MedikamenteWirkstoff
Flupentixol
Flupentixol ist ein verschreibungspflichtiges, laut Fachinformation hochpotentes Antipsychotikum aus der Gruppe der Thioxanthene. Als Depotspritze ist es zur Langzeitbehandlung und Rückfallvorbeugung schizophrener Psychosen zugelassen, als Filmtabletten zur Akut- und Langzeitbehandlung der Schizophrenie bei Erwachsenen; bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Fluanxol. Sehr häufig sind, besonders zu Beginn, Bewegungsstörungen, und vor der Behandlung wird das Blutbild kontrolliert.

Wofür wird Flupentixol eingesetzt?
Flupentixol gibt es als Depotspritze, die in einen Muskel gespritzt wird, und als Filmtabletten zum Einnehmen. Die Depotspritze ist zur Langzeitbehandlung und zur Vorbeugung von Rückfällen bei schizophrenen Psychosen zugelassen, die Filmtabletten zur Akut- und Langzeitbehandlung schizophrener Psychosen (Schizophrenie) bei Erwachsenen. Was unter einer Psychose verstanden wird, beschreibt die Seite Psychose. [1, 5]
Andere Anwendungsgebiete nennen Fachinformation und Packungsbeilagen nicht: Zugelassen ist Flupentixol nur bei schizophrenen Psychosen. Zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz ist die Depotspritze laut Fachinformation ausdrücklich nicht zugelassen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten nicht mit der Depotspritze behandelt werden, und die Filmtabletten werden bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen. [1, 4, 5]
Diese Seite beschreibt beide Formen. Grundlage für die Depotspritze sind die Fachinformation von Flupentixol-neuraxpharm und die Packungsbeilage von Fluanxol Depot 2 %, Grundlage für die Filmtabletten die Packungsbeilagen von Fluanxol 0,5 mg, 1 mg und 5 mg. Wo sich die Angaben der beiden Formen unterscheiden, steht in den Übersichten dieser Seite in Klammern, wofür sie gelten: "(Depotspritze)" für die Injektion in den Muskel, "(Filmtabletten)" für die Tabletten zum Einnehmen. Steht keine Klammer dabei, zeigt die Quellennummer die Herkunft: Die Quellen 1 und 4 sind Unterlagen der Depotspritze, Quelle 5 sind die Packungsbeilagen der Filmtabletten. [1, 4, 5]
Wie wirkt Flupentixol?
Flupentixol gehört zu den Antipsychotika, die auch Neuroleptika genannt werden, und dort zur Gruppe der Thioxanthene. Die Fachinformation bezeichnet es als hochpotentes Neuroleptikum, Embryotox als Antipsychotikum, das stark antipsychotisch wirkt (hochpotente Antipsychotika). Flupentixol bindet an Andockstellen (Rezeptoren) für den Botenstoff Dopamin vom Typ D1 und D2, außerdem an Serotonin-2-Rezeptoren und nur sehr schwach an Rezeptoren für Acetylcholin und Histamin. [1, 2, 5]
Laut Fachinformation wirkt es gegen Wahn, Halluzinationen, schizophrene Ich-Störungen und zerfahrenes Denken und dämpft psychomotorische Erregung und affektive Gespanntheit, also eine angespannte Stimmung. Die Bewegungsstörungen als Nebenwirkung erklärt die Fachinformation damit, dass die Übertragung durch Dopamin im Corpus striatum unterbrochen wird, einem Teil des Systems, über das das Gehirn die unwillkürlichen Bewegungen steuert. [1, 14]
In der Depotspritze liegt der Wirkstoff als Flupentixoldecanoat vor, also mit Decansäure verbunden, in einer öligen Lösung. Sie wird tief in einen Muskel gespritzt; aus diesem Öldepot wird der Wirkstoff langsam freigesetzt und im Körper in das wirksame Flupentixol umgewandelt. Der Spiegel im Blut steigt nach der Injektion langsam an und erreicht bei den meisten Menschen nach 4 bis 8 Tagen seinen Höchstwert, in einigen Fällen schon am zweiten Tag. Die Halbwertszeit der Freisetzung aus dem Depot beträgt nach einer Injektion 3 bis 8 Tage, nach mehreren Injektionen 17 Tage. [1]
Für die Behandlung der Schizophrenie nennt die S3-Leitlinie (Version 5.0, Fassung vom Juni 2026) Vor- und Nachteile von Depotformen allgemein. Sie umgehen den ersten Abbau in der Leber, die Spiegel schwanken weniger stark, was Nebenwirkungen durch wechselnd hohe Spiegel seltener macht, und die Gabe ist gesichert. Zu den Nachteilen gehören mit der Injektion verbundene Probleme, besonders die erlebte Stigmatisierung, und die geringere Steuerbarkeit. Mehr über diese Behandlungsform steht auf der Seite Depot-Antipsychotika. [14]
Wann wirkt Flupentixol und wie lange wird behandelt?
Bei Einnahme als Tabletten können antipsychotische Wirkungen laut Fachinformation möglicherweise schon zwei Tage nach Beginn beobachtet werden. Nach einer Depotspritze steigt der Spiegel im Blut dagegen langsam an. Die Nebenwirkungen sind zu Beginn der Behandlung häufiger und stärker ausgeprägt und lassen im weiteren Verlauf nach; laut Packungsbeilage der Filmtabletten klingen die meisten bei fortdauernder Behandlung ab. [1, 5]
Bei einer Schizophrenie soll laut S3-Leitlinie nach zwei bis vier Wochen überprüft werden, ob die Behandlung anspricht. Bevor eine Depotspritze begonnen wird, sollten Wirksamkeit und Verträglichkeit des Mittels laut Leitlinie in einer mindestens mehrwöchigen Behandlung mit der Form zum Einnehmen sichergestellt sein. Depot-Antipsychotika sollten in der Rückfallvorbeugung als Alternative zur Einnahme angeboten werden, und eine Behandlung zur Rückfallvorbeugung soll ohne Unterbrechung angeboten werden. [14]
Die Langzeitbehandlung mit der Depotspritze dauert laut Fachinformation in der Regel Monate oder Jahre, angestrebt wird die niedrigste notwendige Erhaltungsdosis. In der Zeitleiste stammt jeweils die erste Angabe zum Beginn und zur Erhaltung aus der Fachinformation der Depotspritze, die zweite aus der Packungsbeilage der Filmtabletten. Bei den Filmtabletten entscheidet laut Packungsbeilage die Ärztin oder der Arzt über die Dauer. Wie lange Sie Flupentixol bekommen, besprechen Sie gemeinsam; Hintergründe stehen unter Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [1, 5]
- BeginnBei der Depotspritze werden laut Fachinformation vor der Behandlung das Blutbild einschließlich Differenzialblutbild und Blutplättchen kontrolliert und ein niedriger Kaliumspiegel ausgeglichen; ein Ausgangs-EKG sollte vorliegen. Die Nebenwirkungen sind zu Beginn der Behandlung häufiger und stärker ausgeprägt und lassen im weiteren Verlauf nach. Fahren und das Bedienen von Maschinen sollten zumindest in der ersten Behandlungsphase ganz unterbleiben.[1, 4]
- BeginnLaut Packungsbeilage der Filmtabletten treten die Nebenwirkungen ihrer Häufigkeitsliste vor allem zu Beginn der Behandlung auf; die meisten klingen bei fortdauernder Behandlung ab.[5]
- Erste WirkungNach der Injektion steigt der Spiegel im Blut langsam an und erreicht bei den meisten Menschen nach 4 bis 8 Tagen seinen Höchstwert.[1]
- Erste WirkungBei Einnahme als Tabletten können antipsychotische Wirkungen laut Fachinformation möglicherweise bereits zwei Tage nach Beginn der Behandlung beobachtet werden.[1]
- ErhaltungBei der Depotspritze dauert die Langzeitbehandlung laut Fachinformation in der Regel Monate bzw. Jahre, angestrebt wird die niedrigste notwendige Erhaltungsdosis. Blutbild, Nieren- und Leberfunktion sowie Kreislauf und EKG werden regelmäßig kontrolliert.[1, 4]
- ErhaltungBei einer Langzeitbehandlung mit den Filmtabletten, vor allem mit hoher Dosierung, untersucht die Ärztin oder der Arzt Sie regelmäßig; möglich sind Kontrollen von Herzfunktion, Blutbild sowie Leber- und Nierenfunktion. Über die Dauer der Behandlung entscheidet die Ärztin oder der Arzt.[5]
- AbsetzenNach einer längeren Behandlung muss die Dosis laut Fachinformation in sehr kleinen Schritten über einen langen Zeitraum verringert werden. Plötzliches Absetzen kann Entzugserscheinungen auslösen, die innerhalb von 1 bis 4 Tagen beginnen und innerhalb von 7 bis 14 Tagen nachlassen. Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.[1, 5]
Nebenwirkungen im Blick
Die Nebenwirkungen hängen laut Fachinformation überwiegend von der Dosis ab. Sehr häufig sind Bewegungsstörungen: bei der Depotspritze frühe Bewegungsstörungen wie Zungen-Schlund-Krämpfe, Schiefhals oder Blickkrämpfe und Parkinson-Beschwerden mit verminderter Mimik, Zittern und Muskelsteifigkeit, bei beiden Formen die Sitzunruhe (Akathisie) mit dem Unvermögen, sitzen zu bleiben, und Bewegungsdrang. Laut Fachinformation sind dann eine niedrigere Dosis, ein Mittel gegen Parkinson-Beschwerden oder beides erforderlich (Bewegungsstörungen). [1, 4, 5]
Nach meist längerer und hoch dosierter Behandlung können Spätdyskinesien entstehen, anhaltende und vielfach nicht rückbildungsfähige unwillkürliche Bewegungen, vor allem der Kiefer- und Gesichtsmuskulatur. Sie können sich laut Fachinformation auch schon nach kurzer Behandlung mit niedriger Dosis entwickeln; ältere Menschen, besonders ältere Frauen, scheinen dafür anfälliger zu sein. Die Behandlung kann beginnende Spätdyskinesien zunächst verdecken, sodass sie erst nach dem Absetzen sichtbar werden. [1]
Zu den häufigen Beschwerden beider Formen gehören unter anderem eine Gewichtszunahme und weniger Lust auf Sex (sexuelle Probleme). Sehr häufig ist bei der Depotspritze Müdigkeit, bei den Filmtabletten Schläfrigkeit (Müdigkeit). Selten sind ein erhöhter Prolaktinspiegel (Prolaktin), eine starke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen (Blutbild) und eine Verlängerung der QT-Zeit im EKG (Herz und QT-Zeit). Bei der Depotspritze wurden laut Fachinformation außerdem EKG-Veränderungen beobachtet, Störungen der Erregungsausbreitung und -rückbildung im Herzen. [1, 5]
Gedanken, sich das Leben zu nehmen oder sich selbst zu verletzen, nennt die Packungsbeilage der Filmtabletten als sehr seltene Nebenwirkung; was dann zu tun ist, steht unter Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen. Entzugserscheinungen nach plötzlichem Absetzen beschreiben die Quellen ohne Häufigkeitsangabe; sie fehlen deshalb in der Übersicht und stehen unter Einnahme und Absetzen. [1, 5]
Nebenwirkungen im Blick
Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.
- MüdigkeitSehr häufig
- SchlafstörungenHäufig
- Unruhe und NervositätSehr häufig
- GewichtszunahmeHäufig
- Weniger oder veränderte Lust auf SexHäufig
- ErektionsstörungenGelegentlich
- MundtrockenheitSehr häufig
- Vermehrtes SchwitzenHäufig
- ÜbelkeitHäufig
- SchwindelHäufig
- ZitternSehr häufig
- BewegungsstörungenSehr häufig
- Herzrhythmus und QT-ZeitSelten
- Natriummangelnicht genannt
- Abhängigkeitnicht genannt
- Sitzunruhe (Akathisie)Sehr häufig
"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit.
Die folgende Liste nennt alle Nebenwirkungen, für die Fachinformation oder Packungsbeilagen eine Häufigkeit angeben; die Klammern zeigen, für welche Form eine Angabe gilt. Was die Häufigkeitsangaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"? [1, 4, 5]
Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen
- NervensystemFrühe Bewegungsstörungen (Frühdyskinesien) wie Zungen-Schlund-Krämpfe, Schiefhals, Kiefermuskelkrämpfe, Blickkrämpfe und Versteifung der Rückenmuskulatur (Depotspritze)[1]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
- NervensystemParkinson-Beschwerden (Parkinsonsyndrom) mit verminderter Mimik, Zittern, Muskelsteifigkeit (Rigor), Bewegungsarmut (Akinese) und vermehrtem Speichelfluss (Depotspritze)[1]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
- NervensystemSitzunruhe (Akathisie): Unfähigkeit, sitzen zu bleiben, und Bewegungsdrang[1, 5]Mehr dazu: Sitzunruhe (Akathisie)Unruhe und Nervosität
- NervensystemÜbermäßige Bewegungsaktivität (Hyperkinesie), verminderte Bewegungsaktivität (Hypokinesie)[1, 5]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
- Gefäße und KreislaufKreislaufbeschwerden beim Aufstehen (orthostatische Dysregulation), niedriger Blutdruck (Hypotonie), besonders zu Behandlungsbeginn und bei Phäochromozytom oder eingeschränkter Funktion der Hirngefäße, der Nieren oder des Herzens (Depotspritze)[1]
- HerzSchneller Herzschlag (Tachykardie), besonders zu Behandlungsbeginn und bei Phäochromozytom oder eingeschränkter Funktion der Hirngefäße, der Nieren oder des Herzens (Depotspritze)[1]Mehr dazu: Herzrasen
- Magen und DarmMundtrockenheit[1, 5]
- Allgemeine BeschwerdenMüdigkeit, besonders zu Beginn der Behandlung (Depotspritze)[1]Mehr dazu: Müdigkeit
- NervensystemSchläfrigkeit (Filmtabletten)[5]Mehr dazu: Müdigkeit
Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
- Stoffwechsel und ErnährungGewichtszunahme[1, 5]Mehr dazu: Gewichtszunahme
- Stoffwechsel und ErnährungGesteigerter Appetit, Appetitverlust (Depotspritze)[1]
- Stoffwechsel und ErnährungVermehrter Appetit (Filmtabletten)[5]
- PsycheVerminderte Lust auf Sex (Abnahme der Libido)[1, 5]Mehr dazu: Weniger Lust auf Sex
- PsycheSchlaflosigkeit, Depression, Nervosität, Agitiertheit (Filmtabletten)[5]Mehr dazu: Unruhe und Nervosität
- NervensystemUnwillkürliche Muskelverkrampfungen (Dystonie)[1, 5]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
- NervensystemZittern, verstärkte Muskelsteifigkeit (Filmtabletten)[5]
- NervensystemSchwindelgefühl, Kopfschmerzen[1, 5]
- AugenAbnormales Sehen, Störungen der Scharfeinstellung des Auges (Akkommodationsstörungen), vermehrter Tränenfluss, Erhöhung des Augeninnendrucks[1, 5]
- HerzHerzrasen, Gefühl eines schnellen, kräftigen oder unregelmäßigen Herzschlags[1, 5]Mehr dazu: Herzrasen
- AtemwegeAtemnot (Dyspnoe), schmerzhaftes Atmen, Gefühl einer verstopften Nase[1, 5]
- Magen und DarmVerdauungsstörung (Dyspepsie), Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (Depotspritze)[1]
- Magen und DarmVermehrter Speichelfluss, Verstopfung, Erbrechen, Verdauungsprobleme oder Unwohlsein im oberen Bauchbereich, Durchfall (Filmtabletten)[5]
- HautJuckreiz (Pruritus), vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)[1, 5]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen
- Muskeln, Knochen und GelenkeMuskelschmerzen (Myalgie)[1, 5]
- Nieren und HarnwegeStörungen beim Wasserlassen (Miktionsstörung), Harnverhalt[1, 5]
- Allgemeine BeschwerdenSchwäche (Asthenie)[1, 5]Mehr dazu: Schwäche (Asthenie)
- Allgemeine BeschwerdenMüdigkeit (Filmtabletten)[5]Mehr dazu: Müdigkeit
Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen
- PsycheUnruhe, Schlafstörungen, Erregung, depressive Verstimmung (Depotspritze)[1]Mehr dazu: Unruhe und Nervosität
- NervensystemBenommenheit, Teilnahmslosigkeit (Lethargie)[1]Mehr dazu: Müdigkeit
- NervensystemVerwirrtheitszustände (delirante Symptome), besonders in Kombination mit anticholinerg wirksamen Mitteln[1, 5]
- NervensystemKrampfanfälle (zerebrale Krampfanfälle)[1, 5]
- NervensystemUngewöhnliche Bewegungen von Mund und Zunge als mögliches frühes Zeichen einer tardiven Dyskinesie, also einer Spätdyskinesie (Filmtabletten)[5]Mehr dazu: Spätdyskinesien
- NervensystemRuckartige Bewegungen, Sprachstörung (Filmtabletten)[5]Mehr dazu: Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie)
- NervensystemStörungen der Regulation der Körpertemperatur[1]
- AugenEinlagerungen von Pigment in Hornhaut und Linse des Auges[1]
- AugenAugendrehen (Filmtabletten)[5]
- Gefäße und KreislaufHitzewallung[1, 5]
- Gefäße und KreislaufNiedriger Blutdruck (Filmtabletten)[5]
- Magen und DarmUnterleibsschmerzen, Bauchschmerzen, Blähungen[1, 5]
- Magen und DarmÜbelkeit (Filmtabletten)[5]
- Leber und GalleVorübergehende Leberfunktionsstörungen, Abflussstörungen der Galle, Gelbsucht (Depotspritze)[1]
- Leber und GalleAbnormale Ergebnisse von Leberfunktionstests (Filmtabletten)[5]
- HautHautausschlag, Ekzeme, Hautentzündung (Dermatitis), allergische Hautreaktionen[1, 5]
- HautLichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilität); Vorsicht bei Sonneneinstrahlung[1, 5]
- Geschlechtsorgane und BrustErektionsstörung (erektile Dysfunktion), verzögerter oder ausbleibender Samenerguss[1, 5]Mehr dazu: ErektionsstörungenOrgasmus- und Samenergussstörungen
- Allgemeine BeschwerdenReaktionen an der Einstichstelle[1]
- Allgemeine BeschwerdenDurst, erniedrigte Körpertemperatur, Fieber (Filmtabletten)[5]
- Muskeln, Knochen und GelenkeMuskelsteifheit (Filmtabletten)[5]
- Stoffwechsel und ErnährungVerminderter Appetit (Filmtabletten)[5]
Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen
- Blut und LymphsystemStarke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen (Agranulozytose), Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie) oder einer ihrer Untergruppen (Neutropenie), Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie)[1, 4, 5]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
- ImmunsystemSchwere allergische Reaktion (anaphylaktische Reaktion), Überempfindlichkeitsreaktion[1, 5]
- HormonsystemErhöhter Prolaktinspiegel im Blut (Hyperprolaktinämie)[1, 5]Mehr dazu: Erhöhtes Prolaktin
- Stoffwechsel und ErnährungErhöhter Blutzucker (Hyperglykämie), gestörte Glukosetoleranz[1, 5]Mehr dazu: Erhöhter Blutzucker
- PsycheWiederaufflammen oder Verschlechterung psychotischer Beschwerden[1]
- NervensystemLebensbedrohliches malignes neuroleptisches Syndrom mit Fieber über 40 °C, Muskelstarre, vegetativer Entgleisung mit Herzjagen und Bluthochdruck sowie Bewusstseinstrübung bis zum Koma (Depotspritze)[1]Mehr dazu: Malignes neuroleptisches Syndrom
- HerzVerlängerung des QT-Intervalls im EKG[1]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen
- Magen und DarmLebensbedrohlicher Darmverschluss durch Darmlähmung (paralytischer Ileus)[1]
- Geschlechtsorgane und BrustVergrößerung der Brustdrüse beim Mann (Gynäkomastie), Milchfluss aus der Brust (Galaktorrhoe), Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe)[1, 5]Mehr dazu: Brustspannen und BrustvergrößerungZyklusstörungen
Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen
- Blut und LymphsystemVermehrung eosinophiler weißer Blutkörperchen (Eosinophilie), Verminderung aller Blutzellen (Panzytopenie)[1]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
- PsycheGedanken, sich das Leben zu nehmen oder sich selbst zu verletzen (Filmtabletten)[5]
- NervensystemMalignes neuroleptisches Syndrom mit hohem Fieber, ungewöhnlicher Muskelsteifheit und Bewusstseinsstörungen, vor allem zusammen mit Schwitzen und schnellem Herzschlag (Filmtabletten)[5]Mehr dazu: Malignes neuroleptisches Syndrom
- Gefäße und KreislaufVenenthrombosen, das heißt Blutgerinnsel in den Venen (Filmtabletten)[5]
- Leber und GalleGelbfärbung von Haut und Augenweiß; sie kann bedeuten, dass die Leber betroffen ist, und ein Zeichen einer Gelbsucht sein (Filmtabletten)[5]
Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Wer an einer Depression oder Angststörung leidet, kann laut Packungsbeilage der Filmtabletten manchmal Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen oder sich selbst zu verletzen. Verstärkt kann das zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva auftreten, weil diese erst nach einer gewissen Zeit wirken. Möglicherweise treten solche Gedanken verstärkt auf, wenn Sie schon früher daran gedacht haben, sich das Leben zu nehmen oder sich selbst zu verletzen, oder wenn Sie ein junger Erwachsener sind. In klinischen Studien hatten Menschen unter 25 Jahren mit psychiatrischen Erkrankungen, die Antidepressiva erhielten, ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, wenden Sie sich unverzüglich an eine Ärztin oder einen Arzt oder suchen Sie das nächste Krankenhaus auf. [5]
Laut Packungsbeilage kann es helfen, einer vertrauten Person von der Depression oder Angststörung zu erzählen und sie zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sie eine Verschlechterung oder Veränderungen in Ihrem Verhalten bemerkt. [5]
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Ändern Sie die Dosis der Filmtabletten nie ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, auch dann nicht, wenn Sie sich schon gesund fühlen. Treten unter der Depotspritze Bewegungsstörungen auf, kann die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage die Dosis verringern oder ein Gegenmittel geben, das diesen Nebenwirkungen sofort entgegenwirkt. [4, 5]
Einige Hinweise aus Fach- und Gebrauchsinformation betreffen den Alltag:
- Die Haut kann empfindlicher auf Licht reagieren; laut Fachinformation ist Vorsicht bei Sonneneinstrahlung geboten. Mehr dazu unter Psychopharmaka bei Hitze und Sonne. [1, 5]
- Vor einer Operation geben Sie an, dass Sie Flupentixol bekommen: Bei hoher Neuroleptika-Dosis muss bei einer Operation sorgfältig auf einen Blutdruckabfall geachtet werden. Mehr dazu unter Psychopharmaka vor einer Operation. [1, 4]
- Bei insulinpflichtigem Diabetes kann die Stoffwechsellage besonders bei hoher Dosis instabil werden; Ernährung oder Diabetesmittel müssen dann eventuell angepasst werden. [1, 4]
- Ein Schwangerschaftstest kann während der Behandlung falsch positiv ausfallen. [1, 4, 5]
Im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch können Sie Beschwerden und Stimmung festhalten und zum Termin mitnehmen; die Fragen fürs Arztgespräch helfen bei der Vorbereitung.
Kontrollen während der Behandlung
Vor der Behandlung wird laut Fachinformation das Blutbild einschließlich Differenzialblutbild und Blutplättchen kontrolliert; bei krankhaften Werten darf die Behandlung nicht beginnen, und ein niedriger Kaliumspiegel wird vorher ausgeglichen. Danach sollte das Blutbild vier Monate lang wöchentlich kontrolliert werden, bei unauffälligen Befunden in größeren Abständen. Nieren- und Leberfunktion und der Kreislauf einschließlich EKG werden regelmäßig überwacht; bei einer Dauerbehandlung sollten diese Kontrollen mindestens alle sechs Monate stattfinden, und ein Ausgangs-EKG sollte vorliegen. [1, 4]
Die Kontrollen ohne Klammer in der Übersicht stammen aus der Fachinformation der Depotspritze; die Kontrollen des Blutbilds verlangt sie für Mittel vom Typ der trizyklischen Neuroleptika unabhängig vom Anwendungsgebiet. Regelmäßige EEG-Kontrollen empfiehlt die Fachinformation der Depotspritze bei organischen Hirnschäden und Krampfanfällen in der Vorgeschichte. Für die Filmtabletten nennt die Packungsbeilage mögliche Untersuchungen vor Beginn, etwa eine Blutuntersuchung, und regelmäßige Untersuchungen bei einer Langzeitbehandlung, vor allem mit hoher Dosierung. [1, 5]
Bei einer Schizophrenie sollen laut S3-Leitlinie vor Beginn einer medikamentösen Behandlung Laboruntersuchungen nach der Kontrolltabelle der Leitlinie und ein EKG gemacht werden; bei Frauen im gebärfähigen Alter soll eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. [14]
| Untersuchung | Wann oder warum |
|---|---|
| Blutbild mit Differenzialblutbild und Blutplättchen | Vor der Behandlung; danach vier Monate lang wöchentlich, bei unauffälligen Befunden in größeren Abständen; bei schnellem Absinken der weißen Blutkörperchen oder anderen Blutbildveränderungen wird die Behandlung sofort abgebrochen[1] |
| Kalium im Blut | Vor der Behandlung; ein niedriger Spiegel wird ausgeglichen[1] |
| EKG und Kreislauf | Ausgangs-EKG vor der Behandlung; danach in regelmäßigen Abständen, bei Dauerbehandlung mindestens alle sechs Monate; bei älteren Menschen und vorgeschädigtem Herzen regelmäßige Überwachung der Herzfunktion[1] |
| Nieren- und Leberfunktion | In regelmäßigen Abständen während der Behandlung, bei Dauerbehandlung mindestens alle sechs Monate[1] |
| EEG (Depotspritze) | Regelmäßige Kontrollen empfohlen bei organischen Hirnschäden oder Krampfanfällen in der Vorgeschichte[1] |
| Bestimmte Untersuchungen, z. B. eine Blutuntersuchung (Filmtabletten) | Vor Behandlungsbeginn, falls erforderlich[5] |
| Herzfunktion, Blutbild, Leber- und Nierenfunktion (Filmtabletten) | Möglich bei den regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen während einer Langzeitbehandlung, vor allem mit hoher Dosierung; bei älteren Menschen und vorgeschädigtem Herzen wird eine regelmäßige Überwachung der Herzfunktion empfohlen[5] |
| Wirkstoffspiegel im Blut (Filmtabletten) | Bei eingeschränkter Leberfunktion kann die Ärztin oder der Arzt eine regelmäßige Überwachung und eine Bestimmung der Serumspiegel verordnen[5] |
Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Was die einzelnen Werte bedeuten, erklären die Seiten Kontrollen während der Behandlung und Veränderungen des Blutbilds.
Wechselwirkungen
Flupentixol und Alkohol verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Zusammen mit Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmitteln, Antihistaminika und anderen dämpfenden Arzneimitteln sind eine verstärkte Dämpfung und eine abgeschwächte Atmung möglich. Mittel, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern oder den Kaliumspiegel senken können, sollten nicht gleichzeitig angewendet werden; die Packungsbeilage der Filmtabletten nennt unter anderem Chinidin, Amiodaron, Sotalol, Erythromycin, Moxifloxacin und Thioridazin, die während der Behandlung nicht eingenommen werden sollen. [1, 5]
Zusammen mit Lithium können die Spiegel beider Mittel steigen, und das Risiko für Bewegungsstörungen nimmt zu; laut Packungsbeilage der Filmtabletten soll Lithium während der Behandlung nicht eingenommen werden. Adrenalin sollte zur Behandlung eines niedrigen Blutdrucks nicht zusammen mit Flupentixol gegeben werden, weil der Blutdruck dann weiter fallen kann. Flupentixol schwächt die Wirkung von Parkinson-Mitteln wie Levodopa ab und kann die Blutspiegel trizyklischer Antidepressiva erhöhen; Carbamazepin und Barbiturate können seinen Abbau beschleunigen. [1, 5]
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Schmerzmittel, Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Antihistaminika und andere dämpfende Arzneimittel | Verstärkte Dämpfung (Sedierung) und Atemdepression möglich[1, 5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Narkosemittel bei einer Operation unter hoher Neuroleptika-Dosis | Auf einen Blutdruckabfall muss sorgfältig geachtet werden; die Dosis des Narkosemittels oder dämpfender Mittel ist unter Umständen zu verringern[1] | Vor einer Operation die Behandlung angeben |
| Alkohol | Alkohol und Flupentixol verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung[1, 5] | Mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen |
| Barbiturate und Carbamazepin | Möglicherweise schnellerer Abbau von Flupentixol über eine Anregung von Leberenzymen[1, 5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Blutdrucksenkende Arzneimittel | Ihre Wirkung kann verstärkt werden; die blutdrucksenkende Wirkung von Guanethidin, Clonidin und alpha-Methyldopa kann dagegen abgeschwächt werden[1, 5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Reserpinhaltige Präparate | Von der gleichzeitigen Anwendung wird laut Fachinformation abgeraten[1, 5] | Ärztin oder Arzt informieren; laut Packungsbeilage der Filmtabletten sollen reserpinhaltige Arzneimittel während der Behandlung nicht eingenommen werden |
| Propranolol | Ein Anstieg der Blutspiegel beider Mittel ist nicht auszuschließen; laut Packungsbeilage der Filmtabletten kann es dadurch zu Blutdruckabfall und verlangsamter Herztätigkeit kommen[1, 5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Dopaminagonisten (z. B. Bromocriptin, Amantadin, Levodopa) und Dopaminantagonisten (Metoclopramid, Bromoprid, Alizaprid) | Die Wirkung von Dopaminagonisten wird abgeschwächt, die von Dopaminantagonisten verstärkt[1, 5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Anticholinerg wirkende Mittel (z. B. Benzatropin) und anticholinerge Parkinsonmittel wie Biperiden | Anticholinerge Wirkungen können sich verstärken; Biperiden kann die Wirkung von Flupentixol abschwächen[1] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Trizyklische Antidepressiva und MAO-Hemmer | Flupentixol kann den Abbau trizyklischer Antidepressiva in der Leber verändern und ihre Blutspiegel erhöhen, die Folgen sind nicht vorhersehbar; auch bei MAO-Hemmern ist Vorsicht geboten[1, 5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Lithium | Die Spiegel von Flupentixol und Lithium können steigen, das Risiko für Bewegungsstörungen nimmt zu; sehr selten wurden schwere neurotoxische Syndrome beobachtet[1, 5] | Ärztin oder Arzt informieren; laut Packungsbeilage der Filmtabletten soll Lithium während der Behandlung nicht eingenommen werden |
| Adrenalin (Epinephrin) zur Behandlung eines niedrigen Blutdrucks | Kann zu einem weiteren Blutdruckabfall führen (Adrenalinumkehr)[1, 5] | Nicht zusammen geben; schwere Schockzustände können mit Noradrenalin behandelt werden |
| Phenytoin | Ein veränderter Abbau von Phenytoin mit möglicherweise giftigen Blutspiegeln ist nicht auszuschließen; laut Packungsbeilage der Filmtabletten kann Phenytoin die Konzentration von Flupentixol im Blut erhöhen und die Nebenwirkungen verstärken[1, 5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Koffein | Wirkt der antipsychotischen Wirkung möglicherweise entgegen; die Daten sind widersprüchlich[1] | Mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen |
| Polypeptid-Antibiotika (z. B. Capreomycin, Colistin, Polymyxin B) | Eine Verstärkung der durch sie ausgelösten Atemdepression ist nicht auszuschließen[1] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Gonadorelin | Seine Wirkung kann durch den erhöhten Prolaktinspiegel abgeschwächt werden[1, 5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängern können (z. B. Antiarrhythmika der Klassen IA oder III, bestimmte Antibiotika, Malariamittel, Antihistaminika, Neuroleptika, Antidepressiva) oder den Kaliumspiegel senken (z. B. bestimmte Entwässerungsmittel) | Höheres Risiko für Herzrhythmusstörungen[1, 5] | Gleichzeitige Anwendung vermeiden |
| Chinidin, Amiodaron, Sotalol, Dofetilid, Cisaprid, die Antibiotika Erythromycin, Gatifloxacin und Moxifloxacin, die Allergiemittel Terfenadin und Astemizol, das Antipsychotikum Thioridazin (Filmtabletten) | Flupentixol kann die Herztätigkeit verändern; laut Packungsbeilage der Filmtabletten sollen diese Mittel während der Behandlung nicht eingenommen werden[5] | Gleichzeitige Anwendung vermeiden |
| Tramadol, Bupropion, Zotepin (Filmtabletten) | Absenkung der Krampfschwelle; laut Packungsbeilage der Filmtabletten bei Mitteln dieser Arzneimittelklasse berichtet[5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Paroxetin, Fluoxetin (Filmtabletten) | Erhöhung des Blutspiegels des Neuroleptikums mit mehr Nebenwirkungen; laut Packungsbeilage der Filmtabletten bei Mitteln dieser Arzneimittelklasse berichtet[5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Valproat (Filmtabletten) | Verstärkte schädliche Wirkung auf das Nervensystem (Neurotoxizität), weil Valproat vermindert ausgeschieden wird; laut Packungsbeilage der Filmtabletten bei Mitteln dieser Arzneimittelklasse berichtet[5] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Bisoprolol, Nebivolol, Metoprolol, Carvedilol (Filmtabletten) | Verlangsamte Herztätigkeit möglich; laut Packungsbeilage der Filmtabletten bei Mitteln dieser Arzneimittelklasse berichtet[5] | Ärztin oder Arzt informieren |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren.
Wer Flupentixol nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Nicht angewendet werden darf Flupentixol unter anderem bei einer Überempfindlichkeit gegen Flupentixol oder gegen Neuroleptika vom Phenothiazin- oder Thioxanthen-Typ, bei akuten Vergiftungen mit Alkohol, Opiaten, Schlafmitteln oder Psychopharmaka, bei Kreislaufschock und im Koma. Die Depotspritze darf wegen der Injektion in den Muskel außerdem nicht bei Blutgerinnungsstörungen oder unter Gerinnungshemmern zum Einnehmen wie Phenprocoumon gegeben werden. Bei zahlreichen weiteren Erkrankungen, etwa des Herzens oder des Blutes, bei Epilepsie oder grünem Star, wird Flupentixol nur nach strenger Abwägung von Nutzen und Risiko oder mit besonderer Vorsicht angewendet. Für ältere Menschen mit Demenz enthalten die Quellen eigene Warnhinweise, auch zu Schlaganfällen; sie stehen in der folgenden Übersicht. [1, 4, 5]
Nicht anwenden bei
- Allergie gegen Flupentixol, Flupentixoldecanoat oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 5]
- Überempfindlichkeit gegen Neuroleptika vom Phenothiazin- oder Thioxanthen-Typ[1]
- Akute Vergiftung mit Alkohol, Opiaten, Schlafmitteln (Hypnotika) oder Psychopharmaka[1]
- Bewusstseinsdämpfung aus unterschiedlichen Gründen, z. B. durch eine Vergiftung mit Alkohol, Schlafmitteln oder Schmerzmitteln (Filmtabletten)[5]
- Kreislaufschock oder Koma (Bewusstlosigkeit)[1, 5]
- Blutgerinnungsstörungen oder Behandlung mit Gerinnungshemmern zum Einnehmen (z. B. Phenprocoumon, Warfarin), weil das Mittel in den Muskel gespritzt wird[1]
Besondere Vorsicht bei
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten nicht mit Flupentixoldecanoat behandelt werden[1]
- Kinder und Jugendliche: Die Anwendung der Filmtabletten wird nicht empfohlen[5]
- Laut Packungsbeilage der Filmtabletten vor der Behandlung mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen bei organischen Hirnschäden, Epilepsie oder früheren Krampfanfällen, Parkinson-Krankheit, Leber- oder Nierenerkrankungen, Herz- und Gefäßerkrankungen, langsamer oder unregelmäßiger Herztätigkeit, niedrigem oder hohem Blutdruck, bestimmten Tumoren (z. B. bestimmte Formen von Brustkrebs oder Tumoren des Nebennierenmarks), chronischen Atembeschwerden und Asthma, grünem Star, Verengung des Magenausgangs, vergrößerter Prostata und Schwierigkeiten beim Wasserlassen, bestimmten Bluterkrankungen oder Störungen der Blutbildung (Knochenmarksdepression), Thromboseneigung oder Risikofaktoren für einen Schlaganfall (Rauchen, Bluthochdruck), zu wenig Kalium, Kalzium, Eisen oder Magnesium im Blut, Diabetes (die Diabetesbehandlung muss möglicherweise angepasst werden) und wenn Sie oder jemand aus Ihrer Familie schon Blutgerinnsel hatten[5]
- Laut Packungsbeilage der Filmtabletten können bei Depressionen oder Angststörungen manchmal Gedanken auftreten, sich das Leben zu nehmen oder sich selbst zu verletzen. Das kann verstärkt zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva vorkommen, weil diese erst nach einer gewissen Zeit wirken, normalerweise nach zwei Wochen, manchmal später. Möglicherweise treten solche Gedanken verstärkt auf, wenn Sie sie schon früher hatten, und bei jungen Erwachsenen: Klinische Studien zeigten ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten bei Menschen unter 25 Jahren mit psychiatrischen Erkrankungen, die Antidepressiva erhielten. Es kann helfen, einer vertrauten Person von der Depression oder Angststörung zu erzählen und sie zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sie eine Verschlechterung oder Veränderungen in Ihrem Verhalten bemerkt[5]
- Laut Packungsbeilage der Filmtabletten ist besondere Vorsicht geboten, wenn Sie besonders leicht erregbar oder überaktiv sind, da Flupentixol den Erregungszustand möglicherweise steigern kann[5]
- Laut Packungsbeilage der Filmtabletten ist bei älteren Menschen das Risiko für Bewegungsstörungen und für Nebenwirkungen an Herz und Kreislauf erhöht[5]
- Nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung bei verminderter Zahl weißer Blutkörperchen (Leukopenie) oder Erkrankungen der Blutbildung, eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion, niedrigem Kaliumspiegel, langsamem Herzschlag (Bradykardie)[1]
- Nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung bei angeborenem langem QT-Syndrom oder anderen bedeutsamen Herzstörungen, insbesondere koronarer Herzkrankheit, Erregungsleitungsstörungen und Herzrhythmusstörungen[1]
- Nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung bei prolaktinabhängigen Tumoren (z. B. Brusttumoren), Phäochromozytom, schwerem niedrigem oder hohem Blutdruck, Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen, Parkinson-Syndrom, chronischen Atembeschwerden und Asthma[1]
- Grüner Star (Glaukom), Harnverhaltung, Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose) oder vergrößerte Prostata mit Restharn: nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung; bei Glaukom, Harnverhaltung und vergrößerter Prostata wegen der anticholinergen Wirkung vorsichtig dosieren[1]
- Organische Hirnschäden und Krampfanfälle in der Vorgeschichte: Flupentixoldecanoat senkt die Krampfschwelle, große Krampfanfälle (Grand-mal-Anfälle) können auftreten; regelmäßige EEG-Kontrollen werden empfohlen, bei Epilepsie nur zusammen mit einer Behandlung gegen Krampfanfälle[1]
- Ältere Menschen und vorgeschädigtes Herz: Störungen der Erregungsleitung im Herzen können auftreten, regelmäßige Überwachung der Herzfunktion wird empfohlen; EKG-Veränderungen (Störungen der Erregungsausbreitung und -rückbildung) wurden beobachtet[1, 5]
- QT-Verlängerung: Vorsicht bei niedrigem Kalium- oder Magnesiumspiegel, genetischer Veranlagung und Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen wie QT-Verlängerung, ausgeprägt langsamem Herzschlag (unter 50 Schlägen pro Minute), kürzlich zurückliegendem akutem Herzinfarkt, nicht ausgeglichener Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen; gleichzeitige Behandlung mit anderen Antipsychotika vermeiden. Wie bei anderen Antipsychotika wurden in seltenen Fällen QT-Verlängerung und Rhythmusstörungen der Herzkammern (Kammerflimmern, Kammertachykardie, Torsade de Pointes) berichtet; solche Herzrhythmusstörungen können lebensbedrohlich sein[1, 5]
- Phäochromozytom, eingeschränkte Nieren- oder Herzfunktion oder eingeschränkte Hirndurchblutung (zerebrale Insuffizienz): häufiger Blutdruckabfall, deshalb sorgfältige Überwachung[1]
- Brustkrebs in der Vorgeschichte: Neuroleptika erhöhen die Prolaktin-Ausschüttung, etwa ein Drittel menschlicher Brusttumoren ist im Labor prolaktinabhängig; aussagefähige Studien fehlen, bei einschlägiger Vorgeschichte wird Vorsicht angeraten[1]
- Spätdyskinesien (anhaltende, vielfach nicht rückbildungsfähige unwillkürliche Bewegungen, vor allem der Kiefer- und Gesichtsmuskulatur, auch der Arme und Beine): meist nach längerer und hoch dosierter Behandlung, aber auch nach kurzer Behandlung mit niedriger Dosis möglich; ältere Menschen, besonders ältere Frauen, scheinen besonders anfällig. Das Risiko und besonders das einer bleibenden Spätdyskinesie nimmt vermutlich mit Behandlungsdauer und Dosis zu. Die Behandlung kann beginnende Spätdyskinesien verdecken, sie zeigen sich dann nach dem Absetzen; eine gesicherte Behandlung ist nicht bekannt[1]
- Malignes neuroleptisches Syndrom (Überwärmung, Muskelstarre, Bewusstseinsschwankungen, Störungen des vegetativen Nervensystems) kann bei jedem Neuroleptikum auftreten, das Risiko ist bei potenteren Neuroleptika möglicherweise erhöht; bei Menschen mit bereits bestehenden organischen Hirnschäden, geistiger Behinderung und Alkohol- oder Opiatmissbrauch ist laut Fachinformation das Sterblichkeitsrisiko erhöht[1]
- Ältere Menschen mit Demenz: Unter konventionellen Antipsychotika ist das Sterblichkeitsrisiko leicht erhöht; Flupentixoldecanoat ist zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz nicht zugelassen[1, 5]
- Erhöhtes Schlaganfallrisiko: In Studien mit einigen atypischen Antipsychotika bei Menschen mit Demenz war das Risiko für Ereignisse an den Hirngefäßen erhöht; ein solcher Effekt ist auch bei anderen Antipsychotika nicht auszuschließen[1]
- Blutgerinnsel (venöse Thromboembolien): Risikofaktoren werden vor und während der Behandlung ermittelt und vorbeugende Maßnahmen ergriffen[1]
- Insulinpflichtiger Diabetes: Die Stoffwechsellage kann besonders bei hoher Dosis instabil werden; Ernährung, Medikamente oder die Einstellung der Diabetesmittel müssen dann eventuell angepasst werden[1]
- Ein Schwangerschaftstest kann während der Behandlung falsch positiv ausfallen[1, 5]
- Fruchtbarkeit: In Tierstudien hatte Flupentixol, auch als Flupentixoldecanoat, Auswirkungen auf die Zeugungs- und Gebärfähigkeit; laut Packungsbeilage der Filmtabletten können manche Nebenwirkungen die Sexualfunktion und die Fortpflanzungsfähigkeit von Frauen und Männern ungünstig beeinflussen[4, 5]
- Die Filmtabletten enthalten Milchzucker (Lactose): Bei einer bekannten Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern nehmen Sie sie erst nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein. Die Filmtabletten zu 5 mg enthalten außerdem den Farbstoff Gelborange S (E 110), der allergische Reaktionen hervorrufen kann[5]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Schwangerschaft
Laut Fachinformation liegen für Flupentixol keine ausreichenden klinischen Daten zu Schwangeren vor; in Tierversuchen gab es keine Hinweise auf Fehlbildungen. In der Schwangerschaft, besonders im ersten und letzten Drittel, sollte es nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen für die Mutter und möglichem Risiko für das ungeborene Kind verordnet werden. Flupentixol gelangt über die Plazenta zum Kind. Neugeborene, deren Mütter im letzten Schwangerschaftsdrittel Antipsychotika einschließlich Flupentixol erhielten, können Bewegungsstörungen (extrapyramidale Symptome) und/oder Entzugserscheinungen zeigen; berichtet wurden Unruhe, erhöhte oder verminderte Muskelspannung, Zittern, Schläfrigkeit, Atemnot und Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Neugeborene sollten deshalb sorgfältig überwacht werden. Ist die Behandlung in den letzten Schwangerschaftswochen unumgänglich, sollte möglichst niedrig dosiert werden, um rückbildungsfähige Nebenwirkungen beim Neugeborenen wie eine Gelbsucht durch Gallestau zu vermeiden.[1]
Laut Packungsbeilage der Filmtabletten sollte Flupentixol während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Hat die Mutter die Tabletten in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten eingenommen, können beim Neugeborenen Zittern, Steifheit und/oder Schwäche der Muskeln, Schläfrigkeit, Ruhelosigkeit, Atemprobleme und Schwierigkeiten beim Füttern auftreten; entwickelt Ihr Baby eines dieser Zeichen, kann es nötig sein, eine Ärztin oder einen Arzt zu kontaktieren.[5]
Laut Embryotox ist der Erfahrungsumfang hoch: Mehr als 450 dokumentierte Schwangerschaften mit Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel, überwiegend aus einer großen multinationalen Registerstudie, ergaben keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Bei Einnahme von Antipsychotika bis zur Entbindung ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht; sie können in den ersten Stunden oder Tagen auftreten und Atmung, Nervensystem, Magen-Darm-Trakt und Kreislauf betreffen. Bietet Flupentixol im Einzelfall eindeutig therapeutische Vorteile, ist die Anwendung laut Embryotox in der gesamten Schwangerschaft akzeptabel. Nach Anwendung im ersten Schwangerschaftsdrittel sollte eine weiterführende Ultraschalluntersuchung angeboten werden; die Entbindung sollte in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen. Bei einer Neueinstellung sollten laut Embryotox wenn möglich besser erprobte Antipsychotika vorgezogen werden: Besser geeignete Alternativen sind bei den konventionellen Antipsychotika Haloperidol und, wenn eine Behandlung mit atypischen Antipsychotika möglich ist, Quetiapin, gegebenenfalls auch Risperidon oder Aripiprazol. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[2]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Laut Fachinformation reichert sich Flupentixol in der Muttermilch an und kann dort höhere Konzentrationen als im Blut erreichen; ist eine Behandlung in der Stillzeit notwendig, sollte abgestillt werden.[1]
Laut Packungsbeilage der Filmtabletten sollte Flupentixol in der Stillzeit nicht eingenommen werden.[5]
Laut Embryotox liegen veröffentlichte Erfahrungen zu vier Mutter-Kind-Paaren vor; bei den über mehrere Wochen gestillten Kindern wurden keine durch das Medikament verursachten Beschwerden oder Entwicklungsauffälligkeiten beobachtet. Stillen ist laut Embryotox bei alleiniger Einnahme (Monotherapie) und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel. Treten beim Kind anders nicht erklärbare Beschwerden wie Schläfrigkeit (Sedierung), Bewegungsstörungen, Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollten eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt und Embryotox kontaktiert werden.[2]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Alkohol und Flupentixol verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung; laut Packungsbeilage der Depotspritze ist die gleichzeitige Anwendung deshalb zu vermeiden. Die Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit ist zusammen mit Alkohol stärker.[1, 4]
Laut Packungsbeilage der Filmtabletten kann Alkohol die Müdigkeit und Benommenheit verstärken; vom gleichzeitigen Alkoholkonsum während der Behandlung wird abgeraten. Bei einer Bewusstseinsdämpfung durch eine Alkoholvergiftung dürfen die Tabletten nicht eingenommen werden.[5]
Autofahren und Maschinen
Bei der Depotspritze kann Flupentixol laut Fachinformation auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so verändern, dass die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt sind, verstärkt zusammen mit Alkohol. Fahren Sie deshalb zumindest in der ersten Phase der Behandlung kein Fahrzeug, bedienen Sie keine Maschinen und unterlassen Sie andere gefahrvolle Tätigkeiten; die Entscheidung im Einzelfall trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.[1, 4]
Laut Packungsbeilage der Filmtabletten kann Flupentixol die Reaktionsfähigkeit und die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen. Fühlen Sie sich benommen oder schwindlig, sollten Sie kein Fahrzeug führen und nicht an Geräten oder Maschinen arbeiten, solange diese Wirkung anhält.[5]
Anwendung
Die ölige Depot-Lösung wird nur tief in einen Muskel gespritzt und darf nicht in eine Vene gegeben werden; Dosis und Abstand zwischen den Injektionen legt die Ärztin oder der Arzt fest.[1]
Nehmen Sie ohne Wissen Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes keine anderen Arzneimittel ein, auch keine frei verkäuflichen.[1, 5]
Wurde eine Spritze vergessen oder zu wenig gegeben, sprechen Sie sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; die doppelte Menge wird nicht gegeben.[4]
Die Filmtabletten werden einmal täglich oder auf 2 bis 3 Einnahmen am Tag verteilt eingenommen, mit oder ohne Mahlzeit und unzerkaut mit Wasser.[5]
Tablette vergessen: Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, sondern wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; sie oder er sagt Ihnen, wie Sie richtig weiter einnehmen.[5]
Absetzen
Plötzliches Absetzen von Flupentixol kann Entzugserscheinungen hervorrufen, am häufigsten Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall, laufende Nase, Schwitzen, Muskelschmerzen, Kribbeln, Schlaflosigkeit, Unruhe, Angst und Erregtheit, außerdem Schwindel, abwechselndes Hitze- und Kältegefühl und Zittern. Die Beschwerden beginnen innerhalb von 1 bis 4 Tagen nach dem Absetzen und lassen innerhalb von 7 bis 14 Tagen nach. Nach einer längeren Behandlung muss die Dosis laut Fachinformation in sehr kleinen Schritten über einen langen Zeitraum und in engem Kontakt mit der Ärztin oder dem Arzt verringert werden. Beginnende Spätdyskinesien können erst nach dem Absetzen sichtbar werden.[1, 5]
Ändern Sie die Dosis der Filmtabletten nie ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, auch nicht, wenn Sie sich schon gesund fühlen: Die Erkrankung besteht im Allgemeinen weiter und kann nach einem zu frühen Abbruch wiederkehren. Wann und wie die Behandlung beendet wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, damit Beschwerden nach einem plötzlichen Abbruch vermieden werden.[5]
Überdosierung
Mögliche Anzeichen sind Schläfrigkeit bis zur Bewusstlosigkeit (Koma), manchmal Erregung und Verwirrtheit, verschwommenes Sehen, akuter Anstieg des Augeninnendrucks (Glaukomanfall), Darmlähmung, Harnverhalt, niedriger Blutdruck, schneller oder langsamer Herzschlag, Herzrhythmusstörungen und Herzversagen bis zum Herzstillstand, Kreislaufversagen und Schock, Über- oder Unterwärmung, seltener Krampfanfälle, schwere Bewegungsstörungen mit Krämpfen von Zunge, Schlund, Augen und Kehlkopf sowie selten Atemprobleme bis zum Atemstillstand. Verständigen Sie sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf.[1, 5]
Die erste Angabe zum Autofahren in der Übersicht stammt aus der Fachinformation der Depotspritze, die zweite aus der Packungsbeilage der Filmtabletten. Nach der Fachinformation sollten Fahren, das Bedienen von Maschinen und andere gefahrvolle Tätigkeiten zumindest in der ersten Phase der Behandlung ganz unterbleiben; mit den Filmtabletten sollten Sie laut Packungsbeilage kein Fahrzeug führen, solange Sie sich benommen oder schwindlig fühlen. Hintergründe zu Alkohol stehen unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 5]
Zur Rechtslage beim Fahren: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen, auch bei Fahrlässigkeit. Die Medikamentenklausel in § 24a Abs. 4 StVG betrifft die dort und in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Substanzen, etwa Amfetamin oder Morphin, wenn sie aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammen. Mehr dazu auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [11, 12, 13]
Zu Schwangerschaft und Stillzeit sagen die Quellen nicht dasselbe. Laut Packungsbeilage der Filmtabletten sollte Flupentixol in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Die Fachinformation der Depotspritze sieht eine Verordnung in der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko vor und rät, bei einer nötigen Behandlung in der Stillzeit abzustillen. Embryotox hält die Anwendung in der gesamten Schwangerschaft für akzeptabel, wenn Flupentixol im Einzelfall eindeutig therapeutische Vorteile bietet, und Stillen bei alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel. Setzen Sie Flupentixol nicht selbst ab; was für Sie gilt, klären Sie in der Praxis. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit. [1, 2, 5]
Einnahme und Absetzen
Was Fachinformation und Packungsbeilagen zur Anwendung der Depotspritze und der Filmtabletten und zu einer vergessenen Spritze oder Tablette sagen, steht in der Übersicht zum Alltag, ebenso die Entzugserscheinungen, die nach plötzlichem Absetzen auftreten können, und wann sie beginnen und abklingen. Die ölige Depot-Lösung darf nicht in eine Vene gegeben werden. [1, 4, 5]
Nach einer längerfristigen Behandlung muss die Dosis laut Fachinformation und Packungsbeilage der Depotspritze in sehr kleinen Schritten über einen langen Zeitraum und in engem Kontakt mit der Ärztin oder dem Arzt verringert werden. Bei unangenehmen Nebenwirkungen besprechen Sie laut Packungsbeilage der Depotspritze unverzüglich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Gegenmaßnahmen es gibt und ob andere Arzneimittel infrage kommen. [1, 4]
Laut Packungsbeilage der Filmtabletten bleibt die Erkrankung im Allgemeinen bestehen, auch wenn Sie sich schon gesund fühlen, und kann nach einem zu frühen Abbruch der Behandlung wiederkehren. Wann und wie die Behandlung endet, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Beginnende Spätdyskinesien können erst nach dem Absetzen sichtbar werden. [1, 5]
Bei einer Schizophrenie soll laut S3-Leitlinie in jedem Fall über das erhöhte Rückfallrisiko beim Absetzen aufgeklärt werden, und nach dem Absetzen soll mindestens zwei Jahre lang eine fortlaufende Beobachtung auf Zeichen eines Rückfalls angeboten werden. Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was dabei wichtig ist, erklärt die Seite Antipsychotika absetzen; mögliche Beschwerden beschreibt die Seite Absetzsymptome. [5, 14]
Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation
Für die Depotspritze nennt die Fachinformation durchschnittliche Dosierungen je nach Konzentration der Injektionslösung; die Dosis und die Abstände der Injektionen bestimmt ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Die Packungsbeilage der Filmtabletten nennt Anfangs- und Erhaltungsdosis für Erwachsene sowie Hinweise für ältere Menschen und bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion. [1, 5]
Präparate mit Flupentixol
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Flupentixol-neuraxpharm | neuraxpharm Arzneimittel GmbH | verschreibungspflichtig; Depot-Injektionslösung 20 mg/ml, 40 mg/ml, 100 mg/ml und 200 mg/10 ml; Grundlage der Angaben zur Depotspritze |
| Fluanxol Depot | H. Lundbeck A/S, Mitvertrieb Lundbeck GmbH | verschreibungspflichtig; Depot-Injektionslösung |
| Fluanxol | H. Lundbeck A/S, Mitvertrieb Lundbeck GmbH | verschreibungspflichtig; Filmtabletten 0,5 mg, 1 mg und 5 mg; Grundlage der Angaben zu den Filmtabletten |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Fachinformation Flupentixol-neuraxpharm 20 mg/ml, 40 mg/ml, 100 mg/ml, 200 mg/10 ml (Injektionslösung, Flupentixoldecanoat). neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 22.10.2026
- Embryotox: Flupentixol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Flupentixol. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 22.10.2026
- Gebrauchsinformation Fluanxol Depot 2% 1 ml, 20 mg/ml Injektionslösung. H. Lundbeck A/S (Pharmazeutischer Unternehmer), Mitvertrieb Lundbeck GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 22.10.2026
- Gebrauchsinformationen Fluanxol 0,5 mg, Fluanxol 1 mg und Fluanxol 5 mg Filmtabletten. H. Lundbeck A/S (Pharmazeutischer Unternehmer), Mitvertrieb Lundbeck GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 22.10.2026
- Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Wofür wird Flupentixol eingesetzt?
Zugelassen ist Flupentixol nur bei schizophrenen Psychosen: als Depotspritze zur Langzeitbehandlung und zur Vorbeugung von Rückfällen, als Filmtabletten zur Akut- und Langzeitbehandlung bei Erwachsenen. Andere Anwendungsgebiete nennen Fachinformation und Packungsbeilagen nicht. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten nicht mit der Depotspritze behandelt werden, die Filmtabletten werden in diesem Alter nicht empfohlen.
Was ist eine Depotspritze mit Flupentixol?
Bei der Depotspritze liegt der Wirkstoff als Flupentixoldecanoat in einer öligen Lösung vor, die tief in einen Muskel gespritzt wird und nicht in eine Vene gegeben werden darf. Aus dem Depot im Muskel wird der Wirkstoff langsam freigesetzt; der Spiegel im Blut erreicht bei den meisten Menschen 4 bis 8 Tage nach der Injektion seinen Höchstwert. Dosis und Abstand zwischen den Injektionen legt die Ärztin oder der Arzt fest.
Wie schnell wirkt Flupentixol?
Bei Einnahme als Tabletten können antipsychotische Wirkungen laut Fachinformation möglicherweise schon zwei Tage nach Beginn der Behandlung beobachtet werden. Nach einer Depotspritze steigt der Spiegel im Blut langsam an. Ob die Behandlung anspricht, soll bei einer Schizophrenie laut S3-Leitlinie nach zwei bis vier Wochen überprüft werden.
Welche Nebenwirkungen hat Flupentixol?
Sehr häufig sind bei beiden Formen Bewegungsstörungen wie eine Sitzunruhe (Akathisie) sowie Mundtrockenheit; die Depotspritze macht besonders zu Beginn sehr häufig müde, die Filmtabletten machen sehr häufig schläfrig. Häufig sind unter anderem Gewichtszunahme, eine verminderte Lust auf Sex, Schwindelgefühl und Kopfschmerzen. Die Nebenwirkungen sind zu Beginn der Behandlung häufiger und stärker ausgeprägt und lassen im weiteren Verlauf nach. Die vollständige Liste steht im Abschnitt zu den Nebenwirkungen.
Was passiert beim Absetzen von Flupentixol?
Plötzliches Absetzen kann Entzugserscheinungen auslösen; zu den häufigsten gehören Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Schwitzen, Muskelschmerzen, Schlaflosigkeit, Unruhe und Angst. Sie beginnen innerhalb von 1 bis 4 Tagen und lassen innerhalb von 7 bis 14 Tagen nach. Nach einer längeren Behandlung muss die Dosis laut Fachinformation in sehr kleinen Schritten über einen langen Zeitraum verringert werden; wann und wie, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Wird die Behandlung zu früh abgebrochen, kann die Erkrankung wiederkehren.
Darf ich mit Flupentixol Alkohol trinken?
Alkohol und Flupentixol verstärken sich laut Fachinformation gegenseitig in ihrer Wirkung, und zusammen mit Alkohol ist die Fahrtüchtigkeit stärker beeinträchtigt. Laut Packungsbeilage der Depotspritze ist die gleichzeitige Anwendung von Alkohol wegen dieser gegenseitigen Verstärkung zu vermeiden. Laut Packungsbeilage der Filmtabletten kann Alkohol Müdigkeit und Benommenheit verstärken, und vom gleichzeitigen Alkoholkonsum wird abgeraten. Bei einer Bewusstseinsdämpfung durch eine Alkoholvergiftung dürfen die Tabletten nicht eingenommen werden.
Welche Stärken haben die Filmtabletten?
Die Filmtabletten mit Flupentixol gibt es laut Packungsbeilage in den Stärken 0,5 mg, 1 mg und 5 mg. Alle enthalten Milchzucker (Lactose), die Tabletten zu 5 mg außerdem den Farbstoff Gelborange S (E 110), der allergische Reaktionen hervorrufen kann. Bei einer Umstellung zwischen verschiedenen Formen zum Einnehmen ist laut Packungsbeilage zu beachten, dass sie trotz gleicher Stärkeangabe unterschiedliche Mengen Wirkstoff enthalten können. Welche Stärke Sie bekommen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Wie hoch ist die Dosis von Flupentixol?
Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; bei der Depotspritze bestimmt sie oder er auch, in welchen Abständen gespritzt wird. Die Dosierung richtet sich laut Fachinformation nach Art und Schwere der Erkrankung und nach der individuellen Reaktion. Die Angaben der Fachinformation und der Packungsbeilage für beide Formen stehen im Abschnitt zur Dosierung auf dieser Seite.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu