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Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS)
Das maligne neuroleptische Syndrom (MNS) ist eine seltene, lebensbedrohliche Reaktion vor allem auf Antipsychotika, die auch Neuroleptika genannt werden. Typisch sind hohes Fieber, starke Muskelsteife, Schwitzen, schneller Herzschlag, schwankender Blutdruck und Bewusstseinsstörungen wie Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit; Fieber ist oft ein frühes Zeichen. Bekommen Sie unter einem Antipsychotikum Fieber und steife Muskeln, rufen Sie sofort den Notruf 112.

Das maligne neuroleptische Syndrom, kurz MNS, ist eine seltene, schwere Reaktion auf Mittel, die gegen den Botenstoff Dopamin wirken, vor allem auf Antipsychotika, die auch Neuroleptika genannt werden [1, 3]. Die S3-Leitlinie Schizophrenie (Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026) bezeichnet es als lebensbedrohliche psychiatrische Notfallsituation [1]. Die Packungsbeilage von Sertralin spricht vom "neuroleptischen malignen Syndrom", die Fachinformation von Benperidol vom "malignen Neuroleptika-Syndrom" [11, 14]. Unter dieser Bezeichnung führt die in Deutschland verwendete Klassifikation ICD-10-GM (Version 2026) das MNS mit dem Kode G21.0 bei den sekundären Parkinson-Syndromen [19].
Bekommen Sie unter einem Antipsychotikum Fieber und steife Muskeln, vor allem zusammen mit Schwitzen, Herzrasen, Verwirrtheit oder Benommenheit, rufen Sie sofort den Notruf 112. Die Packungsbeilagen von Haloperidol und Risperidon verlangen bei diesen Zeichen, sofort beziehungsweise umgehend die Ärztin oder den Arzt zu informieren; möglicherweise ist dringend eine medizinische Behandlung nötig [2, 6].
Woran Sie ein MNS erkennen
Die Fachinformationen von Haloperidol und Risperidon nennen als Merkmale hohes Fieber, eine Steifheit der Muskulatur, eine Instabilität der unwillkürlich gesteuerten Körperfunktionen (autonome Instabilität), Veränderungen des Bewusstseins und einen erhöhten Wert des Muskelenzyms Kreatinphosphokinase im Blut [3, 7]. Zur autonomen Instabilität zählt die Fachinformation von Aripiprazol einen unregelmäßigen Puls oder Blutdruck, schnellen Herzschlag, Schwitzen und Herzrhythmusstörungen [10]. Fieber ist laut Fachinformation von Haloperidol häufig ein frühes Anzeichen [3].
Die Packungsbeilagen beschreiben die Zeichen in Alltagssprache. Bei Haloperidol kommt es zu hohem Fieber, ausgeprägter Muskelsteife, Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit [2]. Bei Risperidon sind es Fieber, Muskelsteifheit, Schweißausbrüche oder eine Bewusstseinsminderung, bei Quetiapin Fieber, Schwitzen, Muskelsteifheit und ein Gefühl starker Benommenheit oder Ohnmacht [6, 8]. Die Packungsbeilage von Olanzapin nennt eine Kombination aus Fieber, schnellerer Atmung, Schwitzen, Muskelsteifheit und Benommenheit oder Schläfrigkeit [9]; die Fachinformation von Olanzapin beschreibt das MNS mit erhöhter Körpertemperatur, Muskelsteife, wechselnden Bewusstseinslagen und Zeichen einer autonomen Instabilität [20]. Die Packungsbeilage von Clozapin nennt einen plötzlichen, schnellen Anstieg der Körpertemperatur mit Muskelsteifigkeit, der zu Bewusstlosigkeit führen kann [4].
Die S3-Leitlinie Schizophrenie fasst die Merkmale nach einer Übersichtsarbeit zusammen und versteht sie als mögliche Kriterien [1]. Dazu gehören unter anderem Fieber mit starkem Schwitzen und eine Steifheit der Muskeln, außerdem weitere Zeichen an Nerven und Muskeln wie vermehrter Speichelfluss, Bewegungsarmut, Verkrampfungen, eine Kiefersperre, Muskelzuckungen, Sprech- und Schluckstörungen und ein Zerfall von Muskelgewebe [1]. Hinzu kommen Bewusstseinsstörungen und ein Delir sowie Zeichen einer gestörten Regulation der Körperfunktionen wie schneller Herzschlag, ein erhöhter oder stark schwankender Blutdruck, schnelle Atmung, Schwitzen, unwillkürlicher Harnabgang und Blässe [1]. Hinweisend sind laut Leitlinie vor allem die Muskelsteife, ein schwankender Grad des Bewusstseins, die Störungen der Körperregulation und eine Erhöhung des Muskelenzyms CK, wenn ein passender Auslöser wie eine Behandlung mit Antipsychotika vorliegt [1].
Die Fachinformation von Benperidol beschreibt das MNS mit Fieber über 40 °C, Muskelstarre, einer Entgleisung der Körperregulation mit Herzjagen und hohem Blutdruck sowie einer Bewusstseinstrübung bis zum Koma [11]. Nicht jeder Verlauf ist so ausgeprägt: Laut Fachinformation von Tiaprid wurden auch Fälle ohne Muskelsteife oder mit nur leicht erhöhter Körpertemperatur beobachtet. Deshalb soll dort besonders bei hohem Fieber ungeklärter Ursache oder bei einem der anderen Zeichen sorgfältig abgeklärt werden, ob ein MNS vorliegt, und Tiaprid abgesetzt werden [13]. Nach der Fachinformation von Aripiprazol müssen alle Antipsychotika abgesetzt werden, wenn Zeichen auf ein MNS hindeuten oder wenn unklares hohes Fieber ohne weitere Zeichen auftritt [10].
Zusätzlich können laut den Fachinformationen von Risperidon und Aripiprazol eine Ausscheidung von Muskelfarbstoff im Urin bei einem Zerfall von Muskelgewebe (Rhabdomyolyse) und ein akutes Nierenversagen auftreten [7, 10].
Welche Psychopharmaka ein MNS auslösen können
Antipsychotika
Laut S3-Leitlinie Schizophrenie wurde das MNS vor allem bei hochpotenten Antipsychotika der ersten Generation in den ersten zwei bis vier Wochen nach Beginn der Behandlung beschrieben; grundsätzlich kann es bei jedem Antipsychotikum auftreten [1]. Auch die Fachinformation von Flupentixol sagt, dass es sich bei jedem Neuroleptikum während der Behandlung entwickeln kann; bei potenteren Neuroleptika ist das Risiko laut Fachinformation möglicherweise erhöht [12]. Die Einteilung nach der Potenz richtet sich laut S3-Leitlinie danach, wie stark die Mittel an bestimmte Dopamin-Rezeptoren binden [1].
Die Packungsbeilagen und Fachinformationen nennen das MNS unter anderem bei Haloperidol, Benperidol, Flupentixol, Risperidon, Olanzapin, Quetiapin, Aripiprazol, Clozapin und Tiaprid [2, 4, 6, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 20]. Bei Clozapin wurden laut Fachinformation Fälle berichtet, wenn es allein oder zusammen mit Lithium oder anderen Mitteln gegeben wurde, die auf das zentrale Nervensystem wirken; bei solchen Kombinationen ist das Risiko möglicherweise erhöht [5].
Andere Mittel
In seltenen Fällen kann ein MNS laut S3-Leitlinie auch bei anderen Mitteln auftreten, die auf das Gehirn wirken, etwa Antidepressiva [1]. Die Packungsbeilage von Sertralin nennt Zeichen eines Serotonin-Syndroms oder eines neuroleptischen malignen Syndroms, die in seltenen Fällen auftreten können, wenn bestimmte andere Mittel gleichzeitig angewendet werden [14]. Bei Venlafaxin und Fluoxetin beschreiben Packungsbeilage und Fachinformation Reaktionen, die einem MNS ähneln, bei Fluoxetin besonders zusammen mit anderen serotonergen oder neuroleptischen Mitteln [15, 16]. Die Packungsbeilagen des Antiepileptikums Carbamazepin und des ADHS-Mittels Methylphenidat führen das MNS ebenfalls auf; bei Methylphenidat ist laut Packungsbeilage nicht sicher, ob es selbst oder ein gleichzeitig eingenommenes Mittel die Ursache ist [17, 18].
Unter der gleichzeitigen Anwendung von Lithium und Haloperidol wurde laut Fachinformation von Haloperidol in seltenen Fällen unter anderem über ein MNS berichtet; ob es sich dabei um ein einheitliches Krankheitsbild handelt, bleibt laut Fachinformation unklar [3].
Alle Wirkstoffe mit Datensatz im Überblick
Die Tabelle zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Datensatz auf Psychopharmakon.de, deren Produktinformation das MNS unter den Nebenwirkungen nennt, mit der dort angegebenen Häufigkeit. Was die Angaben bedeuten, erklärt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. Die Tabelle ist keine Rangliste, denn jede Klasse stammt aus der Produktinformation eines einzelnen Präparats. Fehlt ein Antipsychotikum, gilt trotzdem, was die S3-Leitlinie und die Fachinformation von Flupentixol sagen: Ein MNS kann bei jedem Antipsychotikum auftreten [1, 12].
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Clozapin | Gelegentlich | Malignes neuroleptisches Syndrom: plötzlicher, schneller Anstieg der Körpertemperatur und Muskelsteifigkeit, der zu Bewusstlosigkeit führen kann |
| Amisulprid | Selten | Malignes neuroleptisches Syndrom, das lebensbedrohlich sein kann |
| Flupentixol | Selten | Lebensbedrohliches malignes neuroleptisches Syndrom mit Fieber über 40 °C, Muskelstarre, vegetativer Entgleisung mit Herzjagen und Bluthochdruck sowie Bewusstseinstrübung bis zum Koma (Depotspritze) · Malignes… |
| Haloperidol | Selten | Malignes neuroleptisches Syndrom mit hohem Fieber, ausgeprägter Muskelsteife, Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit |
| Levomepromazin | Selten | Lebensbedrohlicher Zustand mit hohem Fieber, Muskelstarre und Störungen des vegetativen Nervensystems (Herzjagen, Bluthochdruck, Bewusstlosigkeit), der das sofortige Absetzen der Medikation erfordert (malignes… |
| Paliperidon | Selten | Malignes neuroleptisches Syndrom (Verwirrtheit, eingeschränktes oder verlorenes Bewusstsein, hohes Fieber, schwere Muskelsteifheit) |
| Quetiapin | Selten | Malignes neuroleptisches Syndrom (Fieber, Schwitzen, Muskelsteifheit, Benommenheit) |
| Risperidon | Selten | Malignes neuroleptisches Syndrom: Fieber, Muskelsteifheit, Schweißausbrüche oder eingeschränktes Bewusstsein |
| Sertralin | Selten | Zeichen eines Serotonin-Syndroms oder eines malignen neuroleptischen Syndroms wie Erregtheit, Verwirrtheit, übermäßiges Schwitzen, Durchfall, Fieber, hoher Blutdruck, Muskelsteifheit (Rigidität) und schneller… |
| Tiaprid | Selten | Malignes neuroleptisches Syndrom mit hohem Fieber, Muskelsteifheit, Störungen des vegetativen Nervensystems (z. B. Blässe, Schwitzen, Kreislaufstörungen), Bewusstseinstrübung und erhöhtem Muskelenzym… |
| Ziprasidon | Selten | Malignes neuroleptisches Syndrom |
| Carbamazepin | Sehr selten | Malignes neuroleptisches Syndrom |
| Donepezil | Sehr selten | Fieber mit Muskelsteifigkeit, Schwitzen oder Veränderungen des Bewusstseins (malignes neuroleptisches Syndrom) |
| Methylphenidat | Sehr selten | Plötzlicher Anstieg der Körpertemperatur, sehr hoher Blutdruck und schwere Krampfanfälle (malignes neuroleptisches Syndrom); ob Methylphenidat oder andere gleichzeitig eingenommene Arzneimittel die Ursache sind, ist… |
| Paroxetin | Sehr selten | Serotonin-Syndrom, laut Packungsbeilage auch malignes neuroleptisches Syndrom: starke Erregtheit oder Reizbarkeit, Verwirrtheit, Unruhe, Hitzegefühl, Schwitzen, Zittern, Schüttelfrost, Halluzinationen,… |
| Trazodon | Sehr selten | Zeichen eines Serotoninsyndroms oder malignen neuroleptischen Syndroms, zum Beispiel Schwitzen, Durchfall, Fieber, Blutdruckschwankungen, beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Erregtheit (Agitation),… |
| Zuclopenthixol | Sehr selten | Lebensbedrohlicher Zustand mit hohem Fieber (über 40 °C), Muskelstarre und Störungen des vegetativen Nervensystems, z. B. Herzjagen, Blutdruckänderungen, Bewusstlosigkeit (malignes neuroleptisches Syndrom) |
| Aripiprazol | Nicht bekannt | Kombination aus Fieber, Muskelsteifheit, beschleunigtem Atmen, Schwitzen, verringertem Bewusstseinszustand und plötzlicher Veränderung von Blutdruck und Puls, Ohnmacht (malignes neuroleptisches Syndrom) |
| Benperidol | Nicht bekannt | Lebensbedrohliches malignes neuroleptisches Syndrom mit Fieber über 40 °C, Muskelstarre, vegetativer Entgleisung mit Herzjagen und Bluthochdruck sowie Bewusstseinstrübung bis zum Koma |
| Cariprazin | Nicht bekannt | Kombination aus Fieber, Schwitzen, Muskelsteifigkeit und Benommenheit oder Schläfrigkeit (malignes neuroleptisches Syndrom) |
| Melperon | Nicht bekannt | Malignes neuroleptisches Syndrom, eine seltene Reaktion mit stark erhöhter Körpertemperatur, allgemeiner Muskelsteife sowie Kreislauf- und Bewusstseinsstörungen; Fieber ist oft ein frühes Warnzeichen |
| Olanzapin | Nicht bekannt | Kombination aus Fieber, schnellerer Atmung, Schwitzen, Muskelsteifheit und Benommenheit oder Schläfrigkeit (laut Fachinformation malignes neuroleptisches Syndrom) |
| Pipamperon | Nicht bekannt | Malignes Neuroleptisches Syndrom: Reaktion mit erhöhter Körpertemperatur, Muskelsteife am ganzen Körper, Instabilität der unwillkürlich gesteuerten Körperfunktionen (vegetative Instabilität) und Bewusstseinsstörungen |
| Promethazin | Nicht bekannt | Schwere Reaktion mit Fieber, Muskelsteifheit, Blutdruckveränderungen und Koma (malignes neuroleptisches Syndrom) |
| Sulpirid | Nicht bekannt | Malignes neuroleptisches Syndrom mit hohem Fieber, Muskelsteifigkeit und Bewusstseinsstörungen; es kann lebensbedrohlich sein |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (25 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Wie es zum MNS kommt und wer gefährdet ist
Zu den Merkmalen eines MNS gehört laut S3-Leitlinie, dass zuvor Mittel eingenommen wurden, die gegen Dopamin wirken, etwa Antipsychotika, oder dass Mittel abgesetzt wurden, die Dopamin-Rezeptoren anregen (Dopamin-Agonisten) [1]. Solche Dopamin-Agonisten nehmen zum Beispiel Menschen mit Parkinson-Krankheit. Muss jemand mit Parkinson, der Dopamin-Agonisten erhält, ein Neuroleptikum bekommen, müssen diese Mittel laut Fachinformation von Tiaprid ausgeschlichen und abgesetzt werden, denn ein plötzliches Absetzen kann ein MNS auslösen [13].
Bei Menschen mit Parkinson-Krankheit oder einer Demenz mit Lewy-Körperchen können laut Fachinformation von Risperidon sowohl das Risiko für ein MNS als auch die Empfindlichkeit gegenüber Antipsychotika erhöht sein [7]. Als Risikofaktoren, die bei einer späteren Behandlung verringert werden sollten, nennt die S3-Leitlinie eine schnelle Aufdosierung von Antipsychotika und hohe Dosierungen [1]. Ein früheres MNS zählt sie zu den relativen Gegenanzeigen, bei denen Nutzen und Risiko eines Antipsychotikums abgewogen werden müssen; bei Benperidol ist ein früheres MNS nach Benperidol laut Fachinformation eine Gegenanzeige [1, 11].
Kommt es vom Medikament?
Ob ein MNS vorliegt, kann nur ärztlich geklärt werden, und die Unterscheidung ist nicht immer leicht. Laut den Fachinformationen von Benperidol und Flupentixol wird ein MNS nicht selten fälschlich als Katatonie eingeordnet. Weil eine erneute Gabe eines Neuroleptikums dann lebensbedrohliche Folgen haben kann, ist die Unterscheidung entscheidend; dazu gehören die Frage nach den eingenommenen Medikamenten und die Prüfung auf Muskelsteife, Fieber und einen Anstieg des Muskelenzyms CK in Blut und Urin [11, 12]. Bei einer katatonen Schizophrenie können laut S3-Leitlinie Störungen von Bewegung und Antrieb zwischen Erregung und Erstarrung wechseln, und eine schwere Form geht ebenfalls mit Fieber und Störungen der Körperregulation einher [1].
Auch ein schweres Serotonin-Syndrom kann einem MNS ähneln; die Fachinformation von Fluoxetin weist darauf hin, dass es als solches diagnostiziert werden könnte [16]. Mehr dazu lesen Sie unter Serotonin-Syndrom.
Ein erhöhter Wert des Muskelenzyms CK allein reicht für die Diagnose nicht aus. Laut S3-Leitlinie wird eine CK-Erhöhung unter Antipsychotika relativ häufig beobachtet, und ein MNS darf nicht allein durch den Laborbefund bestimmt werden [1]. Die Fachinformation von Aripiprazol berichtet ebenfalls über CK-Erhöhungen und einen Zerfall von Muskelgewebe, die nicht notwendigerweise mit einem MNS zusammenhingen [10].
Unter Clozapin kann laut Fachinformation vor allem in den ersten drei Wochen der Behandlung die Körpertemperatur vorübergehend steigen. Menschen mit Fieber sollten dann sorgfältig untersucht werden, um eine Infektion oder eine schwerwiegende Verringerung der weißen Blutkörperchen (Agranulozytose) auszuschließen, und bei hohem Fieber sollte an ein MNS gedacht werden [4, 5]. Laut Packungsbeilage informieren Sie bei Fieber unter Clozapin sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie die nächste Tablette einnehmen [4]. Mehr dazu lesen Sie unter Blutbild.
Was Sie tun können

Rufen Sie bei Verdacht auf ein MNS sofort den Notruf 112. Sagen Sie dem Rettungsdienst und im Krankenhaus, oder lassen Sie Angehörige sagen, welche Medikamente Sie nehmen und ob kürzlich ein Mittel neu dazugekommen ist, die Dosis erhöht oder ein Mittel abgesetzt wurde. Die Frage nach den Medikamenten gehört laut Fachinformation von Benperidol zur Unterscheidung von anderen Erkrankungen [11]. Ein aktueller Medikationsplan hilft dabei.
Laut Packungsbeilage von Quetiapin beenden Sie bei Zeichen eines MNS die Einnahme und suchen umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf oder gehen direkt in das nächstgelegene Krankenhaus [8]. Bei Clozapin muss der Zustand laut Packungsbeilage sofort behandelt werden [4]. Die Fachinformation von Haloperidol schreibt vor, das Antipsychotikum unverzüglich abzusetzen und eine unterstützende Behandlung mit sorgfältiger Überwachung einzuleiten; laut Fachinformation von Risperidon sollen alle Antipsychotika abgesetzt werden [3, 7].
Im Krankenhaus besteht die Behandlung laut S3-Leitlinie Schizophrenie im sofortigen Absetzen des auslösenden Mittels, in der Stabilisierung der lebenswichtigen Körperfunktionen, in der Senkung des Fiebers und in der Verhinderung von Komplikationen; in der Regel erfolgt sie auf einer Intensivstation [1]. Auch die Fachinformation von Benperidol nennt intensivmedizinische Maßnahmen als erforderlich [11]. Welche Behandlung im Einzelnen nötig ist, entscheidet das Behandlungsteam.
Nach einem MNS sollte die Information darüber laut S3-Leitlinie Schizophrenie an alle Behandelnden, Betreuenden und Angehörigen weitergegeben und in einem Patientenpass festgehalten werden [1]. Laut Packungsbeilage von Risperidon sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie jemals ein MNS hatten [6]. Ob und womit später wieder behandelt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Abwägung von Nutzen und Risiko.
Wenn Sie Parkinsonmittel aus der Gruppe der Dopamin-Agonisten nehmen, setzen Sie diese nicht plötzlich ab und ändern Sie die Dosis nicht ohne ärztliche Rücksprache; ein plötzliches Absetzen von Dopamin-Agonisten kann laut Fachinformation von Tiaprid ein MNS auslösen [13]. Wenn Sie sich wegen eines MNS Sorgen machen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie etwas an der Einnahme Ihres Antipsychotikums ändern. Was beim Absetzen zu beachten ist, lesen Sie unter Antipsychotika absetzen; Notrufnummern und weitere Hilfe finden Sie unter Hilfe in der Krise.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Laut S3-Leitlinie wurde ein MNS vor allem bei hochpotenten Antipsychotika der ersten Generation in den ersten zwei bis vier Wochen nach Beginn einer Behandlung beschrieben; grundsätzlich kann es bei jedem Antipsychotikum auftreten [1]. Achten Sie in dieser Zeit und nach Änderungen der Dosis besonders auf Fieber und steife Muskeln. Angehörige und Betreuende sollten die Zeichen ebenfalls kennen, damit sie Hilfe holen können, wenn Verwirrtheit oder Benommenheit es Ihnen selbst nicht mehr erlauben.
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Risperidon AbZ 1 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50/150/200/300/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten (2,5 mg bis 20 mg). ratiopharm GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation ABILIFY (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) ABILIFY Tabletten, und Anhang II. Otsuka Pharmaceutical Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Benperidol-neuraxpharm 2 mg/4 mg/10 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Flupentixol-neuraxpharm 20 mg/ml, 40 mg/ml, 100 mg/ml, 200 mg/10 ml (Injektionslösung, Flupentixoldecanoat). neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Tiaprid STADA 100 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel VI, Block G20-G26 (Extrapyramidale Krankheiten und Bewegungsstörungen), Kode G21.0 Malignes Neuroleptika-Syndrom. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2020. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist ein malignes neuroleptisches Syndrom?
Eine seltene, lebensbedrohliche Reaktion vor allem auf Antipsychotika, die auch Neuroleptika genannt werden. Die S3-Leitlinie Schizophrenie bezeichnet sie als psychiatrische Notfallsituation. Typisch sind hohes Fieber, Muskelsteife, Bewusstseinsstörungen und Schwankungen von Puls, Blutdruck und Atmung. Bei Verdacht rufen Sie sofort den Notruf 112.
Welche Symptome hat ein malignes neuroleptisches Syndrom?
Laut Fach- und Gebrauchsinformationen vor allem hohes Fieber, ausgeprägte Muskelsteife, Schwitzen, schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, schwankender Blutdruck, schnelle Atmung und Bewusstseinsveränderungen wie Verwirrtheit, Benommenheit oder Bewusstlosigkeit. Fieber ist laut Fachinformation von Haloperidol häufig ein frühes Zeichen. Laut Fachinformation von Tiaprid gibt es auch untypische Verläufe ohne Muskelsteife oder mit nur leicht erhöhter Körpertemperatur.
Welche Medikamente können ein malignes neuroleptisches Syndrom auslösen?
Grundsätzlich jedes Antipsychotikum; laut S3-Leitlinie Schizophrenie wurde es vor allem bei hochpotenten Antipsychotika der ersten Generation in den ersten Wochen der Behandlung beschrieben. In seltenen Fällen kommen andere Mittel in Frage, die auf das Gehirn wirken, etwa Antidepressiva; auch die Packungsbeilagen von Carbamazepin und Methylphenidat nennen es. Außerdem kann laut Fachinformation von Tiaprid ein plötzliches Absetzen von Parkinsonmitteln aus der Gruppe der Dopamin-Agonisten ein MNS auslösen.
Wie wird ein malignes neuroleptisches Syndrom behandelt?
Laut S3-Leitlinie Schizophrenie wird das auslösende Mittel sofort abgesetzt, die lebenswichtigen Körperfunktionen werden stabilisiert, das Fieber wird gesenkt und Komplikationen werden verhindert; in der Regel erfolgt die Behandlung auf einer Intensivstation. Welche Maßnahmen im Einzelnen nötig sind, entscheidet das Behandlungsteam. Bei Verdacht rufen Sie sofort den Notruf 112.
Welche Laborwerte sind beim malignen neuroleptischen Syndrom auffällig?
Die Fachinformationen nennen einen erhöhten Wert des Muskelenzyms Kreatinphosphokinase (CK) im Blut, die S3-Leitlinie Schizophrenie außerdem weitere mögliche Veränderungen von Blutwerten, etwa mehr weiße Blutkörperchen. Ein MNS darf laut Leitlinie aber nicht allein durch den Laborbefund bestimmt werden; hinweisend ist das Zusammentreffen von Muskelsteife, schwankendem Bewusstsein, gestörter Körperregulation und erhöhter CK bei einem passenden Auslöser. Welche Untersuchungen nötig sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Welchen ICD-10-Code hat das maligne neuroleptische Syndrom?
In der ICD-10-GM Version 2026 hat das maligne Neuroleptika-Syndrom den Kode G21.0; es steht dort bei den sekundären Parkinson-Syndromen. Soll die auslösende Substanz angegeben werden, ist laut Kodierhinweis eine zusätzliche Schlüsselnummer aus Kapitel XX zu benutzen.
Kann man nach einem malignen neuroleptischen Syndrom wieder Antipsychotika nehmen?
Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Abwägung von Nutzen und Risiko. Die S3-Leitlinie Schizophrenie zählt ein früheres MNS zu den relativen Gegenanzeigen; Risikofaktoren wie eine schnelle Aufdosierung und hohe Dosierungen sollten bei einer späteren Behandlung verringert werden. Bei Benperidol ist ein früheres MNS nach Benperidol laut Fachinformation eine Gegenanzeige. Sagen Sie jeder Ärztin und jedem Arzt, dass Sie ein MNS hatten.
Was ist der Unterschied zwischen malignem neuroleptischem Syndrom und Serotonin-Syndrom?
Das maligne neuroleptische Syndrom wird vor allem mit Antipsychotika in Verbindung gebracht, das Serotonin-Syndrom mit Mitteln, die auf den Botenstoff Serotonin wirken, besonders wenn mehrere davon zusammen eingenommen werden. In schweren Fällen können sich beide ähneln: Laut Fachinformation von Fluoxetin kann ein Serotonin-Syndrom als malignes neuroleptisches Syndrom diagnostiziert werden. Bei Verdacht auf eines von beiden rufen Sie sofort den Notruf 112.
Wenn es Ihnen gerade sehr schlecht geht: Notruf 112 · TelefonSeelsorge 0800 111 0 111, 0800 111 0 222, 116 123 · Hilfe in der Krise
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