MedikamenteWirkstoff

Johanniskraut

Johanniskraut-Extrakt ist ein pflanzliches Arzneimittel gegen depressive Beschwerden: Präparate für leichte depressive Störungen sind nicht verschreibungspflichtig, zur Behandlung mittelschwerer Depressionen ist Johanniskraut verschreibungspflichtig. Bekannt sind Präparate unter anderem als Jarsin und Laif. Johanniskraut kann die Wirkung anderer Arzneimittel abschwächen oder verstärken und die Sicherheit hormoneller Verhütung herabsetzen; sagen Sie deshalb in Praxis und Apotheke, dass Sie es einnehmen.

Frau Mitte vierzig mit Sonnenhut sitzt auf einer Gartenbank im lichten Schatten eines Baumes
Bild: KI-generiert

Wofür wird Johanniskraut eingesetzt?

Jarsin 300 mg ist laut Packungsbeilage ein pflanzliches Arzneimittel bei depressiven Verstimmungen und wird bei leichten depressiven Störungen (depressiven Episoden) angewendet, Jarsin 450 mg zur Behandlung leichter depressiver Episoden; beide sind für Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre bestimmt. Laut Embryotox werden Johanniskraut-Extrakte zur Behandlung leichter und mittelschwerer Depressionen eingesetzt. Die Angaben aus der Packungsbeilage auf dieser Seite stammen von Jarsin 300 mg und Jarsin 450 mg; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Mehr zur Erkrankung unter Depression. [1, 3, 4]

Ob ein Präparat ein Rezept braucht, hängt vom Anwendungsgebiet ab. Laut Arzneimittelverschreibungsverordnung ist Johanniskraut zur Behandlung mittelschwerer Depressionen verschreibungspflichtig, Präparate gegen leichte depressive Störungen wie Jarsin 300 mg sind es nicht. Die NVL Unipolare Depression weist darauf hin, dass nur sehr wenige Johanniskraut-Präparate auch bei mittelschweren depressiven Störungen verordnungsfähig sind. Bei schweren depressiven Störungen darf Jarsin laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden. [1, 2, 4, 5]

Die NVL Unipolare Depression (Version 3.2) gibt zu Johanniskraut eine offene Empfehlung ("kann") für einen ersten Behandlungsversuch bei leichten und, mit einem dafür zugelassenen Präparat, auch bei mittelschweren depressiven Episoden, jeweils nach Aufklärung über die besonderen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen; den Wortlaut zeigt der Behandlungsverlauf. Die Leitlinie beschränkt die Empfehlung auf als Arzneimittel zugelassene Präparate, weil deren Dosierung besser standardisiert ist. Sie betont, wie wichtig die Aufklärung über die unsichere Dosierung frei verkäuflicher Johanniskraut-Präparate und über mögliche Wechselwirkungen ist. [5]

Für Kinder unter 12 Jahren liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor; bei ihnen soll Jarsin deshalb nicht angewendet werden. Verwandte Mittel finden Sie unter Pflanzliche Psychopharmaka und Weitere Antidepressiva. [1, 4]

Wie wirkt Johanniskraut?

Jarsin 300 mg enthält einen Trockenextrakt aus den Blüten und Blättern des Johanniskrauts, Jarsin 450 mg einen Extrakt aus den oberen Zweigspitzen. Laut Embryotox enthalten Johanniskraut-Extrakte verschiedene Pflanzenstoffe. Die Packungsbeilage von Jarsin 300 mg beschreibt, dass die antidepressive Wirkung den Antrieb steigern und die Stimmung aufhellen und darüber auch die Nachtruhe verbessern kann; damit sich die Wirkung entfalten kann, sollte das Präparat regelmäßig eingenommen werden. Wie die Inhaltsstoffe im Gehirn wirken, erklären die Packungsbeilagen nicht. [1, 3, 4]

Wirkstoffe aus Johanniskraut wirken außerdem auf andere Arzneimittel: Sie können deren Ausscheidung beschleunigen und dadurch ihre Wirksamkeit herabsetzen, sie können die Wirkung anderer Arzneimittel aber auch verstärken. Laut Embryotox können zum Beispiel die Blutspiegel der Pille und anderer Arzneimittel sinken. Die NVL nennt Johanniskraut als Beispiel für Stoffe, die zu niedrige Blutspiegel eines Antidepressivums verursachen können. Einzelheiten stehen unter Wechselwirkungen, Allgemeines zur Wirkweise unter Wie wirken Antidepressiva? [1, 3, 5]

Wann wirkt Johanniskraut und wie lange wird behandelt?

Bis zur deutlichen Besserung rechnet die Packungsbeilage erfahrungsgemäß mit 4 bis 6 Wochen regelmäßiger Einnahme. Haben Sie den Eindruck, dass die Wirkung zu stark oder zu schwach ist, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke. Wie lange Sie Johanniskraut nach der Besserung weiter einnehmen, geben die Packungsbeilagen nicht an; fragen Sie in Ihrer Praxis nach. [1, 4]

Veränderungen können Sie im Stimmungstagebuch festhalten. Mehr zur Dauer einer Behandlung unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen?

  1. BeginnWird bei einer leichten oder mittelschweren depressiven Episode eine medikamentöse Behandlung erwogen, kann laut NVL Unipolare Depression nach Aufklärung über die besonderen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen ein erster Behandlungsversuch mit einem als Arzneimittel zugelassenen Johanniskrautpräparat angeboten werden; bei mittelschweren Episoden mit einem Präparat, das für diesen Bereich zugelassen ist.[5]
  2. Erste WirkungBis zur deutlichen Besserung der Beschwerden ist laut Packungsbeilage erfahrungsgemäß eine Einnahmedauer von 4 bis 6 Wochen erforderlich. Bestehen die Beschwerden länger als 4 Wochen oder verstärken sie sich trotz vorschriftsmäßiger Einnahme, sollten Sie erneut Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen.[1, 4]
  3. AbsetzenSprechen Sie laut Packungsbeilage mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung unterbrechen oder vorzeitig beenden. Vor einer geplanten Operation mit Voll- oder Teilnarkose sieht die Packungsbeilage vor, Johanniskraut rechtzeitig abzusetzen; ob und wann, legen Sie mindestens 1 bis 2 Wochen vor dem Eingriff mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest.[1, 4]

Nebenwirkungen im Blick

Alle Nebenwirkungen in der Packungsbeilage von Jarsin 300 mg haben die Häufigkeit "nicht bekannt": Aus den vorhandenen Daten lässt sich nicht abschätzen, wie oft sie auftreten. Genannt werden allergische Hautreaktionen mit Rötung und Juckreiz, Müdigkeit, Unruhe und Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall. Vor allem bei hellhäutigen Menschen, die starker Sonne ausgesetzt waren, kann die Haut überempfindlich auf Licht reagieren (Photosensibilisierung), mit sonnenbrandähnlicher Rötung und Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen, Schmerz- und Kälteempfindlichkeit. Bei Jarsin 450 mg kann das enthaltene Sojabohnenmehl sehr selten allergische Reaktionen hervorrufen. [1, 4]

Nebenwirkungen im Blick

Die Produktinformation von Johanniskraut nennt zu den Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird, keine Häufigkeiten. Welche Nebenwirkungen vorkommen können, steht im Abschnitt zu den Nebenwirkungen auf dieser Seite. Zur vollständigen Liste.

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • HautAllergische Reaktionen der Haut mit Rötung und Juckreiz[1]
  • HautSonnenbrandähnliche Reaktionen oder Rötung der Haut und Missempfindungen (Kribbeln, Schmerz- und Kälteempfindlichkeit, Brennen) durch Lichtüberempfindlichkeit (Photosensibilisierung), vor allem bei hellhäutigen Menschen, die starker Sonnenbestrahlung ausgesetzt waren[1]
  • Allgemeine BeschwerdenMüdigkeit[1]Mehr dazu: Müdigkeit
  • PsycheUnruhe[1]Mehr dazu: Unruhe und Nervosität
  • Magen und DarmMagen-Darm-Beschwerden, zum Beispiel Übelkeit, Bauchschmerzen (Abdominalschmerzen), Durchfall[1]

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht.

Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, innere Unruhe und Serotonin-Syndrom. Mehr zur Lichtempfindlichkeit unter Psychopharmaka bei Hitze und Sonne.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Verschlimmern sich Ihre Beschwerden oder tritt keine Besserung ein, müssen Sie laut Packungsbeilage auf jeden Fall eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder daran, sich das Leben zu nehmen, können laut NVL zu den Anzeichen einer Depression gehören. Bei allen Menschen mit einer depressiven Störung soll laut Leitlinie regelmäßig, bei jedem Gespräch in der Behandlung, eingeschätzt werden, ob Suizidgedanken oder suizidale Absichten bestehen (Suizidalität). [1, 5]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau Anfang dreißig im ruhigen Gespräch mit einer Ärztin an einem kleinen Tisch in einer hellen Praxis mit Pflanzen
Bild: KI-generiert

Bemerken Sie eine der genannten Nebenwirkungen, sollten Sie laut Packungsbeilage Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen; sie oder er entscheidet, ob Johanniskraut abgesetzt werden muss. Nebenwirkungen können Sie auch selbst dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden. [1]

Während der Einnahme soll eine intensive UV-Bestrahlung vermieden werden, also lange Sonnenbäder, Höhensonne und Solarium. Nehmen Sie außerdem ein Mittel, das die Haut lichtempfindlicher macht, können sich die Hautreaktionen verstärken; sprechen Sie das bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an. [1]

Johanniskraut kann die Wirkung zahlreicher anderer Arzneimittel verändern. Sagen Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt und in der Apotheke, welche Mittel Sie einnehmen, auch rezeptfreie; dabei hilft der Medikationsplan. Fragen für das nächste Gespräch sammeln Sie mit den Fragen fürs Arztgespräch. [1, 3]

Wechselwirkungen

Die NVL Unipolare Depression nennt bei Johanniskraut ausdrücklich Bedenken wegen schwerer Wechselwirkungen. Laut Packungsbeilage darf Jarsin nicht zusammen mit diesen Arzneimitteln angewendet werden: Mittel gegen Abstoßungsreaktionen nach einer Transplantation (Immunsuppressiva zur innerlichen Anwendung, zum Beispiel Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus, Sirolimus), Mittel gegen HIV-Infektionen oder AIDS (zum Beispiel Fosamprenavir, Indinavir, Amprenavir, Efavirenz, Nevirapin und nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer wie Abacavir), zellwachstumshemmende Mittel in der Krebsbehandlung (Zytostatika, zum Beispiel Imatinib, Irinotecan) und gerinnungshemmende Mittel vom Cumarin-Typ (zum Beispiel Phenprocoumon, Warfarin). [1, 5]

Wer hormonell verhütet, mit Pille, Depotspritze, Verhütungspflaster, Verhütungsimplantat oder Vaginalring, kann unter Johanniskraut Zwischenblutungen bekommen, und die Sicherheit der Verhütung kann herabgesetzt sein. Laut Packungsbeilage sollten deshalb zusätzliche Verhütungsmaßnahmen ergriffen werden. Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, sollten vor der Einnahme mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt sprechen. Embryotox weist darauf hin, dass die Blutspiegel oraler Verhütungsmittel sinken können. Allgemeines dazu unter Psychopharmaka und Verhütung. [1, 3, 4]

In Einzelfällen wurden Wechselwirkungen festgestellt, die die Wirksamkeit dieser Arzneimittel abschwächen können: Digoxin, Simvastatin, Fexofenadin, Benzodiazepine wie Midazolam, Methadon, Antidepressiva wie Amitriptylin und Nortriptylin, Finasterid gegen eine gutartige Prostatavergrößerung, Theophyllin, Mittel gegen epileptische Anfälle und Mittel zur hormonellen Verhütung. Wer neben Johanniskraut eines dieser Mittel einnimmt, sollte laut Packungsbeilage den Rat der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes einholen; es kann nötig sein, die Dosis des anderen Mittels anzupassen. [1]

Zusammen mit bestimmten Antidepressiva vom SRI- bzw. SSRI-Typ wie Nefazodon, Paroxetin und Sertralin, mit Buspiron oder mit Triptanen kann deren Wirkung verstärkt sein. In Einzelfällen können dann unerwünschte Wirkungen wie ein Serotonin-Syndrom verstärkt auftreten, mit Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen, Fieber, Angst, Ruhelosigkeit, Verwirrtheit und Bewegungsveränderungen wie rhythmischen Muskelzuckungen oder Zittern. Andere Arzneimittel, die die Haut lichtempfindlicher machen, können die Hautreaktionen verstärken. [1]

Wechselwirkungen von Johanniskraut
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus, Sirolimus; HIV-Mittel wie Fosamprenavir, Indinavir, Amprenavir, Efavirenz, Nevirapin, Abacavir; Zytostatika wie Imatinib, Irinotecan; Cumarine wie Phenprocoumon, WarfarinWirkstoffe aus Johanniskraut können die Ausscheidung anderer Arzneimittel beschleunigen und dadurch deren Wirksamkeit herabsetzen oder auch die Wirkung anderer Arzneimittel verstärken[1]Darf nicht zusammen eingenommen werden
Hormonelle Verhütungsmittel ("Pille", Depotspritze, Pflaster, Implantat, Vaginalring)Zwischenblutungen; die Sicherheit der Verhütung kann herabgesetzt sein[1, 3]Zusätzliche empfängnisverhütende Maßnahmen ergreifen
Digoxin, Simvastatin, Fexofenadin, Benzodiazepine (z. B. Midazolam), Methadon, Theophyllin, Finasterid, Antidepressiva wie Amitriptylin und Nortriptylin, Mittel gegen epileptische AnfälleIn Einzelfällen wurden Wechselwirkungen festgestellt, die zu einer Abschwächung der Wirksamkeit führen können[1]Rat der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes einholen
Antidepressiva vom SRI- bzw. SSRI-Typ wie Nefazodon, Paroxetin, Sertralin sowie Buspiron oder TriptaneDeren Wirkung kann verstärkt sein; in Einzelfällen verstärkte unerwünschte Wirkungen wie ein Serotoninsyndrom[1]Rat der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes einholen
Andere Arzneimittel, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhenDie Nebenwirkungen an der Haut können sich verstärken[1]Vorher ärztlich besprechen; intensive UV-Bestrahlung vermeiden

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren. Zu geplanten Eingriffen siehe Psychopharmaka vor einer Operation und den Abschnitt Einnahme und Absetzen.

Wer Johanniskraut nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Nicht anwenden bei

  • Allergie gegen Johanniskraut oder einen der sonstigen Bestandteile[1]
  • Bei Jarsin 450 mg auch Allergie gegen Soja oder Erdnuss (die Filmtabletten enthalten Sojabohnenmehl)[4]
  • Bekannte Lichtüberempfindlichkeit der Haut[1]
  • Schwere depressive Störungen[1]
  • Gleichzeitige Einnahme von Mitteln zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen (Immunsuppressiva zur innerlichen Anwendung), z. B. Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus, Sirolimus[1]
  • Gleichzeitige Einnahme von Mitteln gegen HIV-Infektionen oder AIDS, z. B. Fosamprenavir, Indinavir, Amprenavir, Efavirenz, Nevirapin, oder von nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmern wie Abacavir[1]
  • Gleichzeitige Einnahme von zellwachstumshemmenden Mitteln in der Krebsbehandlung (Zytostatika), z. B. Imatinib, Irinotecan[1]
  • Gleichzeitige Einnahme von gerinnungshemmenden Mitteln vom Cumarin-Typ, z. B. Phenprocoumon, Warfarin[1]

Besondere Vorsicht bei

  • Einnahme anderer Arzneimittel: Deren Wirksamkeit kann abgeschwächt oder verstärkt sein, sodass ihre Dosierung eventuell angepasst werden muss, Rat der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes einholen[1]
  • Hormonelle Verhütung ("Pille", Depotspritze, Verhütungspflaster, Verhütungsimplantat, Vaginalring): Zwischenblutungen möglich, die Verhütungssicherheit kann herabgesetzt sein, zusätzliche Verhütungsmaßnahmen ergreifen[1]
  • Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten: vor der Einnahme mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen[1]
  • Geplante Operation mit Voll- oder Teilnarkose: mindestens 1 bis 2 Wochen vorher ärztlich besprechen; laut Packungsbeilage sollte Johanniskraut rechtzeitig vor dem Eingriff abgesetzt werden; ob und wann, legen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest[1]
  • Intensive UV-Bestrahlung (lange Sonnenbäder, Höhensonne, Solarium) während der Einnahme vermeiden[1]
  • Kinder unter 12 Jahren: Das Arzneimittel soll bei ihnen nicht angewendet werden, da keine ausreichenden Untersuchungen vorliegen[1]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Jarsin 300 mg enthält Lactose, Glucose und Saccharose[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Zu Alkohol enthalten die Packungsbeilagen von Jarsin 300 mg und Jarsin 450 mg keinen Hinweis. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, was in Ihrer Situation gilt. Allgemeines unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 4]

Wie Johanniskraut die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinflusst, wurde laut Packungsbeilage nicht ausreichend untersucht. [1, 4] Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [12] Die Ausnahme für bestimmungsgemäß eingenommene, für einen konkreten Krankheitsfall verschriebene Arzneimittel in § 24a Abs. 4 StVG bezieht sich nur auf bestimmte Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG. [11] Mehr dazu unter Psychopharmaka und Autofahren.

Die Angaben von Embryotox beziehen sich auf die Einnahme antidepressiv wirksamer Dosierungen. Wird Johanniskraut bei einer neu begonnenen Behandlung oder vor einer geplanten Schwangerschaft verwendet, ist laut Embryotox zu prüfen, ob es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen kann; mögliche Wechselwirkungen sollten auch in der Stillzeit beachtet werden. [3] Allgemeines dazu unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit.

Schwangerschaft

Laut Packungsbeilage liegen keine ausreichenden Erfahrungen bei Schwangeren vor; Jarsin 300 mg sollte in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn die Ärztin oder der Arzt es für unbedingt notwendig hält. Daten zu Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit liegen nicht vor.[1]

Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit "mittel" an. Drei Kohortenstudien mit insgesamt mehr als 300 Schwangerschaften, in denen im ersten Drittel Johanniskraut eingenommen wurde, zeigten heterogene Ergebnisse. Der Großteil der Daten stammt aus einer Registerstudie mit deutschen Krankenversicherungsdaten, deren Autoren unter anderem ein erhöhtes Gesamtfehlbildungsrisiko diskutieren; eine statistisch signifikante Erhöhung des Fehlbildungsrisikos zeigte sich jedoch in keiner der drei Studien. Für eine differenzierte Risikobewertung reichen die Daten nicht aus. Bei einer Neueinstellung und vor einer geplanten Schwangerschaft sollten laut Embryotox besser untersuchte Antidepressiva bevorzugt werden. Anpassungsstörungen beim Neugeborenen wurden bisher nicht beschrieben, sind bei einer Einnahme bis zur Entbindung aber nicht auszuschließen. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Sertralin, Citalopram bzw. Escitalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Laut Packungsbeilage liegen keine ausreichenden Erfahrungen bei stillenden Müttern vor; Jarsin 300 mg sollte in der Stillzeit nur angewendet werden, wenn die Ärztin oder der Arzt es für unbedingt notwendig hält.[1]

Laut Embryotox ist Stillen bei alleiniger Einnahme von Johanniskraut und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel. Die untersuchten Inhaltsstoffe Hyperforin und Hypericin lagen im Blut gestillter Kinder an oder unter der Nachweisgrenze. In einer Untersuchung an 33 Mutter-Kind-Paaren berichteten zwei Mütter über kolikartige Beschwerden und drei über eine vorübergehende Benommenheit ihrer Kinder; ein ursächlicher Zusammenhang blieb unklar. Treten beim Kind anders nicht erklärbare Beschwerden wie starke Schläfrigkeit (Sedierung), Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollten laut Embryotox die Kinderärztin oder der Kinderarzt und Embryotox kontaktiert werden.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Autofahren und Maschinen

Ausreichende Untersuchungen zu den Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, wurden nicht durchgeführt.[1]

Anwendung

Die Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit (z. B. einem Glas Wasser) morgens, mittags und abends einnehmen, am besten zu den Mahlzeiten. Bis zur deutlichen Besserung ist erfahrungsgemäß eine Einnahmedauer von 4 bis 6 Wochen erforderlich.[1]

Einnahme vergessen: die Behandlung wie in der Dosierungsanleitung beschrieben oder wie ärztlich verordnet fortsetzen, nicht die doppelte Menge nehmen.[1]

Absetzen

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung unterbrechen oder vorzeitig beenden. Vor einer geplanten Operation mit Narkose sieht die Packungsbeilage vor, Johanniskraut rechtzeitig abzusetzen; ob und wann, legen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest.[1]

Überdosierung

Nach der Einnahme erheblicher Überdosen über zwei Wochen wurden Krämpfe und Verwirrtheit beobachtet. Nach erheblichen Überdosen sollten Betroffene umgehend 1 bis 2 Wochen lang vor Sonnenlicht und anderer UV-Strahlung geschützt werden (Aufenthalt im Freien einschränken, bedeckende Kleidung, Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor); die beschriebenen Nebenwirkungen können verstärkt auftreten. Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen.[1]

Einnahme und Absetzen

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung unterbrechen oder vorzeitig beenden; wann und wie Sie Johanniskraut absetzen, entscheiden Sie gemeinsam. Absetzbeschwerden beschreiben die Packungsbeilagen nicht. In der Übersicht der NVL zum Risiko für Absetzsymptome bei Antidepressiva kommt Johanniskraut nicht vor. [1, 4, 5]

Vor einer geplanten Operation mit Voll- oder Teilnarkose sollten Sie mindestens 1 bis 2 Wochen vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen, damit mögliche Wechselwirkungen der verwendeten Mittel erkannt werden. Für diesen Fall sieht die Packungsbeilage vor, Johanniskraut rechtzeitig vor dem Eingriff abzusetzen; ob und wann, legen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest. Ausführlich: Psychopharmaka absetzen und Psychopharmaka vor einer Operation. [1, 4]

Dosierung laut Packungsbeilage

Jarsin 300 mg und Jarsin 450 mg enthalten unterschiedlich viel Extrakt je Tablette und werden unterschiedlich eingenommen. Die Angaben stammen aus der Packungsbeilage von Jarsin 300 mg; für Ihr Präparat gilt seine eigene Packungsbeilage oder die Dosis, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt verordnet hat. [1, 4]

Präparate mit Johanniskraut

Als Produktnamen nennt Embryotox unter anderem Hyperforat, Jarsin, Laif und Neuroplant. [3]

Präparate mit Johanniskraut
PräparatAnbieterHinweis
Jarsin 300 mgCassella-med GmbH & Co. KGüberzogene Tabletten bei leichten depressiven Störungen; Grundlage dieser Seite
Jarsin 450 mgCassella-med GmbH & Co. KGFilmtabletten zur Behandlung leichter depressiver Episoden

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Jarsin 300 mg überzogene Tabletten. Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 01/2024. abgerufen am 18.10.2026
  2. Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Johanniskraut. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 11.10.2026
  3. Embryotox: Johanniskraut. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Jarsin 450 mg Filmtabletten. Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 04/2020. abgerufen am 18.10.2026
  5. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Kurzfassung, Version 3.2. NVL-Programm von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023. abgerufen am 22.10.2026
  6. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  7. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026

Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Johanniskraut nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Ab wann wirkt Johanniskraut?

Laut Packungsbeilage braucht es erfahrungsgemäß 4 bis 6 Wochen, bis sich die Beschwerden deutlich bessern; das Präparat sollte dafür regelmäßig eingenommen werden. Bestehen die Beschwerden länger als 4 Wochen oder verstärken sie sich trotz vorschriftsmäßiger Einnahme, sollten Sie erneut Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen.

Wie hoch ist die Dosis von Johanniskraut?

Das hängt vom Präparat ab, denn die Tabletten enthalten unterschiedlich viel Extrakt. Was die Packungsbeilage von Jarsin 300 mg angibt, steht im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage" auf dieser Seite. Die NVL Unipolare Depression beschränkt ihre Empfehlung auf als Arzneimittel zugelassene Präparate, weil deren Dosierung besser standardisiert ist. Hat Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine Dosis verordnet, gilt diese.

Wirkt die Pille noch, wenn ich Johanniskraut nehme?

Laut Packungsbeilage kann die Sicherheit hormoneller Verhütungsmittel wie Pille, Depotspritze, Verhütungspflaster, Verhütungsimplantat oder Vaginalring herabgesetzt sein, außerdem können Zwischenblutungen auftreten. Sie sollten deshalb zusätzlich verhüten. Embryotox weist darauf hin, dass die Blutspiegel oraler Verhütungsmittel sinken können. Welche Verhütung zu Ihnen passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Darf ich mit Johanniskraut in die Sonne?

Während der Einnahme soll laut Packungsbeilage eine intensive UV-Bestrahlung vermieden werden, also lange Sonnenbäder, Höhensonne und Solarium. Vor allem bei hellhäutigen Menschen kann die Haut nach starker Sonnenbestrahlung mit sonnenbrandähnlicher Rötung, Kribbeln oder Brennen reagieren. Bei einer bekannten Lichtüberempfindlichkeit der Haut darf Jarsin nicht eingenommen werden.

Darf ich mit Johanniskraut Alkohol trinken?

Die Packungsbeilagen von Jarsin 300 mg und Jarsin 450 mg enthalten keinen Hinweis zu Alkohol. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, was in Ihrer Situation gilt.

Ist Johanniskraut rezeptfrei?

Das hängt vom Anwendungsgebiet ab. Laut Arzneimittelverschreibungsverordnung ist Johanniskraut zur Behandlung mittelschwerer Depressionen verschreibungspflichtig; Präparate gegen leichte depressive Störungen wie Jarsin 300 mg sind nicht verschreibungspflichtig. Die NVL weist darauf hin, dass nur sehr wenige Johanniskraut-Präparate auch bei mittelschweren depressiven Störungen verordnungsfähig sind.

Wie setze ich Johanniskraut ab?

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung unterbrechen oder vorzeitig beenden. Absetzbeschwerden beschreiben die Packungsbeilagen nicht. Vor einer geplanten Operation mit Narkose sieht die Packungsbeilage vor, Johanniskraut rechtzeitig abzusetzen; ob und wann, legen Sie mindestens 1 bis 2 Wochen vor dem Eingriff mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest.

Darf ich in der Schwangerschaft Johanniskraut nehmen?

Laut Packungsbeilage liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor; Jarsin sollte in der Schwangerschaft deshalb nur angewendet werden, wenn die Ärztin oder der Arzt es für unbedingt notwendig hält. Bei einer Neueinstellung und vor einer geplanten Schwangerschaft sollten laut Embryotox besser untersuchte Antidepressiva bevorzugt werden; als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Sertralin, Citalopram bzw. Escitalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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