ErkrankungenErkrankung
ADHS bei Kindern und Jugendlichen
ADHS ist eine psychische Störung, die in der Kindheit beginnt: Betroffene Kinder und Jugendliche sind über mindestens sechs Monate und in mehr als einem Lebensbereich deutlich unaufmerksamer, impulsiver oder unruhiger als Gleichaltrige. Behandelt wird laut der S3-Leitlinie ADHS (Version 1.0, Gültigkeit abgelaufen) in einem Gesamtkonzept aus Aufklärung, Elterntraining, Hilfen in Kita und Schule, Psychotherapie und, vor allem bei schwerer ADHS, Medikamenten wie Methylphenidat; ab welchem Alter welches Mittel zugelassen ist, steht in seiner Fachinformation. Wenn Ihr Kind oder Sie selbst daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Laut S3-Leitlinie ist sie eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Ihre Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität sind für das Alter ungewöhnlich stark ausgeprägt, zeigen sich in mehreren Lebensbereichen und führen zu deutlichem Leiden oder zu Einschränkungen im sozialen Leben, in der Schule oder im Beruf. In vielen Fällen bleiben die Störung und ihre Folgen bis ins Erwachsenenalter bestehen [1].
In der in Deutschland verwendeten Klassifikation ICD-10-GM gehört ADHS zu den hyperkinetischen Störungen (F90), die laut ICD früh beginnen, meist in den ersten fünf Lebensjahren [5]. Bei Kindern, die sehr unaufmerksam, aber nicht hyperaktiv sind, spricht man auch von ADS; die ICD-10-GM führt diese Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität unter F98.80 [5, 6].
Weltweit liegt die Häufigkeit im Kindes- und Jugendalter laut S3-Leitlinie bei 5,3 Prozent; in Deutschland lag der Anteil der von Eltern berichteten ADHS-Diagnosen in der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts bei etwa 5 Prozent [1]. Jungen erhalten die Diagnose laut IQWiG etwa doppelt so oft wie Mädchen [6]. Diese Seite richtet sich an Eltern von Kindern und Jugendlichen. Wie sich ADHS bei Erwachsenen zeigt und welche Medikamente für Erwachsene zugelassen sind, steht auf der Seite ADHS bei Erwachsenen.
Die S3-Leitlinie ADHS im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter erschien in Version 1.0 im Mai 2017 und war laut DGPPN bis zum 1. Mai 2022 gültig; ihre Gültigkeit ist abgelaufen, die Leitlinie wird überarbeitet [1, 2, 3]. Ihre Empfehlungen geben hier den Stand von 2017 und 2018 wieder. Wofür die Medikamente heute zugelassen sind, steht nach aktuellen Fachinformationen und Packungsbeilagen [10, 11, 12, 13, 14].
Anzeichen einer ADHS
Unaufmerksamkeit, Impulsivität und viel Bewegung sind bei Kindern und Jugendlichen grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Bei einer ADHS nehmen sie laut IQWiG ein Ausmaß an, das sich deutlich vom Verhalten Gleichaltriger unterscheidet [6]. Was mit den drei Bereichen gemeint ist, beschreiben die Diagnosekriterien; das IQWiG nennt unter anderem diese Beispiele [7]:
| Bereich | Beispiele bei Kindern und Jugendlichen |
|---|---|
| Unaufmerksamkeit | viele Flüchtigkeitsfehler; kann sich beim Spielen oder bei Aufgaben nur schlecht länger konzentrieren; hört oft nicht zu; bringt Aufgaben oft nicht zu Ende; verliert oft Dinge, die für die Schule gebraucht werden; lässt sich häufig von Reizen aus der Umgebung ablenken [7] |
| Hyperaktivität | zappelt oft mit Händen oder Füßen oder rutscht auf dem Sitz herum; steht oft auf, auch im Unterricht; läuft herum oder klettert, wo es unangemessen ist (bei Kindern); fühlt sich oft rastlos (bei Jugendlichen); wirkt wie angetrieben [7] |
| Impulsivität | unterbricht andere häufig oder platzt in Gespräche und Spiele hinein; antwortet oft schon, bevor eine Frage zu Ende gestellt ist; kann schwer warten, bis es an der Reihe ist [7] |
Wie stark die einzelnen Bereiche ausgeprägt sind, ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Kindern steht die Unaufmerksamkeit im Vordergrund; sie werden eher als Tagträumer wahrgenommen. Andere sind besonders impulsiv und hyperaktiv [6].
Mit dem Alter verändern sich die Beschwerden. Bei den meisten Vorschulkindern mit ADHS steht laut S3-Leitlinie die ausgeprägte Bewegungsunruhe im Vordergrund, im Schulalter fallen die Kinder vor allem dort auf, wo ruhiges Sitzen erwartet wird, und ab dem Jugendalter zeigt sich die Hyperaktivität oft eher als innere Unruhe oder Fahrigkeit. Die Impulsivität geht mit zunehmendem Alter üblicherweise zurück [1].
