MedikamenteWirkstoff

Tranylcypromin

Tranylcypromin ist ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum aus der Gruppe der MAO-Hemmer; bekannt ist es unter anderem als Jatrosom. Es ist bei depressiven Episoden zugelassen und sollte laut Fachinformation als Reservemittel angewendet werden, wenn zwei Standard-Antidepressiva nicht ausreichend geholfen haben, nicht vertragen werden oder nicht angewendet werden dürfen. Von 1 Tag vor bis 14 Tage nach der Behandlung gilt eine tyraminarme Diät, weil tyraminreiche Lebensmittel eine Blutdruckkrise auslösen können; bei Gedanken, sich selbst zu verletzen, brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Frau in den Fünfzigern mit kurzen rotbraunen Haaren wäscht in einer hellen Küche frisches Gemüse und Kräuter in einem Sieb
Bild: KI-generiert

Wofür wird Tranylcypromin eingesetzt?

Tranylcypromin ist zur Behandlung depressiver Episoden (Episoden einer Major Depression) zugelassen. Laut Fachinformation sollte es als Reserveantidepressivum angewendet werden, also wenn eine angemessene Behandlung mit zwei antidepressiven Standardwirkstoffen (einschließlich trizyklischer Antidepressiva) keinen ausreichenden Erfolg gebracht hat oder wenn solche Wirkstoffe nicht angewendet werden dürfen oder nicht vertragen werden. [1]

Tranylcypromin ist verschreibungspflichtig; bei Kindern und Jugendlichen darf es nicht angewendet werden. Die NVL Unipolare Depression nennt zwei in Deutschland zugelassene MAO-Hemmer: Moclobemid, das umkehrbar nur die MAO-A hemmt, und Tranylcypromin, das beide Unterformen der Monoaminoxidase nicht umkehrbar hemmt. Mehr zur Erkrankung und zu den Möglichkeiten, wenn eine Behandlung nicht ausreichend hilft, lesen Sie auf den Seiten Depression und Wenn Antidepressiva nicht wirken. [1, 3, 4, 14]

Wie wirkt Tranylcypromin?

Nervenzellen geben Signale über Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin weiter, und das Enzym Monoaminoxidase (MAO) macht diese Botenstoffe unwirksam. Tranylcypromin hemmt beide Unterformen des Enzyms, MAO-A und MAO-B, nicht selektiv und nicht umkehrbar (irreversibel). Die Hemmung setzt innerhalb von zwei Stunden nach der Einnahme ein; dadurch steht im Gehirn mehr von diesen Botenstoffen zur Verfügung. Wie die antidepressive Wirkung genau zustande kommt, ist laut Fachinformation nicht vollständig geklärt. [1]

Laut Fachinformation wirkt Tranylcypromin schnell, innerhalb von 2 bis 8 Tagen, stark antriebssteigernd und aktivierend; die stimmungsaufhellende Wirkung entwickelt sich langsamer. Dasselbe Enzymsystem braucht der Körper, um biogene Amine wie Tyramin aus der Nahrung unschädlich zu machen. Deshalb gelten während der Behandlung besondere Ernährungsvorschriften, die im Abschnitt Diät und Alltag stehen. Einen Überblick über die Gruppe gibt die Seite MAO-Hemmer. [1, 4]

Tranylcypromin wird schnell aufgenommen; der höchste Blutspiegel ist 0,5 bis 3,5 Stunden nach der Einnahme zu erwarten. In einer Studie nach einer einzelnen Gabe lag die Halbwertszeit bei etwa 2,5 Stunden. Obwohl Wirkstoff und Abbauprodukte innerhalb von 24 Stunden nach der letzten Einnahme ausgeschieden sind, dauert es laut Fachinformation wegen der nicht umkehrbaren Hemmung 3 bis 5 Tage, bis die Monoaminoxidase wieder ihre volle Aktivität hat. Die NVL beschreibt, dass der Körper nach dem Absetzen zunächst neue MAO bilden muss, bis die Wirkung abklingt, und nennt dafür mindestens zwei Wochen. [1, 14]

Wann wirkt Tranylcypromin und wie lange wird behandelt?

Den Antrieb steigert Tranylcypromin früher, als sich die Stimmung aufhellt; mit der stimmungsaufhellenden Wirkung ist laut Fach- und Gebrauchsinformation in der Regel erst nach 1 bis 3 Wochen zu rechnen; Abschnitt 5.1 der Fachinformation nennt dafür etwa 3 bis 5 Wochen. [1, 4]

Nach Rückbildung der depressiven Beschwerden sollte die Behandlung laut Fachinformation 4 bis 6 Monate weitergeführt werden, eventuell mit einer verringerten Dosis. Die NVL Unipolare Depression von 2023 sagt für Antidepressiva allgemein etwas anderes: Die Einnahme soll 6 bis 12 Monate über das Abklingen der Episode hinaus in gleicher Dosis empfohlen werden, und nach 2 bis 3 oder mehr Episoden mit bedeutsamen Einschränkungen in den letzten 5 Jahren sollte sie mindestens 2 Jahre lang empfohlen werden. Die Fachinformation nennt die Rückfallvorbeugung nicht als eigenes Anwendungsgebiet. Wie lange Sie Tranylcypromin nehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen fest; mehr dazu auf den Seiten Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen?. [1, 14]

  1. BeginnDie Behandlung beginnt am Morgen mit der Anfangsdosis, die dann je nach Wirkung und Verträglichkeit schrittweise gesteigert werden kann. Vor allem zu Beginn ist sehr häufig mit Schlafstörungen, niedrigem Blutdruck und Blutdruckabfall beim Aufstehen zu rechnen. Das Suizidrisiko kann zu Beginn einer Behandlung ansteigen; Patientinnen und Patienten sollten bis zur Besserung engmaschig überwacht werden. Zu Beginn sollten Sie kein Fahrzeug führen.[1, 4]
  2. Erste WirkungMit dem Einsetzen der stimmungsaufhellenden und depressionslösenden Wirkung ist laut Fachinformation und Packungsbeilage in der Regel erst nach 1 bis 3 Wochen zu rechnen; Abschnitt 5.1 der Fachinformation nennt dafür etwa 3 bis 5 Wochen. Die mittlere Dauer vom Beginn der Behandlung bis zum Rückgang der Beschwerden beträgt im Allgemeinen mindestens 4 bis 6 Wochen.[1, 4]
  3. ErhaltungNach Rückbildung der depressiven Beschwerden sollte die Behandlung 4 bis 6 Monate weitergeführt werden, eventuell mit verringerter Dosis.[1]
  4. AbsetzenEine längerfristige Behandlung sollte nicht plötzlich beendet werden, gegebenenfalls mit langsam verringerter Dosis. Die Monoaminoxidase arbeitet erst 3 bis 5 Tage nach der letzten Einnahme wieder voll; die Ernährungsvorschriften gelten bis 14 Tage nach dem Ende.[1]

Nebenwirkungen im Blick

Besonders zu Beginn der Behandlung ist laut Fach- und Gebrauchsinformation mit Schlafstörungen, niedrigem Blutdruck und einem Blutdruckabfall beim Aufstehen zu rechnen. Um Schlafstörungen zu vermeiden, sollte die letzte Einnahme des Tages nicht später als 15 Uhr erfolgen. [1, 4]

Außerdem nennen Fach- und Gebrauchsinformation unter anderem Müdigkeit, Gewichtszunahme und Gewichtsabnahme (mehr zur Gewichtszunahme), sexuelle Funktionsstörungen wie Orgasmus- und Erektionsstörungen, Veränderungen des Blutbilds und eine psychische Abhängigkeit; wie häufig sie sind, zeigen die Übersicht und die Liste. Zittern, Schläfrigkeit, Benommenheit, Ohrgeräusche, Übelkeit, Muskelzuckungen, Beschwerden beim Wasserlassen und einige weitere Beschwerden beschreiben die Quellen nur als Berichte ohne Häufigkeitsangabe. Sie fehlen deshalb in der Liste und stehen bei den Hinweisen zur Vorsicht. [1, 4]

Nebenwirkungen im Blick

Höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für Beschwerden, nach denen bei Psychopharmaka oft gefragt wird.

"Nicht genannt" heißt: Die Produktinformation führt die Beschwerde nicht als Nebenwirkung mit Häufigkeitsangabe auf; Hinweise ohne Häufigkeit stehen im Text der Seite. Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht. Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit.

Die folgende Liste nennt alle Nebenwirkungen, für die Fach- und Gebrauchsinformation eine Häufigkeit angeben. Für Suizidgedanken und suizidales Verhalten ist die Häufigkeit nicht bekannt; berichtet wurden sie während der Behandlung oder kurz nach ihrem Ende. Was die Angaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. [1, 4]

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • NervensystemSchlaflosigkeit, Schlafstörungen[1]
  • Gefäße und KreislaufNiedriger Blutdruck (Hypotonie), Blutdruckabfall beim Aufstehen (Orthostase-Reaktion, orthostatische Dysregulation)[1]

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • PsycheAngstzustände, Erregtheit (Agitiertheit), Unruhe[1]Mehr dazu: Unruhe und Nervosität
  • NervensystemSchwindelgefühl[1]
  • NervensystemMundtrockenheit[1]
  • NervensystemMüdigkeit[1]Mehr dazu: Müdigkeit
  • HerzHerzklopfen (Palpitationen)[1]Mehr dazu: Herzrasen
  • Gefäße und KreislaufBluthochdruck (Hypertonie)[1]
  • Allgemeine BeschwerdenGewichtszunahme, Gewichtsabnahme[1]Mehr dazu: Gewichtszunahme
  • Allgemeine BeschwerdenSchwäche[1]Mehr dazu: Schwäche (Asthenie)

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

  • Gefäße und KreislaufBlutdruckkrise (hypertensive Krise), die mit schnellem Herzschlag, Gesichtsrötung, Kopfschmerzen (besonders im Hinterkopf), Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Lichtscheu einhergehen kann; in Einzelfällen, besonders wenn die Ernährungsvorschriften nicht beachtet werden oder bei Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, kann sie zu Hirnblutungen führen[1]Mehr dazu: Herzrasen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • Blut und LymphsystemBlutarmut (Anämie), Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie, Neutropenie, Agranulozytose), Verminderung der Blutplättchen (Thrombopenie)[1]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • PsychePsychische Abhängigkeit[1]Mehr dazu: Abhängigkeit und Entzugserscheinungen
  • PsycheHalluzinationen, Verwirrtheit (laut Fachinformation selten bis sehr selten)[1]
  • NervensystemKrampfanfälle (zerebrale Krampfanfälle)[1]
  • NervensystemErkrankungen der peripheren Nerven (Polyneuropathien, laut Fachinformation selten bis sehr selten)[1]
  • AugenStörungen der Scharfeinstellung des Auges (Akkommodationsstörungen, laut Fachinformation selten bis sehr selten)[1]
  • Gefäße und KreislaufWassereinlagerungen (Ödeme)[1]
  • Magen und DarmVerstopfung, Durchfall[1]
  • Leber und GalleLeberfunktionsstörungen, Anstieg der Leberenzymaktivität (laut Fachinformation selten bis sehr selten)[1]
  • HautSchwitzen[1]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen
  • HautAllergische Hautausschläge (laut Fachinformation selten bis sehr selten)[1]
  • Muskeln, Knochen und GelenkeMuskelkrämpfe (Muskelspasmen), Muskelschmerzen[1]
  • Muskeln, Knochen und GelenkeGelenkschmerzen (laut Fachinformation selten bis sehr selten)[1]
  • Geschlechtsorgane und BrustAusbleibender Orgasmus (Anorgasmie), Erektionsstörung (erektile Impotenz), Ejakulationsstörungen[1]Mehr dazu: ErektionsstörungenOrgasmus- und Samenergussstörungen
  • Allgemeine BeschwerdenÜberwärmung des Körpers (Hyperthermie, laut Fachinformation selten bis sehr selten)[1]

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • HautHaarausfall[1]
  • Nieren und HarnwegeVerminderte Harnbildung, die dem Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) entspricht[1]Mehr dazu: Natriummangel

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • PsycheSuizidale Gedanken, suizidales Verhalten; Fälle wurden während der Behandlung mit Tranylcypromin oder kurz nach ihrem Ende berichtet[1]

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Nebenwirkung bei den Behandelten insgesamt vorkam. Ob sie bei Ihnen auftritt, sagt sie nicht.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Eine Blutdruckkrise (hypertensive Krise) kann laut Fach- und Gebrauchsinformation in Einzelfällen zu Blutungen im Schädelinneren führen, besonders wenn die Ernährungsvorschriften nicht beachtet werden oder bei Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Bei Kopfschmerzen im Hinterkopf, Nackensteifigkeit, schnellem Herzschlag, Gesichtsrötung, Übelkeit, Erbrechen oder Lichtscheu brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe. [1, 4]

Zu Beginn einer Behandlung kann das Suizidrisiko laut Fachinformation ansteigen. Die Packungsbeilage rät, einer Freundin, einem Freund oder Verwandten von der Depression zu erzählen und sie zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sie den Eindruck haben, dass sich die Depression verschlimmert, oder wenn sie sich Sorgen über Veränderungen in Ihrem Verhalten machen. [1, 4]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann in den Sechzigern mit grauem Bart sitzt mit seiner Frau auf einer sonnigen Gartenterrasse und unterhält sich bei einer Tasse Kaffee
Bild: KI-generiert

Brechen Sie die Behandlung nicht ohne ärztlichen Rat ab und ändern Sie die Dosis nicht selbst; darauf weist die Packungsbeilage hin. Einige Hinweise aus Fach- und Gebrauchsinformation dienen dazu, Beschwerden und Risiken zu vermeiden: [4]

  • Halten Sie die tyraminarme Diät von 1 Tag vor bis 14 Tage nach der Behandlung ein, unabhängig von der Dosis, und trinken Sie während der Behandlung keinen Alkohol. [1, 4]
  • Nehmen Sie die letzte Tablette des Tages nicht später als 15 Uhr ein, um Schlafstörungen zu vermeiden. [1, 4]
  • Wenn Sie Diabetes haben, informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt: Der Blutzucker kann laut Packungsbeilage absinken, die Dosis von Insulin oder Diabetesmitteln zum Einnehmen muss dann angepasst werden, und die Blutzuckerwerte sollten öfter kontrolliert werden. [1, 4]
  • Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Apotheke über alle anderen Arzneimittel. Bestimmte Mittel, die den Blutdruck steigern und nicht mit Tranylcypromin eingenommen werden dürfen, können auch in Nasen-, Husten- oder Grippemitteln und in Appetitzüglern enthalten sein. [4]
  • Weisen Sie vor einer Operation die Narkoseärztin oder den Narkosearzt auf die Behandlung hin. [4]

Einen Überblick über alle Mittel, die Sie nehmen, gibt der Medikationsplan. Beschwerden und Stimmung können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten; die Fragen fürs Arztgespräch helfen bei der Vorbereitung auf den nächsten Termin.

Kontrollen während der Behandlung

Tranylcypromin kann den Blutdruck senken, aber auch erhöhen. Regelmäßige Blutdruckkontrollen sieht die Fachinformation vor, wenn der Blutdruck schon erhöht oder zu niedrig ist, wenn ein erhöhtes Risiko für Blutdruckanstiege besteht und bei älteren Menschen während der Dosissteigerung. Bei Diabetes kann der Blutzucker absinken. [1, 4]

Kontrolluntersuchungen bei Tranylcypromin
UntersuchungWann oder warum
BlutdruckRegelmäßig bei erhöhtem oder erniedrigtem Blutdruck und bei erhöhtem Risiko für Blutdruckanstiege (zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion); bei älteren Menschen regelmäßig während der Dosissteigerung[1]
NierenfunktionSorgfältige Überwachung bei eingeschränkter Nierenfunktion[1]
BlutzuckerBei Diabetes öfter, weil der Blutzucker absinken kann und die Dosis der Diabetesmittel dann angepasst werden muss[1, 4]
Engmaschige Beobachtung auf Verschlechterung, Suizidgedanken, suizidales Verhalten und ungewöhnliche VerhaltensänderungenBis zum Eintritt einer Besserung, vor allem zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen[1]

Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Wie Kontrollen bei Psychopharmaka allgemein ablaufen, beschreibt die Seite Kontrollen und Blutwerte.

Wechselwirkungen

Tranylcypromin darf laut Fachinformation nicht zusammen mit diesen Wirkstoffen eingenommen werden: Mittel mit ausgeprägter Serotonin-Wiederaufnahmehemmung (alle SSRI, Clomipramin, Venlafaxin, Duloxetin, Milnacipran, Sibutramin und Vortioxetin), L-Tryptophan, Triptane gegen Migräne, Buspiron, Imipramin, indirekte Sympathomimetika, Amphetamine, Pethidin, Tramadol, Dextromethorphan, Disulfiram sowie Levodopa, wenn es nicht mit Decarboxylasehemmern wie Benserazid oder Carbidopa kombiniert ist. Je nach Mittel drohen unter anderem ein Serotonin-Syndrom, schwere Blutdruckkrisen, ein Delir oder lebensbedrohliche Wirkungen auf das Nervensystem, die Atmung und den Kreislauf. [1, 4]

Für den Wechsel nennt die Fachinformation diese Regeln: Für bestimmte Arzneimittel ist beim Übergang auf Tranylcypromin, wie auch im umgekehrten Fall, eine Behandlungspause einzulegen. Bei Umstellung von einem nicht mit Tranylcypromin kompatiblen Arzneimittel wird vor Behandlungsbeginn eine Auswaschphase von etwa 5-facher Dauer der Halbwertszeit des Wirkstoffes und seiner aktiven Abbauprodukte empfohlen. Umgekehrt sollte nach dem Absetzen von Tranylcypromin eine 14-tägige Behandlungspause eingelegt werden, bevor eine Behandlung mit einem Arzneimittel beginnt, das mit Tranylcypromin nicht kompatibel ist. Beim Wechsel von einem anderen Antidepressivum auf Tranylcypromin sollte im Allgemeinen eine Behandlungspause von mindestens 7 Tagen eingehalten werden. Diese Wechselwirkungen gelten auch für eine nur kurzfristige Anwendung der genannten Mittel. [1]

Nach der NVL Unipolare Depression ist ein überlappender Wechsel auf Tranylcypromin zu vermeiden, und vorsichtshalber soll ein Abstand von etwa der 5-fachen Halbwertszeit des vorherigen Wirkstoffs eingehalten werden; bei einer Umstellung von Fluoxetin ist damit eine Therapiepause von 5 bis 6 Wochen nötig. Ein Wechsel geschieht immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr dazu auf der Seite Medikament wechseln. [14]

Ist eine Operation mit Narkosemitteln oder bestimmten Schmerzmitteln geplant, sollte die Ärztin oder der Arzt Tranylcypromin laut Packungsbeilage rechtzeitig vorher absetzen; die Fachinformation spricht davon, ein Absetzen in Betracht zu ziehen. Setzen Sie Tranylcypromin nicht von sich aus ab. Mehr dazu auf der Seite Operation und Narkose. Bei einer therapieresistenten Depression ist laut Fachinformation im Einzelfall eine zusätzliche Gabe zu einem trizyklischen Antidepressivum möglich, nicht aber zu Clomipramin oder gespritzten Antidepressiva; das entscheidet ausschließlich die Ärztin oder der Arzt. [1, 4]

Wechselwirkungen von Tranylcypromin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Arzneimittel mit ausgeprägter Serotonin-Wiederaufnahmehemmung: alle SSRI, Clomipramin, Venlafaxin, Duloxetin, Milnacipran, Sibutramin, Vortioxetin; außerdem Triptane gegen MigräneGefahr eines Serotonin-Syndroms mit Beschwerden wie Bluthochdruck, Reizbarkeit und Überwärmung des Körpers; ein Serotonin-Syndrom kann lebensbedrohlich sein[1, 4]Darf nicht zusammen eingenommen werden
L-TryptophanDelirante Beschwerden (Verwirrtheit) möglich[1]Darf nicht zusammen eingenommen werden
BuspironÜber einen starken Blutdruckanstieg wurde berichtet[1]Darf nicht zusammen eingenommen werden
ImipraminSchwere Nebenwirkungen wie Reizbarkeit, Koma, Überwärmung des Körpers, Krampfanfälle und starke Blutdruckschwankungen, vor allem Blutdruckanstieg[1]Darf nicht zusammen eingenommen werden
Indirekte Sympathomimetika, AmphetamineGefahr schwerer Blutdruckkrisen[1]Darf nicht zusammen eingenommen werden
Pethidin, Tramadol, DextromethorphanLebensbedrohliche Wirkungen auf das zentrale Nervensystem oder auf Atmung und Kreislauf möglich[1]Darf nicht zusammen eingenommen werden; Pethidin darf keinesfalls angewendet werden
DisulfiramDelir möglich[1]Darf nicht zusammen eingenommen werden
Levodopa ohne Decarboxylasehemmer (wie Benserazid oder Carbidopa)Gefahr einer unkontrollierten Blutdrucksteigerung[1]Darf nicht zusammen eingenommen werden
Buprenorphin (Mittel gegen starke Schmerzen)Ein Serotonin-Syndrom ist laut Packungsbeilage nicht auszuschließen[4]Vorher ärztlich besprechen; bei Zeichen eines Serotonin-Syndroms die Ärztin oder den Arzt informieren
Tegafur (Krebsmittel)Dessen Wirkung kann verringert sein[4]Gleichzeitige Behandlung vermeiden; ärztlich besprechen
Direkte SympathomimetikaDie Kombination sollte vermieden werden. Die üblicherweise niedrigen Mengen Adrenalin oder Noradrenalin in Mitteln zur örtlichen Betäubung (zum Beispiel beim Zahnarzt) oder in Augentropfen sind laut Fachinformation kein besonderes Risiko, ebenso inhalierte selektive Beta-2-Sympathomimetika[1]Kombination vermeiden; ärztlich besprechen
BupropionNebenwirkungen wie Krampfanfälle und Erregungszustände können verstärkt werden[1]Die Kombination soll unterbleiben
Blutdrucksenker (zum Beispiel Guanethidin, Methyldopa)Deren blutdrucksenkende Wirkung kann verstärkt werden; in Einzelfällen kann eine Blutdrucksteigerung mit Erregungszuständen ausgelöst werden[1]Vorher ärztlich besprechen
Insulin und Diabetesmittel zum EinnehmenDeren Wirkung kann verstärkt werden[1]Die Dosis muss möglicherweise angepasst werden; ärztlich besprechen
Zentral dämpfende Arzneimittel (Neuroleptika, Antidepressiva, Schmerzmittel, Benzodiazepine)Deren Wirkung kann verstärkt werden[1]Vorher ärztlich besprechen
NarkosemittelZum Teil schwerwiegende Wechselwirkungen (instabiler Kreislauf, komatöse Zustände) wurden berichtet; Ether sollte nicht angewendet werden, andere Inhalationsnarkotika bergen kein über das übliche hinausgehendes Risiko[1]Ein rechtzeitiges Absetzen vor einem planbaren Eingriff sollte laut Fachinformation die Ärztin oder der Arzt erwägen
Trizyklische Antidepressiva (außer Clomipramin und gespritzten Antidepressiva)Bei therapieresistenter Depression ist laut Fachinformation im Einzelfall eine zusätzliche Gabe von Tranylcypromin unter allen notwendigen Vorsichtsmaßnahmen und langsamer Dosissteigerung möglich[1]Nur nach ärztlicher Entscheidung
Wechsel von oder zu anderen ArzneimittelnVor Beginn mit Tranylcypromin wird nach einem nicht verträglichen (inkompatiblen) Arzneimittel eine Auswaschphase von etwa der 5-fachen Halbwertszeit empfohlen, nach anderen Antidepressiva im Allgemeinen eine Pause von mindestens 7 Tagen; nach dem Absetzen von Tranylcypromin 14 Tage Pause vor Beginn mit einem inkompatiblen Arzneimittel. Die Wechselwirkungen gelten auch bei nur kurzfristiger Anwendung der genannten Mittel[1]Ein Wechsel geschieht nur gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt
AlkoholAlkohol verändert und verstärkt die Wirkung von Tranylcypromin in nicht vorhersehbarer Weise, Tranylcypromin kann die Wirkung von Alkohol verstärken; durch Gärung hergestellte Getränke (Bier, Wein, Sekt, auch alkoholfrei) und hochprozentige alkoholische Getränke gehören außerdem zu den verbotenen tyraminreichen Lebensmitteln[1, 4]Während der Behandlung keinen Alkohol trinken

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wie Psychopharmaka zusammenwirken, erklärt die Seite Psychopharmaka kombinieren.

