ErkrankungenErkrankung

Demenz und Alzheimer-Demenz

Eine Demenz ist eine meist fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Gedächtnis, Denken, Orientierung, Sprache und Urteilsvermögen so weit nachlassen, dass der Alltag ohne Hilfe nicht mehr gelingt; die häufigste Ursache ist die Alzheimer-Krankheit. Heilen lässt sich eine Demenz laut Patientenleitlinie, abgesehen von seltenen behandelbaren Ursachen, nicht; Bewegung, geistiges Training, Ergotherapie und Antidementiva sollen geistige Fähigkeiten und Alltag stärken, und Antipsychotika schlägt die S3-Leitlinie bei Unruhe oder Wahn nur zeitlich begrenzt vor. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Frau Anfang achtzig und ihre Tochter in den Fünfzigern legen an einem hellen Küchentisch gemeinsam frische Wäsche zusammen
Bild: KI-generiert

Eine Demenz ist laut der in Deutschland verwendeten Klassifikation ICD-10-GM ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns. Gestört sind viele höhere Funktionen wie Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen; das Bewusstsein ist nicht getrübt. Gewöhnlich kommen Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation hinzu [3]. Laut Patientenleitlinie spricht man von Demenz, wenn die geistigen Probleme so groß sind, dass jemand den Alltag nicht mehr ohne Hilfe bewältigen kann; eingeteilt wird sie in die Stadien leicht, mittelschwer und schwer. Sind die Einschränkungen nachweisbar, beeinträchtigen den Alltag aber noch nicht maßgeblich, heißt das leichte kognitive Störung [2].

In Deutschland sind laut S3-Leitlinie nach Abrechnungsdaten der AOK 10,5 Prozent der Menschen ab 65 Jahren an einer Demenz erkrankt, bezogen auf die Bevölkerung Ende 2020 etwa 1,8 Millionen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, vor allem weil sie im Durchschnitt älter werden. Unter 65 Jahren hat etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung eine Demenz, mit 80 bis 84 Jahren etwa 13 bis 16 Prozent [1]. Die häufigste Ursache ist mit 60 bis 80 Prozent die Alzheimer-Krankheit, gefolgt von der vaskulären Demenz mit etwa 5 bis 10 Prozent; seltener sind die Demenz bei Parkinson-Krankheit, die Demenz mit Lewy-Körpern und die frontotemporale Demenz. Mit steigendem Alter kommen Mischformen immer häufiger vor [1].

Grundlage dieser Seite ist die S3-Leitlinie Demenzen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Version 6.1 vom 27.04.2026. Sie wird als Living Guideline laufend überarbeitet und gilt ab 24.02.2026 bis voraussichtlich 23.02.2027 [1]. Starke Empfehlungen formuliert sie mit "Wir empfehlen", schwache mit "Wir schlagen vor"; Empfehlungen ohne Studienbelege stehen als Expertenkonsens [1, 2]. Ob ein Mittel für eine Demenzform zugelassen ist, steht hier nach den Fachinformationen.

Anzeichen einer Demenz

Die Patientenleitlinie zeigt elf Warnzeichen, die die Deutsche Alzheimer Gesellschaft zusammengestellt hat. Treffen mehrere davon zu, rät sie, mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen [2]:

  • Gedächtnisstörungen und Verlegen von Dingen
  • Schwierigkeiten mit alltäglichen Aufgaben und Probleme, den Überblick zu behalten
  • fehlende Worte im Gespräch und Gesprächen nicht mehr folgen können
  • fehlende Orientierung in der Zeit und an fremden Orten, Probleme mit der räumlichen Wahrnehmung
  • schlechtes oder vermindertes Urteilsvermögen
  • Rückzug von der Arbeit oder von sozialen Aktivitäten, Veränderungen der Stimmung oder des Verhaltens

Im Verlauf einer Demenz treten laut S3-Leitlinie bei der überwiegenden Zahl der Betroffenen auch psychische und Verhaltenssymptome auf, etwa Depression, Angst und Apathie, aber auch Aggressivität, Wahn oder Halluzinationen, enthemmtes Verhalten oder Schlafstörungen. Sie belasten Betroffene und Angehörige oft erheblich und sind häufig der Grund für einen Umzug in eine Pflegeeinrichtung oder eine Aufnahme ins Krankenhaus [1]. Das häufigste Verhaltenssymptom ist laut Leitlinie die Apathie, also verminderter Antrieb und fehlende Eigeninitiative [1].

Wie eine Demenz beginnt, hängt von ihrer Form ab. Die Patientenleitlinie und die ICD-10-GM beschreiben die häufigen Formen so [2, 3]:

Häufige Formen der Demenz und typische Merkmale (nach Patientenleitlinie Demenz und ICD-10-GM)
FormTypische Merkmale
Alzheimer-Demenzbeginnt meist mit Vergesslichkeit, Verlegen von Gegenständen und Orientierungsproblemen [2]; beginnt laut ICD-10-GM meist schleichend und entwickelt sich langsam, aber stetig über mehrere Jahre; bei Beginn vor dem 65. Lebensjahr verschlechtert sie sich vergleichsweise rasch, bei späterem Beginn langsamer und mit Gedächtnisstörungen als Hauptmerkmal [3]
Vaskuläre DemenzFolge größerer oder unbemerkter kleinerer Schlaganfälle oder Hirnblutungen; der Verlauf ist eher stufenweise, typisch sind Probleme mit Planung, Verlangsamung, Aufmerksamkeit und fehlender Antrieb [2]
Frontotemporale Demenzselten, beginnt oft schon vor dem 65. Lebensjahr und verändert vor allem Verhalten, Persönlichkeit oder Sprache, weniger das Gedächtnis [2]
Parkinson-Demenzentwickelt sich einige Jahre nach Beginn einer Parkinson-Krankheit [2]
Demenz mit Lewy-Körperntypisch sind Halluzinationen, starke Schwankungen von Wachheit und geistiger Leistungsfähigkeit, eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung und Parkinson-ähnliche Beschwerden [2]

