ErkrankungenErkrankung

Panikstörung und Agoraphobie

Bei einer Panikstörung treten wiederholt plötzliche Angstanfälle (Panikattacken) mit Beschwerden wie Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder Angst zu sterben auf, die nicht an bestimmte Situationen gebunden sind; oft kommt eine Agoraphobie hinzu, die Angst vor Orten, an denen eine Flucht schwer möglich wäre oder eine Attacke peinliches Aufsehen erregen würde. Laut S3-Leitlinie soll eine Psychotherapie, etwa die kognitive Verhaltenstherapie, oder eine Behandlung mit Medikamenten wie bestimmten SSRI oder Venlafaxin angeboten werden; Benzodiazepine sollen nicht angeboten werden. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Frau Anfang dreißig geht an einem sonnigen Vormittag neben einer Therapeutin in den Fünfzigern ruhig über einen fast leeren Platz
Bild: KI-generiert

Eine Panikstörung ist laut ICD-10-GM durch wiederkehrende schwere Angstattacken (Panik) gekennzeichnet, die sich nicht auf eine bestimmte Situation oder besondere Umstände beschränken und deshalb nicht vorhersehbar sind [4]. Laut S3-Leitlinie treten die Panikattacken plötzlich auf und nehmen über etwa 10 Minuten an Stärke zu. Sie können aus heiterem Himmel kommen; in der Mehrzahl der Fälle ist die Panikstörung aber mit einer Agoraphobie verbunden. Dann kommt zu den Panikattacken die Angst vor Orten hinzu, an denen eine Flucht schwer möglich wäre oder eine Attacke peinliches Aufsehen erregen würde [1].

In der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland hatten innerhalb von zwölf Monaten 2,0 Prozent der Bevölkerung eine Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, Frauen mit 2,8 Prozent häufiger als Männer mit 1,2 Prozent. Eine Agoraphobie hatten 4,0 Prozent, Frauen mit 5,6 Prozent ebenfalls häufiger als Männer mit 2,3 Prozent [1]. Die Panikstörung beginnt laut Leitlinie im Median mit 24 Jahren und verläuft vor allem in Phasen [1].

Grundlage dieser Seite ist vor allem die S3-Leitlinie "Behandlung von Angststörungen", Version 2 mit Stand vom 6. April 2021, und ihre Patientenleitlinie mit Stand vom 20. Juni 2022 [1, 2]. Die Leitlinienübersicht der DGPPN führt die Leitlinie mit dem Vermerk "Gültig bis: 05.04.2026"; diese Gültigkeit ist abgelaufen, eine neuere Fassung ist dort nicht aufgeführt [3]. Wofür die Medikamente zugelassen sind, steht auf dieser Seite nach den aktuellen Fachinformationen und Packungsbeilagen [5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13]. Einen Überblick über alle Formen gibt die Seite Angststörungen.

Anzeichen einer Panikattacke und einer Agoraphobie

Bei einer Panikattacke treten laut S3-Leitlinie die körperlichen Ausdrucksformen der Angst zusammen mit großer Angst auf, unter anderem [1, 2]:

  • Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag
  • Schwitzen, Zittern oder Beben, Mundtrockenheit
  • Atemnot, Erstickungsgefühl, Enge im Hals, Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust
  • Übelkeit oder Bauchbeschwerden
  • Schwindel-, Unsicherheits-, Ohnmachts- oder Benommenheitsgefühle
  • das Gefühl, dass Dinge unwirklich sind, wie im Traum, oder dass man selbst nicht richtig da ist
  • Hitzewallungen oder Kälteschauer, Taubheits- oder Kribbelgefühle
  • die Angst, die Kontrolle zu verlieren, wahnsinnig oder ohnmächtig zu werden, und die Angst zu sterben

Viele Betroffene bestätigen laut Leitlinie, dass die Beschwerden gleichzeitig einsetzen; Panikattacken können auch aus dem Schlaf heraus auftreten [1]. Weil sich die Beschwerden wie eine körperliche Erkrankung anfühlen, vermuten Menschen mit einer Panikstörung oft eine solche Erkrankung. In der Hausarztpraxis schildern sie laut Leitlinie häufig Herzbeschwerden wie Herzrasen oder Brustschmerz, Oberbauchbeschwerden oder Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder ein Ohnmachtsgefühl [1].

Bei einer Agoraphobie fürchten Betroffene laut ICD-10-GM, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein oder allein mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen [4]. Die Patientenleitlinie nennt außerdem Reisen weit weg von zu Hause, Warteschlangen und Fahrten mit dem Fahrstuhl oder dem Auto; befürchtet wird, dort eine Panikattacke, Schwindel, eine Ohnmacht oder Herzbeschwerden zu bekommen [2]. Laut S3-Leitlinie ist auch die Angst vor dem Alleinsein häufig, und die Anwesenheit von Begleitpersonen verringert die Angst [1]. Oft steht die Vermeidung im Vordergrund, und manche erleben nur wenig Angst, weil sie die gefürchteten Situationen meiden können; schon die Vorstellung, eine solche Situation könnte eintreten, erzeugt meist Erwartungsangst [4].

In der ICD-10-GM hat die Panikstörung den Schlüssel F41.0. Tritt sie zusammen mit einer Agoraphobie auf, wird sie als Agoraphobie mit Panikstörung (F40.01) verschlüsselt; eine Agoraphobie ohne Angabe einer Panikstörung trägt den Schlüssel F40.00 [4]. Litt jemand bei Beginn der Panikattacken an einer depressiven Störung, soll die Panikstörung nicht als Hauptdiagnose verwendet werden, weil die Attacken dann wahrscheinlich eine Folge der Depression sind [4]. Panikattacken kommen auch bei anderen Angststörungen vor: Bei einer sozialen Phobie können sich die Beschwerden bis zu Panikattacken steigern, und eine spezifische Phobie kann ebenfalls Panikzustände auslösen [4].

Ursachen und Risiken

Angststörungen entstehen laut S3-Leitlinie aus einem komplexen Wechselspiel mehrerer Faktoren: Zu einer genetisch bedingten Anfälligkeit (Vulnerabilität) kommen psychosoziale Faktoren hinzu. Familien- und Zwillingsstudien zeigen auch für Panikstörung und Agoraphobie einen moderaten bis hohen erblichen Anteil [1]. Niemand sucht es sich aus, an einer Angststörung zu leiden, betont die Patientenleitlinie [2].

Kognitive Theorien nehmen laut Leitlinie an, dass bei einer Panikstörung eigentlich ungefährliche Veränderungen im Körper, etwa ein schnellerer Herzschlag, als Zeichen einer bedrohlichen Erkrankung wie eines Herzinfarkts fehlgedeutet werden. Diese Fehldeutung löst weitere Angstbeschwerden aus, die wieder als körperliche Störung missverstanden werden, bis zur vollen Panikattacke; das Modell heißt Teufelskreis der Angst. Manche Forschende sehen in der Panikattacke eine in der Situation unangemessene Kampf- oder Fluchtreaktion [1]. Eine Agoraphobie entsteht nach der Lerntheorie, wenn Betroffene nach mehreren Panikattacken beginnen, Situationen zu meiden, in denen ärztliche Hilfe schwer zu bekommen wäre, weil sie fürchten, die Beschwerden könnten wiederkommen [1].

Bei Menschen mit einer Panikstörung kommen laut Leitlinie Belastungen in der Kindheit wie der Tod des Vaters, die Trennung von den Eltern, eine Krankheit in der Kindheit, Alkoholmissbrauch in der Familie oder sexueller Missbrauch häufiger vor als bei Vergleichspersonen. In einer Studie wurden in den zwölf Monaten vor der ersten Panikattacke mehr belastende Lebensereignisse festgestellt als bei Vergleichspersonen [1]. Psychodynamische Modelle beschreiben unter anderem eine verstärkte Angst vor Trennung und Verlust und Schwierigkeiten, sich von wichtigen Bezugspersonen abzugrenzen; die Leitlinie bezeichnet dieses Modell als nicht unumstritten [1].

Auch Hormone können laut Leitlinie eine Rolle spielen: Vor der Monatsblutung können Panikbeschwerden stark zunehmen. In der Schwangerschaft waren sie in den meisten Studien seltener, nach der Geburt, wenn die Schwangerschaftshormone stark abfallen, in einer Untersuchung dagegen häufiger [1]. Manche Medikamente können Angstbeschwerden auslösen [1].

Wie die Diagnose gestellt wird

Ob eine Panikstörung vorliegt, klären Ärztinnen, Ärzte oder Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im ausführlichen Gespräch; je offener Sie antworten, desto besser lassen sich laut Patientenleitlinie Diagnose und Behandlung planen [2]. Als Suchfragen nennen die Leitlinien zum Beispiel, ob Sie plötzliche Zustände haben, die Sie in Angst und Schrecken versetzen und bei denen Sie Herzrasen, Zittern, Schwitzen, Luftnot oder Todesangst erleben, und ob Sie in Menschenmengen, engen Räumen oder öffentlichen Verkehrsmitteln Angst oder Beklemmung spüren und diese Situationen deshalb meiden [1, 2]. Den Schweregrad können Fachleute mit Skalen erfassen, etwa der Panik- und Agoraphobie-Skala [1].

Körperliche Ursachen werden laut Leitlinie abgegrenzt, unter anderem Lungenerkrankungen wie Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Angina pectoris, Herzinfarkt, Ohnmachtsanfälle oder Herzrhythmusstörungen, neurologische Erkrankungen, hormonelle Störungen wie Unterzucker oder eine Schilddrüsenüberfunktion, Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans und Nebenwirkungen von Medikamenten [1]. Wenigstens diese Untersuchungen sollten laut Leitlinie erfolgen: ausführliche Befragung, körperliche Untersuchung, Blutbild, Blutzucker, Blutsalze, der Schilddrüsenwert TSH und ein EKG mit Rhythmusstreifen; je nach Lage kommen etwa die Sauerstoffsättigung, eine Bildgebung des Kopfes oder ein EEG hinzu [1]. Weitere Untersuchungen bespricht die Ärztin oder der Arzt je nach Beschwerden mit Ihnen [2].

Abgegrenzt werden außerdem andere psychische Erkrankungen, etwa andere Angststörungen, eine Depression, eine Alkoholabhängigkeit oder ein Medikamenten- oder Drogenentzug; im Zweifel sollte eine fachärztliche Abklärung erfolgen [1]. Mit Ihrem Einverständnis liefern Angehörige oft wichtige Hinweise, gerade zu schambesetzten Themen wie Vermeidungsverhalten, Erwartungsangst oder dem Gebrauch von Suchtmitteln [1].

Behandlung im Überblick

Menschen mit einer Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie soll laut S3-Leitlinie eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden. Ihre Präferenz nach ausführlicher Aufklärung soll berücksichtigt werden; im Gespräch sollen besonders der Wirkungseintritt, die Nachhaltigkeit, unerwünschte Wirkungen und die Verfügbarkeit eine Rolle spielen [1]. Besteht zugleich eine Depression, soll eine leitliniengerechte antidepressive Behandlung erfolgen (siehe Depression) [1]. Hat eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten nicht ausreichend gewirkt, soll die jeweils andere angeboten werden, oder es kann eine Kombination beider angeboten werden. Belege für eine Kombination gibt es laut Leitlinie für die kognitive Verhaltenstherapie zusammen mit SSRI oder Imipramin; Imipramin ist für die Panikstörung nicht zugelassen [1].

Die Leitlinie stuft ihre Empfehlungen ab: "soll" steht für eine starke Empfehlung (Grad A), "sollte" für eine Empfehlung (Grad B), "kann" für eine offene Empfehlung (Grad 0); Empfehlungen aus der Erfahrung der Fachleute, für die Studien fehlen, heißen Klinischer Konsenspunkt (KKP) [2].

Psychotherapie

Eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) soll angeboten werden und sich an erprobten Behandlungsanleitungen (Manualen) orientieren. Meiden Sie bestimmte Situationen, soll die KVT Übungen enthalten, in denen Sie sich den Angst auslösenden Situationen stellen (Exposition); diese Übungen sollten in Begleitung der Therapeutin oder des Therapeuten angeboten werden, die oder der dabei anwesend ist und sie nicht nur in der Sitzung bespricht [1]. Die Dauer der Therapie sollte nach Schwere, Begleiterkrankungen und Lebensumständen individuell geplant werden. Die KVT kann als Gruppentherapie angeboten werden und sollte es, wenn keine Einzelbehandlung zur Verfügung steht [1]. Zu den Bausteinen der KVT bei Panikstörung und Agoraphobie zählt die Leitlinie unter anderem [1]:

  • Informationen über die Erkrankung und die körperlichen Angstbeschwerden, etwa anhand des Teufelskreises der Angst
  • Übungen, die gezielt Körperempfindungen wie schnellen Herzschlag oder Schwindel hervorrufen (interozeptive Exposition), zum Beispiel durch schnelles Treppensteigen
  • den Abbau von Absicherungsverhalten, etwa wenn jemand nach mehreren unauffälligen Untersuchungen erneut ein EKG verlangt
  • eine gründliche Vorbereitung vor der Konfrontation mit den gefürchteten Situationen, weil es sonst zu Überforderung und Therapieabbrüchen kommen kann
  • die Konfrontation in der Wirklichkeit, stufenweise oder von Beginn an mit stark angstbesetzten Situationen, ohne Sicherheitsverhalten
  • die Vorbereitung darauf, dass Panikattacken auch nach einer erfolgreichen Behandlung wieder auftreten können

Nach einer Übung soll laut Leitlinie dafür gelobt werden, dass jemand in die Angst auslösende Situation gegangen ist, und nicht dafür, dass er sie ohne Angst erlebt und bewältigt hat [1]. Eine psychodynamische Psychotherapie sollte angeboten werden, wenn sich eine KVT nicht als wirksam erwiesen hat, nicht verfügbar ist oder Sie sie nach Aufklärung bevorzugen; auch sie soll sich an Manualen orientieren [1]. KVT-Programme im Internet und Selbsthilfe mit Büchern oder Audiomaterial können zur Überbrückung bis zum Therapiebeginn oder begleitend angeboten werden; die Internetprogramme sollen nicht als alleinige Behandlung angeboten werden. Eine Expositionstherapie in virtueller Realität sollte bei Panikstörung nicht angeboten werden; ausreichende Belege für ihre Wirksamkeit gibt es laut Leitlinie nicht [1]. Ausdauersport, zum Beispiel dreimal pro Woche 5 Kilometer laufen, kann als Ergänzung zu anderen Standardbehandlungen empfohlen werden [1]. Mehr unter Psychotherapie und Medikamente.

Bei einer akuten Panikattacke

Bei einer akuten Panikattacke ist laut Leitlinie selten eine besondere Behandlung nötig; oft beruhigt bereits die Anwesenheit einer Ärztin, eines Arztes oder einer Psychologin oder eines Psychologen. In begründeten Ausnahmefällen kann ein Benzodiazepin, etwa Lorazepam, den Angstzustand rasch beenden [1]. Bei einer Panikstörung rät die Patientenleitlinie, sich während einer Attacke immer wieder klarzumachen, dass die Angstbeschwerden wie Herzrasen, Schwitzen oder Schwindel nicht zu schädlichen Folgen wie Ohnmacht oder Herzinfarkt führen können. Man könnte grundsätzlich weitermachen wie zuvor, sich bewegen, mit anderen Menschen sprechen oder sich auf andere Weise ablenken [2]. Treten Beschwerden wie Brustschmerz oder Atemnot neu auf oder verändern sie sich, lassen Sie sie ärztlich abklären (siehe Wann Sie sofort Hilfe brauchen).

Medikamente bei Panikstörung

Eine Behandlung mit Medikamenten soll laut S3-Leitlinie nach allgemeinen medizinischen Standards erfolgen. Die Tabelle folgt der Reihenfolge der Empfehlungen und ist keine Rangfolge [1].

Medikamente bei Panikstörung und Agoraphobie laut S3-Leitlinie Angststörungen, Version 2, mit Zulassung laut Fachinformation und Beispielen für Nebenwirkungen
WirkstoffWas die S3-Leitlinie sagtPanikstörung in der FachinformationTypische Nebenwirkungen (Beispiel)
Citalopram (SSRI)"soll" angeboten werden [1]je nach Präparat: eine Fachinformation (03/2024) nennt die Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, eine andere (12/2024) nur Episoden einer Major Depression [5, 6]laut Fachinformation sehr häufig: Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Störungen der Scharfeinstellung der Augen, Mundtrockenheit, Übelkeit, vermehrtes Schwitzen, Schwäche [6]
Escitalopram (SSRI)"soll" angeboten werden [1]zugelassen für die Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie [7]laut Packungsbeilage sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten): Übelkeit, Kopfschmerzen [14]
Paroxetin (SSRI)"soll" angeboten werden [1]zugelassen für die Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie [8]laut Fachinformation sehr häufig: Übelkeit, sexuelle Funktionsstörungen [8]
Sertralin (SSRI)"soll" angeboten werden [1]zugelassen für die Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie [9]laut Packungsbeilage sehr häufig: Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Mundtrockenheit, fehlender Samenerguss, Müdigkeit [15]
Venlafaxin (SNRI)"soll" angeboten werden [1]zugelassen für die Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie [10]laut Packungsbeilage sehr häufig: Schwindelgefühl, Kopfschmerz, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen einschließlich Nachtschweiß [16]
Clomipramin (trizyklisches Antidepressivum)"sollte" angeboten werden, wenn SSRI oder Venlafaxin nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden [1]zugelassen für Zwangsstörungen, Phobien und Panikstörungen bei Erwachsenen [11]laut Fachinformation sehr häufig unter anderem: Gewichtszunahme, sexuelle Funktionsstörungen, Benommenheit, Müdigkeit, innere Unruhe, Schwindel, Zittern, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Übelkeit [11]
Imipramin (trizyklisches Antidepressivum)keine eigene Empfehlung; Belege gibt es laut Leitlinie für die Kombination mit einer KVT [1]nicht zugelassen; die Fachinformation nennt depressive Syndrome, eine langfristige Schmerzbehandlung sowie Bettnässen und Nachtangst (Pavor nocturnus) [1, 12]siehe Wirkstoffseite
Benzodiazepine, etwa Lorazepam, Alprazolamwirken laut Leitlinie bei Angststörungen, sollen Menschen mit Panikstörung oder Agoraphobie aber nicht angeboten werden; in Ausnahmefällen können sie zeitlich befristet angewendet werden [1]Lorazepam: Kurzzeitbehandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen, wenn diese schwerwiegend sind, beeinträchtigen oder unzumutbar belasten; die Panikstörung nennt die Fachinformation nicht eigens [13]Lorazepam, laut Packungsbeilage sehr häufig: Beruhigung (Sedierung), Müdigkeit, Benommenheit; Benzodiazepine können zu Abhängigkeit führen [17]

Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Arzneimittels; weitere Angaben stehen auf den Wirkstoffseiten. Sie sollten laut Leitlinie darauf hingewiesen werden, dass die Wirkung von Antidepressiva mit einer Verzögerung von etwa 2 Wochen einsetzt, die Spanne reicht von 1 bis 6 Wochen [1]. Bei der Panikstörung wird die größte Wirkung von Escitalopram laut Fachinformation nach etwa 3 Monaten erreicht, die Behandlung dauert mehrere Monate [7]. Für Citalopram nennt eine Fachinformation erste Effekte in der Regel nach 2 bis 4 Wochen und bis zu 3 Monate bis zur vollen Wirksamkeit [5].

Bei einigen Menschen mit Panikstörung können zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva die Angstbeschwerden zunächst zunehmen. Laut Fachinformation von Escitalopram klingt diese paradoxe Reaktion meistens innerhalb von zwei Wochen weiterer Behandlung von selbst ab; um sie unwahrscheinlicher zu machen, wird eine niedrige Anfangsdosis empfohlen [7]. Das ist kein Anlass, das Medikament selbst abzusetzen; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [2]. Über unerwünschte Wirkungen sollten Sie aufgeklärt werden. Die Leitlinie nennt besonders: bei SSRI und SNRI Unruhe und Schlaflosigkeit in den ersten Tagen, sexuelle Funktionsstörungen und Beschwerden beim Absetzen; bei trizyklischen Antidepressiva wie Clomipramin unter anderem Müdigkeit, Gewichtszunahme und Wirkungen auf Herz und Kreislauf [1]. Über Wechselwirkungen, Gegenanzeigen und Warnhinweise soll informiert werden [1].

Benzodiazepine

Benzodiazepine haben sich laut S3-Leitlinie in einigen kontrollierten Studien bei der Panikstörung als wirksam gezeigt. Trotzdem sollen sie Menschen mit Panikstörung oder Agoraphobie nicht angeboten werden; die Leitliniengruppe begründet das mit den Risiken, etwa der Entwicklung einer Abhängigkeit. In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei schweren Herzerkrankungen oder Gegenanzeigen gegen die Standardmedikamente, können sie unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken angewendet werden [1]. Auch dann soll die Behandlung nicht über längere Zeiträume erfolgen [1]. Die Kombination eines Antidepressivums mit einem Benzodiazepin, um die Zeit bis zum Wirkungseintritt zu überbrücken, empfiehlt die Leitlinie nicht [1]. Als wichtige Nebenwirkungen nennt sie Abhängigkeit, Gewöhnung (Toleranz), eine verlängerte Reaktionszeit und Stürze [1]. Das Absetzen kann laut Leitlinie durch eine kognitive Verhaltenstherapie erleichtert werden [1].

Laut Packungsbeilage von Lorazepam steigt das Abhängigkeitsrisiko mit höherer Dosis und längerer Anwendung. Benzodiazepine sollten grundsätzlich nur kurzzeitig angewendet und schrittweise abgesetzt werden; bei abruptem Absetzen können Entzugserscheinungen auftreten [17]. Beenden Sie eine Behandlung nicht plötzlich und nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr unter Benzodiazepine absetzen und Abhängigkeit.

Wenn die Behandlung nicht ausreichend hilft

Hilft ein Medikament nicht, sollte laut Leitlinie eine Psychotherapie angeboten werden. Spricht jemand nicht oder nur wenig auf die Behandlung an, sollte zuerst die Dosierung angepasst und gegebenenfalls geprüft werden, ob das Mittel regelmäßig eingenommen wird, bevor auf ein anderes Medikament gewechselt oder eine Kombination erwogen wird [1]. Die Leitlinie beschreibt dafür einen Stufenplan, der auch Mittel enthält, die für Angststörungen nicht zugelassen sind; bei solchen Mitteln sind medizinrechtliche Fragen zu berücksichtigen, und Sie sind darauf hinzuweisen [1]. Wechsel und Kombinationen entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr unter Medikament wechseln.

Bei älteren Menschen sollten trizyklische Antidepressiva laut Leitlinie wegen einer erhöhten Empfindlichkeit für Nebenwirkungen und möglicher Wechselwirkungen mit Vorsicht verordnet werden. Bei Menschen mit Epilepsie sollte Clomipramin laut Leitlinie vermieden werden [1]. Über mögliche Risiken bestimmter Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit müssen Sie aufgeklärt werden [1]; setzen Sie in der Schwangerschaft nichts eigenmächtig ab, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Schwangerschaft.

Wie lange behandeln, Rückfall vorbeugen

Angststörungen verlaufen laut Leitlinie chronisch, die Panikstörung vor allem in Phasen [1]. Die Patientenleitlinie beschreibt auch für die Agoraphobie häufig einen phasenhaften Verlauf; unbehandelt besteht die Gefahr, dass Angststörungen chronisch werden, und auch nach einer erfolgreichen Behandlung können sie erneut auftreten [2]. Im fünften Lebensjahrzehnt nehmen Angststörungen nach epidemiologischen Untersuchungen deutlich ab; eine Bevölkerungsbefragung fand die deutliche Abnahme erst nach dem 65. Lebensjahr [1].

Nach dem Abklingen der Beschwerden (Remission) soll eine Behandlung mit Medikamenten laut Leitlinie noch 6 bis 12 Monate fortgeführt werden. Länger kann sie dauern, wenn ein Absetzversuch die Angst zurückbringt, wenn der Verlauf besonders schwer war oder wenn die Vorgeschichte auf einen langen Behandlungsbedarf hinweist. SSRI und SNRI sollen in der Erhaltungstherapie in der Dosis weitergegeben werden, die in der Akutbehandlung geholfen hat [1]. Laut Fachinformation von Paroxetin sollten Menschen mit Panikstörung ausreichend lange behandelt werden, um sicherzugehen, dass sie beschwerdefrei sind; das kann mehrere Monate oder länger dauern [8].

Beim Beenden sollte die Behandlung mit SSRI, SNRI und trizyklischen Antidepressiva langsam verringert werden, um Absetzbeschwerden zu vermeiden [1]. Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; ändern Sie nichts eigenständig. Mehr unter Absetzen und Wie lange behandeln? In der Verhaltenstherapie werden Sie darauf vorbereitet, dass Panikattacken auch nach einer erfolgreichen Behandlung wieder auftreten können; das Gelernte hemmt laut Leitlinie die Angst, ohne dass sie vergessen wird [1].

Selbsthilfe und Alltag

Mann Mitte vierzig läuft am frühen Morgen in gleichmäßigem Tempo einen hellen Waldweg entlang
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Die wichtigste Regel ist laut Patientenleitlinie, vor angstauslösenden Situationen nicht zu flüchten. Bei einer Agoraphobie heißt das zum Beispiel, nicht statt des Fahrstuhls die Treppe zu nehmen, den Supermarkt nicht zugunsten eines kleinen Geschäfts zu meiden und nicht aus Angst vor dem Bus ein Taxi zu nehmen [2]. Sinnvoll ist es, schwierige Situationen schrittweise anzugehen, sich nicht zu überfordern und auch kleine Erfolge wahrzunehmen; je häufiger man sich den Situationen aussetzt, desto eher kann die Angst nachlassen [2].

Ausdauersport kann laut S3-Leitlinie ergänzend zu anderen Behandlungen empfohlen werden [1]. Zu viel Alkohol und Nikotin können eine Angsterkrankung laut Patientenleitlinie ungünstig beeinflussen, ebenso illegale Drogen, und manche Menschen bekommen von zu viel Koffein Angstbeschwerden. Entspannungsverfahren können die Angst auch verstärken und Panikattacken auslösen, ihre Anwendung sollte deshalb individuell besprochen und erprobt werden [1, 2]. Über Selbsthilfe- und Angehörigengruppen sollen Sie laut Leitlinie informiert und, wenn es passt, zur Teilnahme ermuntert werden; Studien zu ihrer Wirksamkeit fehlen [1]. Die Patientenleitlinie nennt die Deutsche Angst-Hilfe (DASH), die bundesweit an örtliche Selbsthilfegruppen vermittelt, und die Selbsthilfe-Kontaktstellen vor Ort [2]. Sie rät außerdem, Fragen vor dem Arzttermin aufzuschreiben und eine Liste aller regelmäßig eingenommenen Medikamente mitzubringen [2].

Für Angehörige

Eine Angsterkrankung belastet laut Patientenleitlinie auch Familie und Partnerschaft [2]. Partnerinnen und Partner spielen laut S3-Leitlinie bei Angsterkrankungen häufig eine wichtige Rolle beim Sicherheitsverhalten und beim Vermeiden, was dazu beiträgt, dass die Angststörung bestehen bleibt; ihre Einbeziehung hat deshalb besondere Bedeutung [1]. Mit Einverständnis der erkrankten Person können Angehörige in die Behandlung einbezogen werden. Sie sollten Vermeidungsverhalten nicht durch Trost verstärken, sondern dessen Abbau fördern, und können bei der regelmäßigen Einnahme der Medikamente und der Psychotherapie unterstützen [1].

Die Patientenleitlinie rät Angehörigen, der Person mit Verständnis zu begegnen und gut gemeinte Ratschläge zu vermeiden, sie solle sich zusammennehmen oder sich nicht so anstellen. Wenn die Therapeutin oder der Therapeut rät, sich bestimmten Angstsituationen auszusetzen, helfen Sie dabei; der Person schwierige, Angst auslösende Situationen abzunehmen, ist auf Dauer nicht hilfreich. Unterstützen Sie die Suche nach professioneller Hilfe und achten Sie auch auf sich selbst, etwa mit einer Angehörigen-Selbsthilfegruppe [2]. Weitere Hinweise stehen unter Angehörige.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Bei Menschen mit einer Angststörung kann laut S3-Leitlinie das Suizidrisiko erhöht sein; Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sollten gezielt nach Suizidgedanken fragen. Besteht eine akute Suizidgefahr, muss eine Vorstellung in einer Facharztpraxis oder eine Einweisung in eine Klinik erfolgen [1]. Laut der Packungsbeilage von Escitalopram können Menschen, die depressiv sind oder unter Angststörungen leiden, manchmal daran denken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva können solche Gedanken verstärkt sein, weil die Mittel gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal länger brauchen, bis sie wirken; wahrscheinlicher sind sie bei Menschen, die früher schon solche Gedanken hatten, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Treten solche Gedanken auf, gehen Sie laut Packungsbeilage zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen unverzüglich ein Krankenhaus auf [14].

Die Beschwerden einer Panikattacke können denen einer Herz- oder Lungenerkrankung ähneln. Laut Leitlinie gehören Erkrankungen wie Angina pectoris, Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen zu den häufigen körperlichen Ursachen, die bei Angstbeschwerden abgegrenzt werden [1].

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Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Langfassung, Version 2 (AWMF-Register-Nr. 051-028). Bandelow B., Beutel M. E. u. a. (Textredaktion B. Bandelow); Federführung laut DGPPN-Übersicht: Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Stand Version 2.0, Stand 06.04.2021 (nächste Überprüfung geplant 04/2026; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 05.04.2026). abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie Patientenleitlinie Behandlung von Angststörungen (zur S3-Leitlinie, AWMF-Register-Nr. 051-028). S3-Leitliniengremium Angststörungen (Autoren und Textredaktion: J. Matzat, C. Zottl, S. Rudolf). Stand 20.06.2022. abgerufen am 23.10.2026
  3. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Angststörungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
  4. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F40 bis F48: Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026. abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Citalopram STADA 10 mg/20 mg/40 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Citalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Escitalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 12). abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2024. abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  10. Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 9). abgerufen am 23.10.2026
  11. Fachinformation Clomipramin-neuraxpharm 75 mg retard Retardtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Imipramin-neuraxpharm 10 mg, 25 mg, 100 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2020. abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Escitalopram-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  17. Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was passiert bei einer Panikattacke im Körper?

Bei einer Panikattacke treten laut S3-Leitlinie die körperlichen Ausdrucksformen der Angst plötzlich und gemeinsam auf, etwa Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Enge in der Brust, Übelkeit, Schwindel oder Kribbeln, dazu oft das Gefühl, dass Dinge unwirklich sind, und die Angst zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Nach kognitiven Modellen werden eigentlich ungefährliche Veränderungen wie ein schnellerer Herzschlag als gefährlich gedeutet, was die Angst weiter steigert. Körperliche Ursachen sollten ärztlich ausgeschlossen werden.

Wie lange dauert eine Panikattacke?

Laut S3-Leitlinie tritt eine Panikattacke plötzlich auf und nimmt über etwa 10 Minuten an Stärke zu. Bei einer akuten Panikattacke ist laut Leitlinie selten eine besondere Behandlung nötig; oft beruhigt schon die Anwesenheit einer Ärztin, eines Arztes oder einer Psychologin. Wiederkehrende Attacken sollten Sie in einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis abklären lassen.

Was hilft akut bei einer Panikattacke?

Die Patientenleitlinie rät bei einer Panikstörung, sich während einer Attacke klarzumachen, dass Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen oder Schwindel nicht zu Folgen wie Ohnmacht oder Herzinfarkt führen können, und sich zum Beispiel zu bewegen, mit anderen zu sprechen oder sich abzulenken. Ein Benzodiazepin kommt laut S3-Leitlinie nur in begründeten Ausnahmefällen infrage. Treten Brustschmerz oder Atemnot zum ersten Mal auf, lassen Sie sie ärztlich abklären; bei akuter Lebensgefahr rufen Sie den Notruf 112.

Welche Medikamente helfen bei Panikattacken?

Laut S3-Leitlinie sollen bei einer Panikstörung die SSRI Citalopram, Escitalopram, Paroxetin oder Sertralin oder das SNRI Venlafaxin angeboten werden; Clomipramin sollte angeboten werden, wenn diese nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden. Escitalopram, Paroxetin, Sertralin, Venlafaxin und Clomipramin sind laut Fachinformation für die Panikstörung zugelassen, bei Citalopram hängt es vom Präparat ab. Benzodiazepine sollen nicht angeboten werden. Welches Mittel zu Ihnen passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann man eine Panikstörung ohne Medikamente behandeln?

Ja. Laut S3-Leitlinie soll eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden, und Ihre Präferenz soll berücksichtigt werden. Eine kognitive Verhaltenstherapie soll angeboten werden; bei Vermeidungsverhalten soll sie Übungen in den gefürchteten Situationen enthalten. Eine psychodynamische Psychotherapie sollte angeboten werden, wenn eine Verhaltenstherapie nicht gewirkt hat, nicht verfügbar ist oder Sie sie bevorzugen.

Gibt es rezeptfreie Mittel gegen Panikattacken?

Die Medikamente, die die S3-Leitlinie bei Panikstörung empfiehlt, sind laut ihren Fachinformationen verschreibungspflichtig. Für homöopathische Mittel gibt es laut Leitlinie keine wissenschaftlichen Nachweise, und laut Patientenleitlinie ist keine alternative Methode bei Angststörungen nachweislich wirksam. Wer zusätzlich etwas anwenden möchte, sollte das laut Patientenleitlinie mit der Ärztin, dem Arzt oder der Psychotherapeutin besprechen.

Welchen ICD-10-Schlüssel hat die Panikstörung?

In der ICD-10-GM hat die Panikstörung den Schlüssel F41.0 (episodisch paroxysmale Angst). Eine Panikstörung mit Agoraphobie wird als F40.01 verschlüsselt, eine Agoraphobie ohne Angabe einer Panikstörung als F40.00. Bestand bei Beginn der Panikattacken eine depressive Störung, soll die Panikstörung nicht als Hauptdiagnose verwendet werden.

Was gilt für Medikamente gegen Panikattacken in der Schwangerschaft?

Über mögliche Risiken bestimmter Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit müssen Sie laut S3-Leitlinie aufgeklärt werden. Angaben zu einzelnen Wirkstoffen in Schwangerschaft und Stillzeit stehen auf den Wirkstoffseiten. Setzen Sie ein Medikament bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft nicht eigenmächtig ab, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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