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Sexuelle Probleme durch Psychopharmaka
Sexuelle Probleme stehen in den Packungsbeilagen vieler Psychopharmaka: weniger Lust auf Sex, Erektions- und Ejakulationsstörungen und Schwierigkeiten mit dem Orgasmus. Bei Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRI zählt die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression sie zu den wichtigen Nebenwirkungen, bei Antipsychotika können sie laut S3-Leitlinie Schizophrenie auch über einen erhöhten Prolaktinspiegel entstehen. Sprechen Sie solche Beschwerden offen an und ändern Sie die Einnahme nicht selbst.

Unter sexuellen Funktionsstörungen fassen die Packungsbeilagen mehrere Beschwerden zusammen. Bei Escitalopram heißt es zum Beispiel "Störungen der Sexualfunktion (verzögerte Ejakulation, Erektionsstörungen, Minderung des sexuellen Interesses und bei Frauen Orgasmusstörungen)" [3]. Andere Packungsbeilagen verwenden Begriffe wie "vermindertes sexuelles Interesse", "fehlender Samenerguss", "Erektionsschwierigkeiten" oder "Orgasmusstörungen bei der Frau" [1, 4, 8]. Manche nennen auch ein gesteigertes sexuelles Verlangen, die von Citalopram als seltene und die von Pregabalin als gelegentliche Nebenwirkung [4, 14].
Wie oft eine Nebenwirkung vorkommt, geben die Packungsbeilagen in festen Klassen an: "sehr häufig" kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100 und "selten" bis zu 1 von 1.000 [1]. Was diese Angaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. Sexuelle Funktionsstörungen gehören laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression zu den Nebenwirkungen, die Betroffene eher nicht von sich aus berichten [20].
Welche Psychopharmaka sexuelle Probleme auslösen können
Antidepressiva
Für die SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) und die SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) führt die NVL Unipolare Depression in ihrer Übersicht über die Antidepressiva die sexuelle Dysfunktion unter den wichtigen Nebenwirkungen auf [20]. Die Packungsbeilage von Sertralin nennt einen fehlenden Samenerguss als sehr häufig, vermindertes sexuelles Interesse und Erektionsstörungen als häufig [1]. Bei Escitalopram, Citalopram und Fluoxetin stehen sexuelle Probleme unter "häufig", ebenso bei Venlafaxin und Duloxetin [3, 4, 5, 6, 7]. Die Packungsbeilagen von Citalopram, Venlafaxin und Duloxetin nennen dabei auch Orgasmus- und Ejakulationsstörungen, bei Venlafaxin etwa einen ausbleibenden Orgasmus, bei Duloxetin Störungen beim Samenerguss [4, 6, 7].
Unter den trizyklischen Antidepressiva nennt die Packungsbeilage von Clomipramin sexuelle Funktionsstörungen ("Störung von Libido und Potenz") als sehr häufig, die von Amitriptylin einen verminderten sexuellen Antrieb und Erektionsschwierigkeiten als häufig [8, 9].
Wenn die Beschwerden nach dem Absetzen bleiben
Die Packungsbeilagen der SSRI und SNRI enthalten einen eigenen Warnhinweis: Diese Arzneimittel können Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen, und in bestimmten Fällen blieben die Symptome nach Beendigung der Behandlung bestehen [1, 3, 4, 5, 6, 7]. Die Fachinformation von Sertralin spricht von berichteten lang anhaltenden sexuellen Funktionsstörungen, bei denen die Symptome trotz Absetzen bestehen blieben [2]. Bei Fluoxetin stehen sexuelle Funktionsstörungen einschließlich Orgasmusproblemen, "die gelegentlich nach Beendigung der Behandlung bestehen bleiben", unter den gelegentlichen Nebenwirkungen [5]. Ein Absetzen planen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr dazu unter Antidepressiva absetzen.
Antipsychotika
Unter den Antipsychotika, auch Neuroleptika genannt, führt die Packungsbeilage von Olanzapin sexuelle Funktionsstörungen "wie verminderter Sexualtrieb bei Männern und Frauen oder Erektionsstörungen bei Männern" als häufig auf [10]. Bei Haloperidol stehen Erektionsstörungen unter "häufig" und der Verlust oder die Abnahme des sexuellen Verlangens unter "gelegentlich", bei Quetiapin sexuelle Funktionsstörungen unter "gelegentlich" [12, 13]. Für Risperidon nennt die Packungsbeilage eine Erhöhung des Hormons Prolaktin im Blut als häufig. Beschwerden durch einen hohen Prolaktinwert treten danach gelegentlich auf und können bei Männern Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, eine verminderte Libido oder andere sexuelle Funktionsstörungen umfassen [11].
Die S3-Leitlinie Schizophrenie (Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026) zählt hormonelle und sexuelle Nebenwirkungen zu den Punkten, die bei der Wahl eines Antipsychotikums gemeinsam mit der betroffenen Person berücksichtigt und erörtert werden sollen (Empfehlung 17) [19]. Nebenwirkungen wie sexuelle Funktionsstörungen haben laut Leitlinie stets einen Einfluss auf die Lebensqualität und auf die Zufriedenheit mit der Behandlung [19].
Weitere Psychopharmaka
Bei Pregabalin nennt die Packungsbeilage eine Verringerung des Geschlechtstriebs und Erektionsstörungen als häufig [14]. Unter den Benzodiazepinen führt die Packungsbeilage von Lorazepam Änderungen der Libido, Impotenz und einen verminderten Orgasmus als gelegentlich auf [15]. Unter den Stimmungsstabilisierern nennt die Packungsbeilage von Carbamazepin sexuelle Störungen wie Impotenz und verminderte Libido als sehr selten, die von Lithium sexuelle Störungen und Impotenz mit nicht bekannter Häufigkeit [16, 17]. Bei Methylphenidat, einem Mittel zur Behandlung der ADHS, stehen ein verminderter sexueller Antrieb und das Unvermögen, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, unter "häufig" [18].
Kinder und Jugendliche
Bei Kindern und Jugendlichen von 8 bis 18 Jahren kann Fluoxetin laut Packungsbeilage zusätzlich das Wachstum verlangsamen oder möglicherweise die sexuelle Entwicklung verzögern [5]. Für erhöhte Prolaktinspiegel unter Antipsychotika beschreibt die S3-Leitlinie Schizophrenie, dass eine längerfristige Einnahme in jungen Lebensjahren zu einer Verzögerung der sexuellen Entwicklung führen kann [19]. Mehr dazu lesen Sie unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen.
Alle Wirkstoffe mit Datensatz im Überblick
Die Tabellen zeigen alle Wirkstoffe mit geprüftem Datensatz auf Psychopharmakon.de, deren Produktinformation die jeweilige Beschwerde nennt, jeweils mit der höchsten angegebenen Häufigkeit. Sie sind keine Rangliste: Jede Klasse stammt aus der Produktinformation eines einzelnen Präparats, und welches Mittel für Sie in Frage kommt, hängt von vielen weiteren Punkten ab, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen abwägt. In der rechten Spalte steht die Angabe der Produktinformation. Nennt sie mehrere dieser Beschwerden, erscheint ein Mittel in mehreren Tabellen.
Die erste Tabelle führt Mittel auf, deren Produktinformation ausdrücklich weniger Lust auf Sex angibt.
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Amitriptylin | Häufig | Verminderter sexueller Antrieb (Libido vermindert) |
| Atomoxetin | Häufig | Bei Erwachsenen: Vermindertes sexuelles Interesse |
| Chlorprothixen | Häufig | Verminderte Libido |
| Citalopram | Häufig | Vermindertes sexuelles Verlangen |
| Desvenlafaxin | Häufig | Verminderte Libido |
| Doxepin | Häufig | Sexuelle Störungen: Abnahme des sexuellen Interesses, Ejakulationsstörungen bzw. Potenzstörungen |
| Duloxetin | Häufig | Vermindertes sexuelles Verlangen (Libidoverminderung) |
| Escitalopram | Häufig | Störungen der Sexualfunktion: verzögerter Samenerguss (Ejakulationsstörungen), Erektionsstörungen, weniger sexuelles Interesse (verringerte Libido) und bei Frauen Orgasmusstörungen |
| Fluoxetin | Häufig | Verminderter Sexualtrieb |
| Flupentixol | Häufig | Verminderte Lust auf Sex (Abnahme der Libido) |
| Levomethadon | Häufig | Eingeschränkte Libido und/oder eingeschränkte Potenz, gelegentlich bis häufig |
| Methylphenidat | Häufig | Verminderter sexueller Antrieb |
| Olanzapin | Häufig | Sexuelle Funktionsstörungen wie verminderter Sexualtrieb bei Männern und Frauen oder Erektionsstörungen bei Männern |
| Pregabalin | Häufig | Verringerung des Geschlechtstriebs |
| Sertralin | Häufig | Vermindertes sexuelles Interesse |
| Venlafaxin | Häufig | Ausbleibender Orgasmus (Anorgasmie) und verminderter Geschlechtstrieb |
| Buspiron | Gelegentlich | Menstruationsstörungen, vermindertes oder gesteigertes sexuelles Verlangen |
| Cariprazin | Gelegentlich | Verringertes oder gesteigertes sexuelles Verlangen, Erektionsstörungen |
| Diazepam | Gelegentlich | Zu- oder Abnahme des sexuellen Bedürfnisses (Libido) |
| Dikaliumclorazepat | Gelegentlich | Abnahme des Geschlechtstriebs (Libido) |
| Eszopiclon | Gelegentlich | Verminderter Sexualtrieb |
| Haloperidol | Gelegentlich | Verwirrtheit; Verlust oder Abnahme des sexuellen Verlangens |
| Milnacipran | Gelegentlich | Verminderter Geschlechtstrieb (verminderte Libido) |
| Modafinil | Gelegentlich | Verminderte Libido |
| Oxazepam | Gelegentlich | Abnahme oder Zunahme des sexuellen Verlangens |
| Paliperidon | Gelegentlich | Schlafstörungen, Erregungszustand (Manie), verminderter sexueller Antrieb, Nervosität, Albträume |
| Pitolisant | Gelegentlich | Verminderte oder gesteigerte Libido |
| Risperidon | Gelegentlich | Erregungszustand (Manie), Verwirrtheit, verminderter sexueller Antrieb, Nervosität, Albträume |
| Vareniclin | Gelegentlich | Vermindertes sexuelles Verlangen (verminderte Libido) |
| Ziprasidon | Gelegentlich | Verminderte Lust auf Sex (verminderte Libido) |
| Bromazepam | Selten | Zu- oder Abnahme des sexuellen Bedürfnisses |
| Buprenorphin | Selten | Vermindertes sexuelles Interesse (Pflaster) |
| Medazepam | Selten | Abnahme des geschlechtlichen Bedürfnisses |
| Perazin | Selten | Auswirkungen auf die sexuellen Funktionen, zum Beispiel beeinträchtigte sexuelle Reaktionsfähigkeit und sexuelles Verlangen, Störungen der Erektion und des Samenergusses |
| Carbamazepin | Sehr selten | Sexuelle Störungen wie Impotenz und verminderte Libido, verminderte männliche Fruchtbarkeit und/oder veränderte Bildung von Samenzellen |
| Methadon | Nicht bekannt | Eingeschränkte Libido und/oder Potenz |
| Sulpirid | Nicht bekannt | Spannungsgefühl in der Brust (im Rahmen einer Mastopathie), schmerzhafte Regelblutung (Dysmenorrhö), Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann (Gynäkomastie), beim Mann verminderte Lust auf Sex |
| Trazodon | Nicht bekannt | Verminderter Geschlechtstrieb (Libido) |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (38 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Spricht die Produktinformation von einer veränderten Lust ohne Richtung oder von gesteigerter Lust, steht das Mittel in der zweiten Tabelle; die Packungsbeilage von Lorazepam etwa nennt "Änderungen der Libido" [15]. Mittel, deren Produktinformation weniger und mehr Lust nebeneinander nennt, finden Sie in der ersten Tabelle.
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Clomipramin | Sehr häufig | Sexuelle Funktionsstörungen (Störung von Libido und Potenz) |
| Paroxetin | Sehr häufig | Störungen des sexuellen Verlangens oder der sexuellen Funktion, zum Beispiel ausbleibender Orgasmus und bei Männern Erektions- und Ejakulationsstörungen; in bestimmten Fällen blieben die Beschwerden nach Ende der… |
| Lisdexamfetamin | Häufig | Unfähigkeit, eine Erektion zu bekommen oder zu halten, oder Veränderungen des Geschlechtstriebs |
| Alprazolam | Gelegentlich | Veränderungen des sexuellen Verlangens (Libido) |
| Aripiprazol | Gelegentlich | Verändertes oder verstärktes sexuelles Interesse |
| Buspiron | Gelegentlich | Menstruationsstörungen, vermindertes oder gesteigertes sexuelles Verlangen |
| Cariprazin | Gelegentlich | Verringertes oder gesteigertes sexuelles Verlangen, Erektionsstörungen |
| Diazepam | Gelegentlich | Zu- oder Abnahme des sexuellen Bedürfnisses (Libido) |
| Flurazepam | Gelegentlich | Veränderungen des sexuellen Verhaltens (Änderungen der Libido) |
| Imipramin | Gelegentlich | Sexuelle Funktionsstörungen (Libido, Potenz) |
| Lorazepam | Gelegentlich | Veränderungen des sexuellen Verlangens (Libido), Impotenz, abgeschwächter Orgasmus |
| Naltrexon | Gelegentlich | Störungen des sexuellen Verlangens (Libidostörungen) |
| Nitrazepam | Gelegentlich | Änderungen des sexuellen Bedürfnisses (Libidostörung) |
| Oxazepam | Gelegentlich | Abnahme oder Zunahme des sexuellen Verlangens |
| Pitolisant | Gelegentlich | Verminderte oder gesteigerte Libido |
| Pregabalin | Gelegentlich | Verstärkung des Geschlechtstriebs; Unfähigkeit, einen sexuellen Höhepunkt zu erreichen (Anorgasmie) |
| Temazepam | Gelegentlich | Störungen der sexuellen Erregung, zum Beispiel Änderungen des sexuellen Verlangens, Impotenz, Orgasmusstörungen |
| Vareniclin | Gelegentlich | Gesteigertes sexuelles Verlangen (gesteigerte Libido) |
| Bromazepam | Selten | Zu- oder Abnahme des sexuellen Bedürfnisses |
| Citalopram | Selten | Gesteigertes sexuelles Verlangen |
| Clonazepam | Selten | Veränderungen des sexuellen Verlangens (Libido) |
| Melatonin | Selten | Vorzeitiges frühmorgendliches Erwachen, gesteigerter Geschlechtstrieb (Libido) |
| Methylphenidat | Selten | Probleme mit dem sexuellen Antrieb |
| Zolpidem | Selten | Störungen des Geschlechtstriebs (Libido) |
| Zopiclon | Selten | Störung des sexuellen Verlangens (Libidostörung) |
| Dexamfetamin | Nicht bekannt | Verändertes sexuelles Lustempfinden |
| Donepezil | Nicht bekannt | Gesteigerte Libido, Hypersexualität |
| Natriumoxybat | Nicht bekannt | Gesteigerter Sexualtrieb |
| Triazolam | Nicht bekannt | Änderungen des sexuellen Bedürfnisses (Libido) |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (29 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Erektionsstörungen heißen in manchen Packungsbeilagen auch Impotenz [12].
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Clomipramin | Sehr häufig | Sexuelle Funktionsstörungen (Störung von Libido und Potenz) |
| Paroxetin | Sehr häufig | Störungen des sexuellen Verlangens oder der sexuellen Funktion, zum Beispiel ausbleibender Orgasmus und bei Männern Erektions- und Ejakulationsstörungen; in bestimmten Fällen blieben die Beschwerden nach Ende der… |
| Amitriptylin | Häufig | Erektionsschwierigkeiten |
| Atomoxetin | Häufig | Bei Erwachsenen: Entzündung der Vorsteherdrüse (Prostatitis), Leistenschmerzen bei Männern, Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, verzögerter Orgasmus, Regelblutungskrämpfe |
| Citalopram | Häufig | Ejakulationsstörungen, auch ausbleibende Ejakulation; Erektionsstörungen, Impotenz |
| Desvenlafaxin | Häufig | Erektionsstörung, verzögerte Ejakulation, Ejakulationsschwäche |
| Doxepin | Häufig | Sexuelle Störungen: Abnahme des sexuellen Interesses, Ejakulationsstörungen bzw. Potenzstörungen |
| Duloxetin | Häufig | Erektionsstörungen |
| Escitalopram | Häufig | Störungen der Sexualfunktion: verzögerter Samenerguss (Ejakulationsstörungen), Erektionsstörungen, weniger sexuelles Interesse (verringerte Libido) und bei Frauen Orgasmusstörungen |
| Fluoxetin | Häufig | Sexuelle Probleme, einschließlich Schwierigkeiten, eine Erektion aufrechtzuerhalten; laut Fachinformation auch Ejakulationsstörungen |
| Haloperidol | Häufig | Erektionsstörungen (Impotenz) |
| Levomethadon | Häufig | Eingeschränkte Libido und/oder eingeschränkte Potenz, gelegentlich bis häufig |
| Lisdexamfetamin | Häufig | Unfähigkeit, eine Erektion zu bekommen oder zu halten, oder Veränderungen des Geschlechtstriebs |
| Methylphenidat | Häufig | Unvermögen, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten |
| Milnacipran | Häufig | Störungen des Samenergusses, Erektionsstörung, Hodenschmerzen |
| Naltrexon | Häufig | Verzögerter Samenerguss, Erektionsstörungen |
| Olanzapin | Häufig | Sexuelle Funktionsstörungen wie verminderter Sexualtrieb bei Männern und Frauen oder Erektionsstörungen bei Männern |
| Pregabalin | Häufig | Erektionsstörungen |
| Sertralin | Häufig | Menstruationsstörungen, Erektionsstörungen |
| Venlafaxin | Häufig | Ejakulations- und Orgasmusstörungen beim Mann sowie Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) |
| Cariprazin | Gelegentlich | Verringertes oder gesteigertes sexuelles Verlangen, Erektionsstörungen |
| Chlorprothixen | Gelegentlich | Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen · Anhaltende, meist schmerzhafte Erektion (Priapismus), die zu Erektionsstörungen führen kann |
| Eszopiclon | Gelegentlich | Schmerzhafte, unregelmäßige oder leichte Menstruationsblutung, Brustschmerzen, Impotenz |
| Flupentixol | Gelegentlich | Erektionsstörung (erektile Dysfunktion), verzögerter oder ausbleibender Samenerguss |
| Imipramin | Gelegentlich | Sexuelle Funktionsstörungen (Libido, Potenz) |
| Lorazepam | Gelegentlich | Veränderungen des sexuellen Verlangens (Libido), Impotenz, abgeschwächter Orgasmus |
| Opipramol | Gelegentlich | Sexuelle Funktionsstörungen (Erektions- und Potenzstörungen, Ejakulationsstörungen) |
| Paliperidon | Gelegentlich | Erektionsprobleme, Ejakulationsstörung, Ausbleiben einzelner Monatsblutungen oder andere Zyklusprobleme, Brustbildung bei Männern, sexuelle Funktionsstörungen, Brustschmerzen, Milchabsonderung aus den Brüsten |
| Risperidon | Gelegentlich | Erektionsprobleme, Störung des Samenergusses |
| Sulpirid | Gelegentlich | Vergrößerung der Brust, Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö), Orgasmusstörungen, Erektionsstörungen |
| Temazepam | Gelegentlich | Störungen der sexuellen Erregung, zum Beispiel Änderungen des sexuellen Verlangens, Impotenz, Orgasmusstörungen |
| Tiaprid | Gelegentlich | Potenz- und Orgasmusstörungen beim Mann als mögliche Folge des erhöhten Prolaktinspiegels · Milchfluss aus der Brust unabhängig vom Stillen (Galaktorrhö), Brustwachstum bei Männern (Gynäkomastie), Brustvergrößerung,… |
| Zuclopenthixol | Gelegentlich | Trockene Scheide (vulvovaginale Trockenheit); laut Fachinformation auch Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) |
| Buprenorphin | Selten | Erektionsschwäche (Pflaster) |
| Buspiron | Selten | Verzögerter Samenerguss, Impotenz |
| Clonazepam | Selten | Erektionsstörung |
| Perazin | Selten | Auswirkungen auf die sexuellen Funktionen, zum Beispiel beeinträchtigte sexuelle Reaktionsfähigkeit und sexuelles Verlangen, Störungen der Erektion und des Samenergusses |
| Tranylcypromin | Selten | Ausbleibender Orgasmus (Anorgasmie), Erektionsstörung (erektile Impotenz), Ejakulationsstörungen |
| Ziprasidon | Selten | Anhaltende schmerzhafte Erektion (Priapismus), gesteigerte Erektionen, Erektionsstörung (erektile Dysfunktion) |
| Carbamazepin | Sehr selten | Sexuelle Störungen wie Impotenz und verminderte Libido, verminderte männliche Fruchtbarkeit und/oder veränderte Bildung von Samenzellen |
| Dexamfetamin | Nicht bekannt | Impotenz |
| Guanfacin | Nicht bekannt | Schwierigkeit, eine Erektion zu bekommen und aufrechtzuerhalten (erektile Dysfunktion) |
| Lithium | Nicht bekannt | Sexuelle Störungen, Impotenz |
| Methadon | Nicht bekannt | Eingeschränkte Libido und/oder Potenz |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (44 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Erektionsstörungen als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (2 Wirkstoffe)
Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.
| Wirkstoff | Angabe in der Produktinformation | Häufigkeit dieser Nebenwirkung |
|---|---|---|
| Amisulprid | Erhöhter Prolaktinspiegel im Blut, der nach Absetzen zurückgeht; dadurch können Milchfluss (Galaktorrhö), Ausbleiben der Monatsblutung oder Zyklusstörungen, Vergrößerung der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie), Brustschmerz, Brustvergrößerung und… | Häufig |
| Paliperidon | Erhöhter Wert des Hormons Prolaktin im Blut (das kann Beschwerden auslösen, muss aber nicht): bei Männern Anschwellen der Brustdrüsen, Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder zu halten, andere sexuelle Funktionsstörungen; bei Frauen Brustbeschwerden,… | Häufig |
Störungen des Orgasmus und des Samenergusses sind in einer gemeinsamen Tabelle zusammengefasst.
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Paroxetin | Sehr häufig | Störungen des sexuellen Verlangens oder der sexuellen Funktion, zum Beispiel ausbleibender Orgasmus und bei Männern Erektions- und Ejakulationsstörungen; in bestimmten Fällen blieben die Beschwerden nach Ende der… |
| Sertralin | Sehr häufig | Fehlender Samenerguss (Ejakulationsversagen) · Schlafwandeln, vorzeitiger Samenerguss |
| Amisulprid | Häufig | Schlaflosigkeit, Angst, gesteigerte körperliche Erregbarkeit (Agitiertheit) und Orgasmusstörungen |
| Atomoxetin | Häufig | Bei Erwachsenen: Entzündung der Vorsteherdrüse (Prostatitis), Leistenschmerzen bei Männern, Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, verzögerter Orgasmus, Regelblutungskrämpfe · Bei… |
| Citalopram | Häufig | Orgasmusstörungen bei Frauen · Ejakulationsstörungen, auch ausbleibende Ejakulation; Erektionsstörungen, Impotenz |
| Desvenlafaxin | Häufig | Ausbleibender Orgasmus · Erektionsstörung, verzögerte Ejakulation, Ejakulationsschwäche · Abnormer Orgasmus, sexuelle Funktionsstörungen, Ejakulationsstörung |
| Doxepin | Häufig | Sexuelle Störungen: Abnahme des sexuellen Interesses, Ejakulationsstörungen bzw. Potenzstörungen |
| Duloxetin | Häufig | Schwierigkeiten oder Unvermögen, einen Orgasmus zu bekommen · Störungen beim Samenerguss, auch verzögerter Samenerguss |
| Escitalopram | Häufig | Störungen der Sexualfunktion: verzögerter Samenerguss (Ejakulationsstörungen), Erektionsstörungen, weniger sexuelles Interesse (verringerte Libido) und bei Frauen Orgasmusstörungen |
| Fluoxetin | Häufig | Sexuelle Probleme, einschließlich Schwierigkeiten, eine Erektion aufrechtzuerhalten; laut Fachinformation auch Ejakulationsstörungen · Sexuelle Funktionsstörungen, einschließlich Orgasmusproblemen, die gelegentlich… |
| Milnacipran | Häufig | Störungen des Samenergusses, Erektionsstörung, Hodenschmerzen |
| Naltrexon | Häufig | Verzögerter Samenerguss, Erektionsstörungen |
| Venlafaxin | Häufig | Ausbleibender Orgasmus (Anorgasmie) und verminderter Geschlechtstrieb · Ejakulations- und Orgasmusstörungen beim Mann sowie Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) · Orgasmusstörungen |
| Chlorprothixen | Gelegentlich | Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen |
| Flupentixol | Gelegentlich | Erektionsstörung (erektile Dysfunktion), verzögerter oder ausbleibender Samenerguss |
| Fluvoxamin | Gelegentlich | Verzögerter Samenerguss |
| Lorazepam | Gelegentlich | Veränderungen des sexuellen Verlangens (Libido), Impotenz, abgeschwächter Orgasmus |
| Opipramol | Gelegentlich | Sexuelle Funktionsstörungen (Erektions- und Potenzstörungen, Ejakulationsstörungen) |
| Paliperidon | Gelegentlich | Erektionsprobleme, Ejakulationsstörung, Ausbleiben einzelner Monatsblutungen oder andere Zyklusprobleme, Brustbildung bei Männern, sexuelle Funktionsstörungen, Brustschmerzen, Milchabsonderung aus den Brüsten · Keine… |
| Pregabalin | Gelegentlich | Verstärkung des Geschlechtstriebs; Unfähigkeit, einen sexuellen Höhepunkt zu erreichen (Anorgasmie) · Probleme der Sexualfunktion, verzögerte Ejakulation |
| Risperidon | Gelegentlich | Erektionsprobleme, Störung des Samenergusses · Emotionslosigkeit (Abstumpfung), Unfähigkeit zum Orgasmus |
| Sulpirid | Gelegentlich | Vergrößerung der Brust, Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö), Orgasmusstörungen, Erektionsstörungen |
| Temazepam | Gelegentlich | Störungen der sexuellen Erregung, zum Beispiel Änderungen des sexuellen Verlangens, Impotenz, Orgasmusstörungen |
| Tiaprid | Gelegentlich | Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö), Probleme beim Erreichen des Orgasmus · Potenz- und Orgasmusstörungen beim Mann als mögliche Folge des erhöhten Prolaktinspiegels |
| Buspiron | Selten | Verzögerter Samenerguss, Impotenz |
| Perazin | Selten | Auswirkungen auf die sexuellen Funktionen, zum Beispiel beeinträchtigte sexuelle Reaktionsfähigkeit und sexuelles Verlangen, Störungen der Erektion und des Samenergusses |
| Tranylcypromin | Selten | Ausbleibender Orgasmus (Anorgasmie), Erektionsstörung (erektile Impotenz), Ejakulationsstörungen |
| Ziprasidon | Selten | Ausbleibender Orgasmus (Anorgasmie) |
| Clozapin | Nicht bekannt | Samenerguss in die Harnblase statt nach außen (retrograde Ejakulation, trockener Orgasmus) |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (29 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Manche Produktinformationen sprechen nur allgemein von sexuellen Funktionsstörungen, ohne die Art der Störung zu nennen, bei Quetiapin etwa [13]. Diese Mittel zeigt die letzte Tabelle.
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Ziprasidon | Häufig | Störung der sexuellen Erregung beim Mann |
| Zuclopenthixol | Häufig | Störungen der Regelblutung, sexuelle Funktionsstörungen |
| Alprazolam | Gelegentlich | Sexuelle Funktionsstörung, unregelmäßige Periode |
| Desvenlafaxin | Gelegentlich | Abnormer Orgasmus, sexuelle Funktionsstörungen, Ejakulationsstörung |
| Duloxetin | Gelegentlich | Sexuelle Funktionsstörung (sexuelle Dysfunktion) |
| Paliperidon | Gelegentlich | Erektionsprobleme, Ejakulationsstörung, Ausbleiben einzelner Monatsblutungen oder andere Zyklusprobleme, Brustbildung bei Männern, sexuelle Funktionsstörungen, Brustschmerzen, Milchabsonderung aus den Brüsten |
| Pregabalin | Gelegentlich | Probleme der Sexualfunktion, verzögerte Ejakulation |
| Quetiapin | Gelegentlich | Sexuelle Funktionsstörungen |
| Risperidon | Gelegentlich | Brustbildung bei Männern (Gynäkomastie), Milchabsonderung aus den Brüsten, sexuelle Funktionsstörungen, Brustschmerzen, Brustbeschwerden, vaginaler Ausfluss |
| Sertralin | Gelegentlich | Sexuelle Funktionsstörungen, auch bei Frauen |
| Haloperidol | Selten | Probleme beim Geschlechtsverkehr (sexuelle Funktionsstörung) |
| Vareniclin | Selten | Scheidenausfluss, Veränderung der Sexualfunktion (sexuelle Funktionsstörungen) |
| Levomepromazin | Sehr selten | Absonderung von Milch aus der Brust bei der Frau, Störungen der Regelblutung, Anschwellen der Brust beim Mann, Störungen der sexuellen Erregbarkeit |
| Melperon | Nicht bekannt | Vereinzelt Störungen der Regelblutung, Absonderung von Milch aus der Brust (Galaktorrhö), Anschwellen der Brust beim Mann (Gynäkomastie) und Störung der sexuellen Erregbarkeit (laut Fachinformation sexuelle… |
| Trimipramin | Nicht bekannt | Sexuelle Funktionsstörungen |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (15 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Warum es zu sexuellen Problemen kommt
Für die SSRI und SNRI beschreiben die Packungsbeilagen sexuelle Funktionsstörungen als mögliche Wirkung von Arzneimitteln dieser Gruppen [1, 3, 4, 7]. Wie diese Mittel wirken, erklärt die NVL so: Sie hemmen die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin beziehungsweise Serotonin und Noradrenalin und verstärken so deren Übertragung im Gehirn [20].
Bei Antipsychotika kann laut S3-Leitlinie Schizophrenie das Hormon Prolaktin beteiligt sein. Ein bestimmtes Dopamin-System im Gehirn steuert die Freisetzung verschiedener Hormone aus der Hirnanhangdrüse; wird es durch ein Antipsychotikum blockiert, kann der Prolaktinspiegel steigen, mit den damit verbundenen Nebenwirkungen [19]. Unabhängig vom Geschlecht können laut Leitlinie Libidoverlust, Milchfluss aus der Brust, eine Vergrößerung der Brustdrüse (Gynäkomastie) und Unfruchtbarkeit Folgen erhöhter Prolaktinspiegel sein. Bei Frauen nennt sie außerdem unter anderem ausbleibende oder seltene Regelblutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und eine trockene Scheide, bei Männern eine verringerte Zahl der Samenzellen und weniger Ejakulat [19]. Zwischen der Dosis eines Antipsychotikums und dem Prolaktinspiegel scheint es laut Leitlinie keinen linearen, aber dennoch einen deutlichen Zusammenhang zu geben [19]. Die Packungsbeilage von Haloperidol weist darauf hin, dass ein erhöhter Prolaktinspiegel die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern und Frauen beeinträchtigen kann [12]. Mehr dazu lesen Sie auf der Seite zu erhöhtem Prolaktin.
Kommen die Beschwerden vom Medikament?
Bei einer Depression kann weniger Lust auf Sex auch zur Erkrankung gehören. Die NVL Unipolare Depression nennt Libidoverlust und sexuelle Funktionsstörungen unter den Beschwerden, die auf eine depressive Störung hinweisen können, und einen deutlichen Libidoverlust unter den körperlichen Symptomen einer depressiven Episode [20]. Ob eine Veränderung von der Erkrankung, vom Medikament oder von etwas anderem kommt, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüfen. Mehr zur Erkrankung lesen Sie unter Depression.
Bei einer Schizophrenie nennt eine Übersicht der S3-Leitlinie zur Vorbeugung sexueller Funktionsstörungen unter Antipsychotika die Wahl eines geeigneten Antipsychotikums, den Ausschluss anderer Ursachen und die Messung des Prolaktinspiegels [19]. Treten unter Risperidon Nebenwirkungen eines erhöhten Prolaktinwertes auf, zum Beispiel Menstruationsstörungen, empfiehlt die Packungsbeilage, den Prolaktinwert im Blut zu bestimmen [11].
Nach der NVL sollen Wirkungen und typische Nebenwirkungen einer Behandlung mit Antidepressiva aktiv erfragt werden (Empfehlung 4-13); gemeint sind ausdrücklich auch Beschwerden, die Betroffene eher nicht von sich aus berichten, wie sexuelle Funktionsstörungen [20]. Nach der S3-Leitlinie Schizophrenie sollen Nebenwirkungen von Antipsychotika aktiv erfragt und dokumentiert werden, und bei Verdacht soll eine Abklärung und Behandlung angeboten werden (Empfehlung 51) [19]. Beobachtungen können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten, Fragen für den nächsten Termin mit dem Werkzeug Fragen fürs Arztgespräch sammeln.
Was Sie tun können

Beenden Sie die Behandlung wegen sexueller Probleme nicht selbst und ändern Sie die Dosis nicht auf eigene Faust. Die Packungsbeilage von Amitriptylin etwa sagt allgemein, dass Sie die Dosierung nicht ändern und die Einnahme nicht beenden, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen [8]. Sprechen Sie die Beschwerden stattdessen offen an. Bei der Auswahl eines Antidepressivums berücksichtigt die NVL unter anderem, ob jemand das mögliche Nebenwirkungsprofil annehmen kann, und nennt als Beispiel die Belastung durch sexuelle Funktionsstörungen unter SSRI und SNRI, etwa bei jüngeren Menschen [20]. Unter den Beispielen für individuelle Therapieziele führt die NVL auch auf, Belastungen und Nebenwirkungen der Therapie zu verringern, etwa sexuelle Funktionsstörungen [20].
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann prüfen, ob eine Bestimmung des Medikamentenspiegels im Blut sinnvoll ist: Bei einer Behandlung mit Antidepressiva sollten solche Kontrollen laut NVL unter anderem bei Verträglichkeitsproblemen erfolgen (Empfehlung 4-14) [20]. Mehr dazu unter Medikamentenspiegel.
Bei einer Schizophrenie nennt die S3-Leitlinie für Nebenwirkungen von Antipsychotika mehrere Möglichkeiten:
- Je nach Schwere einer durch Antipsychotika ausgelösten Nebenwirkung soll nach Abwägung von Nutzen und Risiko eine Anpassung oder Verringerung der Dosis, eine Umstellung auf ein anderes Präparat oder das Absetzen angeboten werden (Empfehlung 52) [19].
- Für sexuelle Funktionsstörungen führt eine Übersicht der Leitlinie unter anderem Beratung und Beobachtung, einen Wechsel des Antipsychotikums, die Behandlung einer Prolaktinerhöhung und eine medikamentöse Behandlung der jeweiligen Funktionsstörung unter strenger Abwägung von Nutzen und Risiko auf [19].
- Viele dieser Maßnahmen sind laut Leitlinie in der klinischen Praxis gut etabliert, waren aber nicht oder kaum Gegenstand kontrollierter Studien; viele Empfehlungen sind deshalb durch Expertenkonsens oder klinischen Konsens entstanden [19].
Bei jedem Medikamentenwechsel kann es laut S3-Leitlinie Schizophrenie zu einer Verschlechterung der Beschwerden oder zu mehr Nebenwirkungen kommen (Empfehlung 30) [19]. Ob und wie die Behandlung angepasst wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Hintergründe lesen Sie unter Ein Psychopharmakon wechseln.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Eine lang anhaltende oder schmerzhafte Erektion (Priapismus) steht in mehreren Packungsbeilagen, bei Olanzapin zum Beispiel als seltene Nebenwirkung [10]. Laut Packungsbeilage von Risperidon könnte dann eine sofortige medizinische Behandlung erforderlich sein; bei Quetiapin gehört eine lang andauernde und schmerzhafte Erektion zu den Anzeichen, bei denen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt unverzüglich informieren [11, 13]. Bei Fluoxetin zählt eine verlängerte und schmerzhafte Erektion zu den Nebenwirkungen, bei denen Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt benachrichtigen sollten [5]. Die Packungsbeilage von Methylphenidat hält es für wichtig, unverzüglich ärztliche Hilfe zu suchen, wenn eine Erektion länger als 2 Stunden anhält, insbesondere wenn sie schmerzhaft ist [18].
Belasten die Beschwerden Sie sehr oder fühlen Sie sich in einer akuten seelischen Krise, finden Sie Anlaufstellen unter Hilfe in der Krise.
Quellen
- Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Escitalopram-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Duloxetin-ratiopharm 30 mg, 60 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Clomipramin-neuraxpharm 75 mg retard Retardtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten (2,5 mg bis 20 mg). ratiopharm GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Risperidon AbZ 1 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50/150/200/300/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln (25 bis 300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand Version 3.2, Juli 2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Welche Antidepressiva haben keine sexuellen Nebenwirkungen?
Eine solche Liste stellt Psychopharmakon.de nicht auf. Die Packungsbeilagen nennen sexuelle Probleme bei vielen Antidepressiva, mit unterschiedlicher Häufigkeit; die Tabellen auf dieser Seite zeigen die Angaben aus den Produktinformationen. Fehlt ein Mittel in den Tabellen, heißt das nur, dass sein geprüfter Datensatz die Beschwerde nicht nennt oder dass es noch keinen geprüften Datensatz gibt. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wechseln Sie nicht selbst.
Kommt die Libido nach dem Absetzen von Antidepressiva zurück?
Die Packungsbeilagen der SSRI und SNRI weisen darauf hin, dass sexuelle Funktionsstörungen in bestimmten Fällen nach dem Ende der Behandlung bestehen blieben. Die Fachinformation von Sertralin spricht von berichteten lang anhaltenden Beschwerden trotz Absetzen, bei Fluoxetin stehen Orgasmusprobleme, die gelegentlich nach Beendigung der Behandlung bestehen bleiben, unter den gelegentlichen Nebenwirkungen. Bleiben Beschwerden nach dem Absetzen bestehen, sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.
Was tun bei Libidoverlust durch Antidepressiva?
Setzen Sie das Mittel nicht selbst ab und ändern Sie die Dosis nicht eigenmächtig. Sprechen Sie die Beschwerden an: Laut NVL Unipolare Depression sollen typische Nebenwirkungen aktiv erfragt werden, und die Belastung durch sexuelle Funktionsstörungen unter SSRI und SNRI gehört zu den Punkten, die bei der Auswahl eines Antidepressivums berücksichtigt werden. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann zum Beispiel prüfen, ob die Beschwerden mit der Depression selbst zusammenhängen oder ob eine Bestimmung des Medikamentenspiegels sinnvoll ist.
Können Neuroleptika zu Potenzproblemen führen?
Ja, bei mehreren Antipsychotika nennen die Packungsbeilagen Erektionsstörungen, bei Haloperidol und Olanzapin zum Beispiel als häufig. Laut Packungsbeilage von Risperidon können Erektionsprobleme auch Folge eines hohen Prolaktinwerts sein. Bei einer Schizophrenie nennt die S3-Leitlinie für sexuelle Funktionsstörungen unter Antipsychotika unter anderem Beratung und Beobachtung, einen Wechsel des Antipsychotikums und die Behandlung einer Prolaktinerhöhung. Was davon für Sie in Frage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Kann eine Depression selbst die Lust auf Sex verringern?
Ja. Die NVL Unipolare Depression nennt Libidoverlust und sexuelle Funktionsstörungen unter den Beschwerden, die auf eine depressive Störung hinweisen können, und einen deutlichen Libidoverlust unter den körperlichen Symptomen einer depressiven Episode. Ob eine Veränderung von der Erkrankung oder vom Medikament kommt, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüfen.
Betreffen sexuelle Nebenwirkungen auch Frauen?
Ja. Die Packungsbeilagen von Citalopram und Escitalopram nennen Orgasmusstörungen bei Frauen als häufig, die von Olanzapin einen verminderten Sexualtrieb bei Männern und Frauen. Als Folgen eines erhöhten Prolaktinspiegels nennt die S3-Leitlinie Schizophrenie bei Frauen unter anderem ausbleibende oder seltene Regelblutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und eine trockene Scheide.
Was ist ein Priapismus?
So heißt eine lang anhaltende oder schmerzhafte Erektion. Sie steht in mehreren Packungsbeilagen von Psychopharmaka, bei Olanzapin zum Beispiel als seltene Nebenwirkung. Laut Packungsbeilage von Risperidon könnte dann eine sofortige medizinische Behandlung erforderlich sein. Suchen Sie in diesem Fall sofort ärztliche Hilfe.
Wenn es Ihnen gerade sehr schlecht geht: Notruf 112 · TelefonSeelsorge 0800 111 0 111, 0800 111 0 222, 116 123 · Hilfe in der Krise
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