MedikamenteWirkstoff

Fluoxetin

Fluoxetin ist ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), bei Erwachsenen zugelassen bei Depression, Zwangsstörung und, ergänzend zu einer Psychotherapie, bei Bulimie; bei Kindern und Jugendlichen ab 8 Jahren ist es für mittelgradige bis schwere Depressionen zugelassen, wenn sie nach 4 bis 6 Sitzungen nicht auf eine psychologische Behandlung ansprechen, und nur zusammen mit einer psychologischen Behandlung. Fluoxetin hat eine lange Halbwertszeit: Auch 5 bis 6 Wochen nach dem Absetzen ist noch wirksame Substanz im Körper. Abgesetzt wird es nur nach ärztlicher Absprache und schrittweise.

Frau Mitte vierzig bereitet in einer hellen Küche eine einfache Gemüsesuppe zu und blickt ruhig auf den Topf
Bild: KI-generiert

Wofür wird Fluoxetin eingesetzt?

Fluoxetin ist bei Erwachsenen zur Behandlung von Depressionen (Episoden einer Major Depression) und der Zwangsstörung zugelassen. Bei der Bulimie, einer Essstörung, wird es als Ergänzung zu einer Psychotherapie angewendet, um Essattacken und selbst herbeigeführtes Erbrechen zu verringern. [1, 2]

Bei Kindern und Jugendlichen ab 8 Jahren ist Fluoxetin für mittelgradige bis schwere Episoden einer Major Depression zugelassen, wenn die Depression nach 4 bis 6 Sitzungen nicht auf eine psychologische Behandlung anspricht. Ein Antidepressivum sollte ihnen laut Fachinformation nur zusammen mit einer gleichzeitigen psychologischen Behandlung gegeben werden; bei anderen Erkrankungen darf Fluoxetin in dieser Altersgruppe nicht angewendet werden, bei Kindern unter 8 Jahren überhaupt nicht. Mehr dazu unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [1, 2]

Wie wirkt Fluoxetin?

Fluoxetin gehört zu den selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI), einer Gruppe der Antidepressiva. Serotonin ist ein Botenstoff, über den Nervenzellen Signale weitergeben. Laut Packungsbeilage ist unklar, wie Fluoxetin und andere SSRI wirken; sie können helfen, den Serotonin-Spiegel im Gehirn zu erhöhen. Laut Fachinformation ist die Wirkung wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Fluoxetin gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin hemmt; zu anderen Andockstellen (Rezeptoren) hat es praktisch keine Bindung. Wie Antidepressiva insgesamt wirken, erklärt die Seite Wie wirken Antidepressiva? [1, 2]

Die höchsten Spiegel im Blut werden im Allgemeinen 6 bis 8 Stunden nach der Einnahme erreicht. Fluoxetin wird weitgehend über das Enzym CYP2D6 verstoffwechselt, hauptsächlich in der Leber zu Norfluoxetin, das ebenfalls wirkt. Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert, beträgt bei Fluoxetin 4 bis 6 Tage und bei Norfluoxetin 4 bis 16 Tage. Wegen dieser langen Halbwertszeiten ist auch 5 bis 6 Wochen nach dem Absetzen noch wirksame Substanz im Körper. Einen gleichbleibenden Spiegel erreicht Fluoxetin nach mehreren Wochen Einnahme. Bei eingeschränkter Leberfunktion sind die Halbwertszeiten laut Fachinformation verlängert. [2]

Laut Fachinformation sollten die langen Halbwertszeiten bei möglichen Wechselwirkungen beachtet werden, zum Beispiel beim Umstellen von Fluoxetin auf ein anderes Antidepressivum; auch bei Beginn oder Ende der Behandlung ist zu bedenken, dass noch für Wochen wirksame Substanz im Körper bleibt. Ein Wechsel geschieht immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Einen Vergleich mit einem anderen SSRI zeigt die Seite Sertralin oder Fluoxetin. [2]

Wann wirkt Fluoxetin und wie lange wird behandelt?

Laut Packungsbeilage kann es sein, dass es Ihnen nicht gleich besser geht, wenn Sie mit der Einnahme beginnen. Wie lange Sie Fluoxetin nehmen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; Veränderungen können Sie dafür im Stimmungstagebuch festhalten. Mehr zur Dauer unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? und zu den ersten Wochen unter Die ersten Wochen mit einem Psychopharmakon. [1]

