Behandlung
Kontrollen und Blutwerte während der Behandlung
Welche Kontrollen während einer Behandlung mit Psychopharmaka nötig sind, hängt vom Mittel, von der Erkrankung und von Ihren Vorerkrankungen ab. Vor Beginn und in den ersten Monaten sehen die Leitlinien häufigere Untersuchungen vor, etwa Blutbild, Leber- und Nierenwerte, Blutsalze, Blutdruck, Gewicht und je nach Mittel ein EKG; später werden die Abstände größer. Für einige Wirkstoffe wie Clozapin, Lithium, Valproinsäure oder Carbamazepin nennen die Fachinformationen eigene Kontrollpläne.

Antidepressiva können laut Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression Blutwerte verändern oder das Körpergewicht und den Blutdruck erhöhen. Die Untersuchungen vor und während der Behandlung helfen, unbekannte Begleiterkrankungen und Nebenwirkungen zu erkennen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden; in den ersten Monaten finden die Kontrollbesuche häufiger statt, danach in längeren Abständen [2]. Welche Kontrollen für Ihr Mittel vorgesehen sind, steht in der Fachinformation und in der Leitlinie zu Ihrer Erkrankung. Was die Werte für Sie bedeuten und ob sich daraus etwas an der Behandlung ändert, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Wozu die Kontrollen dienen
Vor Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva sollen laut NVL die für das jeweilige Medikament empfohlenen Untersuchungen gemacht werden ("soll"). Manche Antidepressiva erfordern laut NVL aus Sicherheitsgründen Untersuchungen vor dem Start, damit unbekannte Begleiterkrankungen erfasst und Mittel vermieden werden, die nicht gegeben werden dürfen. Die Ausgangswerte sind zugleich die Grundlage für die späteren Kontrollen [1].
Bei einer Schizophrenie sollen Betroffene, Angehörige und andere Vertrauenspersonen laut S3-Leitlinie Schizophrenie über die erforderlichen Kontrolluntersuchungen informiert werden, und die Kontrollen sollen fester Teil des Behandlungsplans sein ("soll") [3]. Ein Teil der Kontrollen sind Blutuntersuchungen, ein anderer das EKG (Elektrokardiogramm). Es misst die elektrische Aktivität des Herzens und erlaubt Aussagen über Herzrhythmus und Herzfrequenz [2]. Dazu kommen Messungen von Blutdruck, Puls und Gewicht und Fragen nach Wirkung und Nebenwirkungen [1, 3].
Untersuchungen vor Beginn
Bei einer Depression nennt die NVL vor Beginn eines Antidepressivums unter anderem ein Blutbild, die Nierenfunktion (aus dem Kreatinin berechnet), Leberwerte, Blutsalze (Elektrolyte), Blutdruck, Puls und Körpergewicht. Ein EKG vor Beginn sieht sie bei Citalopram, Escitalopram und Venlafaxin vor, außerdem bei einem Risiko für oder einer bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung; bei trizyklischen Antidepressiva und bei Lithium nennt sie es für alle Behandelten [1].
Bei einer Schizophrenie nennt die S3-Leitlinie vor Beginn eines Antipsychotikums unter anderem Blutbild, Blutzuckerwerte und Blutfette, Nieren- und Leberwerte, EKG und Blutsalze, Blutdruck und Puls, das Körpergewicht, den Prolaktinwert und einen Schwangerschaftstest; vor Clozapin kommt ein EEG (Hirnstromkurve) dazu [3].
Bei einer bipolaren Störung ist laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen vor Beginn einer Behandlung mit Psychopharmaka obligat (klinischer Konsenspunkt): ein Blutbild mit Differenzierung der weißen Blutkörperchen (Differentialblutbild), Blutsalze, Leberwerte, der Blutzucker nüchtern, das Kreatinin, Blutdruck und Puls, Körpergewicht und Körpergröße, bei Frauen im gebärfähigen Alter ein Schwangerschaftstest und ein EKG. Je nach Mittel kommen im Einzelfall weitere Werte dazu, vor Lithium etwa Schilddrüsenwerte, die Kreatinin-Clearance als Maß für die Nierenfunktion und bei geplanter Langzeitbehandlung ein Ultraschall der Schilddrüse, vor Valproat unter anderem Gerinnungswerte [4]. Diese Leitlinie stammt von 2019, zuletzt angepasst im Mai 2020; die Leitlinienübersicht der DGPPN führt sie mit dem Vermerk "Gültig bis: 01.03.2023", diese Gültigkeit ist abgelaufen [5].
Kontrollen bei Antidepressiva
Die Kontrollen während der Behandlung sollen laut NVL nach den Tabellen der Leitlinie erfolgen, und Wirkungen und typische Nebenwirkungen sollen aktiv erfragt werden ("soll"). Für die meisten Antidepressiva außer den trizyklischen nennt die NVL als Orientierung [1]:
- Gespräche über die Einnahme und typische Nebenwirkungen in den ersten drei Monaten zweimal im Monat (auch telefonisch möglich), in den Monaten 4 bis 6 einmal im Monat, danach vierteljährlich
- Blutbild, Nierenfunktion und Blutsalze vor Beginn, im ersten und im sechsten Monat, danach halbjährlich; bei langfristig stabilem Verlauf kann einmal im Jahr ausreichen
- Leberwerte vor Beginn, im ersten und im sechsten Monat, bei bedeutsamen Begleiterkrankungen oder vielen weiteren Medikamenten zusätzlich in den Monaten 2 bis 5 und danach vierteljährlich
- Blutdruck und Puls vor Beginn, im ersten und im sechsten Monat; das Körpergewicht vor Beginn, im dritten und im sechsten Monat und danach vierteljährlich
- ein EKG vor Beginn und im ersten Monat bei Citalopram, Escitalopram und Venlafaxin und bei Herz-Kreislauf-Risiken
Für trizyklische Antidepressiva sind die Abstände kürzer; das Blutbild etwa nennt die NVL in den ersten sechs Monaten jeden Monat und danach vierteljährlich, das EKG auch im sechsten Monat und danach halbjährlich. Die Zahl der nötigen Routinekontrollen ist laut NVL nicht durch Studien belegt; die Tabellen sind Orientierungswerte, von denen im begründeten Fall abgewichen werden kann [1].
Einzelne Fachinformationen nennen eigene Punkte. Bei Citalopram muss ein Mangel an Kalium oder Magnesium vor Beginn ausgeglichen werden; bei stabilen Herzerkrankungen sollte vor Beginn ein EKG erwogen werden, und treten während der Behandlung Zeichen von Herzrhythmusstörungen auf, sieht die Fachinformation das Absetzen und ein EKG vor [8]. Mehr dazu unter Herz und QT-Zeit. Unter SSRI wie Sertralin kann ein Natriummangel im Blut (Hyponatriämie) auftreten; ältere Menschen und Menschen, die Entwässerungsmittel nehmen, können laut Fachinformation stärker gefährdet sein. Anzeichen sind unter anderem Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Verwirrtheit, Schwäche und Gleichgewichtsstörungen, die zu Stürzen führen können [7]; mehr unter Natriummangel.
Bei Agomelatin sollen laut Produktinformation bei allen Behandelten vor Beginn die Leberwerte bestimmt werden, danach nach etwa 3, 6, 12 und 24 Wochen und später, wenn es ärztlich angezeigt ist; nach einer Dosissteigerung beginnen diese Kontrollen von vorn [9]. Die NVL gibt diese Herstellerempfehlung in ihrer Tabelle ebenfalls wieder [1].
Befinden und Stimmung im Blick behalten
Zu den Kontrollen gehört auch das Gespräch. Die NVL meint mit dem aktiven Erfragen ausdrücklich auch Nebenwirkungen, die Betroffene eher nicht von sich aus ansprechen, zum Beispiel sexuelle Funktionsstörungen [1]. Antidepressiva können laut Patientenleitlinie zu Beginn der Behandlung möglicherweise das Risiko für Suizidgedanken und Suizidversuche erhöhen; deshalb sollen Ärztinnen und Ärzte auf Anzeichen für ein höheres Risiko achten [2]. Laut Fachinformation von Sertralin sollten Behandelte bis zum Eintritt einer Besserung engmaschig überwacht werden, besonders zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen. Behandelte und ihre Betreuungspersonen sind darauf hinzuweisen, auf eine Verschlechterung, auf Suizidgedanken oder suizidales Verhalten und auf ungewöhnliche Verhaltensänderungen zu achten; treten sie auf, sollten sie unverzüglich medizinischen Rat einholen [7].
Veränderungen von Stimmung, Schlaf und Befinden lassen sich im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten und zum nächsten Termin mitbringen.
Kontrollen bei Antipsychotika

Bei einer Schizophrenie fasst die S3-Leitlinie die Kontrollen unter Antipsychotika in einer Tabelle zusammen. Die Zeiten sind als Orientierung gedacht; bei Beschwerden oder auffälligen Vorbefunden werden die Abstände angepasst [3]. Unter anderem nennt sie:
- das Körpergewicht vor Beginn, in den Monaten 1, 2, 3 und 6 und danach vierteljährlich, dazu den Taillenumfang und monatliches Wiegen durch die behandelte Person selbst
- Blutzuckerwerte und Blutfette vor Beginn, je nach Mittel im ersten, dritten und sechsten Monat oder nur im sechsten Monat, danach halbjährlich oder jährlich; gegebenenfalls, besonders bei Clozapin und Olanzapin, auch ein Blutzuckertagesprofil oder einen Zuckerbelastungstest
- EKG und Blutsalze vor Beginn und im Verlauf, bei Menschen über 60 Jahren und bei Herzrisiken häufiger
- Blutdruck und Puls sowie die Erfassung von Bewegungsstörungen, Müdigkeit und sexuellen Nebenwirkungen in den ersten sechs Monaten mehrmals, danach in größeren Abständen
- den Prolaktinwert vor Beginn; im Verlauf soll er nur bei entsprechenden Beschwerden bestimmt werden
Bei Olanzapin hält die Fachinformation eine ärztliche Überwachung für ratsam, zum Beispiel eine Bestimmung des Blutzuckers zu Beginn, 12 Wochen nach Beginn und danach jährlich. Das Gewicht sollte regelmäßig kontrolliert werden, zum Beispiel zu Beginn, nach 4, 8 und 12 Wochen und danach vierteljährlich, die Blutfette zum Beispiel zu Beginn, nach 12 Wochen und danach alle 5 Jahre. Auf Zeichen eines hohen Blutzuckers wie starken Durst, häufiges Wasserlassen, Heißhunger und Schwäche sollte geachtet werden [10]. Bei einer bipolaren Störung soll laut S3-Leitlinie unter atypischen Antipsychotika der Stoffwechsel im Verlauf überwacht werden, weil Blutzucker und Blutfette steigen können (klinischer Konsenspunkt) [4]. Mehr unter Blutzucker und Blutfette und Gewichtszunahme.
Bei Haloperidol wird laut Fachinformation vor Behandlungsbeginn ein EKG empfohlen; während der Behandlung wird für jede behandelte Person beurteilt, ob das EKG überwacht werden muss. Ein Mangel an Kalium oder Magnesium erhöht laut Fachinformation das Risiko für Herzrhythmusstörungen und muss vor Beginn ausgeglichen werden; deshalb wird eine Kontrolle der Blutsalze vor Beginn und in regelmäßigen Abständen empfohlen [11]. Erhöhte Prolaktinwerte und ihre Folgen erklärt die Seite Prolaktin.
Clozapin: Blutbild nach festem Plan
Clozapin kann laut Fachinformation eine Agranulozytose verursachen [6]. Dabei bildet der Körper zu wenig weiße Blutkörperchen, vor allem sogenannte Granulozyten, die Krankheitserreger abwehren; deshalb steigt das Risiko für Infektionen [15]. Laut Fachinformation wird das Blutbild innerhalb von 10 Tagen vor Beginn kontrolliert. Danach wird die Zahl der neutrophilen Granulozyten in den ersten 18 Wochen wöchentlich und in den folgenden 34 Wochen monatlich bestimmt. Ist im ersten Jahr kein Mangel an diesen Zellen (Neutropenie) aufgetreten, sollte alle 12 Wochen kontrolliert werden; nach zwei Jahren ohne Neutropenie einmal im Jahr. Nach einer leichten Neutropenie, die sich stabilisiert hat oder abgeklungen ist, sollte während der gesamten Behandlung monatlich kontrolliert werden. Die Kontrollen laufen bis 4 Wochen nach dem Ende der Behandlung oder bis sich das Blutbild normalisiert hat; das entfällt, wenn die Behandlung nach mehr als 2 Jahren ohne Neutropenie aus anderen Gründen beendet wird. Rezepte sollen nicht für einen längeren Zeitraum ausgestellt werden als der Abstand zwischen zwei Blutbildkontrollen [6].
Laut Fachinformation werden Sie bei jedem Arztbesuch daran erinnert, sich bei jeder beginnenden Infektion, bei Fieber, Halsschmerzen oder grippeähnlichen Beschwerden sofort bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu melden; dann wird sofort ein Blutbild gemacht. Wenn die Werte bestimmte Grenzen unterschreiten, wird Clozapin laut Fachinformation sofort abgesetzt [6]. Außerdem ist das Risiko einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) erhöht, besonders in den ersten zwei Monaten; Verdacht besteht etwa bei anhaltend schnellem Herzschlag in Ruhe, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Schmerzen in der Brust, unerklärlicher Müdigkeit oder Atemnot [6]. Die S3-Leitlinie Schizophrenie nennt für die Neueinstellung vor Beginn ein EKG, die Blutwerte CRP und Troponin, Blutdruck, Puls und Temperatur, danach vier Wochen lang wöchentlich CRP und Troponin und alle zwei Tage Blutdruck, Puls und Temperatur [3]. Mehr unter Clozapin und Blutbildveränderungen.
Kontrollen bei Lithium, Valproinsäure und Carbamazepin
Bei Lithium sieht die deutsche Fachinformation nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung zu Beginn eine sorgfältige Überwachung vor. Dazu gehören der Lithiumspiegel im Blut und bei jeder Spiegelbestimmung das Kreatinin, vierteljährlich Körpergewicht und Halsumfang, jährlich Schilddrüsenwerte, Natrium, Kalium und Kalzium, die Urinmenge über 24 Stunden mit der Kreatinin-Clearance, ein EKG und ein Blutbild, außerdem Urinuntersuchungen und Blutdruckmessungen. Kürzere Abstände oder zusätzliche Kontrollen können nötig sein bei starkem Erbrechen, hohem Fieber, Infektionen, heftigen Durchfällen oder Flüssigkeitsmangel, wenn Arzneimittel dazukommen, die den Lithiumspiegel beeinflussen, und beim Wechsel von mehreren Einnahmen am Tag auf eine einzige; bei älteren Menschen wird die Nierenfunktion häufiger kontrolliert [12]. Eigene Orientierungswerte für Lithium bei einer Depression nennt die NVL in einer Tabelle [1]. Wann und wie oft der Blutspiegel bestimmt wird, steht unter Medikamentenspiegel.
Bei Valproinsäure sind laut Fachinformation bei Jugendlichen etwa ab 15 Jahren und Erwachsenen vor Beginn und im ersten Halbjahr monatlich Kontrollen des Befindens und der Laborwerte anzuraten; vor Operationen und Zahnbehandlungen wird die Blutgerinnung geprüft. Schwere, lebensbedrohliche Schädigungen von Leber oder Bauchspeicheldrüse treten laut Fachinformation gelegentlich auf, fast nur in den ersten sechs Behandlungsmonaten und vorwiegend bei Kindern unter 15 Jahren. Meist zeigen sich dabei Beschwerden schon vor veränderten Laborwerten, etwa Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Müdigkeit, Schlappheit, häufigere oder schwerere Anfälle, blaue Flecken oder Nasenbluten, geschwollene Augenlider oder Beine und eine Gelbfärbung der Haut; der Beobachtung kommt deshalb größere Bedeutung zu als den Laborbefunden. Bei Mädchen und Frauen, die schwanger werden könnten, muss vor Beginn eine Schwangerschaft durch einen Test ausgeschlossen werden, soweit erforderlich auch während der Behandlung [13]. Mehr unter Valproinsäure in der Schwangerschaft.
Bei Carbamazepin sollte das Blutbild laut Fachinformation vor Beginn, im ersten Monat wöchentlich und danach monatlich kontrolliert werden; die Leberwerte müssen vor und während der Behandlung kontrolliert werden, empfohlen sind dieselben Abstände. Nach sechs Monaten reichen teilweise zwei bis vier Kontrollen im Jahr. Empfohlen ist außerdem, Urin und Harnstoff vor und regelmäßig während der Behandlung zu bestimmen. Bei Nierenerkrankungen mit niedrigem Natrium oder zusammen mit Mitteln, die das Natrium senken, sollte das Natrium vor Beginn, nach etwa zwei Wochen und in den ersten drei Monaten monatlich gemessen werden [14]. Bei einer bipolaren Störung sollte die Überwachung laut S3-Leitlinie auch eine regelmäßige Messung des Medikamentenspiegels umfassen, besonders bei Lithium, aber auch bei Valproat und Carbamazepin ("sollte", klinischer Konsenspunkt) [4].
Wann Sie nicht bis zur nächsten Kontrolle warten sollten
Unter Clozapin gehören laut Fachinformation Fieber, Halsschmerzen, grippeähnliche Beschwerden und andere Zeichen einer Infektion dazu, außerdem Zeichen einer Herzmuskelentzündung wie ein anhaltend schneller Herzschlag in Ruhe, Brustschmerzen, unerklärliche Müdigkeit oder Atemnot [6]. Unter Carbamazepin sollten Sie laut Fachinformation bei Fieber, Halsschmerzen, Hautausschlag, Lymphknotenschwellungen, grippeähnlichen Beschwerden, Geschwüren im Mund, Neigung zu blauen Flecken oder Hautblutungen sofort ärztliche Hilfe suchen, bei Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Gelbfärbung der Haut umgehend [14]. Unter Agomelatin holen Sie laut Packungsbeilage bei ungewöhnlich dunklem Urin, hell gefärbtem Stuhl, gelber Haut oder gelben Augen, Schmerzen im rechten Oberbauch oder ungewöhnlicher Erschöpfung unverzüglich ärztlichen Rat ein [9].
Was Sie selbst tun können
Fragen Sie zu Beginn, welche Kontrollen für Ihr Mittel vorgesehen sind und wann die Termine stattfinden. Bei einer Schizophrenie sollen Sie und, unter Beachtung der Schweigepflicht, Ihre Angehörigen laut S3-Leitlinie darüber informiert werden; zusätzlich zum Wiegen in der Praxis nennt die Leitlinie unter Antipsychotika das monatliche Wiegen durch die behandelte Person selbst [3]. Bei Valproinsäure kommt laut Fachinformation bei der Früherkennung einer Leberschädigung der Beobachtung von Beschwerden größere Bedeutung zu als den Laborbefunden [13]; melden Sie solche Beschwerden deshalb auch zwischen den Terminen. Teilen Sie unter Clozapin mit, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören oder mehr oder weniger koffeinhaltige Getränke trinken: Laut Fachinformation erhöht Koffein den Clozapinspiegel, und nach einem plötzlichen Rauchstopp kann der Spiegel steigen und Nebenwirkungen können zunehmen [6].
Bringen Sie Ihren aktuellen Medikationsplan zu den Terminen mit. Bei Lithium etwa können laut Fachinformation zusätzliche Kontrollen nötig sein, wenn Arzneimittel dazukommen, die den Lithiumspiegel beeinflussen [12]. Für das Gespräch eignen sich die Fragen fürs Arztgespräch.
Quellen
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005), Kapitel 4.4.4 und 4.4.7 (Empfehlungen 4-6 und 4-13, Tabellen 28 bis 30). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0 (Kapitel "Wie läuft die Behandlung mit Antidepressiva ab?" und Wörterbuch). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009), Kapitel 9.21 Kontrolluntersuchungen (Tabelle 22, Empfehlung 55). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, Langversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 038-019), Kapitel 4.8 Somatische und laborchemische Diagnostik vor und während einer Pharmakotherapie (Empfehlungen Diagnostik 29 bis 32). Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) und DGPPN. Stand Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.03.2023. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Bipolare Störungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Citalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Valdoxan (Agomelatin, EPAR), Anhang I: Fachinformation, und Anhang III B: Packungsbeilage. Les Laboratoires Servier (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2025 (zuletzt aktualisiert 15.04.2025). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2020. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Deutschland). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber). Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Valproinsäure-ratiopharm 300 Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Agranulozytose (Glossar). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Welche Blutwerte werden bei Antidepressiva kontrolliert?
Laut NVL Unipolare Depression gehören bei den meisten Antidepressiva das Blutbild, die Nierenfunktion, die Leberwerte und die Blutsalze dazu, außerdem Blutdruck, Puls und Gewicht. Ein EKG nennt die NVL vor Beginn und im ersten Monat bei Citalopram, Escitalopram und Venlafaxin und bei Herz-Kreislauf-Risiken, bei trizyklischen Antidepressiva auch später. Die Abstände sind in den ersten Monaten kürzer und werden danach größer.
Warum wird bei Psychopharmaka ein EKG gemacht?
Das EKG misst die elektrische Aktivität des Herzens und zeigt Herzrhythmus und Herzfrequenz. Einige Psychopharmaka können laut Fachinformation den Herzrhythmus beeinflussen; bei Haloperidol etwa wird vor Behandlungsbeginn ein EKG empfohlen, bei Citalopram bei stabilen Herzerkrankungen erwogen. Bei Lithium nennt die deutsche Fachinformation ein EKG einmal im Jahr.
Wie oft wird bei Clozapin das Blutbild kontrolliert?
Laut Fachinformation innerhalb von 10 Tagen vor Beginn, in den ersten 18 Wochen wöchentlich und in den folgenden 34 Wochen monatlich. Ist im ersten Jahr keine Neutropenie aufgetreten, sollte alle 12 Wochen kontrolliert werden, nach zwei Jahren ohne Neutropenie einmal jährlich. Bei Fieber, Halsschmerzen oder anderen Infektzeichen wird sofort ein Blutbild gemacht.
Muss ich zur Blutabnahme nüchtern kommen?
Das hängt von der Untersuchung ab. Für den Blutzucker nennt die S3-Leitlinie Bipolare Störungen den Nüchternwert. Für Spiegelmessungen bei Antidepressiva wird das Blut laut NVL in der Regel vor der Morgendosis abgenommen, bei Lithium laut Fachinformation möglichst genau 12 Stunden nach der letzten Einnahme. Fragen Sie in Ihrer Praxis, wie Sie sich auf den Termin vorbereiten sollen.
Was passiert, wenn ein Wert auffällig ist?
Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt je nach Mittel und Befund. Möglich sind zum Beispiel häufigere Kontrollen oder eine Anpassung der Behandlung; bei Clozapin wird die Behandlung laut Fachinformation sofort beendet, wenn die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen unter eine festgelegte Grenze fällt. Ändern Sie Ihre Medikamente nicht selbst.
Welche Kontrollen sind bei Lithium nötig?
Laut deutscher Fachinformation unter anderem der Lithiumspiegel im Blut zusammen mit dem Kreatinin, vierteljährlich Gewicht und Halsumfang und jährlich Schilddrüsenwerte, Natrium, Kalium, Kalzium, Nierenfunktion, EKG und Blutbild. Bei starkem Erbrechen, heftigem Durchfall, hohem Fieber oder neuen Medikamenten, die den Lithiumspiegel beeinflussen, können zusätzliche Kontrollen nötig sein.
Soll ich mich unter Antipsychotika selbst wiegen?
Bei einer Schizophrenie nennt die S3-Leitlinie neben den Messungen in der Praxis auch das monatliche Wiegen durch die behandelte Person selbst. Wenn Sie zunehmen, sprechen Sie das beim nächsten Termin an; was die Leitlinie dann vorsieht, steht auf der Seite zur Gewichtszunahme.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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