MedikamenteWirkstoff
Carbamazepin
Carbamazepin ist ein verschreibungspflichtiges Mittel gegen Epilepsie, das unter anderem auch bei Trigeminus-Neuralgie, bei Nervenschmerzen durch Diabetes und zur Vorbeugung manisch-depressiver Phasen zugelassen ist, dort laut Fachinformation nur, wenn eine Behandlung mit Lithium versagt hat beziehungsweise unter Lithium schnelle Phasenwechsel auftraten und wenn mit Lithium nicht behandelt werden darf. Bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Tegretal oder Timonil. Weil Carbamazepin schwere Hautreaktionen, mit dem höchsten Risiko in den ersten Behandlungswochen, und Veränderungen des Blutbilds auslösen kann, suchen Sie bei Hautausschlag, Fieber, Halsschmerzen oder Geschwüren im Mund sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf.

Wofür wird Carbamazepin eingesetzt?
Carbamazepin ist laut Packungsbeilage ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Behandlung von epileptischen Anfallserkrankungen und anderen Anfallskrankheiten, bestimmten Schmerzzuständen und zur Vorbeugung bei bestimmten psychischen Störungen. Bei Epilepsie ist es zugelassen bei Anfällen, die von einem umschriebenen Gebiet des Gehirns ausgehen (fokale Anfälle, einfach oder komplex partiell), bei Anfällen beider Gehirnhälften, insbesondere wenn sie ursprünglich von einem umschriebenen Gebiet ausgehen (Schlaf-Grand-mal, diffuses Grand mal), und bei gemischten Epilepsieformen. [1, 2]
Weitere zugelassene Anwendungsgebiete sind anfallsartige Gesichtsschmerzen (Trigeminus-Neuralgie), anfallsartige Schmerzen unbekannter Ursache im Rachenraum (genuine Glossopharyngeus-Neuralgie), Schmerzen bei einer Nervenschädigung durch Diabetes (diabetische Neuropathie), nicht-epileptische Anfälle bei Multipler Sklerose und die Anfallsverhütung beim Alkoholentzugssyndrom. In diesem letzten Anwendungsgebiet darf Carbamazepin nur unter stationären Bedingungen angewendet werden; mehr zur Erkrankung unter Alkoholabhängigkeit. [1, 2]
Bei einer bipolaren Störung ist Carbamazepin nur zur Vorbeugung manisch-depressiver Phasen zugelassen, laut Fachinformation, wenn die Behandlung mit Lithium versagt hat beziehungsweise unter Lithium schnelle Phasenwechsel auftraten und wenn mit Lithium nicht behandelt werden darf. Weitere Anwendungsgebiete nennt die Fachinformation nicht. Die Retardtabletten sind wegen des zu hohen Wirkstoffgehalts und fehlender Erfahrung für Kinder unter 6 Jahren ungeeignet. Bei Absencen (Bewusstseinstrübungen) sollte Carbamazepin nicht angewendet werden, weil es solche Anfälle hervorrufen oder verstärken kann. [1, 2]
Die S3-Leitlinie Bipolare Störungen (Langversion 2.1, Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020) zählt Carbamazepin zusammen mit Lithium, Valproinsäure und Lamotrigin zu den Stimmungsstabilisierern. Zur Vorbeugung neuer Phasen (Phasenprophylaxe) kann es laut Leitlinie eingesetzt werden (Empfehlungsgrad 0), mit den Einschränkungen der Zulassung. Zur Behandlung einer Manie oder von Mischzuständen sollte Carbamazepin als Retardform allein eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B), zur Akutbehandlung einer bipolaren Depression kann es eingesetzt werden (Empfehlungsgrad 0); für beides ist Carbamazepin laut Leitlinie nicht zugelassen. Als Einschränkung nennt die Leitlinie mögliche Nebenwirkungen, insbesondere eine Beruhigung (Sedierung), und ein hohes Risiko für Wechselwirkungen. Die Leitlinienübersicht der DGPPN führt die Leitlinie mit dem Vermerk "Gültig bis: 01.03.2023"; diese Gültigkeit ist abgelaufen. [5, 13]
Wie wirkt Carbamazepin?
Carbamazepin ist laut Fachinformation ein Dibenzoazepin-Derivat und hat pharmakologisch Gemeinsamkeiten mit dem Epilepsiemittel Phenytoin; sein Wirkmechanismus ist bislang nicht geklärt. Ähnlich wie Phenytoin hemmt es die Signalübertragung zwischen Nervenzellen (synaptische Übertragung) und verringert so die Weiterleitung krampfauslösender Entladungen. Die Schmerzlinderung bei Trigeminus-Neuralgie kommt wahrscheinlich durch eine Hemmung der Reizübertragung im spinalen Trigeminuskern zustande. Laut Embryotox wird angenommen, dass Carbamazepin bestimmte Natriumkanäle der Nervenzellen in ihrem inaktiven Zustand stabilisiert und dadurch Entladungen hemmt. Mit den trizyklischen Antidepressiva ist Carbamazepin strukturell verwandt; wer gegen solche Mittel allergisch ist, darf es nicht einnehmen. [1, 2, 3]
Carbamazepin wird relativ langsam und fast vollständig aufgenommen; nach einer einzelnen Gabe ist der höchste Spiegel im Blut bei Erwachsenen nach 4 bis 16 Stunden erreicht, ein gleichbleibender Spiegel stellt sich nach 2 bis 8 Tagen ein. Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert, beträgt nach einer Einzelgabe etwa 36 Stunden und bei Dauerbehandlung infolge der Anregung von Leberenzymen (Enzyminduktion) 10 bis 20 Stunden. Weil Carbamazepin Leberenzyme anregt, vor allem CYP3A4, kann es die Spiegel vieler anderer Arzneimittel senken; mehr unter Wechselwirkungen. [2]
Wann wirkt Carbamazepin und wie lange wird behandelt?
Vor der Entscheidung für Carbamazepin sollten Menschen han-chinesischer oder thailändischer Abstammung laut Fachinformation auf die Genvariante HLA-B*1502 untersucht werden, wenn dies irgendwie möglich ist; mehr dazu unter Wer Carbamazepin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte. Das Blutbild sollte vor Beginn kontrolliert werden, die Leberwerte müssen vor Beginn bestimmt werden, und bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte ein Schwangerschaftstest erwogen werden. Die Behandlung beginnt einschleichend mit einer niedrigen Dosis, die langsam bis zur am besten wirksamen Erhaltungsdosis erhöht wird. Das Risiko für schwere Hautreaktionen ist in den ersten Behandlungswochen am höchsten. [2]
Einen festen Zeitpunkt für den Wirkungseintritt nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Bei Nervenschmerzen (Neuralgie) hat es sich laut Fachinformation bewährt, einige Wochen mit einer für die Schmerzfreiheit gerade noch ausreichenden Dosis zu behandeln; durch vorsichtiges Verringern sollte dann festgestellt werden, ob die Schmerzen inzwischen von selbst nachgelassen haben. Die Behandlung der Epilepsie und die Vorbeugung manisch-depressiver Phasen sind Langzeitbehandlungen; über Einstellung, Dauer und Absetzen sollte bei Epilepsie eine in der Epilepsiebehandlung erfahrene Fachärztin oder ein solcher Facharzt entscheiden. [1, 2]
Bei der Vorbeugung neuer Phasen einer bipolaren Störung sollte die Wirksamkeit laut S3-Leitlinie entsprechend dem persönlichen Krankheitsverlauf überprüft werden. Nach klinischer Erfahrung bietet es sich an, sie nach Ablauf der doppelten Dauer des durchschnittlichen Krankheitszyklus zu beurteilen, also der Zeit vom Beginn einer Krankheitsphase bis zum Beginn der nächsten; bei Rückfällen in den ersten 6 Monaten sollte die Behandlung in der Regel nicht verändert werden. Veränderungen können Sie im Stimmungstagebuch festhalten; mehr zur Dauer unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [5]
- BeginnDie Dosis wird stufenweise (einschleichend) bis zur wirksamen Dosis aufgebaut; bei der Vorbeugung manisch-depressiver Phasen reicht die Anfangsdosis in der Regel auch als Erhaltungsdosis. Vor Beginn werden Blutbild und Leberwerte bestimmt, dazu Harnstatus und Harnstoff-Stickstoff und bei Risiko für einen Natriummangel der Natriumwert; bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte ein Schwangerschaftstest erwogen werden. Bei Menschen han-chinesischer oder thailändischer Abstammung sollte laut Fachinformation vor Beginn nach Möglichkeit auf das Erbmerkmal HLA-B*1502 getestet werden. Das Risiko schwerer Hautreaktionen wie eines Stevens-Johnson-Syndroms ist in den ersten Behandlungswochen am höchsten.[1, 2]
- Erste WirkungDie Dosis bestimmt und kontrolliert die Ärztin oder der Arzt; Ziel bei Epilepsie ist Anfallsfreiheit bei möglichst niedriger Dosis, festgelegt besonders bei Kombinationsbehandlungen auch über die Spiegel im Blut. Bei Nervenschmerzen (Neuralgie) wird einige Wochen mit der gerade noch ausreichenden Dosis behandelt und dann vorsichtig verringert, um zu prüfen, ob die Schmerzen von selbst nachgelassen haben. Bei der Vorbeugung manisch-depressiver Phasen sollte die Wirksamkeit laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen nach dem persönlichen Krankheitsverlauf überprüft werden, nach klinischer Erfahrung nach Ablauf der doppelten Dauer des durchschnittlichen Krankheitszyklus (Zeit vom Beginn einer Krankheitsphase bis zum Beginn der nächsten); bei einem Rückfall in den ersten 6 Monaten sollte die Behandlung in der Regel nicht verändert werden.[1, 2, 5]
- ErhaltungDie Behandlung der Epilepsie und die Vorbeugung manisch-depressiver Phasen sind grundsätzlich Langzeitbehandlungen; über Einstellung, Dauer und Absetzen sollte bei Epilepsie eine erfahrene Fachärztin oder ein erfahrener Facharzt entscheiden. Zur Anfallsverhütung beim Alkoholentzug sollte die Behandlung nach 7 bis 10 Tagen ausschleichend beendet werden. Laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen ist zu vermeiden, dass eine nicht vollständig erfolgreiche Phasenprophylaxe ungeprüft und unverändert über Jahre fortgeführt wird.[1, 2, 5]
- AbsetzenUnterbrechen oder beenden Sie die Behandlung auf keinen Fall eigenmächtig: Sie können den Behandlungserfolg gefährden und erneut Anfälle auslösen. Bei Epilepsie ist ein Absetzen im Allgemeinen frühestens nach zwei bis drei Jahren ohne Anfälle zu erwägen und muss laut Packungsbeilage und Fachinformation schrittweise über ein bis zwei Jahre erfolgen; an anderer Stelle nennt die Fachinformation ein schrittweises Absetzen über einen Zeitraum von 6 Monaten, weil ein abruptes Absetzen zu Anfällen führen kann. Eine Umstellung auf ein anderes Antiepileptikum muss laut Fachinformation ausschleichend erfolgen. Nach einem Stevens-Johnson-Syndrom oder einer toxischen epidermalen Nekrolyse muss die Behandlung beendet werden, und Carbamazepin darf nie wieder eingenommen werden. Wann und wie, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1, 2]
Nebenwirkungen im Blick
Sehr häufig sind Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit und Schläfrigkeit, Gang- und Bewegungsstörungen (Ataxie), Erschöpfung, Übelkeit und Erbrechen sowie allergische, auch stark ausgeprägte Hautreaktionen mit und ohne Fieber und Nesselsucht. Ebenfalls sehr häufig ist eine verminderte Zahl weißer Blutkörperchen (Leukopenie). Eine Verminderung der Blutplättchen oder der weißen Blutkörperchen ist laut Fachinformation in der Mehrzahl der Fälle vorübergehend und kündigt keine Agranulozytose oder aplastische Anämie an; diese zum Teil lebensbedrohenden Schäden der Blutzellen sind sehr selten. [1, 2]
Häufig sind unter anderem Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme und ein zu niedriger Natriumwert im Blut, der selten zu einer Wasservergiftung mit Teilnahmslosigkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Verwirrtheit führen kann, außerdem Kopfschmerzen, Doppelbilder, verschwommenes Sehen, Appetitlosigkeit und Mundtrockenheit. Selten sind Leberentzündungen, insbesondere in den ersten Behandlungsmonaten auch eine lebensbedrohliche akute Hepatitis oder ein Leberversagen. Gangunsicherheit, Schwindel, Schläfrigkeit, niedriger Blutdruck und Verwirrtheit können zu Stürzen und damit zu Knochenbrüchen oder anderen Verletzungen führen. [1, 2]
Schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom und die toxische epidermale Nekrolyse sind möglicherweise lebensbedrohlich. Laut Packungsbeilage zeigen sie sich anfangs als rötliche, schießscheibenartige oder kreisförmige Flecken am Körperstamm, oft mit einer Blase in der Mitte, und können zu großflächiger Blasenbildung oder Ablösung der Haut führen, oft begleitet von grippeähnlichen Beschwerden; bei Menschen aus bestimmten asiatischen Ländern können sie häufiger auftreten. Leichte Hautausschläge sind laut Fachinformation meist vorübergehend. Weil es schwierig sein kann, die frühen Zeichen einer schweren Hautreaktion davon zu unterscheiden, sollten Behandelte engmaschig beobachtet werden. [1, 2]
Selten sind Halluzinationen, Depression, depressive oder manische Verstimmungen und aggressives Verhalten; sehr selten sind die Aktivierung verborgener Psychosen, Angststörungen und sexuelle Störungen wie Impotenz und verminderte Libido. Es gibt Hinweise, dass Carbamazepin die Beschwerden einer Multiplen Sklerose verschlechtern kann. [1, 2]
Nebenwirkungen im Blick
Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.
- MüdigkeitSehr häufig
- Schlafstörungennicht genannt
- Unruhe und NervositätGelegentlich
- GewichtszunahmeHäufig
- Weniger oder veränderte Lust auf SexSehr selten
- ErektionsstörungenSehr selten
- MundtrockenheitHäufig
- Vermehrtes SchwitzenSehr selten
- ÜbelkeitSehr häufig
- SchwindelSehr häufig
- ZitternGelegentlich
- BewegungsstörungenGelegentlich
- Herzrhythmus und QT-ZeitGelegentlich
- NatriummangelHäufig
- Abhängigkeitnicht genannt
- Sitzunruhe (Akathisie)nicht genannt
"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen von Carbamazepin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de.
Die häufigsten Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Verminderte Zahl weißer Blutkörperchen (Leukopenie); laut Fachinformation am häufigsten eine gutartige Leukopenie, vor allem in den ersten vier Behandlungsmonaten[1, 2]
- Häufig: Vermehrte Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie) oder verminderte Zahl der Blutplättchen (Thrombozytopenie)[1, 2]
- Häufig: Wasseransammlung im Gewebe (Ödeme), verringerte Flüssigkeitsausscheidung, Gewichtszunahme, verminderter Natriumgehalt im Blut (Hyponatriämie) und verminderte Plasmaosmolalität, die selten zu einer Wasservergiftung mit Lethargie, Erbrechen, Kopfschmerz, Verwirrtheit und anderen neurologischen Störungen führen kann[1, 2]
- Sehr häufig: Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit sowie Gang- und Bewegungsstörungen (Ataxie)[1, 2]
- Häufig: Kopfschmerzen und Doppelbilder[1, 2]
- Häufig: Störungen der Nahanpassung des Auges (Akkommodationsstörungen), z. B. verschwommenes Sehen[1, 2]
- Sehr häufig: Übelkeit und Erbrechen[1, 2]
- Häufig: Appetitlosigkeit und Mundtrockenheit[1, 2]
- Sehr häufig: Allergische, auch stark ausgeprägte Hautreaktionen mit und ohne Fieber und Nesselsucht (Urtikaria)[1, 2]
- Sehr häufig: Erschöpfung[1, 2]
- Sehr häufig: Anstieg des Leberwerts Gamma-GT; laut Fachinformation durch Enzyminduktion bedingt und üblicherweise klinisch nicht relevant[1, 2]
- Häufig: Anstieg der alkalischen Phosphatase im Blut[1, 2]
Alle Nebenwirkungen von Carbamazepin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Was Angaben wie "häufig" oder "selten" bedeuten, zeigt der Häufigkeits-Übersetzer. Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Blutbildveränderungen, Natriummangel, Gewichtszunahme, Müdigkeit, sexuelle Probleme und malignes neuroleptisches Syndrom.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Fieber, Halsschmerzen, Hautausschlag, Geschwüre im Mund, Lymphknotenschwellungen, grippeähnliche Beschwerden, eine Neigung zu blauen Flecken oder Hautblutungen können laut Packungsbeilage frühe Anzeichen einer schweren Schädigung von Blut, Leber, Niere oder anderen Organen sein; suchen Sie dann unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf. Laut Fachinformation sollte in diesem Fall sofort das Blutbild bestimmt werden. Bemerken Sie einen Hautausschlag oder andere Zeichen an der Haut, teilen Sie in der Praxis mit, dass Sie Carbamazepin einnehmen. [1, 2]
Eine geringe Anzahl von Menschen, die mit Antiepileptika wie Carbamazepin behandelt wurden, hatte laut Packungsbeilage Gedanken daran, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Eine gemeinsame Auswertung (Metaanalyse) randomisierter, placebokontrollierter Studien mit Antiepileptika zeigte laut Fachinformation ein leicht erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und suizidales Verhalten; der Mechanismus ist nicht bekannt, und die Daten schließen ein erhöhtes Risiko unter Carbamazepin nicht aus. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, setzen Sie sich sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung. In einer akuten Krise erreichen Sie Hilfe unter diesen Nummern. [1, 2]
Was Ihnen in einer Krise hilft und wen Sie anrufen können, lässt sich vorab im Krisenplan festhalten.
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Ändern Sie die Dosis nicht selbst und unterbrechen Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wegen einer möglichen erhöhten Lichtempfindlichkeit der Haut sollten Sie sich während der Behandlung vor starker Sonnenbestrahlung schützen; mehr unter Hitze, Sonne und Psychopharmaka. [1, 2]
Haben Sie durch Carbamazepin Beschwerden wie Schwindel, Benommenheit, Blutdruckabfall oder Verwirrtheit, die zu Stürzen führen können, informieren Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Apotheke. Bei Krankheiten oder Arzneimitteln, die diese Wirkungen verstärken können, sollte laut Fachinformation eine umfassende Beurteilung des Sturzrisikos in Betracht gezogen werden, bei einer Langzeitbehandlung wiederholt. Grapefruit und Grapefruitsaft können den Carbamazepin-Spiegel möglicherweise erhöhen; mehr unter Essen, Trinken und Psychopharmaka. Beschwerden und Fragen können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch notieren und mit den Fragen fürs Arztgespräch vorbereiten. [1, 2]
Kontrollen während der Behandlung
Das Blutbild einschließlich der Blutplättchen sollte laut Fachinformation vor der Behandlung, im ersten Monat wöchentlich und danach monatlich kontrolliert werden; nach 6 Monaten reichen teilweise 2 bis 4 Kontrollen im Jahr. Die Leberwerte müssen vor und während der Behandlung kontrolliert werden, empfohlen wird derselbe Takt, besonders nach früheren Lebererkrankungen und bei älteren Menschen. Bei bestimmten Veränderungen des Blutbilds, insbesondere einer Verminderung der weißen Blutkörperchen oder der Blutplättchen, kann es nötig sein, Carbamazepin abzusetzen; das ist laut Fachinformation immer der Fall, wenn gleichzeitig allergische Beschwerden, Fieber, Halsschmerzen oder Hautblutungen auftreten. [2]
Eine Bestimmung des Carbamazepin-Spiegels im Blut kann laut Fachinformation unter anderem nützlich sein bei einer auffälligen Zunahme der Anfälle, in der Schwangerschaft, bei Kindern und Jugendlichen, bei Verdacht auf Vergiftungszeichen und wenn mehrere Arzneimittel gleichzeitig gegeben werden; der Zusammenhang zwischen Dosis, Spiegel und Wirkung ist laut Fachinformation allerdings sehr zweifelhaft. Bei einer bipolaren Störung sollte die Überwachung laut S3-Leitlinie auch eine regelmäßige Messung des Medikamentenspiegels beinhalten; für Carbamazepin nennt die Leitlinie Kontrollen alle 6 Monate, mit dem Hinweis auf den geringen Abstand zwischen wirksamem und giftigem Spiegel. Mehr unter Medikamentenspiegel. Laut Fachinformation sollten Behandelte außerdem auf Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten überwacht werden; Behandelten und Betreuungspersonen sollte geraten werden, dann medizinische Hilfe zu holen. [2, 5]
| Untersuchung | Wann oder warum |
|---|---|
| Blutbild | Vor Beginn, im ersten Monat wöchentlich, danach monatlich; nach 6 Monaten reichen teilweise 2 bis 4 Kontrollen im Jahr. Bei Fieber, Halsschmerzen, Hautausschlag, Geschwüren im Mund, rasch auftretenden blauen Flecken oder Hautblutungen sofort die Ärztin oder den Arzt aufsuchen, dann wird das Blutbild bestimmt[1, 2] |
| Leberwerte | Vor Beginn, im ersten Monat wöchentlich, danach monatlich, besonders nach früheren Lebererkrankungen und bei älteren Menschen; nach 6 Monaten reichen teilweise 2 bis 4 Kontrollen im Jahr[2] |
| Nieren und Urin | Harnstatus und Harnstoff-Stickstoff vor und regelmäßig während der Behandlung[2] |
| Natrium im Blut | Bei Nierenerkrankungen mit niedrigem Natriumwert oder bei natriumsenkenden Mitteln wie Entwässerungsmitteln: vor Beginn, nach etwa zwei Wochen und in den ersten drei Monaten monatlich oder nach klinischer Notwendigkeit[1, 2] |
| Carbamazepin-Spiegel | Regelmäßig, besonders bei Langzeitbehandlung, bei Kombinationen auch die Spiegel der anderen Antiepileptika; nützlich unter anderem bei häufigeren Anfällen, in der Schwangerschaft, bei Kindern und Jugendlichen und bei Verdacht auf Vergiftungszeichen. Bei einer bipolaren Störung laut S3-Leitlinie alle 6 Monate, mit dem Hinweis auf den geringen Abstand zwischen wirksamem und giftigem Spiegel[2, 5] |
| Schilddrüse bei Hormonersatz | Überwachung der Schilddrüsenfunktion, damit die Dosis des Schilddrüsenhormons angepasst werden kann[2] |
| Augeninnendruck und Wasserlassen | Bei grünem Star (Glaukom) oder Harnverhalt sorgfältige Überwachung[1, 2] |
| Haut | Engmaschig auf Hautreaktionen, besonders in den ersten Behandlungswochen[2] |
| Stimmung und Suizidgedanken | Laut Fachinformation sollte auf Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten geachtet werden; Behandelten und Betreuenden sollte geraten werden, dann medizinische Hilfe zu holen[2] |
| Sturzrisiko | Bei Krankheiten, Beschwerden oder Arzneimitteln, die Gangunsicherheit, Schwindel, Schläfrigkeit, niedrigen Blutdruck oder Verwirrtheit verstärken können, sollte eine umfassende Beurteilung des Sturzrisikos in Betracht gezogen werden, bei einer Langzeitbehandlung wiederholt[2] |
| Untersuchungen vor Beginn bei bipolarer Störung | Laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen vor jeder medikamentösen Behandlung obligat (klinischer Konsenspunkt): Blutbild mit Differenzierung, Salze im Blut, Leberwerte, Nüchternblutzucker, Kreatinin, Blutdruck und Puls, Körpergewicht und Körpergröße, ein Schwangerschaftstest bei Frauen im gebärfähigen Alter und ein EKG[5] |
| Kontrollen unter Carbamazepin bei bipolarer Störung | Laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen Leberwerte, Blutbild und Gewicht zu Beginn und nach 6 Monaten, Harnstoff und Salze alle 6 Monate; für alle Behandelten außerdem jährlich Schilddrüsenwerte (bei schnellem Phasenwechsel, Rapid Cycling, alle 6 Monate), Blutzucker, Blutfette, Blutdruck und Gewicht[5] |
Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Haben Sie Gedanken, sich etwas anzutun, setzen Sie sich laut Packungsbeilage sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung; in einer akuten Krise erreichen Sie Hilfe unter diesen Nummern. [1]
Was die einzelnen Werte bedeuten, erklärt die Seite Kontrollen und Blutwerte.
Wechselwirkungen
Nicht zusammen eingenommen werden darf Carbamazepin mit MAO-Hemmern, einer Gruppe von Mitteln gegen Depressionen; eine solche Behandlung muss mindestens 2 Wochen vor Beginn abgeschlossen sein. Auch mit Voriconazol, einem Mittel gegen Pilzerkrankungen, darf es nicht eingenommen werden, weil dessen Behandlung versagen kann. Weil Carbamazepin Leberenzyme anregt, kann es die Spiegel vieler Mittel senken, sodass sie unter Umständen unwirksam werden, laut Fachinformation unter anderem von Gerinnungshemmern, hormonellen Verhütungsmitteln, anderen Antiepileptika, Antidepressiva wie Sertralin oder Citalopram und Antipsychotika wie Haloperidol, Clozapin, Olanzapin oder Quetiapin; bei Antipsychotika kann sich dadurch das Krankheitsbild verschlechtern. [1, 2]
Den Carbamazepin-Spiegel erhöhen können unter anderem bestimmte Antibiotika wie Erythromycin, Mittel gegen Pilzerkrankungen vom Azoltyp, die Antidepressiva Fluoxetin, Fluvoxamin und Paroxetin, Ibuprofen und Grapefruitsaft; mögliche Folgen sind Schwindel, Benommenheit, Gangunsicherheit und Doppeltsehen. Senken können ihn unter anderem Phenytoin, Phenobarbital, Oxcarbazepin, Rifampicin und Johanniskraut. [1, 2]
Zusammen mit Lithium kann sich die nervenschädigende Wirkung beider Wirkstoffe verstärken, auch bei Lithium-Spiegeln im üblichen Bereich; laut Fachinformation sind dann die Blutspiegel beider Mittel sorgfältig zu überwachen. Mit Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer wie Fluoxetin kann ein toxisches Serotonin-Syndrom auftreten. Laut Fachinformation gibt es in der Literatur Hinweise, dass die zusätzliche Einnahme von Carbamazepin bei einer bestehenden Behandlung mit Neuroleptika das Risiko für ein malignes neuroleptisches Syndrom oder ein Stevens-Johnson-Syndrom erhöht. Die Langzeitanwendung zusammen mit Paracetamol kann die Leber schädigen. [1, 2]
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| MAO-Hemmer (Mittel gegen Depressionen) | Kombination nicht empfohlen[1, 2] | Eine Behandlung mit MAO-Hemmern muss mindestens 2 Wochen vor Beginn abgeschlossen sein |
| Hormonelle Verhütungsmittel (Pille, Pflaster, Injektionen, Implantate) | Carbamazepin kann ihre Wirkung beeinträchtigen; unerwartete Durchbruch- oder Schmierblutungen sind möglich[1, 2] | Mit der Ärztin oder dem Arzt über eine geeignete Verhütungsmethode sprechen; laut Fachinformation werden nicht-hormonelle Methoden empfohlen |
| Arzneimittel, deren Blutspiegel Carbamazepin senken kann, unter anderem Gerinnungshemmer (Warfarin, Phenprocoumon, Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban, Edoxaban), andere Mittel gegen Epilepsie, bestimmte Antidepressiva und Antipsychotika, Kortikosteroide, Immunsuppressiva, Schilddrüsenhormone, HIV-Mittel, bestimmte Statine, Kalziumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ (z. B. Felodipin) und Schmerzmittel wie Buprenorphin, Fentanyl, Methadon oder Tramadol | Ihr Blutspiegel kann sinken, sodass sie unter Umständen unwirksam werden[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren; die Dosis wird gegebenenfalls angepasst. Laut Fachinformation sollte die gleichzeitige Anwendung mit Dabigatran vermieden werden, mit Rivaroxaban ebenfalls, außer bei engmaschiger Überwachung; bei Apixaban sollte sie zur Behandlung von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien vermieden werden und in den übrigen Anwendungsgebieten nur mit Vorsicht erfolgen, bei Edoxaban nur mit Vorsicht |
| Arzneimittel, die den Carbamazepin-Spiegel erhöhen können, unter anderem Makrolid-Antibiotika (z. B. Erythromycin, Clarithromycin), Isoniazid, Azol-Antimykotika, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Ibuprofen, Danazol, Loratadin, HIV-Protease-Hemmer, Verapamil, Diltiazem, Omeprazol und Grapefruitsaft | Mehr Nebenwirkungen möglich, z. B. Schwindel, Benommenheit, Gangunsicherheit und Doppeltsehen[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren; laut Fachinformation Spiegel kontrollieren und Dosis gegebenenfalls verringern |
| Arzneimittel, die den Carbamazepin-Spiegel senken können, unter anderem Phenytoin, Phenobarbital, Primidon, Oxcarbazepin, Felbamat, Rifampicin, Theophyllin, Isotretinoin, Cisplatin, Doxorubicin und Johanniskraut | Die Wirkung von Carbamazepin kann nachlassen[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Lithium, Metoclopramid und Neuroleptika (z. B. Haloperidol, Thioridazin) | Laut Fachinformation können neurologische Nebenwirkungen begünstigt werden; mit Lithium kann sich die nervenschädigende Wirkung beider Wirkstoffe verstärken[1, 2] | Laut Fachinformation bei Lithium sorgfältige Überwachung der Blutspiegel beider Wirkstoffe |
| Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (z. B. Fluoxetin) | Laut Fachinformation kann ein toxisches Serotonin-Syndrom auftreten[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Paracetamol (Langzeitanwendung) | Kann zu einer Leberschädigung führen[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Entwässerungsmittel wie Hydrochlorothiazid oder Furosemid | Laut Fachinformation kann ein Natriummangel mit Beschwerden auftreten[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, zyklische Antidepressiva oder Erythromycin | Laut Fachinformation erhöhtes Risiko für Überleitungsstörungen am Herzen[2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Alkohol | Carbamazepin kann dazu führen, dass Sie nur noch wenig oder gar keinen Alkohol vertragen[1, 2] | Alkohol meiden |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren; einen Überblick über alle Mittel, die Sie nehmen, gibt der Medikationsplan.
Wer Carbamazepin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Nicht eingenommen werden darf Carbamazepin unter anderem bei einer Knochenmarkschädigung in der Vorgeschichte, bei Überleitungsstörungen des Herzens (AV-Block), bei bestimmten erblichen Porphyrien und zusammen mit MAO-Hemmern oder Voriconazol. Wer auf Carbamazepin überempfindlich reagiert hat, kann auch auf Oxcarbazepin überempfindlich reagieren. Für ältere Menschen ist laut Packungsbeilage eine niedrigere Dosis angezeigt; mehr unter Psychopharmaka im Alter. [1, 2]
Zum Gentest sagt die Fachinformation: Bei Menschen, die von Han-Chinesen oder Thailändern abstammen, ist das Erbmerkmal HLA-B*1502 stark mit dem Risiko für ein Stevens-Johnson-Syndrom verbunden. Sie sollten vor Beginn genetisch darauf untersucht werden, wenn dies irgendwie möglich ist; fällt der Test positiv aus, sollte die Behandlung nicht begonnen werden, es sei denn, es gibt keine andere Behandlungsmöglichkeit. Bei Menschen aus anderen, genetisch besonders gefährdeten asiatischen Bevölkerungsgruppen kann ein Test erwogen werden. Bei Menschen europäischer und japanischer Abstammung weisen Daten darauf hin, dass das Erbmerkmal HLA-A*3101 mit einem erhöhten Risiko für Hautreaktionen durch Carbamazepin verbunden ist; für eine Empfehlung, vor Beginn darauf zu testen, reichen die Daten laut Fachinformation nicht aus. [2]
Genetische Tests können laut Fachinformation niemals eine sorgsame ärztliche Betreuung ersetzen: Viele Menschen mit positivem Test entwickeln keine schwere Hautreaktion, und auch Menschen mit negativem Test können sie entwickeln. Laut Packungsbeilage kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen sagen, ob vor der Einnahme ein Bluttest erforderlich ist. Nach einem Stevens-Johnson-Syndrom oder einer toxischen epidermalen Nekrolyse im Zusammenhang mit Carbamazepin dürfen Sie nie wieder damit behandelt werden. [1, 2]
Nicht anwenden bei
- Allergie gegen Carbamazepin, strukturell verwandte Mittel (z. B. trizyklische Antidepressiva) oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
- Knochenmarkschädigung oder Störung der Blutbildung im Knochenmark in der Vorgeschichte[1, 2]
- Überleitungsstörungen des Herzens (atrioventrikulärer Block)[1, 2]
- Bestimmte erbliche Stoffwechselstörungen der Leber (akute intermittierende Porphyrie, Porphyria variegata, Porphyria cutanea tarda), auch in der Vorgeschichte[1, 2]
- Gleichzeitige Behandlung mit einem MAO-Hemmer (Mittel gegen Depressionen)[1, 2]
- Gleichzeitige Behandlung mit Voriconazol (Mittel gegen Pilzerkrankungen), weil dessen Behandlung versagen kann[1, 2]
Besondere Vorsicht bei
- Absencen (Anfälle mit kurzen Bewusstseinspausen): Carbamazepin sollte dann nicht angewendet werden, weil es solche Anfälle hervorrufen oder verstärken kann[1, 2]
- Schwere Hautreaktionen: Das höchste Risiko für ein Stevens-Johnson-Syndrom oder eine toxische epidermale Nekrolyse besteht in den ersten Behandlungswochen; nach einer solchen Reaktion darf nie wieder Carbamazepin eingenommen werden[1, 2]
- Han-chinesische oder thailändische Abstammung: Die beschriebenen schweren Hautreaktionen können bei Menschen aus bestimmten asiatischen Ländern häufiger auftreten; ein Bluttest kann ein erhöhtes Risiko erkennen. Laut Fachinformation ist das Erbmerkmal HLA-B*1502 stark mit dem Risiko eines Stevens-Johnson-Syndroms verbunden; Betroffene sollten vor der Behandlung nach Möglichkeit genetisch untersucht werden, und bei positivem Test sollte die Behandlung nicht begonnen werden, es sei denn, es gibt keine Alternative. Bei Menschen aus anderen, genetisch besonders gefährdeten asiatischen Bevölkerungsgruppen kann ein Test erwogen werden[1, 2]
- Europäische und japanische Herkunft: Laut Fachinformation weisen Daten darauf hin, dass das Erbmerkmal HLA-A*3101 mit einem erhöhten Risiko für Hautreaktionen durch Carbamazepin verbunden ist (z. B. Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, DRESS, AGEP, makulopapulöser Ausschlag); für eine Empfehlung, vor Beginn darauf zu testen, reichen die Daten nicht aus[2]
- Erkrankungen der blutbildenden Organe. Laut Fachinformation sollte das Blutbild vor der Behandlung, im ersten Monat wöchentlich und danach monatlich kontrolliert werden; nach 6 Monaten reichen teilweise 2 bis 4 Kontrollen im Jahr[1, 2]
- Frühere Allergie gegen Oxcarbazepin oder ein anderes Arzneimittel: Wer auf Carbamazepin allergisch reagiert, kann laut Packungsbeilage und Fachinformation auch auf Oxcarbazepin allergisch reagieren[1, 2]
- Gestörter Natriumstoffwechsel, Nierenprobleme mit niedrigem Natriumspiegel oder gleichzeitige Einnahme von Mitteln, die den Natriumspiegel senken (z. B. Hydrochlorothiazid, Furosemid); laut Fachinformation sollte der Natriumspiegel dann vor und während der Behandlung bestimmt werden[1, 2]
- Herz-, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, auch früher; laut Fachinformation werden die Leberwerte vor und während der Behandlung kontrolliert[1, 2]
- Erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) oder Beschwerden beim Wasserlassen: sorgfältige Überwachung[1, 2]
- Myotone Dystrophie (degenerative Muskelerkrankung), weil dabei häufig Überleitungsstörungen am Herzen auftreten[1, 2]
- Frühere Behandlung mit Carbamazepin, die abgebrochen wurde[1, 2]
- Psychose, die von Verwirrungs- und Übererregungszuständen begleitet sein kann; laut Fachinformation ist an eine Aktivierung verborgener Psychosen und bei älteren Menschen an Verwirrungs- oder Erregungszustände zu denken[1, 2]
- Suizidgedanken: Eine geringe Anzahl von Menschen, die mit Antiepileptika behandelt wurden, hatte Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen[1, 2]
- Lichtempfindlichkeit: Sie sollten sich während der Behandlung vor starker Sonnenbestrahlung schützen[1, 2]
- Frauen im gebärfähigen Alter: Carbamazepin kann das ungeborene Kind schädigen. Während der Behandlung und zwei Wochen danach ist eine zuverlässige Verhütung nötig; laut Fachinformation mindestens eine zuverlässige Methode wie eine Spirale oder zwei sich ergänzende Methoden einschließlich einer Barrieremethode. Laut Fachinformation sollte Carbamazepin bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht angewendet werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt nach sorgfältiger Abwägung anderer geeigneter Behandlungen die Risiken; vor Behandlungsbeginn sollte ein Schwangerschaftstest erwogen werden[1, 2]
- Schilddrüsenunterfunktion mit Hormonersatz: Laut Fachinformation kann Carbamazepin den Bedarf an Schilddrüsenhormonen erhöhen; die Schilddrüsenwerte werden zu Beginn und am Ende der Behandlung bestimmt[2]
- Langzeitbehandlung, Osteoporose oder gleichzeitige Einnahme von Kortison: Es wurden Fälle verringerter Knochendichte bis hin zu Knochenbrüchen berichtet; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt[1, 2]
- Multiple Sklerose: Es gibt Hinweise, dass Carbamazepin die Beschwerden verschlechtern kann[1, 2]
- Kinder unter 6 Jahren: Retardtabletten sind wegen des zu hohen Wirkstoffgehalts und fehlender Erfahrung ungeeignet; ältere Menschen: niedrigere Dosierung[1, 2]
- Tegretal 100 mg/5 ml Suspension bei Neugeborenen: Laut Rote-Hand-Brief vom 05.01.2026 darf diese Suspension bei Neugeborenen bis zu einem Alter von 4 Wochen (bei Frühgeborenen bis zu einem Alter von 44 Wochen nach der letzten Menstruation der Mutter) nicht angewendet werden, es sei denn, es gibt keine andere Behandlungsmöglichkeit und der erwartete Nutzen überwiegt die Risiken; dann wird eine medizinische Überwachung empfohlen. Grund ist der hohe Gehalt des Hilfsstoffs Propylenglykol, der zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie einer Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose), Nierenfunktionsstörungen, akutem Nierenversagen und Leberfunktionsstörungen führen kann. Andere Darreichungsformen von Tegretal und andere carbamazepinhaltige Präparate betrifft das laut Rote-Hand-Brief nicht[4]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Carbamazepin kann wie andere auf das Nervensystem wirkende Stoffe dazu führen, dass Sie nur noch wenig oder gar keinen Alkohol vertragen; Alkohol sollten Sie während der Behandlung laut Packungsbeilage daher meiden. Laut Fachinformation sollten Behandelte keinen Alkohol trinken. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2]
Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, verschwommenes Sehen, Doppeltsehen und Störungen der Bewegungskoordination führen laut Packungsbeilage zu Beginn der Behandlung, bei Dosissteigerung oder höheren Dosen und zusammen mit anderen auf das Nervensystem wirkenden Mitteln auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zu Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit und der Fähigkeit, Maschinen zu bedienen. Die Packungsbeilage sagt deshalb: Sie dürfen keine Kraftfahrzeuge führen, keine Maschinen bedienen und keine anderen gefahrvollen Tätigkeiten ausführen; das gilt verstärkt zusammen mit Alkohol. [1] Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [12] Die Ausnahme für bestimmungsgemäß eingenommene, für einen konkreten Krankheitsfall verschriebene Arzneimittel in § 24a Abs. 4 StVG bezieht sich nur auf bestimmte Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG. [11] Mehr dazu unter Psychopharmaka und Autofahren.
Carbamazepin kann laut Packungsbeilage zu schweren Geburtsfehlern führen; berichtet wurden unter anderem Neuralrohrdefekte (Öffnung der Wirbelsäule), Lippen- und Gaumenspalten, Fehlbildungen des Kopfes, Herzfehler, Fehlbildungen des Penis mit Beteiligung der Harnöffnung (Hypospadie) und Fingerdefekte. Studien zur Entwicklung des Gehirns bei Kindern, die im Mutterleib Carbamazepin ausgesetzt waren, sind widersprüchlich; eine Auswirkung kann nicht ausgeschlossen werden. Laut Fachinformation sollte Carbamazepin in der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht angewendet werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt nach sorgfältiger Abwägung anderer geeigneter Behandlungen die Risiken. Empfohlen werden eine spezielle Überwachung vor der Geburt, Folsäure vor und während der Schwangerschaft und Vitamin K für die Mutter in den letzten Schwangerschaftswochen und für das Neugeborene. [1, 2]
Frauen im gebärfähigen Alter müssen laut Fachinformation während der Behandlung und zwei Wochen danach zuverlässig verhüten; angewendet werden sollten mindestens eine zuverlässige Methode wie eine Spirale (Intrauterinpessar) oder zwei sich ergänzende Methoden einschließlich einer Barrieremethode. Weil Carbamazepin die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel wie Pille, Pflaster, Spritzen oder Implantate beeinträchtigen kann, sollten laut Fachinformation nicht hormonelle Methoden empfohlen werden. Planen Sie eine Schwangerschaft, sprechen Sie laut Packungsbeilage mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine Umstellung, bevor Sie die Verhütung beenden und bevor Sie schwanger werden. Sind Sie schwanger oder vermuten Sie es, informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, brechen Sie die Einnahme aber nicht ohne Rücksprache ab: Das kann zu Krampfanfällen führen, die für Sie und Ihr Kind gefährlich sein können. Mehr unter Verhütung und Psychopharmaka und Psychopharmaka in der Schwangerschaft. [1, 2]
Laut Embryotox ist Carbamazepin ein Teratogen, also fruchtschädigend; den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft gibt Embryotox als sehr hoch an. Bei Planung einer Schwangerschaft sollte die Behandlung laut Embryotox sehr kritisch geprüft und bei Epilepsie, wenn möglich, auf besser geeignete Mittel umgestellt werden; bei psychiatrischen Anwendungsgebieten und Nervenschmerzen sollte Carbamazepin dann nicht verwendet werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Eine stabil eingestellte Patientin mit Epilepsie, bei der eine Umstellung nicht möglich ist, kann die Behandlung laut Embryotox beibehalten; die Entbindung sollte dann in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen. [3]
Carbamazepin tritt in die Muttermilch über; trotzdem ist das Stillen laut Packungsbeilage in der Regel möglich, wenn das Kind auf Nebenwirkungen beobachtet wird. Laut Fachinformation sollten gestillte Kinder sorgfältig auf Nebenwirkungen an Leber und Galle überwacht werden. Embryotox stützt sich auf veröffentlichte Erfahrungen mit mehr als 100 Mutter-Kind-Paaren und hält Stillen unter alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes für akzeptabel. Mehr unter Psychopharmaka in der Stillzeit. [1, 2, 3]
Schwangerschaft
Carbamazepin kann zu schweren Geburtsfehlern führen: Das Risiko für einen Geburtsfehler ist höher als bei Frauen, die keine Arzneimittel gegen Epilepsie anwenden. Berichtet wurden Neuralrohrdefekte (offene Wirbelsäule), Lippen- und Gaumenspalten, Fehlbildungen des Kopfes, Herzfehler, Fehlbildungen des Penis mit Beteiligung der Harnöffnung (Hypospadie) und Fingerdefekte; auch Probleme der Gehirnentwicklung wurden berichtet, wobei die Studien dazu widersprüchlich sind. Eine spezielle vorgeburtliche Überwachung wird empfohlen. Laut Fachinformation sollte Carbamazepin während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt nach sorgfältiger Abwägung anderer geeigneter Behandlungen die Risiken.[1, 2]
Planen Sie eine Schwangerschaft, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine Umstellung auf eine andere geeignete Behandlung. Sind Sie schwanger oder vermuten Sie es, informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, brechen Sie die Einnahme aber nicht ohne Rücksprache ab: Das kann zu Krampfanfällen führen, die für Sie und Ihr Kind gefährlich sind. Laut Packungsbeilage kann Folsäure vor und während der Schwangerschaft sinnvoll sein; zur Vorbeugung von Blutungsstörungen wird Vitamin K für die Mutter in den letzten Schwangerschaftswochen bzw. für das Neugeborene empfohlen.[1, 2]
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Carbamazepin in der Schwangerschaft mit "sehr hoch" an und stuft Carbamazepin als gesichert fehlbildend (teratogen) ein: In einem aktuellen Cochrane-Review war das Fehlbildungsrisiko nach Carbamazepin in der Schwangerschaft höher als bei gesunden Schwangeren ohne Antiepileptika. Bei Planung einer Schwangerschaft sollte die Behandlung sehr kritisch geprüft und bei Epilepsie wenn möglich umgestellt werden; bei psychiatrischen Anwendungsgebieten und Nervenschmerzen sollte Carbamazepin laut Embryotox nicht verwendet werden. Ist die Behandlung zwingend notwendig, sollte laut Embryotox ab Planung einer Schwangerschaft bis mindestens zur 12. Schwangerschaftswoche täglich Folsäure eingenommen werden. Eine stabil eingestellte Patientin mit Epilepsie, bei der eine Umstellung nicht möglich ist, kann die Behandlung beibehalten; die Entbindung sollte dann in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen. Besser geeignete Alternativen sind laut Embryotox bei Epilepsie Lamotrigin, gegebenenfalls auch Levetiracetam, bei Trigeminusneuralgie Lamotrigin oder Levetiracetam und bei bipolarer Störung Quetiapin, andere Neuroleptika, Lamotrigin oder gegebenenfalls das schwach fehlbildend wirkende Lithium; bei psychiatrischen Anwendungsgebieten und Nervenschmerzen sollten etablierte Psychopharmaka bzw. andere Schmerzmittel bevorzugt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Carbamazepin tritt in die Muttermilch über; trotzdem ist Stillen während der Behandlung in der Regel möglich. Beobachten Sie Ihr Kind auf mögliche Nebenwirkungen; bei schlechter Gewichtszunahme, übermäßigem Schlafbedürfnis oder allergischen Hautreaktionen sollte abgestillt werden. Laut Fachinformation sollten gestillte Kinder sorgfältig auf Nebenwirkungen an Leber und Galle überwacht werden.[1, 2]
Embryotox stützt sich in der Stillzeit auf veröffentlichte Erfahrungen mit mehr als 100 Mutter-Kind-Paaren; laut Embryotox ist Stillen unter alleiniger Behandlung mit Carbamazepin und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel; zu bedenken ist das fehlbildende Risiko einer nächsten Schwangerschaft unter Carbamazepin.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Carbamazepin kann dazu führen, dass Sie nur noch wenig oder gar keinen Alkohol vertragen; Sie sollten deshalb während der Behandlung Alkohol meiden.[1, 2]
Autofahren und Maschinen
Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, verschwommenes Sehen, Doppeltsehen und Störungen der Bewegungskoordination, zu Beginn der Behandlung, bei Dosissteigerung, bei höheren Dosen oder zusammen mit anderen auf das Nervensystem wirkenden Mitteln, schränken auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Fahrtüchtigkeit ein. Laut Packungsbeilage dürfen Sie deshalb keine Kraftfahrzeuge führen, keine Maschinen bedienen und keine anderen gefahrvollen Tätigkeiten ausführen; das gilt verstärkt zusammen mit Alkohol.[1, 2]
Anwendung
Die Retardtabletten während oder nach den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, z. B. mit einem Glas Wasser; sie können in gleiche Dosen geteilt werden. Die Tagesdosis wird in der Regel auf 1 bis 2 Einzelgaben verteilt.[1]
Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge einnehmen, sondern das Arzneimittel weiter wie vorgesehen einnehmen.[1]
Die Behandlung der Epilepsie und die Vorbeugung manisch-depressiver Phasen sind grundsätzlich Langzeitbehandlungen; über Einstellung, Dauer und Absetzen sollte bei Epilepsie eine in der Behandlung erfahrene Fachärztin oder ein Facharzt entscheiden. Zur Anfallsverhütung beim Alkoholentzug sollte die Behandlung nach 7 bis 10 Tagen ausschleichend beendet werden.[1]
Absetzen
Sie dürfen die Behandlung auf keinen Fall eigenmächtig unterbrechen oder vorzeitig beenden: Sie können den Behandlungserfolg gefährden und erneut epileptische Anfälle auslösen. Bei Epilepsie ist ein Absetzen im Allgemeinen frühestens nach zwei- bis dreijähriger Anfallsfreiheit zu erwägen und muss schrittweise über ein bis zwei Jahre erfolgen. An anderer Stelle schreibt die Fachinformation, dass ein abruptes Absetzen zu Anfällen führen kann und Carbamazepin deshalb schrittweise über einen Zeitraum von 6 Monaten abgesetzt werden sollte. Wann und wie, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1, 2]
Überdosierung
Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen. Die Nebenwirkungen können verstärkt auftreten; Atemschwierigkeiten, ein schneller und unregelmäßiger Herzschlag, Bewusstseinsverlust, Ohnmacht, Zittern, Übelkeit und/oder Erbrechen können Hinweise sein.[1]
Einnahme und Absetzen
Die Retardtabletten werden während oder nach den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen, zum Beispiel mit einem Glas Wasser; sie können in gleiche Dosen geteilt werden. Die Tagesdosis wird in der Regel auf 1 bis 2 Einzelgaben verteilt. [1]
Laut Packungsbeilage dürfen Sie die Behandlung auf keinen Fall eigenmächtig unterbrechen oder vorzeitig beenden: Sie können damit den Behandlungserfolg gefährden und erneut epileptische Anfälle auslösen. Bei Epilepsie ist ein Absetzen im Allgemeinen frühestens nach zwei bis drei Jahren ohne Anfälle zu erwägen und muss laut Packungsbeilage und Fachinformation schrittweise über ein bis zwei Jahre erfolgen. An anderer Stelle schreibt die Fachinformation, dass ein abruptes Absetzen zu Anfällen führen kann und Carbamazepin deshalb schrittweise über einen Zeitraum von 6 Monaten abgesetzt werden sollte; eine Umstellung auf ein anderes Antiepileptikum darf nicht plötzlich erfolgen. [1, 2]
Bei Trigeminus- und Glossopharyngeus-Neuralgie sollte laut Fachinformation nach einer Schmerzlinderung versucht werden, die Behandlung schrittweise abzusetzen, bis eine weitere Schmerzattacke auftritt; zur Anfallsverhütung beim Alkoholentzug sollte sie nach 7 bis 10 Tagen ausschleichend beendet werden. Treten Anzeichen eines Stevens-Johnson-Syndroms oder einer toxischen epidermalen Nekrolyse auf, muss die Behandlung beendet werden. Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu unter Psychopharmaka absetzen. [2]
Dosierung laut Packungsbeilage
Die Packungsbeilage nennt Anfangs-, Erhaltungs- und Höchstdosis getrennt nach Anwendungsgebiet und, bei Epilepsie, nach Alter. Bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Leber- und Nierenleiden und bei älteren Menschen ist eine niedrigere Dosis angezeigt. [1]
Präparate mit Carbamazepin
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Carbamazepin-ratiopharm | ratiopharm GmbH | verschreibungspflichtig; Retardtabletten mit 200 oder 400 mg; Grundlage dieser Seite |
| Finlepsin | verschreibungspflichtig | |
| Tegretal | verschreibungspflichtig | |
| Timonil | verschreibungspflichtig |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 11.10.2026
- Fachinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 11.10.2026
- Embryotox: Carbamazepin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
- Rote-Hand-Brief zu Tegretal Suspension (Carbamazepin): Einschränkung der Anwendung bei Neugeborenen, da die Konzentration des Hilfsstoffs Propylenglykol den empfohlenen Grenzwert überschreitet. Novartis Pharma GmbH in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 05.01.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, Langversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 038-019), Kapitel 4.8 (Diagnostik vor und während einer Pharmakotherapie, Tabelle 19) und 5.4 (Phasenprophylaxe). Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) und DGPPN. Stand Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020. abgerufen am 22.10.2026
- Fachinformation Carbamazepin-ratiopharm 400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Bipolare Störungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Carbamazepin nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de
Häufige Fragen
Wofür wird Carbamazepin verschrieben?
Carbamazepin ist zugelassen bei bestimmten Formen der Epilepsie, bei Trigeminus-Neuralgie und genuiner Glossopharyngeus-Neuralgie, bei Schmerzen durch eine diabetische Nervenschädigung, bei nicht-epileptischen Anfällen bei Multipler Sklerose und zur Anfallsverhütung beim Alkoholentzug, dort nur unter stationären Bedingungen. Zur Vorbeugung manisch-depressiver Phasen ist es zugelassen, wenn eine Behandlung mit Lithium versagt hat beziehungsweise unter Lithium schnelle Phasenwechsel auftraten und wenn mit Lithium nicht behandelt werden darf. Für die Behandlung einer akuten Manie oder einer bipolaren Depression ist Carbamazepin laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen nicht zugelassen.
Wie hoch ist die Dosis von Carbamazepin?
Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Laut Packungsbeilage empfiehlt sich ein stufenweiser (einschleichender) Aufbau bis zur am besten wirksamen Dosis; bei älteren Menschen und bei schweren Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenerkrankungen ist eine niedrigere Dosis angezeigt. Was die Packungsbeilage je nach Anwendungsgebiet und Alter als Anfangs-, Erhaltungs- und Höchstdosis nennt, steht im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Darf ich mit Carbamazepin Alkohol trinken?
Laut Fachinformation sollten Sie während der Behandlung keinen Alkohol trinken. Carbamazepin kann wie andere auf das Nervensystem wirkende Stoffe dazu führen, dass Sie nur noch wenig oder gar keinen Alkohol vertragen; die Packungsbeilage rät deshalb, Alkohol zu meiden. Zusammen mit Alkohol ist auch die Fahrtüchtigkeit verstärkt eingeschränkt. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Alkohol.
Darf ich zu Carbamazepin Ibuprofen oder Paracetamol nehmen?
Sagen Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke, welche Schmerzmittel Sie nehmen. Ibuprofen kann laut Fachinformation den Carbamazepin-Spiegel erhöhen, was zu Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit, Gangunsicherheit oder Doppeltsehen führen kann. Die Langzeitanwendung von Carbamazepin zusammen mit Paracetamol kann die Leber schädigen, und Carbamazepin kann die Aufnahme von Paracetamol in den Körper vermindern. Weitere Wechselwirkungen stehen im Abschnitt Wechselwirkungen.
Nimmt man mit Carbamazepin zu?
Das ist möglich: Gewichtszunahme gehört laut Packungsbeilage zu den häufigen Nebenwirkungen, zusammen mit Wassereinlagerungen im Gewebe, einer verringerten Flüssigkeitsausscheidung und einem zu niedrigen Natriumwert im Blut; häufig heißt, dass bis zu 1 von 10 Behandelten betroffen sein kann. Bei einer bipolaren Störung nennt die S3-Leitlinie unter Carbamazepin Gewichtskontrollen zu Beginn der Behandlung und nach 6 Monaten. Sprechen Sie Veränderungen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an; mehr unter Gewichtszunahme.
Warum wird der Carbamazepin-Spiegel bestimmt?
Laut Fachinformation sollte die Dosis vor allem bei einer Kombination mit anderen Mitteln über die Bestimmung des Spiegels im Blut und nach der Wirksamkeit festgelegt werden. Nützlich ist eine Spiegelbestimmung unter anderem bei einer auffälligen Zunahme der Anfälle, in der Schwangerschaft, bei Kindern und Jugendlichen, bei Verdacht auf Vergiftungszeichen und wenn mehrere Arzneimittel gleichzeitig gegeben werden. Bei einer bipolaren Störung nennt die S3-Leitlinie Spiegelkontrollen alle 6 Monate, mit dem Hinweis auf den geringen Abstand zwischen wirksamem und giftigem Spiegel. Mehr unter Medikamentenspiegel.
Wie setzt man Carbamazepin ab?
Nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Laut Packungsbeilage dürfen Sie die Behandlung auf keinen Fall eigenmächtig unterbrechen oder vorzeitig beenden, weil das den Behandlungserfolg gefährden und erneut epileptische Anfälle auslösen kann. Bei Epilepsie ist ein Absetzen im Allgemeinen frühestens nach zwei bis drei Jahren ohne Anfälle zu erwägen und muss laut Packungsbeilage schrittweise über ein bis zwei Jahre erfolgen; an anderer Stelle nennt die Fachinformation ein schrittweises Absetzen über 6 Monate. Bei Trigeminus- und Glossopharyngeus-Neuralgie sollte laut Fachinformation nach einer Schmerzlinderung versucht werden, die Behandlung schrittweise abzusetzen, bis eine weitere Schmerzattacke auftritt.
Darf ich Carbamazepin in der Schwangerschaft nehmen?
Laut Fachinformation sollte Carbamazepin in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt nach sorgfältiger Abwägung anderer geeigneter Behandlungen die Risiken; es kann zu schweren Geburtsfehlern führen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und zwei Wochen danach zuverlässig verhüten, und weil Carbamazepin hormonelle Verhütungsmittel abschwächen kann, sollten laut Fachinformation nicht hormonelle Methoden empfohlen werden. Sind Sie schwanger oder vermuten Sie es, informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, brechen Sie die Einnahme aber nicht ohne Rücksprache ab: Das kann zu Krampfanfällen führen, die für Sie und Ihr Kind gefährlich sein können.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu