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SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)
SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) sind Antidepressiva, die gezielt die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin in die Nervenzellen hemmen. Zur Gruppe gehören laut NVL Unipolare Depression Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin; alle werden bei Depressionen eingesetzt, einige sind zusätzlich für Angststörungen, die Zwangsstörung, die posttraumatische Belastungsstörung oder die Bulimie zugelassen. Bei einer Depression soll laut NVL ab Erreichen der Standarddosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet werden, bevor gemeinsam beurteilt wird, ob die Behandlung wirkt.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI, sind laut NVL Unipolare Depression die am meisten verordnete Gruppe von Antidepressiva bei depressiven Störungen in Deutschland. Sie setzen am Botenstoff Serotonin an, über den Nervenzellen im Gehirn Signale weitergeben: SSRI hemmen gezielt, dass Serotonin aus dem Spalt zwischen zwei Nervenzellen wieder in die Zelle aufgenommen wird, und verstärken so die Signalübertragung durch Serotonin. Zu dieser Gruppe zählt die NVL Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin. [1]
Auf andere Botenstoffsysteme wirken die einzelnen Wirkstoffe laut ihren Fachinformationen wenig: Citalopram hat praktisch keinen Einfluss auf die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin, Fluoxetin hat praktisch keine Affinität zu anderen Rezeptoren (Andockstellen für Botenstoffe), und Paroxetin bindet nur gering an bestimmte Rezeptoren für Acetylcholin. Wie Antidepressiva insgesamt wirken, erklärt die Seite Wie wirken Antidepressiva? [3, 6, 7]
Alle sechs werden bei Depressionen eingesetzt. Einige sind laut Fachinformation zusätzlich für Angststörungen, die Zwangsstörung, die posttraumatische Belastungsstörung oder die Bulimie zugelassen; welche Anwendungsgebiete gelten, hängt vom Wirkstoff und zum Teil vom einzelnen Präparat ab. [2, 3, 4, 5, 6, 7, 8]
Wofür SSRI zugelassen sind
In den Fachinformationen heißen depressive Erkrankungen meist "Episoden einer Major Depression". Die Übersicht nennt, was Abschnitt 4.1 der Fachinformation bzw. bei Fluvoxamin die Packungsbeilage als Anwendungsgebiet angibt. [2, 3, 4, 5, 6, 7, 8]
| Wirkstoff | Anwendungsgebiete bei Erwachsenen | Kinder und Jugendliche |
|---|---|---|
| Citalopram | Episoden einer Major Depression; die Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie nennt nicht jede Fachinformation (genannt in einer Fachinformation mit Stand 03/2024, nicht in der mit Stand 12/2024, auf der die Wirkstoffseite beruht) | sollte unter 18 Jahren nicht angewendet werden |
| Escitalopram | Episoden einer Major Depression, Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, soziale Angststörung (soziale Phobie), generalisierte Angststörung, Zwangsstörung | sollte unter 18 Jahren nicht angewendet werden |
| Fluoxetin | Episoden einer Major Depression, Zwangsstörung; Bulimie (eine Essstörung) als Ergänzung zu einer Psychotherapie, um Essattacken und selbst herbeigeführtes Erbrechen zu verringern | ab 8 Jahren: mittelgradige bis schwere Episoden einer Major Depression, wenn die Depression nach 4 bis 6 Sitzungen nicht auf eine psychologische Behandlung anspricht; ein Antidepressivum sollte dann nur zusammen mit einer psychologischen Behandlung gegeben werden |
| Fluvoxamin | depressive Erkrankungen (Episoden einer Major Depression); kann auch bei der Zwangsstörung eingesetzt werden | unter 18 Jahren normalerweise nicht, es sei denn zur Behandlung einer Zwangsstörung; dafür nennt die Packungsbeilage eine Dosierung ab 8 Jahren |
| Paroxetin | Episoden einer Major Depression, Zwangsstörung, Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, soziale Angststörung, generalisierte Angststörung, posttraumatische Belastungsstörung | von 7 bis 17 Jahren sollte es nicht angewendet werden; unter 7 Jahren nicht untersucht; es sollte nicht angewendet werden, solange Wirksamkeit und Sicherheit in dieser Altersgruppe nicht belegt sind |
| Sertralin | Episoden einer Major Depression und Vorbeugung erneuter Episoden (Rezidivprophylaxe), Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, Zwangsstörung, soziale Angststörung, posttraumatische Belastungsstörung | von 6 bis 17 Jahren nur bei der Zwangsstörung |
Die Vorbeugung erneuter depressiver Episoden (Rezidivprophylaxe) führt unter diesen Fachinformationen nur die von Sertralin als eigenes Anwendungsgebiet. Für Antidepressiva allgemein empfiehlt die NVL bei einer Depression, die Einnahme über das Abklingen der Beschwerden hinaus fortzusetzen (siehe Wirkungseintritt und Dauer). [1, 2, 3, 5, 6, 7]
Wirkstoffe der Gruppe
Citalopramz. B. Cipramil, Citalopram Aristo, Citalopram HEXALDepression (Episoden einer Major Depression)
Escitalopramz. B. Cipralex, Escitalopram-ratiopharm, Escitalopram STADADepression, Angststörungen, Zwangsstörung
Fluoxetinz. B. Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten, Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Hartkapseln, Fluoxetin AbZ 20 mg HartkapselnDepression, Zwangsstörung, Bulimie
Fluvoxaminz. B. Fevarin, Fluvoxamin-neuraxpharmDepression, Zwangsstörung
Paroxetinz. B. Paroxetin-ratiopharm, Paroxetin STADA, SeroxatDepressionen und Angststörungen wie Panik-, Zwangs- und soziale Angststörung
Sertralinz. B. Sertralin-ratiopharm, ZoloftDepression, Angststörungen, PTBS, Zwangsstörung
Laut Fachinformation von Citalopram ist Escitalopram das aktive Enantiomer von Citalopram, also eine der beiden spiegelbildlichen Formen des Wirkstoffs; die Unterschiede zeigt der Vergleich Citalopram oder Escitalopram. Citalopram und Escitalopram sind laut ihren Fachinformationen kontraindiziert, also nicht anzuwenden, bei bekannter Verlängerung des QT-Intervalls im EKG, bei angeborenem Long-QT-Syndrom und zusammen mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern. [3, 5]
Fluoxetin und Paroxetin sind laut ihren Fachinformationen starke Hemmer des Enzyms CYP2D6; während einer Behandlung mit Tamoxifen sollten sie möglichst vermieden werden. Fluoxetin und sein wirksames Abbauprodukt Norfluoxetin haben lange Halbwertszeiten, laut Fachinformation 4 bis 6 Tage bzw. 4 bis 16 Tage; das ist bei möglichen Wechselwirkungen zu beachten, zum Beispiel beim Umstellen auf ein anderes Antidepressivum. Fluvoxamin darf laut Packungsbeilage nicht zusammen mit Tizanidin eingenommen werden, einem Medikament, das oft zur Muskelentspannung verwendet wird. [6, 7, 8]
Bei einer Depression soll das Antidepressivum laut NVL nach dem Sicherheits- und Wechselwirkungsprofil, Ihren Wünschen, der Erfahrung der Behandelnden und weiteren Kriterien ausgewählt werden, etwa Begleiterkrankungen, anderen Medikamenten und früheren Erfahrungen mit Antidepressiva. Die Studienlage legt laut NVL eine weitgehend vergleichbare Wirksamkeit der Antidepressiva nahe. [1]
Nebenwirkungen im Vergleich
Als wichtige Nebenwirkungen der SSRI nennt die NVL in ihrer Übersicht Übelkeit, Unruhe und Antriebssteigerung, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Schwitzen, Zittern und einen Natriummangel im Blut (Hyponatriämie), bei manchen Wirkstoffen außerdem eine Verlängerung der QT-Zeit im EKG. Die Übersicht ist eine Auswahl mit Stand 2021; maßgeblich ist die aktuelle Fachinformation des Präparats. [1]
Mehrere Warnungen in der Fachinformation von Sertralin beziehen sich auf die Gruppe der SSRI. SSRI können Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen; berichtet wurden auch lang anhaltende Beschwerden, die nach dem Absetzen bestehen blieben. Unter SSRI wurde über ungewöhnliche Blutungen berichtet, etwa Blutergüsse und Blutungen im Magen-Darm-Bereich; Vorsicht ist besonders geboten zusammen mit Mitteln, die die Blutgerinnung oder die Blutplättchen beeinflussen, zum Beispiel Acetylsalicylsäure und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Ein Natriummangel kann infolge einer Behandlung mit SSRI auftreten, bei älteren Menschen kann das Risiko höher sein; Anzeichen sind unter anderem Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Verwirrtheit, Schwäche und Gleichgewichtsstörungen, die zu Stürzen führen können. [2]
Am ehesten in den ersten Behandlungswochen kann laut den Fachinformationen von Sertralin und Fluoxetin eine Akathisie auftreten, eine als quälend erlebte Ruhelosigkeit mit Bewegungsdrang, oft verbunden mit der Unfähigkeit, still zu sitzen oder still zu stehen. Mehr dazu unter Unruhe und Akathisie. [2, 6]
Die Tabelle ist keine Rangliste: Eine Häufigkeitsangabe sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde, nicht, wie stark sie ist.
| Wirkstoff | Übelkeit | Schlafstörungen | Müdigkeit | Unruhe und Nervosität | Vermehrtes Schwitzen | Weniger Lust auf Sex | Veränderte Lust auf Sex | Orgasmus- und Samenergussstörungen | Erektionsstörungen | Gewichtszunahme |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Citalopram | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig | Häufig | Selten | Häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Escitalopram | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | nicht genannt | Häufig | Häufig | Häufig |
| Fluoxetin | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | nicht genannt | Häufig | Häufig | nicht genannt |
| Fluvoxamin | nicht genannt | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | nicht genannt | nicht genannt | Gelegentlich | nicht genannt | nicht genannt |
| Paroxetin | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | nicht genannt | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig |
| Sertralin | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | nicht genannt | Sehr häufig | Häufig | Häufig |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Bei einer Depression sollen Wirkungen und typische Nebenwirkungen laut NVL aktiv erfragt werden, auch solche, die viele nicht von sich aus ansprechen, zum Beispiel sexuelle Funktionsstörungen. Mehr zu einzelnen Beschwerden: sexuelle Funktionsstörungen, Gewichtszunahme, vermehrtes Schwitzen, Natriummangel, Herz und QT-Zeit und emotionale Abstumpfung. [1]
Wirkungseintritt und Dauer

Antidepressiva brauchen laut Packungsbeilage von Sertralin einige Zeit, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger. Bei einer Depression rechnet die NVL Unipolare Depression (Version 3.2, gültig bis spätestens September 2027) ab Erreichen der Standarddosis mit einer Wirklatenz von 3 bis 4 Wochen; bei älteren Menschen kann laut NVL ein längeres Abwarten sinnvoll sein, zum Beispiel 6 Wochen. Danach soll gemeinsam beurteilt werden, ob sich die Beschwerden im Sinne der vereinbarten Ziele bessern. Bis dahin soll die Verträglichkeit sorgfältig überwacht werden, besonders auf Zeichen, die auf ein steigendes Suizidrisiko hindeuten. [1, 9]
Spricht die Behandlung an, soll laut NVL die Fortsetzung bis zum Abklingen der Episode (Remission) und danach eine Erhaltungstherapie empfohlen werden: 6 bis 12 Monate über die Remission hinaus in gleicher Dosis wie in der Akutphase. Menschen mit 2 bis 3 oder mehr depressiven Episoden und bedeutsamen Einschränkungen ihrer Funktionsfähigkeit in den letzten 5 Jahren sollte empfohlen werden, das Antidepressivum mindestens 2 Jahre lang einzunehmen. Die Packungsbeilage von Sertralin sagt, die Behandlung von Depressionen sollte üblicherweise noch 6 Monate nach der Besserung weitergeführt werden; wie lange, hängt von der Art der Erkrankung und vom Ansprechen ab. [1, 9]
Mehr dazu auf den Seiten Wann wirken Psychopharmaka?, Die ersten Wochen, Wie lange werden Psychopharmaka genommen? und Wenn ein Antidepressivum nicht wirkt.
Absetzen
Laut Fachinformation von Sertralin treten Absetzsymptome beim Beenden der Behandlung häufig auf, besonders wenn sie plötzlich abgebrochen wird. Am häufigsten berichtet werden Schwindel, Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Schlafstörungen auch mit intensiven Träumen, Erregtheit oder Angst, Übelkeit oder Erbrechen, Zittern und Kopfschmerzen. Meist sind die Beschwerden leicht bis mäßig, bei einigen Menschen können sie aber schwer sein. Sie beginnen normalerweise in den ersten Tagen nach dem Absetzen und klingen im Allgemeinen innerhalb von 2 Wochen ab; bei einigen Menschen halten sie 2 bis 3 Monate oder länger an. [2]
Die NVL beschreibt das Absetzsyndrom bei Antidepressiva als überwiegend mild und vorübergehend; je nach Halbwertszeit bildet es sich innerhalb von 2 bis 6 Wochen zurück und ist teilweise nur schwer von einem Rückfall abzugrenzen. Unter den SSRI zählt die NVL Paroxetin zu den Wirkstoffen, bei denen ein erhöhtes Risiko für Absetzsyndrome zu erwarten ist. Am Ende einer Erhaltungstherapie soll ein Antidepressivum laut NVL schrittweise abgesetzt werden. [1]
Laut den Fachinformationen von Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin und Paroxetin wurden Suizidgedanken und suizidales Verhalten während der Behandlung oder kurze Zeit nach ihrem Ende berichtet; die Packungsbeilagen von Fluvoxamin und Sertralin nennen dasselbe. [3, 5, 6, 7, 8, 9]
Ein plötzliches Absetzen sollte laut Fachinformation von Fluoxetin vermieden werden; bei Sertralin wird empfohlen, die Dosis über mehrere Wochen oder Monate schrittweise zu verringern, je nach Bedarf. Absetzen geschieht immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ausführlich: Antidepressiva absetzen und Absetzsymptome; Beschwerden und Stimmung können Sie im Stimmungstagebuch festhalten. [2, 6]
Worauf Sie achten sollten
Depressive Erkrankungen sind laut Fachinformation mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken, selbstschädigendes Verhalten und Suizid verbunden. Dieses Risiko besteht, bis sich die Beschwerden deutlich bessern, und kann zu Beginn einer Behandlung ansteigen. Eine Metaanalyse placebokontrollierter Studien bei Erwachsenen mit psychischen Erkrankungen zeigte für Menschen unter 25 Jahren, die Antidepressiva einnahmen, ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu Placebo. Laut NVL kann zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva aus der Aktivierung sowie aus Nebenwirkungen wie innerer und motorischer Unruhe, Schlafstörungen oder Angst ein erhöhtes Suizidrisiko entstehen, insbesondere bei SSRI und SNRI. Werden diese Mittel eingesetzt, ist in den ersten Behandlungswochen deshalb eine engmaschige und aktive Beobachtung auf Suizidalität notwendig. [1, 2]
Gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf, wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Laut Packungsbeilage kann es helfen, einer vertrauten Person von der Depression oder Angststörung zu erzählen und sie zu bitten, Ihnen Bescheid zu geben, wenn sie den Eindruck hat, dass sich die Beschwerden verschlimmern. [9]
Serotonin-Syndrom und Wechselwirkungen
Unter SSRI wurde laut Fachinformation über das Serotonin-Syndrom berichtet, einen potenziell lebensbedrohlichen Zustand. Das Risiko ist erhöht bei gleichzeitiger Anwendung anderer serotonerg wirkender Arzneimittel, darunter andere Antidepressiva, Amphetamine und Triptane (Mittel gegen Migräne), bei Mitteln, die den Serotoninstoffwechsel beeinträchtigen, etwa MAO-Hemmern, sowie bei Antipsychotika und Opioiden. Johanniskraut sollte zusammen mit Sertralin möglichst vermieden werden. Woran man ein Serotonin-Syndrom erkennt, beschreibt die Seite Serotonin-Syndrom. [2, 8]
Zusammen mit bestimmten MAO-Hemmern ist jedes der sechs SSRI laut Produktinformation nicht anzuwenden; für den Abstand zwischen beiden Behandlungen nennen die Fachinformationen je nach Wirkstoff eigene Fristen. Antidepressiva haben laut NVL zudem ein hohes Potenzial für Wechselwirkungen über Enzyme wie Cytochrom P450. Die NVL empfiehlt deshalb, vor Beginn mögliche Wechselwirkungen anhand der Fachinformationen oder einer Datenbank zu prüfen oder eine Apothekerin oder einen Apotheker hinzuzuziehen, besonders bei Menschen, die mehrere Medikamente nehmen. Laut Packungsbeilage von Fluvoxamin sollen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel informieren, die Sie einnehmen, auch über solche ohne Verschreibung und pflanzliche. Mehr unter Psychopharmaka kombinieren. [1, 2, 3, 5, 6, 7, 8]
Kontrollen
Bei einer Depression nennt die NVL für Antidepressiva außer den trizyklischen Kontrollen vor Beginn und im Verlauf, unter anderem von Blutbild, Nierenwerten, Leberwerten, Blutsalzen, Blutdruck, Puls und Körpergewicht; die Abstände versteht sie als Orientierungswerte. Ein EKG vor Beginn und im ersten Monat sieht sie bei Citalopram und Escitalopram vor sowie bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem Risiko dafür. Bei Diabetes kann eine Behandlung mit SSRI laut Fachinformation die Blutzuckerwerte verändern; die Dosis der Diabetesmittel muss dann möglicherweise angepasst werden. Einzelheiten: Kontrollen während der Behandlung und Psychopharmaka im Alter. [1, 2, 5]
Schwangerschaft und Stillzeit
Laut Embryotox gehören Sertralin und Citalopram, für die Embryotox den Erfahrungsumfang als sehr hoch angibt, zu den Mitteln der Wahl bei medikamentös behandlungsbedürftiger Depression in der Schwangerschaft; eine stabil eingestellte Patientin sollte ihre Medikation laut Embryotox unverändert fortsetzen. Für Escitalopram (Erfahrungsumfang mittel), Fluoxetin und Paroxetin (jeweils hoch) nennt Embryotox Sertralin und Citalopram als besser geeignete Alternativen, für Fluvoxamin (hoch) bei einer Neueinstellung. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [10, 11, 12, 13, 14, 15]
Werden SSRI bis zur Geburt eingenommen, müssen laut Embryotox Anpassungsstörungen beim Neugeborenen bedacht werden, etwa Übererregbarkeit, Zittern oder Trinkstörungen; das Neugeborene sollte in den ersten Lebenstagen beobachtet werden können, und die Entbindung sollte in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen. Laut Fachinformation können SSRI außerdem das Risiko für Blutungen nach der Geburt erhöhen. [2, 10]
Sertralin gehört laut Embryotox auch in der Stillzeit zu den Antidepressiva der Wahl. Unter Citalopram, Escitalopram, Paroxetin und Fluvoxamin darf laut Embryotox gestillt werden; bei einer Neueinstellung kann Sertralin vorgezogen werden, bei Paroxetin und Fluvoxamin sollte es vorgezogen werden. Bei Fluoxetin sollte laut Embryotox bei einer Neueinstellung ein anderes SSRI bevorzugt werden, vor allem Sertralin; unter alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes erscheint Stillen dort aber akzeptabel. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Packungsbeilage von Fluvoxamin nennt das Stillen dagegen als Grund, das Mittel nicht einzunehmen. Treten beim gestillten Kind anders nicht erklärbare Beschwerden wie Trinkschwäche oder Unruhe auf, sollte es laut Embryotox kinderärztlich vorgestellt und Embryotox zu Rate gezogen werden. Mehr: Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit. [8, 10, 11, 12, 13, 14, 15]
Kinder und Jugendliche
Laut Fachinformation zugelassen sind für Kinder und Jugendliche Fluoxetin ab 8 Jahren bei mittelgradiger bis schwerer Depression (mit den Bedingungen aus der Tabelle oben) und Sertralin von 6 bis 17 Jahren bei der Zwangsstörung. Fluvoxamin sollte laut Packungsbeilage unter 18 Jahren normalerweise nicht angewendet werden, es sei denn gegen eine Zwangsstörung, für die sie eine Dosierung ab 8 Jahren nennt. Citalopram, Escitalopram und Paroxetin sollten unter 18 Jahren laut Fachinformation nicht angewendet werden. In klinischen Studien wurden bei Kindern und Jugendlichen unter Antidepressiva suizidales Verhalten und Feindseligkeit häufiger beobachtet als unter Placebo; wird trotzdem behandelt, ist laut Fachinformation sorgfältig auf suizidale Symptome zu achten, besonders zu Beginn. Hinweise für Eltern: Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [2, 3, 5, 6, 7, 8]
Alkohol
Mehrere Fachinformationen beschreiben, dass der Wirkstoff in Untersuchungen die Wirkung von Alkohol nicht verstärkte oder keine Wechselwirkung nachgewiesen wurde. Abgeraten wird trotzdem: Bei Sertralin wird Alkohol während der Behandlung nicht empfohlen, bei Citalopram wird von der Kombination abgeraten, bei Escitalopram gilt sie als nicht ratsam, bei Fluoxetin wird geraten, keinen Alkohol zu trinken, und bei Paroxetin sollten Behandelte darauf hingewiesen werden, Alkohol generell zu vermeiden. Die Packungsbeilage von Fluvoxamin sagt: Trinken Sie keinen Alkohol, denn zusammen mit Fluvoxamin macht er müde und standunsicher. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [2, 3, 5, 6, 7, 8]
Abgrenzung zu verwandten Gruppen
SNRI wie Venlafaxin, Duloxetin und Milnacipran hemmen laut NVL gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin und zusätzlich von Noradrenalin. Trizyklische Antidepressiva hemmen in unterschiedlichem Ausmaß die Wiederaufnahme beider Botenstoffe und blockieren außerdem eine Reihe weiterer Rezeptoren, zum Beispiel für Acetylcholin und Histamin, wodurch zusätzliche Wirkungen und Nebenwirkungen entstehen. Von den weiteren Antidepressiva ist Trazodon in höherer Dosierung zusätzlich ein Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, während Tianeptin die Wiederaufnahme von Serotonin fördert. [1]
Alle Gruppen im Überblick: Antidepressiva. Zwei SSRI nebeneinander: Sertralin oder Escitalopram und Sertralin oder Fluoxetin.
Quellen
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF). Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Citalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Citalopram STADA 10 mg/20 mg/40 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Escitalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Fluvoxamin-neuraxpharm 100 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2020. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Sertralin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Citalopram. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Escitalopram. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Fluoxetin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Paroxetin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Fluvoxamin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Welche SSRI gibt es?
Die NVL Unipolare Depression zählt sechs Wirkstoffe zu den SSRI: Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin. Alle haben auf dieser Website eine eigene Seite mit Steckbrief, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen; die Liste steht im Abschnitt Wirkstoffe der Gruppe.
Was bedeutet SSRI?
SSRI steht für selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Laut NVL verstärken diese Antidepressiva die Signalübertragung durch den Botenstoff Serotonin, indem sie gezielt hemmen, dass Serotonin aus dem Spalt zwischen zwei Nervenzellen wieder aufgenommen wird.
Welche Nebenwirkungen haben SSRI?
Als wichtige Nebenwirkungen der SSRI nennt die NVL unter anderem Übelkeit, Unruhe und Antriebssteigerung, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Schwitzen, Zittern und einen Natriummangel im Blut, bei manchen Wirkstoffen auch eine Verlängerung der QT-Zeit im EKG. Wie häufig eine Beschwerde bei einem bestimmten Wirkstoff ist, zeigt die Vergleichstabelle auf dieser Seite; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Was ist der Unterschied zwischen SSRI und SNRI?
SSRI hemmen laut NVL gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin, SNRI wie Venlafaxin, Duloxetin und Milnacipran die von Serotonin und Noradrenalin. Bei den SNRI nennt die NVL zusätzlich Bluthochdruck und Mundtrockenheit als wichtige Nebenwirkungen und zum Teil ausgeprägte Absetzsymptome. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen; mehr auf der Seite SNRI.
Kann man von SSRI zunehmen?
Das ist möglich. Wie häufig die Produktinformationen eine Gewichtszunahme angeben, zeigt die Vergleichstabelle auf dieser Seite; einige nennen auch Appetitlosigkeit oder Gewichtsabnahme. Eine Rangliste gibt diese Seite nicht. Bei einer Depression gehört laut NVL das Körpergewicht zu den Werten, die vor Beginn und im Verlauf der Behandlung kontrolliert werden sollen. Mehr unter Gewichtszunahme.
Können SSRI das Herz belasten?
Die NVL nennt bei manchen SSRI eine Verlängerung der QT-Zeit im EKG als wichtige Nebenwirkung. Citalopram und Escitalopram dürfen laut Fachinformation bei bekannter QT-Verlängerung, bei angeborenem Long-QT-Syndrom und zusammen mit Mitteln, die das QT-Intervall verlängern, nicht angewendet werden; für beide sieht die NVL bei einer Depression ein EKG vor Beginn und im ersten Behandlungsmonat vor. Mehr unter Herz und QT-Zeit.
Darf man mit SSRI Alkohol trinken?
Die Produktinformationen, die diese Seite auswertet, raten davon ab, auch wenn mehrere in Untersuchungen keine Verstärkung der Alkoholwirkung fanden. Bei Sertralin wird Alkohol während der Behandlung nicht empfohlen, bei Fluoxetin wird geraten, während der Behandlung mit einem SSRI keinen Alkohol zu trinken, und die Packungsbeilage von Fluvoxamin sagt: Trinken Sie keinen Alkohol. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol.
Was ist das SSRI-Absetzsyndrom?
Als Absetzsyndrom beschreibt die NVL Beschwerden, die beim Absetzen von Antidepressiva auftreten können, besonders wenn es zu schnell geschieht. Bei Sertralin werden laut Fachinformation am häufigsten Schwindel, Kribbeln, Schlafstörungen mit intensiven Träumen, Erregtheit oder Angst, Übelkeit oder Erbrechen, Zittern und Kopfschmerzen berichtet. Die Beschwerden sind meist leicht bis mäßig, können aber auch schwer sein. Im Allgemeinen klingen sie innerhalb von 2 Wochen ab; bei einigen Menschen dauern sie 2 bis 3 Monate oder länger. Abgesetzt wird nur gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt; mehr unter Antidepressiva absetzen.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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