ErkrankungenErkrankung
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann sich nach einem Ereignis mit außergewöhnlicher Bedrohung entwickeln; typisch sind das Wiedererleben, etwa in Albträumen oder Flashbacks, das Vermeiden von allem, was daran erinnert, und ein Gefühl anhaltender Bedrohung. Laut S3-Leitlinie soll vorrangig eine traumafokussierte Psychotherapie angeboten werden; Medikamente sind die Behandlung der zweiten Wahl, für die PTBS zugelassen sind Sertralin und Paroxetin. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entsteht laut ICD-10-GM als verzögerte oder anhaltende Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem Menschen eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. In der ICD-10-GM hat sie den Schlüssel F43.1 [4]. Als Beispiele für solche Ereignisse nennt das Informationsblatt für Betroffene zur S3-Leitlinie unter anderem Naturkatastrophen, Krieg, schwere Unfälle sowie körperliche oder sexuelle Übergriffe [2]. Die Störungen dieser Gruppe der ICD entstehen immer als direkte Folge einer akuten schweren Belastung oder eines anhaltenden Traumas; ohne dieses Ereignis wären sie nicht entstanden [4].
In den ersten Tagen und Wochen nach einem solchen Erlebnis treten laut Informationsblatt oft starke Gefühle wie Angst, Traurigkeit, Schuld, Wut oder tiefe Verzweiflung auf, die in vielen Fällen von selbst wieder abklingen. Lassen die belastenden Gefühle nicht nach oder werden sie sogar stärker, kann das ein Hinweis auf eine PTBS oder eine andere psychische Erkrankung sein [2]. Laut S3-Leitlinie können zunächst akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen auftreten, die häufig selbstbegrenzt verlaufen; eine Entwicklung zur PTBS ist möglich, aber nicht der Regelfall [1].
Weltweit haben laut S3-Leitlinie 70,4 Prozent der Menschen mindestens ein potenziell traumatisches Ereignis erlebt. In Deutschland haben innerhalb eines Monats 1,5 Prozent eine PTBS; für die komplexe PTBS, die in der ICD-11 neu aufgenommen wurde, nennt die Leitlinie für Deutschland 0,5 Prozent innerhalb eines Monats [1]. Nur ein Teil der Menschen, die ein potenziell traumatisches Ereignis erleben, entwickelt also eine PTBS [1].
Grundlage dieser Seite ist vor allem die S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, Version 7.0, in der Fassung vom 27. Februar 2026, erstellt unter Federführung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT); sie wurde vollständig überarbeitet [1]. Die nächste Überprüfung ist für den 26. Februar 2031 geplant, und die Leitlinienübersicht der DGPPN führt sie als gültig bis zu diesem Tag [2, 3]. Dazu kommt das Informationsblatt für Betroffene vom Januar 2026 [2]. Die Leitlinie gilt für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche [1]. Wofür die einzelnen Medikamente zugelassen sind, steht auf dieser Seite nach aktuellen Fachinformationen [5, 6, 7, 8].
Anzeichen einer PTBS
Das Informationsblatt zur S3-Leitlinie nennt drei Gruppen typischer Anzeichen [2]:
- Wiedererleben des traumatischen Ereignisses, zum Beispiel durch sich aufdrängende Bilder, Albträume oder Flashbacks
- Vermeidung von Gedanken oder Reizen, die mit dem Ereignis verbunden sind, etwa bestimmter Situationen, Orte oder Personen
- ein Gefühl anhaltender Bedrohung, zum Beispiel besondere Wachsamkeit oder starke Schreckhaftigkeit
Die ICD-10-GM beschreibt das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Albträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten. Hinzu kommen Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit gegenüber der Umgebung, Freudlosigkeit und die Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten [4]. Meist besteht ein Zustand vegetativer Übererregtheit mit gesteigerter Wachsamkeit, übermäßiger Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen; Angst und Depression gehen häufig mit diesen Beschwerden einher [4]. Schlafstörungen, also Schlaflosigkeit und Albträume, treten laut S3-Leitlinie bei bis zu 90 Prozent der Menschen mit PTBS auf [1].
Der Beginn folgt dem Trauma laut ICD-10-GM mit einer Verzögerung, die wenige Wochen bis Monate dauern kann [4]. Viele Betroffene berichten laut Leitlinie nicht von sich aus über ihre Beschwerden; manche sprechen aus Scham nicht über das Erlebte, bei anderen hält sie die Vermeidung davon ab, die zur Erkrankung gehört [1]. Eine PTBS geht laut Leitlinie außerdem mit einer Reihe körperlicher Erkrankungen einher, unter anderem der Gefäße, des Bewegungsapparats, des Verdauungstrakts und der Haut, und Betroffene nehmen häufiger Gesundheitsleistungen in Anspruch [1].
Komplexe PTBS
Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) ist seit der Einführung der ICD-11 im Jahr 2019 eine anerkannte Diagnose. Sie entsteht laut S3-Leitlinie in der Regel nach besonders schweren, lang andauernden und sich wiederholenden traumatischen Erlebnissen, denen Betroffene nur schwer oder gar nicht entkommen konnten [1]. Zusätzlich zu den Anzeichen einer PTBS bestehen laut Informationsblatt Probleme im Umgang mit Gefühlen, etwa sehr starke Gefühle, Schwierigkeiten, sich zu beruhigen, oder innere Leere, außerdem ein negatives Selbstbild mit Schuld- oder Schamgefühlen oder dem Gefühl, wertlos zu sein, und Schwierigkeiten in Beziehungen wie Angst vor Nähe oder Probleme, anderen zu vertrauen [2]. Die Diagnose wird laut Leitlinie nur gestellt, wenn diese Beschwerden das familiäre, soziale, schulische oder berufliche Leben bedeutsam beeinträchtigen. Vorläuferdiagnose in der ICD-10 ist die "andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung" (F62.0) [1].
Ursachen und Risiken
Auslöser einer PTBS ist laut ICD-10-GM ein belastendes Ereignis oder eine Situation mit außergewöhnlicher Bedrohung [4]. Bestimmte Persönlichkeitszüge oder frühere psychische Erkrankungen können laut ICD-10-GM die Schwelle für die Entwicklung der Erkrankung senken und ihren Verlauf erschweren; sie sind aber weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten zu erklären [4]. Laut S3-Leitlinie gilt eine Art Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je häufiger und schwerer die traumatischen Erfahrungen sind, desto wahrscheinlicher entwickeln sich PTBS-Beschwerden [1].
Potenziell traumatische Ereignisse sind laut Leitlinie auch ein Risikofaktor für weitere psychische Erkrankungen, und zusätzliche psychische Erkrankungen sind bei einer PTBS der Regelfall [1]. Eigene Kapitel widmet die Leitlinie Menschen mit Fluchthintergrund, älteren Menschen, Erwachsenen mit einer Störung der Intelligenzentwicklung sowie Kindern und Jugendlichen [1]. Rund um eine Geburt sollte laut Leitlinie besonders auf Gewalterfahrungen und Anzeichen einer PTBS geachtet werden, auch auf eine Traumatisierung im Zusammenhang mit der Geburt selbst [1]. Mehr unter Depression, Angststörungen und Wochenbettdepression.
Wie die Diagnose gestellt wird
Bei jeder psychodiagnostischen Untersuchung Erwachsener soll laut S3-Leitlinie erfasst werden, ob ein potenziell traumatisches Ereignis erlebt wurde (Expertenkonsens, Empfehlung 1.1). Wird ein solches Ereignis berichtet oder ist das unklar, soll eine genauere Erhebung der belastenden Erlebnisse folgen, die sogenannte Traumaanamnese (1.2) [1]. Einzelheiten müssen Sie dabei am Anfang nicht schildern: Laut Leitlinie reicht zunächst eine kurze Beschreibung des Erlebten, und eine ausführliche Erhebung aller Erlebnisse ist im Erstgespräch nicht notwendig [1]. Hilfreich sind eine sichere, ungestörte Gesprächsatmosphäre und Rücksicht auf Ihr Bedürfnis nach Kontrolle, etwa ausreichend Abstand oder eine offene Tür [1].
Ist mindestens ein potenziell traumatisches Ereignis bekannt, soll die Diagnose durch ein strukturiertes Interview oder einen geprüften Fragebogen zur Selbstauskunft unterstützt werden; ein Interview ist, wenn möglich, vorzuziehen (1.4) [1]. Als Interviews nennt die Leitlinie die deutschen Fassungen des International Trauma Inventory (ITI) und der CAPS-5, als Fragebögen die PCL-5, die PDS-5 und den International Trauma Questionnaire (ITQ); für die komplexe PTBS das ITI und den ITQ [1]. Ist keine genauere Erhebung möglich, sollen PTBS-Screeninginstrumente eingesetzt werden. Maßgeblich für die Diagnose sind die Kriterien der ICD oder des amerikanischen Klassifikationssystems DSM-5, die sich teilweise unterscheiden; außerdem sollte erfasst werden, wie gut Sie im Alltag zurechtkommen und wie es um Ihre Lebensqualität steht [1].
Durch die Beschäftigung mit den eigenen Beschwerden kann die Belastung laut Leitlinie kurzfristig steigen; in der Regel halten diese Gefühle aber nicht an [1]. Abgegrenzt wird unter anderem die akute Belastungsreaktion, die laut ICD-10-GM im Allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt, und die Anpassungsstörung [1, 4]. Erste Anlaufstelle können laut Leitlinie neben Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wegen körperlicher Beschwerden auch Hausärztinnen und Hausärzte sein [1].
Behandlung im Überblick
Menschen mit einer PTBS soll laut S3-Leitlinie eine traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting angeboten werden, bei der die Auseinandersetzung mit den traumatischen Ereignissen und den dazugehörigen Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen im Mittelpunkt steht ("soll", Empfehlung 2.1) [1]. Wegen der belastbaren Studienlage empfiehlt die Leitlinie insbesondere diese Verfahren, in alphabetischer Reihenfolge: Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), Kognitive Therapie, Kognitive Verarbeitungstherapie (Cognitive Processing Therapy), Narrative Expositionstherapie und Prolongierte Exposition [1]. Laut Informationsblatt wird das Trauma dabei Schritt für Schritt bearbeitet, und Betroffene lernen neue Wege, damit umzugehen [2].
Eine Stabilisierungsphase vor der traumafokussierten Psychotherapie ist laut Leitlinie nicht generell notwendig; dafür gibt es bei Erwachsenen keine Belege (Statement 2.2). Eine vorbereitende Phase ist nur bei besonderen Indikationen angezeigt, zum Beispiel bei akuter Suizidalität (siehe Wann Sie sofort Hilfe brauchen) oder bei schweren dissoziativen Beschwerden, die den Therapiefortschritt behindern [1]. Wer es bevorzugt, kann eine Psychotherapie auch über zertifizierte Videodienstanbieter erwägen ("kann", 2.3), und eine traumafokussierte Psychotherapie kann auch mehrmals pro Woche angeboten werden ("kann", 2.4) [1]. Auch bei weiteren psychischen Erkrankungen soll eine traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting angeboten werden ("soll", 6.1); liegen aktuell schwerwiegende Störungen der Verhaltenskontrolle vor, sollen diese zunächst behandelt werden (Expertenkonsens, 6.4) [1].
Bei einer komplexen PTBS nach ICD-11 sollte die Psychotherapie laut Leitlinie traumafokussierte Techniken zur Verarbeitung der Erinnerungen mit Techniken zur Regulation von Gefühlen, zur Stärkung des Selbstwertgefühls und zur Bearbeitung von Beziehungsproblemen verbinden ("sollte", 5.1) [1]. Ergänzend sollte Sport- und Bewegungstherapie in einem traumaspezifischen Behandlungsplan angeboten werden ("sollte", 4.2); Ergotherapie sollte angeboten werden, wenn die Teilhabe an Alltag oder Beruf beeinträchtigt ist (4.4), Physio- und Soziotherapie sowie künstlerische Therapien können angeboten werden ("kann", 4.1, 4.3) [1].
Entscheidungen über Diagnostik und Behandlung sollen laut Leitlinie gemeinsam mit Ihnen getroffen werden (partizipative Entscheidungsfindung, 12.1), die Möglichkeiten sollen mit ihren Vor- und Nachteilen verständlich dargestellt werden (12.2), und Hausärztinnen und Hausärzte sollen einbezogen werden (12.3) [1]. Eine traumafokussierte Psychotherapie kann nach ausführlicher Aufklärung auch bei einem laufenden oder bevorstehenden Gerichtsverfahren angeboten werden (12.8) [1]. Bestehen nach der Behandlung weiter deutliche Einschränkungen oder ist die Teilhabe am Erwerbsleben gefährdet, sollte eine Rehabilitation angeboten werden (12.6) [1]. Die Angebote können laut Informationsblatt ambulant, tagesklinisch oder stationär erfolgen [2]; mehr unter Psychotherapie und Medikamente und Klinik und Tagesklinik.
Medikamente bei PTBS
Bei der Behandlung der PTBS soll laut S3-Leitlinie vorrangig eine traumafokussierte Psychotherapie angeboten werden. Eine Behandlung mit Medikamenten ist die Behandlung der zweiten Wahl, zum Beispiel wenn Sie das bevorzugen, wenn die Psychotherapie nicht ausreichend hilft oder wenn keine traumafokussierte Psychotherapie verfügbar ist ("soll", Empfehlung 3.1) [1]. Begründet wird das unter anderem mit unzureichenden Daten zur Langzeitwirkung, möglichen unerwünschten Wirkungen und möglichen Absetzeffekten, die laut Leitlinie von Beginn an mitbedacht werden sollten [1]. Laut Informationsblatt können Medikamente unterstützend wirken, zum Beispiel um besser schlafen zu können oder die Stimmung zu verbessern [2].
| Gruppe und Wirkstoffe | Was die S3-Leitlinie sagt | Zulassung bei PTBS | Typische Nebenwirkungen (Beispiel) |
|---|---|---|---|
| SSRI: Sertralin, Paroxetin | Wird mit Medikamenten behandelt, "soll" das mit Sertralin, Paroxetin, Fluoxetin oder Venlafaxin geschehen (3.2) [1] | beide zugelassen: Sertralin laut Packungsbeilage bei Erwachsenen [5, 9]; Paroxetin sollte laut Fachinformation bei Kindern und Jugendlichen nicht angewendet werden [6] | Sertralin, laut Packungsbeilage sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten) unter anderem: Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Mundtrockenheit, Müdigkeit [9]; Paroxetin sehr häufig: Übelkeit, Störungen des sexuellen Verlangens oder der sexuellen Funktion [10] |
| Fluoxetin (SSRI) | "soll" wie Sertralin und Paroxetin, laut Leitlinie außerhalb der Zulassung (Off-Label-Gebrauch) [1] | nicht zugelassen; die Fachinformation nennt bei Erwachsenen Depressionen, Zwangsstörung und Bulimie [7] | laut Packungsbeilage sehr häufig: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Müdigkeit [11] |
| SNRI: Venlafaxin | "soll" wie oben, laut Leitlinie außerhalb der Zulassung (Off-Label-Gebrauch) [1] | nicht zugelassen; die Fachinformation nennt Depressionen und mehrere Angststörungen [8] | laut Packungsbeilage sehr häufig: Schwindelgefühl, Kopfschmerz, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen einschließlich Nachtschweiß [12] |
| Prazosin (Alpha-1-Adrenorezeptor-Antagonist) | "kann" zur Behandlung von Albträumen im Rahmen einer PTBS erwogen werden (3.3) [1] | laut Leitlinie für Albträume bei PTBS nicht zugelassen und in Deutschland nur über die internationale Apotheke als Einzelimport erhältlich [1] | keine Wirkstoffseite auf dieser Website |
Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Arzneimittels; weitere Angaben stehen auf den Wirkstoffseiten. Laut Leitlinie sind in Deutschland nur Paroxetin und Sertralin offiziell für die Behandlung der PTBS zugelassen; Fluoxetin und Venlafaxin können nur außerhalb der Zulassung verschrieben werden, dann gelten die Vorschriften für einen solchen Off-Label-Gebrauch, besonders die gesonderte Aufklärung [1]. Weil Medikamente unerwünschte Wirkungen haben können, erfordert jede Behandlung laut Leitlinie eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken, vor allem bei Vorerkrankungen von Herz, Leber, Nieren oder Nervensystem. Zu Beginn und im Verlauf sind eine Überwachung unerwünschter Wirkungen und die Bestimmung der Blutkonzentration der Medikamente erforderlich [1].
Laut Fachinformation von Sertralin kann die Wirkung innerhalb von 7 Tagen eintreten, ein Ansprechen lässt sich meist aber erst nach längerer Zeit nachweisen [5]. Im Rahmen einer traumafokussierten Psychotherapie sollte eine Behandlung mit Medikamenten laut Leitlinie nur bei Schlafstörungen oder weiteren psychischen Erkrankungen angeboten werden (Expertenkonsens, 3.4) [1]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, etwa unter Paroxetin.
Albträume und Schlafstörungen
Prazosin kann laut Leitlinie bei Albträumen im Rahmen einer PTBS erwogen werden, ist dafür aber nicht zugelassen (siehe Tabelle). Ähnliche Alpha-1-Adrenorezeptor-Antagonisten sind in Deutschland verfügbar, aber nicht ausreichend untersucht [1]. Offen formuliert ist die Empfehlung unter anderem, weil es wirksame psychotherapeutische Verfahren gegen Albträume gibt, etwa die Imagery Rehearsal Therapy, und weil eine große Studie bei US-amerikanischen Veteraninnen und Veteranen keine Wirkung von Prazosin auf Albträume fand [1]. Zur Behandlung von Schlaflosigkeit bei einer PTBS liegen laut Leitlinie keine aussagekräftigen Daten vor [1].
Was die Leitlinie nicht empfiehlt
Benzodiazepine und Z-Substanzen sollen nicht zur Behandlung der PTBS eingesetzt werden (Expertenkonsens, 3.5) [1]. Benzodiazepine können laut Leitlinie die Ergebnisse einer Psychotherapie verschlechtern und zu vermehrter Aggression, Impulsivität, Depression und Substanzmissbrauch führen [1]. Atypische Antipsychotika wie Quetiapin oder Risperidon kann die Leitlinie wegen ihrer teils ausgeprägten unerwünschten Wirkungen nicht empfehlen; sie nennt vor allem Bewegungsstörungen einschließlich Früh- und Spätdyskinesien und eine Gewichtszunahme [1]. Mehr unter Abhängigkeit.
Kinder, Jugendliche und ältere Menschen
Bei Kindern und Jugendlichen mit PTBS soll laut Leitlinie keine Behandlung mit Psychopharmaka eingesetzt werden ("soll nicht", 11.1); angeboten werden soll eine traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting ("soll", 11.2), und Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen sollten einbezogen werden ("sollte", 11.7) [1]. Zusätzliche Erkrankungen wie eine depressive Episode oder ausgeprägte Schlafstörungen sind laut Leitlinie nach den jeweiligen Leitlinien zu behandeln [1]. Sertralin sollte laut Fachinformation bei Kindern und Jugendlichen nur bei Zwangsstörungen angewendet werden, Paroxetin bei Kindern und Jugendlichen nicht [5, 6]. Auch bei älteren Menschen soll vorrangig eine traumafokussierte Psychotherapie angeboten werden; Medikamente sind die zweite Wahl, und unerwünschte Wirkungen und Wechselwirkungen sollen berücksichtigt werden (Expertenkonsens, 7.4) [1]. Mehr unter Psychopharmaka im Alter.
Wie lange behandeln, Rückfall vorbeugen
Der Verlauf einer PTBS ist laut ICD-10-GM wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. In wenigen Fällen nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung über [4]. Eine nicht erkannte und nicht behandelte Störung kann laut S3-Leitlinie chronisch werden und die seelische und körperliche Gesundheit, den Alltag und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dauerhaft und schwer beeinträchtigen [1].
Eine feste Dauer für die Behandlung mit Medikamenten nennt die Leitlinie nicht; sie weist auf unzureichende Daten zur Langzeitwirkung hin [1]. Laut Fachinformation von Paroxetin sollte bei einer Langzeitbehandlung der PTBS der Nutzen regelmäßig überprüft werden [6]. Ein plötzliches Absetzen sollte laut den Fachinformationen von Sertralin und Paroxetin vermieden werden; bei Sertralin sollte die Dosis über mindestens ein bis zwei Wochen schrittweise verringert werden, um das Risiko von Absetzbeschwerden zu senken [5, 6]. Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; ändern Sie nichts eigenständig. Mehr unter Antidepressiva absetzen und Wie lange behandeln?
Selbsthilfe und Alltag

Als Anlaufstellen nennt das Informationsblatt die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) mit Hinweisen für Betroffene, die Traumaambulanzen und Einrichtungen der Opferhilfe [2].
Auch die Behandlung körperlicher Beschwerden, einschließlich des Zahnbereichs, kann laut Informationsblatt wichtig sein [2]; bei Schmerzen im Kiefergelenk oder in der Kaumuskulatur sollten Menschen mit PTBS laut Leitlinie zahnärztlich vorgestellt werden (12.5) [1].
Gibt es Hinweise auf Gewalt in der Partnerschaft, sollte laut Leitlinie angeboten werden, eine spezialisierte Fachberatung in die Behandlung einzubeziehen (12.7) [1]. Besteht der Verdacht auf anhaltende körperliche oder sexuelle Gewalt oder gibt es andere Sicherheitsbedenken, ist es laut Leitlinie unerlässlich zu besprechen, wie die Sicherheit der betroffenen Person erhöht werden kann [1].
Für Angehörige
Mit Unterstützung von Familie, Freundinnen, Freunden und dem eigenen sozialen Umfeld gelingt es laut Informationsblatt vielen Menschen, sich nach einem schweren Erlebnis zu erholen [2]. Lassen die belastenden Gefühle nach einem solchen Ereignis nicht nach oder werden sie stärker, kann das laut Informationsblatt auf eine PTBS oder eine andere psychische Erkrankung hinweisen [2]. Die Anlaufstellen, die das Informationsblatt nennt, stehen im Abschnitt Selbsthilfe und Alltag.
Bei Kindern und Jugendlichen sollten Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen laut Leitlinie in die Behandlung einbezogen werden; für Kinder unter 3 Jahren sollten traumainformierte Angebote zusammen mit einer für das Kind wichtigen Bezugsperson angeboten werden (Expertenkonsens) [1]. Weitere Hinweise unter Angehörige und Kinder und Jugendliche.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Suizidgedanken sind bei einer PTBS laut ICD-10-GM nicht selten [4]. Schlafstörungen hängen laut S3-Leitlinie bei PTBS mit der Schwere der Beschwerden, mit weiteren Erkrankungen und mit Suizidalität zusammen [1]. Laut Packungsbeilage von Sertralin können Menschen, die depressiv sind oder an Angststörungen leiden, manchmal daran denken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Solche Gedanken können zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva verstärkt sein, und wahrscheinlicher sind sie bei Menschen, die solche Gedanken schon früher hatten, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Treten sie auf, gehen Sie laut Packungsbeilage zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen unverzüglich ein Krankenhaus auf [9].
Für medizinische Notfälle sowie Feuerwehr- und Polizeinotfälle nennt das Informationsblatt den Notruf 112, für nicht lebensbedrohliche Fälle den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117 und außerdem die TelefonSeelsorge [2]. Werden Sie aktuell bedroht, etwa durch Gewalt in der Partnerschaft, sprechen Sie in der Praxis darüber, wie Ihre Sicherheit erhöht werden kann (siehe Selbsthilfe und Alltag) [1].
Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise.
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, Langversion, Version 7.0 (AWMF-Register-Nr. 155-001). Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT, Federführung); Koordination Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; Herausgebende Schäfer I., Ehring T., Frommberger U. u. a.. Stand Fassung vom 27.02.2026 (nächste Überprüfung geplant 26.02.2031; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 26.02.2031). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Informationsblatt für Betroffene zur S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (Anlage 7, AWMF-Register-Nr. 155-001). Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT); Autorinnen und Autoren: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Stand Erstellungsdatum Januar 2026 (Versionsnummer 7.0). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Posttraumatische Belastungsstörung. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
- Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F40 bis F48: Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026 (Version 6). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 9). abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
Weiterführend Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) auf Med-Nebenwirkungen.de
Häufige Fragen
Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?
Eine PTBS ist laut ICD-10-GM eine verzögerte oder anhaltende Reaktion auf ein Ereignis oder eine Situation mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß. Typisch sind laut Informationsblatt zur S3-Leitlinie das Wiedererleben, etwa in sich aufdrängenden Bildern, Albträumen oder Flashbacks, das Vermeiden von Gedanken, Orten oder Personen, die an das Ereignis erinnern, und ein Gefühl anhaltender Bedrohung mit großer Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit. Der Beginn folgt dem Ereignis laut ICD-10-GM mit einer Verzögerung, die wenige Wochen bis Monate dauern kann.
Welche Medikamente helfen bei PTBS?
Laut S3-Leitlinie soll vorrangig eine traumafokussierte Psychotherapie angeboten werden, Medikamente sind die Behandlung der zweiten Wahl. Wird mit Medikamenten behandelt, soll das mit Sertralin, Paroxetin, Fluoxetin oder Venlafaxin geschehen. Für die PTBS zugelassen sind nur Sertralin (laut Packungsbeilage bei Erwachsenen) und Paroxetin (sollte laut Fachinformation bei Kindern und Jugendlichen nicht angewendet werden); Fluoxetin und Venlafaxin sind dafür nicht zugelassen. Welches Mittel zu Ihnen passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Kann man eine PTBS ohne Medikamente behandeln?
Ja. Laut S3-Leitlinie soll Menschen mit PTBS eine traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting angeboten werden, etwa EMDR, Kognitive Therapie, Kognitive Verarbeitungstherapie, Narrative Expositionstherapie oder Prolongierte Exposition. Eine Stabilisierungsphase davor ist nicht generell notwendig. Medikamente sind die zweite Wahl, zum Beispiel wenn Sie das bevorzugen, die Psychotherapie nicht ausreichend hilft oder keine verfügbar ist.
Was ist eine komplexe PTBS?
Die komplexe PTBS ist seit der ICD-11 eine eigene Diagnose. Sie entsteht laut S3-Leitlinie meist nach besonders schweren, lang andauernden und wiederholten traumatischen Erlebnissen. Zu den Anzeichen einer PTBS kommen Probleme im Umgang mit Gefühlen, ein negatives Selbstbild und Schwierigkeiten in Beziehungen hinzu. Die Psychotherapie sollte laut Leitlinie traumafokussierte Techniken mit der Arbeit an Gefühlen, Selbstwert und Beziehungen verbinden.
Gibt es einen Test auf PTBS?
Zur Unterstützung der Diagnose nennt die S3-Leitlinie strukturierte Interviews wie das International Trauma Inventory (ITI) und die CAPS-5 sowie Fragebögen wie die PCL-5, die PDS-5 und den International Trauma Questionnaire (ITQ); ein Interview ist, wenn möglich, vorzuziehen. Sie unterstützen die Diagnostik in der Praxis. Ob eine PTBS vorliegt, klärt eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis nach den Kriterien der ICD.
Helfen Beruhigungs- oder Schlafmittel bei PTBS?
Benzodiazepine und Z-Substanzen sollen laut S3-Leitlinie nicht zur Behandlung der PTBS eingesetzt werden; Benzodiazepine können unter anderem die Ergebnisse einer Psychotherapie verschlechtern. Bei Albträumen kann laut Leitlinie Prazosin erwogen werden, es ist dafür aber nicht zugelassen und in Deutschland nur als Einzelimport erhältlich. Gegen Albträume gibt es auch wirksame psychotherapeutische Verfahren.
Bekommen Kinder mit PTBS Medikamente?
Laut S3-Leitlinie soll bei Kindern und Jugendlichen mit PTBS keine Behandlung mit Psychopharmaka eingesetzt werden. Ihnen soll eine traumafokussierte Psychotherapie im Einzelsetting angeboten werden, und Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen sollten einbezogen werden. Zusätzliche Erkrankungen wie eine depressive Episode oder ausgeprägte Schlafstörungen werden laut Leitlinie nach den jeweiligen Leitlinien behandelt.
Welchen ICD-10-Schlüssel hat die PTBS?
In der ICD-10-GM hat die posttraumatische Belastungsstörung den Schlüssel F43.1. Sie gehört zur Gruppe F43, Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, zusammen mit der akuten Belastungsreaktion (F43.0) und den Anpassungsstörungen (F43.2). Die komplexe PTBS gibt es erst in der ICD-11; Vorläuferdiagnose in der ICD-10 ist die andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (F62.0).
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
Erkrankungen SchizophrenieSchizophrenie ist eine psychische Erkrankung mit Phasen von Wahn, Stimmenhören oder Denkstörungen.
-
-
-