Als zusätzliche Merkmale der Demenz mit Lewy-Körpern nennen die Diagnosekriterien in der S3-Leitlinie unter anderem eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Antipsychotika, wiederholte Stürze und vorübergehende Phasen, in denen die Person nicht ansprechbar ist [1]. Anders als bei einer Demenz ist bei einem Delir das Bewusstsein gestört, und die Beschwerden beginnen plötzlich (siehe Delir) [3, 16].

Ursachen und Risiken

Die Alzheimer-Krankheit ist laut ICD-10-GM eine primär degenerative Erkrankung des Gehirns mit unbekannter Ursache und typischen Veränderungen im Gewebe [3]. Laut Patientenleitlinie lagern sich dabei bestimmte Eiweiße im Gehirn ab, Amyloid und Tau, die die Nervenzellen schädigen. Von einer Alzheimer-Demenz im engeren Sinn spricht man heute, wenn diese Eiweiße mit bestimmten Untersuchungen nachgewiesen wurden [2]. Die vaskuläre Demenz ist laut ICD-10-GM die Folge von Infarkten im Gehirn bei einer Gefäßkrankheit; die Infarkte sind meist klein, summieren sich aber in ihrer Wirkung [3].

Einer der wichtigsten Risikofaktoren ist das Lebensalter [2]. Demenzerkrankungen nehmen laut S3-Leitlinie mit steigendem Alter exponentiell zu [1]. Als potenziell beeinflussbare Risikofaktoren gibt die Leitlinie die Liste der Lancet-Kommission wieder: niedrige Bildung, Hörstörungen, hohes LDL-Cholesterin, Depression, Kopfverletzungen, Bewegungsmangel, Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, hoher Alkoholkonsum, soziale Isolation, Luftverschmutzung und Sehstörungen [1]. Laut Patientenleitlinie lohnt es sich bei allen Demenzformen, die Risikofaktoren für Schlaganfälle zu verringern oder zu behandeln, zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und Vorhofflimmern [2].

Wichtig ist laut Leitlinie, behandelbare Ursachen einer Gedächtnisstörung zu erkennen: andere psychische und neurologische Erkrankungen, Erkrankungen anderer Organe, Folgen von Substanzkonsum oder Nebenwirkungen von Medikamenten [1]. Manche Antidepressiva und Antipsychotika können laut Patientenleitlinie einen Mangel des Botenstoffs Acetylcholin verstärken und damit Demenzbeschwerden verschlimmern; solche Mittel sollten vermieden werden [2]. Einen Überblick über alle Medikamente gibt ein Medikationsplan.

Wie die Diagnose gestellt wird

Am Anfang steht laut Patientenleitlinie das Gespräch über die Krankengeschichte, dazu kommt eine körperliche Untersuchung. Auch die nächsten Angehörigen werden befragt, weil sie Einzelheiten ergänzen können, die Menschen mit Vergesslichkeit selbst nicht wahrnehmen [2]. Diese Befragung von Angehörigen empfiehlt die S3-Leitlinie ausdrücklich, wenn die betroffene Person zustimmt [1].

Berichtet jemand über Gedächtnisbeschwerden, auch erst auf Nachfrage, empfiehlt die Leitlinie nach Einwilligung einen kognitiven Kurztest, zum Beispiel den MMST oder den MoCA, auch in der Hausarztpraxis. Besteht der Verdacht auf eine leichte kognitive Störung oder eine leichte Demenz, empfiehlt sie eine ausführliche neuropsychologische Untersuchung, auch wenn der Kurztest unauffällig war. Ein Screening ohne Beschwerden und ohne andere Hinweise wird nicht empfohlen [1]. Außerdem schlägt die Leitlinie vor, Anzeichen einer Depression mit Gespräch und Fragebogen standardisiert zu erfassen [1].

Zur Basisdiagnostik empfiehlt die S3-Leitlinie Blutuntersuchungen, unter anderem Blutbild, Blutsalze, Leber- und Nierenwerte, Entzündungswert, Schilddrüsenwert und Vitamin B12 (Expertenkonsens). Eine Bildgebung des Gehirns schlägt sie in der Erstdiagnostik vor, unter anderem um behandelbare Ursachen auszuschließen [1]; laut Patientenleitlinie wird dafür eine Magnetresonanztomographie (MRT) empfohlen [2]. Ist nach diesen Untersuchungen unklar, warum eine Gedächtnisstörung besteht, kommt eine Untersuchung des Nervenwassers infrage, wenn das Ergebnis voraussichtlich die Behandlung beeinflusst [2]. Die Leitlinie empfiehlt nicht, die Diagnostik von Amyloid-Ablagerungen oder anderen krankhaften Veränderungen im Gehirn allein auf zugelassene Bluttests zu stützen [1].

Erste Anlaufstelle ist oft die Hausarztpraxis. Die weitere Diagnostik übernehmen in der Regel Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie, Nervenheilkunde oder Psychiatrie, Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie oder Gedächtnisambulanzen [2]. Eine zeitgerechte Diagnose soll laut Leitlinie ermöglicht werden; die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) empfiehlt in einem Sondervotum, die Mitteilung an der persönlichen Situation und Verfassung auszurichten und auch das Recht zu berücksichtigen, nicht informiert zu werden [1].

Behandlung im Überblick

Eine Demenz lässt sich laut Patientenleitlinie, abgesehen von seltenen behandelbaren Ursachen, nicht heilen. Ziele der Behandlung sind, geistige Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten, die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern, Verhalten und Stimmung zu stabilisieren und auch körperliche Beschwerden wie Schmerzen, Schlafprobleme oder zu viele Medikamente im Blick zu behalten. Einen allgemein idealen Behandlungsplan gibt es nicht; oft ist ein Behandlungskonzept mit mehreren Maßnahmen sinnvoll, weil sie sich gegenseitig unterstützen können [2].

Nicht medikamentöse Behandlung laut S3-Leitlinie Demenzen, Version 6.1 (Nummer der Empfehlung in Klammern)
MaßnahmeEmpfehlungStärke
Dementia Care Managementin der Behandlung etablieren und einsetzen; dabei organisiert eine koordinierende Fachkraft, etwa eine spezialisierte Pflegekraft, die Versorgungsangebote (53) [1, 2]"Wir empfehlen"
Körperliches TrainingKraft- und/oder Ausdauertraining zur Verbesserung der Alltagsaktivitäten anbieten (61); auch zur Verbesserung der geistigen Leistung bei leichter kognitiver Störung oder Demenz (59) [1]"Wir empfehlen" (61), "Wir schlagen vor" (59)
Kognitives Training und kognitive Stimulationbei leichter und mittelschwerer Demenz zur Verbesserung der geistigen Leistung (54, 55); selbst durchgeführte Computerprogramme werden nicht vorgeschlagen (56) [1]"Wir schlagen vor", (56) "Wir schlagen keine Anwendung vor"
Musiktherapieaktiv und rezeptiv, zur Verbesserung der geistigen Leistung (58) [1]"Wir schlagen vor"
Bei DepressionBewegungstherapie, bevorzugt in Gruppen (77) [1]"Wir empfehlen"
Bei agitiertem Verhaltenpersonalisierte Aktivierung, Musiktherapie oder Berührungstherapie (81) [1]"Wir empfehlen"

Ein Dementia Care Management ist laut Patientenleitlinie in Deutschland noch nicht flächendeckend verfügbar und wird nicht von den Krankenkassen finanziert [2]. Ziel der Ergotherapie ist, die Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange zu erhalten; die Logopädie behandelt Störungen von Sprache, Sprechen und Schlucken. Eine Psychotherapie, besonders eine Verhaltenstherapie, kann wegen der Gedächtnisprobleme nur in den Vor- und Anfangsstadien eingesetzt werden [2]. Mehr unter Psychotherapie und Medikamente.

Medikamente bei Demenz

Medikamente können laut Patientenleitlinie die geistigen Funktionen stärken (Antidementiva, Ginkgo biloba), Verhalten und Stimmung stabilisieren (andere Psychopharmaka) oder bei der frühen Alzheimer-Krankheit das Nachlassen der geistigen und der Alltagsfunktionen verlangsamen (Amyloid-Antikörper). Ob ein Mittel sinnvoll ist, entscheiden Ärztin oder Arzt gemeinsam mit der betroffenen Person und den Angehörigen [2]. Donepezil, Rivastigmin und Galantamin stärken die Wirkung des Botenstoffs Acetylcholin (Acetylcholinesterasehemmer); Memantin normalisiert eine Überaktivität des Botenstoffs Glutamat. Wie Ginkgo biloba wirkt, ist nicht genau bekannt [2]. Die Tabelle folgt keiner Rangfolge.

Antidementiva und Antikörper: Zulassung laut Fach- bzw. EMA-Produktinformation und Empfehlungen der S3-Leitlinie Demenzen, Version 6.1
WirkstoffZulassung laut FachinformationWas die S3-Leitlinie sagt
Donepezilsymptomatische Behandlung der leichten bis mittelschweren Alzheimer-Demenz [4]Acetylcholinesterasehemmer bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz: "Wir empfehlen" (62); bei schwerer Alzheimer-Demenz zu erwägen: "Wir schlagen vor" (65, dafür nicht zugelassen); bei Demenz bei Parkinson-Krankheit und bei leichter bis mittelschwerer Demenz mit Lewy-Körpern: "Wir schlagen vor" (70, 71, jeweils nicht zugelassen) [1]
Galantaminsymptomatische Behandlung leichter bis mittelschwerer Demenz vom Alzheimer-Typ [5]bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz: "Wir empfehlen" (62) [1]
RivastigminHartkapseln und Lösung: leichte bis mittelschwere Alzheimer-Demenz und leichte bis mittelschwere Demenz bei idiopathischem Parkinson-Syndrom; Pflaster: nur leichte bis mittelschwere Alzheimer-Demenz [6]bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz: "Wir empfehlen" (62); Pflaster bei schwerer Alzheimer-Demenz zu erwägen: "Wir schlagen vor" (65, dafür nicht zugelassen); bei Demenz bei Parkinson-Krankheit Kapseln oder Pflaster: "Wir schlagen vor" (70; das Pflaster ist dafür nicht zugelassen) [1]
MemantinErwachsene mit moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz [7]bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz: "Wir empfehlen" (64); bei leichter Alzheimer-Demenz nicht einsetzen: "Wir empfehlen ... nicht" (63) [1]
Ginkgo-biloba-Extraktlaut Fachinformation eines Präparats (Filmtabletten mit 240 mg): zur Verbesserung einer altersbedingten kognitiven Beeinträchtigung und der Lebensqualität bei leichter Demenz [8]Extrakt EGb 761 bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz mit nicht psychotischen Verhaltenssymptomen: "Wir schlagen vor" (69) [1]
LecanemabErwachsene mit leichter kognitiver Störung und leichter Demenz aufgrund der Alzheimer-Krankheit (zusammen frühe Alzheimer-Krankheit) mit bestätigter Amyloid-Pathologie, die keine oder nur eine Kopie des Gens ApoE ε4 tragen [9]nach sorgfältiger Aufklärung über andere Behandlungsmöglichkeiten bei gesicherter leichter kognitiver Störung oder leichter Demenz bei Alzheimer-Krankheit mit nachgewiesener Amyloid-Pathologie, bei ApoE-ε4-Nichtträgern oder heterozygoten Trägern, in einem umfassenden Behandlungsplan: "Wir schlagen vor" (75); die DEGAM spricht in einem Sondervotum keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz in der Regelversorgung aus [1]
DonanemabErwachsene mit leichter kognitiver Störung und leichter Demenz infolge der Alzheimer-Krankheit (frühe symptomatische Alzheimer-Krankheit) mit bestätigter Amyloid-Pathologie, die keine oder nur eine Kopie des Gens ApoE ε4 tragen [10]

Eine Kombination aus einem Acetylcholinesterasehemmer und Memantin empfiehlt die S3-Leitlinie bei der Alzheimer-Demenz aller Schweregrade nicht, ebenso keine Acetylcholinesterasehemmer bei einer leichten kognitiven Störung. Bei vaskulärer Demenz schlägt sie Donepezil, Galantamin, Rivastigmin in hoher Dosierung oder Memantin vor; dafür sind diese Mittel nicht zugelassen. Für die frontotemporale Demenz kann sie keine medikamentöse Behandlung zur Verbesserung der geistigen Leistung empfehlen [1]. Laut Patientenleitlinie gibt es für diese Form keine zugelassenen Medikamente [2].

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffÜbelkeitErbrechenDurchfallAppetitlosigkeitSchwindelKopfschmerzenVerlangsamter Herzschlag
DonanemabHäufigHäufignicht genanntnicht genanntnicht genanntSehr häufignicht genannt
DonepezilSehr häufigHäufigSehr häufigHäufigHäufigSehr häufigGelegentlich
GalantaminSehr häufigSehr häufigHäufigHäufigHäufigHäufigHäufig
Ginkgo-biloba-ExtraktHäufigHäufigHäufignicht genanntHäufigSehr häufignicht genannt
LecanemabHäufignicht genanntnicht genanntnicht genanntnicht genanntSehr häufignicht genannt
Memantinnicht genanntGelegentlichnicht genanntnicht genanntHäufigHäufignicht genannt
RivastigminHäufigHäufigHäufigHäufigHäufigHäufigGelegentlich

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Die Antikörper Lecanemab und Donanemab binden laut Patientenleitlinie an Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und regen das Immunsystem an, sie abzubauen. Vor Beginn müssen die Amyloid-Veränderungen nachgewiesen sein, meist über das Nervenwasser, und ein Gentest muss ausschließen, dass zwei ApoE-ε4-Varianten vorliegen. Gegeben werden sie als Infusion in einer auf Alzheimer spezialisierten Klinik oder Praxis, mit regelmäßigen MRT-Kontrollen vor und während der Behandlung [2]. Der Beginn erfolgt laut EMA bei allen Behandelten über ein zentrales Registrierungssystem eines Programms für den kontrollierten Zugang, und die Behandelten erhalten eine Patientenkarte beziehungsweise einen Patientenpass [9, 10]. Bei laufender Behandlung mit gerinnungshemmenden Mitteln (Antikoagulanzien) sollte Lecanemab laut Fachinformation nicht begonnen werden, Donanemab darf dann nicht begonnen werden [9, 10]. Möglich sind kleine Veränderungen im Gehirn, bei denen Flüssigkeit oder geringe Mengen von Blutbestandteilen ins Hirngewebe austreten (ARIA); sie machen laut Patientenleitlinie oft keine Beschwerden und werden meist nur im MRT gesehen [2]. Einzelheiten stehen auf den Seiten Lecanemab und Donanemab.

Medikamente bei Unruhe, Wahn, Depression und Schlafstörungen

Psychische und Verhaltenssymptome hängen laut S3-Leitlinie oft mit der Umgebung und der Kommunikation zusammen. Zuerst sollte versucht werden, Ursachen zu erkennen und Kommunikation, Umgebung oder Abläufe anzupassen; erst wenn das nicht ausreicht, sollten Psychopharmaka erwogen werden, in Notfällen auch direkt [1]. Die Patientenleitlinie nennt dafür eine personenzentrierte Suche nach Auslösern wie Einsamkeit, Überforderung oder Schmerzen, eine wertschätzende Kommunikation (Validation), Schulungen für Pflegende und Angehörige und eine an die Bedürfnisse angepasste Umgebung [2].

Medikamente bei psychischen und Verhaltenssymptomen laut S3-Leitlinie Demenzen, Version 6.1 (keine Rangfolge über die Leitlinie hinaus)
BeschwerdenWas die Leitlinie sagt
Depression bei Alzheimer-DemenzMirtazapin oder Sertralin: "Wir schlagen vor" (86) [1]; zugelassen sind beide laut Fachinformation zur Behandlung von Episoden einer Major Depression, eine Demenz nennt Abschnitt 4.1 dabei nicht eigens [17, 18]; abgeraten wird laut Patientenleitlinie unter anderem von Amitriptylin, Clomipramin, Imipramin, Paroxetin und Venlafaxin [2]
Wahn und Halluzinationenwenn eine medikamentöse Behandlung nötig ist, Risperidon als erste oder Haloperidol als zweite Wahl, zeitlich begrenzt und in möglichst geringer Dosis: "Wir schlagen vor" (88); bei Demenz mit Lewy-Körpern oder Parkinson-Krankheit Clozapin: "Wir schlagen vor" (89) [1]; zugelassen ist Clozapin laut Fachinformation nur bei Schizophrenie, wenn andere Antipsychotika nicht ausreichend wirken oder wegen schwerer neurologischer Nebenwirkungen nicht vertragen werden, und bei Psychosen im Verlauf einer Parkinson-Krankheit nach Versagen der Standardtherapie, also nicht bei Demenz mit Lewy-Körpern; für demenzbedingte Verhaltensstörungen ist es nicht zugelassen [19]
Agitiertes oder aggressives VerhaltenRisperidon als erste oder Haloperidol als zweite Wahl, zeitlich begrenzt: "Wir schlagen vor" (90) [1]
ApathieBehandlungsversuch mit Methylphenidat: "Wir schlagen vor" (92), dafür nicht zugelassen; die Fachinformation nennt nur die ADHS [1, 20]
Angstkeine durch höherwertige Studien gesicherte medikamentöse Empfehlung (87, Expertenkonsens) [1]
Schlafstörungenkeine gesicherte medikamentöse Empfehlung; Melperon oder Pipamperon können im Rahmen ihrer Zulassung eingesetzt werden (94, Expertenkonsens) [1]

Absetzversuche von Antipsychotika schlägt die Leitlinie regelmäßig im Abstand von wenigen Wochen vor (91) [1]. Ob und wann ein Mittel beendet wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit der betroffenen Person und den Angehörigen; ändern Sie nichts eigenmächtig. Den Einsatz von Benzodiazepinen bei Angst sollte man laut Hintergrundtext der Leitlinie wegen Abhängigkeitspotenzial mit Risiko eines Entzugsdelirs, Verschlechterung der geistigen Leistung und Sturzgefahr vermeiden [1].

Risperidon ist laut Fachinformation zur Kurzzeitbehandlung (bis zu 6 Wochen) anhaltender Aggression bei mäßiger bis schwerer Alzheimer-Demenz zugelassen, wenn nicht medikamentöse Maßnahmen nicht helfen und ein Risiko besteht, sich selbst oder andere zu gefährden; Menschen mit anderen Demenzformen als der Alzheimer-Demenz sollen laut Fachinformation nicht mit Risperidon behandelt werden [11]. Zur Behandlung von Wahn und Halluzinationen bei Demenz ist Risperidon nicht zugelassen [1, 11]. Haloperidol ist zugelassen bei anhaltender Aggression und psychotischen Beschwerden bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz, wenn nicht medikamentöse Behandlungen versagt haben und ein Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung besteht; bei Lewy-Körper-Demenz und Parkinson-Krankheit darf es laut Fachinformation nicht angewendet werden [12]. Quetiapin ist laut Fachinformation zur Behandlung einer Psychose bei Demenz nicht zugelassen [15]. Melperon ist laut Fachinformation zugelassen bei Schlafstörungen, Verwirrtheitszuständen und zur Dämpfung von Unruhe und Erregungszuständen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten der Altersmedizin (Geriatrie) und Psychiatrie, unter anderem bei organisch bedingter Demenz [13]. Pipamperon ist zugelassen bei Schlafstörungen, insbesondere älterer Menschen, und bei Erregungszuständen [14].

Die Fachinformationen von Risperidon, Haloperidol, Quetiapin, Melperon, Pipamperon und Clozapin nennen für ältere Menschen mit Demenz ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko: unter atypischen Antipsychotika wie Risperidon höher als unter Placebo, bei Psychosen im Rahmen einer Demenz unter Antipsychotika wie Haloperidol und Quetiapin erhöht, unter konventionellen Antipsychotika wie Melperon und Pipamperon leicht erhöht und unter Antipsychotika wie Clozapin geringfügig erhöht. Außerdem wurde in Studien mit Menschen mit Demenz unter einigen atypischen Antipsychotika ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Ereignisse an den Hirngefäßen wie Schlaganfälle beobachtet [11, 12, 13, 14, 15, 19]. Pipamperon und Clozapin sind laut Fachinformation nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen zugelassen, die mit Demenzerkrankungen zusammenhängen [14, 19]; bei Melperon prüft die Ärztin oder der Arzt laut Fachinformation im Einzelfall, ob es dafür angewendet werden soll [13]. Als weitere Risiken nennt die Patientenleitlinie Müdigkeit, Schwindel, Gangunsicherheit, verlangsamte Bewegungen und Stürze, Thrombosen und Lungenentzündungen [2]. Menschen mit Demenz mit Lewy-Körpern oder Parkinson-Demenz sind laut S3-Leitlinie besonders gefährdet für Bewegungsstörungen unter Antipsychotika; eine Behandlung mit typischen und den meisten atypischen Antipsychotika ist bei ihnen deshalb kontraindiziert [1]. Mehr unter Antipsychotika.

Verlauf und Dauer der Behandlung

Die Alzheimer-Krankheit dauert laut Schätzungen, die die S3-Leitlinie wiedergibt, einschließlich der Phasen vor den ersten Beschwerden im Durchschnitt etwa 12 bis 24 Jahre. Davon entfallen etwa 2 bis 15 Jahre auf die Zeit ohne Beschwerden, 3 bis 7 Jahre auf die Vorstufe, 2 bis 6 Jahre auf das leichte und 1 bis 7 Jahre auf das mittelschwere bis schwere Stadium; je älter die Menschen sind, desto kürzer sind die einzelnen Phasen [1]. Im schweren Stadium sind Betroffene laut Leitlinie häufig vollständig auf andere angewiesen [1].

Acetylcholinesterasehemmer schlägt die Leitlinie langfristig vor, auch wenn sich die Beschwerden verschlechtern (67) [1]. Die DEGAM weist darauf hin, dass diese Mittel nur für die leichte bis mittelschwere Demenz zugelassen sind und eine Weiterverordnung im schweren Stadium nicht zugelassen ist [1]. Laut Patientenleitlinie sollte die Behandlung nach Expertenkonsens auch im schweren Stadium weitergegeben werden, weil sich die geistigen Funktionen sonst rasch verschlechtern können; dafür kommen besonders Donepezil oder das Rivastigmin-Pflaster infrage, die für die schwere Alzheimer-Demenz nicht zugelassen sind [2]. Über die Dauer entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Bei fortgeschrittener Demenz kann laut Patientenleitlinie eine palliative Versorgung früher sinnvoll sein, als viele denken, etwa bei häufigen Krankenhausaufenthalten, Schmerzen, Schluckstörungen oder Atemnot. Eine künstliche Ernährung über eine Magensonde wird bei fortgeschrittener Demenz nicht empfohlen [2].

Selbsthilfe und Alltag

Mann Mitte siebzig gießt mit seinem erwachsenen Sohn in einem kleinen hellen Gewächshaus die Tomatenpflanzen
Bild: KI-generiert

Wichtig sind laut Patientenleitlinie bei einer Alzheimer-Demenz eine klare Tagesstruktur, feste Bezugspersonen, sinnvolle Beschäftigung wie Musik, Bewegung oder kreative Tätigkeiten, geistige Aktivierung, regelmäßige körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, Teilhabe am sozialen Leben und Ergotherapie. Eine förderliche Umgebung mit Orientierungshilfen, vertrauten Gegenständen und ruhiger Atmosphäre unterstützt die Selbstständigkeit [2]. Körperliches Training schlägt die Leitlinie auch vor, um Stürzen vorzubeugen; Medikamente, die die Sturzgefahr erhöhen, sollten bei Menschen mit Demenz laut Expertenkonsens vermieden werden [1, 2].

Die Medikation sollte laut S3-Leitlinie regelmäßig überprüft werden, um zu viele Mittel, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu verringern ("Wir schlagen vor") [1]. Die Patientenleitlinie rät, zu jedem Arztbesuch einen aktuellen Medikationsplan mitzubringen und bei jedem neuen Mittel zu fragen, ob es bei Demenz verträglich ist [2].

Bei mittelschwerer und schwerer Demenz ist die Fahreignung laut S3-Leitlinie aufgehoben; bei leichter Demenz sollte sie im Einzelfall geprüft werden. Bei leichter Demenz und leichter kognitiver Störung empfiehlt die Leitlinie, die Fahreignung mindestens einmal im Jahr zu beurteilen (Expertenkonsens) [1]. Mehr unter Autofahren. Die Patientenleitlinie rät, sich so früh wie möglich um eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht zu kümmern; gültig sind sie nur, wenn die Person beim Ausstellen Bedeutung und Tragweite verstehen konnte [2].

Für Angehörige

Pflegende Angehörige haben laut S3-Leitlinie ein erhöhtes Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen [1]. Bei Angehörigen mit leichter Depression oder Anpassungsstörung empfiehlt die Leitlinie eine kognitive Verhaltenstherapie, Verhaltensaktivierung oder ein Programm aus mehreren Bausteinen zusammen mit Beratung ("Wir empfehlen"); pflegenden Angehörigen schlägt sie außerdem Psychoedukation mit Training von Fertigkeiten einschließlich Kommunikationstraining, eine kognitive Verhaltenstherapie oder Programme aus mehreren Bausteinen vor [1]. Gestärkt werden Angehörige laut Patientenleitlinie durch Aufklärung über die Krankheit, Beratung über Hilfen in der Region, das Erlernen von Fertigkeiten wie pflegerischen Handgriffen und Kommunikation sowie Übungen zum Umgang mit Belastungen [2].

Im Umgang rät die Patientenleitlinie, die erlebte Wirklichkeit des Menschen mit Demenz ernst zu nehmen, statt ihn zu korrigieren, klar und ruhig zu sprechen und geduldig zu bleiben. Zur frontotemporalen Demenz betont sie: Das auffällige Verhalten ist Teil der Krankheit, keine böse Absicht [2]. Hilfe bieten unter anderem Demenzberatungsstellen, die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Selbsthilfegruppen für Angehörige, Sozialdienste und die kostenlose Pflegeberatung der Pflegekassen [2]. Weitere Hinweise stehen unter Angehörige und Psychopharmaka im Alter.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Die Diagnose einer Demenz kann sehr belasten. Eine amerikanische Registerstudie, die die S3-Leitlinie anführt, fand in der ersten Zeit nach der Diagnose einer leichten kognitiven Störung oder einer Demenz etwas mehr Suizidversuche als bei Vergleichspersonen, bei länger zurückliegender Diagnose nicht (Studienergebnis). Die DEGAM empfiehlt in einem Sondervotum, die wahrscheinlich erhöhte Rate von Suizidversuchen schon bei der Entscheidung über die Diagnostik zu berücksichtigen, besonders bei leichter kognitiver Störung [1]. Auch eine Depression kann zur Demenz hinzukommen; die Leitlinie schlägt vor, ihre Anzeichen gezielt zu erfassen [1].

Verschlechtert sich der Zustand plötzlich, mit mehr Unruhe, starker Verwirrung, Orientierungslosigkeit, Rückzug oder ungewöhnlichem Verhalten, kann das laut der Patientenleitlinie Delir im höheren Lebensalter auf ein Delir hinweisen; dann ist es wichtig, die Hausarztpraxis, die Notaufnahme oder das Behandlungsteam darauf hinzuweisen. Ein Delir ist laut dieser Leitlinie immer ein Notfall [16]. Treten während einer Antikörperbehandlung plötzlich neue Beschwerden wie Lähmungen, Sprachstörungen oder starke Kopfschmerzen auf, muss sofort ärztlich abgeklärt werden, ob ein Schlaganfall oder eine Nebenwirkung vorliegt [2]. Unter Risperidon, Melperon und Pipamperon sollen Behandelte und Pflegende Anzeichen eines möglichen Schlaganfalls wie plötzliche Erschlaffung oder Taubheit in Gesicht, Armen oder Beinen sowie Sprach- oder Sehstörungen laut Fachinformation unverzüglich der Ärztin oder dem Arzt berichten [11, 13, 14].

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Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie Demenzen, Living Guideline, Langfassung, Version 6.1 (AWMF-Registernummer 038-013). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Stand Fassung vom 27.04.2026, gültig ab 24.02.2026 bis voraussichtlich 23.02.2027. abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie Demenz für Patient*innen und Angehörige (Patientenleitlinie zur S3-Leitlinie Demenzen, AWMF-Registernummer 038-013). Deutsche Hirnstiftung, Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand 1. Auflage, April 2026. abgerufen am 23.10.2026
  3. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F00 bis F09: Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026 (Stand der Seite 12.09.2025). abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Donepezil-HCl-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2023 (Version 6). abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Galantamin Heumann 8 mg, 16 mg, 24 mg Hartkapseln, retardiert. HEUMANN PHARMA GmbH & Co. Generica KG. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
  6. EMA-Produktinformation Exelon (Rivastigmin, EPAR), Anhang I: Fachinformation Hartkapseln, Lösung zum Einnehmen und transdermales Pflaster (Abschnitt 4.1). Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 02/2026 (zuletzt aktualisiert 24.02.2026). abgerufen am 23.10.2026
  7. EMA-Produktinformation Ebixa (Memantin, EPAR), Anhang I: Fachinformation (Abschnitt 4.1). H. Lundbeck A/S (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026 (zuletzt aktualisiert 08.07.2026). abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Ginkobil ratiopharm 240 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH (Zulassungsinhaber: Bioplanta Arzneimittel GmbH). Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
  9. EMA-Produktinformation LEQEMBI (Lecanemab, EPAR), Anhang I: Fachinformation (Abschnitte 4.1, 4.2 und 4.4). Eisai GmbH (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026 (zuletzt aktualisiert 05.08.2026). abgerufen am 23.10.2026
  10. EMA-Produktinformation Kisunla (Donanemab, EPAR), Anhang I: Fachinformation (Abschnitte 4.1, 4.2 und 4.4). Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 02/2026 (zuletzt aktualisiert 26.02.2026). abgerufen am 23.10.2026
  11. Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Melperon STADA 10 mg und 25 mg Filmtabletten, 25 mg/5 ml Lösung zum Einnehmen. STADAPHARM GmbH. Stand 06/2022. abgerufen am 23.10.2026
  14. Fachinformation Pipamperon-neuraxpharm 40 mg Tabletten, Pipamperon-neuraxpharm 120 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 23.10.2026
  15. Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024 (Version 10). abgerufen am 23.10.2026
  16. Leitlinie Patientenleitlinie Delir im höheren Lebensalter für Betroffene und Angehörige (zur S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter, AWMF-Registernummer 109-001), Version 1.0. Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) und Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Stand Stand 04/2025. abgerufen am 23.10.2026
  17. Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
  18. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  19. Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026 (Version 7). abgerufen am 23.10.2026
  20. Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025 (Version 14). abgerufen am 23.10.2026

Weiterführend Demenz und Alzheimer auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer?

Demenz ist laut Patientenleitlinie ein Oberbegriff für mehrere Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Denken, Orientierung, Sprache und Urteilsvermögen nachlassen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache, laut S3-Leitlinie bei 60 bis 80 Prozent der Demenzen; daneben gibt es unter anderem die vaskuläre Demenz, die Demenz mit Lewy-Körpern, die Parkinson-Demenz und die frontotemporale Demenz. Von einer Alzheimer-Demenz im engeren Sinn spricht man heute, wenn die Eiweiße Amyloid und Tau mit bestimmten Untersuchungen nachgewiesen wurden.

Welche Medikamente gibt es gegen Demenz?

Für die leichte bis mittelschwere Alzheimer-Demenz sind laut Fachinformation Donepezil, Galantamin und Rivastigmin zugelassen, für die moderate bis schwere Memantin; die S3-Leitlinie empfiehlt sie in diesen Stadien. Ein Ginkgo-Präparat ist für die leichte Demenz zugelassen. Lecanemab und Donanemab sind für die frühe Alzheimer-Krankheit mit nachgewiesener Amyloid-Pathologie zugelassen, wenn höchstens eine Kopie des Gens ApoE ε4 vorliegt. Welches Mittel infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Gibt es neue Medikamente gegen Alzheimer?

Seit 2025 sind in der EU laut S3-Leitlinie die Antikörper Lecanemab und Donanemab zugelassen. Die Leitlinie schlägt sie nach sorgfältiger Aufklärung bei leichter kognitiver Störung oder leichter Demenz bei Alzheimer-Krankheit vor, wenn eine Amyloid-Pathologie nachgewiesen ist und höchstens eine Kopie des Gens ApoE ε4 vorliegt; die DEGAM spricht dazu keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz in der Regelversorgung aus. Die Behandlung erfolgt als Infusion in spezialisierten Einrichtungen mit regelmäßigen MRT-Kontrollen.

Welche Beruhigungsmittel kommen bei Demenz infrage?

Bei Unruhe oder Aggression sollte laut S3-Leitlinie zuerst versucht werden, Ursachen zu erkennen und Kommunikation und Umgebung anzupassen; die Patientenleitlinie nennt als mögliche Auslöser etwa Einsamkeit, Überforderung oder Schmerzen. Ist eine medikamentöse Behandlung nötig, schlägt die Leitlinie Risperidon als erste oder Haloperidol als zweite Wahl vor, zeitlich begrenzt; bei Schlafstörungen können Melperon oder Pipamperon im Rahmen ihrer Zulassung eingesetzt werden. Laut Fachinformation ist das Sterblichkeitsrisiko älterer Menschen mit Demenz unter Antipsychotika erhöht, und Pipamperon ist nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz zugelassen. Den Einsatz von Benzodiazepinen bei Angst sollte man laut Hintergrundtext der Leitlinie vermeiden.

Gibt es einen Test auf Demenz?

Bei Gedächtnisbeschwerden empfiehlt die S3-Leitlinie einen kurzen kognitiven Test, zum Beispiel den MMST oder den MoCA, auch in der Hausarztpraxis, und bei Verdacht eine ausführliche neuropsychologische Untersuchung. Ein Test ohne Beschwerden und ohne Hinweise auf eine Störung wird nicht empfohlen. Zur Diagnose gehören außerdem Gespräch, körperliche Untersuchung, Blutwerte und eine Bildgebung des Gehirns; die Diagnostik allein auf zugelassene Bluttests zu stützen, empfiehlt die Leitlinie nicht.

Kann man einer Demenz vorbeugen?

Die S3-Leitlinie empfiehlt, bei der Beratung zur Vorbeugung beeinflussbare Risikofaktoren zu berücksichtigen, etwa Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Hör- und Sehstörungen, Depression und soziale Isolation. Einen Bluthochdruck schlägt sie vor auch mit dem Ziel zu behandeln, das Risiko für eine geistige Verschlechterung zu senken. Eine Garantie, eine Demenz zu verhindern, gibt es laut Patientenleitlinie nicht.

Welcher Arzt ist bei Verdacht auf Demenz zuständig?

Erste Anlaufstelle ist laut Patientenleitlinie oft die Hausarztpraxis. Die weitergehende Diagnostik übernehmen in der Regel Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie, Nervenheilkunde oder Psychiatrie, Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie sowie Gedächtnisambulanzen und Gedächtnissprechstunden.

Was gilt bei Demenz für das Autofahren?

Bei mittelschwerer und schwerer Demenz ist die Fahreignung laut S3-Leitlinie aufgehoben. Bei leichter Demenz sollte sie im Einzelfall geprüft werden; bei leichter Demenz und leichter kognitiver Störung empfiehlt die Leitlinie, sie mindestens einmal im Jahr zu beurteilen. Laut Patientenleitlinie sollten Warnzeichen wie Bagatellschäden oder Beinaheunfälle spätestens dazu führen, nicht mehr Auto zu fahren.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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