ErkrankungenErkrankung
Schizophrenie
Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, bei der Wahrnehmung, Denken, das Erleben des eigenen Ich, Gefühle und Antrieb gestört sein können; typisch sind Phasen mit Wahn, Stimmenhören oder Denkstörungen, die für die Diagnose mindestens einen Monat bestehen müssen. Laut S3-Leitlinie sollen Antipsychotika, eine Verhaltenstherapie für Psychosen und Psychoedukation, mit Ihrer Zustimmung unter Einbezug der Angehörigen, angeboten werden; was davon für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die Wahrnehmung, Denken, das Erleben des eigenen Ich, Gefühle, Antrieb und Bewegungsabläufe betreffen kann. Laut S3-Leitlinie verläuft sie überwiegend in Episoden: Akute psychotische Phasen mit Wahn, Halluzinationen, Denk- und Ich-Störungen wechseln mit Zeiten, in denen die Beschwerden abklingen oder abgeschwächt bestehen bleiben, etwa als Antriebsmangel oder als Probleme mit Konzentration und Gedächtnis [1]. Bewusstsein und Orientierung sind in der Regel nicht beeinträchtigt [1, 3].
In der deutschen Fassung der internationalen Klassifikation, der ICD-10-GM, hat die Schizophrenie den Schlüssel F20 und gehört zur Gruppe "Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen" (F20 bis F29), zusammen etwa mit den akuten vorübergehenden psychotischen Störungen und den schizoaffektiven Störungen [3]. Der Begriff Psychose ist weiter gefasst: Ähnliche Beschwerden durch Drogen oder bei einer Epilepsie und anderen Erkrankungen des Gehirns werden anders eingeordnet [3]. Die neue ICD-11 ist in Deutschland noch nicht eingeführt; es gelten weiterhin die Kriterien der ICD-10 [1].
Grundlage dieser Seite ist die S3-Leitlinie Schizophrenie der DGPPN, Version 5.0 (Fassung vom 13. Juni 2026). Sie ist eine sogenannte Living Guideline, die jährlich aktualisiert wird; die nächste Aktualisierung ist für das zweite Quartal 2027 geplant [1]. Die Leitlinienübersicht der DGPPN nennt als Veröffentlichungsdatum den 15. Juli 2026 und den Vermerk "Gültig bis: 12.07.2027" [2]. Die Leitlinie bezieht sich auf Erwachsene mit einer Schizophrenie (F20); eigene Abschnitte gelten Kindern und Jugendlichen sowie Menschen über 65 Jahren [1].
Im Laufe des Lebens erkranken laut S3-Leitlinie im Median internationaler Studien 4,8 bis 7,2 von 1.000 Menschen an Schizophrenie, jedes Jahr etwa 15 von 100.000 neu [1]. Die Erkrankung beginnt bevorzugt zwischen dem 15. und dem 35. Lebensjahr, bei etwa 65 von 100 Betroffenen vor dem 30. Lebensjahr. Frauen und Männer erkranken annähernd gleich häufig, die Studienlage ist allerdings uneinheitlich; Männer werden etwa 3 bis 4 Jahre früher diagnostiziert [1].
Anzeichen einer Schizophrenie
Zu den Positivsymptomen zählt die S3-Leitlinie Störungen des Denkens, der Ich-Funktionen und der Wahrnehmung, also etwa Wahn, Halluzinationen und Denkstörungen; sie sind häufig an akute Episoden gebunden. Negativsymptome sind Störungen von Antrieb, Gefühlsleben und Psychomotorik, zum Beispiel auffällige Teilnahmslosigkeit (Apathie), Sprachverarmung oder ein verflachter Gefühlsausdruck; sie bleiben häufig länger bestehen, ebenso Probleme mit Aufmerksamkeit und Gedächtnis [1]. Für die Diagnose nach der ICD-10 nennt die Leitlinie acht Gruppen von Leitsymptomen [1]:
- Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung, Gedankenentzug oder Gedankenausbreitung, etwa das Gefühl, dass eigene Gedanken von außen entzogen werden [1, 6]
- Kontroll- oder Beeinflussungswahn; das Gefühl, dass Bewegungen, Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen von außen gemacht werden; Wahnwahrnehmungen [1]
- Stimmen, die das Verhalten kommentieren oder miteinander über die Person sprechen [1, 3]
- anhaltender Wahn, der kulturell unangemessen oder völlig unrealistisch ist [1]
- anhaltende Halluzinationen auf jedem Sinnesgebiet, also Sinnestäuschungen wie Stimmenhören [1, 6]
- Gedankenabreißen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss [1]
- katatone Symptome wie Erregung, das Verharren in Körperhaltungen, Negativismus oder Stupor [1, 3]
- Negativsymptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung und ein verflachter oder unpassender Gefühlsausdruck [1]
Nötig ist mindestens ein eindeutiges Symptom aus den Gruppen 1 bis 4, bei weniger eindeutigen zwei oder mehr, oder mindestens zwei Symptome aus den Gruppen 5 bis 8, fast ständig über einen Monat oder länger. Bei einer eindeutigen Gehirnerkrankung, während einer Vergiftung (Intoxikation) oder eines Entzugs soll keine Schizophrenie diagnostiziert werden [1]. Nach der ICD-10-GM wird sie auch bei ausgeprägten depressiven oder manischen Symptomen nicht diagnostiziert, es sei denn, die schizophrenen Symptome sind vorausgegangen [3].
Formen nach der ICD-10
Am häufigsten ist laut S3-Leitlinie mit über 65 von 100 Fällen die paranoide Schizophrenie (F20.0) [1]. Bei ihr stehen nach der ICD-10-GM beständige, häufig paranoide Wahnvorstellungen im Vordergrund, meist mit akustischen Halluzinationen; Störungen von Stimmung, Antrieb und Sprache sind wenig auffallend. Weitere Formen sind unter anderem die hebephrene Schizophrenie (F20.1) mit Veränderungen der Gefühle, desorganisiertem Denken und zerfahrener Sprache, die katatone (F20.2) mit Störungen der Psychomotorik, die postschizophrene Depression (F20.4) und das schizophrene Residuum (F20.5) mit lang andauernden Negativsymptomen [3]. Die ICD-11 kennt diese Unterformen nicht mehr und beschreibt die Schizophrenie nach Verlauf und Symptombereichen [1].
Erste Anzeichen
In drei von vier Fällen beginnt die Erkrankung laut S3-Leitlinie mit einem Vorstadium, das mehrere Jahre dauern kann. Typisch sind vor allem depressive Verstimmungen, Angst, Negativsymptome und Schwierigkeiten im sozialen Leben; die Kriterien einer Schizophrenie sind noch nicht erfüllt, und oft ist zuerst die Hausarztpraxis die Anlaufstelle [1]. Mehr zum erhöhten Psychoserisiko steht auf der Seite Psychose.
Ursachen und Risiken
Laut S3-Leitlinie wirken bei der Entstehung wahrscheinlich mehrere Ursachen zusammen. Auf der Grundlage einer erblich und durch die frühe Entwicklung mitbestimmten Anfälligkeit (Vulnerabilität) fördern oder hemmen Lebensereignisse und Umweltfaktoren den Ausbruch [1]. Im Gehirn spielt unter anderem eine Überaktivität des Botenstoffs Dopamin im mesolimbischen System eine Rolle [1]. Das Risiko ist bei Angehörigen Betroffener abhängig vom Verwandtschaftsgrad erhöht; bei eineiigen Zwillingen liegt die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei 45 bis 50 Prozent. Bekannt sind mehr als 100 Risikogene mit jeweils kleinem Beitrag; ein Gentest gehört bisher nicht zur Routinediagnostik [1].
Bedeutende Risikofaktoren sind laut Leitlinie der Gebrauch von Cannabis und Amphetaminen (siehe Cannabis). Weitere Faktoren, die das Auftreten begünstigen können, sind unter anderem Komplikationen in Schwangerschaft und Geburt, Traumata in der Kindheit, das Aufwachsen in der Stadt, ein Migrationshintergrund und eine verminderte Stresstoleranz [1].
Vorurteile und Gewalt
Das Stigma der Schizophrenie gehört laut S3-Leitlinie zu den stärksten unter allen psychischen Erkrankungen und ist von der Vorstellung geprägt, Betroffene seien unberechenbar und gefährlich [1]. Gewaltdelikte kommen in Deutschland bei 0,05 Prozent der Menschen mit Schizophrenie vor; weitaus häufiger werden Betroffene selbst Opfer von Gewalt. Wesentliche Risikofaktoren für aggressives Verhalten sind unter anderem unbehandelte psychotische Beschwerden und Substanzmissbrauch; die Leitlinie nennt die Behandlung der Erkrankung deshalb die beste Vorbeugung gegen Gewalt [1].
Wie die Diagnose gestellt wird
Die Diagnose soll laut S3-Leitlinie anhand festgelegter Kriterien der ICD-10 gestellt werden; eine strukturierte Untersuchung des seelischen Befunds ist dabei unerlässlich [1]. Berücksichtigt werden sollen unter anderem Lebensgeschichte und soziale Situation, der Gebrauch von Alkohol und Drogen, körperliche Erkrankungen, Erkrankungen in der Familie, frühere Behandlungen, Ihre Wünsche und die Frage, ob Angehörige einbezogen werden sollen [1]. Bestehen psychotische oder abgeschwächte psychotische Beschwerden wie Wahn oder überwertige Ideen, ist eine Überweisung aus der Hausarztpraxis an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie dringlich; der Termin sollte binnen weniger Werktage stattfinden [1].
Bei jeder neu aufgetretenen psychotischen Symptomatik soll eine Abklärung körperlicher Ursachen angeboten werden. Hinweise darauf sind laut Leitlinie unter anderem ein akuter Beginn, neurologische Ausfälle, Bewusstseins- oder Orientierungsstörungen, Krampfanfälle, Verwirrtheit, optische Halluzinationen, ein schwankender Verlauf und Fieber [1]. Infrage kommen zum Beispiel Epilepsien, Entzündungen des Gehirns einschließlich Autoimmunenzephalitiden, bei denen der Körper Antikörper gegen Strukturen des Gehirns bildet, Stoffwechsel- und Schilddrüsenstörungen sowie Medikamente [1]. Bei einer ersten Erkrankung sollen laut Leitlinie angeboten werden [1]:
- eine vollständige körperliche und neurologische Untersuchung mit Gewicht, Größe, Temperatur, Blutdruck und Puls [1]
- Blutuntersuchungen: Blutbild, Nüchternblutzucker, Leber- und Nierenwerte, Natrium, Kalium und Kalzium, Entzündungswerte und der Schilddrüsenwert TSH [1]
- ein Drogenscreening im Urin und eine Aufnahme des Gehirns in der Magnetresonanztomografie (MRT) [1]
- bei entsprechenden Hinweisen eine Untersuchung des Nervenwassers und ein EEG, außerdem testpsychologische Untersuchungen von Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis [1]
Abzugrenzen sind andere psychotische Störungen, etwa die akute vorübergehende psychotische Störung, die anhaltende wahnhafte Störung und die schizoaffektive Störung, sowie Psychosen durch Substanzen; in der Praxis lösen Cannabis und Amphetamine solche am häufigsten aus [1]. Bei Menschen mit einer Psychose soll laut der S3-Leitlinie zu Psychosen mit Suchterkrankungen regelmäßig gezielt nach Substanzen gefragt werden, je nach Situation ergänzt durch toxikologische Untersuchungen [7]. Instrumente zur Einschätzung eines erhöhten Psychoserisikos sollen nur von geschultem Fachpersonal angewendet werden [1]. Fragen für den Termin können Sie mit den Fragen fürs Arztgespräch vorbereiten.
Behandlung im Überblick
Ziel der Behandlung ist laut S3-Leitlinie ein Mensch, der weitgehend frei von Krankheitszeichen ist, sein Leben selbstbestimmt führt und Behandlungen in Kenntnis von Nutzen und Risiken abwägen kann. Dafür sollen ein Gesamtbehandlungsplan gemeinsam mit Ihnen erstellt und Angehörige einbezogen werden; Entscheidungen sollen gemeinsam getroffen werden, und dazu gehört auch, den Verzicht auf eine Behandlung mit seinen Vor- und Nachteilen zu besprechen [1].
Die Leitlinie unterscheidet die Akutphase (Wochen bis etwa drei Monate), die Stabilisierungsphase (etwa drei bis sechs Monate) und die stabile Phase (Monate bis Jahre) [1]. Einer ambulanten Behandlung sollte laut Leitlinie, wenn möglich, der Vorzug gegeben werden. Eine Tagesklinik sollte als Alternative zum Krankenhaus angeboten werden, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind; eine stationäre Behandlung soll angeboten werden, wenn der Schutz des Krankenhauses nötig ist, etwa bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung [1]. Mehr unter Klinik und Tagesklinik.
| Verfahren | Wofür laut Leitlinie | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Psychoedukation | strukturierte Information über Erkrankung und Behandlung über mehrere Sitzungen, um Rückfällen vorzubeugen; Angehörige werden mit Ihrer Zustimmung einbezogen [1] | "soll" (57) |
| Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) für Psychosen | bei einer ersten psychotischen Episode und bei Schizophrenie, mindestens 16 Sitzungen; auch, wenn Antipsychotika abgelehnt werden [1] | "soll" (58, 59), "sollte" (60, 62) |
| Metakognitives Training, achtsamkeitsbasierte Therapie | gegen Positivsymptome; das Training ist eine Variante der KVT, die Denkverzerrungen wie voreiliges Schlussfolgern bewusst macht [1] | "soll" (64, 77) |
| Avatartherapie | technikgestützte Behandlung bei anhaltendem Stimmenhören, im Rahmen einer Psychotherapie [1] | "sollte" (63) |
| Familieninterventionen | für Familien bei einer ersten Episode, nach einem Rückfall und wenn Sie zusammenleben oder eng in Kontakt stehen [1] | "soll" (68, 69, 70) |
| Training sozialer Fertigkeiten, kognitive Remediation | bei Einschränkungen im Umgang mit anderen und anhaltenden Negativsymptomen; Training bei Problemen mit Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis [1] | "soll" (71a, 72) |
| Bewegung, Ergotherapie, künstlerische Therapien | nach Ihren Vorlieben und Bedürfnissen als Teil des Gesamtkonzepts [1] | "sollen" (80), "sollte(n)" (76, 78) |
| Peer-Angebote | Begleitung durch erfahrene Betroffene, um Zuversicht und Genesung zu stärken [1] | "sollten" (151a) |
Menschen mit einer ersten Episode sollen möglichst früh erkannt werden; die Zeit, in der die erste Psychose unbehandelt bleibt, soll so kurz wie möglich sein [1]. Eine Behandlung in Einrichtungen nach Soteria-Prinzipien, kleinen wohngemeinschaftsähnlichen Einheiten mit intensiver Begleitung, kann angeboten werden, soweit es sie gibt [1]. Bei eindeutiger Behandlungsresistenz trotz ausreichender Dosis und Dauer sollte eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) angeboten werden, bei anhaltendem Stimmenhören trotz Medikamenten eine rTMS nach festgelegtem Protokoll [1]. Mehr unter Psychotherapie und Medikamente.
Medikamente bei Schizophrenie
Die wichtigsten Medikamente sind Antipsychotika, früher Neuroleptika genannt. Alle besetzen laut S3-Leitlinie Bindungsstellen (D2-Rezeptoren) für den Botenstoff Dopamin, auch im mesolimbischen System, dessen Überfunktion vor allem für die Positivsymptome verantwortlich gemacht wird [1]. Die Leitlinie unterscheidet Antipsychotika der ersten Generation, zum Beispiel Haloperidol, und der zweiten Generation; gemeinsam ist der zweiten Generation ein insgesamt geringeres Risiko für Bewegungsstörungen [1]. Die Unterschiede zwischen den Mitteln in der Wirkstärke sind laut Leitlinie geringer als die in den Nebenwirkungen [1].
Für die Akutbehandlung führt die Leitlinie unter anderem Amisulprid, Aripiprazol, Cariprazin, Clozapin, Flupentixol, Haloperidol, Olanzapin, Paliperidon, Quetiapin, Risperidon, Ziprasidon und Zuclopenthixol auf [1]. Wofür ein Mittel genau zugelassen ist, steht auf der jeweiligen Wirkstoffseite unter Anwendungsgebiet.
| Situation | Was die S3-Leitlinie sagt | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Erste Erkrankung | Antipsychotika nach Abwägung von Nutzen und Risiken anbieten; Auswahl vor allem nach den Nebenwirkungen; Behandlung möglichst früh anbieten, ein Aufschub um einige Tage bis Wochen kann im Rahmen eines psychosozialen Gesamtkonzepts unter engmaschiger Kontrolle angeboten werden [1] | "soll" (33), "sollte" und "kann" (34) |
| Auswahl und Dosis | gemeinsam mit Ihnen, unter anderem nach Zielbeschwerden, früheren Erfahrungen, möglichen Nebenwirkungen und Ihren Wünschen; ein einzelnes Antipsychotikum; Dosis so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig [1] | "soll" (17, 21), "sollte" (31) |
| Kontrolle des Ansprechens | nach zwei bis vier Wochen prüfen; ohne Ansprechen trotz ausreichender Dosis einen Wechsel anbieten [1] | "soll" (28a, 28b) |
| Vorwiegend Negativsymptome | Amisulprid in niedriger Dosis oder Cariprazin; bei unzureichendem Ansprechen zusätzlich ein Antidepressivum, dafür nicht zugelassen (off-label) [1] | "sollte" (39a, 40) |
| Behandlungsresistenz | zuerst andere Gründe prüfen, etwa Einnahme, Substanzgebrauch, Dosis und Blutspiegel; dann Clozapin allein; mehr als zwei Antipsychotika nicht kombinieren; keine Verstärkung mit Carbamazepin, Lamotrigin oder Valproat [1] | "soll" (27, 44a), "sollte nicht" (44c), "soll nicht" (45) |
| Rückfallvorbeugung | Antipsychotika nach einer ersten Erkrankung und bei wiederkehrenden Episoden, als kontinuierliche Behandlung; das Mittel beibehalten, das gut geholfen hat; Depot-Antipsychotika (Spritzen mit langer Wirkdauer) als Alternative zu Tabletten [1] | "soll" (22, 35a, 35b, 36a), "sollte" (37) |
| Erregung, Angst, innere Unruhe | zuerst Krisenhilfe ohne Medikamente; befristet zusätzlich ein Benzodiazepin, keine langfristige Dauereinnahme [1] | "soll" (49a), "kann" und "soll nicht" (49b) |
| Depressive Beschwerden | zuerst die antipsychotische Behandlung verbessern; bei anhaltender depressiver Episode zusätzlich ein Antidepressivum; nicht Lithium, Carbamazepin oder Valproinsäure gegen die Depression [1] | "soll" (98, 100), "sollte nicht" (101) |
| Gewichtszunahme | zu Beginn oder spätestens bei einer Zunahme um mehr als 3 Prozent Ernährungsberatung, Psychoedukation und Bewegungsprogramme; reicht das nicht, Metformin, das dafür nicht zugelassen ist (off-label) [1] | "soll" (53, 54) |
Nebenwirkungen von Antipsychotika
Als wichtige Bereiche nennt die S3-Leitlinie den Stoffwechsel mit Gewichtszunahme und erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten, Bewegungsstörungen, das Herz mit einer Verlängerung der QTc-Zeit im EKG (siehe Herz und QT-Zeit), einen Anstieg des Hormons Prolaktin und Müdigkeit [1]. Zu den Bewegungsstörungen gehören unwillkürliche Muskelverkrampfungen, Steifigkeit und Zittern wie bei einer Parkinson-Krankheit, eine Bewegungsunruhe mit innerer Anspannung (Akathisie) und Spätdyskinesien, unwillkürliche Bewegungen etwa von Mund und Zunge, die in der Regel erst nach Monaten bis Jahren auftreten und oft auch nach dem Absetzen bleiben [1]. Nebenwirkungen sollen laut Leitlinie aktiv erfragt werden; je nach Schwere sollen eine Anpassung der Dosis, ein Wechsel oder das Absetzen angeboten werden [1]. Ändern Sie nichts eigenständig; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Häufigkeiten laut Packungsbeilage oder Fachinformation, ohne Rangfolge; aufgeführt sind auch Antipsychotika, die für die Schizophrenie nicht zugelassen sind:
| Wirkstoff | Gewichtszunahme | Müdigkeit | Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie) | Spätdyskinesien |
|---|---|---|---|---|
| Amisulprid | Häufig | Häufig | Sehr häufig | Gelegentlich |
| Aripiprazol | Nicht bekannt | Häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Benperidol | Nicht bekannt | Sehr häufig | Sehr häufig | Nicht bekannt |
| Cariprazin | Häufig | Häufig | Sehr häufig | Gelegentlich |
| Chlorprothixen | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Clozapin | Häufig | Sehr häufig | Häufig | Sehr selten |
| Flupentixol | Häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Gelegentlich |
| Haloperidol | Häufig | Häufig | Sehr häufig | Häufig |
| Levomepromazin | Häufig | Sehr häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Melperon | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt |
| Olanzapin | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Paliperidon | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Perazin | Gelegentlich | Häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Pipamperon | Nicht bekannt | Sehr häufig | Sehr häufig | Nicht bekannt |
| Promethazin | Nicht bekannt | Sehr häufig | Nicht bekannt | Nicht bekannt |
| Quetiapin | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Gelegentlich |
| Risperidon | Häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Gelegentlich |
| Sulpirid | Häufig | Häufig | Häufig | Nicht bekannt |
| Tiaprid | Gelegentlich | Häufig | Häufig | Selten |
| Ziprasidon | Häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig |
| Zuclopenthixol | Häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Gelegentlich |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Nicht in der Tabelle, weil Packungsbeilage bzw. Fachinformation die Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangaben nennen: Prothipendyl. Die Beschwerden stehen auf der Wirkstoffseite.
Clozapin bei Behandlungsresistenz
Clozapin ist laut Fachinformation zugelassen bei Schizophrenie, die trotz angemessener Dosis und Dauer auf mindestens zwei verschiedene Antipsychotika, darunter ein atypisches, nicht befriedigend angesprochen hat, und bei schweren, nicht behandelbaren neurologischen Nebenwirkungen anderer Antipsychotika [4]. Clozapin kann laut Packungsbeilage eine schwerwiegende Verringerung der weißen Blutkörperchen verursachen (Agranulozytose); deshalb wird das Blut vor Beginn und während der Behandlung regelmäßig untersucht, in den ersten 18 Wochen wöchentlich [4, 5]. Bei Fieber, grippeartigen Beschwerden, Halsschmerzen oder einer anderen Infektion sollen Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren, bevor Sie die nächste Tablette einnehmen [5]. Siehe auch Medikamentenspiegel.
Untersuchungen während der Behandlung
Vor Beginn einer Behandlung mit Antipsychotika sollen laut S3-Leitlinie Laborwerte bestimmt und ein EKG abgeleitet werden; bei Frauen im gebärfähigen Alter soll eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden [1]. Über die weiteren Kontrollen, unter anderem EKG, Blutzucker, Gewicht und Taillenumfang, sollen Sie und Ihre Angehörigen informiert werden; zusätzlich wird empfohlen, dass Sie Ihr Gewicht monatlich selbst kontrollieren [1]. Mehr unter Kontrollen und Blutwerte.
Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen mit Schizophrenie im gebärfähigen Alter soll laut S3-Leitlinie eine Beratung zur Familienplanung, zu Medikamenten in der Schwangerschaft und zu Unterstützungsangeboten angeboten werden. Medikamente in der Schwangerschaft sollen auf Situationen beschränkt sein, in denen die Folgen der unbehandelten Erkrankung die möglichen Gefahren für das Kind überwiegen; zur Einschätzung sollen Datenbanken wie Embryotox und die Fachinformationen genutzt werden [1]. Eine bestehende antipsychotische Dauerbehandlung sollte laut Embryotox in keinem Fall abrupt verringert oder abgesetzt werden [6]. Laut Embryotox sind viele atypische Antipsychotika, insbesondere Quetiapin, für den Einsatz in Schwangerschaft und Wochenbett geeignet [6]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Psychose: Schwangerschaft und Wochenbett.
Neue Medikamente
Die S3-Leitlinie listet neue Mittel auf, die etwa in den USA zugelassen wurden, in Deutschland aber derzeit nicht zugelassen und nicht verfügbar sind, zum Beispiel die Kombination Xanomelin und Trospiumchlorid, die nicht über Dopamin wirkt. Empfehlungen gibt sie dazu nicht [1].
Wie lange behandeln, Rückfall vorbeugen
Der Verlauf ist laut S3-Leitlinie sehr verschieden. Nach einer ersten Episode kann es bei etwa 20 von 100 Betroffenen zur Genesung ohne späteren Rückfall kommen. Bei etwa zwei Dritteln kann die Erkrankung in Episoden verlaufen, zwischen denen die Beschwerden ganz oder teilweise abklingen; bei weiteren etwa 5 bis 10 von 100 schreitet sie ohne abgrenzbare Episoden fort [1]. Ungünstig sind unter anderem eine lange unbehandelte erste Psychose, anhaltende Negativsymptome und unbehandelte Rückfälle [1]. Aus wenigen Langzeitstudien gibt es Hinweise, dass bei einem Teil der Betroffenen eine Genesung auch ohne Antipsychotika möglich ist; kontrollierte Studien dazu liegen nicht vor [1].
Zur Rückfallvorbeugung soll nach einer ersten Erkrankung und bei wiederkehrenden Episoden eine kontinuierliche Behandlung mit Antipsychotika angeboten werden [1]. Auf eine allgemeine Angabe zur Dauer verzichtet die Leitlinie; sie hängt unter anderem von der Schwere der Episode, dem Ansprechen, Nebenwirkungen und Ihrer Lebenssituation ab [1]. Eine Verringerung oder ein Absetzen kann im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidung angeboten werden, wenn Sie ausreichend stabil sind, genügend unterstützt werden, regelmäßige Kontrollen möglich sind und keine Gefahr für Sie oder andere besteht; in jedem Fall soll über das erhöhte Rückfallrisiko beim Absetzen aufgeklärt werden. Danach soll mindestens zwei Jahre lang eine Beobachtung auf Anzeichen eines Rückfalls angeboten werden [1]. Setzen Sie ein Antipsychotikum nie eigenmächtig ab: Verringern und Absetzen geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Antipsychotika absetzen und Wie lange behandeln?
Krisenpläne und Behandlungsvereinbarungen sollen angeboten werden, um Einweisungen gegen den Willen zu vermeiden [1]. Einen eigenen Plan mit persönlichen Frühwarnzeichen können Sie mit dem Krisenplan anlegen.
Selbsthilfe und Alltag

Menschen mit Schizophrenie haben laut S3-Leitlinie ein erhöhtes Risiko unter anderem für Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen und für einige Krebserkrankungen; ihre Lebenserwartung ist um etwa 15 Jahre verkürzt, unter anderem durch körperliche Begleiterkrankungen, Rauchen und eine zu geringe Nutzung medizinischer Angebote [1]. Deshalb soll eine regelmäßige Überwachung der körperlichen Gesundheit angeboten werden, und bei hohem Blutdruck, auffälligen Blutfetten, Übergewicht, Diabetes, Rauchen oder Bewegungsmangel soll eine Behandlung angeboten werden [1]. Wer raucht, soll dieselben Hilfen zum Aufhören bekommen wie andere Rauchende, mit Aufklärung über mögliche Änderungen der Blutspiegel von Antipsychotika (siehe Rauchen) [1].
Wer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten möchte, soll laut Leitlinie Programme angeboten bekommen, die rasch auf einen Arbeitsplatz vermitteln und dort begleiten (Supported Employment); Menschen mit Schizophrenie sollten selbstbestimmt in der Gemeinde wohnen und bei Bedarf aufsuchend unterstützt werden [1]. Die Selbsthilfe von Betroffenen und Angehörigen sollte gefördert werden [1]. Ein Angebot ist das Psychoseseminar, auch Trialog genannt: offene Treffen außerhalb von Kliniken, etwa in einer Volkshochschule, bei denen Menschen mit Psychoseerfahrung, Angehörige und Fachleute gleichberechtigt über ihre Erfahrungen sprechen [1]. Mehr unter Arbeit und Beruf.
Für Angehörige
Angehörige sind laut S3-Leitlinie erheblichen seelischen Belastungen ausgesetzt und zugleich auf lange Sicht die wichtigste Quelle sozialer Unterstützung. Sie sollen als Mitbetroffene gelten, unter Wahrung der Schweigepflicht Informationen angeboten bekommen und je nach Bedarf Unterstützung erhalten [1]. Lehnt die erkrankte Person ab, dass Angehörige einbezogen werden, soll das respektiert werden; Angehörige sollten dann trotzdem eigene Beobachtungen mitteilen können und allgemeine Informationen bekommen, etwa in Angehörigengruppen oder trialogischen Gruppen [1]. Familien sollen nach einer ersten Episode und nach einem Rückfall Familieninterventionen angeboten werden; dazu gehören je nach Ansatz Informationen, Übungen zum Lösen von Problemen und zur Kommunikation und der Austausch mit anderen Familien [1].
In akuten Phasen mit Wahnvorstellungen und bei einer Vergiftung durch Alkohol oder Drogen ist laut Leitlinie das Risiko erhöht, sich selbst oder andere zu gefährden. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung mit hohem Gefahrenpotenzial ist gegebenenfalls eine Unterbringung gegen den Willen nach dem Betreuungsrecht oder den Psychisch-Kranken-Gesetzen der Bundesländer einzuleiten [1]. Zwangsmaßnahmen sollen erst erfolgen, wenn alle Maßnahmen zur Deeskalation nicht erfolgreich waren [1]. Mehr unter Unterbringung und Zwangsbehandlung und Angehörige.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Bei Menschen mit Schizophrenie ist das Suizidrisiko laut S3-Leitlinie erheblich erhöht; besonders kritisch scheint die Zeit nach der ersten Diagnose zu sein [1]. Bei der Einschätzung sollten unter anderem depressive Beschwerden und frühere Suizidversuche, schwere Krankheitszeichen wie Halluzinationen, eine unbehandelte Erkrankung, Panikattacken, starke Unruhe, Schlafstörungen und Angst, eine durch Medikamente ausgelöste Akathisie, Substanzmissbrauch, soziale Isolation und die Entlassung aus der Klinik berücksichtigt werden [1]. Eine postschizophrene Depression ist laut ICD-10-GM mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden [3]. Suizidalität soll laut Leitlinie offen und einfühlsam angesprochen werden; passende Maßnahmen sollen angeboten und eingeleitet werden [1].
Bei jedem Antipsychotikum möglich ist laut S3-Leitlinie ein malignes neuroleptisches Syndrom, eine lebensbedrohliche psychiatrische Notfallsituation, beschrieben vor allem bei hochpotenten Antipsychotika der ersten Generation in den ersten zwei bis vier Wochen. Anzeichen sind unter anderem Fieber mit starkem Schwitzen, Muskelsteifigkeit, Bewusstseinsstörungen oder Verwirrtheit und starke Schwankungen von Puls und Blutdruck [1]. Mehr unter Malignes neuroleptisches Syndrom.
Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise.
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (veröffentlicht 15.07.2026); laut DGPPN-Übersicht gültig bis 12.07.2027. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Schizophrenie. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
- Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F20 bis F29: Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026, Stand 12.09.2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026 (Version 7). abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Psychosen. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Psychosen mit komorbider substanzbezogener Störung, Kurzversion, Version 1.0 (AWMF-Registernummer 038-027). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand Fassung vom 26.11.2025 (veröffentlicht 22.06.2026). abgerufen am 23.10.2026
Weiterführend Schizophrenie auf Med-Nebenwirkungen.de
Häufige Fragen
Ist Schizophrenie heilbar?
Der Verlauf ist laut S3-Leitlinie sehr unterschiedlich. Nach einer ersten Episode kann es bei etwa 20 von 100 Betroffenen zur Genesung ohne späteren Rückfall kommen; bei etwa zwei Dritteln kann die Erkrankung in Episoden verlaufen, zwischen denen die Beschwerden ganz oder teilweise abklingen, bei etwa 5 bis 10 von 100 verläuft sie fortschreitend. Ziel der Behandlung ist laut Leitlinie ein weitgehend beschwerdefreies, selbstbestimmtes Leben.
Welche Medikamente werden bei Schizophrenie eingesetzt?
Eingesetzt werden Antipsychotika, zum Beispiel Amisulprid, Aripiprazol, Haloperidol, Olanzapin, Quetiapin oder Risperidon. Sie unterscheiden sich laut S3-Leitlinie in der Wirkung weniger als in den Nebenwirkungen; bei einer ersten Erkrankung soll die Auswahl vor allem nach den Nebenwirkungen erfolgen. Bei einer Behandlungsresistenz soll Clozapin angeboten werden; zugelassen ist es laut Fachinformation unter anderem, wenn mindestens zwei andere Antipsychotika, darunter ein atypisches, trotz angemessener Dosis und Dauer nicht ausreichend geholfen haben. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ist Schizophrenie vererbbar?
Erbliche Faktoren spielen laut S3-Leitlinie eine große Rolle. Das Risiko ist bei Angehörigen Betroffener erhöht, abhängig vom Verwandtschaftsgrad; bei eineiigen Zwillingen liegt es bei 45 bis 50 Prozent. Bekannt sind mehr als 100 Risikogene mit jeweils kleinem Beitrag, deshalb gehört ein Gentest nicht zur Routinediagnostik. Ob die Erkrankung ausbricht, hängt auch von Umweltfaktoren wie dem Gebrauch von Cannabis oder Amphetaminen ab.
Kann man Schizophrenie ohne Medikamente behandeln?
Eine Verhaltenstherapie für Psychosen sollte laut S3-Leitlinie auch dann angeboten werden, wenn Antipsychotika abgelehnt werden. Bei einer ersten Erkrankung sollte laut Leitlinie möglichst früh eine Behandlung mit Antipsychotika angeboten werden; ein Aufschub um einige Tage bis Wochen kann unter engmaschiger Kontrolle angeboten werden, ebenso eine Behandlung nach Soteria-Prinzipien, soweit es sie gibt. Zur Rückfallvorbeugung sollen Antipsychotika angeboten werden; über das erhöhte Rückfallrisiko beim Absetzen soll aufgeklärt werden. Entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Sind Menschen mit Schizophrenie gefährlich?
Gewaltdelikte kommen in Deutschland laut S3-Leitlinie bei 0,05 Prozent der Menschen mit Schizophrenie vor; weitaus häufiger werden Betroffene selbst Opfer von Gewalt. Wesentliche Risikofaktoren für aggressives Verhalten sind laut Leitlinie unter anderem unbehandelte psychotische Beschwerden und Substanzmissbrauch. Die Leitlinie bezeichnet die Behandlung der Erkrankung deshalb als beste Vorbeugung gegen Gewalt.
Wie lange muss man Medikamente gegen Schizophrenie nehmen?
Eine allgemeine Dauer nennt die S3-Leitlinie nicht. Zur Rückfallvorbeugung soll eine kontinuierliche Behandlung mit Antipsychotika angeboten werden; wie lange, hängt unter anderem von der Schwere der Episode, dem Ansprechen, Nebenwirkungen und Ihrer Lebenssituation ab. Eine Verringerung oder ein Absetzen kann bei ausreichender Stabilität gemeinsam beschlossen werden, mit Aufklärung über das erhöhte Rückfallrisiko und einer Beobachtung über mindestens zwei Jahre. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
Gibt es einen Test auf Schizophrenie?
Die Diagnose stellen Fachleute im Gespräch und mit einer strukturierten Untersuchung nach den Kriterien der ICD-10; dazu gehören Untersuchungen, die körperliche Ursachen ausschließen, etwa Blutwerte, ein Drogentest und ein MRT des Kopfes. Instrumente zur Einschätzung eines erhöhten Psychoserisikos sollen laut S3-Leitlinie nur von geschultem Fachpersonal angewendet werden. Ein Selbsttest kann diese Abklärung nicht ersetzen.
Was ist eine paranoide Schizophrenie?
Die paranoide Schizophrenie (F20.0) ist laut S3-Leitlinie mit über 65 von 100 Fällen die häufigste Form. Nach der ICD-10-GM stehen beständige, häufig paranoide Wahnvorstellungen im Vordergrund, meist mit Stimmenhören und anderen Wahrnehmungsstörungen; Störungen von Stimmung, Antrieb und Sprache sind wenig auffallend. In der ICD-11 gibt es die Unterformen nicht mehr.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
-
-
-
Behandlung Wie lange behandeln?Wie lange ein Psychopharmakon genommen wird, hängt von Erkrankung und Mittel ab.