Laut ICD-10-GM sind Kinder mit hyperkinetischer Störung oft achtlos und impulsiv, neigen zu Unfällen und verletzen Regeln eher aus Unachtsamkeit als mit Absicht; als mögliche Folgen nennt die ICD dissoziales Verhalten und ein niedriges Selbstwertgefühl [5]. Laut IQWiG haben Kinder und Jugendliche mit ADHS außerdem mehr Probleme in der Schule und geraten eher mit Gleichaltrigen in Konflikt; Jugendliche konsumieren häufiger Nikotin, Alkohol und Drogen [6].
Ursachen und Risiken
Wie eine ADHS entsteht, ist laut S3-Leitlinie noch nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Eine entscheidende Rolle spielen vor allem eine genetische Veranlagung und Einflüsse vor, während und kurz nach der Geburt, die die Entwicklung des Gehirns beeinflussen [1]. ADHS tritt in Familien gehäuft auf: Verwandte ersten Grades haben laut Leitlinie ein doppelt bis achtfach erhöhtes Risiko, und bei Geschwistern oder Eltern betroffener Kinder liegt der Anteil Betroffener zwischen 10 und 35 Prozent. Zwillings- und Adoptionsstudien haben gezeigt, dass diese Häufung wesentlich auf genetische Faktoren zurückgeht; beteiligt sind nach heutigem Wissensstand zahlreiche Genvarianten, die miteinander zusammenwirken [1].
Als mögliche Umweltfaktoren nennt die Leitlinie unter anderem Rauchen und Alkohol in der Schwangerschaft, Frühgeburt und ein geringes Geburtsgewicht sowie eine schwere Vernachlässigung in der frühen Kindheit. Ob solche Umweltrisiken eine ADHS tatsächlich verursachen, lässt sich laut Leitlinie insgesamt nur vorläufig beurteilen [1]. Das IQWiG nennt zusätzlich Drogen in der Schwangerschaft, eine Präeklampsie (eine Schwangerschaftserkrankung mit erhöhtem Blutdruck) und Sauerstoffmangel bei der Geburt; vermutlich wirken Veranlagung und äußere Einflüsse zusammen [6].
Belastende Bedingungen in der Familie werden bei Kindern mit ADHS laut Leitlinie oft festgestellt. Ob sie zur Entstehung beitragen oder eher eine Reaktion auf das Verhalten des Kindes sind, ist offen [1]. Wichtig ist laut IQWiG, sich immer wieder klarzumachen, dass das Verhalten des Kindes keine Absicht ist [6]. Bestimmte Lebensmittel wie künstliche Farbstoffe und Konservierungsmittel spielen laut IQWiG, wenn überhaupt, nur eine geringe Rolle [6].
Wie die Diagnose gestellt wird
Bei Kindern und Jugendlichen sollte die Diagnose laut S3-Leitlinie von Fachärztinnen und Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie, von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten, von Psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten mit Zusatzqualifikation für Kinder und Jugendliche oder von Fachärztinnen und Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin mit Erfahrung in der ADHS-Diagnostik gestellt werden; stellt eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut sie, sollte die körperliche Untersuchung zusätzlich ärztlich erfolgen [2].
Grundlage soll laut Leitlinie ein ausführliches, strukturiertes Gespräch mit dem Kind und vor allem mit den Eltern sein, wenn möglich auch mit Lehrkräften oder Erziehenden und anhand schriftlicher Berichte und Zeugnisse. Es geht unter anderem um die Beschwerden in Familie, Schule und Freizeit, die Einschränkungen im Alltag, weitere Erkrankungen, Belastungen und Stärken, die bisherige Entwicklung und ADHS bei Eltern oder Geschwistern. Dazu kommen die Beobachtung des Verhaltens und eine körperliche und neurologische Untersuchung [2].
Fragebögen für Eltern, Lehrkräfte oder das Kind selbst sind laut Leitlinie hilfreich und sollten eingesetzt werden; die Diagnose soll aber nicht ausschließlich auf Fragebögen oder auf psychologischen Tests beruhen. ADHS-Symptome müssen in der Untersuchung nicht unbedingt auftreten [2]. Laborwerte sind für die Diagnose nicht routinemäßig nötig; Labor- und Geräteuntersuchungen sollen vor einer geplanten Behandlung mit Medikamenten erfolgen oder wenn andere Erkrankungen abgeklärt werden müssen [2]. Tests und Fragebögen können laut Kurzinformation zur Leitlinie weitere Hinweise geben [4].
Nach den Kriterien der ICD müssen laut IQWiG mindestens sechs Anzeichen von Unaufmerksamkeit, drei von Hyperaktivität und eines von Impulsivität bestehen und schon vor dem siebten Geburtstag aufgefallen sein; die Kriterien des US-amerikanischen Diagnosehandbuchs DSM sind weniger streng. Beide setzen voraus, dass das Verhalten mindestens sechs Monate lang und in mehr als einer Umgebung beobachtet wurde, den Alltag sehr beeinträchtigt und andere psychische Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen wurden [7].
Vor dem dritten Geburtstag soll laut S3-Leitlinie keine ADHS diagnostiziert werden. Bei Kindern von drei bis vier Jahren lässt sich die Diagnose in der Regel nicht hinreichend sicher stellen, und im Vorschulalter soll sie in der Regel nur bei sehr starker Ausprägung gestellt werden; je jünger ein Kind ist, desto schwieriger ist die Abgrenzung von normalen Entwicklungsvarianten [2]. Das IQWiG weist darauf hin, dass Kinder, die bei der Einschulung zu den Jüngsten ihres Jahrgangs gehören, öfter eine ADHS-Diagnose erhalten als die Ältesten, vermutlich weil sie im Vergleich unreifer und impulsiver wirken [7].
Ähnliche Auffälligkeiten können andere Ursachen haben; abzugrenzen sind laut Leitlinie unter anderem Seh- oder Hörstörungen, Anfallsleiden, Schilddrüsenerkrankungen, Schlafstörungen, Angst- und depressive Störungen, Lern- und Entwicklungsstörungen, Autismus-Spektrum-Störungen und Tic-Störungen [2]. Viele dieser Störungen kommen auch zusätzlich vor, laut Leitlinie am häufigsten oppositionelles Trotzverhalten und andere Störungen des Sozialverhaltens, Tic-Störungen, umschriebene Entwicklungsstörungen, Angststörungen, depressive Störungen, Autismus-Spektrum-Störungen und ab dem Jugendalter Substanzkonsum- und Persönlichkeitsstörungen; sie sollen beachtet, bei Hinweisen abgeklärt und nach den jeweiligen Leitlinien behandelt werden [2]. Mehr dazu unter Tourette-Syndrom und Tics, Autismus, Angststörungen und Depression.
Eine Fehldiagnose kann laut IQWiG unnötige Behandlungen nach sich ziehen und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen, eine übersehene ADHS dazu führen, dass ein Kind keine Hilfe bekommt; eine sorgfältige Diagnose ist daher sehr wichtig [6].
Behandlung im Überblick
Die Behandlung soll laut S3-Leitlinie in einem multimodalen Gesamtkonzept erfolgen, einem Behandlungsplan, der je nach Beschwerden, Alltag und Teilhabe und nach den Wünschen der Familie psychosoziale Hilfen einschließlich Psychotherapie, Medikamente und ergänzende Maßnahmen kombinieren kann. Grundsätzlich soll eine umfassende Psychoedukation angeboten werden, also Aufklärung über ADHS und die Behandlungsmöglichkeiten, damit Sie gemeinsam entscheiden können; dabei sollte es auch um die Stärken des Kindes gehen, etwa Sport, Kontaktfreude oder Kreativität [2]. Die Leitlinie unterscheidet "soll" (starke Empfehlung), "sollte" (Empfehlung) und "kann" (offene Empfehlung) [2].
| Situation | Was die Leitlinie empfiehlt |
|---|---|
| Kinder unter 6 Jahren | "soll" primär psychosozial (einschließlich psychotherapeutisch) behandelt werden; Medikamente "sollen" nicht vor dem Alter von drei Jahren angeboten werden [2]. Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin und Dexamfetamin dürfen laut Fachinformation bei Kindern unter 6 Jahren nicht angewendet werden [10, 11, 12, 19]. |
| leichte ADHS | "soll" primär psychosozial behandelt werden; in Einzelfällen "kann" bei behandlungsbedürftigen Restbeschwerden ergänzend ein Medikament angeboten werden [2] |
| mittelgradige ADHS | nach umfassender Psychoedukation "soll" je nach Lage des Kindes, Umfeld, Wünschen der Familie und Angeboten vor Ort eine intensivierte psychosoziale Behandlung, eine Behandlung mit Medikamenten oder eine Kombination angeboten werden [2] |
| schwere ADHS | "soll" nach intensiver Psychoedukation primär eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden; parallel "kann" eine intensive psychosoziale Behandlung einbezogen werden; bleiben behandlungsbedürftige Beschwerden, "sollen" psychosoziale Hilfen angeboten werden [2] |
| Begleiterkrankungen | "sollen" nach den jeweiligen Leitlinien behandelt werden; bei der Entscheidung, welche Störung zuerst behandelt wird, "soll" unter anderem der Schweregrad berücksichtigt werden [2] |
Leicht heißt laut Leitlinie: kaum mehr Symptome als für die Diagnose nötig und nur geringe Beeinträchtigungen; schwer: deutlich mehr oder mehrere besonders stark ausgeprägte Symptome mit erheblicher Beeinträchtigung in Schule, Familie oder Freundeskreis [2].
Elterntraining, Kita und Schule
Eltern von Kindern mit ADHS vor dem Einschulungsalter soll laut Leitlinie als erste Maßnahme ein Elterntraining, eine Elternschulung oder Elternberatung einschließlich Psychoedukation angeboten werden, auch als angeleitete Selbsthilfe möglich. Den Fachkräften in der Kita sollte eine Schulung oder Beratung angeboten werden [2]. Bei Schulkindern und Jugendlichen mit leichter bis mittlerer Einschränkung sollten Elternberatung oder Elterntraining angeboten werden; tritt die ADHS auch in der Schule auf, sollten parallel Lehrkräfte geschult oder beraten werden. Ein Training für das Kind selbst kann ergänzen, reicht allein aber in der Regel nicht aus. Bei Jugendlichen sollten vor allem Familieninterventionen eingesetzt werden, die Konflikte zwischen Eltern und Jugendlichen vermindern [2].
In einer Elternschulung lernen Mütter und Väter laut IQWiG unter anderem, den Alltag mit festen Abläufen zu strukturieren, mit Grenzüberschreitungen umzugehen und altersgerechtes Verhalten mit Lob und Belohnungen zu fördern. Angeboten wird sie zum Beispiel von Sozialpädiatrischen Zentren und psychotherapeutischen Praxen, allerdings nicht überall [8].
Weitere Verfahren
Neurofeedback, ein Training mit Rückmeldung der eigenen Hirnströme, kann laut Leitlinie bei Kindern über sechs Jahren und Jugendlichen ergänzend eingesetzt werden, wenn dadurch keine wirkungsvollere Behandlung verzögert oder verhindert wird [2, 8]. Behandelt werden sollte laut Leitlinie in der Regel ambulant; eine Klinik oder Tagesklinik kann erwogen werden, wenn die ambulante Behandlung nicht erfolgreich war oder wenig aussichtsreich ist, etwa bei sehr starker Ausprägung oder schweren Begleiterkrankungen [2]. Mehr unter Psychotherapie und Medikamente und Klinik und Tagesklinik.
Medikamente bei ADHS
Wenn eine Behandlung mit Medikamenten angezeigt ist, sollen laut S3-Leitlinie Stimulanzien (Methylphenidat, Amfetamin und Lisdexamfetamin), Atomoxetin und Guanfacin als mögliche Optionen in Betracht gezogen werden; der aktuelle Zulassungsstatus sollte beachtet werden. Begonnen werden soll die Behandlung nur von entsprechend qualifizierten Fachärztinnen und Fachärzten mit Kenntnissen zu ADHS und nur nach gesicherter Diagnose [2]. Laut IQWiG wird am häufigsten Methylphenidat eingesetzt; wirkt es nicht oder kann es aus anderen Gründen nicht genommen werden, kommen die übrigen Wirkstoffe infrage [6]. Die Medikamente wirken nur, solange sie eingenommen werden, und helfen nicht allen Kindern [8].
Zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung werden Stimulanzien laut Arzneimittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses bei Kindern ab 6 Jahren und Jugendlichen nur im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie verordnet, wenn andere Maßnahmen allein nicht ausgereicht haben, und nur von Spezialistinnen und Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen; Folgeverordnungen der Hausarztpraxis sind in Ausnahmefällen möglich, wenn die Aufsicht durch eine Spezialistin oder einen Spezialisten gewährleistet ist [9].
| Wirkstoff | Zugelassen für Kinder und Jugendliche | Abgabe | Typische Nebenwirkungen (Beispiel) |
|---|---|---|---|
| Methylphenidat (Stimulans) | ab 6 Jahren im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben [10] | verschreibungspflichtig, Betäubungsmittel [10, 18] | laut Packungsbeilage sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten): Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit [15] |
| Lisdexamfetamin (Stimulans) | ab 6 Jahren im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn das Ansprechen auf eine vorherige Behandlung mit Methylphenidat klinisch unzureichend war [11] | verschreibungspflichtig, Betäubungsmittel [11, 18] | laut Packungsbeilage sehr häufig: verminderter Appetit, Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen; bei Kindern und Jugendlichen sehr häufig Gewichtsverlust, bei Kindern Bauchschmerzen [16] |
| Dexamfetamin (Stimulans) | Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn das Ansprechen auf eine vorangegangene Behandlung mit Methylphenidat unzureichend war; für Erwachsene nicht zugelassen [14, 19] | verschreibungspflichtig, Betäubungsmittel [18, 19] | laut Packungsbeilage sehr häufig: verminderter Appetit, verringerte Gewichts- und Größenzunahme bei längerer Anwendung bei Kindern, Schlaflosigkeit, Nervosität [14] |
| Atomoxetin | ab 6 Jahren und bei Jugendlichen als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms [12] | verschreibungspflichtig [12] | laut Packungsbeilage bei Kindern über 6 Jahren und Jugendlichen sehr häufig: Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, verminderter Appetit, Übelkeit oder Erbrechen, Schläfrigkeit, erhöhter Blutdruck, erhöhter Puls [17] |
| Guanfacin | Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren, für die eine Behandlung mit Stimulanzien nicht infrage kommt, die sie nicht vertragen oder bei denen sie unwirksam war; im Rahmen einer umfassenden Gesamtstrategie [13] | verschreibungspflichtig [13] | laut Packungsbeilage sehr häufig: Schläfrigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Magen- bzw. Bauchschmerzen [13] |
Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Arzneimittels; weitere Angaben, auch zu Dosierung und Wechselwirkungen, stehen auf den Wirkstoffseiten und unter ADHS-Medikamente. Treten Nebenwirkungen auf, sollten Eltern laut IQWiG mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen und das Medikament nicht einfach weglassen [8].
Welches Mittel zuerst?
Ohne relevante Begleiterkrankungen soll laut S3-Leitlinie zuerst ein Stimulans gewählt werden. Eine Erstbehandlung mit Lisdexamfetamin oder Dexamfetamin ohne vorherigen Versuch mit Methylphenidat liegt laut Leitlinie außerhalb der Zulassung [2]. Bei Kindern mit zusätzlicher Tic-Störung sollen laut Leitlinie Stimulanzien oder alternativ Atomoxetin oder Guanfacin gewählt werden; als erstes Mittel ist Guanfacin laut Leitlinie nur dann innerhalb der Zulassung, wenn Stimulanzien nicht infrage kommen, nicht vertragen werden oder unwirksam waren, und Dexamfetamin darf laut Fachinformation bei einem Tourette-Syndrom nicht angewendet werden [2, 19]. Bei zusätzlichen Angststörungen sollen Stimulanzien oder alternativ Atomoxetin gewählt werden [2]. Lang wirksame Präparate können erwogen werden, unter anderem weil sie einfacher einzunehmen sind und die Einnahme in der Schule entfallen kann [2].
Antipsychotika sollen laut Leitlinie bei einer ADHS ohne zusätzliche Störungen nicht eingesetzt werden, und Cannabis soll nicht zur Behandlung der ADHS eingesetzt werden. Für weitere Wirkstoffe ist laut Leitlinie derzeit keine Empfehlung möglich [2].
Kontrollen während der Behandlung
Vor Beginn sollen laut S3-Leitlinie zumindest Puls, Blutdruck, Gewicht und Größe bestimmt und Beschwerden erfragt werden, die auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hinweisen könnten, etwa Ohnmachtsanfälle oder unerklärliche Atemnot, ebenso Herzerkrankungen in der Familie; bei solchen Hinweisen sollte ein EKG erfolgen [2]. Während der Behandlung sollen laut Fachinformation von Methylphenidat Blutdruck und Puls bei jeder Dosisänderung und mindestens alle 6 Monate dokumentiert werden, bei Kindern ebenso Größe, Gewicht und Appetit; neue oder sich verschlechternde psychische Beschwerden sind ebenfalls regelmäßig zu erfassen [10].
Mindestens alle sechs Monate soll laut Leitlinie geprüft werden, ob die Behandlung weiter nötig ist, einmal im Jahr in einer behandlungsfreien Zeit [2]; die Fachinformation von Methylphenidat empfiehlt dafür, das Mittel mindestens einmal im Jahr abzusetzen, bei Kindern vorzugsweise in den Schulferien [10]. Ob und wann eine Pause sinnvoll ist, entscheiden Sie gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Mehr unter Kontrollen und Blutwerte.
Wachstum, Tics, Missbrauch
Bei langer Anwendung von Methylphenidat wurde laut Fachinformation bei Kindern über eine mäßig verringerte Gewichtszunahme und eine Wachstumsverzögerung berichtet; die Wirkung auf die endgültige Größe ist noch unbekannt [10]. Ist das Längenwachstum unter Stimulanzien deutlich beeinträchtigt, sollte die Behandlung laut Leitlinie unterbrochen werden, etwa in den Schulferien, wenn keine wichtigeren Gründe dagegen sprechen [2]. Methylphenidat wurde laut Fachinformation mit der Entstehung oder Verschlimmerung von Tics in Verbindung gebracht; vor der Anwendung sollte auf Tics untersucht und während der Behandlung regelmäßig darauf geachtet werden [10]. Ob Methylphenidat Tics auslöst, ist laut IQWiG umstritten, weil Tic-Störungen bei ADHS ohnehin häufig vorkommen [8].
Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Dexamfetamin stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes, der Liste der verkehrs- und verschreibungsfähigen Betäubungsmittel [18]. Methylphenidat kann laut Kurzinformation als Aufputschmittel missbraucht werden [4]; ein chronischer Missbrauch kann laut Fachinformation zu ausgeprägter Toleranz und psychischer Abhängigkeit führen [10], und Behandelnde, Sorgeberechtigte und Betreuungspersonen sollen laut S3-Leitlinie auf diese Gefahr achten [2]. Was bei Suizidgedanken unter einer Behandlung gilt, steht unter Wann Sie sofort Hilfe brauchen.
Wie lange behandeln, wie es weitergeht
Mit dem Älterwerden können sich die Beschwerden verringern oder verändern, sie verschwinden aber oft nicht ganz [4]. Etwa 50 bis 80 Prozent der in der Kindheit Betroffenen haben laut S3-Leitlinie auch als Erwachsene noch ADHS-Symptome, und ein Drittel zeigt noch das Vollbild der Störung [1]. Das IQWiG nennt dieselbe Spanne für Beschwerden im Erwachsenenalter und gibt an, dass ungefähr 15 Prozent als Erwachsene noch alle Diagnosekriterien erfüllen [6].
Eine Behandlung mit Methylphenidat sollte und muss laut Fachinformation nicht unbegrenzt erfolgen; bei Kindern und Jugendlichen wird sie in der Regel während oder nach der Pubertät beendet. Beim Absetzen ist laut Fachinformation eine sorgfältige Überwachung nötig, weil Depressionen oder eine anhaltende Überaktivität zum Vorschein kommen können [10]. Nach dem Absetzen oder bei nachlassender Wirkung erscheinen die Beschwerden laut IQWiG manchmal ausgeprägter als zuvor [8]. Beenden Sie eine Behandlung nur gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.
Bestehen beim Übergang ins Erwachsenenalter weiter beeinträchtigende Beschwerden oder andere behandlungsbedürftige Störungen, soll laut Leitlinie eine Überweisung an weiterbehandelnde Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten angeboten werden. In dieser Übergangszeit sollten junge Menschen erneut untersucht und die Weiterbehandelnden umfassend über Vorgeschichte und bisherige Behandlung informiert werden [2]. Für Heranwachsende ab Beginn des 19. Lebensjahres, also ab dem 18. Geburtstag, bis zum vollendeten 21. Lebensjahr können laut Arzneimittel-Richtlinie auch Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie Stimulanzien verordnen [9]. Mehr unter ADHS bei Erwachsenen.
Selbsthilfe und Alltag

Viele Eltern entwickeln laut IQWiG mit der Zeit Strategien, um mit der ADHS besser umzugehen. Hilfreich sind meist klare Regeln und feste Routinen [6]. Auf gute Schlafgewohnheiten zu achten, kann ebenfalls helfen [6]. Regelmäßiger Ausdauersport könnte eine ADHS nach ersten Studien lindern, sicher belegt ist das noch nicht; viele Familien empfinden Sport trotzdem als hilfreich, und für die körperliche Entwicklung ist er ohnehin wichtig [8].
Fällt Ihnen auf, dass bestimmte Lebensmittel oder Getränke das Verhalten Ihres Kindes beeinflussen, sollten Sie laut Leitlinie einige Tage aufschreiben, was es isst und trinkt und wie sich die Beschwerden entwickeln; bestätigt sich der Zusammenhang, sollte eine Ernährungsberatung hinzukommen [2]. Ob bestimmte Lebensmittel weggelassen werden, sollte laut Leitlinie gemeinsam mit der Ernährungsberatung und der behandelnden Praxis entschieden werden. Zu Langzeitfolgen solcher Diäten gibt es keine Befunde, und es ist möglicherweise mit Mangelerscheinungen zu rechnen [2].
Fachleute sollten laut Leitlinie die Selbsthilfegruppen zu ADHS in der Region kennen und Familien darüber informieren; der Besuch einer Selbsthilfe- oder Angehörigengruppe kann zusätzlich hilfreich sein [2]. Gruppen in der Nähe nennt laut Kurzinformation die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) [4].
Für Eltern und Geschwister
Ein Kind mit ausgeprägter ADHS großzuziehen, kann laut IQWiG sehr anstrengend sein. Eltern müssen viele Konflikte aushalten, Geschwister sind häufig belastet oder fühlen sich vernachlässigt, und die Kinder und Jugendlichen selbst leiden unter ihrem Verhalten, weil sie schwer Freunde finden und oft anecken [6]. Familien empfinden die Diagnose unterschiedlich: Manche sind erleichtert, endlich eine Erklärung zu haben, andere tun sich schwer, sie anzunehmen, oder zweifeln daran [7].
Der Austausch mit anderen Eltern in Selbsthilfegruppen wird laut IQWiG oft als hilfreich empfunden. Manche Eltern erleben eine Elternschulung als entlastend und gewinnen Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten in der Erziehung [6, 8]. Bei großer Belastung kann laut IQWiG eine Mutter-Kind- oder Vater-Kind-Kur sinnvoll sein, um Abstand vom Alltag zu gewinnen und mit Therapeutinnen und Therapeuten Wege zu finden, sich vor Überforderung zu schützen [6]. Wichtig ist laut IQWiG, dass Lehrkräfte und Eltern verständnisvoll miteinander umgehen und gemeinsame Lösungen suchen [8]. Weitere Hinweise stehen unter Kinder und Jugendliche und Angehörige.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Manche Kinder und Jugendliche mit ADHS haben laut IQWiG zusätzlich Ängste oder Depressionen [6]. Unter Atomoxetin wurden laut Fachinformation suizidale Verhaltensweisen berichtet, also Suizidversuche und Suizidgedanken; in Studien traten sie gelegentlich auf, bei behandelten Kindern und Jugendlichen häufiger als unter einem Scheinmedikament. Alle, die wegen ADHS behandelt werden, müssen laut Fachinformation sorgfältig auf das Auftreten oder die Verschlimmerung solcher Verhaltensweisen überwacht werden [12]. Bemerken Eltern entsprechende Anzeichen, sollten sie sie laut IQWiG ernst nehmen [8]. Treten während einer Behandlung mit Methylphenidat Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auf, sollte laut Fachinformation sofort eine ärztliche Beurteilung erfolgen [10]. Auch unter Guanfacin wurden laut Fachinformation nach der Markteinführung suizidale Ereignisse gemeldet, meist bei psychiatrischen Grunderkrankungen; beunruhigende Gedanken oder Gefühle sollten Betroffene und Betreuende jederzeit dem medizinischen Fachpersonal mitteilen [13].
Treten unter Stimulanzien psychotische Beschwerden wie Wahn oder Halluzinationen auf, sollte die Ärztin oder der Arzt laut S3-Leitlinie das Mittel absetzen und das Kind erneut ausführlich psychiatrisch untersuchen; treten unter Stimulanzien oder Atomoxetin neu Krampfanfälle auf oder verschlechtert sich ein bekanntes Anfallsleiden, soll die Ärztin oder der Arzt das Mittel laut Leitlinie sofort absetzen und das weitere Vorgehen mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Neuropädiatrie oder Neurologie besprechen [2]. Aggressives oder feindseliges Verhalten kann laut Fachinformation durch Stimulanzien hervorgerufen oder verstärkt werden [10]. Unter Atomoxetin muss die Behandlung laut Packungsbeilage abgebrochen und unverzüglich die Ärztin oder der Arzt benachrichtigt werden, wenn Zeichen einer Leberschädigung auftreten: dunkler Urin, gelbliche Haut oder gelbliche Augen, Bauchschmerzen, die bei Druck unterhalb des rechten Rippenbogens stärker werden, Übelkeit ohne erkennbaren Grund, Müdigkeit, Juckreiz oder grippeähnliche Beschwerden [17].
Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise.
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Langfassung, Version 1.0 (AWMF-Registernummer 028-045). Federführung laut DGPPN-Übersicht: DGPPN, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ); Koordination T. Banaschewski, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim. Stand Version 1.0, Erstveröffentlichung 05/2017 (PDF 2018); nächste Überprüfung geplant 05/2022; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.05.2022, abgelaufen. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Kurzfassung der S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Version 1.0 (AWMF-Registernummer 028-045), Empfehlungen. Federführung laut DGPPN-Übersicht: DGPPN, DGKJP, DGSPJ; Koordination T. Banaschewski, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim. Stand Version 1.0 (PDF 06/2018); nächste Überprüfung geplant 05/2022; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.05.2022, abgelaufen. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag ADHS. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Patienteninformation ADHS: "Einfach nur viel Energie oder schon hyperaktiv?" (Kurzinformation zur S3-Leitlinie ADHS). Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Bundesärztekammer. Stand 1. Auflage, Dezember 2019. abgerufen am 23.10.2026
- Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F90 bis F98: Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026 (Stand der Seite 12.09.2025). abgerufen am 23.10.2026
- Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Überblick. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026
- ADHS: Wie wird die Diagnose gestellt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026
- Was kann Kindern und Jugendlichen mit ADHS helfen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026
- Behörde Arzneimittel-Richtlinie, Anlage III: Übersicht über Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse, Nummer 44 (Stimulantien). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand Stand der Anlage III (letzte Änderung in Kraft getreten am): 03.10.2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025 (Version 14). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Atomoxetin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024 (Version 4). abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Intuniv (Guanfacin, EPAR), Anhang I: Fachinformation, und Anhang III B: Packungsbeilage. Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026 (zuletzt aktualisiert 13.10.2026). abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Attentin 10 mg/20 mg Tabletten (Dexamfetamin). MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm 20 mg bis 70 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Atomoxetin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III: verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel (Einträge Dexamfetamin, Lisdexamfetamin, Methylphenidat). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Attentin 10 mg/20 mg Tablette (Dexamfetamin). MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
Weiterführend ADHS bei Kindern und Jugendlichen auf Med-Nebenwirkungen.de
Häufige Fragen
Woran erkenne ich ADHS bei meinem Kind?
Typisch sind laut IQWiG Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität in einem Ausmaß, das sich deutlich vom Verhalten Gleichaltriger unterscheidet: zum Beispiel viele Flüchtigkeitsfehler, häufiges Ablenken und Vergessen, ständige Unruhe oder das Unterbrechen anderer. Für eine Diagnose muss das Verhalten mindestens sechs Monate lang und in mehr als einer Umgebung bestehen und den Alltag sehr beeinträchtigen. Ob es eine ADHS ist, klärt eine Fachärztin, ein Facharzt oder eine Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche.
Ab welchem Alter kann ADHS festgestellt werden?
Vor dem dritten Geburtstag soll laut der abgelaufenen S3-Leitlinie keine ADHS diagnostiziert werden. Bei Kindern von drei bis vier Jahren lässt sich die Diagnose in der Regel nicht hinreichend sicher stellen, und im Vorschulalter soll sie in der Regel nur bei sehr starker Ausprägung gestellt werden. Zugelassen sind die ADHS-Medikamente laut Fachinformation erst ab 6 Jahren; Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin und Dexamfetamin dürfen bei Kindern unter 6 Jahren nicht angewendet werden.
Was ist der Unterschied zwischen ADS und ADHS?
Bei Kindern, die sehr unaufmerksam, aber nicht hyperaktiv sind, spricht man laut IQWiG auch von ADS. Die ICD-10-GM führt diese Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität unter F98.80, die hyperkinetischen Störungen mit Hyperaktivität unter F90. Kinder mit vorwiegender Unaufmerksamkeit werden laut IQWiG eher als Tagträumer wahrgenommen.
Welche Medikamente gibt es für Kinder mit ADHS?
Für Kinder ab 6 Jahren sind laut Fachinformation Methylphenidat und Atomoxetin zugelassen, Lisdexamfetamin und Dexamfetamin (dieses nur bis 17 Jahre) erst, wenn Methylphenidat nicht ausreichend gewirkt hat, und Guanfacin für 6 bis 17 Jahre, wenn Stimulanzien nicht infrage kommen, nicht vertragen werden oder nicht wirken. Ohne Begleiterkrankungen soll laut der abgelaufenen S3-Leitlinie zuerst ein Stimulans gewählt werden. Welches Mittel passt, entscheiden Sie gemeinsam mit der behandelnden Fachärztin oder dem Facharzt.
Machen ADHS-Medikamente abhängig?
Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Dexamfetamin sind Betäubungsmittel. Ein chronischer Missbrauch von Methylphenidat kann laut Fachinformation zu ausgeprägter Toleranz und psychischer Abhängigkeit führen, und Eltern und Behandelnde sollen laut der abgelaufenen S3-Leitlinie auf die Gefahr eines Missbrauchs achten.
Kann man ADHS bei Kindern ohne Medikamente behandeln?
Bei Kindern unter 6 Jahren und bei leichter ADHS soll laut der abgelaufenen S3-Leitlinie zuerst psychosozial behandelt werden, etwa mit Elterntraining, Beratung von Kita oder Schule und Verhaltenstherapie. Bei mittelgradiger ADHS sollen psychosoziale Hilfen, Medikamente oder beides angeboten werden, je nach Lage der Familie. Bei schwerer ADHS soll primär eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden.
Wächst sich ADHS aus?
Die Beschwerden können sich mit dem Älterwerden verringern oder verändern, verschwinden aber oft nicht ganz. Etwa 50 bis 80 Prozent der in der Kindheit Betroffenen haben laut der abgelaufenen S3-Leitlinie als Erwachsene noch ADHS-Symptome, ein Drittel zeigt noch das Vollbild der Störung; das IQWiG schätzt, dass ungefähr 15 Prozent als Erwachsene noch alle Diagnosekriterien erfüllen. Mehr dazu auf der Seite ADHS bei Erwachsenen.
Hilft eine Ernährungsumstellung bei ADHS?
Der Verzicht auf künstliche Farbstoffe oder andere Zusätze kann sich laut der abgelaufenen S3-Leitlinie für einzelne Kinder als hilfreich herausstellen, soll aber nicht allgemein bei ADHS eingesetzt werden. Bei einem Verdacht hilft ein Ernährungstagebuch über einige Tage, danach eine Ernährungsberatung. Für Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren gibt die Leitlinie keine Empfehlung.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu