MedikamenteWirkstoff
Venlafaxin
Venlafaxin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI), zugelassen für Erwachsene mit Depression, generalisierter Angststörung, sozialer Angststörung oder Panikstörung und zur Vorbeugung neuer depressiver Episoden. Bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Trevilor. Bis es wirkt, dauert es gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal länger; beendet wird die Behandlung nur nach ärztlicher Anweisung und schrittweise, weil Absetzreaktionen häufig sind.

Wofür wird Venlafaxin eingesetzt?
Venlafaxin ist bei Erwachsenen zugelassen zur Behandlung von Depressionen (Episoden einer Major Depression) und von drei Angsterkrankungen: der generalisierten Angststörung, der sozialen Angststörung, also der Furcht vor oder dem Vermeiden von sozialen Situationen, und der Panikstörung mit Panikattacken. Die Fachinformation nennt außerdem die Vorbeugung gegen erneute Episoden einer Major Depression (Rezidivprophylaxe) als Anwendungsgebiet. [1, 2]
Laut Packungsbeilage ist eine angemessene Behandlung wichtig, damit Sie sich von der Depression oder Angsterkrankung erholen; ohne Behandlung kann die Erkrankung anhalten, ernster und schwieriger zu behandeln werden. [1]
Bei Kindern und Jugendlichen wird Venlafaxin laut Fachinformation nicht empfohlen. Studien bei Kindern und Jugendlichen mit Major Depression konnten eine Wirksamkeit nicht belegen, für die anderen Anwendungsgebiete sind Sicherheit und Wirksamkeit unter 18 Jahren nicht erwiesen. Laut Packungsbeilage kann die Ärztin oder der Arzt Venlafaxin trotzdem verordnen, wenn sie oder er entscheidet, dass dies im bestmöglichen Interesse des jungen Menschen ist. [1, 2]
Wie wirkt Venlafaxin?
Venlafaxin gehört zu den Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmern (SNRI), einer Gruppe der Antidepressiva. Serotonin und Noradrenalin sind Botenstoffe, über die Nervenzellen Signale weitergeben. Laut Packungsbeilage geht man davon aus, dass Menschen mit Depression oder Angsterkrankungen niedrigere Spiegel dieser Botenstoffe im Gehirn haben. Wie Antidepressiva genau wirken, ist nicht vollständig geklärt; sie können aber helfen, indem sie die Spiegel von Serotonin und Noradrenalin im Gehirn erhöhen. [1]
In vorklinischen Studien hemmten Venlafaxin und sein wirksames Abbauprodukt O-Desmethylvenlafaxin, dass Nervenzellen Serotonin und Noradrenalin wieder aufnehmen; die Wiederaufnahme von Dopamin hemmt Venlafaxin schwach. An bestimmte Andockstellen (Rezeptoren) für Acetylcholin, Histamin und Adrenalin bindet Venlafaxin in Laborversuchen praktisch nicht, ebenso wenig an Rezeptoren, auf die Opiate oder Benzodiazepine wirken. Die Monoaminoxidase, an der die MAO-Hemmer ansetzen, hemmt Venlafaxin nicht. Embryotox bezeichnet das Abbauprodukt als Desvenlafaxin. Wie Antidepressiva insgesamt wirken, erklärt die Seite Wie wirken Antidepressiva? [2, 3]
Die Retardkapseln enthalten kleine Kügelchen, die den Wirkstoff auf dem Weg durch den Magen-Darm-Trakt langsam abgeben. Die höchsten Blutspiegel von Venlafaxin und O-Desmethylvenlafaxin werden innerhalb von 5,5 bzw. 9 Stunden erreicht. Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert, beträgt im Mittel 5 Stunden für Venlafaxin und 11 Stunden für O-Desmethylvenlafaxin; gleichbleibende Spiegel stellen sich innerhalb von 3 Tagen ein. Venlafaxin wird in der Leber umgebaut, über das Enzym CYP2D6 zum wirksamen Hauptabbauprodukt O-Desmethylvenlafaxin und über CYP3A4 zu einem weniger aktiven Nebenprodukt; ausgeschieden wird es hauptsächlich über die Nieren. [1, 2]
Wie sich Venlafaxin von verwandten Mitteln unterscheidet, zeigen die Vergleiche Venlafaxin oder Duloxetin und Venlafaxin oder Sertralin.
Wann wirkt Venlafaxin und wie lange wird behandelt?
Antidepressiva brauchen laut Packungsbeilage einige Zeit, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger. Brechen Sie die Einnahme nicht ab, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen. Laut Fachinformation sollte die niedrigste wirksame Dosis beibehalten werden. [1, 2]
Veränderungen von Stimmung und Beschwerden können Sie im Stimmungstagebuch festhalten. Mehr zur Dauer steht unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen?, mehr zur Zeit bis zur Wirkung unter Wirkungseintritt.
- BeginnSehr häufig berichtet werden laut Fachinformation Übelkeit, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen und Schwitzen, auch nachts. Quälende innere Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie) tritt am ehesten in den ersten Behandlungswochen auf. Bei einer geringen Zahl von Behandelten wurde über Aggression zu Behandlungsbeginn, bei Dosisänderungen und beim Beenden berichtet. Bei einer Panikstörung beginnt die Behandlung in der ersten Woche mit einer niedrigeren Dosis.[2]
- Erste WirkungAntidepressiva brauchen laut Packungsbeilage einige Zeit, bis sie wirken, gewöhnlich etwa 2 Wochen, manchmal auch länger. Laut Fachinformation sollte die Dosis nur nach einer ärztlichen Beurteilung erhöht werden, weil einige Nebenwirkungen von der Dosis abhängen.[1, 2]
- Wirkung prüfenBei einer Depression soll laut NVL Unipolare Depression ab Erreichen der Standarddosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob sich die Behandlung in Richtung der vereinbarten Ziele entwickelt. Für ältere Menschen nennt die Leitlinie eine Zeit bis zum Wirkungseintritt von bis zu 6 Wochen.[5]
- ErhaltungLaut Fachinformation sollte über einen ausreichend langen Zeitraum behandelt werden, gewöhnlich über mehrere Monate oder länger, und die Behandlung in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Nach dem Abklingen einer Depression (Remission) sollte die Behandlung mindestens sechs Monate fortgesetzt werden. Laut NVL soll empfohlen werden, das Antidepressivum 6 bis 12 Monate über die Remission hinaus in gleicher Dosis weiter einzunehmen.[2, 5]
- Rückfall vorbeugenVenlafaxin ist auch zur Vorbeugung neuer depressiver Episoden zugelassen; laut Fachinformation ist die Dosis dafür in den meisten Fällen die gleiche wie in der akuten Episode. Wer 2 bis 3 oder mehr depressive Episoden und in den letzten 5 Jahren bedeutsame Einschränkungen im Alltag hatte, dem sollte laut NVL empfohlen werden, das Antidepressivum mindestens 2 Jahre lang in der Dosis weiter einzunehmen, die in der Akutbehandlung gewirkt hat.[2, 5]
- AbsetzenDie Behandlung endet nur nach ärztlicher Absprache. Laut Fachinformation sollte ein plötzliches Absetzen vermieden und die Dosis über mindestens ein bis zwei Wochen schrittweise verringert werden; empfohlen wird eine Verringerung über mehrere Wochen oder Monate, entsprechend den Bedürfnissen der behandelten Person, bei einigen Menschen sehr allmählich über Monate oder länger. Am Ende einer Erhaltungstherapie oder einer langfristigen Rückfallvorbeugung (Rezidivprophylaxe) sollte ein Antidepressivum laut NVL über mindestens 8 bis 12 Wochen ausgeschlichen werden, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen. Absetzreaktionen klingen im Allgemeinen innerhalb von 2 Wochen ab, bei einigen Menschen können sie 2 bis 3 Monate oder länger anhalten; bei Dosisänderungen und beim Absetzen wurden auch Suizidgedanken und Aggression beobachtet.[1, 2, 5]
Nebenwirkungen im Blick
Mundtrockenheit gehört zu den sehr häufigen Nebenwirkungen; sie kann das Risiko für Karies erhöhen. Über einen Blutdruckanstieg, der von der Dosis abhängt, wurde häufig berichtet, nach der Markteinführung auch über einige Fälle von stark erhöhtem Blutdruck, der sofort behandelt werden musste. Die Herzfrequenz kann besonders bei höherer Dosierung steigen. [1, 2]
Gewichtszunahme und Gewichtsabnahme sind beide häufig, ebenso ein erhöhter Cholesterinspiegel. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen auch ein verminderter Geschlechtstrieb und ein ausbleibender Orgasmus; in bestimmten Fällen blieben sexuelle Funktionsstörungen nach dem Ende der Behandlung bestehen. Ein zu niedriger Natriumwert im Blut ist selten; laut Fachinformation wurde er meist bei Flüssigkeitsmangel berichtet, bei älteren Menschen und unter Entwässerungsmitteln kann das Risiko erhöht sein. Beim Beenden der Behandlung sind Absetzreaktionen häufig, besonders wenn plötzlich abgesetzt wird; mehr dazu unter Einnahme und Absetzen. [1, 2]
Nebenwirkungen im Blick
Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.
- MüdigkeitSehr häufig
- SchlafstörungenSehr häufig
- Unruhe und NervositätHäufig
- GewichtszunahmeHäufig
- Weniger oder veränderte Lust auf SexHäufig
- ErektionsstörungenHäufig
- MundtrockenheitSehr häufig
- Vermehrtes SchwitzenSehr häufig
- ÜbelkeitSehr häufig
- SchwindelSehr häufig
- ZitternHäufig
- BewegungsstörungenHäufig
- Herzrhythmus und QT-ZeitSelten
- NatriummangelSelten
- Abhängigkeitnicht genannt
- Sitzunruhe (Akathisie)Häufig
"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen von Venlafaxin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de.
Die häufigsten Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Schwindelgefühl, Kopfschmerzen und Schläfrigkeit[1, 2]
- Sehr häufig: Schlaflosigkeit[1, 2]
- Sehr häufig: Übelkeit, Mundtrockenheit und Verstopfung[1, 2]
- Sehr häufig: Schwitzen, auch Nachtschweiß (Hyperhidrose)[1, 2]
- Häufig: Verminderter Appetit[1, 2]
- Häufig: Verwirrtheit; Gefühl, von sich selbst abgetrennt zu sein (Depersonalisation)[1, 2]
- Häufig: Ausbleibender Orgasmus (Anorgasmie) und verminderter Geschlechtstrieb[1, 2]
- Häufig: Erregtheit (Agitiertheit) und Nervosität[1, 2]
- Häufig: Ungewöhnliche Träume[1, 2]
- Häufig: Zittern (Tremor)[1, 2]
- Häufig: Gefühl der Ruhelosigkeit oder Unfähigkeit, stillzusitzen oder stillzustehen (Akathisie)[1, 2]
- Häufig: Kribbeln (Ameisenlaufen, Parästhesien)[1, 2]
- Häufig: Veränderter Geschmack (Dysgeusie)[1, 2]
- Häufig: Erhöhte Muskelspannung (Muskelhypertonie)[1, 2]
- Häufig: Sehstörungen, auch verschwommenes Sehen, erweiterte Pupillen (Mydriasis) und Schwierigkeiten des Auges, zwischen Ferne und Nähe scharfzustellen (Akkommodationsstörungen)[1, 2]
- Häufig: Ohrgeräusche (Tinnitus)[1, 2]
- Häufig: Herzrasen (Tachykardie) und Herzklopfen (Palpitationen)[1, 2]
- Häufig: Blutdruckanstieg[1, 2]
- Häufig: Hitzewallungen[1, 2]
- Häufig: Atemnot (Dyspnoe) und Gähnen[1, 2]
- Häufig: Erbrechen und Durchfall[1, 2]
- Häufig: Milder Hautausschlag und Juckreiz[1, 2]
- Häufig: Häufigeres Wasserlassen (Pollakisurie), verzögertes oder erschwertes Wasserlassen und Harnverhalt[1, 2]
- Häufig: Unregelmäßigkeiten der Menstruation, etwa verstärkte oder unregelmäßige Blutungen (Menorrhagie, Metrorrhagie)[1, 2]
- Häufig: Ejakulations- und Orgasmusstörungen beim Mann sowie Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion)[1, 2]
- Häufig: Erschöpfung (Asthenie), Abgeschlagenheit (Fatigue) und Schüttelfrost[1, 2]
- Häufig: Beim Beenden der Behandlung, vor allem bei plötzlichem Absetzen: Absetzreaktionen, am häufigsten Schwindelgefühl, Empfindungsstörungen wie Kribbeln (Parästhesien), Schlafstörungen (auch Schlaflosigkeit und intensive Träume), Erregtheit oder Angst, Übelkeit oder Erbrechen, Zittern, Kopfschmerzen, grippeähnliche Beschwerden, Sehstörungen und Blutdruckanstieg[1, 2]
- Häufig: Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme[1, 2]
- Häufig: Erhöhter Cholesterinspiegel[1, 2]
Alle Nebenwirkungen von Venlafaxin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Alle Nebenwirkungen von Venlafaxin nach Häufigkeit, auch die seltenen, finden Sie über die Zeile "Weiterführend" unter den Quellen. Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Gewichtszunahme, sexuelle Probleme, Müdigkeit, innere Unruhe (Akathisie), vermehrtes Schwitzen, Herz und QT-Zeit, Natriummangel sowie Blutzucker und Blutfette. Zum Schwitzen und zur Lichtempfindlichkeit der Haut im Sommer: Hitze und Sonne.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Wer depressiv ist oder an Angststörungen leidet, kann manchmal Gedanken daran haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Wenn Sie zum ersten Mal Antidepressiva nehmen, können solche Gedanken verstärkt sein, weil diese Mittel einige Zeit brauchen, bis sie wirken. Sie können auch auftreten, wenn die Dosis von Venlafaxin verringert oder die Behandlung beendet wird. Wahrscheinlicher sind sie bei Menschen, die solche Gedanken schon früher hatten, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf. [1]
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben unter dieser Klasse von Arzneimitteln ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen wie Suizidversuche, Suizidgedanken und Feindseligkeit, vorwiegend Aggressivität, oppositionelles Verhalten und Wut. Tritt bei einem jungen Menschen, der Venlafaxin nimmt, eines dieser Anzeichen auf oder verschlimmert es sich, sollten Sie die Ärztin oder den Arzt benachrichtigen. [1]
Laut Packungsbeilage kann es hilfreich sein, einer Freundin, einem Freund oder Verwandten von der Depression oder Angststörung zu erzählen und darum zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sich aus deren Sicht Ihr Zustand verschlimmert oder wenn sie sich Sorgen über Veränderungen in Ihrem Verhalten machen. Für schwierige Zeiten können Sie einen persönlichen Krisenplan vorbereiten. [1]
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Ändern Sie die Dosis nicht selbst und brechen Sie die Behandlung nicht ohne Rücksprache ab. Belastende Nebenwirkungen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei einer Depression sollen laut NVL Wirkungen und typische Nebenwirkungen aktiv erfragt werden, ausdrücklich auch solche, die Betroffene eher nicht von sich aus ansprechen, zum Beispiel sexuelle Funktionsstörungen. [1, 5]
Spüren Sie in den ersten Behandlungswochen eine Ruhelosigkeit oder können Sie nicht stillsitzen oder stillstehen, teilen Sie das Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit. Laut Fachinformation kann eine Erhöhung der Dosis bei dieser Akathisie schädlich sein. [1, 2]
Weil Mundtrockenheit das Kariesrisiko erhöhen kann, sollten Sie laut Packungsbeilage besonders auf Ihre Zahnhygiene achten. [1]
Laut Fachinformation kann Venlafaxin Urteilsvermögen, Denkvermögen und motorische Fähigkeiten beeinträchtigen. Fahren Sie kein Auto und bedienen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen, bevor Sie wissen, wie Venlafaxin Sie beeinflusst. Beschwerden und Fragen können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch notieren und mit den Fragen fürs Arztgespräch vorbereiten. [1, 2]
Kontrollen während der Behandlung
Laut Fachinformation sollte der Blutdruck vor Beginn geprüft und danach regelmäßig kontrolliert werden; engmaschig überwacht werden sollten Behandelte zu Beginn, nach Dosisanpassungen, bei einer Dosisverringerung und während des Absetzens. Die Zeitpunkte, die die NVL für die Behandlung einer Depression nennt, sind Orientierungswerte, von denen im begründeten Fall abgewichen werden kann. [2, 5]
| Untersuchung | Wann oder warum |
|---|---|
| Befinden, Stimmung und Verhalten | Engmaschig, vor allem zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen, bis eine Besserung eintritt, und ebenso bei einer Dosisverringerung oder während des Absetzens; besonders sorgfältig bei Suizidgedanken oder suizidalem Verhalten in der Vorgeschichte[2] |
| Gespräch über Wirkung, Einnahme und Nebenwirkungen | Bei einer Depression laut NVL in den Monaten 1 bis 3 je zweimal (diese Termine auch telefonisch möglich), in den Monaten 4 bis 6 je einmal, danach vierteljährlich[5] |
| Blutdruck und Puls | Laut Fachinformation sollten alle Behandelten vor Beginn auf Bluthochdruck untersucht und ein bestehender Bluthochdruck eingestellt werden; danach sollte der Blutdruck nach Behandlungsbeginn und nach Dosiserhöhungen regelmäßig kontrolliert werden. Die Herzfrequenz kann besonders bei höherer Dosierung steigen. Bei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat, unter SNRI in hoher Dosierung häufiger[2, 5] |
| EKG (Herzstromkurve) | Bei einer Depression laut NVL für Venlafaxin vor Beginn und im 1. Monat. Bei hohem Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen oder eine verlängerte QT-Zeit sollten laut Fachinformation Nutzen und Risiko vor der Verordnung abgewogen werden[2, 5] |
| Cholesterin | Bei einer Langzeitbehandlung sollte laut Fachinformation eine Bestimmung des Cholesterinspiegels erwogen werden[2] |
| Blutuntersuchungen bei längerer Einnahme | Venlafaxin kann laut Packungsbeilage unbemerkt Blutdruck, Herzfrequenz, Leberwerte, Natrium- oder Cholesterinspiegel verändern und seltener die Funktion der Blutplättchen verringern; die Ärztin oder der Arzt untersucht deshalb eventuell gelegentlich das Blut, vor allem bei längerer Einnahme[1] |
| Blutbild und Nierenwerte (GFR, berechnet aus dem Kreatinin) | Bei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat, danach halbjährlich; bei langfristig stabilem Verlauf können jährliche Kontrollen ausreichen[5] |
| Leberwerte (Leberenzyme) | Bei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat; bei bedeutsamen Begleiterkrankungen oder vielen weiteren Medikamenten zusätzlich in den Monaten 2 bis 5 und danach vierteljährlich[5] |
| Salze im Blut (Elektrolyte, darunter Natrium) | Bei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat, danach halbjährlich (bei langfristig stabilem Verlauf können jährliche Kontrollen ausreichen). Ein Natriummangel wurde laut Fachinformation meist bei Flüssigkeitsmangel berichtet; das Risiko kann bei älteren Menschen und bei Einnahme von Entwässerungsmitteln erhöht sein[2, 5] |
| Körpergewicht | Bei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 3. und im 6. Monat, danach vierteljährlich; bei langfristig stabilem Verlauf können seltenere Kontrollen ausreichen[5] |
| Blutzucker bei Diabetes | Die Behandlung kann die Blutzuckereinstellung beeinflussen; Insulin oder Diabetes-Tabletten müssen möglicherweise angepasst werden[2] |
| Augeninnendruck | Bei erhöhtem Augeninnendruck oder einem Risiko für ein akutes Engwinkelglaukom wird laut Fachinformation eine sorgfältige Überwachung empfohlen[2] |
| Anfälle bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte | Vorsichtiger Beginn und sorgfältige Überwachung; treten Krampfanfälle auf, sieht die Fachinformation das Beenden der Behandlung vor[2] |
| Beobachtung bei gleichzeitiger Einnahme anderer serotonerger Mittel | Sorgfältige Beobachtung, besonders zu Beginn und bei Dosiserhöhungen, wenn Venlafaxin aus ärztlichen Gründen zusammen mit SSRI, SNRI oder Triptanen genommen wird[2] |
Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Was die einzelnen Werte bedeuten, erklärt die Seite Kontrollen während der Behandlung.
Wechselwirkungen
Nicht zusammen mit Venlafaxin eingenommen werden dürfen irreversible MAO-Hemmer gegen Depression oder die Parkinson-Krankheit; die Kombination mit Moclobemid wird laut Fachinformation nicht empfohlen, das Antibiotikum Linezolid sollte nicht angewendet werden. Zusammen mit anderen Mitteln, die auf Serotonin wirken, etwa Triptanen gegen Migräne, anderen Antidepressiva, Lithium, Opioiden wie Tramadol oder Johanniskraut, kann ein Serotonin-Syndrom auftreten. Die gleichzeitige Einnahme von Mitteln, die die QT-Zeit verlängern, sollte laut Fachinformation vermieden werden, weil das Risiko für Herzrhythmusstörungen steigt. [1, 2]
Venlafaxin ist weder allein noch in Kombination zur Gewichtsabnahme zugelassen, und die Kombination mit Mitteln zum Abnehmen wird laut Fachinformation nicht empfohlen. Nach der Markteinführung wurde über ungewollte Schwangerschaften bei Personen berichtet, die während der Behandlung orale Verhütungsmittel (die Pille) nahmen; eindeutige Beweise, dass eine Wechselwirkung mit Venlafaxin die Ursache war, gibt es nicht, Studien dazu wurden nicht durchgeführt. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Verhütung. [2]
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Irreversible MAO-Hemmer (gegen Depression oder Parkinson) | Schwere oder lebensbedrohliche Nebenwirkungen, Serotonin-Syndrom[1, 2] | Kombination nicht erlaubt; Abstand mindestens 14 Tage vor Beginn und mindestens 7 Tage nach Ende von Venlafaxin |
| Moclobemid (reversibler MAO-Hemmer) und das Antibiotikum Linezolid | Risiko für ein Serotonin-Syndrom[1, 2] | Laut Fachinformation nicht empfohlen bzw. nicht anwenden |
| Andere serotonerg wirkende Mittel: Triptane, andere Antidepressiva (SSRI, SNRI, trizyklische), Lithium, Amphetamine, Sibutramin, Opioide (z. B. Tramadol, Fentanyl, Buprenorphin, Tapentadol, Pethidin, Pentazocin, Methadon), Dextromethorphan, Methylenblau, Johanniskraut, Tryptophan, Antipsychotika | Risiko für ein Serotonin-Syndrom[1, 2] | Nur nach ärztlicher Entscheidung kombinieren |
| Mittel, die den Herzrhythmus beeinflussen: Antiarrhythmika (z. B. Chinidin, Amiodaron, Sotalol, Dofetilid), Thioridazin, Erythromycin, Moxifloxacin, einige Antihistaminika | Höheres Risiko für QT-Verlängerung und Herzrhythmusstörungen[1, 2] | Ärztin oder Arzt unbedingt informieren |
| Ketoconazol und andere CYP3A4-Hemmer (z. B. Clarithromycin, Itraconazol, Voriconazol, Posaconazol, Ritonavir) | Venlafaxin-Spiegel im Blut können steigen[1, 2] | Nur mit Vorsicht anwenden |
| Haloperidol oder Risperidon (gegen psychiatrische Erkrankungen) | Höhere Haloperidol-Spiegel; bei Risperidon höhere Werte des Wirkstoffs ohne wesentliche Änderung des wirksamen Gesamtanteils; klinische Bedeutung jeweils nicht bekannt[1, 2] | Nur mit Vorsicht anwenden |
| Metoprolol (Betablocker) | Metoprolol-Spiegel im Blut steigen[1, 2] | Nur mit Vorsicht anwenden |
| Blutgerinnungshemmer (z. B. Warfarin) und Thrombozytenaggregationshemmer | Erhöhtes Blutungsrisiko[1, 2] | Vorher mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren.
Wer Venlafaxin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Nicht anwenden bei
- Allergie gegen Venlafaxin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
- Gleichzeitige Einnahme von irreversiblen Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmer, gegen Depression oder Parkinson) oder Einnahme in den letzten 14 Tagen; nach dem Ende der Venlafaxin-Einnahme mindestens 7 Tage warten, bevor ein solcher MAO-Hemmer eingenommen wird[1, 2]
Besondere Vorsicht bei
- Augenerkrankungen wie bestimmte Formen eines Glaukoms (erhöhter Augeninnendruck)[1, 2]
- Bluthochdruck in der Vorgeschichte; laut Fachinformation den Blutdruck vor Beginn einstellen und danach regelmäßig kontrollieren[1, 2]
- Herzbeschwerden oder Herzrhythmusstörungen, auch ein kürzlich zurückliegender Herzinfarkt[1, 2]
- Krampfanfälle in der Vorgeschichte[1, 2]
- Niedriger Natriumwert im Blut in der Vorgeschichte; laut Fachinformation höheres Risiko im Alter, mit Entwässerungsmitteln und bei Flüssigkeitsmangel[1, 2]
- Neigung zu blauen Flecken oder Blutungen, blutverdünnende Arzneimittel (z. B. Warfarin) oder Schwangerschaft[1, 2]
- Manie oder bipolare Störung in der eigenen Vorgeschichte oder in der Familie[1, 2]
- Aggressives Verhalten in der Vorgeschichte[1, 2]
- Diabetes: Der Blutzucker kann sich verändern; die Dosis von Diabetes-Arzneimitteln muss möglicherweise angepasst werden[1, 2]
- Leber- oder Nierenprobleme: Eine andere Dosierung kann erforderlich sein[1, 2]
- Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Kapseln enthalten Saccharose; nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen[1, 2]
- Unter 18 Jahren: normalerweise nicht anwenden; erhöhtes Risiko für Suizidversuche, Suizidgedanken und Feindseligkeit[1, 2]
- Ruhelosigkeit oder Unfähigkeit stillzusitzen (Akathisie) in den ersten Wochen der Ärztin oder dem Arzt mitteilen[1, 2]
- Sexuelle Funktionsstörungen können nach dem Behandlungsende bestehen bleiben[1, 2]
- Mundtrockenheit kann das Kariesrisiko erhöhen: auf die Zahnpflege achten[1, 2]
- Urin-Schnelltests auf Phencyclidin (PCP) und Amphetamine können falsch positiv ausfallen, auch Tage nach dem Absetzen[2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Trinken Sie laut Packungsbeilage keinen Alkohol, während Sie mit Venlafaxin behandelt werden; die Fachinformation begründet das unter anderem mit möglichen dämpfenden Wechselwirkungen im zentralen Nervensystem. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2]
Ob Sie Auto fahren können, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; laut Fachinformation sollten Behandelte gewarnt werden, dass Venlafaxin ihre Fähigkeit einschränken kann, ein Fahrzeug zu führen. [2] Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [12] Die Ausnahme in § 24a Abs. 4 StVG für Stoffe, die aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrühren, bezieht sich nur auf bestimmte Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG. [11] Mehr dazu unter Psychopharmaka und Autofahren.
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Venlafaxin in der Schwangerschaft als sehr hoch an und nennt Sertralin und Citalopram bzw. Escitalopram als besser geeignete Alternativen; eine stabile Einstellung auf Venlafaxin kann laut Embryotox fortgesetzt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [3] Venlafaxin geht in die Muttermilch über, und es besteht das Risiko einer Wirkung auf das Kind; laut Packungsbeilage sollten Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, die oder der dann entscheidet, ob Sie das Stillen oder die Behandlung beenden sollten. Embryotox hält Stillen bei alleiniger Behandlung mit Venlafaxin und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel. [1, 3] Allgemeines dazu unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit.
Schwangerschaft
Nur nach Besprechung von Nutzen und Risiken für das ungeborene Kind mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt einnehmen; Hebamme und Arzt sollen von der Einnahme wissen. Laut Fachinformation fehlen hinreichende Daten zur Anwendung bei Schwangeren.[1, 2]
Nach Einnahme während der Schwangerschaft können beim Kind nach der Geburt Schwierigkeiten beim Atmen und bei der Nahrungsaufnahme auftreten; laut Fachinformation sind bei Anwendung bis zur oder kurz vor der Geburt beim Neugeborenen Absetzerscheinungen möglich. Ähnliche Mittel (SSRI) können, besonders spät in der Schwangerschaft, einen Lungenhochdruck des Neugeborenen (PPHN) auslösen: schnelle Atmung und bläuliche Haut, dann sofort Hebamme oder Arzt verständigen. Gegen Ende der Schwangerschaft kann das Risiko für schwere Blutungen kurz nach der Geburt steigen.[1, 2]
Laut Embryotox ergab die Auswertung von mehr als 4.000 Schwangerschaften keinen Hinweis auf ein erhöhtes Gesamtfehlbildungsrisiko. Bei einer Neueinstellung sollten laut Embryotox zunächst die am besten untersuchten Antidepressiva Sertralin, Citalopram oder Escitalopram geprüft werden; eine stabile Einstellung auf Venlafaxin kann fortgesetzt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Venlafaxin geht in die Muttermilch über; ein Risiko für das Kind ist möglich (berichtet wurden Schreien, Unruhe und unnormales Schlafverhalten). Besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; sie oder er entscheidet dann, ob Sie abstillen oder die Behandlung beenden sollten.[1, 2]
Laut Embryotox wurden bei den meisten gestillten Kindern keine unerwünschten Wirkungen beobachtet; Stillen ist bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Kein Alkohol während der Behandlung: Er kann zu extremer Müdigkeit und Bewusstlosigkeit führen und die Beschwerden verschlimmern.[1, 2]
Autofahren und Maschinen
Fahren Sie kein Auto und bedienen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen, bevor Sie wissen, wie Venlafaxin Sie beeinflusst. Laut Fachinformation kann Venlafaxin Urteilsvermögen, Denkvermögen und motorische Fähigkeiten beeinträchtigen.[1, 2]
Anwendung
Täglich etwa zur gleichen Zeit, morgens oder abends, mit einer Mahlzeit; Kapseln im Ganzen mit Flüssigkeit schlucken, nicht öffnen, zerdrücken, zerkauen oder auflösen. Weiße Kügelchen im Stuhl sind leere Hüllen, der Wirkstoff wurde aufgenommen.[1, 2]
Dosis vergessen: nachholen, sobald es Ihnen auffällt; ist es schon Zeit für die nächste Dosis, die vergessene auslassen. Nicht die doppelte Menge einnehmen.[1]
Absetzen
Nicht ohne Rücksprache abbrechen oder die Dosis verringern, auch wenn es Ihnen besser geht. Die Ärztin oder der Arzt sagt Ihnen, wie Sie schrittweise beenden; das kann mehrere Wochen oder Monate dauern, bei manchen Menschen länger. Mögliche Absetzerscheinungen sind unter anderem Suizidgedanken, Aggressivität, Schwindelgefühl, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kribbeln oder selten stromschlagähnliche Empfindungen und erhöhter Blutdruck.[1]
Laut Fachinformation häufig, besonders bei plötzlichem Absetzen. Die Beschwerden beginnen normalerweise in den ersten Tagen und klingen im Allgemeinen innerhalb von 2 Wochen ab, bei einigen Menschen können sie 2 bis 3 Monate oder länger anhalten.[2]
Überdosierung
Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen. Mögliche Zeichen sind schneller Herzschlag, Schläfrigkeit bis Koma, verschwommenes Sehen, Krampfanfälle und Erbrechen.[1, 2]
Einnahme und Absetzen
Brechen Sie die Behandlung nicht ab und verringern Sie die Dosis nicht ohne Rücksprache, auch wenn Sie sich besser fühlen. Laut Fachinformation sollte ein plötzliches Absetzen vermieden werden; empfohlen wird, die Dosis über mehrere Wochen oder Monate schrittweise zu verringern, entsprechend den Bedürfnissen der behandelten Person. Wie lange das dauert, kann von der Dosis, der Behandlungsdauer und dem einzelnen Menschen abhängen. [1, 2]
Absetzreaktionen sind bei Antidepressiva bekannt, ihre Auswirkungen können langwierig und schwerwiegend sein. Laut Fachinformation werden unter anderem Schwindelgefühl, Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Schlafstörungen einschließlich Schlaflosigkeit und intensiver Träume, Übelkeit, Kopfschmerzen, Sehbeeinträchtigung und Blutdruckanstieg am häufigsten berichtet. Die Beschwerden beginnen normalerweise in den ersten Tagen nach dem Absetzen, in sehr seltenen Fällen schon nach einer versehentlich ausgelassenen Dosis; im Allgemeinen sind sie leicht bis mäßig, bei einigen Menschen können sie aber schwerwiegend sein. [2]
Während Änderungen der Dosis, auch während des Absetzens, wurden Suizidgedanken und Aggression beobachtet; laut Fachinformation sollten Behandelte deshalb bei einer Dosisverringerung und während des Absetzens engmaschig überwacht werden. Haben Sie in dieser Zeit Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf. [1, 2]
Treten nach einer Dosisverringerung oder nach dem Absetzen stark beeinträchtigende Absetzerscheinungen auf, sollte laut Fachinformation erwogen werden, die zuletzt eingenommene Dosis erneut einzunehmen und sie danach nach ärztlicher Anweisung in kleineren Schritten zu verringern. Die NVL ordnet das Risiko für Absetzsymptome bei Venlafaxin als hoch ein. Bei einer Depression sollen Behandelte laut NVL schon vor Beginn über mögliche Absetzsymptome und eine Rebound-Depression aufgeklärt werden, also ein rasches Wiederauftreten der Depression nach dem Absetzen; nach der letzten Einnahme soll der regelmäßige Kontakt mindestens 6 Monate weitergehen. Ausführlich: Antidepressiva absetzen und Absetzsymptome. [2, 5]
Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation
Die Packungsbeilage nennt Anfangs- und Höchstdosis getrennt nach Anwendungsgebiet; bei der Panikstörung beginnt die Behandlung mit einer niedrigeren Dosis, die danach schrittweise erhöht wird. Bei Leber- oder Nierenproblemen kann eine andere Dosierung erforderlich sein; teilen Sie sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit. Die Angabe zu älteren Menschen stammt aus der Fachinformation. [1, 2]
Präparate mit Venlafaxin
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Trevilor retard | Viatris Healthcare GmbH | verschreibungspflichtig |
| Venlafaxin - 1 A Pharma | 1 A Pharma GmbH | verschreibungspflichtig |
| Venlafaxin Aurobindo | PUREN Pharma GmbH & Co. KG | verschreibungspflichtig |
| Venlafaxin-ratiopharm | ratiopharm GmbH | verschreibungspflichtig; Hartkapseln, retardiert (Grundlage dieser Seite), außerdem Retardtabletten mit eigener Packungsbeilage |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 10.10.2026
- Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 10.10.2026
- Embryotox: Venlafaxin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
- Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 75 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 16.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Kurzfassung, Version 3.2. NVL-Programm von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023. abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Venlafaxin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Häufige Fragen
Ab wann wirkt Venlafaxin?
Laut Packungsbeilage brauchen Antidepressiva einige Zeit, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger. Bei einer Depression soll laut NVL nach Erreichen der üblichen Dosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam geprüft werden, ob die Behandlung wirkt; für ältere Menschen nennt die Leitlinie bis zu 6 Wochen bis zum Wirkungseintritt. Laut Fachinformation sollte die Dosis nur nach einer ärztlichen Beurteilung erhöht werden, weil einige Nebenwirkungen von der Dosis abhängen.
Kann man mit Venlafaxin zunehmen?
Ja, Gewichtszunahme gehört laut Packungsbeilage zu den häufigen Nebenwirkungen, ebenso Gewichtsabnahme; beides kann also jeweils bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen. Häufig ist auch ein verminderter Appetit. Bei einer Depression soll laut NVL unter anderem das Körpergewicht vor Beginn und im Verlauf kontrolliert werden. Sprechen Sie Veränderungen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.
Wie hoch ist die Dosis von Venlafaxin?
Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Was die Packungsbeilage je nach Anwendungsgebiet als Anfangs- und Höchstdosis nennt, steht im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation" auf dieser Seite. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Wie setzt man Venlafaxin ab?
Nur nach Rücksprache: Brechen Sie die Behandlung nicht ab und verringern Sie die Dosis nicht selbst, auch wenn es Ihnen besser geht. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sagt Ihnen, wie Sie schrittweise beenden; laut Packungsbeilage kann das mehrere Wochen oder Monate dauern, bei manchen Menschen muss es möglicherweise sehr langsam über Monate oder länger geschehen. Absetzreaktionen klingen laut Fachinformation im Allgemeinen innerhalb von 2 Wochen ab, bei einigen Menschen können sie 2 bis 3 Monate oder länger anhalten.
Darf ich mit Venlafaxin Alkohol trinken?
Nein. Die Packungsbeilage sagt: Trinken Sie keinen Alkohol, während Sie mit Venlafaxin behandelt werden. Zusammen kann das zu extremer Müdigkeit und Bewusstlosigkeit führen, und Alkohol kann die Beschwerden einer Depression oder Angststörung verschlimmern.
Macht Venlafaxin müde?
Das ist möglich: Schläfrigkeit gehört laut Packungsbeilage zu den sehr häufigen Nebenwirkungen, Erschöpfung und Abgeschlagenheit zu den häufigen. Ebenfalls sehr häufig ist aber Schlaflosigkeit. Laut Fachinformation kann Venlafaxin Urteilsvermögen, Denkvermögen und motorische Fähigkeiten beeinträchtigen; fahren Sie kein Auto und bedienen Sie keine Maschinen, bevor Sie wissen, wie Venlafaxin Sie beeinflusst.
Welche Nebenwirkungen hat Venlafaxin am Herz?
Blutdruckanstieg, Herzrasen und Herzklopfen gehören laut Packungsbeilage zu den häufigen Nebenwirkungen; selten ist ein abnormer, schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, der zur Ohnmacht führen kann. Laut Fachinformation sollte der Blutdruck vor Beginn geprüft und nach Behandlungsbeginn und Dosiserhöhungen regelmäßig kontrolliert werden. Bei einer Depression soll laut NVL bei Venlafaxin vor Beginn und im ersten Monat ein EKG geschrieben werden. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie Herzbeschwerden oder Herzrhythmusstörungen haben.
Darf ich Venlafaxin in der Schwangerschaft nehmen?
Laut Packungsbeilage sollten Sie Venlafaxin nur einnehmen, nachdem Sie den möglichen Nutzen und die möglichen Risiken für Ihr ungeborenes Kind mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen haben. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit "sehr hoch" an; bei einer Neueinstellung sollte laut Embryotox zunächst geprüft werden, ob die am besten untersuchten Antidepressiva Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram eingesetzt werden können, eine stabile Einstellung auf Venlafaxin kann fortgesetzt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
-
-
Medikamente OpipramolOpipramol ist ein Mittel gegen Angst und Anspannung, verwandt mit trizyklischen Antidepressiva.
-