ErkrankungenErkrankung

Bipolare Störung

Bei einer bipolaren Störung treten im Lauf der Zeit mindestens zwei deutlich abgrenzbare Krankheitsphasen auf, darunter mindestens eine manische, hypomanische oder gemischte; häufig beginnt die Erkrankung mit einer Depression. Zur Vorbeugung neuer Phasen soll laut S3-Leitlinie Lithium eingesetzt werden, dazu kommen weitere Medikamente, Psychoedukation, Psychotherapie und die Einbeziehung der Angehörigen; was für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Frau Anfang dreißig und ihr Partner sitzen am Küchentisch im Morgenlicht und sprechen bei einer Tasse Kaffee ruhig miteinander
Bild: KI-generiert

Bei einer bipolaren Störung wechseln Krankheitsphasen mit sehr unterschiedlicher Stimmung und unterschiedlichem Antrieb. Laut S3-Leitlinie ist sie durch wiederkehrende affektive Episoden gekennzeichnet, also Phasen, in denen Stimmung und Antrieb oder Aktivität deutlich gestört sind. Für die Diagnose nach der ICD-10 müssen mindestens zwei solcher Episoden klar voneinander abgrenzbar sein, darunter mindestens eine hypomanische, manische oder gemischte. Die Diagnose lässt sich deshalb nur im Längsschnitt stellen, also mit Blick auf einen längeren Verlauf; verschlüsselt wird sie unter F31 [1]. Gelegentlich heißt die Erkrankung auch manisch-depressive Erkrankung [9].

Bipolare Störungen sind laut S3-Leitlinie häufiger als früher angenommen: Etwa 3 von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens daran; zählt man die sogenannten Erkrankungen des bipolaren Spektrums hinzu, sind es etwa 5 von 100. Die Erkrankung beginnt häufig bereits im Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Richtig erkannt und angemessen behandelt wird sie in der Regel erst 5 bis 10 Jahre nach ihrem Beginn; bis dahin erleben viele Betroffene mehrere Krankheitsphasen, vor allem depressive [1].

Grundlage dieser Seite ist vor allem die S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen der Fachgesellschaften DGBS und DGPPN, Langversion 2.1 (Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020) [1]. Die Leitlinienübersicht der DGPPN führt sie mit dem Vermerk "Gültig bis: 01.03.2023"; diese Gültigkeit ist abgelaufen, eine neuere Fassung ist dort nicht aufgeführt [2]. Zulassungen und Nebenwirkungen der Medikamente stehen auf dieser Seite nach aktuellen Packungsbeilagen und Fachinformationen [3, 4, 5, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16].

Anzeichen: Manie, Hypomanie und Depression

Die ICD-10 unterscheidet vier Arten von Episoden, jede mit eigenen Anzeichen und einer Mindestdauer [1]:

  • Manie: eine der Situation unangemessene, auffällig gehobene, expansive oder gereizte Stimmung bei deutlich erhöhtem Erregungsniveau, das schnell in aggressive Erregung kippen kann. Weitere mögliche Anzeichen sind gesteigerter Antrieb, Rededrang, Ideenflucht (sprunghaft wechselnde Gedanken), verminderte soziale Hemmungen, ein vermindertes Schlafbedürfnis, eine überhöhte Selbsteinschätzung, Ablenkbarkeit, riskantes Verhalten und eine gesteigerte Libido. Mindestens drei davon, bei gereizter Stimmung mindestens vier, müssen innerhalb derselben Woche auftreten [1].
  • Hypomanie: gehobene oder gereizte Stimmung über mindestens vier Tage. Sie unterscheidet sich von der Manie durch die kürzere Mindestdauer und durch bestimmte Anzeichen: Kennzeichnend sind hier Konzentrationsschwierigkeiten. Besonders auffällige Zeichen wie der Verlust sozialer Hemmungen, Größenideen, ständig wechselnde Aktivitäten oder tollkühnes Verhalten ohne Blick für die Risiken gehen eher schon über eine Hypomanie hinaus [1].
  • Depressive Episode: mindestens zwei Wochen mit mindestens vier Anzeichen, darunter mindestens zwei Hauptsymptome wie gedrückte Stimmung, Interesselosigkeit oder verminderter Antrieb. Zusatzsymptome sind zum Beispiel Selbstwertverlust, unangemessene Schuldgefühle, wiederkehrende Gedanken an den Tod oder Suizidgedanken, Konzentrationsprobleme sowie Schlaf- und Appetitstörungen. Bipolare Depressionen gehen laut S3-Leitlinie häufig mit einem somatischen Syndrom einher, etwa mit frühem Erwachen, einem Stimmungstief am Morgen oder deutlichem Appetitverlust [1].
  • Gemischte Episode: depressive und (hypo)manische Anzeichen treten gemischt auf oder wechseln rasch, innerhalb weniger Stunden; beide müssen über mindestens zwei Wochen die meiste Zeit vorhanden sein [1].

Bei schweren depressiven und bei manischen Episoden können Wahnideen oder Halluzinationen hinzukommen, bei einer Manie laut S3-Leitlinie am häufigsten Größen-, Liebes-, Beziehungs- oder Verfolgungswahn [1]. In der Praxis steht laut Leitlinie oft die Veränderung von Aktivität und Antrieb im Mittelpunkt, und die Stimmung ändert sich erst in der Folge [1].

Formen der bipolaren Störung

  • Bipolar-II-Störung: im Verlauf mindestens eine hypomanische und mindestens eine depressive Episode, aber keine manische; sie wird in der ICD-10 unter den sonstigen bipolaren affektiven Störungen (F31.8) verschlüsselt [1].
  • Rapid Cycling: mindestens vier voneinander abgrenzbare Episoden innerhalb von 12 Monaten. Die S3-Leitlinie nennt Rapid Cycling eine besonders schwerwiegende Form, die bis zu 20 von 100 Betroffenen betrifft, vor allem Frauen [1].
  • Zyklothymia: über mindestens zwei Jahre eine instabile Stimmung mit Hypomanien und depressiven Verstimmungen, die nie die Kriterien einer Manie oder einer mittelgradigen oder schweren depressiven Episode erfüllen (F34.0); einige Betroffene entwickeln laut Leitlinie selbst eine bipolare Störung [1].

Ursachen und Risiken

Die Frage nach den Ursachen kann laut S3-Leitlinie derzeit nicht abschließend beantwortet werden; wahrscheinlich wirken mehrere Faktoren zusammen. Neben einer relativ starken erblichen Komponente, die wahrscheinlich eine erhöhte Anfälligkeit begründet, spielen laut Leitlinie Umwelteinflüsse, unter anderem über Stress, und Persönlichkeitsmerkmale sicherlich eine entscheidende Rolle [1].

Für häufig wiederkehrende Episoden beschreibt die Leitlinie als Risikofaktoren ein junges Alter bei Erkrankungsbeginn, weibliches Geschlecht, gemischte Episoden, schwerwiegende Lebensereignisse, psychotische Anzeichen, ein unzureichendes Ansprechen auf die vorbeugende Behandlung und Rapid Cycling. Für einen chronischen Verlauf nennt sie unter anderem häufige Episoden, eine unregelmäßige Einnahme der Medikamente, zusätzlichen Substanzmissbrauch und weitere psychische und körperliche Erkrankungen [1].

Manische oder manieähnliche Anzeichen können auch andere Auslöser haben. Missbrauch und Abhängigkeit von Substanzen wie Kokain, Ecstasy oder Amphetaminen können dazu führen; anders als bei einer Manie bilden sich die Beschwerden dann innerhalb kürzerer Zeit nach dem Entzug zurück. Auch therapeutisch verordnete Mittel kommen infrage, zum Beispiel Hormonbehandlungen, Dopaminagonisten, Stimulanzien und Antidepressiva [1].

Wie die Diagnose gestellt wird

Die Diagnose ist laut S3-Leitlinie nicht immer einfach, unter anderem weil die Erkrankung häufig mit einer Depression beginnt und hypomanische Anzeichen Betroffene oft nicht beeinträchtigen [1]. Hausärztinnen, Hausärzte und andere Behandelnde sollten bei Verdacht auf eine bipolare Störung eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder für Nervenheilkunde hinzuziehen [1]. Um frühere Krankheitsphasen und ihre Stärke einzuschätzen, sollten laut Leitlinie Angehörige und Vertrauenspersonen aktiv einbezogen werden [1].

Die Fragebögen HCL-32 und MDQ können laut Leitlinie zum Suchen nach (hypo)manischen Anzeichen eingesetzt werden, auch in der Hausarztpraxis ("kann"). Für die Diagnose allein eignen sie sich nicht; fällt ein solcher Test auffällig aus, sollte eine Fachärztin oder ein Facharzt die Diagnose sichern [1]. Bei einer Depression ist laut Leitlinie besonders sorgfältig zu prüfen, ob sie zu einer bipolaren Störung gehört, wenn Hinweise vorliegen, unter anderem bipolare Störungen in der Familie, ein schneller Beginn oder ein rasches Abklingen der Depression oder (hypo)manische Anzeichen im Zusammenhang mit Antidepressiva oder Stimulanzien [1].

Abzugrenzen sind laut Leitlinie unter anderem eine Schizophrenie und eine schizoaffektive Störung, Folgen von Drogen, Erkrankungen des Gehirns wie Epilepsien, Entzündungen oder multiple Sklerose sowie Erkrankungen der Schilddrüse und der Nebennierenrinde, die (hypo)manische Anzeichen nachahmen können [1]. Häufige Begleiterkrankungen sind laut Leitlinie etwa Angst- und Zwangsstörungen, Suchterkrankungen, ADHS, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Migräne; körperliche Begleiterkrankungen sollen zu Beginn und im Verlauf sorgfältig erfasst werden [1].

Für den Verlauf empfiehlt die Leitlinie, ein Stimmungstagebuch oder eine Lebenskurve (Life-Chart) zu führen und die Einträge im Gespräch mit den Behandelnden zu nutzen (KKP) [1]; dafür eignet sich das Stimmungstagebuch.

Behandlung im Überblick

Die S3-Leitlinie unterscheidet die Akutbehandlung einer Manie, Hypomanie oder Depression und die Vorbeugung neuer Episoden (Phasenprophylaxe). Die Akutbehandlung muss laut Leitlinie bereits so gestaltet werden, dass eine gegebenenfalls nötige Phasenprophylaxe berücksichtigt ist. Ziele der Behandlung sollen nach Möglichkeit gemeinsam von Ihnen, den Behandelnden und, wenn vereinbart, den Angehörigen festgelegt werden; Entscheidungen sollen partizipativ getroffen werden [1].

Die Leitlinie stuft ihre Empfehlungen ab: "soll" steht für eine starke Empfehlung (Grad A), "sollte" für eine einfache (Grad B), "kann" für eine offene (Grad 0). Daneben gibt es Empfehlungen nach klinischem Konsens (KKP), die als gleichwertig gelten, und Statements ohne Empfehlungsgrad [1].

Ideal ist laut Leitlinie eine Langzeitbehandlung, unter der keine Episoden mehr auftreten, zwischen den Phasen höchstens minimale Beschwerden bleiben und die Teilhabe am Leben erhalten bleibt. Gelingt das nicht sofort, können vorübergehend Zwischenziele gelten, etwa seltenere, kürzere oder schwächere Episoden [1].

Psychoedukation und Psychotherapie

Einfache Psychoedukation, also zeitlich begrenzte Aufklärung und Information für Betroffene und Angehörige, sollte laut Leitlinie das Minimum in jeder Behandlung sein (Statement). Zu einer wirksamen Psychotherapie gehören laut Leitlinie unter anderem Selbstbeobachtung, der Umgang mit Frühwarnzeichen, ein geregelter Schlaf-Wach- und Tagesrhythmus, die Einbeziehung der Angehörigen und die Vorbereitung auf Krisen [1]. Weitere Empfehlungen:

  • Bei akuten depressiven Episoden soll eine Psychotherapie angeboten werden; Belege gibt es für die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die familienfokussierte Therapie und die interpersonelle und soziale Rhythmustherapie (Grad A) [1].
  • Zur Vorbeugung neuer Episoden sollte bei stabiler, weitgehend ausgeglichener Stimmung eine manualisierte, strukturierte KVT empfohlen werden, und es sollte eine ausführliche und interaktive Psychoedukation in der Gruppe durchgeführt werden (jeweils Grad B) [1].
  • Zur Vorbeugung depressiver Episoden sollte eine Psychotherapie angeboten werden (Grad B) [1].
  • Bei leichten Manien und Hypomanien kann eine Psychotherapie angeboten werden, etwa mit Tagesplänen, einer klaren Tagesstruktur und eindeutigen Zielvereinbarungen (Grad 0). Dass eine spezifische Psychotherapie bei einer akuten Manie wirkt, ist laut Leitlinie bisher nicht belegt (Statement) [1].
  • Peer-Support, also die Begleitung durch erfahrene Betroffene, sollte angeboten werden, um Selbstwirksamkeit, Selbstmanagement und Mitarbeit zu fördern (Grad B) [1].

Weitere Verfahren

Eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) sollte laut Leitlinie bei schweren und bei therapieresistenten depressiven Episoden einer bipolaren Störung eingesetzt werden und in den seltenen Fällen einer manischen Episode, die auf Medikamente nicht anspricht; bei schweren Manien kann sie durchgeführt werden. Häufige Nebenwirkungen sind laut Leitlinie Kopfschmerzen und vorübergehende Einschränkungen von Denken und Gedächtnis [1]. Eine Lichttherapie kann bei einer bipolaren Depression vor allem bei jahreszeitlichem Verlauf zusätzlich erwogen werden. Eine Wachtherapie (therapeutischer Schlafentzug) sollte bei einer akuten bipolaren Depression zusätzlich zu einer anderen Behandlung erwogen werden, wenn rasch eine Wirkung angestrebt wird; bei (Hypo-)Manie und gemischten Episoden ist sie kontraindiziert [1]. Wann eine Behandlung im Krankenhaus infrage kommt, steht unter Klinik und Tagesklinik.

