestimmten Antidepressiva; Benzodiazepine sollen wegen gravierender Nebenwirkungen wie der Entwicklung einer Abhängigkeit nicht angeboten werden. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Frau Anfang vierzig sitzt im ruhigen Morgenlicht auf einer Parkbank und atmet mit geschlossenen Augen entspannt durch
Bild: KI-generiert

Angst ist eine natürliche Reaktion auf Gefahr. Laut S3-Leitlinie zeigt sie sich in körperlichen Reaktionen wie Herzrasen und Schwitzen und in seelischen Anzeichen wie Unwohlsein oder Unruhe; der Mensch versucht dabei, die Gefahr auszuschalten oder ihr zu entkommen. Bei krankhafter Angst sind die Reaktionen übertrieben, unrealistisch oder grundlos. Eine genaue Grenze zwischen angemessener und krankhafter Angst zu ziehen, ist laut Leitlinie trotz festgelegter Kriterien nicht einfach [1]. Die Patientenleitlinie beschreibt Angststörungen als Ängste vor Dingen oder Situationen, vor denen andere Menschen normalerweise keine Angst haben, oder als Ängste in übersteigertem Ausmaß. Sie können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen [2].

Angststörungen sind laut S3-Leitlinie die häufigsten psychischen Erkrankungen. Das Risiko, im Laufe des Lebens an einer von ihnen zu erkranken, liegt nach internationalen Studien zwischen 14 und 29 Prozent. Für Deutschland errechnete die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland, dass innerhalb von zwölf Monaten 15,3 Prozent der Bevölkerung eine Angststörung hatten; am höchsten war der Anteil bei den 18- bis 34-Jährigen. Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer [1]. Laut Patientenleitlinie wird nur ein relativ geringer Teil der Betroffenen behandelt; bei manchen wird die Störung spät oder gar nicht erkannt [2].

Grundlage dieser Seite ist vor allem die S3-Leitlinie "Behandlung von Angststörungen", Version 2 mit Stand vom 6. April 2021, und ihre Patientenleitlinie mit Stand vom 20. Juni 2022 [1, 2]. Die nächste Überprüfung war für April 2026 geplant. Die Leitlinienübersicht der DGPPN führt die Leitlinie mit dem Vermerk "Gültig bis: 05.04.2026"; diese Gültigkeit ist abgelaufen, eine neuere Fassung ist dort nicht aufgeführt [1, 3]. Die Leitlinie gilt für Erwachsene. Empfehlungen gibt sie nur für die Panikstörung und Agoraphobie, die generalisierte Angststörung, die soziale Phobie und spezifische Phobien, weil nur für diese Diagnosen ausreichend Studien zur Behandlung vorliegen [1]. Wofür die einzelnen Medikamente zugelassen sind, steht auf dieser Seite nach aktuellen Fachinformationen und Packungsbeilagen [5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17].

Formen und Anzeichen

Angststörungen sollten in Deutschland laut Leitlinie nach der Klassifikation ICD-10-GM diagnostiziert werden [1]. Die ICD-10 unterscheidet die phobischen Störungen, bei denen eindeutig bestimmte, eigentlich ungefährliche Situationen die Angst auslösen (F40), von den anderen Angststörungen, bei denen die Angst nicht an eine bestimmte Umgebung gebunden ist (F41) [4].

Häufige Formen von Angststörungen nach ICD-10-GM 2026 und S3-Leitlinie Angststörungen, Version 2 (eigene Zusammenfassung)
FormICD-10Was sie kennzeichnet
PanikstörungF41.0wiederkehrende schwere Angstanfälle (Panikattacken), die nicht auf eine bestimmte Situation beschränkt und deshalb nicht vorhersehbar sind; typisch sind plötzliches Herzklopfen, Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel und das Gefühl, dass Dinge unwirklich sind oder man selbst nicht richtig da ist, dazu oft die Angst zu sterben, die Kontrolle zu verlieren oder wahnsinnig zu werden [1, 4]
AgoraphobieF40.0 (ohne Angabe einer Panikstörung F40.00, mit Panikstörung F40.01)Befürchtungen, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein oder allein mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen; oft steht die Vermeidung dieser Situationen im Vordergrund [4]
Generalisierte AngststörungF41.1anhaltende Angst, die nicht auf bestimmte Umgebungsbedingungen beschränkt ist, mit wechselnden Beschwerden wie ständiger Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindel oder Oberbauchbeschwerden; häufig die Befürchtung, man selbst oder Angehörige könnten demnächst erkranken oder verunglücken [4]
Soziale PhobieF40.1Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, die zur Vermeidung sozialer Situationen führt; mögliche Beschwerden sind Erröten, Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen [4]
Spezifische (isolierte) PhobieF40.2Angst, die auf eng umschriebene Situationen beschränkt ist, etwa die Nähe bestimmter Tiere, Höhen, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene Räume, den Zahnarztbesuch oder den Anblick von Blut oder Verletzungen [4]
Angst und depressive Störung, gemischtF41.2Angst und Depression bestehen gleichzeitig, ohne dass eine von beiden vorherrscht oder für sich eine eigene Diagnose rechtfertigt [4]

Der Agoraphobie räumt die ICD-10 durch diese Einteilung laut Leitlinie eine gewisse Sonderstellung ein; im amerikanischen Klassifikationssystem DSM-5 sind Agoraphobie und Panikstörung zwei eigene Diagnosen [1]. Zwangsstörungen (F42) und die posttraumatische Belastungsstörung (F43.1) haben in der ICD-10 eigene Schlüssel außerhalb der Angststörungen; für die PTBS gibt es laut Patientenleitlinie eine eigene Patientenleitlinie (siehe Zwangsstörung und PTBS) [2, 4].

Laut Leitlinie klagen Menschen mit Angststörungen häufiger über Schmerzen, Schlafstörungen oder andere körperliche Beschwerden als über Angst; das ist ein Grund, warum Angststörungen oft nicht erkannt werden [1]. Vor allem bei Panikstörung und generalisierter Angststörung vermuten Betroffene oft eine körperliche Erkrankung und lassen sich bei Ärztinnen und Ärzten verschiedener Fachrichtungen untersuchen [1].

Wer im Fahrstuhl ein kribbeliges Gefühl hat, sich vor Spinnen ekelt oder Angst vor einer Rede hat, leidet laut Patientenleitlinie deshalb noch nicht an einer behandlungsbedürftigen Angststörung. Sie rät aber zum Gespräch in einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis, wenn mindestens eine dieser Aussagen zutrifft [2]:

  • Sie denken mehr als die Hälfte des Tages über Ihre Ängste nach.
  • Die Ängste schränken Ihre Lebensqualität und Bewegungsfreiheit erheblich ein.
  • Wegen der Ängste werden Sie immer depressiver, oder Sie hatten deshalb schon Gedanken, sich das Leben zu nehmen.
  • Sie bekämpfen die Ängste oft mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungstabletten.
  • Wegen der Ängste ist Ihre Partnerschaft ernsthaft in Gefahr, oder Sie haben Probleme im Beruf oder sind deshalb arbeitslos.

Ursachen und Risiken

Angststörungen werden laut S3-Leitlinie durch mehrere Faktoren verursacht: Zu einer genetisch bedingten Anfälligkeit (Vulnerabilität), die sich in Veränderungen im Gehirn zu zeigen scheint, kommen psychosoziale Faktoren hinzu [1]. Laut Patientenleitlinie sucht es sich niemand aus, an einer Angststörung zu leiden; Betroffene stellen sich nicht an und sind keine Angsthasen [2]. Die Leitlinie beschreibt unter anderem diese Einflüsse [1]:

  • Erbliche Faktoren: Familien- und Zwillingsstudien zeigen einen genetischen Einfluss mit moderaten bis hohen Erbfaktoren; wahrscheinlich sind mehrere Gene beteiligt.
  • Belastungen in der Kindheit: Bei Menschen mit einer Panikstörung kommen Erfahrungen wie der Tod des Vaters, die Trennung von den Eltern, eine Krankheit in der Kindheit, Alkoholmissbrauch in der Familie oder sexueller Missbrauch häufiger vor als bei Vergleichspersonen.
  • Aktuelle Belastungen: Bei getrennten, geschiedenen und verwitweten Menschen sind Angststörungen häufiger als bei Verheirateten.
  • Körperliche Erkrankungen und Medikamente: Angststörungen werden gehäuft nach körperlichen Erkrankungen beobachtet, etwa nach einer akuten Herzerkrankung (akutes Koronarsyndrom); manche Medikamente können Angstbeschwerden auslösen.

Nach lerntheoretischen Modellen kann sich Angst als fehlerhafter Lernprozess entwickeln; bei der Panikstörung beschreiben kognitive Theorien einen Teufelskreis aus fehlgedeuteten Körperempfindungen und wachsender Angst (siehe Panikstörung) [1]. Verlässliche biologische Marker für Angststörungen gibt es laut Leitlinie derzeit nicht [1].

Laut S3-Leitlinie besteht bei Angststörungen vor allem ein erhöhtes Risiko für andere Angststörungen, Depressionen, somatoforme Störungen und Suchterkrankungen; auch Persönlichkeitsstörungen können gleichzeitig bestehen [1]. Mehr dazu unter Somatoforme Störungen.

Wie die Diagnose gestellt wird

Eine Angststörung stellen Ärztinnen, Ärzte oder Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im ausführlichen Gespräch fest. Sie fragen nach den typischen Anzeichen der einzelnen Angststörungen; je genauer und offener Sie antworten, desto besser lassen sich laut Patientenleitlinie die Diagnose stellen und die Behandlung planen [2]. Die Diagnostik sollte laut S3-Leitlinie einem Stufenplan folgen: offenes Gespräch, kurze Suchfragen, strukturierte Erhebung der Beschwerden, Vorgeschichte, mit Ihrem Einverständnis Angaben von Angehörigen, Abgrenzung gegen andere Erkrankungen und schließlich die Diagnose mit Einschätzung des Schweregrads [1].

Kurze Fragen können auf eine Angststörung hinweisen, zum Beispiel ob plötzlich Zustände mit großer Angst und Beschwerden wie Herzrasen, Zittern, Schwitzen oder Luftnot auftreten, ob Sie Menschenmengen, enge Räume oder öffentliche Verkehrsmittel aus Angst meiden, ob Sie sich ständig besorgt fühlen, ohne das kontrollieren zu können, oder ob Sie in Situationen Angst haben, in denen andere Sie negativ beurteilen könnten [1, 2]. Daneben gibt es kurze, wissenschaftlich geprüfte Fragebögen zum Erkennen von Angststörungen, für die generalisierte Angststörung etwa GAD-2 und GAD-7. Dass ihr Einsatz die Behandlung verbessert, ist laut Leitlinie nicht belegt [1].

Weil hinter Angstbeschwerden auch körperliche Erkrankungen stecken können, werden diese abgegrenzt. Zu den häufigen körperlichen Ursachen zählt die Leitlinie unter anderem Erkrankungen von Lunge und Herz wie Asthma, Angina pectoris, Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen, neurologische und hormonelle Störungen wie Migräne, Unterzucker oder eine Schilddrüsenüberfunktion, Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans sowie Nebenwirkungen von Medikamenten [1]. Mindestens diese Untersuchungen sollten laut Leitlinie erfolgen: ausführliche Befragung, körperliche Untersuchung, Blutbild, Blutzucker, Blutsalze (Kalzium, Kalium), der Schilddrüsenwert TSH und ein EKG mit Rhythmusstreifen; je nach Lage kommen etwa die Sauerstoffsättigung, eine Bildgebung des Kopfes oder ein EEG hinzu [1].

Abgegrenzt werden außerdem andere psychische Erkrankungen, etwa eine Zwangsstörung, eine Depression, eine Anpassungsstörung oder posttraumatische Belastungsstörung, eine Alkoholabhängigkeit, ein Medikamenten- oder Drogenentzug oder eine Psychose; im Zweifel sollte laut Leitlinie eine fachärztliche Abklärung erfolgen [1].

Behandlung im Überblick

Behandelt wird laut S3-Leitlinie, wenn eine Angststörung nach ICD-10 besteht und/oder ein mittlerer bis schwerer Leidensdruck, psychosoziale Einschränkungen oder mögliche Komplikationen wie Suchterkrankungen vorliegen. Ziele sind unter anderem, Angst und Vermeidungsverhalten zu verringern, die Rückfallwahrscheinlichkeit zu senken und die Lebensqualität zu verbessern. Bei der Wahl der Behandlung sind Ihre Präferenz, mögliche Kosten, der Zeitaufwand und Wartezeiten zu berücksichtigen [1].

Die Leitlinie stuft ihre Empfehlungen ab: "soll" steht für eine starke Empfehlung (Grad A), "sollte" für eine Empfehlung (Grad B), "kann" für eine offene Empfehlung (Grad 0). Wurde eine wichtige Frage nicht in Studien untersucht, können die Fachleute aufgrund ihrer Erfahrung gemeinsam ein Vorgehen empfehlen; das heißt Klinischer Konsenspunkt (KKP) [2].

Wichtige Empfehlungen der S3-Leitlinie Angststörungen, Version 2, je Angststörung (eigene Zusammenfassung, Modalverben wie in der Leitlinie)
AngststörungPsychotherapie und weitere MaßnahmenMedikamente
Panikstörung und AgoraphobiePsychotherapie oder Medikamente "soll" angeboten werden; kognitive Verhaltenstherapie (KVT) "soll"; psychodynamische Psychotherapie "sollte", wenn eine KVT nicht gewirkt hat, nicht verfügbar ist oder Sie sie nach Aufklärung bevorzugen; Ausdauersport "kann" ergänzend empfohlen werden [1]die SSRI Citalopram, Escitalopram, Paroxetin oder Sertralin und das SNRI Venlafaxin "soll"; Clomipramin "sollte", wenn SSRI oder Venlafaxin nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden [1]
Generalisierte AngststörungPsychotherapie oder Medikamente "soll" angeboten werden; KVT "soll"; psychodynamische Psychotherapie "sollte" unter denselben Bedingungen [1]Escitalopram, Paroxetin, Duloxetin oder Venlafaxin "soll"; Pregabalin "sollte"; Sertralin und Imipramin "sollte" im Rahmen eines Therapieversuchs, wenn Mittel mit Grad A nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden, beide sind dafür nicht zugelassen; Opipramol und Buspiron "kann", wenn Mittel mit Grad A oder B nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden [1]
Soziale PhobiePsychotherapie oder Medikamente "soll" angeboten werden; KVT "soll"; psychodynamische Psychotherapie "sollte" unter denselben Bedingungen; systemische Therapie "kann", wenn KVT oder psychodynamische Psychotherapie nicht gewirkt haben, nicht verfügbar sind oder Sie diese Therapie nach Aufklärung bevorzugen [1]Escitalopram, Paroxetin, Sertralin oder Venlafaxin "soll"; Moclobemid "kann", wenn Mittel mit Grad A nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden [1]
Spezifische PhobieKVT mit Konfrontation (Exposition) "soll"; bei Spinnen-, Höhen- oder Flugangst "soll" eine Konfrontation in virtueller Realität angeboten werden, wenn eine Konfrontation in der Wirklichkeit nicht verfügbar oder möglich und das Verfahren verfügbar ist [1]Die vorliegenden Studien reichen nicht aus, um eine Wirksamkeit von Medikamenten nachzuweisen [1]

Hat bei Panikstörung, generalisierter Angststörung oder sozialer Phobie eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten nicht ausreichend gewirkt, soll die jeweils andere Behandlungsform angeboten werden, oder es kann eine Kombination aus beiden angeboten werden. Im Informationsgespräch sollen laut Leitlinie besonders der Wirkungseintritt, die Nachhaltigkeit, unerwünschte Wirkungen und die Verfügbarkeit eine Rolle spielen [1]. Bei einer gleichzeitigen Depression soll eine leitliniengerechte antidepressive Behandlung erfolgen; Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen sollen mitbehandelt werden (siehe Depression) [1].

In einer kognitiven Verhaltenstherapie prüfen Sie gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten, welche Gedanken die Angst aufrechterhalten, erproben neues Verhalten, etwa in der sogenannten Expositionsbehandlung, bei der man sich gezielt den gefürchteten Situationen stellt, und bauen Vermeidungsverhalten ab [2]. Die KVT soll sich laut Leitlinie an erprobten Behandlungsanleitungen (Manualen) orientieren; ihre Dauer sollte nach Schwere, Begleiterkrankungen und Lebensumständen individuell geplant werden [1]. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen laut Patientenleitlinie die sogenannten Richtlinienverfahren: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie sowie Systemische Therapie [2]. Programme im Internet, die auf der KVT beruhen, können bei Panikstörung, generalisierter Angststörung und sozialer Phobie zur Überbrückung bis zum Therapiebeginn oder begleitend angeboten werden; als alleinige Behandlung sollen sie nicht angeboten werden [1]. Mehr dazu unter Psychotherapie und Medikamente.

Eine Überweisung ins Krankenhaus ist laut Patientenleitlinie unter anderem angezeigt, wenn eine akute Gefahr für sich selbst oder andere anzunehmen ist, Suizidgedanken auftreten oder eine Behandlung in der Praxis über längere Zeit keinen Erfolg hatte [2]. Mehr unter Klinik und Tagesklinik.

Medikamente bei Angststörungen

Bei der Wahl eines Medikaments sollen laut S3-Leitlinie neben dem Empfehlungsgrad unter anderem Alter, Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, das Suizidrisiko, nötige Kontrollen wie EKG und Laborwerte und frühere Erfahrungen berücksichtigt werden; die aktuelle Fachinformation soll verwendet werden [1].

Nicht alle Medikamente, die die Leitlinie nennt, sind in Deutschland für eine bestimmte Angststörung zugelassen. Ältere Mittel, darunter die meisten Benzodiazepine, wurden nicht für Krankheitsbilder nach der ICD-10 zugelassen, sondern für "akute und chronische Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände" [1]. Wird ein Medikament außerhalb seiner Zulassung verordnet, sind laut Leitlinie medizinrechtliche Fragen zu berücksichtigen, und Sie sind darauf hinzuweisen [1]. Die Tabelle ist nach den Empfehlungsgraden geordnet und keine Rangfolge.

Medikamente laut S3-Leitlinie Angststörungen, Version 2, mit den Angststörungen in den Anwendungsgebieten der Fachinformation und Beispielen für Nebenwirkungen
Gruppe und WirkstoffeWas die S3-Leitlinie empfiehltAngststörungen laut FachinformationTypische Nebenwirkungen (Beispiel)
SSRI: Citalopram, Escitalopram, Paroxetin, SertralinPanikstörung: alle vier "soll"; generalisierte Angststörung: Escitalopram und Paroxetin "soll", Sertralin "sollte" im Rahmen eines Therapieversuchs (dafür nicht zugelassen), wenn Mittel mit Grad A nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden; soziale Phobie: Escitalopram, Paroxetin und Sertralin "soll" [1]Escitalopram und Paroxetin: Panikstörung, soziale und generalisierte Angststörung [5, 6]; Sertralin: Panikstörung und soziale Angststörung [7]; Citalopram: je nach Präparat, eine Fachinformation (03/2024) nennt die Panikstörung, eine andere (12/2024) nur Depressionen [8, 9]Escitalopram, laut Packungsbeilage sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten): Übelkeit, Kopfschmerzen [18]
SNRI: Venlafaxin, DuloxetinVenlafaxin "soll" bei Panikstörung, generalisierter Angststörung und sozialer Phobie; Duloxetin "soll" bei generalisierter Angststörung [1]Venlafaxin: generalisierte Angststörung, soziale Angststörung und Panikstörung [10]; Duloxetin: generalisierte Angststörung bei Erwachsenen [11]Venlafaxin, laut Packungsbeilage sehr häufig: Schwindelgefühl, Kopfschmerz, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen einschließlich Nachtschweiß [19]
Trizyklisches Antidepressivum: ClomipraminPanikstörung: "sollte", wenn SSRI oder Venlafaxin nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden [1]Zwangsstörungen, Phobien und Panikstörungen bei Erwachsenen [12]laut Fachinformation sehr häufig unter anderem: Gewichtszunahme, sexuelle Funktionsstörungen, Benommenheit, Müdigkeit, innere Unruhe, Schwindel, Zittern, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Übelkeit [12]
Pregabalingeneralisierte Angststörung: "sollte"; bei einer Suchterkrankung in der Vorgeschichte, insbesondere bei Mehrfachabhängigkeit (Polytoxikomanie), darf Pregabalin laut Leitlinie nicht angewendet werden [1]generalisierte Angststörungen bei Erwachsenen [13]laut Fachinformation sehr häufig: Benommenheit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen; Pregabalin kann eine Arzneimittelabhängigkeit verursachen, auch bei therapeutischen Dosen [13]
Opipramolgeneralisierte Angststörung: "kann", wenn Mittel mit Grad A oder B nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden [1]generalisierte Angststörung und somatoforme Störungen [14]laut Fachinformation häufig, besonders zu Beginn: Müdigkeit, Mundtrockenheit, verstopfte Nase, niedriger Blutdruck und Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen [14]
Buspirongeneralisierte Angststörung: "kann" unter denselben Bedingungen wie Opipramol [1]laut Packungsbeilage Angstzustände mit Angst, innerer Unruhe und Spannungszuständen; eine bestimmte Angststörung nennt sie nicht [15]laut Packungsbeilage sehr häufig: Schwindel, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit [15]
Moclobemidsoziale Phobie: "kann", wenn Mittel mit Grad A nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden; die Studienlage ist laut Leitlinie uneinheitlich [1]soziale Phobie im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts [16]laut Fachinformation sehr häufig: Schlafstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit [16]
Benzodiazepine, etwa Lorazepam, Alprazolam, Diazepamwirken laut Leitlinie bei Angststörungen, sollen wegen gravierender Nebenwirkungen wie der Entwicklung einer Abhängigkeit aber nicht angeboten werden; in Ausnahmefällen können sie zeitlich befristet angewendet werden [1]Lorazepam: Kurzzeitbehandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen, wenn diese schwerwiegend sind, beeinträchtigen oder unzumutbar belasten; eine bestimmte Angststörung nennt die Fachinformation nicht [17]Lorazepam, laut Packungsbeilage sehr häufig: Beruhigung (Sedierung), Müdigkeit, Benommenheit; Benzodiazepine können zu Abhängigkeit führen [20]

Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Arzneimittels; weitere Angaben stehen auf den Wirkstoffseiten. Antidepressiva wie SSRI und SNRI wirken nicht sofort: Laut Leitlinie setzt ihre Wirkung mit einer Verzögerung von etwa 2 Wochen ein, die Spanne reicht von 1 bis 6 Wochen. Pregabalin wirkt laut Leitlinie schon in den ersten Tagen, Benzodiazepine wirken sofort [1]. In den ersten Tagen einer Behandlung mit SSRI oder SNRI können Unruhe und Schlaflosigkeit auftreten; außerdem nennt die Leitlinie sexuelle Funktionsstörungen und Beschwerden beim Absetzen [1]. Laut Patientenleitlinie können in den ersten Tagen sogar Unruhe und Angst zunehmen. Das ist kein Anlass, das Medikament selbst abzusetzen; sprechen Sie dann mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [2].

Die in der Angstbehandlung bevorzugt eingesetzten Antidepressiva machen laut Patientenleitlinie nicht abhängig [2]. Zur Frage der Abhängigkeit bei Pregabalin siehe Generalisierte Angststörung.

Benzodiazepine

Benzodiazepine sind laut S3-Leitlinie bei Angststörungen wirksam. Trotzdem sollen sie Menschen mit einer Angststörung wegen der gravierenden Nebenwirkungen wie der Entwicklung einer Abhängigkeit nicht angeboten werden. In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei schweren Herzerkrankungen oder Gegenanzeigen gegen die Standardmedikamente, können sie unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken zeitlich befristet angewendet werden [1].

Laut Packungsbeilage von Lorazepam sollten Benzodiazepine grundsätzlich nur kurzzeitig angewendet und schrittweise abgesetzt werden; bei abruptem Absetzen können Entzugserscheinungen auftreten [20]. Beenden Sie eine Behandlung nicht plötzlich und nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr unter Benzodiazepine absetzen und Abhängigkeit.

Was die Leitlinie nicht empfiehlt

Betablocker können körperliche Angstanzeichen wie Herzklopfen oder Zittern beeinflussen, zeigten in den verfügbaren Doppelblindstudien aber keine Wirksamkeit bei Angststörungen; in der Angstbehandlung sind sie laut Leitlinie deshalb überholt (obsolet). Sogenannte typische Antipsychotika empfiehlt die Leitlinie nicht. Für homöopathische Mittel gibt es laut Leitlinie keine wissenschaftlichen Nachweise [1], und laut Patientenleitlinie ist auch keine andere "alternative" Methode wie die Naturheilkunde bei Angststörungen nachweislich wirksam [2]. Was die Leitlinie zu einem pflanzlichen Lavendelölextrakt sagt, steht unter Generalisierte Angststörung.

Bei älteren Menschen sollten trizyklische Antidepressiva laut Leitlinie mit Vorsicht verordnet werden, und bei Benzodiazepinen ist wegen der Sturzgefahr besondere Vorsicht geboten (siehe Psychopharmaka im Alter). Über mögliche Risiken bestimmter Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit müssen Sie laut Leitlinie bei Panikstörung und generalisierter Angststörung aufgeklärt werden, bei sozialer Phobie sollten Sie darauf hingewiesen werden [1]; setzen Sie in der Schwangerschaft nichts eigenmächtig ab (siehe Schwangerschaft).

Wie lange behandeln, Rückfall vorbeugen

Laut Leitlinie liegt das Alter bei Beginn im Median bei 7 Jahren für spezifische Phobien, 13 Jahren für die soziale Phobie, 24 Jahren für die Panikstörung und 31 Jahren für die generalisierte Angststörung. Angststörungen verlaufen chronisch, bei Panikstörung und generalisierter Angststörung vor allem in Phasen, bei der sozialen Phobie eher durchgehend [1]. Im fünften Lebensjahrzehnt nehmen Angststörungen nach epidemiologischen Untersuchungen deutlich ab [1]. Unbehandelt können Angststörungen laut Patientenleitlinie chronisch werden; von selbst bilden sie sich nur selten zurück, mit Ausnahme der spezifischen Phobien, die häufig bei Kindern vorkommen und sich später abschwächen oder ganz verschwinden. Auch erfolgreich behandelte Angststörungen können später erneut auftreten [2].

Bei Panikstörung und generalisierter Angststörung soll eine Behandlung mit Medikamenten laut Leitlinie nach dem Abklingen der Beschwerden (Remission) noch 6 bis 12 Monate fortgeführt werden. Länger kann sie dauern, wenn ein Absetzversuch die Angst zurückbringt, wenn der Verlauf besonders schwer war oder wenn die Vorgeschichte auf einen langen Behandlungsbedarf hinweist. SSRI und SNRI sollen in der Erhaltungstherapie in der Dosis weitergegeben werden, die in der Akutbehandlung geholfen hat [1]. Beim Beenden sollten SSRI, SNRI und trizyklische Antidepressiva, bei der generalisierten Angststörung auch Pregabalin, langsam verringert werden, um Absetzbeschwerden zu vermeiden [1]. Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; ändern Sie nichts eigenständig. Mehr unter Wie lange behandeln? und Absetzen.

Ob eine Behandlung wirkt, sollte laut Leitlinie regelmäßig im Gespräch oder mit Fragebögen überprüft werden [1].

Selbsthilfe und Alltag

Zwei Frauen Mitte fünfzig gehen am Nachmittag gemeinsam einen hellen Uferweg entlang und unterhalten sich ruhig
Bild: KI-generiert

Die wichtigste Regel ist laut Patientenleitlinie, vor angstauslösenden Situationen nicht zu flüchten. Sinnvoll ist es, schwierige Situationen schrittweise anzugehen, sich nicht zu überfordern und auch kleine Erfolge wahrzunehmen; je häufiger man sich den Situationen aussetzt, desto eher kann die Angst nachlassen [2]. Bei einer generalisierten Angststörung rät die Patientenleitlinie, Situationen, die nicht wirklich gefährlich sind, etwa Urlaubsreisen, nicht zu meiden oder aufzuschieben [2].

Zu viel Alkohol und Nikotin können eine Angsterkrankung laut Patientenleitlinie ungünstig beeinflussen, ebenso illegale Drogen; manche Menschen bekommen von zu viel Koffein in Kaffee, Tee oder Cola Angstbeschwerden. Bestimmte Ernährungsratschläge, die eine Angsterkrankung bessern könnten, gibt es laut Patientenleitlinie nicht; sinnvoll sind eine allgemein gesunde Ernährung und eine möglichst ausgeglichene Lebensweise [2]. Körperliche Aktivität und Sport können zur Besserung beitragen, weil sie dem Rückzug und der Schonung entgegenwirken; als alleinige Maßnahme reichen sie nicht aus [2]. Entspannungsverfahren können die Angst auch verstärken; ihre Anwendung sollte laut Patientenleitlinie individuell besprochen und erprobt werden [2].

Über Selbsthilfe- und Angehörigengruppen sollen Sie und Ihre Angehörigen laut Leitlinie informiert und, wenn es passt, zur Teilnahme ermuntert werden; Studien zur Wirksamkeit solcher Gruppen fehlen [1]. Die Patientenleitlinie nennt die Deutsche Angst-Hilfe (DASH), die bundesweit an örtliche Selbsthilfegruppen vermittelt, und die Selbsthilfe-Kontaktstellen vor Ort [2]. Vor dem Termin in der Praxis rät die Patientenleitlinie, wichtige Fragen aufzuschreiben, eine vertraute Person mitzunehmen und eine Liste der Medikamente mitzubringen, die Sie wegen anderer Erkrankungen regelmäßig einnehmen [2].

Für Angehörige

Eine Angsterkrankung belastet laut Patientenleitlinie auch die Familie und die Partnerschaft [2]. Mit dem Einverständnis der erkrankten Person können Angehörige laut S3-Leitlinie in die Behandlung einbezogen werden. Als Grundsätze nennt die Leitlinie unter anderem, Verständnis für die Beschwerden zu schaffen, über Angststörungen aufzuklären und die Unterstützung bei der Behandlung zu nutzen, etwa bei der regelmäßigen Einnahme der Medikamente. Angehörige sollten Vermeidungsverhalten nicht durch Trost verstärken, sondern dessen Abbau fördern [1]. Die Patientenleitlinie gibt Angehörigen unter anderem diese Hinweise [2]:

  • Eine Angsterkrankung entsteht nicht, weil jemand bequem oder unfähig ist oder sich wichtigmachen will. Vermeiden Sie gut gemeinte Ratschläge, die Person solle sich zusammennehmen oder sich nicht so anstellen, und begegnen Sie ihr mit Verständnis.
  • Unterstützen Sie die Suche nach professioneller Hilfe und machen Sie deutlich, dass Sie Vorurteile gegenüber einer Behandlung nicht teilen.
  • Ziehen Sie mit der Therapeutin oder dem Therapeuten an einem Strang. Der Person schwierige, Angst auslösende Situationen abzunehmen, hilft auf Dauer nicht.
  • Achten Sie auf sich selbst; auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige kann Sie unterstützen.

Weitere Hinweise stehen unter Angehörige.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Bei Menschen mit einer Angststörung kann laut S3-Leitlinie das Suizidrisiko erhöht sein; Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sollten gezielt nach Suizidgedanken fragen. Besteht eine akute Suizidgefahr, muss eine Vorstellung in einer Facharztpraxis oder eine Einweisung in eine Klinik erfolgen [1].

Antidepressiva brauchen einige Zeit, bis sie wirken, laut der Packungsbeilage von Escitalopram gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal länger. Menschen, die depressiv sind oder unter Angststörungen leiden, können laut dieser Packungsbeilage manchmal daran denken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, und zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva können solche Gedanken verstärkt sein. Wahrscheinlicher sind sie bei Menschen, die früher schon solche Gedanken hatten, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Treten sie auf, gehen Sie laut Packungsbeilage zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen unverzüglich ein Krankenhaus auf [18].

Beschwerden wie Herzrasen, Brustschmerz oder Atemnot können auch eine körperliche Ursache haben, etwa eine Herz- oder Lungenerkrankung; ihre Abklärung gehört laut Leitlinie zur Diagnose einer Angststörung (siehe Wie die Diagnose gestellt wird) [1].

Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise.

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Langfassung, Version 2 (AWMF-Register-Nr. 051-028). Bandelow B., Beutel M. E. u. a. (Textredaktion B. Bandelow); Federführung laut DGPPN-Übersicht: Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Stand Version 2.0, Stand 06.04.2021 (nächste Überprüfung geplant 04/2026; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 05.04.2026). abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie Patientenleitlinie Behandlung von Angststörungen (zur S3-Leitlinie, AWMF-Register-Nr. 051-028). S3-Leitliniengremium Angststörungen (Autoren und Textredaktion: J. Matzat, C. Zottl, S. Rudolf). Stand 20.06.2022. abgerufen am 23.10.2026
  3. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Angststörungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
  4. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F40 bis F48: Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026. abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Escitalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 12). abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2024. abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Citalopram STADA 10 mg/20 mg/40 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Citalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  10. Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 9). abgerufen am 23.10.2026
  11. Fachinformation Duloxetin-ratiopharm magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025 (Version 10). abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Clomipramin-neuraxpharm 75 mg retard Retardtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025 (Version 15). abgerufen am 23.10.2026
  14. Fachinformation Opipramol STADA 50 mg/100 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2018. abgerufen am 23.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Busp 10 mg Tabletten. Hexal AG. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
  16. Fachinformation Moclobemid-neuraxpharm 150 mg und 300 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2015. abgerufen am 23.10.2026
  17. Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  18. Gebrauchsinformation Escitalopram-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  19. Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  20. Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen bei einer Angststörung?

Mit dem Empfehlungsgrad "soll" nennt die S3-Leitlinie je nach Form Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI, etwa Escitalopram, Paroxetin oder Sertralin, und der SNRI, etwa Venlafaxin oder Duloxetin. Bei der generalisierten Angststörung sollte zusätzlich Pregabalin angeboten werden. Für welche Angststörung ein Mittel zugelassen ist, steht in seiner Fachinformation und unterscheidet sich zwischen den Wirkstoffen. Welches Medikament zu Ihnen passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Gibt es Medikamente gegen Angst, die nicht abhängig machen?

Die in der Angstbehandlung bevorzugt eingesetzten Antidepressiva machen laut Patientenleitlinie nicht abhängig. Bei längerer Einnahme von Benzodiazepinen besteht dagegen die Gefahr einer Sucht; die S3-Leitlinie sagt, dass sie bei Angststörungen nicht angeboten werden sollen. Pregabalin kann laut aktueller Fachinformation eine Arzneimittelabhängigkeit verursachen, auch bei therapeutischen Dosen.

Gibt es Medikamente gegen Angst ohne Rezept?

Die Medikamente, die die S3-Leitlinie mit "soll" oder "sollte" empfiehlt, sind laut ihren Fachinformationen verschreibungspflichtig. Für einen bestimmten rezeptfreien Lavendelölextrakt erlaubt die Datenlage aus Sicht der Leitliniengruppe keine Empfehlung zur Behandlung der generalisierten Angststörung; zugelassen ist er für Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung, nicht für Angststörungen nach der ICD-10. Zu anderen Lavendelölextrakten macht die Leitlinie keine Aussage. Für homöopathische Mittel gibt es laut Leitlinie keine wissenschaftlichen Nachweise. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie zusätzlich etwas einnehmen.

Kann man eine Angststörung ohne Medikamente behandeln?

Ja. Bei Panikstörung, generalisierter Angststörung und sozialer Phobie soll laut S3-Leitlinie eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden; eine kognitive Verhaltenstherapie soll angeboten werden, und Ihre Wünsche sollen berücksichtigt werden. Bei einer spezifischen Phobie soll eine Verhaltenstherapie mit Konfrontation angeboten werden. Hilft eine Psychotherapie nicht ausreichend, sollen Medikamente angeboten werden, oder es kann eine Kombination angeboten werden.

Welche körperlichen Symptome kann eine Angststörung haben?

Laut ICD-10-GM und S3-Leitlinie gehören je nach Form zum Beispiel Herzrasen oder Herzklopfen, Brustschmerz, Atemnot, Zittern, Schwitzen, Muskelspannung, Schwindel, Benommenheit, Übelkeit oder Oberbauchbeschwerden dazu, bei der sozialen Phobie auch Erröten und Händezittern. Viele Betroffene klagen eher über körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Schlafstörungen als über Angst. Weil auch körperliche Erkrankungen dahinterstecken können, sollten diese ärztlich ausgeschlossen werden.

Welchen ICD-10-Schlüssel haben Angststörungen?

In der ICD-10-GM stehen die phobischen Störungen unter F40, darunter die Agoraphobie (F40.0), die soziale Phobie (F40.1) und die spezifischen Phobien (F40.2). Die anderen Angststörungen stehen unter F41, darunter die Panikstörung (F41.0), die generalisierte Angststörung (F41.1) und Angst und depressive Störung, gemischt (F41.2). Eine Panikstörung mit Agoraphobie wird unter F40.01 verschlüsselt.

Welche Medikamente helfen bei Angst und Depression zugleich?

Besteht neben der Angststörung eine Depression, soll laut S3-Leitlinie eine leitliniengerechte antidepressive Behandlung erfolgen. Die Fachinformationen von Escitalopram, Paroxetin, Sertralin, Venlafaxin und Duloxetin nennen neben Angststörungen auch Depressionen (Episoden einer Major Depression) als Anwendungsgebiet. Welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie lange dauert die Behandlung einer Angststörung?

Antidepressiva wirken laut S3-Leitlinie mit einer Verzögerung von etwa 2 Wochen, die Spanne reicht von 1 bis 6 Wochen. Bei Panikstörung und generalisierter Angststörung soll eine medikamentöse Behandlung nach dem Abklingen der Beschwerden noch 6 bis 12 Monate fortgeführt werden, bei Bedarf länger. Die Dauer einer Psychotherapie sollte nach Schwere, Begleiterkrankungen und Lebensumständen individuell geplant werden.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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