MedikamenteWirkstoff
Sulpirid
Sulpirid ist ein verschreibungspflichtiges Neuroleptikum aus der Gruppe der Benzamide. Zugelassen ist es bei Depressionen, wenn ein anderes Antidepressivum nicht geholfen hat, und bei Schwindel, der vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr ausgeht; die Präparate von 1 A Pharma sind zusätzlich bei Schizophrenie zugelassen. Sulpirid kann den Spiegel des Hormons Prolaktin erhöhen und die QT-Zeit im EKG verlängern; regelmäßige Kontrollen von Blutbild sowie Nieren- und Kreislauffunktion werden empfohlen.

Wofür wird Sulpirid eingesetzt?
Die Präparate mit Sulpirid, auf die sich diese Seite stützt, sind nicht alle für dieselben Anwendungsgebiete zugelassen. Gemeinsam ist ihnen die Zulassung bei depressiven Erkrankungen, wenn die Behandlung mit einem anderen Antidepressivum erfolglos war, und bei Schwindel, der vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr ausgeht (peripher-labyrinthärer Schwindel), zum Beispiel bei Morbus Menière oder bei peripherem Lage-, Dreh- und Schwankschwindel. Mehr zur Erkrankung auf den Seiten Depression und Wenn Antidepressiva nicht wirken. [1, 3, 4, 5]
Die Hartkapseln zu 50 mg und die Tabletten zu 100 und 200 mg von 1 A Pharma sind außerdem bei akuter und chronischer Schizophrenie zugelassen, auch im Kindesalter: Die Hartkapseln und die Tabletten zu 100 mg dürfen bei Kindern unter 6 Jahren nicht angewendet werden, die Tabletten zu 200 mg nicht bei Kindern unter 10 Jahren, ältere Kinder und Jugendliche nur nach strenger fachärztlicher Abwägung von Nutzen und Risiken. Die Tabletten zu 50 und 100 mg von neuraxpharm sind für die Schizophrenie nicht zugelassen. Für Depression und Schwindel dürfen alle diese Präparate bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden. [1, 3, 4, 5]
Zur Behandlung von Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit einer Demenz ist Sulpirid nicht zugelassen. Sulpirid ist verschreibungspflichtig. [1, 2]
Wie wirkt Sulpirid?
Sulpirid ist laut Fachinformation ein schwaches bis mittelstarkes Neuroleptikum aus der Gruppe der substituierten Benzamide und gehört zu den Antipsychotika; einen Überblick über verwandte Mittel gibt die Seite Nieder- und mittelpotente Antipsychotika. Nervenzellen geben Signale über Botenstoffe weiter, zum Beispiel Dopamin. Sulpirid blockiert die Andockstellen (Rezeptoren) für Dopamin vom Typ D2. Es reichert sich mehr im mesolimbischen als im nigrostriatären System des Gehirns an; möglicherweise treten deshalb Bewegungsstörungen als Nebenwirkung seltener auf als bei klassischen Neuroleptika. [1]
Die Wirkung hängt von der Dosis ab. In niedriger Dosierung scheint Sulpirid antidepressiv zu wirken und wahrscheinlich auch gegen Schwindel, schizophrene Beschwerden beeinflusst es erst in höheren Dosen. Über die Blockade von Dopaminrezeptoren steigt außerdem der Spiegel des Hormons Prolaktin relativ stark an. [1]
Im Körper wird Sulpirid kaum verändert: Studien zufolge werden beim Menschen nur etwa 5 Prozent der eingenommenen Menge abgebaut, und bis zu 95 Prozent des Wirkstoffs im Blut werden unverändert über die Nieren ausgeschieden. Die Halbwertszeit im Blut beträgt durchschnittlich etwa 8 Stunden. Bei schwerer Nierenschwäche und bei älteren Menschen geht die Fachinformation von einer langsameren Ausscheidung und der Gefahr einer Anreicherung aus, auch wenn dazu noch keine ausreichenden klinischen Berichte vorliegen. [1]
Wann wirkt Sulpirid und wie lange wird behandelt?
Die Behandlung wird einschleichend begonnen, also mit einer niedrigeren Anfangsdosis, auf die eine Erhaltungsdosis folgt. Vor der Anwendung wird empfohlen, Umstände auszuschließen, die Herzrhythmusstörungen begünstigen. Je nach Beschwerdebild kann die Ärztin oder der Arzt die Tagesdosis nach etwa 1 bis 3 Wochen verringern oder erhöhen. Wann die Wirkung einsetzt, geben Fachinformation und Packungsbeilagen nicht an. [1, 3, 4, 5]
Die Dauer der Behandlung bestimmt die Ärztin oder der Arzt je nach Verlauf. Bei einer Langzeitbehandlung sollte sie oder er alle 3 bis 6 Monate prüfen, ob die Behandlung weiter nötig ist. Nach längerer, meist hoch dosierter Behandlung von mehr als 3 Monaten kann eine Spätdyskinesie auftreten; deshalb muss regelmäßig auf erste Zeichen untersucht werden. Mehr dazu auf den Seiten Die ersten Wochen und Wie lange werden Psychopharmaka genommen?. [1, 3, 4, 5]
- BeginnDie Behandlung wird einschleichend begonnen. Vor der Anwendung wird empfohlen, Faktoren auszuschließen, die Herzrhythmusstörungen begünstigen, etwa einen langsamen Herzschlag, einen Kalium- oder Magnesiummangel oder eine QT-Verlängerung; bei Diabetes oder Risikofaktoren sollte der Blutzucker regelmäßig kontrolliert werden. Je nach Beschwerdebild kann die Tagesdosis nach etwa 1 bis 3 Wochen angepasst werden.[1]
- ErhaltungBei einer Langzeitbehandlung sollte die Ärztin oder der Arzt alle 3 bis 6 Monate überprüfen, ob die Behandlung weiter nötig ist. Nach längerer, meist hoch dosierter Behandlung (mehr als 3 Monate) ist eine Spätdyskinesie möglich, deshalb muss regelmäßig auf erste Zeichen untersucht werden; regelmäßige Kontrollen von Blutbild sowie Nieren- und Kreislauffunktion werden empfohlen.[1]
- AbsetzenZeichen einer Spätdyskinesie können manchmal erst nach Abschluss der Behandlung auftreten; hormonelle Störungen bilden sich nach dem Absetzen in der Regel zurück. Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.[1]
Nebenwirkungen im Blick
Laut Fachinformation hat Sulpirid besonders ausgeprägte Wirkungen auf den Hormonhaushalt. Sie zeigen sich etwa als Brustschmerzen, Milchfluss aus der Brust, Vergrößerung der Brust, Ausbleiben der Regelblutung, Orgasmus- und Erektionsstörungen und beim Mann als nachlassende Lust auf Sex. Diese Störungen bilden sich nach dem Absetzen in der Regel wieder zurück. Mehr dazu unter Prolaktin und sexuelle Funktionsstörungen. [1, 3, 4, 5]
Schwerwiegende Nebenwirkungen treten dosisabhängig auf, vor allem unter hohen Dosen. Gemeint sind Bewegungsstörungen wie ein medikamentöses Parkinson-Syndrom an Armen, Beinen und im Gesicht mit Zittern, Steifigkeit und Bewegungsarmut, eine Sitzunruhe (Akathisie) und außerdem Muskelverkrampfungen und frühe Bewegungsstörungen wie Zungen-, Schlund- und Blickkrämpfe. Für das Parkinson-Syndrom und die Sitzunruhe nennen die Quellen keine Häufigkeit. Bemerken Sie solche Beschwerden, gehen Sie zur Ärztin oder zum Arzt. [1, 3, 4, 5]
Wie bei allen Neuroleptika kann nach längerer, meist hoch dosierter Behandlung von mehr als 3 Monaten eine Spätdyskinesie auftreten, mit rhythmischen, unwillkürlichen Bewegungen vor allem im Mund- und Gesichtsbereich, aber auch an Armen und Beinen. Frauen und ältere Menschen scheinen eher betroffen zu sein; berichtet wurde über Einzelfälle. Die Störungen treten manchmal erst nach dem Ende der Behandlung auf, lassen sich laut Packungsbeilage nach heutigem Wissen kaum behandeln und können bleiben. Unter Neuroleptika einschließlich Sulpirid kann außerdem ein malignes neuroleptisches Syndrom auftreten. [1, 3, 4, 5]
Wie häufig Beschwerden sind, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird, zeigt die folgende Übersicht, etwa Müdigkeit, Gewichtszunahme oder vermehrtes Schwitzen. Sulpirid verlängert außerdem dosisabhängig die QT-Zeit im EKG (Herz und QT-Zeit), kann den Natriumspiegel im Blut senken (Natriummangel) und die Zahl der weißen Blutkörperchen verringern (Blutbild). [1, 3, 4, 5]
Nebenwirkungen im Blick
Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.
- MüdigkeitHäufig
- SchlafstörungenHäufig
- Unruhe und NervositätGelegentlich
- GewichtszunahmeHäufig
- Weniger oder veränderte Lust auf SexNicht bekannt
- ErektionsstörungenGelegentlich
- MundtrockenheitHäufig
- Vermehrtes SchwitzenHäufig
- ÜbelkeitHäufig
- SchwindelHäufig
- ZitternNicht bekannt
- BewegungsstörungenHäufig
- Herzrhythmus und QT-ZeitSelten
- NatriummangelNicht bekannt
- Abhängigkeitnicht genannt
- Sitzunruhe (Akathisie)Nicht bekannt
"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit.
Die folgende Liste nennt alle Nebenwirkungen, für die Fachinformation oder Packungsbeilagen eine Häufigkeit angeben. Einige stehen nur in den Packungsbeilagen von 1 A Pharma, etwa ein erniedrigter Natriumspiegel oder Fieber; Sie erkennen das an der Quellennummer. Das Parkinson-Syndrom, die Sitzunruhe, das maligne neuroleptische Syndrom und die Spätdyskinesie nennen die Quellen ohne Häufigkeit, sie fehlen deshalb in Übersicht und Liste. Was die Angaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. [1, 3, 4, 5]
Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
- HormonsystemErhöhter Prolaktinspiegel im Blut (Hyperprolaktinämie)[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Erhöhtes Prolaktin
- PsycheSchlaflosigkeit[1, 3, 4, 5]
- NervensystemSchwitzen, Kopfschmerzen, Schwindel, herabgesetzte körperliche Aktivität (Hypokinesie)[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Vermehrtes SchwitzenBewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
- NervensystemDämpfung (Sedierung) und Benommenheit[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Müdigkeit
- HerzSchneller Herzschlag (Tachykardie)[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Herzrasen
- Magen und DarmVerstopfung, Magen-Darm-Störungen mit Übelkeit und Erbrechen, Mundtrockenheit[1, 3, 4, 5]
- Leber und GalleErhöhung der Leberenzyme[1, 3, 4, 5]
- HautFleckig-knotiger Hautausschlag (makulopapulöser Ausschlag)[1, 3, 4, 5]
- Geschlechtsorgane und BrustBrustschmerzen, Milchfluss aus der Brust (Galaktorrhö)[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Brustspannen und Brustvergrößerung
- Allgemeine BeschwerdenGewichtszunahme[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Gewichtszunahme
Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen
- Blut und LymphsystemVerminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie)[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
- NervensystemUnwillkürliche Muskelverkrampfungen (Dystonien) sowie frühe Bewegungsstörungen (Frühdyskinesien), z. B. Zungen-, Schlund- und Blickkrämpfe, Versteifung der Rückenmuskulatur, drehende Bewegungen der Arme[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
- NervensystemErhöhte Muskelspannung, Nervosität, Schlaf- und Konzentrationsstörungen[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Unruhe und Nervosität
- AugenSehstörungen[1, 3, 4, 5]
- Gefäße und KreislaufBlutdruckabfall, auch beim Aufstehen (orthostatischer Blutdruckabfall), oder, besonders bei erhöhtem Blutdruck, Blutdruckanstieg[1, 3, 4, 5]
- Magen und DarmÜbermäßiger Speichelfluss[1, 3, 4, 5]
- Nieren und HarnwegeStörungen beim Wasserlassen (Miktionsstörungen)[1, 3, 4, 5]
- Geschlechtsorgane und BrustVergrößerung der Brust, Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö), Orgasmusstörungen, Erektionsstörungen[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Brustspannen und BrustvergrößerungZyklusstörungenErektionsstörungenOrgasmus- und Samenergussstörungen
- Allgemeine BeschwerdenMüdigkeit, Appetitsteigerung[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Müdigkeit
Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen
Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben
- Blut und LymphsystemVerminderung bestimmter weißer Blutkörperchen bis zu ihrem fast völligen Fehlen (Neutropenie, Agranulozytose)[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
- ImmunsystemSchwere allergische Reaktionen mit Nesselsucht, Atemnot, Blutdruckabfall und anaphylaktischem Schock[1, 3, 4, 5]
- HormonsystemErhöhte Spiegel des antidiuretischen Hormons, auch Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion oder SIADH genannt[3, 4, 5]Mehr dazu: Natriummangel
- Stoffwechsel und ErnährungErniedrigter Natriumspiegel im Blut[3, 4, 5]Mehr dazu: Natriummangel
- PsycheVerwirrtheit[1, 3, 4, 5]
- NervensystemKrampfanfälle[1, 3, 4, 5]
- NervensystemMalignes neuroleptisches Syndrom mit hohem Fieber, Muskelsteifigkeit und Bewusstseinsstörungen; es kann lebensbedrohlich sein[1]Mehr dazu: Malignes neuroleptisches Syndrom
- HerzVerlängerung des QT-Intervalls, gefährliche Herzrhythmusstörung (Torsade de pointes) und Herzstillstand, die lebensbedrohlich sein können[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen
- Gefäße und KreislaufBlutgerinnsel (Thromboembolien), auch Lungenembolie und tiefe Venenthrombose; sie können lebensbedrohlich sein[1, 3, 4, 5]
- AtemwegeAspirationspneumonie, eine Form der Lungenentzündung durch Einatmen von Flüssigkeiten oder Fremdkörpern[3, 4, 5]
- Leber und GalleLeberschädigung an den Leberzellen (hepatozellulär), mit Gallestau (cholestatisch) oder gemischt[3, 4, 5]
- HautAllergische Hautreaktionen mit Hautjucken und Hautausschlag (Exanthem)[1, 3, 4, 5]
- Muskeln, Knochen und GelenkeKiefermuskelkrämpfe, Schiefhals[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
- Laborwerte und UntersuchungenErhöhte Kreatinphosphokinase im Blut, ein Hinweis auf Muskelschäden[3, 4, 5]
- Muskeln, Knochen und GelenkeMuskelzerfall (Rhabdomyolyse), der zu Nierenschäden führt[3, 4, 5]
- SchwangerschaftBewegungsstörungen (extrapyramidale Symptome) und Entzugserscheinungen beim Neugeborenen nach Anwendung in der Schwangerschaft (Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen)[1, 3, 4, 5]
- Geschlechtsorgane und BrustSpannungsgefühl in der Brust (im Rahmen einer Mastopathie), schmerzhafte Regelblutung (Dysmenorrhö), Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann (Gynäkomastie), beim Mann verminderte Lust auf Sex[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Brustspannen und BrustvergrößerungZyklusstörungenWeniger Lust auf Sex
- Allgemeine BeschwerdenFieber[3, 4, 5]
- NervensystemDosisabhängig, insbesondere unter hohen Dosen: Bewegungsstörungen (extrapyramidal-motorische Störungen) wie ein medikamentöses Parkinson-Syndrom mit Zittern, Steifigkeit und Bewegungsarmut oder Sitzunruhe (Akathisie)[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)Sitzunruhe (Akathisie)
- NervensystemNach längerer (mehr als 3 Monate) und meist hoch dosierter Behandlung: Spätdyskinesien mit rhythmischen, unwillkürlichen Bewegungen vor allem im Mund- und Gesichtsbereich, auch an Armen und Beinen, die nicht umkehrbar sein können[1, 3, 4, 5]Mehr dazu: Spätdyskinesien
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Beim Auftreten von hohem Fieber, Muskelsteifigkeit, Blässe, Schweißausbrüchen oder Kreislaufschwankungen sollen Behandelte laut Fachinformation Sulpirid sofort absetzen und die Ärztin oder den Arzt aufsuchen. Mehr dazu auf der Seite Malignes neuroleptisches Syndrom. [1]
Sulpirid ist bei depressiven Erkrankungen zugelassen, wenn die Behandlung mit einem anderen Antidepressivum erfolglos war. Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid können laut NVL Unipolare Depression zu den Anzeichen einer Depression gehören. Bei allen Menschen mit einer depressiven Störung soll laut Leitlinie die Suizidalität regelmäßig, bei jedem Gespräch in der Behandlung, eingeschätzt werden; Metaanalysen, die die Leitlinie ausgewertet hat, sprechen dafür, dass das Ansprechen von Suizidalität diese nicht auslöst. Fachinformation und Packungsbeilagen von Sulpirid enthalten dazu keinen eigenen Hinweis. Hilfe in einer akuten Krise finden Sie im folgenden Kasten. [1, 14]
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Nebenwirkungen bilden sich laut Packungsbeilage im Allgemeinen zurück, wenn die Dosis verringert wird, und lassen sich in der Regel durch eine sorgfältige, persönliche Einstellung der Tagesdosis vermeiden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, benachrichtigen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, damit sie oder er über den Schweregrad und die weiteren Maßnahmen entscheiden kann. Nehmen Sie Sulpirid genau so ein, wie es mit Ihnen besprochen wurde. [3, 4, 5]
- Wegen der zentral erregenden Wirkung von Sulpirid empfehlen Fachinformation und Packungsbeilagen, die letzte Dosis in der Regel vor 16 Uhr zu nehmen, um Schlafstörungen zu vermeiden. [1, 3, 4, 5]
- Hatten Sie oder jemand in Ihrer Familie Brustkrebs, sagen Sie es in der Praxis: Dann wird Sulpirid mit Vorsicht angewendet, und es folgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen. [1, 3, 4, 5]
- Haben Sie als jüngere Frau Störungen der Monatsblutung, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; dann ist besondere Vorsicht geboten. [1, 3, 4, 5]
Beschwerden, Schlaf und Stimmung können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten; die Fragen fürs Arztgespräch helfen bei der Vorbereitung auf den nächsten Termin.
Kontrollen während der Behandlung
Fachinformation und Packungsbeilagen empfehlen regelmäßige Kontrollen des Blutbilds sowie der Nieren- und Kreislauffunktion. Vor der Anwendung wird empfohlen, Faktoren auszuschließen, die schwere Herzrhythmusstörungen begünstigen können, etwa ein langsamer Herzschlag oder ein Kaliummangel. Bei Diabetes oder Risikofaktoren dafür sollte der Blutzucker regelmäßig kontrolliert werden, weil unter atypischen Antipsychotika über einen erhöhten Blutzucker berichtet wurde; mehr dazu unter Blutzucker und Blutfette. [1, 3, 4, 5]
| Untersuchung | Wann oder warum |
|---|---|
| Blutbild | Regelmäßig während der Behandlung; bei Infektionen ohne erkennbare Ursache oder Fieber unverzüglich[1] |
| Nierenfunktion | Regelmäßig während der Behandlung; bei eingeschränkter Nierenfunktion wird die Dosis verringert[1] |
| Kreislauffunktion und Blutdruck | Regelmäßig während der Behandlung; bei erhöhtem Blutdruck, besonders im Alter, genaue Überwachung wegen des Risikos einer hypertensiven Krise[1] |
| Herzschlag, Kalium und Magnesium, QT-Intervall | Vor der Anwendung und je nach Zustand, um Faktoren auszuschließen, die Herzrhythmusstörungen begünstigen[1] |
| Blutzucker | Regelmäßig bei Diabetes oder Risikofaktoren für Diabetes[1] |
| Brust | Engmaschige Überwachung bei Brustkrebs in der eigenen oder familiären Vorgeschichte[1] |
| Untersuchung auf Zeichen einer Spätdyskinesie | Regelmäßig während einer Langzeitbehandlung[1] |
Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Was die einzelnen Untersuchungen bedeuten, erklärt die Seite Kontrollen und Blutwerte.
Wechselwirkungen
Sulpirid und Levodopa dürfen nicht gleichzeitig angewendet werden, weil sie sich in ihrer Wirkung gegenseitig abschwächen. Nicht empfohlen ist die Kombination mit Mitteln, die die QT-Zeit verlängern oder die Erregungsleitung am Herzen beeinflussen und so schwere Herzrhythmusstörungen auslösen können, unter anderem mit Betablockern, bestimmten Entwässerungs- und Abführmitteln, Mitteln gegen Herzrhythmusstörungen der Klassen Ia und III, Haloperidol, Methadon, trizyklischen Antidepressiva und Lithium. Sulpirid verstärkt die beruhigende Wirkung anderer dämpfender Mittel und kann die Wirkung blutdrucksenkender Mittel abschwächen oder verstärken. [1, 3, 4, 5]
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Levodopa | Beide Mittel heben ihre Wirkung gegenseitig auf[1] | Nicht zusammen anwenden (Gegenanzeige) |
| Ropinirol und andere dopaminerge Parkinsonmittel | Ihre Wirksamkeit kann herabgesetzt werden[1] | Gleichzeitige Anwendung vermeiden |
| Alkohol | Nicht vorhersehbare Reaktionen[1] | Alkohol während der Behandlung vermeiden |
| Arzneimittel, die den Herzschlag verlangsamen (Betablocker, Diltiazem, Verapamil, Clonidin, Guanfacin, Digitalisglykoside) oder den Kaliumspiegel senken (Entwässerungsmittel, Abführmittel, Amphotericin B in die Vene, Glukokortikoide, Tetracosactid) | Höheres Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes); ein Kaliummangel muss behandelt werden[1] | Kombination nicht empfohlen |
| Antiarrhythmika der Klasse Ia (Chinidin, Disopyramid) und III (Amiodaron, Sotalol) sowie Pimozid, Sultoprid, Haloperidol, Methadon, trizyklische Antidepressiva, Lithium, Bepridil, Cisaprid, Thioridazin, Erythromycin oder Vincamin in die Vene, Halofantrin, Pentamidin, Sparfloxacin | Höheres Risiko für QT-Verlängerung und schwere Herzrhythmusstörungen[1] | Kombination nicht empfohlen |
| Blutdrucksenkende Arzneimittel | Ihre Wirkung kann abgeschwächt oder verstärkt werden; auch ein krisenhafter Blutdruckanstieg oder ein Blutdruckabfall beim Aufstehen ist möglich[1] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Dämpfende Arzneimittel (Schlafmittel, Beruhigungsmittel, teils auch Schmerzmittel, Narkosemittel, bestimmte Antihistaminika) | Ihre dämpfende Wirkung wird verstärkt[1] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Anregende Mittel, z. B. Appetitzügler oder Asthmamittel | Verstärkte Unruhe, Nervosität, Angst und Erregung möglich[1] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Aluminiumhaltige Mittel gegen Magensäure (Antazida) und Sucralfat | Sulpirid wird schlechter aufgenommen[1] | Sulpirid mindestens zwei Stunden vor diesen Mitteln einnehmen |
| Lithium | Höheres Risiko für Bewegungsstörungen[1] | Bei ersten Anzeichen einer Schädigung des Nervensystems (Neurotoxizität) beide Mittel laut Fachinformation beenden; Ärztin oder Arzt informieren |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren; einen Überblick über alle Mittel, die Sie nehmen, gibt der Medikationsplan.
Wer Sulpirid nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Die Gegenanzeigen unterscheiden sich zum Teil nach Präparat. Für Sulpirid-neuraxpharm sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schwangerschaft und Stillzeit Gegenanzeigen. Bei Sulpirid - 1 A Pharma gilt die Altersgrenze von 18 Jahren nicht für die Behandlung einer Schizophrenie; dort liegt sie bei 6 Jahren, bei den Tabletten zu 200 mg bei 10 Jahren. Beide nennen unter anderem einen bereits erhöhten Prolaktinspiegel, Tumoren, die von Prolaktin abhängen, und alle Brusttumoren, Krampfanfälle, die Parkinson-Krankheit, manieähnliche Psychosen und hirnorganische Erkrankungen mit Erregungszuständen, besonders im Alter, als Gegenanzeigen. [1, 3, 4, 5]
Nicht anwenden bei
- Allergie gegen Sulpirid, andere Benzamid-Abkömmlinge oder einen der sonstigen Bestandteile[1]
- Akute Vergiftung mit Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln (Opiaten) oder Psychopharmaka[1]
- Manieähnliche (maniforme) Psychosen[1]
- Hirnorganische Erkrankungen mit Erregungszuständen, besonders im Alter (organisches Psychosyndrom)[1]
- Parkinsonsche Erkrankung sowie gleichzeitige Einnahme von Levodopa[1]
- Krampfanfälle (z. B. Epilepsie)[1]
- Nebennierentumor (Phäochromozytom)[1]
- Bereits erhöhter Prolaktinspiegel (Hyperprolaktinämie), prolaktinabhängige Tumoren wie ein Prolaktinom der Hirnanhangsdrüse sowie alle Brusttumoren[1]
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (Sulpirid-neuraxpharm)[1]
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren außer bei der Behandlung einer Schizophrenie, bei Schizophrenie Kinder unter 6 Jahren, bei den Tabletten 200 mg unter 10 Jahren (Sulpirid - 1 A Pharma)[3, 4, 5]
- Schwangerschaft und Stillzeit (Sulpirid-neuraxpharm)[1]
Besondere Vorsicht bei
- Malignes neuroleptisches Syndrom (hohes Fieber, Muskelsteifigkeit, erhöhte CPK im Blut, Blässe, Schweißausbrüche, Kreislaufinstabilität bis zu Bewusstseinsstörungen) kann wie bei anderen Neuroleptika auftreten und lebensbedrohlich sein; nach einem solchen Syndrom in der Vorgeschichte nur unter erhöhter Vorsicht behandeln[1]
- Bewegungsstörungen (extrapyramidal-motorische Störungen) treten dosisabhängig auf, besonders unter hohen Dosen, z. B. ein medikamentöses Parkinson-Syndrom an Armen, Beinen und Gesicht mit Zittern, Steifigkeit und Bewegungsarmut oder eine Sitzunruhe (Akathisie)[1]
- Spätdyskinesie: Nach längerer (mehr als 3 Monate) und meist hoch dosierter Behandlung kann eine nicht rückbildungsfähige Spätdyskinesie mit rhythmischen, unwillkürlichen Bewegungen vor allem im Mund-, Gesichts- und Arm- oder Beinbereich auftreten; Frauen und ältere Menschen scheinen eher betroffen, berichtet wurden Einzelfälle. Die Zeichen können manchmal erst nach Abschluss der Behandlung auftreten; Mittel gegen Parkinson-Beschwerden sollten dagegen nicht eingesetzt werden, da sie unwirksam sind oder die Beschwerden verstärken können[1]
- Schizophrene Psychosen mit Erregung und Aggressivität: Vorsicht; Sulpirid kann dann gleichzeitig mit einem Beruhigungsmittel gegeben werden[1]
- Akute Porphyrien: Anwendung vermeiden[1]
- Sehr niedriger oder erhöhter Blutdruck, Vorschäden der Herzkranzgefäße (Angina pectoris) oder des Herzens (Herzinsuffizienz): Vorsicht; bei erhöhtem Blutdruck, besonders im Alter, besteht das Risiko einer hypertensiven Krise, deshalb genaue Überwachung[1]
- Neigung zu Thrombosen: besondere Vorsicht; Risikofaktoren für Blutgerinnsel werden vor und während der Behandlung ermittelt[1]
- QT-Verlängerung: Sulpirid verlängert das QT-Intervall dosisabhängig, was das Risiko schwerer Kammerrhythmusstörungen wie Torsade de pointes erhöht. Vor der Anwendung wird empfohlen, begünstigende Faktoren auszuschließen, z. B. einen langsamen Herzschlag (unter 55 Schlägen pro Minute), Störungen des Elektrolythaushalts (z. B. Magnesiummangel, besonders Kaliummangel), eine angeborene oder erworbene QT-Verlängerung und Arzneimittel mit solchen Wirkungen[1]
- Ältere Menschen mit Demenz: Unter konventionellen Antipsychotika ist das Sterblichkeitsrisiko leicht erhöht; in Analysen von 17 placebokontrollierten Studien, überwiegend mit atypischen Antipsychotika, war es ebenfalls erhöht. Sulpirid ist zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz nicht zugelassen[1]
- Erhöhtes Schlaganfallrisiko: In Studien mit einigen atypischen Antipsychotika bei Menschen mit Demenz war das Risiko für Ereignisse an den Hirngefäßen erhöht; ein solcher Effekt ist auch bei anderen Antipsychotika nicht auszuschließen[1]
- Erhöhter Prolaktinspiegel: tritt unter Sulpirid häufig auf; bei Brustkrebs in der eigenen oder familiären Vorgeschichte engmaschige Überwachung. Die hormonellen Störungen bilden sich nach dem Absetzen in der Regel zurück[1]
- Grüner Star (Glaukom), Harnverhalten, vergrößerte Prostata, Darmverschluss (Ileus), Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose) oder andere angeborene Verengungen im Verdauungstrakt in der Vorgeschichte: besondere Vorsicht wegen der anticholinergen Wirkung[1]
- Jüngere Frauen mit Störungen der Monatsblutung (Ausbleiben oder schmerzhafte Regelblutung): besondere Vorsicht[1]
- Diabetes oder Risikofaktoren für Diabetes: Unter atypischen Antipsychotika wurde über erhöhten Blutzucker berichtet; der Blutzucker wird regelmäßig kontrolliert[1]
- Epilepsie in der Vorgeschichte: Neuroleptika können die Krampfschwelle senken, unter Sulpirid wurde über Krampfanfälle berichtet; genaue Überwachung[1]
- Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie, Neutropenie, Agranulozytose) wurde im Zusammenhang mit Antipsychotika einschließlich Sulpirid berichtet[1]
- Eingeschränkte Nierenfunktion: niedrigere Dosis; bei schwerem Nierenschaden besondere Vorsicht, Sulpirid wird dann nach ärztlicher Anordnung abgesetzt. Bei schweren Leberschäden ebenfalls besondere Vorsicht[1]
- Die Tabletten von Sulpirid-neuraxpharm zu 50 mg enthalten Milchzucker (Lactose), die zu 100 mg Glucose: Bei der seltenen erblichen Galactose-Unverträglichkeit, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption nicht einnehmen (bei Glucose-Galactose-Malabsorption beide Stärken nicht)[1]
- Die Hartkapseln und Tabletten von Sulpirid - 1 A Pharma enthalten Milchzucker (Lactose): Wenn Ihnen bekannt ist, dass Sie eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern haben, nehmen Sie sie erst nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein[3, 4, 5]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Schwangerschaft
Laut Fachinformation von Sulpirid-neuraxpharm darf Sulpirid in der Schwangerschaft nicht angewendet werden (Gegenanzeige), da nur begrenzte Erfahrungen bei Schwangeren vorliegen und der Wirkstoff im Tierversuch unzureichend geprüft wurde. Sulpirid gelangt über die Plazenta zum Kind; Neugeborene, deren Mütter im letzten Schwangerschaftsdrittel Antipsychotika einschließlich Sulpirid erhielten, können Bewegungsstörungen (extrapyramidale Symptome) und/oder Entzugserscheinungen zeigen, berichtet wurden Unruhe, erhöhte oder verminderte Muskelspannung, Zittern, Schläfrigkeit, Atemnot und Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Neugeborene sollten deshalb sorgfältig überwacht werden. In Tierstudien wurde eine verminderte Fruchtbarkeit beobachtet, die mit der Prolaktin-Wirkung zusammenhängt.[1]
Laut Packungsbeilage von Sulpirid - 1 A Pharma wird Sulpirid während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine wirksame Verhütung anwenden, nicht empfohlen. Nach Einnahme in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten können beim Neugeborenen Zittern, Muskelsteifheit und/oder Muskelschwäche, Schläfrigkeit, Ruhelosigkeit, Atembeschwerden und Schwierigkeiten beim Stillen auftreten; entwickelt Ihr Baby eines dieser Zeichen, sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren.[3, 4, 5]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Laut Fachinformation von Sulpirid-neuraxpharm darf Sulpirid in der Stillzeit nicht angewendet werden (Gegenanzeige), da die mit der Muttermilch aufgenommene Menge beim Säugling eine Wirkung auslösen kann.[1]
Laut Packungsbeilage von Sulpirid - 1 A Pharma sollten Sie während der Behandlung nicht stillen; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, wie Sie Ihr Baby am besten ernähren.[3, 4, 5]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Alkohol ist während der Behandlung wegen nicht vorhersehbarer Reaktionen zu vermeiden; zusammen mit Alkohol ist auch die Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit stärker.[1]
Autofahren und Maschinen
Wegen Schwindel, Müdigkeit oder Erregungszuständen kann Sulpirid auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so verändern, dass die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt sind, verstärkt zusammen mit Alkohol.[1]
Laut Packungsbeilage von Sulpirid - 1 A Pharma sollten Sie das Führen von Fahrzeugen, das Bedienen von Maschinen und andere gefahrvolle Tätigkeiten ganz unterlassen, zumindest aber während der ersten Tage der Behandlung; die Entscheidung im Einzelfall trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt unter Berücksichtigung Ihrer Reaktion und der Dosierung.[3, 4, 5]
Anwendung
Die Tabletten werden unzerkaut eingenommen, bei Sulpirid-neuraxpharm mit ausreichend Flüssigkeit, bei Sulpirid - 1 A Pharma mit etwas Flüssigkeit, unabhängig von den Mahlzeiten; die Tabletten zu 100 mg sind teilbar, die Tabletten zu 200 mg können in gleiche Dosen geteilt werden.[1, 3, 5]
Nehmen Sie die Hartkapseln (Sulpirid - 1 A Pharma) unzerkaut mit etwas Flüssigkeit ein, unabhängig von den Mahlzeiten.[4]
Wegen der anregenden Wirkung von Sulpirid wird empfohlen, die letzte Dosis in der Regel vor 16 Uhr einzunehmen, um Schlafstörungen zu vermeiden.[1, 3, 4, 5]
Aluminiumhaltige Mittel gegen Magensäure und Sucralfat frühestens zwei Stunden nach Sulpirid einnehmen.[1]
Einnahme vergessen: Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, sondern zum nächsten vorgesehenen Zeitpunkt die verordnete Einzeldosis.[3, 4, 5]
Absetzen
Bei bestimmten Nebenwirkungen wie Sehstörungen, Störungen beim Wasserlassen, Gewichtszunahme oder Blutdruckveränderungen verringert die Ärztin oder der Arzt die Dosis oder setzt Sulpirid ab; hormonelle Störungen bilden sich danach in der Regel zurück. Zeichen einer Spätdyskinesie können manchmal erst nach Abschluss der Behandlung auftreten. Ob und wie die Behandlung beendet wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1]
Möchten Sie die Behandlung unterbrechen, besprechen Sie das vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; beenden Sie sie nicht eigenmächtig, weil Sie damit den Behandlungserfolg gefährden können.[3, 4, 5]
Überdosierung
Mögliche Anzeichen sind Unruhe, Bewusstseinstrübung, Erregung, Verwirrtheit und Bewegungsstörungen wie Schiefhals, Herausstrecken der Zunge und Kieferklemme, außerdem Koma, Blutdruckabfall und Parkinson-Reaktionen; möglich sind auch eine QT-Verlängerung und Kammerflimmern. Verständigen Sie sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf.[1]
Laut Packungsbeilage von 1 A Pharma verändert und verstärkt Alkohol die Wirkung von Sulpirid in nicht vorhersehbarer Weise; mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol. Zu Schwangerschaft und Stillzeit unterscheiden sich die Angaben nach Präparat: Für Sulpirid-neuraxpharm sind beide eine Gegenanzeige, die Packungsbeilagen von 1 A Pharma empfehlen Sulpirid in der Schwangerschaft nicht und raten vom Stillen ab. Werden Sie schwanger, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und beenden Sie die Behandlung nicht eigenmächtig. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit. [1, 3, 4, 5]
Zur Rechtslage beim Fahren: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen, auch bei Fahrlässigkeit. Die Medikamentenklausel in § 24a Abs. 4 StVG betrifft die dort und in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Substanzen, etwa Amfetamin oder Morphin, wenn sie aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammen. Mehr dazu auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [11, 12, 13]
Einnahme und Absetzen
Was Fachinformation und Packungsbeilagen zur Einnahme sagen, auch zu den teilbaren Tabletten und zu einer vergessenen Einnahme, steht in der Übersicht zum Alltag. Die Tabletten zu 50 mg von neuraxpharm und alle Präparate von 1 A Pharma enthalten Milchzucker (Lactose), die Tabletten zu 100 mg von neuraxpharm Glucose. [1, 3, 4, 5]
Was Fachinformation und Packungsbeilagen zum Absetzen sagen, steht ebenfalls in der Übersicht zum Alltag. Ein bestimmtes Vorgehen beim Beenden und Absetzbeschwerden beschreiben sie nicht. Zeichen einer Spätdyskinesie treten manchmal erst nach dem Ende der Behandlung auf; laut Packungsbeilage ist die Ärztin oder der Arzt deshalb regelmäßig aufzusuchen, damit erste Anzeichen früh erkannt werden. [1, 3, 4, 5]
Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was dabei wichtig ist, erklärt die Seite Antipsychotika absetzen.
Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation
Fachinformation und Packungsbeilagen nennen Anfangs- und Erhaltungsdosen getrennt nach Anwendungsgebiet, dazu Angaben für ältere Menschen, für eine eingeschränkte Nierenfunktion und, nur bei Sulpirid - 1 A Pharma und nur bei Schizophrenie, für Kinder und Jugendliche. Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. [1, 3, 4, 5]
Präparate mit Sulpirid
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Sulpirid-neuraxpharm | neuraxpharm Arzneimittel GmbH | verschreibungspflichtig; Tabletten 50 mg und 100 mg; Grundlage der Angaben, die mit Sulpirid-neuraxpharm gekennzeichnet sind |
| Sulpirid - 1 A Pharma | 1 A Pharma GmbH | verschreibungspflichtig; Hartkapseln 50 mg (Sulpirid 50 - 1 A Pharma), Tabletten 100 mg (Sulpirid 100 - 1 A Pharma) und Tabletten 200 mg (Sulpirid 200 - 1 A Pharma); Grundlage der Angaben, die mit Sulpirid - 1 A Pharma gekennzeichnet sind |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Fachinformation Sulpirid-neuraxpharm 50 mg/100 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 08/2021. abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Sulpirid. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 22.10.2026
- Gebrauchsinformation Sulpirid 200 - 1 A Pharma, 200 mg Tabletten. 1 A Pharma GmbH (Pharmazeutischer Unternehmer). Stand 02/2022. abgerufen am 22.10.2026
- Gebrauchsinformation Sulpirid 50 - 1 A Pharma, 50 mg Hartkapseln. 1 A Pharma GmbH (Pharmazeutischer Unternehmer). Stand 02/2022. abgerufen am 22.10.2026
- Gebrauchsinformation Sulpirid 100 - 1 A Pharma, 100 mg Tabletten. 1 A Pharma GmbH (Pharmazeutischer Unternehmer). Stand 02/2022. abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF). Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Wofür wird Sulpirid verschrieben?
Sulpirid ist zugelassen bei depressiven Erkrankungen, wenn die Behandlung mit einem anderen Antidepressivum erfolglos war, und bei Schwindel, der vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr ausgeht. Die Hartkapseln und Tabletten von 1 A Pharma sind außerdem bei akuter und chronischer Schizophrenie zugelassen, die Tabletten von neuraxpharm dafür nicht. Sulpirid ist verschreibungspflichtig.
Hilft Sulpirid gegen Schwindel?
Sulpirid ist zugelassen bei Schwindel, der vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr ausgeht (peripher-labyrinthärer Schwindel), zum Beispiel bei Morbus Menière oder bei peripherem Lage-, Dreh- und Schwankschwindel. In niedriger Dosierung wirkt Sulpirid laut Fachinformation wahrscheinlich gegen Schwindel. Für andere Formen von Schwindel ist Sulpirid laut Fachinformation und Packungsbeilagen nicht zugelassen. Schwindel kann umgekehrt auch als Nebenwirkung auftreten.
Macht Sulpirid müde?
Das ist möglich: Dämpfung (Sedierung) und Benommenheit sind laut Fachinformation häufig, Müdigkeit gelegentlich. Sulpirid hat aber auch eine zentral erregende Wirkung, und Schlaflosigkeit gehört ebenfalls zu den häufigen Nebenwirkungen. Wegen der erregenden Wirkung wird empfohlen, die letzte Dosis in der Regel vor 16 Uhr zu nehmen, um Schlafstörungen zu vermeiden. Wegen Schwindel, Müdigkeit oder Erregungszuständen kann Sulpirid die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
Nimmt man mit Sulpirid zu?
Gewichtszunahme ist laut Fachinformation und Packungsbeilagen häufig, sie kann also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen; gelegentlich steigt der Appetit. Bei gesteigertem Appetit mit Gewichtszunahme ist laut Fachinformation die Dosis zu verringern oder Sulpirid ganz abzusetzen. Sprechen Sie Veränderungen deshalb bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an und ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Darf ich mit Sulpirid Alkohol trinken?
Alkohol ist während der Behandlung laut Fachinformation wegen nicht vorhersehbarer Reaktionen zu vermeiden. Laut Packungsbeilage von 1 A Pharma verändert und verstärkt Alkohol die Wirkung von Sulpirid in nicht vorhersehbarer Weise. Zusammen mit Alkohol ist auch die Fahrtüchtigkeit stärker beeinträchtigt.
Darf man Sulpirid mit anderen Antidepressiva kombinieren?
Unter den Mitteln, deren Kombination mit Sulpirid wegen des Risikos schwerer Herzrhythmusstörungen nicht empfohlen wird, nennt die Fachinformation trizyklische Antidepressiva und Lithium. Andere Antidepressiva wie Sertralin, Citalopram oder Venlafaxin nennt sie nicht eigens; die Warnung gilt aber allgemein für Mittel, die die QT-Zeit im EKG verlängern. Ob das auf ein anderes Mittel zutrifft, steht in dessen Produktinformation. Ob eine Kombination für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Wie setze ich Sulpirid ab?
Möchten Sie die Behandlung unterbrechen, besprechen Sie das vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Packungsbeilage können Sie den Behandlungserfolg gefährden, wenn Sie eigenmächtig aufhören. Ein bestimmtes Vorgehen beim Beenden und Absetzbeschwerden beschreiben Fachinformation und Packungsbeilagen nicht; hormonelle Störungen bilden sich nach dem Absetzen in der Regel zurück, Zeichen einer Spätdyskinesie können manchmal erst nach dem Ende der Behandlung auftreten.
Wie hoch wird Sulpirid dosiert?
Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Fachinformation und Packungsbeilagen nennen Anfangs- und Erhaltungsdosen getrennt für Depression und Schwindel und, nur bei den Präparaten von 1 A Pharma, für die Schizophrenie; ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion erhalten niedrigere Dosen. Die Angaben stehen auf dieser Seite im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation".
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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