Medikamente bei bipolarer Störung

Die S3-Leitlinie fasst Lithium, Carbamazepin, Lamotrigin und Valproinsäure als Stimmungsstabilisierer zusammen; daneben empfiehlt sie atypische Antipsychotika und für bestimmte Situationen weitere Mittel [1]. Schon bei der Akutbehandlung einer bipolaren Depression sollte laut Leitlinie mitbedacht werden, ob ein Mittel auch für die vorbeugende Langzeitbehandlung geeignet ist, weil bei den meisten Betroffenen eine solche Langzeitmedikation angezeigt ist (KKP) [1].

Medikamente laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen, Langversion 2.1, mit Angaben aus je einer Packungsbeilage oder Fachinformation (ohne Rangfolge)
WirkstoffWas die S3-Leitlinie sagtBipolare Störung in Packungsbeilage oder FachinformationTypische Nebenwirkungen (Beispiel)
LithiumManie: sollte allein eingesetzt werden (B). Vorbeugung: soll eingesetzt werden (A), auch bei hohem Suizidrisiko, weil es Hinweise auf eine antisuizidale Wirkung im Langzeitverlauf gibt (A). Akute bipolare Depression: als alleinige Medikation nicht empfohlen (0, abratend). Zu beachten: Blutkontrollen vor und während der Behandlung, enger Dosisbereich [1]akute Episoden manischer und hypomanischer Erkrankungen; Vorbeugung manisch-depressiver Erkrankungen [3]besonders zu Beginn Zittern, vermehrte Harnausscheidung, Durst und Übelkeit (Häufigkeit laut Packungsbeilage nicht in Prozent angebbar); sehr häufig zu viel Kalzium im Blut; Gewichtszunahme vor allem in den ersten zwei Jahren (Häufigkeit nicht bekannt) [3]
ValproinsäureManie: sollte allein eingesetzt werden (B). Vorbeugung: kann eingesetzt werden (0). Akute bipolare Depression: nicht empfohlen (0, abratend). Wegen der Fruchtschädigung und des Risikos polyzystischer Eierstöcke nicht für Frauen im gebärfähigen Alter empfohlen [1]manische Episoden, wenn Lithium nicht eingesetzt werden kann (laut Fachinformation: kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird) [4, 5]sehr häufig Zittern sowie Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, Teilnahmslosigkeit oder verminderte Aufmerksamkeit mit Erbrechen (möglicherweise zu viel Ammoniak im Blut); häufig unter anderem schwere Leberschäden, in der Regel in den ersten sechs Behandlungsmonaten [4]
CarbamazepinManie oder Mischzustände: sollte allein eingesetzt werden (B), dafür nicht zugelassen. Akute bipolare Depression: kann eingesetzt werden (0), dafür nicht zugelassen. Vorbeugung: kann eingesetzt werden (0). Zu beachten: Müdigkeit (Sedierung) und hohes Risiko für Wechselwirkungen [1]Vorbeugung manisch-depressiver Phasen, wenn Lithium versagt hat, wenn unter Lithium schnelle Phasenwechsel auftraten oder wenn Lithium nicht gegeben werden darf [8]sehr häufig unter anderem weniger weiße Blutkörperchen, Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Gang- und Bewegungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen, allergische Hautreaktionen [8]
LamotriginVorbeugung depressiver Episoden: sollte eingesetzt werden, wenn es in der Akutphase gegeben und gut vertragen wurde (B). Akute bipolare Depression: kann eingesetzt werden (0), dafür nicht zugelassen; wegen der sehr langsamen Aufdosierung ist eine Wirkung erst nach mehreren Wochen zu erwarten. Manie: keine Empfehlung (Statement) [1]bei Erwachsenen ab 18 Jahren allein oder mit anderen Arzneimitteln, um depressive Phasen der bipolaren Störung zu verhindern [9]sehr häufig Kopfschmerzen und Hautausschlag (siehe Lamotrigin und Hautausschlag) [9]
QuetiapinAkute bipolare Depression: soll allein eingesetzt werden (A). Manie: sollte eingesetzt werden (B). Vorbeugung: sollte allein nur eingesetzt werden, wenn unter Quetiapin eine Remission erreicht und es gut vertragen wurde (B). Zu beachten: Müdigkeit, Bewegungsstörungen und Gewichtszunahme [1]laut Fachinformation schwere depressive und mäßige bis schwere manische Episoden einer bipolaren Störung sowie Rückfallvorbeugung nach Ansprechen auf Quetiapin; außerdem Schizophrenie und Zusatzbehandlung bei Major Depression [10, 12]sehr häufig unter anderem Schwindel, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, Gewichtszunahme, Absetzsymptome und veränderte Blutfettwerte [10]
weitere atypische Antipsychotika: Aripiprazol, Asenapin, Olanzapin, Paliperidon, Risperidon, ZiprasidonManie: Aripiprazol, Asenapin, Olanzapin, Risperidon und Ziprasidon sollten allein eingesetzt werden (B), Paliperidon kann (0, nicht zugelassen). Akute bipolare Depression: Olanzapin kann (0, nicht zugelassen); Aripiprazol kann nicht empfohlen werden (0, abratend), Ziprasidon mit einem Stimmungsstabilisierer sollte nicht eingesetzt werden (B, abratend). Zur Vorbeugung können einzelne dieser Mittel nach Ansprechen in der Akutbehandlung eingesetzt werden (0), Risperidon als Depot und Paliperidon sind dafür nicht zugelassen [1]siehe Wirkstoffseitenlaut S3-Leitlinie zu beachten: Gewichtszunahme (Olanzapin, Risperidon), häufig Bewegungsunruhe (Akathisie, Aripiprazol), Prolaktinerhöhung und Bewegungsstörungen in höheren Dosierungen (Risperidon); Ziprasidon ist wegen Hinweisen auf Herzprobleme (QTc-Verlängerung) Mittel der nachgeordneten Wahl [1]
HaloperidolManie: sollte allein in der Kurzzeittherapie eingesetzt werden (B), vor allem in der Notfallsituation (KKP) [1]siehe Wirkstoffseitelaut S3-Leitlinie hohe Rate an Bewegungsstörungen (extrapyramidal-motorische Symptome) [1]
AntidepressivaAkute bipolare Depression: Ob ein Antidepressivum allein gegeben werden kann, lässt die Datenlage offen (Statement). Mit Blick auf das Risiko, dass die Depression in eine Manie oder gemischte Episode umschlägt, sollten SSRI (positive Ergebnisse für Fluoxetin und Sertralin) gegenüber Venlafaxin und trizyklischen Antidepressiva sowie Bupropion gegenüber Venlafaxin bevorzugt werden (B) [1]für die bipolare Depression nicht zugelassen (Fachinformationen von Fluoxetin, Sertralin, Venlafaxin und Bupropion: Episoden einer Major Depression) [13, 14, 15, 16]. Sertralin: bei einer bipolaren Störung in der Vorgeschichte umgehend zur Ärztin oder zum Arzt, wenn eine manische Phase auftritt [11]Sertralin, sehr häufig: Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Mundtrockenheit, fehlender Samenerguss, Müdigkeit [11]
BenzodiazepineManie: können unterstützend gegen Unruhe und Erregung (Agitiertheit) gegeben werden (0); wegen des Abhängigkeitsrisikos soll die Behandlung nur zeitlich eng begrenzt erfolgen [1]siehe Wirkstoffseitenlaut S3-Leitlinie Abhängigkeitsrisiko [1]

Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Arzneimittels. Ziel ist laut Leitlinie eine Behandlung mit einem einzigen Wirkstoff; hat die Vorbeugung nur teilweise Erfolg, kann eine Kombination erwogen werden (Statement) [1]. Ob eine vorbeugende Behandlung wirkt, sollte nach dem individuellen Verlauf beurteilt werden, nach klinischer Erfahrung nach der doppelten Dauer eines typischen Krankheitszyklus; neue Episoden in den ersten sechs Monaten sollten in der Regel noch nicht zu einer Änderung führen (KKP) [1].

Kontrollen während der Behandlung

Vor Beginn jeder medikamentösen Behandlung sind laut Leitlinie Blutbild, Blutsalze, Leberwerte, Nüchternblutzucker, Kreatinin, Blutdruck, Puls, Gewicht, Größe, ein EKG und bei Frauen im gebärfähigen Alter ein Schwangerschaftstest obligat (KKP). Während der Behandlung sollte regelmäßig der Medikamentenspiegel im Blut gemessen werden, besonders bei Lithium, aber auch bei Valproat und Carbamazepin (KKP). Bei Lithium sind zu Beginn und im Verlauf die Nierenwerte, die Blutsalze, die Größe der Schilddrüse und der Schilddrüsenwert TSH wichtig, wegen der möglichen Gewichtszunahme auch Gewichtskontrollen. Unter atypischen Antipsychotika sollen Blutzucker und Blutfette überwacht werden [1]. Laut Packungsbeilage eines Lithium-Präparats sind die Blutuntersuchungen anfangs wöchentlich und später monatlich oder alle zwei Monate vorgesehen [3]. Einzelheiten: Kontrollen und Blutwerte und Lithium: Spiegel.

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

Kein Psychopharmakon ist laut Leitlinie speziell für die Anwendung in der Schwangerschaft zugelassen; vor dem Einsatz in Schwangerschaft und Stillzeit sollten aktuelle Informationen bei Beratungszentren für Embryonaltoxikologie wie Embryotox eingeholt werden (KKP). Verhütung und Schwangerschaft sollten bei Frauen im gebärfähigen Alter im Rahmen der Routinebehandlung besprochen werden. Im Wochenbett ist die Rückfallgefahr laut Leitlinie besonders hoch, vor allem in den ersten Tagen bis Wochen nach der Geburt [1]. Setzen Sie bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft keine Medikamente eigenmächtig ab, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Siehe auch Schwangerschaft und Wochenbettdepression.

Bei einer bipolaren Störung ist Valproat laut Fachinformation in der Schwangerschaft kontraindiziert, bei Frauen im gebärfähigen Alter ebenfalls, es sei denn, die Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms werden eingehalten. Eine Exposition im Mutterleib ist mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende angeborene Fehlbildungen und für Störungen der geistigen und körperlichen Entwicklung verbunden; das Risiko hängt von der Dosis ab, eine Schwellendosis ohne Risiko lässt sich nicht festlegen [5]. Laut Rote-Hand-Brief von 2018 besteht bei Kindern, die im Mutterleib Valproat ausgesetzt waren, ein hohes Risiko für schwerwiegende Entwicklungsstörungen und angeborene Fehlbildungen [6]. Beabsichtigt eine Frau mit bipolarer Störung, schwanger zu werden, muss laut Fachinformation eine erfahrene Fachärztin oder ein erfahrener Facharzt hinzugezogen, Valproat beendet und bei Bedarf vor der Empfängnis auf eine andere Behandlung umgestellt werden [5]. Laut Packungsbeilage dürfen Sie weder die Einnahme noch die Verhütung beenden, bevor Sie mit Ihrem Arzt gesprochen haben [4].

Ein Hinweis betrifft auch Männer: Laut Rote-Hand-Brief von 2024 deutet eine Beobachtungsstudie auf ein erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern hin, deren Väter in den drei Monaten vor der Zeugung Valproat allein eingenommen haben, verglichen mit Lamotrigin oder Levetiracetam. Ärztinnen und Ärzte sollten mit männlichen Patienten besprechen, während der Behandlung und drei Monate danach eine zuverlässige Verhütung in Betracht zu ziehen [7]. Laut aktueller Fachinformation fanden andere Studien kein erhöhtes Risiko; ob Valproat die Ursache ist, bleibt ungewiss [5]. Ausführlich: Valproinsäure und Schwangerschaft.

Wie lange behandeln, Rückfall vorbeugen

Bipolare Erkrankungen gehen laut S3-Leitlinie mit einer hohen Rückfallrate einher, der Verlauf ist aber von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Ein größerer Teil der Betroffenen erlebt einige wenige Phasen, rund 10 von 100 jedoch mehr als zehn Episoden. Viele haben zwischen den Phasen Restbeschwerden, die das Risiko für einen Rückfall zusätzlich erhöhen und dauerhafte Einschränkungen im sozialen Leben bedeuten können [1].

Laut Packungsbeilage eines Lithium-Präparats tritt die volle Wirkung mitunter erst nach Monaten ein, und in den meisten Fällen ist eine jahrelange, vor allem regelmäßige Behandlung notwendig [3]. Laut S3-Leitlinie gibt es sehr guten Grund zu der Annahme, dass Lithium täglich eingenommen werden muss, damit die vorbeugende Wirkung erhalten bleibt; nach schnellem Absetzen von Lithium kann es zu Rückfällen kommen [1]. Setzen Sie ein Medikament nie eigenmächtig ab: Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Absetzen und Wie lange behandeln?

Damit auch Teilerfolge sicher erkannt werden, ist laut Leitlinie eine systematische Verlaufsdokumentation jeder vorbeugenden Behandlung unumgänglich [1].

Selbsthilfe und Alltag

Mann in den Vierzigern gießt am späten Nachmittag in ruhigem Licht Gemüsebeete in einem Gemeinschaftsgarten
Bild: KI-generiert

Selbstmanagement sollte laut S3-Leitlinie im therapeutischen Prozess fortlaufend gefördert werden; Peer-Support kann die Selbsthilfe ergänzen (KKP). Die Leitlinie beschreibt die Aufmerksamkeit für Frühwarnzeichen als mögliche Voraussetzung für die eigene Selbsthilfe, weist aber auch darauf hin, dass eine übertriebene und andauernde Selbstbeobachtung irritieren und die Lebendigkeit beeinträchtigen kann [1]. Ein therapeutischer Schlafentzug kann laut Leitlinie manische Anzeichen hervorrufen oder unterhalten [1].

Betroffene und Angehörige sollten laut Leitlinie zum Besuch von Selbsthilfegruppen ermutigt werden; hilfreich ist die konkrete Nennung von Kontaktstellen, etwa der NAKOS, der DGBS oder weiterer Angehörigenverbände (KKP) [1]. Schriftliche Behandlungsvereinbarungen können laut Leitlinie helfen, kritischen Phasen vorzubeugen und das Risiko von Zwang zu verringern; ob das gelingt, hängt stark von der Qualität der Vereinbarung ab (KKP) [1]. Einen eigenen Plan für Krisen können Sie mit dem Krisenplan anlegen.

Wer Lithium einnimmt, sollte laut Packungsbeilage darauf achten, genügend Salz und Flüssigkeit zu sich zu nehmen, besonders bei Abmagerungskuren und bestimmten Diätformen [3]. Berufliche Tätigkeit wirkt laut Leitlinie gesundheitsfördernd [1]; mehr unter Arbeit und Beruf.

Für Angehörige

Bei einer bipolaren Störung sind laut S3-Leitlinie oft viele Angehörige stark beteiligt und belastet, Eltern und Geschwister ebenso wie Partnerinnen, Partner und eigene Kinder. Zugleich verbessert die Einbindung der Familie laut Leitlinie den Krankheitsverlauf und die Prognose [1]. Angehörige sollten von Beginn an und über alle Phasen der Behandlung einbezogen werden (KKP). Lehnt die erkrankte Person oder die oder der Angehörige das ab, sollte daran gearbeitet werden, das Vertrauen zwischen beiden zu stärken (KKP) [1].

Die Einbeziehung hat laut Leitlinie unter anderem diese Ziele: Wissen über Erkrankung und Behandlung vermitteln, Angehörige entlasten, Konflikte mildern und Rückfällen vorbeugen; möglich sind zum Beispiel Familiengespräche und Gruppen für Angehörige. Auch Angehörige sollten zu einer Peer-Begleitung, also einer Begleitung durch Menschen mit eigener Erfahrung, ermuntert werden, um ihre Belastung zu verringern und ihre Lebensqualität zu verbessern (KKP) [1].

Bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung muss laut Leitlinie eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik oder Abteilung erfolgen, unter Berücksichtigung der rechtlichen Bestimmungen ist auch eine Einweisung ohne Zustimmung der betroffenen Person zu erwägen (KKP) [1]. Mehr dazu unter Unterbringung und Zwangsbehandlung und Angehörige.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Suizidalität, also Suizidgedanken und suizidales Verhalten, ist laut S3-Leitlinie bei bipolaren Störungen häufig. Suizide kommen am häufigsten in depressiven Phasen vor, auch in gemischten Phasen, selten in der Manie [1]. Wegen des besonders hohen Risikos muss die behandelnde Person Suizidalität bei jedem Kontakt einschätzen und gegebenenfalls direkt ansprechen (KKP). Wer danach gefragt wird, wird dadurch nicht erst auf diese Gedanken gebracht; die meisten sind laut Leitlinie erleichtert, wenn das Thema angesprochen wird [1]. Als Risikofaktoren speziell bei bipolaren Störungen nennt die Leitlinie unter anderem einen früheren Suizidversuch, eine gegenwärtig depressive oder gemischte Phase, zusätzlichen Substanzmissbrauch und ein abruptes Absetzen einer Lithium-Prophylaxe [1].

Die Packungsbeilagen von Lithium und Lamotrigin weisen darauf hin, dass bei einer bipolaren Störung mitunter Gedanken aufkommen können, sich selbst zu schädigen oder sich das Leben zu nehmen, eher zu Beginn der Behandlung, nach früheren solchen Gedanken und bei Menschen unter 25 Jahren. Die Lithium-Packungsbeilage rät dann, eine nahestehende Person zu informieren und so schnell wie möglich zum Arzt oder ins nächstgelegene Krankenhaus zu gehen [3, 9].

Unter Lithium sollten Sie laut Packungsbeilage zur Ärztin oder zum Arzt gehen, unter anderem bei starkem Erbrechen, heftigen Durchfällen oder hohem Fieber, bei sehr starker Harnproduktion mit ausgeprägtem Durst sowie bei Zittern, Zucken, Sprachstörungen, Verwirrtheit oder Schläfrigkeit [3]. Unter Valproinsäure sollen Sie sich laut Packungsbeilage sofort an die Ärztin oder den Arzt wenden bei Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, Teilnahmslosigkeit oder verminderter Aufmerksamkeit mit Erbrechen [4]. Unter Lamotrigin sollen Sie sich laut Packungsbeilage sofort an die Ärztin, den Arzt oder die Apotheke wenden bei Fieber, Hautausschlag oder neurologischen Anzeichen wie Zittern oder Verwirrtheit [9].

Alle Hilfsangebote: Hilfe in der Krise.

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, Langversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 038-019). Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) und DGPPN. Stand Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.03.2023. abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Bipolare Störungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg/500 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026 (Version 14). abgerufen am 23.10.2026
  6. Rote-Hand-Brief Valproat: Neue Anwendungseinschränkungen, Einführung des Schwangerschaftsverhütungsprogramms. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht von ratiopharm GmbH). Stand 09.11.2018. abgerufen am 23.10.2026
  7. Rote-Hand-Brief zu Valproat: Mögliches Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern, deren Väter mit Valproat behandelt wurden. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 19.02.2024. abgerufen am 23.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Lamotrigin-ratiopharm 100 mg Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 23.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50/150/200/300/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024 (Version 10). abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026 (Version 6). abgerufen am 23.10.2026
  14. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  15. Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 9). abgerufen am 23.10.2026
  16. Fachinformation Bupropion-ratiopharm 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025 (Version 9). abgerufen am 23.10.2026

Weiterführend Bipolare Störung auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Woran erkennt man eine bipolare Störung?

Typisch sind Phasen mit auffällig gehobener oder gereizter Stimmung, gesteigertem Antrieb, Rededrang, vermindertem Schlafbedürfnis und riskantem Verhalten (Manie, Hypomanie) und depressive Phasen mit gedrückter Stimmung, Interesselosigkeit und vermindertem Antrieb. Häufig beginnt die Erkrankung laut S3-Leitlinie mit einer Depression. Ob eine bipolare Störung vorliegt, klärt eine Fachärztin oder ein Facharzt im Verlauf, am besten mit Angaben von Angehörigen.

Was ist der Unterschied zwischen Manie und Hypomanie?

Nach der ICD-10 dauert eine Manie mindestens eine Woche, eine Hypomanie mindestens vier Tage. Besonders auffällige Zeichen wie der Verlust sozialer Hemmungen, Größenideen oder tollkühnes Verhalten ohne Blick für die Risiken gehen laut S3-Leitlinie eher über eine Hypomanie hinaus. Hypomanische Phasen beeinträchtigen Betroffene oft nicht, was laut Leitlinie das Erkennen der Erkrankung erschwert.

Welche Medikamente werden bei einer bipolaren Störung eingesetzt?

Zur Vorbeugung neuer Phasen soll laut S3-Leitlinie Lithium eingesetzt werden; weitere Möglichkeiten sind unter anderem Lamotrigin gegen depressive Episoden, Quetiapin, Carbamazepin und Valproinsäure. Bei einer Manie empfiehlt die Leitlinie unter anderem Lithium, Valproat und atypische Antipsychotika, bei einer akuten bipolaren Depression soll Quetiapin eingesetzt werden, das laut Fachinformation für schwere depressive Episoden zugelassen ist. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Gibt es Medikamente gegen bipolare Störung ohne Gewichtszunahme?

Die S3-Leitlinie empfiehlt regelmäßige Gewichtskontrollen, insbesondere unter Lithium, Valproinsäure, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon, Clozapin, Mirtazapin und trizyklischen Antidepressiva. Gewichtszunahme nennen zum Beispiel die Packungsbeilagen von Quetiapin (sehr häufig) und Lithium (vor allem in den ersten zwei Jahren, Häufigkeit nicht bekannt). Sprechen Sie eine Gewichtszunahme bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an und ändern Sie nichts eigenständig; mehr unter Gewichtszunahme.

Kann man die Medikamente bei einer bipolaren Störung absetzen?

Die vorbeugende Behandlung ist oft eine Langzeitbehandlung; laut Packungsbeilage ist bei Lithium in den meisten Fällen eine jahrelange, regelmäßige Behandlung notwendig. Nach schnellem Absetzen von Lithium kann es laut S3-Leitlinie zu Rückfällen kommen, und ein abruptes Absetzen gilt als Risikofaktor für suizidales Verhalten. Ob und wie ein Medikament abgesetzt wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Ist eine bipolare Störung heilbar?

Laut S3-Leitlinie gehen bipolare Erkrankungen mit einer hohen Rückfallrate einher, der Verlauf ist aber sehr verschieden: Ein größerer Teil erlebt einige wenige Phasen, rund 10 von 100 mehr als zehn. Ziel der Langzeitbehandlung ist laut Leitlinie, dass keine Episoden mehr auftreten, zwischen den Phasen höchstens minimale Beschwerden bleiben und die Teilhabe am Leben erhalten bleibt.

Gibt es einen Test für eine bipolare Störung?

Fragebögen wie der HCL-32 oder der MDQ können laut S3-Leitlinie bei Menschen mit Depression, auch in der Hausarztpraxis, zum Suchen nach früheren (hypo)manischen Anzeichen eingesetzt werden. Für die Diagnose allein eignen sie sich nicht; fällt ein solcher Test auffällig aus, sollte eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie die Diagnose sichern.

Was ist bei Kinderwunsch zu beachten?

Laut S3-Leitlinie sollten Verhütung und Schwangerschaft bei Frauen im gebärfähigen Alter im Rahmen der Routinebehandlung besprochen werden; vor der Anwendung von Medikamenten in der Schwangerschaft sollten aktuelle Informationen etwa bei Embryotox eingeholt werden. Valproinsäure ist bei bipolarer Störung in der Schwangerschaft kontraindiziert; vor einer geplanten Schwangerschaft wird sie laut Fachinformation beendet und bei Bedarf umgestellt. Setzen Sie nichts selbst ab, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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