Wer Tranylcypromin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Zu den Gegenanzeigen gehören unter anderem Gefäßfehlbildungen wie Aneurysmen, Gefäßerkrankungen des Gehirns, schwere Formen von Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leberfunktionsstörungen und die gleichzeitige Einnahme der oben genannten Mittel. Kinder und Jugendliche dürfen nicht mit Tranylcypromin behandelt werden. [1, 4]

Nicht anwenden bei

  • Überempfindlichkeit gegen Tranylcypromin oder einen der sonstigen Bestandteile[1]
  • Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom), Karzinoid[1]
  • Gefäßerkrankungen des Gehirns, Gefäßfehlbildungen wie Aneurysmen[1]
  • Schwere Formen von Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen[1]
  • Leberfunktionsstörungen oder Lebererkrankungen[1]
  • Schwere Nierenfunktionsstörungen oder Nierenerkrankungen[1]
  • Porphyrie, Diabetes insipidus[1]
  • Maligne Hyperthermie, auch in der Vorgeschichte[1]
  • Akutes Delir[1]
  • Akute Vergiftung mit zentral dämpfenden Arzneimitteln (zum Beispiel Schlafmittel, Schmerzmittel und Psychopharmaka wie Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium) und Alkohol[1]
  • Gleichzeitige Anwendung von: Arzneimitteln mit ausgeprägter Serotonin-Wiederaufnahmehemmung (alle SSRI, Clomipramin, Venlafaxin, Duloxetin, Milnacipran, Sibutramin, Vortioxetin), L-Tryptophan, Triptanen, Buspiron, Imipramin, indirekten Sympathomimetika, Amphetaminen, Pethidin, Tramadol, Dextromethorphan, Disulfiram sowie Levodopa ohne Decarboxylasehemmer (wie Benserazid oder Carbidopa)[1]
  • Kinder und Jugendliche[1]

Besondere Vorsicht bei

  • Tyraminreiche Kost darf von 1 Tag vor bis 14 Tage nach der Behandlung nicht verzehrt werden (tyraminarme Diät), um Gesundheitsstörungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen und Bluthochdruck zu verhindern[1]
  • Erhöhter oder erniedrigter Blutdruck und erhöhtes Risiko für Blutdruckanstiege (zum Beispiel bei Schilddrüsenüberfunktion): nur unter regelmäßiger Kontrolle des Blutdrucks[1]
  • Drogen- oder Alkoholabhängigkeit in der Vorgeschichte: besondere Vorsicht[1]
  • Epilepsie: Tranylcypromin kann die Krampfschwelle senken und die Anfallsbereitschaft erhöhen[1]
  • Diabetes: Der Blutzucker kann absinken, die Dosis von Insulin oder Diabetesmitteln zum Einnehmen muss dann angepasst werden; die Blutzuckerwerte sollten öfter kontrolliert werden[1, 4]
  • Depressive Erkrankungen gehen mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken, selbstschädigendes Verhalten und Suizid einher, bis sich die Beschwerden deutlich bessern; das Risiko kann zu Beginn einer Behandlung steigen. Bei suizidalem Verhalten in der Vorgeschichte oder ausgeprägten Suizidabsichten vor der Behandlung ist es erhöht, ebenso bei Erwachsenen unter 25 Jahren mit psychiatrischen Erkrankungen unter Antidepressiva (Meta-Analyse im Vergleich zu Placebo). Laut Fachinformation sollten Patientinnen und Patienten deshalb bis zur Besserung engmaschig überwacht werden, besonders zu Beginn und nach Dosisanpassungen[1]
  • Eingeschränkte Nierenfunktion: sorgfältige Überwachung, weil keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen[1]
  • Ältere Menschen: Die Tagesdosis wird unter regelmäßiger Blutdruckkontrolle langsamer gesteigert und so gering wie möglich gehalten[1]
  • Geplante Operationen: Laut Fachinformation sollte vor einem planbaren Eingriff mit Narkose- oder bestimmten Schmerzmitteln rechtzeitig ein Absetzen von Tranylcypromin erwogen werden, laut Packungsbeilage sollte die Ärztin oder der Arzt Tranylcypromin rechtzeitig vorher absetzen, weil zum Teil schwerwiegende Wechselwirkungen mit Narkosemitteln (instabiler Kreislauf, komatöse Zustände) berichtet wurden. Vor Operationen die Narkoseärztin oder den Narkosearzt auf die Behandlung hinweisen und Tranylcypromin nicht von sich aus absetzen[1, 4]
  • Die Filmtabletten enthalten Lactose; bei seltener angeborener Galactose-Unverträglichkeit, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollte das Arzneimittel nicht eingenommen werden[1]
  • Weitere Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe (Berichte): Zittern, Schläfrigkeit und Benommenheit, Ohrgeräusche (Tinnitus), Übelkeit mit und ohne Erbrechen und unspezifische Magen-Darm-Beschwerden, Muskelzuckungen, Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie), Brustschmerzen, Kälteempfindungen und Erschöpfungszustände[1]

Diät, Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Schwangerschaft

Laut Fachinformation liegen keine hinreichenden Daten zur Anwendung bei Schwangeren und keine ausreichenden Tierstudien vor. Negative Auswirkungen sind wegen eines häufig gefundenen Bluthochdrucks und einer verminderten Durchblutung des Mutterkuchens möglich. Tranylcypromin sollte deshalb im ersten Schwangerschaftsdrittel nicht und im zweiten und dritten Drittel nur bei zwingender Notwendigkeit angewendet werden. Planen Sie eine Schwangerschaft oder vermuten Sie eine, teilen Sie das laut Packungsbeilage sofort Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit, damit gegebenenfalls auf ein anderes Arzneimittel umgestellt werden kann; laut Fachinformation sollten Frauen im gebärfähigen Alter darauf hingewiesen werden, sich in diesem Fall unverzüglich an ihre Ärztin oder ihren Arzt zu wenden.[1, 4]

Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit "gering" an; für eine differenzierte Risikobewertung reicht die Datenlage nicht aus. Bei Einnahme bis zur Entbindung ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht. Laut Embryotox sollte vor einer geplanten Schwangerschaft auf ein besser erprobtes Antidepressivum umgestellt werden, wenn es therapeutisch möglich ist; in der Schwangerschaft sollte eine Neueinstellung vermieden und auch bei stabiler Einstellung wenn möglich umgestellt werden. Die Schwangerschaft sollte sorgfältig gynäkologisch und psychiatrisch begleitet werden, die Entbindung in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen. Als besser geeignet nennt Embryotox Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Laut Packungsbeilage sollte Tranylcypromin in der Stillzeit nicht eingenommen werden; hält die Ärztin oder der Arzt die Anwendung für zwingend erforderlich, sollte abgestillt werden. Laut Fachinformation kann ein Risiko für das gestillte Kind nicht ausgeschlossen werden.[1, 4]

Laut Embryotox geht Tranylcypromin in die Muttermilch über, in welchem Ausmaß ist nicht bekannt; publiziert ist die Erfahrung mit einem Mutter-Kind-Paar. Weil Daten zur Pharmakokinetik und klinische Verlaufsbeobachtungen fehlen und Tranylcypromin häufig mit anderen Arzneimitteln in Wechselwirkung tritt, rät Embryotox vom Stillen unter Tranylcypromin eher ab.[2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Während der Behandlung dürfen Sie laut Packungsbeilage keinen Alkohol trinken; Alkohol verändert und verstärkt die Wirkung von Tranylcypromin in nicht vorhersehbarer Weise. Tranylcypromin kann umgekehrt die Wirkung von Alkohol verstärken. Bier, Wein und Sekt (auch alkoholfreie Sorten) sowie hochprozentige alkoholische Getränke gehören zu den Lebensmitteln, die von 1 Tag vor bis 14 Tage nach der Behandlung verboten sind.[1, 4]

Autofahren und Maschinen

Tranylcypromin hat geringen oder mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen, verstärkt zusammen mit Alkohol oder anderen auf das Nervensystem wirkenden Mitteln. Zu Beginn der Behandlung sollten Sie kein Fahrzeug führen, keine elektrischen Werkzeuge oder Maschinen bedienen und keine anderen gefährlichen Arbeiten ausführen; das weitere Vorgehen hängt von Ihrer Reaktion auf die Behandlung ab.[1]

Anwendung

Die Filmtabletten mit ausreichend Flüssigkeit, am besten einem Glas Wasser, einnehmen. Die Tagesdosis kann auf 1 bis 3 Einzeldosen verteilt werden; die letzte Einnahme des Tages sollte nicht später als 15 Uhr erfolgen, um Schlafstörungen zu vermeiden.[1]

Tyraminarme Diät laut Packungsbeilage von 1 Tag vor der Behandlung bis 14 Tage nach der letzten Einnahme, für jede Dosis: alle Lebensmittel so frisch wie möglich verwenden, nicht oder unvollständig gegarte Speisen am Tag der Zubereitung essen, geöffnete Halbkonserven und aufgetaute Tiefkühlkost sofort verbrauchen, angebrochene Vollkonserven oder vollständig gegarte Speisen höchstens 48 Stunden im Kühlschrank aufbewahren und den Kühlschrank möglichst auf unter 4 °C einstellen.[1, 4]

Laut Packungsbeilage verboten sind: salzlakengereifter Hartkäse (zum Beispiel Emmentaler, Bergkäse, Parmesan und ähnliche Schnitt- und Reibekäse aus Rohmilch), Edelschimmelkäse (zum Beispiel Roquefort, Camembert), Käse mit Schmierebildung (zum Beispiel Limburger, Butterkäse, Harzer, Handkäse), Rinder- und Geflügelleber, Nieren aller Schlacht- und Wildtiere, Suppen- und Brühwürfel, Wildfleisch und andere Fleischprodukte mit starker Alterung und strengem Geruch, hart ausgereifte Salami und ähnliche Rohwürste, Salz- und Matjeshering, Salzsardinen, Anchovis, Kaviar und ähnliche salzkonservierte rohe Produkte, kalt geräucherter Fisch, Trocken-, Stock- und Klippfisch, Dorschleber, Tintenfisch (Kalmare), Fischsoßen und asiatische Soßen, Soleier, Marmite und andere konzentrierte Hefeextrakte, Malz (Gerstenkeimlinge), reife braune Bohnen (zum Beispiel Kidneybohnen), Puff- und weiße Bohnen jeweils mit der Schote, Bohnenkeimlinge, asiatische Sojasoßen und gereifte Tofuprodukte, hochreife Bananen, Birnen und Avocados, rote Pflaumen, Feigen, Rumtopf, rohes Sauerkraut, rohe Salzgurken und Gewürzgurken aus dem Fass, Mixed Pickles, sauer eingelegte Pilze, Walnüsse, Säfte mit hohem Birnen-, Bananen- oder Pflaumenanteil, handelsüblicher Pampelmusensaft, Nektare aus Zitrusfrüchten sowie alkoholische Getränke wie Bier, Wein, Sekt, Cognac, Liköre, Weinbrände, Whiskey und Rum (Bier und Wein auch alkoholfrei).[4]

Nur in geringen Mengen erlaubt sind laut Packungsbeilage: halbfester Schnittkäse aus pasteurisierter Milch (zum Beispiel Gouda, Chester, Edamer), Mozzarella oder fetaartiger Käse aus pasteurisierter Milch mit Kuhmilchanteil, Joghurt, Kefir und ihre Zubereitungen, Speiseeis, Schweineleber, frische Knacker, luftgetrockneter und gereifter Schinken, Teewurst, Mettwurst, feine Braunschweiger, handelsübliche Fertigsoßen, Soßenpulver und Fertiggerichte mit Soße, saure Heringe, Rollmops, Heringshappen in Mayonnaise oder Gelee, Thunfischkonserven, Schokolade, schwarze Johannisbeeren, rote Trauben, nicht hochreife Bananen, Birnen oder Avocados, getrocknete Früchte, pasteurisiertes Weinsauerkraut, pasteurisierte Gewürzgurken, Jungmöhren und handelsüblicher Orangensaft. Die Höchstmengen nennt die Tabelle am Ende der Packungsbeilage; pro Mahlzeit ist höchstens eines dieser Lebensmittel zu empfehlen. Bemerken Sie nach Schokolade Beschwerden wie Kopfschmerzen, meiden Sie solche Produkte.[4]

Absetzen

Die Behandlung nicht ohne Rat der Ärztin oder des Arztes abbrechen und die Dosis nicht selbst ändern. Ein plötzliches Absetzen einer längerfristigen Behandlung sollte vermieden werden, weil Absetzbeschwerden wie Angst, Erregtheit, Unruhe, Schlafstörungen, Schwindelgefühl, Benommenheit oder Delir auftreten können. Das Beenden geschieht immer unter ärztlicher Kontrolle mit langsam verringerter Dosis. Treten nach einer Dosisverringerung oder nach dem Absetzen Absetzbeschwerden auf, der Ärztin oder dem Arzt Bescheid geben. Die Ernährungsvorschriften gelten bis 14 Tage nach dem Ende der Behandlung.[1, 4]

Überdosierung

Mögliche Anzeichen einer Überdosierung betreffen das Nervensystem (Verwirrtheit, Übererregung bis zu Krampfanfällen, Bewusstseinseintrübung bis zum Koma, Fieber und Überwärmung des Körpers), die Atmung (bis zum Atemstillstand), Herz und Kreislauf (schwere Blutdruckschwankungen, Störungen der Erregungsleitung) und die Muskulatur (schwere Muskelkrämpfe). Die Beschwerden können erst mehrere Stunden nach der Einnahme auftreten. Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen.[1]

Die Packungsbeilage erklärt die tyraminarme Diät so: Biogene Amine wie Tyramin sind natürliche Inhaltsstoffe vieler Lebensmittel, in unverarbeiteten tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln meist in sehr geringer Menge. Bestimmte Verarbeitungsverfahren wie die Gärung bei der Käseherstellung erhöhen ihren Gehalt erheblich, ebenso eine zu warme Lagerung oder Verderb. Weil Tranylcypromin die Enzyme blockiert, die diese Amine abbauen, können höhere Mengen zu Übelkeit, Erbrechen, pochenden Kopfschmerzen im Hinterkopf, Störungen des Nervensystems und vor allem zu Veränderungen des Blutdrucks bis zur Blutdruckkrise führen. [4]

Die Diät gilt für jede Dosis, von 1 Tag vor der Behandlung bis 14 Tage nach der letzten Einnahme. Am Ende der Packungsbeilage steht eine Tabelle mit verbotenen, in geringen Mengen erlaubten und erlaubten Lebensmitteln; pro Mahlzeit ist höchstens ein Lebensmittel zu empfehlen, das nur in geringen Mengen erlaubt ist. Als erlaubt führt die Tabelle unter anderem frisches Fleisch, frischen Fisch, pasteurisierte Milch, Quark und Frischkäse, Brot und Nudeln, viele Obst- und Gemüsesorten sowie Kaffee, Tee und Selters. [4]

Die Lebensmittel in der Übersicht oben folgen der Tabelle der neueren Packungsbeilage von Jatrosom (Stand Dezember 2025). Die ältere Fachinformation von Tranylcypromin neuraxpharm (Stand Dezember 2021) ordnet einzelne Lebensmittel anders ein: Sie führt zum Beispiel Schoko- und Nougateis, Bitterschokolade, handelsübliche Fertigsoßen und alkoholfreien Sekt bei den verbotenen Lebensmitteln, ebenso reife braune, Puff- und weiße Bohnen, die die Packungsbeilage nur mit der Schote verbietet. Marzipan erlaubt die Fachinformation nur in geringen Mengen, die Packungsbeilage ohne Einschränkung. Halten Sie sich an die Packungsbeilage Ihres Präparats und fragen Sie bei Unklarheiten in der Praxis oder Apotheke nach; Allgemeines zur Ernährung unter Psychopharmaka steht auf der Seite Ernährung. [1, 4]

Planen Sie eine Schwangerschaft oder vermuten Sie eine, wenden Sie sich laut Packungsbeilage sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, damit gegebenenfalls auf ein anderes Arzneimittel umgestellt werden kann. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch, Stillzeit und Psychopharmaka und Alkohol. [4]

Eine psychische Abhängigkeit ist als Nebenwirkung genannt. Wer früher Drogen oder Alkohol missbräuchlich angewendet hat, sollte laut Packungsbeilage die Ärztin oder den Arzt informieren; laut Fachinformation ist dann besondere Vorsicht geboten. Allgemeines zum Thema erklärt die Seite Abhängigkeit von Medikamenten. [1, 4]

Zur Rechtslage beim Fahren: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen, auch bei Fahrlässigkeit. Die Medikamentenklausel in § 24a Abs. 4 StVG betrifft die dort und in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Substanzen, etwa Amfetamin oder Morphin, wenn sie aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammen. Ob und wann Sie fahren, entscheidet laut Packungsbeilage die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall; mehr dazu auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [4, 11, 12, 13]

Einnahme und Absetzen

Was Fach- und Gebrauchsinformation zur Einnahme und zum Absetzen sagen, steht in der Übersicht zum Alltag. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie laut Packungsbeilage nicht die doppelte Menge ein und setzen die Einnahme zum nächsten Zeitpunkt wie verordnet fort. Beendet wird die Therapie unter ärztlicher Kontrolle mit langsam verringerter Dosis, und die Ernährungsvorschriften gelten bis 14 Tage nach der letzten Einnahme weiter. [1, 4]

Nach der NVL Unipolare Depression ist bei MAO-Hemmern ein erhöhtes Risiko für Absetzsyndrome zu erwarten. In ihrer Übersichtstabelle steht Tranylcypromin bei "unklar"; die Übersichtsarbeit, auf die sich die Tabelle stützt, hatte das Risiko als "sehr hoch" eingestuft. Schon vor Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva sollen Patientinnen und Patienten laut NVL über mögliche Absetzsymptome aufgeklärt werden. [14]

Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was beim Beenden einer Behandlung mit Antidepressiva wichtig ist, erklärt die Seite Antidepressiva absetzen; mögliche Beschwerden beschreibt Absetzsymptome. [4]

Dosierung laut Fachinformation

Die Fachinformation beschreibt Beginn und Steigerung der Dosis, eine weitere Erhöhung bei unzureichendem Ansprechen nur unter stationären Bedingungen, die Erhaltungsdosis und Besonderheiten beim Wechsel von einem anderen Antidepressivum, im Alter und bei Nieren- oder Leberstörungen. Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. [1]

Präparate mit Tranylcypromin

Präparate mit Tranylcypromin
PräparatAnbieterHinweis
JatrosomAristo Pharma GmbHFilmtabletten, verschreibungspflichtig
Tranylcypromin neuraxpharmneuraxpharm Arzneimittel GmbHFilmtabletten 10, 20 und 40 mg, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Fachinformation Tranylcypromin neuraxpharm 10 mg, 20 mg und 40 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2021. abgerufen am 22.10.2026
  2. Embryotox: Tranylcypromin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 22.10.2026
  3. Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Tranylcypromin. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 22.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Jatrosom 20 mg Filmtabletten. Aristo Pharma GmbH. Stand 12/2025. abgerufen am 22.10.2026
  5. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  6. Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  7. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  8. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF). Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Welche Lebensmittel sind bei Tranylcypromin verboten?

Von 1 Tag vor bis 14 Tage nach der Behandlung sind Lebensmittel mit viel Tyramin und anderen biogenen Aminen verboten, unabhängig von der Dosis. Dazu gehören laut Packungsbeilage unter anderem gereifte Käsesorten wie Hartkäse aus Rohmilch, Edelschimmel- und Schmierkäse, Rinder- und Geflügelleber, hart ausgereifte Salami, Salzhering und kalt geräucherter Fisch, Sojasoße, konzentrierte Hefeextrakte wie Marmite, hochreife Bananen, Birnen und Avocados, rohes Sauerkraut und alkoholische Getränke. Die vollständige Tabelle mit erlaubten und in geringen Mengen erlaubten Lebensmitteln steht am Ende der Packungsbeilage; Fragen klären Sie in der Praxis oder Apotheke.

Darf ich mit Tranylcypromin Kaffee trinken?

In der Lebensmitteltabelle der Packungsbeilage von Jatrosom stehen Kaffee, Malzkaffee, schwarzer Tee, Kräuter- und Früchtetee, Cola und Selters bei den erlaubten Getränken. Verboten sind dagegen alkoholische Getränke, Bier und Wein auch in alkoholfreier Form, sowie Säfte mit hohem Birnen-, Bananen- oder Pflaumenanteil, Pampelmusensaft und Nektare aus Zitrusfrüchten. Handelsüblicher Orangensaft ist nur in geringer Menge erlaubt, frisch gepresste Zitrussäfte stehen bei den erlaubten Getränken.

Darf ich mit Tranylcypromin Alkohol trinken?

Nein. Laut Packungsbeilage dürfen Sie während der Behandlung keinen Alkohol trinken, weil Alkohol die Wirkung von Tranylcypromin in nicht vorhersehbarer Weise verändert und verstärkt; umgekehrt kann Tranylcypromin laut Fachinformation die Wirkung von Alkohol verstärken. Bier und Wein, auch alkoholfrei, gehören außerdem zu den tyraminreichen Getränken, die bis 14 Tage nach der Behandlung verboten sind.

Welche Schmerzmittel vertragen sich nicht mit Tranylcypromin?

Pethidin und Tramadol dürfen nicht zusammen mit Tranylcypromin eingenommen werden, Pethidin darf keinesfalls angewendet werden; auch Dextromethorphan, das in Hustenmitteln enthalten ist, ist verboten. Die Wirkung von Schmerzmitteln, die beruhigend auf das Gehirn wirken, kann verstärkt werden, und bei Buprenorphin ist ein Serotonin-Syndrom nicht auszuschließen. Fragen Sie vor jedem Schmerzmittel Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Apotheke.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Ist ein Eingriff mit Narkosemitteln oder bestimmten Schmerzmitteln geplant, sollte die Ärztin oder der Arzt Tranylcypromin laut Packungsbeilage rechtzeitig vorher absetzen; die Fachinformation spricht davon, ein Absetzen in Betracht zu ziehen. Setzen Sie Tranylcypromin nicht von sich aus ab. Weisen Sie die Narkoseärztin oder den Narkosearzt auf die Behandlung hin. Die üblichen niedrigen Konzentrationen von Adrenalin in örtlichen Betäubungsmitteln, etwa beim Zahnarzt, sind laut Fachinformation kein besonderes Risiko.

Wie schnell wirkt Tranylcypromin?

Laut Fachinformation steigert Tranylcypromin schnell, innerhalb von 2 bis 8 Tagen, den Antrieb. Mit der stimmungsaufhellenden Wirkung ist in der Regel erst nach 1 bis 3 Wochen zu rechnen (Abschnitt 5.1 der Fachinformation nennt etwa 3 bis 5 Wochen), und bis die depressiven Beschwerden zurückgehen, dauert es im Allgemeinen mindestens 4 bis 6 Wochen.

Nimmt man mit Tranylcypromin zu?

Gewichtszunahme und Gewichtsabnahme gehören laut Fach- und Gebrauchsinformation zu den häufigen Nebenwirkungen; sie können also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen. Wenn sich Ihr Gewicht verändert, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie setze ich Tranylcypromin ab?

Nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ein plötzliches Absetzen einer längerfristigen Behandlung sollte vermieden werden, weil Absetzbeschwerden wie Angst, Unruhe, Schlafstörungen oder ein Delir auftreten können; beendet wird die Therapie unter ärztlicher Kontrolle mit langsam verringerter Dosis. Die tyraminarme Diät gilt bis 14 Tage nach der letzten Einnahme weiter.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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