WirkstoffgruppenWirkstoffgruppe
Benzodiazepine
Benzodiazepine sind verschreibungspflichtige Beruhigungs- und Schlafmittel, die im Gehirn die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA verstärken. Zugelassen sind sie je nach Wirkstoff unter anderem zur Kurzzeitbehandlung schwerer Angst-, Spannungs- und Erregungszustände, bei Schlafstörungen oder bei Epilepsie. Das Risiko einer Abhängigkeit kann laut Fachinformation von Lorazepam mit Dosis und Behandlungsdauer zunehmen, deshalb sollte die niedrigste wirksame Dosis für die kürzeste Dauer verordnet werden; nach regelmäßiger, längerer Einnahme soll das Absetzen laut S3-Leitlinie schrittweise erfolgen, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.

Benzodiazepine sind eine Gruppe von Beruhigungs- und Schlafmitteln. Sie wirken über den GABA-A-Rezeptor im Gehirn: GABA (Gamma-Aminobuttersäure) ist laut S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen der hemmende Botenstoff mit der größten Verbreitung im zentralen Nervensystem, und Benzodiazepine verstärken seine Wirkung. In therapeutischer Dosierung wirken sie nur, wenn auch GABA an seine Bindungsstelle gebunden hat; sie erhöhen dann, wie stark der Rezeptor den Botenstoff bindet. Alle Benzodiazepine wirken laut Leitlinie abhängig von der Dosis angstlösend, beruhigend (sedierend), muskelentspannend und gegen Krampfanfälle. Ein Wirkstoff, der Angst löst, ohne zugleich in gewissem Maß zu beruhigen, ist laut Leitlinie bisher nicht bekannt. Die Leitlinie liegt in der Version 1.1 mit Stand vom 14.01.2021 vor und war laut eigener Angabe bis zur nächsten Überarbeitung, spätestens bis Ende Juli 2025 gültig; sie ist abgelaufen. [1]
Zugelassen sind Benzodiazepine je nach Wirkstoff für unterschiedliche Anwendungsgebiete. Lorazepam etwa ist laut Fachinformation zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen und dadurch bedingten Schlafstörungen zugelassen, wenn diese Zustände schwerwiegend sind, die Betroffenen beeinträchtigen oder unzumutbar belasten, außerdem zur Beruhigung vor Untersuchungen und vor und nach Operationen. Diazepam ist unter anderem auch zur Behandlung von Zuständen mit erhöhter Muskelspannung zugelassen. Nitrazepam ist zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen von klinisch bedeutsamem Schweregrad zugelassen und zur Behandlung bestimmter Krampfanfälle im Säuglings- und Kleinkindalter (BNS-Krämpfe, West-Syndrom). Clonazepam ist nur bei Epilepsie zugelassen, als Zusatzbehandlung oder wenn andere Arzneimittel nicht wirken. Welche Anwendungsgebiete für einen Wirkstoff gelten, steht im Steckbrief seiner Seite. [2, 4, 5, 6]
Nicht alle Angst-, Spannungs- und Erregungszustände oder Schlafstörungen brauchen laut Fachinformation von Lorazepam eine Behandlung mit Medikamenten. Oft sind sie Ausdruck einer körperlichen oder seelischen Erkrankung und lassen sich mit anderen Maßnahmen oder durch die Behandlung der Grunderkrankung beheben; Angst und Anspannung durch gewöhnlichen Alltagsstress sollten normalerweise nicht mit einem Beruhigungsmittel (Tranquilizer) behandelt werden. Für die Verordnung von Benzodiazepinen verweist die S3-Leitlinie auf die 5-K-Regel der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Einsatz nur bei klarer Indikation, kleinste mögliche Dosis, kürzester möglicher Zeitraum, kein abruptes Absetzen und Beachtung der Gegenanzeigen. Mehr zu den Erkrankungen unter Angststörungen und Schlafstörungen, zur Beruhigung vor Eingriffen unter Operation und Narkose. [1, 2]
Wirkstoffe der Gruppe
Alprazolamz. B. Alprazolam-ratiopharm, TafilAngstzustände
Bromazepamz. B. Bromazanil, Bromazepam-ratiopharm, LexostadAkute und chronische Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände
Clobazamz. B. Clobazam DesitinSchwere Angstzustände (kurzfristig), Zusatzbehandlung bei Epilepsie
Clonazepamz. B. Clonazepam neuraxpharm, Antelepsin, RivotrilEpilepsie (Zusatzbehandlung oder wenn andere Mittel nicht wirken)
Diazepamz. B. Diazepam AbZ, Diazepam-ratiopharm, Diazepam STADAAngst-, Spannungs- und Erregungszustände, erhöhte Muskelspannung, vor und nach Eingriffen
Dikaliumclorazepatz. B. Tranxilium, Tranxilium TabsAngst-, Spannungs- und Erregungszustände; Vorbereitung auf Eingriffe
Flurazepamz. B. DalmadormKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen
Lorazepamz. B. Lorazepam neuraxpharm, Tavor, TolidKurzzeitbehandlung schwerer Angst-, Spannungs- und Erregungszustände; Beruhigung vor und nach Eingriffen
Medazepamz. B. RudotelSpannungs-, Erregungs- und Angstzustände
Nitrazepamz. B. Nitrazepam-neuraxpharm, Mogadan, Nitrazepam ALKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen, BNS-Krämpfe bei Säuglingen und Kleinkindern
Oxazepamz. B. durazepam 50 mg forte, Oxazepam-ratiopharmAngst-, Spannungs- und Erregungszustände, Durchschlafstörungen
Temazepamz. B. Temazep-CT, Remestan, Remestan miteKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen
Triazolamz. B. HalcionKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen, vor allem Einschlafstörungen
Die Benzodiazepine unterscheiden sich laut S3-Leitlinie darin, wie stark sie an ihre Rezeptoren binden, wie sie aufgenommen, verteilt und abgebaut werden und welche wirksamen Abbauprodukte dabei entstehen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Halbwertszeiten und eine lange, mittlere oder kurze Wirkdauer; als Beispiel für eine lange Wirkdauer nennt die Leitlinie Diazepam. [1]
Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich der Wirkstoffspiegel im Blut halbiert, nennen die Fachinformationen für jeden Wirkstoff gesondert. Für Lorazepam, das laut seiner Fachinformation zu den Benzodiazepinen mit mittellanger Halbwertszeit gehört, nennen verschiedene Studien 12 bis 16 Stunden. Bei Clonazepam beträgt die mittlere Eliminationshalbwertszeit 30 bis 40 Stunden. Bei Diazepam beträgt sie bis zu 48 Stunden, und sein wirksames Abbauprodukt N-Desmethyldiazepam hat eine Halbwertszeit von bis zu 100 Stunden. Angaben zu den übrigen Wirkstoffen stehen auf ihren Seiten. [2, 4, 5]
Alle Benzodiazepine dieser Seite stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes, der Liste der verkehrs- und verschreibungsfähigen Betäubungsmittel. Ausgenommen sind jeweils Zubereitungen, die ohne einen weiteren Stoff der Anlagen I bis III je abgeteilte Form, zum Beispiel je Tablette, bis zu einer bestimmten Menge des Wirkstoffs enthalten, bei einigen Wirkstoffen auch Tropflösungen, Sirup oder Suspensionen bis zu einem bestimmten Gehalt. Solche ausgenommenen Zubereitungen sind nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung verschreibungspflichtig; für ihre Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr gelten aber die Vorschriften des Betäubungsmittelrechts. Die Angabe für den einzelnen Wirkstoff steht in seinem Steckbrief unter "Abgabe", mehr zu Reisen unter Reisen mit Psychopharmaka. [8, 9]
Einige Benzodiazepine stehen auf dieser Website zusätzlich bei den Beruhigungsmitteln, andere bei den Schlafmitteln. Einzelne Wirkstoffe stellen die Vergleiche Lorazepam oder Diazepam, Lorazepam oder Alprazolam und Diazepam oder Oxazepam nebeneinander.
Nebenwirkungen im Vergleich
Benzodiazepine dämpfen laut Fachinformation von Lorazepam das zentrale Nervensystem abhängig von der Dosis. Nebenwirkungen sind vor allem zu Beginn der Behandlung, bei zu hoher Dosis und bei den Personengruppen zu erwarten, für die die Fachinformation besondere Vorsicht nennt, etwa Kinder, ältere Menschen und Menschen in geschwächtem Allgemeinzustand. Im weiteren Verlauf können sie von selbst oder nach einer Verringerung der Dosis wieder abklingen. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen auch Gedächtnislücken (Amnesie) und paradoxe Reaktionen, also Wirkungen entgegen der erwarteten Beruhigung wie Angst, Erregung oder aggressives Verhalten. Mit paradoxen Reaktionen muss laut Fachinformation besonders bei Kindern und älteren Menschen gerechnet werden, und treten sie auf, muss die Behandlung beendet werden. [2]
Bei älteren Menschen besteht laut Fachinformation die Gefahr einer Beruhigung oder Muskelschwäche, die zu einem erhöhten Sturzrisiko mit schwerwiegenden Folgen führen kann. Bei Menschen mit Depression muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass die depressiven Beschwerden hervortreten oder stärker werden; mehr dazu unter Worauf Sie achten sollten. [2]
Die folgende Tabelle zeigt für die Wirkstoffe, deren Wirkstoffseite die Nebenwirkungen mit Häufigkeit aufführt, jeweils die höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für einige Beschwerden. Sie ist keine Rangliste: Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde in der Behandlung beobachtet wurde, nicht, wie stark sie ist. Die Abhängigkeit steht nicht in der Tabelle; im Abhängigkeitsrisiko unterscheiden sich die Benzodiazepine laut S3-Leitlinie nur graduell, mehr unter Gewöhnung und Abhängigkeit. [1]
| Wirkstoff | Müdigkeit | Schwindel | Konzentrations- und Gedächtnisstörungen | Verwirrtheit | Muskelschwäche |
|---|---|---|---|---|---|
| Alprazolam | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Bromazepam | Häufig | Selten | Häufig | Nicht bekannt | Selten |
| Clonazepam | Häufig | Häufig | Häufig | Nicht bekannt | Häufig |
| Diazepam | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Nicht bekannt |
| Dikaliumclorazepat | Sehr häufig | Häufig | Gelegentlich | Gelegentlich | Gelegentlich |
| Flurazepam | Häufig | Häufig | Häufig | Nicht bekannt | Häufig |
| Lorazepam | Sehr häufig | Häufig | Nicht bekannt | Häufig | Häufig |
| Medazepam | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig |
| Nitrazepam | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig |
| Oxazepam | Häufig | Häufig | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt |
| Temazepam | Sehr häufig | Häufig | Gelegentlich | Häufig | Häufig |
| Triazolam | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Gelegentlich | Selten |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Nicht in der Tabelle, weil Packungsbeilage bzw. Fachinformation die Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangaben nennen: Clobazam. Die Beschwerden stehen auf der Wirkstoffseite.
Mehr zu einzelnen Beschwerden unter Müdigkeit, sexuelle Funktionsstörungen und Absetzsymptome. Was Angaben wie "häufig" oder "gelegentlich" bedeuten, zeigt der Häufigkeits-Übersetzer.
Gewöhnung und Abhängigkeit
Lorazepam hat laut Fachinformation ein primäres Abhängigkeitspotenzial. Schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer seelischen und körperlichen Abhängigkeit, und zwar auch im therapeutischen Dosisbereich. Das Risiko steigt mit der Dauer der Einnahme und der Dosis und ist höher bei Menschen, die früher Alkohol oder Arzneimittel missbraucht haben, und bei schweren Persönlichkeitsstörungen. Grundsätzlich sollten Benzodiazepine laut dieser Fachinformation nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen; eine Langzeitanwendung von Lorazepam wird nicht empfohlen. [2]
Im Abhängigkeitsrisiko unterscheiden sich die Benzodiazepine laut S3-Leitlinie nur graduell; es steigt, wenn höhere Dosen gegeben werden und wenn die Mittel über längere Zeit eingenommen werden. Gegen die beruhigende und die krampflösende Wirkung entwickelt sich laut Leitlinie rasch eine Gewöhnung (Toleranz), gegen die angstlösende Wirkung und die Gedächtnisstörung deutlich weniger. Die Leitlinie beschreibt auch eine Abhängigkeit in niedriger Dosis (Niedrigdosisabhängigkeit): eine lange fortgesetzte Einnahme meist im therapeutischen Bereich, ohne dass die Dosis steigt, sich eine Toleranz entwickelt oder die Kontrolle verloren geht, aber mit belastenden Beschwerden beim Absetzen. [1]
Lorazepam hat laut Fachinformation außerdem ein Missbrauchspotenzial; gefährdet sind vor allem Menschen, die früher Arzneimittel oder Alkohol missbraucht haben. Behandelte sollten laut Fachinformation über die sichere Aufbewahrung und die Entsorgung nicht verwendeter Tabletten aufgeklärt werden, damit niemand aus dem Umfeld das Mittel an sich nimmt. Geben Sie Lorazepam laut Packungsbeilage nicht an Familie oder Freunde weiter. Wie eine Abhängigkeit festgestellt und behandelt wird, beschreiben die Seiten Machen Psychopharmaka abhängig?, Abhängigkeit von Beruhigungs- und Schlafmitteln und Lorazepam und Abhängigkeit. [2, 3]
Wirkungseintritt und Dauer

Lorazepam wird laut Fachinformation nach der Einnahme rasch und nahezu vollständig aufgenommen; die höchsten Spiegel im Blut wurden nach 1 bis 2,5 Stunden gemessen. Wird es als Schlafmittel auf vollen Magen eingenommen, setzt die Wirkung verzögert ein, und je nach Schlafdauer ist mit stärkeren Nachwirkungen am nächsten Morgen zu rechnen. Auch bei der mittellangen Halbwertszeit von Lorazepam können bei der Anwendung als Schlafmittel Nachwirkungen am folgenden Tag ("Hang-over") auftreten, vor allem bei höherer Dosis und zu kurzem Schlaf; eine Schlafzeit von etwa 7 bis 8 Stunden muss deshalb sichergestellt sein. [2]
Grundsatz ist laut Fachinformation von Lorazepam, die Dauer der Anwendung so kurz wie möglich zu halten. Bei akuten Erkrankungen sollte sie auf einzelne Gaben oder wenige Tage beschränkt werden, bei chronischen richtet sie sich nach dem Verlauf. Eine fortgesetzte Anwendung sollte nur bei zwingendem Grund und nach sorgfältiger Abwägung des Nutzens gegen das Risiko von Gewöhnung und Abhängigkeit erfolgen. Die Abbauwege der meisten Benzodiazepine sind laut S3-Leitlinie im Alter und bei Lebererkrankungen bis auf das Fünffache verlängert; bei gleicher Dosis reichert sich der Wirkstoff dann im Körper an. Wie lange Sie behandelt werden, legen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest; mehr unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [1, 2]
Absetzen
Das Absetzen von Benzodiazepinen nach regelmäßiger, längerer Einnahme soll laut S3-Leitlinie in schrittweiser Verringerung der Dosis erfolgen, und das Ausschleichen soll zusammen mit einer geeigneten psychosozialen Maßnahme angeboten werden. Werden Benzodiazepine nach längerer regelmäßiger Einnahme, ab etwa sechs Wochen, abrupt abgesetzt, bekommt laut Leitlinie ein beträchtlicher Teil der Betroffenen leichtere Beschwerden; nur ein kleiner Teil hat schwere Symptome. Die Leitlinie unterscheidet Absetzphänomene (Rebound) wie Unruhe, Schlaflosigkeit und Ängstlichkeit, einen Rückfall in die Beschwerden, wegen derer das Mittel genommen wurde, und eigentliche Entzugssymptome, die sich zu schweren Zuständen wie Krampfanfällen, schwerer Depression, einem Delir oder Psychosen entwickeln können. Nach dem Ende der Einnahme können je nach Wirkstoff, Dosis, Alter und Leberfunktion noch mehrere Tage bis einige Wochen relevante Wirkstoffmengen im Körper sein, und es können lang anhaltende Entzugssymptome auftreten. [1]
Bei Lorazepam können laut Fachinformation schon nach wenigen Tagen täglicher Einnahme nach dem Absetzen Entzugssymptome wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen auftreten, besonders wenn plötzlich abgesetzt wird. Ein plötzliches Absetzen oder eine schnelle Verringerung der Dosis nach Langzeitanwendung kann Entzugssymptome auslösen, die lebensbedrohlich sein können. Zu den schweren Reaktionen zählt die Fachinformation Delirium tremens, Depression, Halluzinationen, Manie, Psychose, Krampfanfälle und Suizidalität, die Packungsbeilage nennt dabei ausdrücklich Suizidgedanken und Suizidversuche. Brechen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage nicht plötzlich ab, es sei denn, Sie vermuten eine schwerwiegende Nebenwirkung; dann sprechen Sie sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [2, 3]
Absetzen und Wechsel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; wie schnell abgesetzt wird, legt die Praxis mit Ihnen fest. Ausführlich: Benzodiazepine und Z-Substanzen absetzen und Absetzsymptome. Schlaf, Stimmung und Beschwerden können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten.
Worauf Sie achten sollten
Bei Menschen mit Depression kann eine Behandlung mit Benzodiazepinen laut Fachinformation von Lorazepam suizidale Tendenzen zum Vorschein bringen; sie sollte nicht ohne eine angemessene antidepressive Behandlung erfolgen. Laut Fachinformation von Diazepam sollten Benzodiazepine nicht allein zur Behandlung von Depressionen oder von Angstzuständen mit Depression angewendet werden; ohne geeignete Behandlung der Grunderkrankung mit Antidepressiva kann sich die depressive Symptomatik unter Umständen verstärken (Suizidgefahr). Gedanken an Suizid und Suizidversuche nennt die Packungsbeilage von Lorazepam unter den schwerwiegenden Nebenwirkungen, bei denen die Behandlung sofort beendet werden muss; informieren Sie dann umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und/oder wenden Sie sich an den medizinischen Notdienst. Die Fachinformation von Clonazepam berichtet von einer gemeinsamen Auswertung placebokontrollierter Studien mit Mitteln gegen Epilepsie (Metaanalyse), die ein leicht erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und suizidales Verhalten zeigte; ein erhöhtes Risiko auch für Clonazepam schließen die Daten nicht aus. Behandelten und Betreuenden sollte geraten werden, bei Anzeichen dafür medizinische Hilfe zu holen. [2, 3, 4, 5]
Wechselwirkungen und Alkohol
Mit anderen Mitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen, und mit Alkohol kann sich die dämpfende Wirkung laut Fachinformation von Lorazepam gegenseitig verstärken; genannt werden unter anderem Neuroleptika, Antidepressiva, weitere Beruhigungs- und Schlafmittel, Schmerzmittel vom Opiat-Typ, müde machende Mittel gegen Allergien und Mittel gegen Epilepsie. Zusammen mit Opioiden, also starken Schmerzmitteln, Mitteln zur Substitutionstherapie und einigen Hustenmitteln, steigt laut Packungsbeilage das Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden (Atemdepression) und Koma, und das kann lebensbedrohlich sein; die gleichzeitige Anwendung sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Alkohol ist während der Behandlung mit Lorazepam zu vermeiden, weil er dessen Wirkungen in nicht vorhersehbarer Weise verändern und verstärken kann. Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, erklärt die Seite Psychopharmaka kombinieren, zum Alkohol die Seite Psychopharmaka und Alkohol. [2, 3]
Autofahren und Maschinen
Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kann Lorazepam laut Fachinformation die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigen, verstärkt zusammen mit Alkohol. Solange sich nicht gezeigt hat, dass Ihre Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt ist, sollten Sie laut Fachinformation kein Fahrzeug führen, keine Maschinen bedienen und keine anderen gefahrvollen Tätigkeiten ausüben; die Entscheidung im Einzelfall trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach Ihrer Reaktion und der Dosierung. Laut Packungsbeilage sollten Sie besonders in den ersten Tagen der Behandlung mit einem eingeschränkten Reaktionsvermögen rechnen. Die Rechtslage beschreibt die Seite Psychopharmaka und Autofahren. [2, 3]
Kontrollen, höheres Alter und Kinder
Zu Beginn der Behandlung sollte die Ärztin oder der Arzt laut Fachinformation von Lorazepam Ihre Reaktion auf das Mittel kontrollieren. Kinder, ältere Menschen und Menschen in geschwächtem Allgemeinzustand reagieren möglicherweise empfindlicher und sollten häufiger kontrolliert werden, und ob die Behandlung weiter nötig ist, sollte häufig neu bewertet werden. Bei älteren Menschen sollte die Dosis laut Fachinformation verringert werden. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte Lorazepam außer zur Beruhigung vor Eingriffen nicht angewendet werden, und Kinder unter 6 Jahren sollten nicht mit Lorazepam behandelt werden. Clonazepam und Nitrazepam sind dagegen auch zur Behandlung bestimmter Krampfanfälle im Kindesalter zugelassen. Mehr unter Kontrollen während der Behandlung, Psychopharmaka im Alter und Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [2, 5, 6]
Schwangerschaft und Stillzeit
Während der Schwangerschaft sollte Lorazepam laut Fachinformation nicht angewendet werden, besonders im ersten und letzten Schwangerschaftsdrittel. Kinder, deren Mütter gegen Ende der Schwangerschaft regelmäßig Benzodiazepine eingenommen haben, können eine körperliche Abhängigkeit entwickeln und nach der Geburt Entzugssymptome bekommen. Wer schwanger werden möchte oder eine Schwangerschaft vermutet, sollte sich laut Fachinformation an die Ärztin oder den Arzt wenden, um über ein Absetzen der Behandlung zu entscheiden. In der Stillzeit sollte Lorazepam nicht eingenommen werden, es sei denn, der erwartete Nutzen für die Mutter überwiegt das mögliche Risiko für das Kind. [2]
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Lorazepam in der Schwangerschaft als mittel an. Wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen wie Krampfanfällen und Delirien muss laut Embryotox auf ein abruptes Absetzen in der Schwangerschaft in jedem Fall verzichtet werden. Bei der Planung einer Behandlung oder einer Schwangerschaft sollten laut Embryotox je nach Grund der Behandlung, etwa Angst, Unruhe oder Schlafstörungen, besser geeignete Psychopharmaka zum Einsatz kommen. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Allgemeines steht auf den Seiten Schwangerschaft und Stillzeit. [7]
Eine Überdosierung von Benzodiazepinen äußert sich laut Fachinformation von Lorazepam gewöhnlich durch eine Dämpfung von Benommenheit bis zum Koma. Anzeichen können unter anderem Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Gang- und Sprechstörungen und ein Blutdruckabfall sein; bei schweren Vergiftungen kann es zu einer Dämpfung von Atmung und Kreislauf und zu Bewusstlosigkeit kommen. [2]
Abgrenzung zu verwandten Gruppen
Die Z-Substanzen Zolpidem, Zopiclon und Eszopiclon sind laut S3-Leitlinie chemisch keine Benzodiazepine, binden aber an vergleichbare Stellen der GABA-A-Rezeptoren. In klinisch-pharmakologischer Hinsicht ähneln sie den Benzodiazepinen weitgehend, und bei Wirkungen, Nebenwirkungen, Anwendungsgebieten und Gegenanzeigen bestehen laut Leitlinie kaum relevante Unterschiede. Ausführlich beschreibt sie die Seite Z-Substanzen. [1]
Zur primären Behandlung von Psychosen werden Benzodiazepine laut Fachinformation von Diazepam nicht empfohlen, und zur alleinigen Behandlung von Depressionen sollten sie nicht angewendet werden. Mittel gegen diese Erkrankungen beschreiben die Seiten Antidepressiva und Antipsychotika; weitere Mittel gegen Angst, Unruhe und Schlafstörungen stellen die Seiten Beruhigungsmittel und Schlafmittel vor. [4]
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen, Langfassung, Version 1.1 (AWMF-Register-Nr. 038-025), Kapitel 3.2 (Benzodiazepine und verwandte Substanzen). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand 14.01.2021 (Version 1.1, gültig bis Ende Juli 2025, abgelaufen). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Diazepam STADA 10 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Clonazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Nitrazepam-neuraxpharm 5 mg / 10 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 06/2021. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Lorazepam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III: verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag "Betäubungsmittel, soweit sie Zubereitungen nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 des Betäubungsmittelgesetzes sind". Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
Weiterführend Schlafmittel und Benzodiazepine auf Med-Nebenwirkungen.de
Häufige Fragen
Welche Benzodiazepine gibt es?
Auf dieser Website haben 13 Benzodiazepine eine eigene Seite: Alprazolam, Bromazepam, Clobazam, Clonazepam, Diazepam, Dikaliumclorazepat, Flurazepam, Lorazepam, Medazepam, Nitrazepam, Oxazepam, Temazepam und Triazolam. Sie unterscheiden sich unter anderem in ihren Anwendungsgebieten und darin, wie lange sie im Körper bleiben. Welche Präparate es zu einem Wirkstoff gibt, steht auf seiner Seite.
Ab wann machen Benzodiazepine abhängig?
Laut Fachinformation von Lorazepam besteht schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen die Gefahr einer seelischen und körperlichen Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich; das Risiko steigt mit Dauer und Dosis. Grundsätzlich sollten Benzodiazepine laut dieser Fachinformation nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen. Die S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen beschreibt außerdem eine Abhängigkeit in niedriger Dosis, bei der die Dosis nicht steigt, das Absetzen aber belastende Beschwerden auslöst.
Welche Benzodiazepine wirken kurz und welche lang?
Unterschiedliche Abbauwege und wirksame Abbauprodukte führen laut S3-Leitlinie zu unterschiedlichen Halbwertszeiten und damit zu einer langen, mittleren oder kurzen Wirkdauer; als Beispiel für eine lange Wirkdauer nennt die Leitlinie Diazepam. Als Halbwertszeit nennen die Fachinformationen für Lorazepam Werte verschiedener Studien von 12 bis 16 Stunden, für Clonazepam im Mittel 30 bis 40 Stunden und für Diazepam bis zu 48 Stunden, für sein wirksames Abbauprodukt bis zu 100 Stunden. Lorazepam zählt seine Fachinformation zu den Benzodiazepinen mit mittellanger Halbwertszeit. Welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Gibt es eine Liste der Benzodiazepine nach Stärke?
Eine Rangliste oder Umrechnungstabelle gibt diese Seite nicht. Ob ein Wechsel auf ein anderes Benzodiazepin infrage kommt und in welcher Dosis, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; wechseln Sie nicht selbst. Unterschiede in Zulassung und Halbwertszeit stehen auf den Wirkstoffseiten und in Vergleichen wie Lorazepam oder Diazepam.
Was ist der Unterschied zwischen Benzodiazepinen und Z-Substanzen?
Z-Substanzen wie Zolpidem und Zopiclon sind laut S3-Leitlinie chemisch keine Benzodiazepine, binden aber an vergleichbare Stellen der GABA-A-Rezeptoren. In klinisch-pharmakologischer Hinsicht ähneln sie den Benzodiazepinen weitgehend; bei Wirkungen, Nebenwirkungen, Anwendungsgebieten und Gegenanzeigen bestehen laut Leitlinie kaum relevante Unterschiede. Mehr dazu auf der Seite Z-Substanzen.
Darf man Benzodiazepine und Antidepressiva zusammen nehmen?
Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Bei Menschen mit Depression sollte eine Behandlung mit Benzodiazepinen laut Fachinformation von Lorazepam nicht ohne angemessene antidepressive Behandlung erfolgen. Zugleich nennt die Fachinformation Antidepressiva unter den Mitteln, mit denen sich die dämpfende Wirkung gegenseitig verstärken kann, und beim Absetzen können Krampfanfälle häufiger auftreten, wenn Mittel eingenommen werden, die die Krampfschwelle senken, zum Beispiel Antidepressiva.
Darf man mit Benzodiazepinen Auto fahren?
Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kann Lorazepam laut Fachinformation die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr erheblich beeinträchtigen, verstärkt zusammen mit Alkohol. Die Packungsbeilage sagt: Führen Sie keine Fahrzeuge; inwieweit eine Teilnahme am Straßenverkehr möglich ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach Ihrer Reaktion und der Dosierung. Mehr unter Psychopharmaka und Autofahren.
Sind Benzodiazepine Betäubungsmittel?
Alle Benzodiazepine dieser Seite stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes. Ausgenommen sind dort Zubereitungen, die ohne einen weiteren Stoff der Anlagen I bis III je abgeteilte Form, zum Beispiel je Tablette, bis zu einer bestimmten Menge des Wirkstoffs enthalten, bei einigen Wirkstoffen auch Tropflösungen, Sirup oder Suspensionen bis zu einem bestimmten Gehalt. Solche Zubereitungen sind nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung verschreibungspflichtig; für ihre Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr gilt aber das Betäubungsmittelrecht. Was für einen Wirkstoff gilt, steht im Steckbrief seiner Seite.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
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Wirkstoffgruppen SchlafmittelSchlafmittel helfen bei Ein- und Durchschlafstörungen nur vorübergehend.
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Alltag Kinder und JugendlicheNur einzelne Psychopharmaka sind für Kinder und Jugendliche zugelassen.