AlltagRatgeber
Psychopharmaka in der Stillzeit
Viele Psychopharmaka gehen in die Muttermilch über; Embryotox hält Stillen bei einer Reihe von Mitteln trotzdem für akzeptabel, meist unter der Bedingung, dass nur dieses eine Mittel eingenommen und das Kind gut beobachtet wird. Die Packungsbeilagen raten teils vom Stillen ab, etwa bei Citalopram, Lithium und Valproat. Ob Sie stillen, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; Kinderärztin oder Kinderarzt und Hebamme sollten von der Behandlung wissen.

Antidepressiva gehen laut Embryotox in gewissem Umfang in die Muttermilch über und werden auf diese Weise vom Stillkind aufgenommen [3]. Ob Stillen trotzdem in Frage kommt, beschreibt Embryotox auf seinen Arzneimittelseiten anhand veröffentlichter Erfahrungen mit Mutter-Kind-Paaren und gibt jeweils eine Empfehlung [8, 10, 13]. Packungsbeilagen und Fachinformationen derselben Wirkstoffe kommen zum Stillen teils zu anderen Aussagen, so etwa bei Citalopram [9, 21].
Stillende Mütter kann Embryotox nach eigenen Angaben aus Kapazitätsgründen nicht beraten. Embryotox bittet Stillende, sich an ihre Kinderärztin oder ihren Kinderarzt, ihre Gynäkologin oder ihren Gynäkologen, die Hebamme, eine Stillberaterin oder die Apotheke zu wenden und das Fachpersonal auf das Beratungsangebot von Embryotox für Fachkreise hinzuweisen [1]. Laien dürfen die Informationen der Plattform laut Embryotox nicht als Grundlage für eigenmächtige Entscheidungen verwenden [2].
Was beim Stillen unter Psychopharmaka allgemein gilt
Immer wenn während einer Behandlung mit Psychopharmaka gestillt wird, sollten laut Embryotox die Kinderärztin oder der Kinderarzt und die betreuende Hebamme informiert sein, um gemeinsam mit den Eltern eine gute Beobachtung des Kindes zu gewährleisten. Treten beim gestillten Kind neue Beschwerden auf, die sich nicht anders erklären lassen, etwa starke Müdigkeit (Sedierung), Magen-Darm-Beschwerden, Trinkschwäche oder Unruhe, kann im Blut des Kindes der Spiegel des mütterlichen Medikaments gemessen werden; er gibt Aufschluss darüber, ob und in welchem Ausmaß das Kind wirksame Mengen aufgenommen hat [3]. Bei Antipsychotika muss laut Embryotox grundsätzlich eine zuverlässige und verantwortungsvolle Betreuung und Beobachtung des Stillkindes gewährleistet sein [4].
Die Stillzeiten an den Einnahmezeitpunkt eines Antidepressivums anzupassen, um die Menge für das Kind zu verringern, ist laut Embryotox wegen der Eigenschaften dieser Mittel in der Regel nicht möglich oder nicht sinnvoll [3]. Eine Behandlung mit mehreren Psychopharmaka beurteilt Embryotox kritischer, sie schließt das Stillen aber nicht unbedingt aus; gegebenenfalls kann Teilstillen mit Zufüttern erwogen werden, zumal Müttern mit depressiven Erkrankungen das Stillen oft sehr wichtig ist [3]. Wird ein Mittel in der Stillzeit neu begonnen, sollten bei Angsterkrankungen laut Embryotox nach Möglichkeit Substanzen eingesetzt werden, die für die Stillzeit ein günstiges Sicherheitsprofil gezeigt haben und gegebenenfalls auch für eine weitere Schwangerschaft geeignet sind [6]. Setzen Sie ein Psychopharmakon nicht eigenmächtig ab, um stillen zu können; besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Stillen nach Gruppen

Was für Ihr Präparat gilt, steht in seiner Packungsbeilage und auf der jeweiligen Wirkstoffseite im Abschnitt Alltag.
Antidepressiva
Bei einer bereits bestehenden Behandlung mit nur einem Antidepressivum ist es laut Embryotox in den meisten Fällen möglich, die Medikation unverändert fortzuführen und voll zu stillen [3]. Bei einer Neueinstellung in der Stillzeit sollten laut Embryotox Antidepressiva vorgezogen werden, die nur in geringem Umfang über die Muttermilch zum Kind gelangen und sich im Körper des Kindes nicht anreichern; unter den SSRI trifft das zum Beispiel auf Sertralin und Citalopram oder Escitalopram zu, unter den beruhigend (sedierend) wirkenden Antidepressiva zum Beispiel auf Amitriptylin und Mirtazapin [3]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Zu Sertralin liegen laut Embryotox sehr umfangreiche Erfahrungen mit etwa 300 stillenden Müttern vor. Bei den meisten gestillten Kindern wurden keine unerwünschten Wirkungen beobachtet, vereinzelt gibt es Berichte über Müdigkeit, Unruhe, Durchfall, Koliken oder Trinkschwäche; Embryotox zählt Sertralin zu den Antidepressiva der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit [8]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Packungsbeilage geht Sertralin in die Muttermilch über und sollte von stillenden Frauen nur angewendet werden, wenn der Nutzen nach ärztlichem Ermessen größer ist als das mögliche Risiko für den Säugling [20].
Unter Citalopram darf laut Embryotox gestillt werden; Erfahrungen liegen zu etwa 110 stillenden Müttern vor, und bei einer Neueinstellung kann Sertralin vorgezogen werden, wenn es im Einzelfall vergleichbar wirksam und verträglich ist [9]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Packungsbeilage von Citalopram sagt dagegen, Sie sollten Ihr Baby während der Einnahme nicht stillen, weil Citalopram in geringen Mengen in die Muttermilch übergeht, und fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat [21].
Für Johanniskraut, eines der pflanzlichen Psychopharmaka, liegen laut Embryotox veröffentlichte Erfahrungen zu mehr als 30 Mutter-Kind-Paaren vor. Stillen ist bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel; mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sollten auch in der Stillzeit beachtet werden [19].
Antipsychotika
Für Quetiapin liegen laut Embryotox veröffentlichte Erfahrungen zu einem guten Dutzend Mutter-Kind-Paaren vor; Stillen ist bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel [10]. Laut Fachinformation von Quetiapin muss entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung unterbrochen wird; dabei sind der Nutzen des Stillens für das Kind und der Nutzen der Behandlung für die Frau zu berücksichtigen [22]. Zu Olanzapin gibt es laut Embryotox Erfahrungen mit mehr als 150 Mutter-Kind-Paaren. Bei den meisten gestillten Kindern wurden keine unerwünschten Wirkungen beobachtet, in einigen Fällen kam es zu Schläfrigkeit, auch über Zittern und Übererregbarkeit wurde berichtet; Embryotox hält Stillen bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel [11].
Bei Clozapin stützen sich die Erfahrungen laut Embryotox auf wenige Fallberichte. Weil das Risiko einer Agranulozytose beim Kind nicht völlig auszuschließen ist, beurteilt Embryotox das Stillen eher kritisch; im Einzelfall kann es bei alleiniger Behandlung, eher niedriger Dosis und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel sein. Bei möglichen Zeichen einer Agranulozytose beim Kind, etwa grippeähnlichen Beschwerden oder Infektionen der Schleimhäute, ist sofort eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt aufzusuchen [12]. Was eine Agranulozytose ist, erklärt die Seite Blutbildveränderungen.
Stimmungsstabilisierer
Zu Lithium liegen laut Embryotox veröffentlichte Erfahrungen zu mehr als 30 Mutter-Kind-Paaren vor. Über das Stillen sollte im Einzelfall entschieden werden, auch Varianten des Teilstillens kommen in Betracht; bei genauer Beobachtung des Säuglings auf Muskelspannung, Zittern, unwillkürliche Bewegungen, Blaufärbung der Haut und Austrocknung und bei möglichst niedriger Lithiumdosis der Mutter ist laut Embryotox eine Fortsetzung des Stillens im Einzelfall akzeptabel [13]. Säuglinge können besonders leicht austrocknen, etwa bei Fieber oder Trinkschwäche, und dann kann ihr Lithiumspiegel schnell in giftige Bereiche steigen; gegebenenfalls sollte der Spiegel beim Säugling bestimmt werden, besonders bei neu auftretenden Beschwerden [13].
Laut österreichischer Packungsbeilage sollte dagegen während der Einnahme abgestillt werden, laut österreichischer Fachinformation sollte die Mutter nicht stillen, es sei denn, der mögliche Nutzen überwiegt die möglichen Gefahren für das Kind [23, 24]. Nach der deutschen Fachinformation soll die Muttermilch in den ersten zwei Lebenswochen abgepumpt und verworfen werden, wenn das Präparat nach der Geburt eingenommen wird; beim Säugling ist auf Vergiftungszeichen wie schlaffe Muskeln, Blaufärbung der Haut, Teilnahmslosigkeit und EKG-Veränderungen zu achten, und eine Austrocknung ist unbedingt zu vermeiden [25].
Zu Lamotrigin gibt es laut Embryotox veröffentlichte Erfahrungen mit etwa 120 Mutter-Kind-Paaren, die allermeisten gestillten Kinder waren unauffällig. Stillen erscheint laut Embryotox bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel, wenn in Kauf genommen wird, dass das Kind unter Umständen wirksame Lamotrigin-Spiegel aufbaut [14]. Zu Carbamazepin liegen Erfahrungen mit mehr als 100 Mutter-Kind-Paaren vor; Stillen ist laut Embryotox bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel, wobei das fruchtschädigende Risiko einer nächsten Schwangerschaft unter Carbamazepin bedacht werden muss [16].
Zu Valproinsäure liegen laut Embryotox Erfahrungen mit mehr als 50 Mutter-Kind-Paaren vor. Stillen ist bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel; dabei muss laut Embryotox unbedingt das fruchtschädigende Risiko einer nächsten Schwangerschaft unter Valproat bedacht werden [15]. Laut Packungsbeilage sollen Sie dagegen nicht stillen, während Sie Valproat einnehmen, und Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat fragen; Valproat geht laut Packungsbeilage in die Muttermilch über, und bei gestillten Kindern behandelter Mütter wurden Erkrankungen des Blutes festgestellt. Laut Fachinformation muss unter Berücksichtigung des Nutzens des Stillens für das Kind und des Nutzens der Behandlung für die Frau entschieden werden, ob das Stillen unterbrochen oder auf Valproat verzichtet wird [26, 27]. Mehr zur Verhütung steht unter Verhütung und Psychopharmaka.
Beruhigungs- und Schlafmittel
Zu Lorazepam, einem der Benzodiazepine, liegen laut Embryotox veröffentlichte Erfahrungen zu mehr als 100 Mutter-Kind-Paaren vor; die meisten gestillten Kinder waren unauffällig. Nach einzelnen Dosen zur Akutbehandlung muss laut Embryotox keine Stillpause eingehalten werden, bei einer Langzeitbehandlung ist Stillen bei alleiniger Einnahme und niedriger Dosierung akzeptabel [17]. Wegen des hohen Abhängigkeitspotenzials, das sich laut Embryotox schon nach wenigen Wochen und auch bei therapeutischen Dosen entwickeln kann, sollte Lorazepam nur kurzfristig eingesetzt werden [17].
ADHS-Medikamente
Das Stillen eines gesunden Kindes unter Methylphenidat, einem der ADHS-Medikamente, ist laut Embryotox bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung akzeptabel; volles Stillen während der Einnahme von Amfetaminen oder Atomoxetin ist dagegen kritisch zu beurteilen [7]. Zu Methylphenidat liegen laut Embryotox Erfahrungen zu 9 Mutter-Kind-Paaren vor, nicht alle Kinder wurden voll gestillt; auf der Arzneimittelseite hält Embryotox Stillen unter Vorbehalt für akzeptabel und rät, besonders auf eine reguläre Gewichtszunahme des Kindes zu achten [18].
Schlaf, Stillen und Rückfallgefahr
Volles Stillen trägt laut Embryotox zu Schlafmangel nach der Geburt bei, und insbesondere Schlafmangel erhöht bei Frauen mit bipolaren Störungen nachweislich das Rückfallrisiko. Ganz unabhängig von der Medikation kann laut Embryotox deshalb für Mütter mit bipolarer oder psychotischer Erkrankung eine Mischform aus Stillen und Zufüttern sinnvoll sein, bei der nachts zum Beispiel der Partner das Kind versorgt [4, 5].
Die meisten Wochenbettpsychosen, zu denen auch Manien nach der Geburt gerechnet werden, beginnen laut Embryotox innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt; Frauen mit psychotischen Erkrankungen in der Vorgeschichte sind nach der Entbindung besonders rückfallgefährdet [4, 5]. Nach einer depressiven Vorerkrankung ist laut Embryotox eine Depression nach der Geburt wahrscheinlicher [3]. Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid gehören laut NVL Unipolare Depression zu den Zusatzsymptomen einer depressiven Episode [28]. Die Packungsbeilage von Sertralin fordert dazu auf, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen oder unverzüglich ein Krankenhaus aufzusuchen, wenn Gedanken auftreten, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen [20]. In einer akuten Krise erreichen Sie Hilfe unter diesen Nummern.
Mehr unter Wochenbettdepression und Hilfe in der Krise; wen Sie in einer Krise anrufen, halten Sie im Krisenplan fest.
Was Sie tun können
Sagen Sie der Kinderärztin oder dem Kinderarzt und Ihrer Hebamme, welche Psychopharmaka Sie nehmen [3]. Treten beim gestillten Kind sonst nicht erklärbare Zeichen wie Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollte es laut Embryotox in einer kinderärztlichen Praxis vorgestellt werden [8]. Fragen zu einem bestimmten Mittel klären Sie in der Stillzeit mit der Kinderarztpraxis, der Frauenarztpraxis, der Hebamme, einer Stillberatung oder der Apotheke; an diese Stellen verweist Embryotox Stillende ausdrücklich [1, 2]. Eine Übersicht über alle Mittel gibt der Medikationsplan, Ihre Fragen können Sie mit den Fragen fürs Arztgespräch vorbereiten. Was schon in der Schwangerschaft gilt, steht unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft.
Quellen
- Embryotox: Beratung (Online-Fragebögen und telefonische Beratung). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 22.10.2026. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Hinweise (Beim Lesen der Internetplattform bitte unbedingt beachten). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 04.04.2025. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Depressive Krankheitsbilder. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Psychosen. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Bipolare affektive Störung. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Angsterkrankungen. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Sertralin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Citalopram. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Quetiapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Olanzapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Clozapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Lithiumsalze. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Lamotrigin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Valproinsäure. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Carbamazepin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Lorazepam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Methylphenidat. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Johanniskraut. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Deutschland). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber). Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg/500 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Welche Antidepressiva sind in der Stillzeit möglich?
Wer bereits mit nur einem Antidepressivum behandelt wird, kann es laut Embryotox in den meisten Fällen unverändert weiter einnehmen und voll stillen. Für eine Neueinstellung nennt Embryotox Mittel, die nur in geringem Umfang über die Muttermilch zum Kind gelangen, zum Beispiel Sertralin und Citalopram oder Escitalopram sowie die beruhigend wirkenden Mittel Amitriptylin und Mirtazapin; sie sollten laut Embryotox vorgezogen werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Packungsbeilagen kommen teils zu anderen Aussagen; die von Citalopram etwa rät vom Stillen ab.
Darf ich mit Sertralin stillen?
Embryotox zählt Sertralin zu den Antidepressiva der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit und stützt sich auf Erfahrungen mit etwa 300 stillenden Müttern. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Packungsbeilage geht Sertralin in die Muttermilch über und sollte von stillenden Frauen nur angewendet werden, wenn der Nutzen nach ärztlicher Einschätzung größer ist als das mögliche Risiko für den Säugling. Treten beim Kind neue, sonst nicht erklärbare Zeichen wie Trinkschwäche oder Unruhe auf, sollte es laut Embryotox kinderärztlich vorgestellt werden.
Muss ich abstillen, wenn ich Psychopharmaka nehme?
Nicht unbedingt. Bei vielen Psychopharmaka hält Embryotox Stillen bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes für akzeptabel, bei einigen nur unter Vorbehalt oder eher kritisch, etwa bei Clozapin. Packungsbeilagen und Fachinformationen raten teils vom Stillen ab oder verlangen eine Abwägung durch die Ärztin oder den Arzt. Auch Teilstillen mit Zufüttern kann laut Embryotox erwogen werden. Was für Ihr Mittel gilt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Darf ich mit Lithium stillen?
Laut Embryotox sollte darüber im Einzelfall entschieden werden; bei genauer Beobachtung des Kindes und möglichst niedriger Dosis der Mutter ist eine Fortsetzung des Stillens im Einzelfall akzeptabel, auch Teilstillen kommt in Betracht. Säuglinge können leicht austrocknen, etwa bei Fieber, und dann kann ihr Lithiumspiegel schnell in giftige Bereiche steigen. Die österreichische Packungsbeilage rät zum Abstillen, die deutsche Fachinformation zum Abpumpen und Verwerfen der Milch in den ersten zwei Lebenswochen.
Kann ich mit ADHS-Medikamenten stillen?
Unter Methylphenidat ist das Stillen eines gesunden Kindes laut Embryotox bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung akzeptabel, auf der Arzneimittelseite unter Vorbehalt, und besonders auf eine reguläre Gewichtszunahme des Kindes sollte geachtet werden. Volles Stillen unter Amfetaminen oder Atomoxetin beurteilt Embryotox kritisch. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie etwas an der Behandlung ändern.
Was gilt für Beruhigungsmittel in der Stillzeit?
Für Lorazepam liegen laut Embryotox Erfahrungen zu mehr als 100 Mutter-Kind-Paaren vor. Nach einzelnen Dosen zur Akutbehandlung ist keine Stillpause nötig, bei einer Langzeitbehandlung hält Embryotox Stillen bei alleiniger Einnahme und niedriger Dosierung für akzeptabel. Wegen des hohen Abhängigkeitspotenzials sollte Lorazepam laut Embryotox nur kurzfristig eingesetzt werden.
Sind pflanzliche Antidepressiva in der Stillzeit möglich?
Für Johanniskraut liegen laut Embryotox Erfahrungen zu mehr als 30 Mutter-Kind-Paaren vor; Stillen ist bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel. Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sollten laut Embryotox auch in der Stillzeit beachtet werden. Treten beim Kind sonst nicht erklärbare Zeichen wie starke Müdigkeit, Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollte laut Embryotox die Kinderärztin oder der Kinderarzt kontaktiert werden.
Wer berät mich zu Medikamenten in der Stillzeit?
Embryotox kann stillende Mütter nach eigenen Angaben aus Kapazitätsgründen nicht beraten und bittet Stillende, sich an die Kinderärztin oder den Kinderarzt, die Gynäkologin oder den Gynäkologen, die Hebamme, eine Stillberaterin oder die Apotheke zu wenden. Diese Stellen können sich ihrerseits bei Embryotox beraten lassen, das ein Angebot für Fachkreise hat.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu