NebenwirkungenNebenwirkung

Gewichtszunahme durch Psychopharmaka

Gewichtszunahme steht in den Packungsbeilagen vieler Psychopharmaka, darunter Antidepressiva, Antipsychotika und Stimmungsstabilisierer. Bei Mirtazapin, Amitriptylin, Olanzapin und Quetiapin ist sie als sehr häufig angegeben, sie kann also mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Lassen Sie Ihr Gewicht regelmäßig messen und sprechen Sie eine Zunahme früh an, statt die Einnahme selbst zu ändern.

Frau in den Vierzigern bereitet in einer hellen Küche an einer Holzarbeitsplatte einen bunten Gemüsesalat zu
Bild: KI-generiert

Mit Gewichtszunahme ist gemeint, dass das Körpergewicht während einer Behandlung steigt. Die Packungsbeilagen führen sie als "Gewichtszunahme" auf; bei einigen Mitteln stehen daneben "verstärkter Appetit" oder "vermehrtes Hungergefühl" [1, 15]. Bei Clozapin ist von "Zeichen von anfänglichem Übergewicht oder fortschreitendem Übergewicht" die Rede, bei Carbamazepin steht die Gewichtszunahme neben einer Wasseransammlung im Gewebe [19, 24].

Wie oft eine Nebenwirkung vorkommt, geben die Packungsbeilagen in festen Klassen an: "sehr häufig" kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen, "häufig" bis zu 1 von 10 und "gelegentlich" bis zu 1 von 100 [1]. Was diese Angaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. Für mehrere Antipsychotika steht in der Packungsbeilage ausdrücklich, dass das Gewicht regelmäßig überprüft werden sollte [13, 15, 17].

Welche Psychopharmaka Gewichtszunahme auslösen können

Antidepressiva

Unter den Antidepressiva nennen die Packungsbeilagen von Mirtazapin ("verstärkter Appetit und Gewichtszunahme") und Amitriptylin Gewichtszunahme als sehr häufig [1, 2]. Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression zählt Appetit- und Gewichtszunahme bei den trizyklischen Antidepressiva sowie bei Mirtazapin und Mianserin zu den wichtigen Nebenwirkungen [27]. Bei den SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) steht Gewichtszunahme in den Packungsbeilagen von Sertralin, Escitalopram und Paroxetin unter "häufig", bei Citalopram als "Appetitzunahme, Gewichtszunahme" unter "gelegentlich" [3, 4, 5, 6, 7, 8]. Für Venlafaxin nennt die Packungsbeilage Gewichtszunahme und Gewichtsabnahme als häufig, für Duloxetin die Gewichtszunahme als gelegentlich und die Gewichtsabnahme als häufig [10, 11]. Bei Fluoxetin steht Gewichtsverlust unter den häufigen, bei Bupropion unter den gelegentlichen Nebenwirkungen [9, 12].

Antipsychotika

Unter den Antipsychotika, auch Neuroleptika genannt, ist Gewichtszunahme bei Olanzapin und Quetiapin laut Packungsbeilage sehr häufig, bei Risperidon und Clozapin häufig; bei Haloperidol heißt es "Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust", ebenfalls häufig [13, 15, 17, 18, 19, 22]. Für Aripiprazol nennt die Packungsbeilage Gewichtszunahme bei Erwachsenen mit nicht bekannter Häufigkeit und bei Jugendlichen ab 13 Jahren als häufig [21]. Die Fachinformation von Olanzapin beschreibt das Ausmaß: Eine Zunahme um mindestens 7 Prozent des Ausgangsgewichts war nach einer Kurzzeitbehandlung von im Mittel 47 Tagen sehr häufig, ebenso bei einer Einnahme über mindestens 48 Wochen [14].

Die S3-Leitlinie Schizophrenie bezeichnet die Gewichtszunahme als sehr ernstes Problem der Behandlung, besonders mit den Antipsychotika der zweiten Generation (atypische Antipsychotika), und räumt ihr deshalb in der Beratung einen großen Stellenwert ein [26]. Laut Fachinformation von Clozapin können solche Stoffwechselveränderungen, zu denen neben der Gewichtszunahme auch erhöhter Blutzucker und veränderte Blutfette zählen, das Risiko für Erkrankungen von Herz und Gefäßen erhöhen [20].

Stimmungsstabilisierer und weitere Mittel

Unter den Stimmungsstabilisierern nennt die Packungsbeilage von Lithium Gewichtszunahme mit nicht bekannter Häufigkeit und beschreibt, dass sie insbesondere in den ersten zwei Jahren der Behandlung häufig zu beobachten ist [23]. Bei Carbamazepin steht Gewichtszunahme unter "häufig" [24]. Bei Pregabalin nennt die Packungsbeilage gesteigerten Appetit und Gewichtszunahme als häufig [25].

Kinder und Jugendliche

Laut Packungsbeilage von Mirtazapin wurde bei unter 18-Jährigen häufiger eine deutliche Gewichtszunahme beobachtet als bei Erwachsenen [1]. In einer Langzeitstudie mit Sertralin über 3 Jahre entwickelten sich die Kinder laut Packungsbeilage normal, mit Ausnahme einer leichten Gewichtszunahme bei Kindern, die eine höhere Dosis erhielten [3]. Für Risperidon empfiehlt die Fachinformation bei Kindern und Jugendlichen, das Körpergewicht vor Behandlungsbeginn zu messen und regelmäßig zu kontrollieren; bei Jugendlichen mit bipolarer Manie sieht die Fachinformation von Aripiprazol vor, das Gewicht zu überwachen und bei deutlicher Zunahme eine Verringerung der Dosis zu erwägen [18, 21]. Mehr dazu lesen Sie unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen.

Alle Wirkstoffe mit Datensatz im Überblick

Die Tabelle zeigt alle Wirkstoffe mit Datensatz auf Psychopharmakon.de, deren Produktinformation Gewichtszunahme nennt, jeweils mit der höchsten angegebenen Häufigkeit. Sie ist keine Rangliste: Jede Klasse stammt aus der Produktinformation eines einzelnen Präparats, und welches Mittel für Sie in Frage kommt, hängt von vielen weiteren Punkten ab, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen abwägt.

Gewichtszunahme als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
AmitriptylinSehr häufigGewichtszunahme
ChlorprothixenSehr häufigGewichtszunahme
ClomipraminSehr häufigGewichtszunahme
MirtazapinSehr häufigVerstärkter Appetit und Gewichtszunahme
OlanzapinSehr häufigGewichtszunahme
QuetiapinSehr häufigGewichtszunahme
AgomelatinHäufigGewichtszunahme
AmisulpridHäufigGewichtszunahme
CarbamazepinHäufigWasseransammlung im Gewebe (Ödeme), verringerte Flüssigkeitsausscheidung, Gewichtszunahme, verminderter Natriumgehalt im Blut (Hyponatriämie) und verminderte Plasmaosmolalität, die selten zu einer Wasservergiftung mit…
CariprazinHäufigGewichtszunahme
ClozapinHäufigGewichtszunahme · Zeichen von beginnendem oder fortschreitendem Übergewicht (Adipositas)
DesvenlafaxinHäufigGewichtszunahme, Gewichtsverlust
EscitalopramHäufigGewichtszunahme
FlupentixolHäufigGewichtszunahme
GuanfacinHäufigGewichtszunahme
HaloperidolHäufigGewichtszunahme oder Gewichtsverlust
ImipraminHäufigZunahme des Körpergewichts, insbesondere zu Beginn der Behandlung
LevomepromazinHäufigGewichtszunahme
OxcarbazepinHäufigGewichtszunahme
PaliperidonHäufigHoher Blutzuckerspiegel, Gewichtszunahme, Gewichtsabnahme, verminderter Appetit
ParoxetinHäufigGewichtszunahme
PregabalinHäufigGewichtszunahme
RisperidonHäufigGewichtszunahme, gesteigerter Appetit, verminderter Appetit
SertralinHäufigGewichtszunahme
SulpiridHäufigGewichtszunahme
TranylcyprominHäufigGewichtszunahme, Gewichtsabnahme
ValproinsäureHäufigGewichtszunahme oder Gewichtsabnahme (abhängig von der Dosis), gesteigerter oder verminderter Appetit · Vermehrung des Körperfetts (Adipositas)
VareniclinHäufigGewichtszunahme, verminderter Appetit, gesteigerter Appetit
VenlafaxinHäufigGewichtszunahme oder Gewichtsabnahme
ZiprasidonHäufigGewichtsverlust, Gewichtszunahme
ZuclopenthixolHäufigGewichtszunahme, Appetitzunahme, Appetitverlust
BuspironGelegentlichGewichtszunahme, Gewichtsabnahme
CitalopramGelegentlichAppetitzunahme, Gewichtszunahme
DuloxetinGelegentlichGewichtszunahme
EszopiclonGelegentlichGewichtszunahme, Gewichtsabnahme
MelatoninGelegentlichGewichtszunahme
ModafinilGelegentlichGewichtszunahme, Gewichtsabnahme
NaltrexonGelegentlichGesteigerter Appetit, Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme
OpipramolGelegentlichGewichtszunahme
PerazinGelegentlichVor allem unter höheren Dosen: Gewichtszunahme
PitolisantGelegentlichGewichtszunahme, Gewichtsabnahme
TiapridGelegentlichGewichtszunahme
TrazodonGelegentlichGewichtszunahme, Gewichtsabnahme
AripiprazolNicht bekanntBei Jugendlichen ab 13 Jahren zusätzlich: Oberbauchschmerzen, Trockenheitsgefühl im Mund, erhöhte Herzfrequenz, Gewichtszunahme, gesteigerter Appetit, Muskelzucken, unkontrollierte Bewegungen der Gliedmaßen und…
BenperidolNicht bekanntUnter Neuroleptika Gewichtszunahme und Erhöhung des Blutzuckerspiegels; in seltenen Fällen wurde ein Diabetes mellitus beobachtet
DoxepinNicht bekanntGewichtszunahme
HydroxyzinNicht bekanntGewichtszunahme
LithiumNicht bekanntGewichtszunahme
MelperonNicht bekanntVereinzelt Gewichtszunahme
PipamperonNicht bekanntGewichtszunahme, gesteigerter Appetit
PromethazinNicht bekanntVor allem unter höheren Dosen Gewichtszunahme
TrimipraminNicht bekanntGewichtszunahme und Schwitzen; laut Packungsbeilage vor allem zu Beginn der Behandlung

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (52 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Gewichtszunahme als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (1 Wirkstoff)

Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.

Gewichtszunahme als Zeichen einer anderen Nebenwirkung
WirkstoffAngabe in der ProduktinformationHäufigkeit dieser Nebenwirkung
OxcarbazepinSchilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), erkennbar an Gewichtszunahme, Müdigkeit, Haarausfall, Muskelschwäche und KältegefühlGelegentlich

Warum es zur Gewichtszunahme kommt

Mehrere Packungsbeilagen nennen gesteigerten Appetit oder ein vermehrtes Hungergefühl als Nebenwirkung, etwa die von Mirtazapin, Quetiapin, Risperidon und Pregabalin [1, 15, 17, 25]. Die NVL erklärt die gewichtssteigernden Eigenschaften von Mirtazapin und Mianserin mit ihrer deutlichen antihistaminergen Wirkung, also einer Hemmung der Wirkung des Botenstoffs Histamin; dieselbe Wirkung macht diese Mittel auch müde [27].

Für Antipsychotika beschreibt die S3-Leitlinie Schizophrenie die Gewichtszunahme als Geschehen mit mehreren Ursachen. Die antihistaminischen Eigenschaften eines Mittels gelten dort als eines der wichtigsten Merkmale, die mit der Gewichtszunahme zusammenhängen. Daneben nennt die Leitlinie die Blockade eines bestimmten Serotonin-Rezeptors (5-HT2C), antimuskarinerge Eigenschaften (eine Hemmung bestimmter Andockstellen des Botenstoffs Acetylcholin) sowie Müdigkeit und Bewegungsstörungen als Ursachen [26]. Als Hinweise auf ein höheres Risiko führt sie eine erste Erkrankung, ein junges Alter, einen niedrigen Body-Mass-Index zu Beginn, kognitive Einschränkungen und eine frühe Gewichtszunahme kurz nach Behandlungsbeginn auf [26]. Behandlungen mit mehreren Mitteln zugleich sieht die Leitlinie in dieser Hinsicht als besonders problematisch an [26]. Ein Beispiel beschreibt die Fachinformation von Quetiapin: In einer Studie bei akuter Manie trat eine Gewichtszunahme häufiger auf, wenn zusätzlich Lithium gegeben wurde, als mit einem zusätzlichen Scheinmedikament [16].

Laut Fachinformation von Aripiprazol wird eine Gewichtszunahme bei Menschen mit Schizophrenie oder bipolarer Manie im Allgemeinen aufgrund von Begleiterkrankungen, der Anwendung von Antipsychotika, bei denen Gewichtszunahme als Nebenwirkung bekannt ist, oder einer ungesunden Lebensführung beobachtet [21]. Für die Entstehung einer Zuckerkrankheit nennt die S3-Leitlinie zu wenig Bewegung, etwa als Folge der Erkrankung, von Bewegungsstörungen oder Müdigkeit, außerdem Rauchen und einen ungesunden Lebensstil als mitverursachend [26].

Manchmal nennen die Packungsbeilagen die Gewichtszunahme zusammen mit einer anderen Nebenwirkung. Bei Carbamazepin nennt die Packungsbeilage die Gewichtszunahme in einem Zug mit Wasseransammlungen im Gewebe (Ödemen) und einer verringerten Flüssigkeitsausscheidung [24]. Bei Duloxetin führt sie unter den seltenen Nebenwirkungen eine verminderte Schilddrüsenfunktion auf, "die Müdigkeit oder Gewichtszunahme verursachen kann" [11].

Kommt die Gewichtszunahme vom Medikament?

Einen Anhaltspunkt gibt der zeitliche Verlauf. Laut Fachinformation von Quetiapin tritt eine Zunahme um mehr als 7 Prozent des Ausgangsgewichts bei Erwachsenen vorwiegend in den ersten Behandlungswochen auf; bei Lithium beschreibt die Packungsbeilage insbesondere die ersten zwei Jahre [16, 23]. Die S3-Leitlinie Schizophrenie nennt eine Zunahme in den ersten Behandlungswochen, beschrieben vor allem für Olanzapin, als Hinweis darauf, dass das Gewicht weiter steigen kann [26].

Auch die Erkrankung selbst kann das Gewicht verändern: Bei einer Depression zählt die NVL einen Appetitverlust oder gesteigerten Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung zu den möglichen Beschwerden [27]. Ob die Zunahme vom Medikament, von der Erkrankung oder von etwas anderem kommt, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüfen.

Die S3-Leitlinie hält das aktive Kontrollieren des Gewichts für entscheidend, weil viele Betroffene eine Zunahme von sich aus nicht ansprechen, und empfiehlt zusätzlich monatliche Gewichtskontrollen durch die Betroffenen selbst [26]. Beschwerden und Beobachtungen können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch notieren und zum nächsten Termin mitnehmen.

Welche Kontrollen die Leitlinien vorsehen

Unter Antidepressiva und unter Lithium nennt die NVL Unipolare Depression als Orientierung, das Körpergewicht vor Behandlungsbeginn, nach 3 und nach 6 Monaten und danach vierteljährlich zu messen, unter Mirtazapin und Mianserin häufiger [27]. Die NVL bezeichnet diese Abstände als Orientierungswerte, von denen im begründeten Fall abgewichen werden kann [27].

Unter Antipsychotika sieht die S3-Leitlinie Schizophrenie vor, das Körpergewicht mit dem Body-Mass-Index vor Beginn, nach 1, 2, 3 und 6 Monaten und danach vierteljährlich zu bestimmen, zusätzlich den Taillenumfang. Blutzucker, der Langzeitwert HbA1c und die Blutfette werden vor Beginn und im Verlauf kontrolliert, unter Clozapin und Olanzapin häufiger als unter anderen Antipsychotika [26]. Auch diese Zeitpunkte versteht die Leitlinie als Orientierungshilfe. Betroffene, Angehörige und andere Vertrauenspersonen sollen über die nötigen Kontrollen informiert werden (Empfehlung 55) [26].

Die Fachinformation von Olanzapin nennt als Beispiel Gewichtskontrollen zu Beginn, nach 4, 8 und 12 Wochen und danach vierteljährlich sowie Blutzuckerbestimmungen zu Beginn, nach 12 Wochen und danach jährlich [14]. Mehr dazu lesen Sie unter Blutzucker und Blutfette unter Antipsychotika und unter Kontrollen und Blutwerte.

Was Sie tun können

Paar in den Fünfzigern geht an einem sonnigen Herbsttag zügig einen Parkweg entlang
Bild: KI-generiert

Setzen Sie ein Psychopharmakon wegen einer Gewichtszunahme nicht selbst ab und ändern Sie die Dosis nicht eigenmächtig. Sprechen Sie die Zunahme früh an, am besten mit Ihren Messwerten. Die S3-Leitlinie Schizophrenie weist darauf hin, dass bei jedem Wechsel des Präparats die Gefahr einer Verschlechterung der Erkrankung zu beachten ist [26].

Einige Packungsbeilagen geben selbst Hinweise. Bei Olanzapin heißt es, Sie sollten sich bei Bedarf an eine Ernährungsberatung wenden oder einen Diätplan befolgen [13]. Bei Lithium rät die Packungsbeilage, kalorienreiche Speisen und Getränke zu meiden [23].

Für Antipsychotika nennt die S3-Leitlinie Schizophrenie mehrere Schritte:

  • Zu Beginn der Behandlung oder spätestens bei einer Zunahme um mehr als 3 Prozent des Ausgangsgewichts sollen psychotherapeutische und psychosoziale Angebote gemacht werden, die beim Umsetzen im Alltag helfen, zum Beispiel Ernährungsberatung, Psychoedukation (Wissen über Erkrankung und Behandlung) und Bewegungsprogramme (Empfehlung 53) [26].
  • Je nach Schwere einer Nebenwirkung soll nach Abwägung von Nutzen und Risiko eine Anpassung oder Verringerung der Dosis, eine Umstellung auf ein anderes Präparat oder das Absetzen angeboten werden (Empfehlung 52) [26].
  • Muss das Antipsychotikum weiter eingenommen werden und haben die psychotherapeutischen und psychosozialen Angebote nicht oder nicht ausreichend geholfen, soll bei einer Zunahme um mehr als 3 Prozent oder bei zusätzlichen Risikofaktoren für Herz und Gefäße unter Berücksichtigung der Risiken einer zusätzlichen medikamentösen Behandlung ein Behandlungsversuch mit dem Diabetesmittel Metformin zur Gewichtsabnahme angeboten werden. Für diesen Zweck ist Metformin nicht zugelassen (Empfehlung 54) [26].

Bei anderen Psychopharmaka besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Möglichkeiten für Sie in Frage kommen. Laut Packungsbeilage von Pregabalin kann es bei einigen Menschen mit Diabetes, die unter dem Mittel zunehmen, nötig werden, die Diabetesmittel anzupassen [25].

Wann Sie ärztlichen Rat brauchen

Ein hoher Blutzucker kann sich laut Packungsbeilage von Aripiprazol durch übermäßigen Durst, große Harnmengen, Appetitsteigerung und Schwächegefühl zeigen; die Fachinformation von Olanzapin nennt dieselben Anzeichen [14, 21]. Bei Quetiapin führt die Packungsbeilage das Anschwellen von Armen oder Beinen als häufige Nebenwirkung auf [15]. Bei Clozapin gehören Zeichen von beginnendem oder fortschreitendem Übergewicht zu den Beschwerden, bei denen Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren sollen, bevor Sie die nächste Tablette einnehmen [19].

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 22.10.2026
  2. Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 22.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 22.10.2026
  4. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 22.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Escitalopram-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 22.10.2026
  6. Fachinformation Escitalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 22.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 22.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 22.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 22.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 22.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Duloxetin-ratiopharm 30 mg, 60 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 22.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Bupropion-ratiopharm 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 22.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten (2,5 mg bis 20 mg). ratiopharm GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 22.10.2026
  14. Fachinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2020. abgerufen am 22.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50/150/200/300/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 22.10.2026
  16. Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 22.10.2026
  17. Gebrauchsinformation Risperidon AbZ 1 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 22.10.2026
  18. Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 22.10.2026
  19. Gebrauchsinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 22.10.2026
  20. Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 22.10.2026
  21. EMA-Produktinformation ABILIFY (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, und Anhang III B: Packungsbeilage ABILIFY Tabletten. Otsuka Pharmaceutical Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 22.10.2026
  22. Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 22.10.2026
  23. Gebrauchsinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 22.10.2026
  24. Gebrauchsinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 22.10.2026
  25. Gebrauchsinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln (25 bis 300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 22.10.2026
  26. Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 22.10.2026
  27. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand Version 3.2, Juli 2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 22.10.2026

Weiterführend Gewichtszunahme durch Psychopharmaka auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Welche Antidepressiva machen keine Gewichtszunahme?

Eine solche Liste stellt Psychopharmakon.de nicht auf. Die Packungsbeilagen nennen Gewichtsveränderungen bei vielen Antidepressiva, mit unterschiedlicher Häufigkeit; die Tabelle auf dieser Seite zeigt die Angaben aus den Produktinformationen. Welches Mittel zu Ihnen passt, hängt von vielen weiteren Punkten ab und wird gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt entschieden. Wechseln Sie nicht selbst.

Warum nimmt man durch Psychopharmaka zu?

Mehrere Packungsbeilagen nennen gesteigerten Appetit als Nebenwirkung, etwa bei Mirtazapin, Quetiapin und Pregabalin. Die NVL Unipolare Depression erklärt die gewichtssteigernde Wirkung von Mirtazapin mit seiner antihistaminergen Wirkung. Für Antipsychotika beschreibt die S3-Leitlinie Schizophrenie mehrere Ursachen, darunter Wirkungen an Histamin- und Serotonin-Rezeptoren, Müdigkeit und Bewegungsstörungen; laut Fachinformation von Aripiprazol spielen bei Schizophrenie und bipolarer Manie auch Begleiterkrankungen und eine ungesunde Lebensführung eine Rolle.

Kann man eine Gewichtszunahme durch Neuroleptika verhindern?

Die S3-Leitlinie Schizophrenie empfiehlt, schon zu Beginn einer Behandlung mit Antipsychotika oder spätestens bei einer Zunahme um mehr als 3 Prozent Angebote wie Ernährungsberatung, Psychoedukation und Bewegungsprogramme zu machen, um einer weiteren Zunahme vorzubeugen. Außerdem sieht die Leitlinie regelmäßige Kontrollen von Gewicht, Taillenumfang, Blutzucker und Blutfetten vor. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt früh auf solche Angebote an.

Soll ich das Medikament absetzen, wenn ich zunehme?

Nein, nicht auf eigene Faust. Ob die Dosis angepasst, auf ein anderes Präparat umgestellt oder das Mittel abgesetzt wird, ist bei Antipsychotika laut S3-Leitlinie Schizophrenie eine Abwägung von Nutzen und Risiko; bei jedem Wechsel ist die Gefahr einer Verschlechterung der Erkrankung zu beachten. Besprechen Sie die Zunahme deshalb mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Nehmen Kinder und Jugendliche unter Psychopharmaka stärker zu?

Bei einigen Mitteln ja. Laut Packungsbeilage von Mirtazapin wurde bei unter 18-Jährigen häufiger eine deutliche Gewichtszunahme beobachtet als bei Erwachsenen, bei Aripiprazol ist sie für Jugendliche ab 13 Jahren als häufig angegeben. Die S3-Leitlinie Schizophrenie nennt ein junges Alter als einen Hinweis auf ein höheres Risiko. Bei Risperidon kann laut Packungsbeilage das Körpergewicht Ihres Kindes vor Beginn gemessen und regelmäßig überprüft werden.

Wie viel nimmt man durch Psychopharmaka zu?

Das lässt sich nicht allgemein sagen und hängt vom Mittel und von der Person ab. Für Olanzapin beschreibt die Fachinformation eine Zunahme um mindestens 7 Prozent des Ausgangsgewichts nach im Mittel 47 Tagen und nach mindestens 48 Wochen jeweils als sehr häufig. Regelmäßiges Messen zeigt am ehesten, wie sich Ihr Gewicht entwickelt.

Welche Kontrollen sind bei Gewichtszunahme sinnvoll?

Die NVL Unipolare Depression nennt für Antidepressiva und Lithium als Orientierung Gewichtsmessungen vor Beginn, nach 3 und 6 Monaten und danach vierteljährlich. Unter Antipsychotika sieht die S3-Leitlinie Schizophrenie zusätzlich Messungen in den ersten Monaten, den Taillenumfang sowie Kontrollen von Blutzucker, HbA1c und Blutfetten vor. Welche Untersuchungen bei Ihnen nötig sind, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Wenn es Ihnen gerade sehr schlecht geht: Notruf 112 · TelefonSeelsorge 0800 111 0 111, 0800 111 0 222, 116 123 · Hilfe in der Krise

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Nebenwirkungen Sexuelle Funktionsstörungen

    Viele Psychopharmaka können Lust, Erektion oder Orgasmus beeinträchtigen.

  • Nebenwirkungen Müdigkeit

    Viele Psychopharmaka können müde machen.

  • Nebenwirkungen Bewegungsstörungen

    Antipsychotika können Muskelkrämpfe, Parkinson-ähnliche Beschwerden und Sitzunruhe auslösen.

  • Medikamente Donepezil

    Donepezil ist ein Acetylcholinesterasehemmer zur Behandlung der Alzheimer-Demenz.