Behandlung

Ein Psychopharmakon wechseln

Ob und wie ein Psychopharmakon gewechselt wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; stellen Sie nie selbst um. Spricht eine Depression nicht auf ein Antidepressivum an, kann laut Nationaler VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression nach Prüfung anderer Ursachen ein einmaliger Wechsel auf ein Antidepressivum mit anderem Wirkmechanismus angeboten werden; bei einer Schizophrenie soll laut S3-Leitlinie ein Wechsel angeboten werden, wenn das Antipsychotikum trotz ausreichender Dosis nicht anspricht und andere Ursachen ausgeschlossen sind. Beim Wechsel zu oder von MAO-Hemmern sehen die Fachinformationen Behandlungspausen vor.

Mann Mitte dreißig und eine Ärztin in den Fünfzigern sitzen sich in einer hellen Praxis an einem Holztisch gegenüber und sprechen ruhig miteinander
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Bei einem Wechsel wird ein Psychopharmakon durch ein anderes ersetzt, zum Beispiel weil das erste nicht ausreichend wirkt oder nicht gut vertragen wird. Für Antidepressiva bei einer Depression beschreibt die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression den Wechsel als eine von mehreren Möglichkeiten, wenn ein Mittel nicht anspricht [1]; für Antipsychotika bei einer Schizophrenie beschreibt die S3-Leitlinie Schizophrenie, wann ein Wechsel angeboten werden soll oder kann [3]. Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wie Ihr Wechsel im Einzelnen abläuft, legt die Praxis für Sie fest.

Wann ein Wechsel infrage kommt

Bei einer Depression soll laut NVL ab Erreichen der Standarddosis wegen der Wirklatenz mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob es bei den vereinbarten Therapiezielen eine positive Entwicklung gibt ("soll"). Spricht das Antidepressivum nicht an, sollen zuerst mögliche Ursachen geklärt und dann gemeinsam mit Ihnen über eine Anpassung der Behandlung entschieden werden ("soll"). Der Wechsel ist dabei eine von mehreren Möglichkeiten; daneben nennt die NVL unter anderem eine zusätzliche Psychotherapie, eine Wirkungsverstärkung mit Lithium oder bestimmten Antipsychotika und bestimmte Kombinationen mit einem zweiten Antidepressivum [1]. Was die Leitlinie in dieser Lage im Einzelnen vorsieht, steht unter Wenn ein Antidepressivum nicht wirkt.

Bei einer Schizophrenie soll laut S3-Leitlinie nach zwei bis vier Wochen mit einer geeigneten Skala oder einer klinischen Verlaufsbeurteilung geprüft werden, ob die Behandlung anspricht ("soll"). Bleibt das Ansprechen trotz ausreichender Dosierung aus und sind andere Ursachen ausgeschlossen, soll ein Wechsel auf ein anderes Antipsychotikum angeboten werden ("soll"). Aus pragmatischen Gründen hat sich laut Leitlinie durchgesetzt, dann ein Mittel mit einem anderen Rezeptorbindungsprofil zu wählen [3].

Wirkt ein Antipsychotikum ausreichend, wird aber nicht gut vertragen, kann laut S3-Leitlinie schon vorzeitig ein Wechsel auf ein Mittel mit anderem Nebenwirkungsprofil angeboten werden ("kann"). Bei Nebenwirkungen eines Antipsychotikums soll laut S3-Leitlinie je nach ihrer Schwere nach Abwägung von Nutzen und Risiken eine Anpassung oder Verringerung der Dosis, eine Umstellung auf ein anderes Präparat oder das Absetzen angeboten werden ("soll") [3]. Soll ein Antidepressivum wegen gefährlicher oder stark belastender Nebenwirkungen abgesetzt werden, soll das laut NVL rasch oder abrupt geschehen ("soll") [1]. Melden Sie sich bei solchen Beschwerden umgehend in der Praxis.

Kommt es unter einem Antipsychotikum zu einer Gewichtszunahme, nennt die S3-Leitlinie den Wechsel auf ein Mittel, das eher weniger zu Gewichtszunahme führt, als Möglichkeit. Vorher sollten nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Diätberatung, Psychoedukation und Programme zur Veränderung des Lebensstils zum Einsatz kommen. Bei jedem Wechsel ist laut Leitlinie die Gefahr zu beachten, dass sich die psychischen Beschwerden verschlechtern, vor allem beim Wechsel weg von Clozapin oder Olanzapin [3]. Mehr unter Gewichtszunahme. Bestehen bei einer Schizophrenie depressive Beschwerden, die sich nicht durch andere Ursachen erklären lassen, sollen laut S3-Leitlinie zunächst eine Optimierung der antipsychotischen Behandlung und gegebenenfalls eine Umstellung auf ein Mittel mit höherer antidepressiver Wirkkomponente angeboten werden ("soll") [3].

Was vor einem Wechsel geprüft wird

Spricht eine Depression nach 4 Wochen nicht auf ein einzelnes Antidepressivum an, sollen laut NVL zunächst die Ursachen dafür geklärt werden ("soll"). Dazu gehören laut Leitlinie insbesondere eine falsche Diagnose, eine nicht ausreichende Mitarbeit, eine nicht angemessene Dosis und ein zu niedriger Blutspiegel sowie körperliche und psychische Begleiterkrankungen und andere Medikamente, die eine Depression fördern können. Vor jedem Wechsel der Strategie hält die NVL eine erneute Prüfung solcher behebbaren Ursachen für notwendig, damit eine möglicherweise wirksame Behandlung nicht grundlos abgebrochen wird [1].

Nehmen Sie das Mittel regelmäßig ein und lassen sich Begleiterkrankungen weitgehend ausschließen, sollte laut NVL bei Antidepressiva, für die das gut etabliert ist, der Blutspiegel bestimmt werden ("sollte"). Liegt er außerhalb des therapeutischen Bereichs, sollen Maßnahmen folgen ("soll"), zum Beispiel die regelmäßige Einnahme erneut besprechen oder Substanzen prüfen und gegebenenfalls absetzen, die den Spiegel beeinflussen. Zu niedrige Spiegel können laut NVL zum Beispiel mit Rauchen, Ginkgo oder Johanniskraut zusammenhängen, zu hohe mit Grapefruit in der Ernährung. Solche Messungen können laut Leitlinie helfen, unnötige Therapiewechsel zu vermeiden [1]. Je nach Ergebnis kann die Ärztin oder der Arzt laut Patientenleitlinie die Dosis erhöhen oder verringern [2]. Mehr unter Medikamentenspiegel.

Bei einer Schizophrenie sollen laut S3-Leitlinie bei unzureichendem Ansprechen trotz ausreichender Behandlungsdauer zuerst die Diagnose, psychische und körperliche Begleiterkrankungen, die regelmäßige Einnahme, der Gebrauch von Alkohol, Cannabis oder anderen Substanzen, belastende Nebenwirkungen, die tatsächlich wirksame Dosis einschließlich Blutspiegel und Prüfung von Wechselwirkungen, Umweltfaktoren wie Stress und die tatsächliche Behandlungsdauer geprüft werden. Diese Ursachen sollen untersucht und gegebenenfalls angegangen werden, bevor ein Medikamentenwechsel angeboten wird ("soll") [3].

Wechsel zwischen Antidepressiva

Spricht eine Depression nicht auf ein einzelnes Antidepressivum an, kann laut NVL ein einmaliger Wechsel auf ein Antidepressivum mit anderem Wirkmechanismus angeboten werden ("kann"). Pharmakologische Überlegungen sprechen laut Leitlinie für einen Wechsel, besonders der Wirkstoffgruppe; die Studien sprechen aber gegen seine Wirksamkeit, wenn auch bei sehr niedriger Aussagesicherheit. Die NVL ordnet den Wechsel deshalb den anderen Möglichkeiten nach. Ein einmaliger Wechsel erscheint ihr vertretbar, mehrere Antidepressiva nacheinander auszuprobieren dagegen nicht; dieses Vorgehen hält die Leitliniengruppe angesichts anderer, durch Studien gestützter Möglichkeiten für unethisch [1]. Aus pharmakologischer Sicht erscheint ein Wechsel laut NVL nur sinnvoll, wenn sich das neue Mittel im Wirkmechanismus vom alten unterscheidet; als Beispiel nennt sie den Wechsel von einem SSRI, einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, auf ein Antidepressivum mit dämpfender Wirkung bei Schlafstörungen [1]. Mehr unter SSRI.

Die Patientenleitlinie fasst es so zusammen: Ein solcher Tausch sollte höchstens einmal stattfinden, weil fast alle Antidepressiva eine ähnliche Wirkung im Gehirn entfalten [2].

Beim Wechsel zwischen Antidepressiva sollten laut NVL wegen möglicher Wechselwirkungen das neue Mittel schrittweise aufdosiert und das alte ausschleichend abgesetzt werden ("sollte"). Die Leitlinie hat diese Empfehlung abgeschwächt, weil nicht bei allen Antidepressiva ein Ausschleichen notwendig ist und weil bei Unverträglichkeit ein sofortiges Absetzen notwendig sein kann [1]. Mit Absetzsymptomen rechnet die NVL erst nach einer mindestens achtwöchigen Behandlung; wirkt ein Antidepressivum nach 3 bis 4 Wochen in der Standarddosis nicht, hält sie keine besondere Absetzstrategie für nötig. Bei einem Therapieversagen, nach dem in der Regel eine neue Behandlung beginnt, erscheint ihr aus praktischen Gründen ein eher kurzer Zeitraum zum Ausschleichen sinnvoll, ein abruptes Absetzen aber zu riskant [1]. Mehr zu möglichen Beschwerden unter Antidepressiva absetzen und Absetzsymptome.

Zur Vorsicht rät die Fachinformation von Sertralin besonders bei einer Umstellung von lang wirkenden Mitteln wie Fluoxetin: Zum besten Zeitpunkt einer Umstellung auf Sertralin liegen nur begrenzt Daten aus kontrollierten Studien vor, deshalb sollte sie mit Vorsicht und nach sorgfältigem ärztlichem Ermessen erfolgen [7]. Fluoxetin und sein wirksames Abbauprodukt Norfluoxetin haben laut Fachinformation so lange Halbwertszeiten, dass noch Wochen nach dem Absetzen wirksame Substanz im Körper ist [6]. Mehr unter Fluoxetin und Halbwertszeit.

Wechsel zu oder von MAO-Hemmern

Tranylcypromin hemmt laut Fachinformation das Enzym Monoaminoxidase und verhindert so, dass Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin abgebaut werden [4]. Beim Wechsel von einem Antidepressivum auf ein anderes sind laut NVL die Gegenanzeigen und die Empfehlungen zu Therapiepausen aus den jeweiligen Fachinformationen zu beachten, insbesondere bei der Umstellung auf den MAO-Hemmer Tranylcypromin. Ein überlappender Wechsel ist hier laut NVL zu vermeiden, weil die Kombination mit bestimmten Antidepressiva wegen der Gefahr eines serotonergen Syndroms nicht angewendet werden darf. Vorsichtshalber soll deshalb ein Abstand eingehalten werden, der sich nach der Halbwertszeit des vorherigen Wirkstoffs richtet ("soll"); für die Umstellung von Fluoxetin auf Tranylcypromin nennt die NVL eine eigene Therapiepause [1].

Die Fachinformation von Tranylcypromin schreibt vor, dass beim Übergang von bestimmten Arzneimitteln auf Tranylcypromin und ebenso im umgekehrten Fall eine Behandlungspause einzulegen ist. Nicht gemeinsam mit Tranylcypromin eingenommen werden dürfen unter anderem alle SSRI, Clomipramin, Venlafaxin, Duloxetin und Milnacipran, weil ein Serotonin-Syndrom mit Beschwerden wie Bluthochdruck, Reizbarkeit und Überwärmung des Körpers ausgelöst werden kann, das lebensbedrohlich sein kann. Diese Wechselwirkungen gelten laut Fachinformation auch, wenn die Mittel nur kurzfristig angewendet werden. Eine besondere Diät mit wenig Tyramin ist schon vor Beginn, während und noch eine Zeit nach dem Ende der Behandlung einzuhalten [4]. Mehr unter Tranylcypromin und Serotonin-Syndrom.

Für den Wechsel von anderen Antidepressiva auf Moclobemid empfiehlt dessen Fachinformation eine Auswaschphase, deren Dauer von der Halbwertszeit des zuvor eingenommenen Antidepressivums abhängt, und nach einem irreversiblen MAO-Hemmer wie Tranylcypromin ein freies Intervall. Für den umgekehrten Weg von Moclobemid auf andere Antidepressiva macht die Fachinformation eigene Angaben [5]. Mehr unter Moclobemid.

Auch die Fachinformationen anderer Antidepressiva nennen Mindestabstände zu MAO-Hemmern, und zwar in beide Richtungen, zum Beispiel die von Citalopram, Fluoxetin, Sertralin, Venlafaxin und Mirtazapin [6, 7, 8, 9, 10]. Methylphenidat, ein Mittel gegen ADHS, darf laut Fachinformation nicht während einer Behandlung mit nicht selektiven, irreversiblen MAO-Hemmern und nicht innerhalb eines festgelegten Zeitraums nach deren Absetzen angewendet werden [12]. Die genauen Zeiten stehen in der jeweiligen Fachinformation.

Wechsel zwischen Antipsychotika

Mann Ende zwanzig geht mit seiner älteren Schwester an einem sonnigen Herbstnachmittag entspannt durch einen Park und unterhält sich mit ihr
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Bei jedem Medikamentenwechsel kann es laut S3-Leitlinie Schizophrenie zu einer Verschlechterung der Beschwerden oder zu mehr Nebenwirkungen kommen. Die Leitlinie beschreibt verschiedene Wege, von einem Antipsychotikum auf ein anderes umzustellen. Für die Umstellung kann ein überlappendes Vorgehen angeboten werden ("kann"), das laut Leitlinie zumeist bevorzugt wird; ein sofortiger Austausch kann angeboten werden, wenn das bisherige Mittel wegen Nebenwirkungen sofort abgesetzt werden muss ("kann") [3].

Beim Umstellen können laut Leitlinie, vermutlich abhängig von einem veränderten Rezeptorbindungsprofil, Absetzerscheinungen auftreten, und Bewegungsstörungen können vorübergehend zunehmen. Nach plötzlichem Absetzen typischer Antipsychotika beschreibt die Leitlinie aus älteren Studien Absetzerscheinungen wie Unruhe, Unwohlsein, Schlaflosigkeit und Schweißausbrüche [3]. Mehr unter Antipsychotika absetzen und Bewegungsstörungen.

Clozapin ist laut Fachinformation unter anderem zur Behandlung einer therapieresistenten Schizophrenie zugelassen; als therapieresistent gilt dort, wer trotz angemessener Dosen von mindestens zwei verschiedenen Antipsychotika, darunter einem atypischen, über eine angemessene Dauer keine befriedigende Besserung erreicht hat. Zugelassen ist es außerdem für Menschen mit Schizophrenie, die auf andere Antipsychotika, darunter ein atypisches, mit schweren, nicht behandelbaren neurologischen Nebenwirkungen reagieren [11]. Bei gesicherter Behandlungsresistenz soll laut S3-Leitlinie nach Abwägung von Nutzen und Risiken, Aufklärung und unter Einhaltung der nötigen Begleituntersuchungen ein Behandlungsversuch mit Clozapin angeboten werden ("soll") [3].

Zum Vorgehen bei der Umstellung auf Clozapin unterscheiden sich die Quellen. Die S3-Leitlinie beschreibt ein überlappendes Vorgehen, bei dem das bisherige Mittel verringert wird, damit Clozapin langsam eindosiert werden kann ("sollte") [3]. Laut Fachinformation von Clozapin wird grundsätzlich nicht empfohlen, Clozapin mit anderen Antipsychotika zu kombinieren; nehmen Menschen schon andere Antipsychotika zum Einnehmen, wird empfohlen, diese vorher durch schrittweise Verringerung der Dosis zu beenden [11]. Wie es bei Ihnen gemacht wird, entscheidet die Praxis. Mehr unter Clozapin.

Soll auf die Depotform eines Antipsychotikums umgestellt werden, sollte laut S3-Leitlinie vorher in einer mindestens mehrwöchigen Behandlung mit der Form zum Einnehmen desselben Mittels sichergestellt sein, dass es wirkt und vertragen wird ("sollte") [3]. Mehr unter Depot-Antipsychotika.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Laut Fachinformation von Venlafaxin wurden Suizidgedanken und Aggressionen bei Änderungen der Dosierung beobachtet, auch während des Absetzens; bei einer Verringerung der Dosis oder beim Absetzen sollten Patientinnen und Patienten engmaschig überwacht werden [9]. Die Fachinformationen von Antidepressiva wie Sertralin, Citalopram, Mirtazapin und Tranylcypromin sehen eine engmaschige Überwachung vor, insbesondere zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen. Betroffene und ihre Betreuungspersonen sind laut Fachinformation darauf hinzuweisen, auf jede Verschlechterung, auf Suizidgedanken und auf ungewöhnliche Verhaltensänderungen zu achten, und sollten dann unverzüglich ärztlichen Rat einholen [4, 7, 8, 10]. Bei einer Schizophrenie kann es laut S3-Leitlinie bei jedem Medikamentenwechsel zu einer Verschlechterung kommen [3].

Zeichen eines Serotonin-Syndroms sind laut Fachinformation von Sertralin unter anderem Erregtheit, Verwirrtheit, starkes Schwitzen, Durchfall, Fieber, Bluthochdruck, Muskelsteifigkeit und Herzrasen; in einigen Fällen traten sie zusammen mit anderen serotonergen Mitteln auf [7].

Was Sie selbst tun können

  • Sprechen Sie Zweifel an Ihrem Mittel oder belastende Nebenwirkungen in der Praxis an, statt es wegzulassen. Wirkt bei einer Depression das Antidepressivum nicht, soll die Ärztin oder der Arzt laut Patientenleitlinie die Möglichkeiten mit Ihnen besprechen und das weitere Vorgehen gemeinsam mit Ihnen entscheiden [2]. Dabei helfen die Fragen fürs Arztgespräch.
  • Fragen Sie, wie die Umstellung bei Ihnen abläuft: wann das alte Mittel verringert wird, wann das neue beginnt, auf welche Beschwerden Sie achten sollen und wann der nächste Termin ist.
  • Bringen Sie eine Liste aller Medikamente mit, auch der rezeptfreien, der pflanzlichen und der Nahrungsergänzungsmittel; die Patientenleitlinie hält das für sinnvoll, weil es zu Wechselwirkungen kommen kann, wenn bestimmte Medikamente und Antidepressiva gleichzeitig eingenommen werden [2]. Beim Aufschreiben hilft der Medikationsplan.
  • Welche Wechselwirkungen die Fachinformation eines Mittels nennt, steht auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel unter Sertralin: Wechselwirkungen, Tranylcypromin: Wechselwirkungen oder Moclobemid: Wechselwirkungen.

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
  3. Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Tranylcypromin neuraxpharm 10 mg, 20 mg und 40 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2021. abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Moclobemid-neuraxpharm 150 mg und 300 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2015. abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Citalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  10. Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
  11. Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Wie oft kann man ein Antidepressivum wechseln?

Laut NVL Unipolare Depression kann bei einer Depression, die nicht auf ein Antidepressivum anspricht, ein einmaliger Wechsel auf ein Mittel mit anderem Wirkmechanismus angeboten werden, und zwar höchstens einmal in derselben depressiven Episode. Mehrere Antidepressiva nacheinander auszuprobieren, hält die Leitliniengruppe nicht für vertretbar; sie nennt andere Möglichkeiten wie eine zusätzliche Psychotherapie oder eine Wirkungsverstärkung. Auch die Patientenleitlinie schreibt, ein solcher Tausch sollte höchstens einmal stattfinden.

Muss das alte Antidepressivum vor dem Wechsel ausgeschlichen werden?

Beim Wechsel zwischen Antidepressiva sollten laut NVL wegen möglicher Wechselwirkungen das neue Mittel schrittweise aufdosiert und das alte ausschleichend abgesetzt werden. Die Leitlinie schränkt ein, dass nicht bei allen Antidepressiva ein Ausschleichen notwendig ist und bei Unverträglichkeit ein sofortiges Absetzen nötig sein kann. Wie es bei Ihnen gemacht wird, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Warum braucht es beim Wechsel auf einen MAO-Hemmer eine Pause?

Bestimmte Antidepressiva wie SSRI, Venlafaxin oder Duloxetin dürfen laut Fachinformation nicht zusammen mit dem MAO-Hemmer Tranylcypromin eingenommen werden, weil ein Serotonin-Syndrom ausgelöst werden kann, das lebensbedrohlich sein kann. Die Fachinformation schreibt beim Übergang auf Tranylcypromin und im umgekehrten Fall eine Behandlungspause vor, und laut NVL ist ein überlappender Wechsel zu vermeiden. Wie lange die Pause dauert, richtet sich nach dem vorherigen Wirkstoff und wird ärztlich festgelegt.

Wann werden Antipsychotika umgestellt?

Bei einer Schizophrenie soll laut S3-Leitlinie ein Wechsel auf ein anderes Antipsychotikum angeboten werden, wenn die Behandlung trotz ausreichender Dosierung nicht anspricht und andere Ursachen wie eine unregelmäßige Einnahme oder Substanzgebrauch ausgeschlossen sind. Wirkt das Mittel ausreichend, wird aber nicht gut vertragen, kann schon früher ein Wechsel auf ein Mittel mit anderem Nebenwirkungsprofil angeboten werden. Bei gesicherter Behandlungsresistenz soll ein Behandlungsversuch mit Clozapin angeboten werden.

Kann es mir nach einem Wechsel zunächst schlechter gehen?

Das ist möglich. Bei jedem Medikamentenwechsel kann es laut S3-Leitlinie Schizophrenie zu einer Verschlechterung der Beschwerden oder zu mehr Nebenwirkungen kommen, und beim Umstellen von Antidepressiva können Absetzsymptome auftreten. Laut Fachinformation von Venlafaxin wurden bei Änderungen der Dosierung auch Suizidgedanken beobachtet. Melden Sie Veränderungen deshalb in der Praxis und holen Sie sich bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, sofort Hilfe.

Kann ich selbst auf ein anderes Mittel umsteigen?

Nein. Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, denn je nach Mittel sind laut Fachinformation Pausen, ein schrittweises Vorgehen oder Wechselwirkungen zu beachten. Laut Patientenleitlinie sollten Sie die Dosis eines Antidepressivums auf keinen Fall eigenständig verändern. Sprechen Sie Zweifel an Ihrem Mittel beim nächsten Termin an.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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