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Serotonin-Syndrom durch Psychopharmaka

Ein Serotonin-Syndrom ist eine seltene, möglicherweise lebensbedrohliche Reaktion auf Mittel, die auf den Botenstoff Serotonin wirken, vor allem wenn mehrere davon zusammenkommen. Typisch ist eine Kombination aus Unruhe oder Verwirrtheit, Fieber, Schwitzen, schnellem Herzschlag, Zittern, Muskelzuckungen oder steifen Muskeln und Durchfall. Treten mehrere dieser Zeichen zusammen auf, rufen Sie sofort den Notruf 112.

Paar in den Sechzigern sitzt in einem hellen Wohnzimmer auf dem Sofa, die Frau legt ihrem Mann beruhigend die Hand auf den Arm
Bild: KI-generiert

Ein Serotonin-Syndrom entsteht, wenn im Gehirn zu viel Serotonin wirkt, einer der Botenstoffe, über die Nervenzellen Signale weitergeben [10, 13]. Die Packungsbeilage von Methylphenidat beschreibt es als lebensbedrohlichen Anstieg von Serotonin im Gehirn, die Fachinformation von Moclobemid spricht von einer serotonergen Überaktivität [9, 13]. In den Quellen heißt es auch "Serotoninsyndrom", "serotonerges Syndrom" oder kurz "SS" [4, 11, 15].

Die Fachinformationen von Sertralin und Venlafaxin bezeichnen das Serotonin-Syndrom als potenziell lebensbedrohlich [2, 4]. Laut Packungsbeilage von Venlafaxin kann es insbesondere dann auftreten, wenn mehrere Arzneimittel zusammen eingenommen werden; laut Packungsbeilage von Mirtazapin ist es in sehr seltenen Fällen auch unter einem einzelnen Mittel möglich [1, 8].

Treten mehrere Anzeichen zusammen auf, etwa Fieber, Verwirrtheit, starkes Schwitzen, Muskelzuckungen, Zittern oder steife Muskeln, rufen Sie sofort den Notruf 112. Die Packungsbeilagen von Escitalopram und Venlafaxin verlangen bei Zeichen eines Serotonin-Syndroms, umgehend die Ärztin oder den Arzt zu benachrichtigen oder direkt in ein Krankenhaus zu gehen; bei Venlafaxin heißt es außerdem, das Mittel nicht mehr einzunehmen [1, 6].

Woran Sie ein Serotonin-Syndrom erkennen

Die Fachinformation von Venlafaxin ordnet die Beschwerden vier Bereichen zu, die einzeln oder zusammen betroffen sein können: Veränderungen des seelischen Zustands wie Erregtheit, Halluzinationen oder Koma, eine Instabilität der unwillkürlich gesteuerten Körperfunktionen mit schnellem Herzschlag, schwankendem Blutdruck und erhöhter Körpertemperatur, Auffälligkeiten an Nerven und Muskeln wie übersteigerte Reflexe und eine gestörte Koordination sowie Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall [2].

Die Packungsbeilagen beschreiben die Zeichen in Alltagssprache und jeweils etwas anders. Bei Citalopram sind es hohes Fieber, Zittern, plötzliche Muskelzuckungen und Unruhe, bei Escitalopram hohes Fieber, Erregtheit, Verwirrtheit, Zittern und plötzliche Muskelzuckungen [5, 6]. Die Packungsbeilage von Sertralin nennt Erregtheit, Verwirrtheit, Durchfall, hohe Körpertemperatur, hohen Blutdruck, übermäßiges Schwitzen und schnellen Herzschlag [3]. Die Packungsbeilage von Mirtazapin zählt unter anderem unerklärliches Fieber, Schwitzen, beschleunigten Herzschlag, Durchfall, unkontrollierbare Muskelkontraktionen, Schüttelfrost, übersteigerte Reflexe, Ruhelosigkeit, Stimmungsschwankungen und Bewusstlosigkeit auf [8]. Bei Duloxetin kann das Serotonin-Syndrom laut Packungsbeilage unter anderem zu Glücksgefühlen, Benommenheit, Schwerfälligkeit, Rastlosigkeit und dem Gefühl führen, betrunken zu sein [16].

Laut Packungsbeilage von Amitriptylin können zusammen mit dem Schmerzmittel Buprenorphin unwillkürliche, rhythmische Zuckungen von Muskeln auftreten, auch der Muskeln, die die Augen bewegen, außerdem Aufgeregtheit, Halluzinationen, Koma, übermäßiges Schwitzen, Zittern, übertriebene Reflexe, eine erhöhte Muskelanspannung und eine Körpertemperatur über 38 °C [11]. Bei einer Wechselwirkung mit einem MAO-Hemmer können sich laut Fachinformation von Fluoxetin Verwirrtheit, Reizbarkeit und extreme Erregtheit bis zu einem Delirium und einem Koma steigern [7].

In seiner schwersten Form kann ein Serotonin-Syndrom laut Packungsbeilage von Venlafaxin einem malignen neuroleptischen Syndrom ähneln, unter anderem mit Fieber, beschleunigtem Herzschlag, Schwitzen, schwerer Muskelsteifheit und Verwirrtheit [1]. Die Fachinformation von Fluoxetin weist darauf hin, dass es dann auch als solches diagnostiziert werden könnte [7]. Mehr zu diesem zweiten Notfall lesen Sie unter Malignes neuroleptisches Syndrom.

Welche Psychopharmaka ein Serotonin-Syndrom auslösen können

Antidepressiva

Für die SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) beschreibt die Fachinformation von Sertralin, dass ein Serotonin-Syndrom berichtet wurde. Das Risiko ist laut Fachinformation erhöht, wenn andere Mittel dazukommen, die auf Serotonin wirken oder seinen Abbau beeinträchtigen, außerdem zusammen mit Antipsychotika und anderen Dopamin-Gegenspielern sowie mit Opioiden [4]. Die Packungsbeilagen von Sertralin, Citalopram und Escitalopram und die Fachinformation von Fluoxetin beschreiben es als selten [3, 5, 6, 7]. Bei den SNRI Venlafaxin und Duloxetin steht es ebenfalls unter den seltenen Nebenwirkungen [1, 16]. Die Packungsbeilage von Mirtazapin beschreibt, dass es in sehr seltenen Fällen unter Mirtazapin allein oder zusammen mit anderen Mitteln auftreten kann, die auf Serotonin wirken [8].

Unter den MAO-Hemmern nennt die Fachinformation von Moclobemid das Serotonin-Syndrom als seltene Nebenwirkung bei gleichzeitiger Gabe von Mitteln, die Serotonin erhöhen, etwa Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern und vielen anderen Antidepressiva [9]. Tranylcypromin hemmt laut Fachinformation das Enzym Monoaminoxidase (MAO) und verhindert so, dass Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin in den Nervenzellen unwirksam gemacht werden; dadurch steht im zentralen Nervensystem mehr davon zur Verfügung [10]. Unter den trizyklischen Antidepressiva warnt die Packungsbeilage von Amitriptylin vor einem Serotoninsyndrom, einer potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung, wenn andere serotonerge Mittel wie Buprenorphin dazukommen [11].

Weitere Psychopharmaka

Auch bei Mitteln aus anderen Gruppen nennen die Produktinformationen das Serotonin-Syndrom. Für das Antipsychotikum Aripiprazol wurden laut Fachinformation Fälle berichtet; die Anzeichen können besonders zusammen mit SSRI oder SNRI auftreten oder mit Mitteln, die die Aripiprazol-Konzentration erhöhen [14]. Die Packungsbeilage von Methylphenidat, einem Mittel gegen ADHS, warnt vor einem lebensbedrohlichen Anstieg von Serotonin im Gehirn, wenn es zusammen mit trizyklischen Antidepressiva, SSRI oder SNRI eingenommen wird [13]. Bei Johanniskraut können laut Packungsbeilage zusammen mit bestimmten Antidepressiva wie Paroxetin oder Sertralin, mit Buspiron oder mit Triptanen in Einzelfällen unerwünschte Wirkungen wie ein Serotoninsyndrom verstärkt auftreten [12]. Zusammen mit Lithium kann laut Fachinformation von Venlafaxin ein Serotonin-Syndrom auftreten [2].

Alle Wirkstoffe mit Datensatz im Überblick

Die Tabelle zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Datensatz auf Psychopharmakon.de, deren Produktinformation das Serotonin-Syndrom unter den Nebenwirkungen nennt, mit der dort angegebenen Häufigkeit. Was Angaben wie "selten" bedeuten, erklärt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. Die Tabelle ist keine Rangliste. Fehlt ein Mittel in ihr, heißt das nicht, dass es kein Risiko gibt: Bei Tranylcypromin und Amitriptylin zum Beispiel nennen Fach- und Gebrauchsinformation das Serotonin-Syndrom unter anderem bei den Wechselwirkungen [10, 11].

Serotonin-Syndrom als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
BuspironSeltenSerotonin-Syndrom, unter anderem mit Schweißausbrüchen, hohem Blutdruck, erhöhter Herzfrequenz, Durchfall, Aggressivität, Verwirrung, Halluzinationen und Zittern
CitalopramSeltenSerotonin-Syndrom, erkennbar an Krankheitszeichen wie hohem Fieber, Zittern, plötzlichen Muskelzuckungen und Unruhe
DuloxetinSeltenSerotonin-Syndrom: Glücksgefühle, Benommenheit, Schwerfälligkeit, Rastlosigkeit, Gefühl, betrunken zu sein, Fieber, Schwitzen oder steife Muskeln
EscitalopramSeltenSerotonin-Syndrom mit hohem Fieber, Erregtheit (Agitiertheit), Verwirrtheit, Zittern und plötzlichen Muskelzuckungen
FluoxetinSeltenSerotonin-Syndrom: Kombination von Beschwerden wie unerklärlichem Fieber mit schnellerer Atmung oder schnellerem Puls, Schwitzen, Muskelsteifheit oder Muskelzittern, Verwirrtheit, äußerster Erregung oder Schläfrigkeit
MoclobemidSeltenSerotonin-Syndrom bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln, die Serotonin erhöhen, wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmern und vielen anderen Antidepressiva (nach der Zulassung berichtet)
SertralinSeltenZeichen eines Serotonin-Syndroms oder eines malignen neuroleptischen Syndroms wie Erregtheit, Verwirrtheit, übermäßiges Schwitzen, Durchfall, Fieber, hoher Blutdruck, Muskelsteifheit (Rigidität) und schneller…
VenlafaxinSeltenSerotonin-Syndrom (Unruhe, Halluzinationen, Koordinationsverlust, schneller Herzschlag, erhöhte Körpertemperatur, schnelle Blutdruckänderungen, überaktive Reflexe, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Koma); in der…
ZiprasidonSeltenSerotonin-Syndrom
ParoxetinSehr seltenSerotonin-Syndrom, laut Packungsbeilage auch malignes neuroleptisches Syndrom: starke Erregtheit oder Reizbarkeit, Verwirrtheit, Unruhe, Hitzegefühl, Schwitzen, Zittern, Schüttelfrost, Halluzinationen,…
TrazodonSehr seltenZeichen eines Serotoninsyndroms oder malignen neuroleptischen Syndroms, zum Beispiel Schwitzen, Durchfall, Fieber, Blutdruckschwankungen, beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Erregtheit (Agitation),…
AripiprazolNicht bekanntSerotonin-Syndrom, eine Reaktion, die Glücksgefühle, Schläfrigkeit, Schwerfälligkeit, Ruhelosigkeit, Trunkenheitsgefühl, Fieber, Schwitzen oder steife Muskeln verursachen kann
BupropionNicht bekanntSerotonin-Syndrom zusammen mit Antidepressiva wie Paroxetin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin oder Venlafaxin: Erregtheit, Halluzinationen, Koma, Körpertemperatur über 38 °C, schneller Herzschlag, schwankender…
DesvenlafaxinNicht bekanntSerotonin-Syndrom mit Beschwerden wie Agitiertheit (Erregbarkeit und Ruhelosigkeit), Bewusstseinsänderungen, Verwirrtheit, Koma, Herzklopfen, erhöhtem Blutdruck, erhöhter Körpertemperatur, übermäßigem Schwitzen,…
MilnacipranNicht bekanntSerotonin-Syndrom, vor allem zusammen mit anderen Arzneimitteln, mit mindestens drei Beschwerden wie Erregung, Verwirrtheit, Angstgefühl, Agitiertheit, Delirium und Unruhe, Zittern, Steifheit, Muskelzuckungen…
MirtazapinNicht bekanntKombination von Beschwerden wie unerklärlichem Fieber, Schwitzen, beschleunigtem Herzschlag, Durchfall, unkontrollierbaren Muskelkontraktionen, Schüttelfrost, übersteigerten Reflexen, Ruhelosigkeit,…

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (16 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Welche Kombinationen die Fachinformationen einschränken

Laut Fachinformation von Venlafaxin kann ein Serotonin-Syndrom insbesondere dann auftreten, wenn weitere Stoffe dazukommen, die das Serotonin-System beeinflussen. Sie zählt dazu unter anderem Triptane gegen Migräne, SSRI, SNRI und trizyklische Antidepressiva, Amphetamine, Lithium und Johanniskraut, Opioide wie Buprenorphin, Fentanyl, Tramadol, Tapentadol, Pethidin und Methadon, das Hustenmittel Dextromethorphan, Mittel, die den Abbau von Serotonin beeinträchtigen, wie MAO-Hemmer und Methylenblau, Vorstufen von Serotonin wie Tryptophan in Nahrungsergänzungsmitteln sowie Antipsychotika [1, 2]. Die Packungsbeilage nennt zusätzlich das Antibiotikum Linezolid und den MAO-Hemmer Moclobemid [1].

Für MAO-Hemmer verbieten die Fachinformationen viele dieser Kombinationen. Tranylcypromin darf laut Fachinformation nicht zusammen mit Mitteln eingenommen werden, die die Wiederaufnahme von Serotonin ausgeprägt hemmen, darunter alle SSRI, Clomipramin, Venlafaxin, Duloxetin und Milnacipran; verboten sind unter anderem auch L-Tryptophan, Triptane, Buspiron, Pethidin, Tramadol und Dextromethorphan [10]. Für die Wiederaufnahme-Hemmer und die Triptane nennt die Fachinformation die Gefahr eines Serotonin-Syndroms, das lebensbedrohlich sein kann; bei anderen Mitteln der Liste drohen unter anderem starke Blutdruckanstiege oder lebensbedrohliche Wirkungen auf das Gehirn, die Atmung und den Kreislauf [10]. Bei Moclobemid sind laut Fachinformation unter anderem Triptane, Tramadol, Pethidin, Linezolid und Selegilin verboten; mit anderen serotonerg wirkenden Antidepressiva wie Venlafaxin, Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram, Escitalopram oder Sertralin sollte es nur mit Vorsicht angewendet werden [9].

Beim Wechsel von einem Antidepressivum auf ein anderes sind laut NVL Unipolare Depression (Version 3.2, gültig bis 29.09.2027) die Gegenanzeigen und die Empfehlungen zu Therapiepausen aus den Fachinformationen zu beachten, besonders bei der Umstellung auf Tranylcypromin. Ein überlappender Wechsel ist dort zu vermeiden, da die Kombination mit bestimmten Antidepressiva wegen der Gefahr eines serotonergen Syndroms verboten ist [15]. Die Fachinformation von Tranylcypromin schreibt für bestimmte Mittel beim Übergang in beide Richtungen eine Behandlungspause vor; auch die Fach- und Gebrauchsinformationen von Sertralin, Venlafaxin und Fluoxetin nennen Abstände für den Wechsel zwischen ihnen und MAO-Hemmern, die Fachinformation von Moclobemid für den Wechsel zwischen Moclobemid und anderen Antidepressiva [1, 3, 7, 9, 10]. Wie lang diese Pausen sind, steht auf den Seiten der einzelnen Wirkstoffe, etwa Tranylcypromin, Moclobemid, Sertralin, Venlafaxin und Fluoxetin. Bei Fluoxetin sollten laut Fachinformation die langen Halbwertszeiten des Wirkstoffs und seines wirksamen Abbauprodukts bei möglichen Wechselwirkungen beachtet werden, etwa beim Umstellen auf ein anderes Antidepressivum [7]. Ein Wechsel geschieht immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr dazu unter Medikament wechseln.

Für Triptane gegen Migräne gelten je nach Antidepressivum andere Regeln. Mit Tranylcypromin und Moclobemid sind sie laut Fachinformation verboten [9, 10]. Ist die gleichzeitige Gabe von Sertralin und Triptanen klinisch erforderlich, sollte laut Fachinformation entsprechend überwacht werden; nach Sertralin und Sumatriptan wurde in seltenen Fällen über Schwäche, übersteigerte Reflexe, Koordinationsstörungen, Verwirrtheit, Angst und Erregtheit berichtet [4].

Die Packungsbeilage von Venlafaxin rät, kein Arzneimittel zu beginnen oder zu beenden, auch kein rezeptfreies, kein Naturheilmittel und kein pflanzliches Mittel, bevor Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder der Apotheke gesprochen haben [1]. Das betrifft auch Mittel, die Sie in einer anderen Praxis oder im Krankenhaus bekommen, etwa gegen Schmerzen, Husten oder Infektionen. Sagen Sie dort, welche Psychopharmaka Sie nehmen; ein aktueller Medikationsplan hilft dabei.

Warum es zum Serotonin-Syndrom kommt

Laut Fachinformation von Sertralin sollte die gleichzeitige Gabe mit anderen Mitteln, die die Signalübertragung über Serotonin verstärken, mit Vorsicht erfolgen und möglichst vermieden werden, weil sich die Mittel in ihrer Wirkung gegenseitig beeinflussen können. Ein erhöhtes Risiko für ein Serotonin-Syndrom nennt sie auch bei Mitteln, die den Abbau von Serotonin beeinträchtigen, wie MAO-Hemmern [4]. Die Packungsbeilage von Methylphenidat beschreibt die Folge einer solchen Kombination als lebensbedrohlichen Anstieg von Serotonin im Gehirn [13].

Eine Kombination ist nicht immer der Auslöser: Laut Packungsbeilage von Mirtazapin kann ein Serotonin-Syndrom in sehr seltenen Fällen auch unter Mirtazapin allein auftreten [8]. Leichte Formen sind laut Fachinformation von Fluoxetin nach der Gabe von SSRI zusammen mit anderen serotonerg wirkenden Mitteln berichtet worden; daher ist dort Vorsicht und eine sorgfältigere und häufigere ärztliche Überwachung erforderlich [7]. Die NVL Unipolare Depression zählt das serotonerge Syndrom zu den Notfällen, die Antidepressiva auslösen können, und bezeichnet es als sehr selten [15].

Auch eine Überdosierung kann zu einem Serotonin-Syndrom führen: Die Packungsbeilagen von Citalopram und Duloxetin nennen es unter den möglichen Anzeichen, wenn zu viel eingenommen wurde [5, 16]. Bei Verdacht auf eine Überdosierung rufen Sie sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf an.

Kommt es vom Medikament?

Ob ein Serotonin-Syndrom vorliegt, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen. Wird Venlafaxin aus ärztlichen Gründen mit anderen Mitteln kombiniert, die auf Serotonin oder Dopamin wirken, rät die Fachinformation zu einer sorgfältigen Überwachung, besonders zu Beginn der Behandlung und bei Dosiserhöhungen [2]. Achten Sie in diesen Zeiten besonders auf die genannten Anzeichen, etwa wenn ein neues Mittel dazugekommen ist oder eine Dosis erhöht wurde.

Durchfall, Schwitzen oder Unruhe können auch andere Ursachen haben: Laut Packungsbeilage von Escitalopram können viele der dort genannten Beschwerden auch auf die Erkrankung selbst zurückzuführen sein [6]. Die Packungsbeilage von Mirtazapin beschreibt eine Kombination mehrerer solcher Beschwerden und schreibt, dass es sich in sehr seltenen Fällen um Anzeichen eines Serotonin-Syndroms handeln kann [8]. Treten Fieber und eine schwere Muskelsteifheit auf, kommt auch ein malignes neuroleptisches Syndrom in Frage; laut Packungsbeilage von Venlafaxin und Fachinformation von Fluoxetin kann ein schweres Serotonin-Syndrom einem solchen Syndrom ähneln [1, 7].

Für die Ärztin oder den Arzt ist wichtig, welche Mittel Sie nehmen, auch rezeptfreie und pflanzliche. Laut Packungsbeilage von Citalopram zählen dabei auch Mittel, die Sie vor Kurzem eingenommen haben [5]. Nehmen Sie Ihren Medikationsplan oder die Packungen mit, wenn Sie ins Krankenhaus kommen.

Was Sie tun können

Frau in den Vierzigern im Gespräch mit einer Ärztin an einem Holztisch in einem hellen Sprechzimmer
Bild: KI-generiert

Rufen Sie bei Verdacht auf ein Serotonin-Syndrom den Notruf 112, wenn mehrere Anzeichen zusammen auftreten, wenn Sie hohes Fieber haben, verwirrt oder sehr erregt sind oder wenn das Bewusstsein nachlässt. Warten Sie nicht ab, ob die Beschwerden von selbst vergehen.

Was mit dem Medikament geschieht, beschreiben die Packungsbeilagen unterschiedlich. Bei Venlafaxin und Mirtazapin sollen Sie das Mittel nicht weiter einnehmen und sich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt wenden, bei Venlafaxin auch an die Notfallambulanz des nächstgelegenen Krankenhauses [1, 8]. Bei Citalopram bricht laut Packungsbeilage die Ärztin oder der Arzt die Behandlung sofort ab, bei Sertralin kann sie oder er den Abbruch anordnen [3, 5]. Andere Mittel setzen Sie nicht auf eigene Faust ab; das besprechen Sie im Krankenhaus oder mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Laut Fachinformation von Fluoxetin muss die Behandlung bei einem Serotonin-Syndrom beendet und eine unterstützende Behandlung der Beschwerden begonnen werden; die Fachinformation von Moclobemid sieht eine ärztliche Behandlung vor, bei Bedarf auch im Krankenhaus [7, 9]. Welche Maßnahmen im Einzelnen nötig sind, entscheidet das Behandlungsteam.

Vorbeugen können Sie, indem alle, die Ihnen Medikamente verordnen oder abgeben, Ihre vollständige Medikation kennen. Fragen Sie vor jedem neuen Mittel nach, ob es zu Ihren Psychopharmaka passt, auch bei Migränemitteln, Schmerz- und Hustenmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln mit Tryptophan und Präparaten mit Johanniskraut [1, 2]. Wechseln, kombinieren oder ergänzen Sie Psychopharmaka nicht selbst; mehr dazu unter Psychopharmaka kombinieren.

Laut Packungsbeilage von Sertralin informieren Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie ein Serotonin-Syndrom haben oder hatten [3]. Erzählen Sie nach einem Serotonin-Syndrom also jeder neuen Ärztin und jedem neuen Arzt davon. Notrufnummern und weitere Hilfe finden Sie auch unter Hilfe in der Krise.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Laut Fachinformationen kann ein Serotonin-Syndrom lebensbedrohlich sein, und die Packungsbeilagen nennen auch Koma und Bewusstlosigkeit unter den möglichen Zeichen [1, 4, 8]. Angehörige sollten die Zeichen ebenfalls kennen, damit sie Hilfe holen können, wenn Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  2. Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Escitalopram-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Moclobemid-neuraxpharm 150 mg und 300 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2015. abgerufen am 23.10.2026
  10. Fachinformation Tranylcypromin neuraxpharm 10 mg, 20 mg und 40 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2021. abgerufen am 23.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 23.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Jarsin 300 mg überzogene Tabletten. Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 01/2024. abgerufen am 23.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
  14. EMA-Produktinformation ABILIFY (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) ABILIFY Tabletten, und Anhang II. Otsuka Pharmaceutical Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 23.10.2026
  15. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand Version 3.2, Juli 2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Duloxetin-ratiopharm 30 mg, 60 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was ist ein Serotonin-Syndrom?

Eine Reaktion auf zu viel Serotonin im Gehirn, die laut Fachinformationen lebensbedrohlich sein kann. Sie tritt vor allem auf, wenn mehrere Mittel zusammenkommen, die auf den Botenstoff Serotonin wirken, etwa ein Antidepressivum zusammen mit einem Migränemittel aus der Gruppe der Triptane oder mit dem Schmerzmittel Tramadol. Treten mehrere Anzeichen zugleich auf, rufen Sie sofort den Notruf 112.

Welche Symptome hat ein Serotonin-Syndrom?

Die Packungsbeilagen nennen unter anderem Unruhe, Erregtheit, Verwirrtheit, Halluzinationen, Fieber, starkes Schwitzen, Schüttelfrost, schnellen Herzschlag, schwankenden Blutdruck, Zittern, plötzliche Muskelzuckungen, übersteigerte Reflexe, steife Muskeln, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, in schweren Fällen auch Bewusstlosigkeit oder Koma. Auf ein Serotonin-Syndrom weisen vor allem mehrere dieser Zeichen zusammen hin.

Welche Medikamente können ein Serotonin-Syndrom auslösen?

Unter anderem Antidepressiva wie SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva, Mirtazapin und MAO-Hemmer, besonders in Kombination mit anderen Mitteln, die auf Serotonin wirken. Auch bei Aripiprazol und Methylphenidat nennen es die Produktinformationen. Als Kombinationspartner nennen die Fachinformationen unter anderem Triptane gegen Migräne, Opioide wie Tramadol, Fentanyl, Buprenorphin und Methadon, das Hustenmittel Dextromethorphan, das Antibiotikum Linezolid, Methylenblau, Lithium, Johanniskraut, Tryptophan, Amphetamine und Antipsychotika.

Kann Sertralin ein Serotonin-Syndrom auslösen?

Ja. Die Packungsbeilage von Sertralin nennt das Serotonin-Syndrom, das in seltenen Fällen auftreten kann, wenn bestimmte andere Mittel gleichzeitig angewendet werden. Mit MAO-Hemmern wie Moclobemid und Selegilin, mit dem Antibiotikum Linezolid und mit Methylenblau darf Sertralin nicht zusammen angewendet werden. Bei Amphetaminen, Johanniskraut, Tryptophan, Opioiden wie Tramadol oder Fentanyl und Migränemitteln wie Sumatriptan wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihren Arzt.

Wie wird ein Serotonin-Syndrom behandelt?

Laut Fachinformation von Fluoxetin muss die Behandlung mit Fluoxetin dann beendet und eine unterstützende Behandlung der Beschwerden begonnen werden; die Fachinformation von Moclobemid sieht eine ärztliche Behandlung vor, bei Bedarf im Krankenhaus. Welche Maßnahmen nötig sind, entscheidet das Behandlungsteam. Bei mehreren Anzeichen zugleich rufen Sie sofort den Notruf 112.

Wie häufig ist ein Serotonin-Syndrom?

Die Packungsbeilagen von Escitalopram, Venlafaxin und Duloxetin führen es unter den seltenen Nebenwirkungen, die bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen können; bei Sertralin und Citalopram heißt es, dass es in seltenen Fällen auftreten kann. Die NVL Unipolare Depression bezeichnet das serotonerge Syndrom als sehr seltenen Notfall durch Antidepressiva. Wie häufig es bei einzelnen Wirkstoffen angegeben ist, zeigt die Tabelle auf dieser Seite.

Darf ich bei Migräne Triptane nehmen, wenn ich ein Antidepressivum nehme?

Das hängt vom Antidepressivum ab. Mit den MAO-Hemmern Tranylcypromin und Moclobemid sind Triptane laut Fachinformation verboten. Ist die gleichzeitige Gabe von Sertralin und Triptanen klinisch erforderlich, sieht die Fachinformation eine entsprechende Überwachung vor. Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Apotheke.

Ist ein Serotonin-Syndrom dasselbe wie ein malignes neuroleptisches Syndrom?

Es sind zwei verschiedene Krankheitsbilder, die sich in schweren Fällen ähneln können. Laut Fachinformation von Fluoxetin kann ein Serotonin-Syndrom einem malignen neuroleptischen Syndrom ähneln und als solches diagnostiziert werden. Das maligne neuroleptische Syndrom wird vor allem mit Antipsychotika in Verbindung gebracht. Bei Verdacht auf eines von beiden rufen Sie sofort den Notruf 112.

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