  1. BeginnAm häufigsten berichtet werden laut Fachinformation Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Müdigkeit und Durchfall; Schwere und Häufigkeit der Nebenwirkungen können im Verlauf der Behandlung abnehmen. Quälende innere Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie) tritt am ehesten in den ersten Behandlungswochen auf. Kinder und Jugendliche beginnen mit einer niedrigeren Dosis; bei älteren Menschen rät die Fachinformation zur Vorsicht bei einer Dosiserhöhung.[2]
  2. Erste WirkungLaut Packungsbeilage kann es einige Wochen dauern, bis sich die depressiven Beschwerden bessern; Antidepressiva brauchen gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger, bis sie wirken. Laut Fachinformation wird die Dosis bei einer Depression innerhalb von 3 bis 4 Wochen nach Behandlungsbeginn überprüft, bei einer Zwangsstörung nach zwei Wochen. Bessert sich eine Zwangsstörung innerhalb von 10 Wochen nicht, wird die Behandlung überdacht; bei Kindern und Jugendlichen mit Depression gilt das, wenn innerhalb von 9 Wochen keine Besserung eintritt.[1, 2]
  3. Wirkung prüfenBei einer Depression soll laut NVL Unipolare Depression ab Erreichen der Standarddosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob sich die Behandlung in Richtung der vereinbarten Ziele entwickelt. Für ältere Menschen nennt die Leitlinie eine Zeit bis zum Wirkungseintritt von bis zu 6 Wochen.[4]
  4. ErhaltungLaut Fachinformation sollten Menschen mit einer Depression über einen ausreichenden Zeitraum von mindestens 6 Monaten behandelt werden, um sicherzugehen, dass sie beschwerdefrei sind. Laut NVL soll empfohlen werden, das Antidepressivum 6 bis 12 Monate über das Abklingen der depressiven Episode (Remission) hinaus in gleicher Dosis weiter einzunehmen. Bei einer Zwangsstörung ist es laut Fachinformation vernünftig, die Behandlung bei Ansprechen über 10 Wochen hinaus fortzusetzen und ihre Notwendigkeit von Zeit zu Zeit zu überprüfen; eine Langzeitwirksamkeit über 24 Wochen hinaus ist dort nicht nachgewiesen, bei Bulimie nicht über 3 Monate hinaus. Bei Kindern und Jugendlichen, die ansprechen, wird nach 6 Monaten geprüft, ob die Behandlung fortgesetzt werden muss.[2, 4]
  5. Rückfall vorbeugenLaut NVL Unipolare Depression sollte Menschen mit 2 bis 3 oder mehr depressiven Episoden und bedeutsamen Einschränkungen im Alltag in den letzten 5 Jahren empfohlen werden, das Antidepressivum mindestens 2 Jahre lang zur langfristigen Rückfallvorbeugung (Rezidivprophylaxe) in der Dosis weiter einzunehmen, die in der Akutbehandlung gewirkt hat. Diese Empfehlung gilt für Antidepressiva allgemein. Die Fachinformation nennt die Vorbeugung neuer depressiver Episoden für Fluoxetin nicht als eigenes Anwendungsgebiet.[2, 4]
  6. AbsetzenDie Behandlung endet nur nach ärztlicher Absprache. Laut Fachinformation sollte ein plötzliches Absetzen vermieden und die Dosis über mindestens 1 bis 2 Wochen schrittweise verringert werden, entsprechend den Bedürfnissen der behandelten Person. Nach dem Ende der Einnahme bleibt noch für Wochen wirksame Substanz im Körper. Am Ende einer Erhaltungstherapie oder einer langfristigen Rückfallvorbeugung (Rezidivprophylaxe) sollte ein Antidepressivum laut NVL über mindestens 8 bis 12 Wochen ausgeschlichen werden, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen. Absetzreaktionen sind laut Fachinformation häufig, besonders nach plötzlichem Absetzen; sie klingen im Allgemeinen innerhalb von 2 Wochen ab, bei einigen Menschen können sie 2 bis 3 Monate oder länger anhalten. Die NVL ordnet das Risiko für Absetzsymptome bei Fluoxetin als gering ein.[1, 2, 4]

Nebenwirkungen im Blick

Eine Gewichtszunahme führen Packungsbeilage und Fachinformation nicht als Nebenwirkung auf; häufig sind dagegen Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Sexuelle Funktionsstörungen, auch Orgasmusprobleme, blieben gelegentlich nach dem Ende der Behandlung bestehen. In epidemiologischen Studien, überwiegend mit Menschen ab 50 Jahren, wurde unter SSRI und trizyklischen Antidepressiva ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche beobachtet. Niedrige Salzwerte im Blut sind selten. Eine im EKG gemessene Verlängerung der QT-Zeit ist laut Fachinformation häufig, Herzrhythmusstörungen der Herzkammern sind selten; mehr dazu unter Kontrollen während der Behandlung. Beim Beenden der Behandlung sind Absetzreaktionen laut Fachinformation häufig; wie die NVL das Risiko einschätzt, steht unter Einnahme und Absetzen. [1, 2]

In klinischen Studien mit Kindern und Jugendlichen wurden suizidales Verhalten, Feindseligkeit, manische Reaktionen und Nasenbluten häufig berichtet, häufiger als unter Placebo. In einer Studie über 19 Wochen nahmen Kinder und Jugendliche unter Fluoxetin weniger an Körpergröße und Gewicht zu als unter Placebo; eine Verzögerung der Pubertät kann laut Fachinformation nicht ausgeschlossen werden. [2]

Nebenwirkungen im Blick

Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.

"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen von Fluoxetin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de.

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Schlaflosigkeit (laut Fachinformation einschließlich frühmorgendlichem Erwachen, Ein- und Durchschlafstörungen)[1, 2]
  • Sehr häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
  • Sehr häufig: Durchfall, Übelkeit[1, 2]
  • Sehr häufig: Müdigkeit (laut Fachinformation einschließlich Schwäche)[1, 2]
  • Häufig: Appetitlosigkeit[1, 2]
  • Häufig: Nervosität, Angst, Ruhelosigkeit, sich angespannt fühlen[1, 2]
  • Häufig: Verminderter Sexualtrieb[1, 2]
  • Häufig: Schlafstörungen, ungewöhnliche Träume (laut Fachinformation einschließlich Albträumen)[1, 2]
  • Häufig: Schlechte Konzentrationsfähigkeit, Müdigkeit oder Schläfrigkeit, Schwindel, Geschmacksveränderungen, unkontrollierbare schüttelnde Bewegungen (Zittern)[1, 2]
  • Häufig: Verschwommenes Sehen[1, 2]
  • Häufig: Gefühl eines schnellen und unregelmäßigen Herzschlags (Palpitationen)[1, 2]
  • Häufig: Verlängerung der QT-Zeit im Elektrokardiogramm (EKG)[2]
  • Häufig: Hautrötung (laut Fachinformation einschließlich Hitzewallung)[1, 2]
  • Häufig: Gähnen[1, 2]
  • Häufig: Verdauungsstörung, Erbrechen, Mundtrockenheit[1, 2]
  • Häufig: Hautausschlag, Nesselsucht, Juckreiz, starkes Schwitzen[1, 2]
  • Häufig: Gelenkschmerzen[1, 2]
  • Häufig: Häufigeres Wasserlassen[1, 2]
  • Häufig: Sexuelle Probleme, einschließlich Schwierigkeiten, eine Erektion aufrechtzuerhalten; laut Fachinformation auch Ejakulationsstörungen[1, 2]
  • Häufig: Unerklärbare vaginale Blutungen[1, 2]
  • Häufig: Gefühl von Zittrigkeit oder Schüttelfrost[1, 2]
  • Häufig: Gewichtsverlust[1, 2]

Alle Nebenwirkungen von Fluoxetin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de, dort auch die Angaben für Kinder und Jugendliche

Was Angaben wie "häufig" oder "gelegentlich" bedeuten, zeigt der Häufigkeits-Übersetzer. Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: sexuelle Probleme, Müdigkeit, vermehrtes Schwitzen, innere Unruhe (Akathisie), Natriummangel sowie Herz und QT-Zeit.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Wer depressiv ist oder an einer Angststörung leidet, kann manchmal Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva können solche Gedanken verstärkt sein, weil diese Mittel einige Zeit brauchen, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger. Wahrscheinlicher ist das bei Menschen, die solche Gedanken schon früher hatten, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, gehen Sie sofort zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in ein Krankenhaus. [1]

Laut Packungsbeilage kann es hilfreich sein, einer Freundin, einem Freund oder Angehörigen von der Depression oder Angststörung zu erzählen und sie zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sich Ihre Beschwerden aus ihrer Sicht verschlimmern oder wenn sie sich Sorgen über Veränderungen in Ihrem Verhalten machen. Was Ihnen in einer Krise hilft und wen Sie anrufen können, lässt sich vorab im Krisenplan festhalten. [1]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann Ende fünfzig sitzt mit seiner erwachsenen Tochter bei einer Tasse Tee auf einer Gartenterrasse und unterhält sich
Bild: KI-generiert

Ändern Sie die Dosis nicht selbst und setzen Sie Fluoxetin nicht auf eigene Faust ab. Bei der Behandlung einer Depression sollen laut NVL Wirkungen und typische Nebenwirkungen aktiv erfragt werden, gerade solche wie sexuelle Funktionsstörungen, die Betroffene eher nicht von sich aus ansprechen. [1, 4]

Fühlen Sie sich unruhig und können nicht still sitzen oder stehen (Akathisie), wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; eine Erhöhung der Dosis kann diese Beschwerden verschlechtern. [1]

Beschwerden, Stimmung und Schlaf können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch notieren und mit den Fragen fürs Arztgespräch den nächsten Termin vorbereiten.

Kontrollen während der Behandlung

Nach der Markteinführung wurden unter Fluoxetin Verlängerungen des QT-Intervalls und Herzrhythmusstörungen der Herzkammern einschließlich Torsade de Pointes berichtet. Das QT-Intervall ist ein Abschnitt der elektrischen Herzaktivität, der im EKG (Herzstromkurve) zu sehen ist. Bei der Behandlung einer Depression soll das Monitoring laut NVL nach einer Tabelle der Leitlinie erfolgen; ein EKG nennt sie bei Fluoxetin für Menschen mit einem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder mit einer solchen Erkrankung. Die Zeitpunkte sind Orientierungswerte, von denen im begründeten Fall abgewichen werden kann. [2, 4]

Kontrolluntersuchungen bei Fluoxetin
UntersuchungWann oder warum
Befinden, Stimmung und VerhaltenEngmaschig, vor allem zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen, bis eine Besserung eintritt; besonders sorgfältig bei suizidalem Verhalten in der Vorgeschichte oder ausgeprägten Suizidabsichten vor Beginn der Behandlung. Dasselbe gilt bei der Behandlung anderer psychischer Erkrankungen[2]
Gespräch über Wirkung, Einnahme und NebenwirkungenBei einer Depression laut NVL in den Monaten 1 bis 3 je zweimal (diese Termine auch telefonisch möglich), in den Monaten 4 bis 6 je einmal, danach vierteljährlich[4]
EKG (Herzstromkurve)Bei einer Depression laut NVL vor Beginn und im 1. Monat, wenn ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine solche Erkrankung besteht. Laut Fachinformation sollte bei einer stabilen Herzerkrankung vor Beginn ein EKG erwogen werden; treten Zeichen von Herzrhythmusstörungen auf, sieht sie eine Unterbrechung der Behandlung und ein EKG vor[2, 4]
Blutbild und Nierenwerte (GFR, berechnet aus dem Kreatinin)Bei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat, danach halbjährlich; bei langfristig stabilem Verlauf können jährliche Kontrollen ausreichen[4]
Leberwerte (Leberenzyme)Bei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat; bei bedeutsamen Begleiterkrankungen oder vielen weiteren Medikamenten zusätzlich in den Monaten 2 bis 5 und danach vierteljährlich[4]
Salze im Blut (Elektrolyte, darunter Natrium)Bei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat, danach halbjährlich (bei langfristig stabilem Verlauf können jährliche Kontrollen ausreichen). Ein Natriummangel ist laut Fachinformation eine Nebenwirkung von Fluoxetin; zusammen mit anderen Mitteln, die einen Natriummangel verursachen können, etwa Entwässerungsmitteln, Desmopressin, Carbamazepin oder Oxcarbazepin, kann das Risiko steigen[2, 4]
Blutdruck und PulsBei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 1. und im 6. Monat[4]
KörpergewichtBei einer Depression laut NVL vor Beginn, im 3. und im 6. Monat, danach vierteljährlich; bei langfristig stabilem Verlauf können seltenere Kontrollen ausreichen. Laut Fachinformation kann es unter Fluoxetin zu Gewichtsverlust kommen[2, 4]
Blutzucker bei DiabetesEine Behandlung mit SSRI kann die Blutzuckereinstellung beeinflussen; unter Fluoxetin traten Unterzuckerungen auf, nach dem Ende der Behandlung erhöhte Blutzuckerwerte. Insulin oder Diabetes-Tabletten müssen eventuell angepasst werden[2]
Wachstum und Pubertätsentwicklung bei Kindern und JugendlichenKörpergröße, Gewicht und pubertäre Entwicklung sollten während und nach der Behandlung überwacht werden; außerdem wird eine regelmäßige Beobachtung auf manische oder hypomanische Zustände empfohlen[2]
Anfälle bei EpilepsieBei gut eingestellter Epilepsie ist eine sorgfältige Überwachung nötig; treten Krampfanfälle neu auf oder werden sie häufiger, sieht die Fachinformation den Abbruch der Behandlung vor[2]
Blutgerinnung (INR-Wert) bei gleichzeitiger Einnahme von Gerinnungshemmern zum EinnehmenKlinische Überwachung und häufigere Kontrollen des INR-Werts; während und nach dem Absetzen von Fluoxetin kann eine Anpassung der Dosis des Gerinnungshemmers nützlich sein[2]
Zustand bei gleichzeitiger Einnahme von PhenytoinUnter Fluoxetin wurden veränderte Phenytoin-Blutspiegel beobachtet, in einigen Fällen mit Vergiftungserscheinungen; laut Fachinformation sollte erwogen werden, die Phenytoin-Dosis vorsichtig anzupassen und den klinischen Zustand zu überwachen[2]

Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Was die einzelnen Werte bedeuten, erklärt die Seite Kontrollen während der Behandlung; mehr zum Herzrhythmus unter Herz und QT-Zeit.

Wechselwirkungen

Nicht zusammen mit Fluoxetin angewendet werden dürfen irreversible, nicht selektive MAO-Hemmer wie Tranylcypromin, weil es zu schwerwiegenden Reaktionen wie einem Serotonin-Syndrom kommen kann. Nach dem Ende von Fluoxetin müssen mindestens 5 Wochen vergehen, bevor ein solcher MAO-Hemmer begonnen wird. Ebenfalls nicht erlaubt ist Metoprolol, wenn es gegen eine Herzschwäche eingesetzt wird, weil das Risiko steigt, dass der Herzschlag zu langsam wird. Mit MAO-Hemmern vom Typ A wie Moclobemid, dem Antibiotikum Linezolid und Methylenblau besteht das Risiko eines Serotonin-Syndroms. Mit anderen Mitteln, die auf Serotonin wirken, etwa Lithium, Tramadol, Triptanen oder Johanniskraut, ist das Risiko eines leichten Serotonin-Syndroms erhöht. [1, 2]

Fluoxetin hemmt stark das Enzym CYP2D6. Mittel, die darüber abgebaut werden, etwa Atomoxetin, Carbamazepin, trizyklische Antidepressiva oder Risperidon, sollten laut Fachinformation am unteren Ende ihres Dosisbereichs begonnen oder daran angepasst werden, auch wenn Fluoxetin in den letzten 5 Wochen eingenommen wurde. Die Wirkung des Brustkrebsmittels Tamoxifen kann vermindert sein; die gleichzeitige Anwendung sollte wann immer möglich vermieden werden. Mit Gerinnungshemmern zum Einnehmen, Acetylsalicylsäure und Schmerzmitteln wie Ibuprofen ist das Blutungsrisiko erhöht, Vorsicht gilt auch bei Clozapin. [1, 2]

Wechselwirkungen von Fluoxetin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Irreversible, nicht-selektive MAO-Hemmer (z. B. Iproniazid, Tranylcypromin)Schwerwiegende, möglicherweise lebensbedrohliche Reaktionen (Serotonin-Syndrom)[1, 2]Nicht zusammen einnehmen; Abstände von 2 bzw. 5 Wochen beachten
Metoprolol zur Behandlung einer HerzschwächeErhöhtes Risiko, dass der Herzschlag zu langsam wird[1, 2]Nicht zusammen einnehmen
MAO-Hemmer vom Typ A wie Moclobemid, Linezolid (Antibiotikum) und Methylthioniniumchlorid (Methylenblau)Risiko schwerwiegender, möglicherweise lebensbedrohlicher Nebenwirkungen (Serotonin-Syndrom)[1, 2]Fluoxetin kann einen Tag nach dem Absetzen reversibler MAO-Hemmer begonnen werden; die Ärztin oder der Arzt überwacht eventuell sorgfältig
Lithium, Selegilin, Johanniskraut, Tramadol, Buprenorphin, Triptane (gegen Migräne), TryptophanErhöhtes Risiko eines leichten Serotonin-Syndroms[1, 2]Die Ärztin oder der Arzt kontrolliert häufiger
Tamoxifen (gegen Brustkrebs)Die Wirkung von Tamoxifen kann vermindert sein[1, 2]Die Ärztin oder der Arzt erwägt eventuell eine andere antidepressive Behandlung
Arzneimittel mit Wirkung auf den Herzrhythmus: Antiarrhythmika der Klassen IA und III, Antipsychotika (z. B. Phenothiazine, Pimozid, Haloperidol), trizyklische Antidepressiva, bestimmte Antibiotika und Antiinfektiva (z. B. Sparfloxacin, Moxifloxacin, Erythromycin als Infusion, Pentamidin), Malariamittel (insbesondere Halofantrin), bestimmte Antihistaminika (Astemizol, Mizolastin, Mequitazin)Höheres Risiko für Änderungen der elektrischen Herzaktivität[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Blutverdünnende Mittel: Gerinnungshemmer wie Warfarin, NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac, Acetylsalicylsäure, ClozapinDie Wirkung dieser Mittel auf das Blut kann sich verändern; laut Fachinformation erhöhtes Blutungsrisiko[1, 2]Bei Warfarin: Tests, Dosisanpassung und häufigere Kontrollen bei Beginn oder Ende von Fluoxetin
Phenytoin (gegen Epilepsie)Blutspiegel von Phenytoin kann sich verändern[1, 2]Vorsichtiger Beginn und Kontrollen
Mittel, die den Natriumspiegel senken können: Entwässerungsmittel, Desmopressin, Carbamazepin, OxcarbazepinNatriumspiegel kann zu stark sinken[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Mittel, die das Krampfrisiko erhöhen: trizyklische Antidepressiva, andere SSRI, Bupropion, Mefloquin, Chloroquin, Tramadol, Antipsychotika wie Phenothiazine oder ButyrophenoneHöheres Risiko für Krampfanfälle[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Flecainid, Propafenon, Nebivolol, Encainid, Carbamazepin, Atomoxetin, trizyklische Antidepressiva (z. B. Imipramin, Desipramin, Amitriptylin), RisperidonBlutspiegel dieser Mittel können sich verändern[1, 2]Die Ärztin oder der Arzt setzt eventuell eine niedrigere Dosis ein; laut Fachinformation gilt das auch, wenn Fluoxetin in den letzten 5 Wochen eingenommen wurde
Cyproheptadin (gegen Allergien)Die Wirkung von Fluoxetin kann vermindert sein[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
AlkoholLaut Fachinformation erhöhte Fluoxetin in Untersuchungen den Alkoholspiegel nicht und verstärkte die Alkoholwirkung nicht[1, 2]Sie sollten Alkohol während der Einnahme vermeiden

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren; wie ein Wechsel abläuft, unter Ein Psychopharmakon wechseln.

Wer Fluoxetin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Nicht anwenden bei

  • Allergie gegen Fluoxetin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Einnahme irreversibler, nicht-selektiver MAO-Hemmer (z. B. Iproniazid oder Tranylcypromin, gegen Depressionen): Fluoxetin frühestens 2 Wochen nach deren Ende beginnen; nach dem Ende von Fluoxetin mindestens 5 Wochen lang keinen solchen MAO-Hemmer einnehmen; wurde Fluoxetin über längere Zeit und/oder in höherer Dosierung eingenommen, sollte die Ärztin oder der Arzt einen längeren Abstand in Betracht ziehen[1, 2]
  • Einnahme von Metoprolol zur Behandlung einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz)[1, 2]
  • Kinder unter 8 Jahren[1]

Besondere Vorsicht bei

  • Herzerkrankungen; laut Fachinformation Vorsicht bei angeborenem Long-QT-Syndrom, QT-Verlängerung in der Familie, Kalium- oder Magnesiummangel, verlangsamtem Herzschlag, akutem Herzinfarkt oder dekompensierter Herzschwäche; bei stabiler Herzerkrankung sollte vor Beginn ein EKG erwogen werden[1, 2]
  • Manie, aktuell oder in der Vergangenheit[1, 2]
  • Blutungsstörungen in der Vergangenheit, Schwangerschaft, Einnahme von Blutverdünnern[1, 2]
  • Epilepsie oder Krampfanfälle, aktuell oder in der Vergangenheit; laufende Elektrokrampftherapie[1, 2]
  • Laufende Behandlung mit Tamoxifen (gegen Brustkrebs)[1, 2]
  • Diabetes: Die Ärztin oder der Arzt passt eventuell die Dosis von Insulin oder anderen blutzuckersenkenden Mitteln an; laut Fachinformation traten während der Behandlung Unterzuckerungen und nach dem Ende erhöhte Blutzuckerwerte auf[1, 2]
  • Lebererkrankungen: Eventuell muss die Dosis angepasst werden[1, 2]
  • Geringer Ruhepuls; Salzverlust durch lang anhaltenden, schweren Durchfall und Erbrechen oder durch Entwässerungsmittel; Behandlung mit Entwässerungsmitteln, besonders im höheren Alter[1, 2]
  • Erhöhter Augeninnendruck (Glaukom)[1, 2]
  • Suizidgedanken: Sie können zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva verstärkt sein, weil die Wirkung gewöhnlich erst nach etwa 2 Wochen, manchmal später einsetzt; wahrscheinlicher bei früheren Suizidgedanken und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre mit psychiatrischer Erkrankung. Es kann hilfreich sein, Angehörige oder Freunde einzubeziehen[1, 2]
  • Kinder und Jugendliche von 8 bis 18 Jahren: erhöhtes Risiko für Suizidversuch, Suizidgedanken und Feindseligkeit; nur bei mittelgradiger bis schwerer Depression zusammen mit psychologischer Behandlung. Zu Wachstum, Pubertät und Entwicklung bei Langzeitanwendung gibt es nur begrenzte Daten; Fluoxetin kann das Wachstum verlangsamen oder möglicherweise die sexuelle Entwicklung verzögern[1, 2]
  • Sexuelle Funktionsstörungen: In bestimmten Fällen blieben die Beschwerden nach dem Ende der Behandlung bestehen[1, 2]
  • Knochenbrüche: Bei Behandelten mit dieser Arzneimittelgruppe wurde ein erhöhtes Risiko beobachtet; laut Fachinformation in Studien hauptsächlich mit Menschen ab 50 Jahren[1, 2]

Bei älteren Menschen wird laut Fachinformation zur Vorsicht bei einer Dosiserhöhung geraten. Bei eingeschränkter Leberfunktion oder wenn weitere Mittel eingenommen werden, die mit Fluoxetin wechselwirken können, sollte eine niedrigere Dosis oder eine Einnahme in größeren Abständen in Betracht gezogen werden; die Angaben der Packungsbeilage stehen unter Dosierung. Mehr dazu unter Psychopharmaka im Alter. [2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Laut Packungsbeilage sollten Sie Alkohol vermeiden, während Sie Fluoxetin einnehmen. In gezielten Untersuchungen erhöhte Fluoxetin den Alkoholspiegel im Blut nicht und verstärkte die Wirkungen des Alkohols nicht; die Fachinformation rät trotzdem, während der Behandlung mit einem SSRI keinen Alkohol zu trinken. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2]

Laut Fachinformation hat Fluoxetin keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit; jedes Arzneimittel mit Wirkung auf die Psyche kann aber Urteilsvermögen und Fertigkeiten beeinflussen. Setzen Sie sich laut Packungsbeilage nicht ans Steuer eines Fahrzeugs und bedienen Sie keine Maschinen, bevor Sie wissen, wie Fluoxetin auf Sie wirkt. [1, 2] Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [12] Die Ausnahme für bestimmungsgemäß eingenommene, für einen konkreten Krankheitsfall verschriebene Arzneimittel in § 24a Abs. 4 StVG bezieht sich nur auf bestimmte Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG. [11] Mehr dazu unter Psychopharmaka und Autofahren.

Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Fluoxetin in der Schwangerschaft als "hoch" an; für Fluoxetin im ersten Drittel der Schwangerschaft wird in einigen Arbeiten ein gering erhöhtes Risiko für Herzfehlbildungen diskutiert. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Sertralin und Citalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach einer Einnahme im ersten Drittel der Schwangerschaft nennt Embryotox eine Ultraschall-Feindiagnostik, um die unauffällige Entwicklung des Kindes zu bestätigen. Für die Stillzeit nennt Embryotox sehr umfangreiche Erfahrungen mit über 200 stillenden Müttern. Allgemeines dazu unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. [3]

Schwangerschaft

Einige Studien beschreiben ein erhöhtes Risiko für Herzfehler beim Kind, wenn Fluoxetin in den ersten Schwangerschaftsmonaten eingenommen wurde. Arzneimittel wie Fluoxetin können, vor allem in den letzten drei Monaten eingenommen, beim Neugeborenen einen Lungenhochdruck (PPHN) verursachen, erkennbar an schnellerer Atmung und Blaufärbung der Haut meist in den ersten 24 Stunden, dann sofort Hebamme und/oder Ärztin oder Arzt informieren.[1]

Es ist besser, Fluoxetin in der Schwangerschaft nicht anzuwenden, es sei denn, der mögliche Nutzen überwiegt das Risiko; Sie und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt können beschließen, es vor oder während einer Schwangerschaft schrittweise zu beenden, oder dass es besser ist, es weiter einzunehmen. Bei Einnahme spät in der Schwangerschaft wurden beim Neugeborenen Reizbarkeit, Zittern, Muskelschwäche, anhaltendes Schreien sowie Schwierigkeiten beim Saugen und Schlafen berichtet; gegen Ende der Schwangerschaft kann das Risiko für schwere vaginale Blutungen kurz nach der Geburt erhöht sein.[1]

Laut Fachinformation soll ein abruptes Absetzen in der Schwangerschaft vermieden werden. Daten aus epidemiologischen Studien deuten darauf hin, dass SSRI, besonders spät in der Schwangerschaft angewendet, das Risiko für einen Lungenhochdruck beim Neugeborenen erhöhen können.[2]

Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit "hoch" an. Laut Embryotox ergaben mehrere tausend dokumentierte Schwangerschaften mit SSRI überwiegend keine eindeutigen Hinweise auf mehr Fehlbildungen; für Fluoxetin im ersten Drittel wird ein gering erhöhtes Risiko für Herzfehlbildungen diskutiert. Nach Einnahme von SSRI bis zur Geburt müssen Anpassungsstörungen beim Neugeborenen bedacht werden, die meist leicht sind und von selbst abklingen; die Entbindung sollte in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen. Embryotox nennt neben trizyklischen Antidepressiva Sertralin und Citalopram als Mittel der Wahl in der Schwangerschaft. Bei Planung einer Schwangerschaft unter stabiler Einstellung auf Fluoxetin sollte laut Embryotox wegen des angenommenen geringen Risikos für die Entwicklung des Kindes und der schlechten Steuerbarkeit durch die sehr lange Halbwertszeit eine Umstellung angestrebt werden, außer wenn die Einstellung schwierig war. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Fluoxetin geht in die Muttermilch über und kann beim Säugling Nebenwirkungen hervorrufen. Sie sollten daher nur stillen, wenn es unbedingt notwendig ist; dann kann die Ärztin oder der Arzt eine niedrigere Dosis verschreiben. Laut Fachinformation sollte bei notwendiger Behandlung ein Abstillen überlegt werden.[1, 2]

Laut Embryotox sollte bei einer Neueinstellung ein anderes SSRI, vor allem Sertralin, bevorzugt werden. Unter alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes erscheint Stillen akzeptabel, wenn in Kauf genommen wird, dass das Kind unter Umständen wirksame Fluoxetin-Konzentrationen im Blut aufbaut; treten beim Kind anders nicht erklärbare Beschwerden wie Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollte es kinderärztlich vorgestellt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Sie sollten Alkohol vermeiden, während Sie Fluoxetin einnehmen. Laut Fachinformation erhöhte Fluoxetin in Untersuchungen den Alkoholspiegel nicht und verstärkte die Alkoholwirkung nicht; dennoch wird geraten, keinen Alkohol zu trinken.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Psychopharmaka wie Fluoxetin können Urteilsfähigkeit und Koordinationsvermögen beeinflussen. Setzen Sie sich nicht ans Steuer und bedienen Sie keine Maschinen, bevor Sie wissen, wie Fluoxetin auf Sie wirkt. Laut Fachinformation hat Fluoxetin keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit.[1, 2]

Anwendung

Mit einer Mahlzeit oder unabhängig davon einnehmen. Eine ganze oder halbe Tablette entweder mit Wasser schlucken oder in einem halben bis ganzen Glas Wasser zerfallen lassen und sofort vollständig austrinken. Die Einnahme jeden Tag zur gleichen Zeit kann helfen, sie nicht zu vergessen.[1]

Einnahme vergessen: die übliche Dosis am nächsten Tag zur gewohnten Zeit nehmen, nicht die doppelte Dosis.[1]

Absetzen

Beenden Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache, auch wenn Sie sich besser fühlen, und achten Sie darauf, dass Ihnen die Tabletten nicht ausgehen. Beim Absetzen können Schwindel, Kribbeln wie mit Nadeln, Schlafstörungen (lebhafte Träume, Albträume, Schlaflosigkeit), Unruhe, ungewöhnliche Müdigkeit oder Schwäche, Angst, Übelkeit oder Erbrechen, Zittern und Kopfschmerzen auftreten; meist sind sie leicht und gehen innerhalb einiger Wochen zurück. Die Ärztin oder der Arzt verringert die Dosis innerhalb von ein bis zwei Wochen schrittweise. Laut Fachinformation können Absetzreaktionen bei einigen Menschen 2 bis 3 Monate oder länger anhalten.[1, 2]

Überdosierung

Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen und die Packung mitnehmen. Mögliche Zeichen: Übelkeit, Erbrechen, Krampfanfälle, Herzbeschwerden wie unregelmäßiger Herzschlag oder Herzstillstand, Lungenbeschwerden und Bewusstseinsveränderungen von Erregungszuständen bis zum Koma.[1]

Einnahme und Absetzen

Beenden Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, auch wenn Sie sich besser fühlen, und achten Sie laut Packungsbeilage darauf, dass Ihnen die Tabletten nicht ausgehen. Absetzreaktionen treten laut Fachinformation beim Beenden der Behandlung häufig auf, normalerweise in den ersten Tagen nach dem Absetzen; im Allgemeinen sind sie leicht bis mäßig schwer, bei einigen Menschen können sie schwerwiegend sein. [1, 2]

Treten nach dem Verringern oder Absetzen stark beeinträchtigende Absetzerscheinungen auf, sollte laut Fachinformation erwogen werden, die zuletzt eingenommene Dosis erneut einzunehmen und sie danach nach ärztlicher Anweisung in kleineren Schritten zu verringern. Die NVL ordnet das Risiko für Absetzsymptome bei Fluoxetin als gering ein; wegen seiner sehr langen Wirkdauer verursacht Fluoxetin laut Leitlinie kaum Absetzsymptome. Ausführlich: Antidepressiva absetzen und Absetzsymptome. [2, 4]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage nennt die Dosis getrennt nach Erkrankung und Alter. Bei Kindern und Jugendlichen sollte die Behandlung unter der Aufsicht einer Fachärztin oder eines Facharztes begonnen und überwacht werden. Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. [1]

Präparate mit Fluoxetin

Präparate mit Fluoxetin
PräparatAnbieterHinweis
Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tablettenratiopharm GmbHverschreibungspflichtig; teilbare Tabletten, die auch in Wasser zerfallen gelassen werden können; Grundlage dieser Seite
Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Hartkapselnratiopharm GmbHverschreibungspflichtig; eigene Packungsbeilage
Fluoxetin AbZ 20 mg HartkapselnAbZ-Pharma GmbHverschreibungspflichtig; eigene Packungsbeilage

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox: Fluoxetin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Kurzfassung, Version 3.2. NVL-Programm von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023. abgerufen am 22.10.2026
  5. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  6. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026

Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Fluoxetin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Ab wann wirkt Fluoxetin?

Laut Packungsbeilage kann es einige Wochen dauern, bis sich die depressiven Beschwerden bessern; Antidepressiva brauchen gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger, bis sie wirken. Die Ärztin oder der Arzt überprüft die Dosis bei einer Depression innerhalb von 3 bis 4 Wochen nach Beginn, bei einer Zwangsstörung innerhalb von 2 Wochen. Bei einer Depression soll laut NVL nach Erreichen der üblichen Dosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam geprüft werden, ob die Behandlung wirkt.

Wie hoch ist die Dosis von Fluoxetin?

Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Die Packungsbeilage nennt eigene Angaben für Depression, Zwangsstörung und Bulimie, für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren, für ältere Menschen und bei eingeschränkter Leberfunktion; sie stehen im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage auf dieser Seite. Nehmen Sie nicht mehr Tabletten ein, als Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen gesagt hat.

Nimmt man mit Fluoxetin zu oder ab?

Packungsbeilage und Fachinformation führen eine Gewichtszunahme bei Fluoxetin nicht als Nebenwirkung auf. Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, sind Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust; laut Fachinformation steht ein Gewichtsverlust im Allgemeinen im Verhältnis zum Ausgangsgewicht. Bei Kindern und Jugendlichen wurde in einer Studie über 19 Wochen eine geringere Zunahme an Körpergröße und Gewicht festgestellt. Bei einer Depression soll laut NVL das Körpergewicht vor Beginn und im Verlauf der Behandlung kontrolliert werden.

Macht Fluoxetin müde?

Das ist möglich: Müdigkeit, laut Fachinformation einschließlich Schwäche, gehört zu den sehr häufigen Nebenwirkungen und kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; Schläfrigkeit ist häufig. Ebenfalls sehr häufig ist Schlaflosigkeit. Schwere und Häufigkeit der Nebenwirkungen können laut Fachinformation im Verlauf der Behandlung abnehmen. Setzen Sie sich nicht ans Steuer und bedienen Sie keine Maschinen, bevor Sie wissen, wie Fluoxetin auf Sie wirkt.

Darf ich mit Fluoxetin Alkohol trinken?

Laut Packungsbeilage sollten Sie Alkohol vermeiden, während Sie Fluoxetin einnehmen. In Untersuchungen erhöhte Fluoxetin den Alkoholspiegel im Blut nicht und verstärkte die Wirkung von Alkohol nicht; die Fachinformation rät trotzdem, während der Behandlung mit einem SSRI keinen Alkohol zu trinken. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol.

Wie setzt man Fluoxetin ab?

Nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, auch wenn Sie sich besser fühlen. Laut Packungsbeilage hilft die Ärztin oder der Arzt Ihnen, die Dosis innerhalb von ein bis zwei Wochen schrittweise zu verringern. Möglich sind Schwindelgefühl, Kribbeln wie mit Nadeln, Schlafstörungen, Unruhe, ungewöhnliche Müdigkeit oder Schwäche, Angst, Übelkeit oder Erbrechen, Zittern und Kopfschmerzen; bei den meisten Menschen sind diese Beschwerden leicht und gehen innerhalb einiger Wochen von selbst zurück. Wegen der langen Halbwertszeiten von Fluoxetin und Norfluoxetin ist auch 5 bis 6 Wochen nach dem Absetzen noch wirksame Substanz im Körper.

Darf ich Fluoxetin in der Schwangerschaft nehmen?

Laut Packungsbeilage ist es besser, Fluoxetin in der Schwangerschaft nicht anzuwenden, es sei denn, der mögliche Nutzen überwiegt das Risiko. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang als hoch an und nennt Sertralin und Citalopram als besser geeignete Alternativen; bei der Planung einer Schwangerschaft unter stabiler Einstellung auf Fluoxetin sollte laut Embryotox eine Umstellung angestrebt werden, außer wenn die Einstellung schwierig war. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ein abruptes Absetzen soll in der Schwangerschaft laut Fachinformation vermieden werden.

Ist Fluoxetin für Kinder und Jugendliche zugelassen?

Ja, ab 8 Jahren, aber nur bei mittelgradigen bis schweren Episoden einer Major Depression, wenn die Depression nach 4 bis 6 Sitzungen nicht auf eine psychologische Behandlung anspricht, und nur zusammen mit einer gleichzeitigen psychologischen Behandlung. Die Behandlung sollte unter der Aufsicht einer Fachärztin oder eines Facharztes begonnen und überwacht werden. Bei Kindern unter 8 Jahren darf Fluoxetin nicht angewendet werden. Wachstum und Pubertätsentwicklung sollten laut Fachinformation während und nach der Behandlung überwacht werden.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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