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Beruhigungsmittel
Beruhigungsmittel sind Medikamente gegen Angst, Anspannung, innere Unruhe und Erregung; dazu gehören Benzodiazepine wie Lorazepam und Diazepam, Pregabalin, Buspiron, Hydroxyzin, Opipramol, einige niedrigpotente Antipsychotika und pflanzliche Mittel wie Lavendelöl. Bei Angststörungen sollen Benzodiazepine laut S3-Leitlinie wegen gravierender Nebenwirkungen wie der Entwicklung einer Abhängigkeit nicht angeboten werden; in Ausnahmefällen können sie zeitlich befristet angewendet werden. Ohne Rezept gibt es von den hier genannten Mitteln nur pflanzliche wie Lavendelöl und Baldrian.

Beruhigungsmittel ist ein Sammelbegriff. Auf dieser Website gehören dazu Medikamente, die laut ihrer Fach- oder Gebrauchsinformation bei Angst, Anspannung, innerer Unruhe oder Erregung angewendet werden. Zugelassen sind sie zum Beispiel bei "Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen" (Lorazepam), bei Angstzuständen mit "Angst, innere Unruhe, Spannungszustände" (Buspiron) oder "zur Dämpfung bei psychomotorischen Unruhe- und Erregungszuständen im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen" (Prothipendyl). [6, 13, 19]
Für Angststörungen gibt es die S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen. Bei einer generalisierten Angststörung soll laut Leitlinie eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden; dabei soll die Präferenz der informierten Patientin oder des informierten Patienten berücksichtigt werden. Die Leitlinie (Version 2.0, Stand 6. April 2021) war laut Übersicht der DGPPN bis zum 5. April 2026 gültig; ihre Gültigkeit ist abgelaufen. Mehr unter Angststörungen, Generalisierte Angststörung und Psychotherapie und Medikamente. [1, 2]
Welche Beruhigungsmittel gibt es?
Die Tabelle gibt die Fach- und Gebrauchsinformation je eines Präparats wieder und folgt keiner Rangfolge.
| Gruppe und Wirkstoffe | Wie sie wirken | Zugelassen bei |
|---|---|---|
| Benzodiazepine: unter anderem Lorazepam, Diazepam, Alprazolam, Bromazepam, Oxazepam, Clobazam | binden an Benzodiazepin-Rezeptoren und verstärken so die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA (Lorazepam) [6] | Lorazepam: Kurzzeitbehandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen und dadurch bedingten Schlafstörungen, wenn diese Zustände schwerwiegend sind, beeinträchtigen oder unzumutbar belasten; Diazepam, Bromazepam und Oxazepam: akute und chronische Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände; Alprazolam: Angstzustände, nur wenn die Störung schwer oder behindernd ist oder zu extremen Beschwerden führt; Clobazam: kurzfristige Behandlung schwerer Angstzustände bei Erwachsenen [6, 7, 8, 9, 10, 11] |
| Pregabalin | bindet an eine Untereinheit (α2-δ-Protein) spannungsabhängiger Calciumkanäle im zentralen Nervensystem [12] | generalisierte Angststörung bei Erwachsenen; außerdem Nervenschmerzen und als Zusatzbehandlung bei Epilepsie [12] |
| Buspiron | wirkt laut S3-Leitlinie an Rezeptoren für den Botenstoff Serotonin (5-HT1A-Agonist) [1] | Angstzustände mit Angst, innerer Unruhe und Spannungszuständen; bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren soll es nicht angewendet werden [13] |
| Hydroxyzin | Antihistaminikum mit beruhigenden Eigenschaften [14] | Angstzustände bei Erwachsenen ab 18 Jahren; außerdem Juckreiz bei Nesselsucht und Ekzem [14] |
| Opipramol | bindet stark an sogenannte Sigma-Bindungsstellen und blockiert Rezeptoren für Histamin (Typ 1) [15] | generalisierte Angststörung und somatoforme Störungen [15] |
| Niederpotente Antipsychotika: Melperon, Pipamperon, Prothipendyl, Promethazin | Melperon und Pipamperon blockieren laut Fachinformation Rezeptoren für den Botenstoff Dopamin, Prothipendyl bindet vor allem an Dopamin-Rezeptoren; Prothipendyl hat laut Fachinformation außerdem dämpfende und antihistaminerge Eigenschaften [16, 17, 19] | Melperon: Schlafstörungen, Verwirrtheitszustände sowie Dämpfung von psychomotorischer Unruhe und Erregung, insbesondere in Altersmedizin und Psychiatrie; Pipamperon: psychomotorische Erregungszustände und Schlafstörungen; Prothipendyl: Dämpfung psychomotorischer Unruhe- und Erregungszustände im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen; Promethazin: Unruhe- und Erregungszustände bei psychiatrischen Erkrankungen [16, 17, 18, 19] |
| Pflanzliche Mittel: Lavendelöl, Baldrianwurzel | für Lavendelöl fehlen laut S3-Leitlinie belastbare Theorien zum Wirkmechanismus; die beruhigende Wirkung von Baldrianwurzel lässt sich laut Fachinformation nicht sicher bestimmten Inhaltsstoffen zuschreiben [1, 21] | Lavendelöl: Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung bei Erwachsenen; Baldrianwurzel: zur Beruhigung, bei leichter nervöser Anspannung und bei Schlafstörungen [20, 21] |
Beruhigungsmittel bei Angststörungen
Benzodiazepine sind laut S3-Leitlinie bei Angststörungen wirksam. Menschen mit einer Angststörung sollen sie wegen der gravierenden Nebenwirkungen wie der Entwicklung einer Abhängigkeit dennoch nicht angeboten werden. In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei schweren Herzerkrankungen oder wenn gegen die Standardmedikamente Gegenanzeigen bestehen, können sie laut Leitlinie unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken zeitlich befristet angewendet werden. Werden sie in solchen Ausnahmefällen angewendet, sollen Patientinnen und Patienten laut Leitlinie besonders auf die Entwicklung einer Abhängigkeit, Toleranz, eine verlängerte Reaktionszeit und Stürze hingewiesen werden. [1]
Für die generalisierte Angststörung nennt die Leitlinie unter anderem diese Medikamente mit ihrem Empfehlungsgrad; innerhalb eines Grades ist die Reihenfolge keine Rangfolge:
- Escitalopram, Paroxetin, Venlafaxin oder Duloxetin sollen angeboten werden (Empfehlungsgrad A). Diese Mittel sind Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRI. [1]
- Pregabalin sollte angeboten werden (B); Menschen mit einer Mehrfachabhängigkeit (Polytoxikomanie) sollen nicht mit Pregabalin behandelt werden. [1]
- Buspiron oder Opipramol können angeboten werden, wenn Behandlungen der Empfehlungsgrade A oder B nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden (0). [1]
- Quetiapin ist laut Fachinformation der Filmtabletten und der Retardtabletten zur Behandlung der Schizophrenie und bipolarer Störungen zugelassen, die Retardtabletten außerdem als Zusatzbehandlung bei depressiven Erkrankungen, wenn ein Antidepressivum allein nicht ausreichend gewirkt hat; für die generalisierte Angststörung ist Quetiapin nicht zugelassen. Laut Leitlinie kann es im Rahmen eines Therapieversuchs angeboten werden, wenn Behandlungen der Grade A oder B nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden (Expertenkonsens). [1, 23, 25]
Hydroxyzin sollte laut Leitlinie wegen seiner dämpfenden Wirkung nur verwendet werden, wenn andere Medikamente nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden. Bestehen erhebliche depressive Beschwerden, sollte laut Leitlinie ein Antidepressivum verwendet oder eine angstlösende Behandlung mit einem anderen Mittel um ein Antidepressivum ergänzt werden (Expertenkonsens). Für einen untersuchten Lavendelölextrakt erlaubt die Datenlage aus Sicht der Leitliniengruppe keine Empfehlung zur Behandlung einer generalisierten Angststörung. In Deutschland ist der Extrakt laut Leitlinie nicht für Angststörungen nach der ICD-10 zugelassen, sondern für Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung. Typische Antipsychotika, hoch- wie niederpotente, empfiehlt die Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen nicht. [1]
Mit Rezept, ohne Rezept, pflanzlich
Verschreibungspflichtig sind laut Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) unter anderem Pregabalin, Buspiron, Hydroxyzin, Opipramol, Melperon, Pipamperon und Prothipendyl. Promethazin muss laut IQWiG ebenfalls ärztlich verordnet werden. [3, 5]
Die genannten Benzodiazepine stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG). Für Lorazepam, Diazepam, Alprazolam, Bromazepam, Oxazepam, Clobazam und weitere Benzodiazepine sind dort Zubereitungen ausgenommen, die je abgeteilter Form, zum Beispiel je Tablette, oder je Packung eine bestimmte Menge nicht überschreiten. Für diese ausgenommenen Zubereitungen gelten laut Anlage III aber die betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften über Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr; verschreibungspflichtig sind sie nach Anlage 1 der AMVV. Was für ein bestimmtes Mittel gilt, steht im Steckbrief seiner Wirkstoffseite. [3, 4]
Ohne Rezept gibt es pflanzliche Mittel. Ein Lavendelöl-Präparat ist laut Gebrauchsinformation apothekenpflichtig und ein pflanzliches Arzneimittel zur Beruhigung, zugelassen bei Unruhezuständen bei ängstlicher Verstimmung; Menschen unter 18 Jahren dürfen es nicht einnehmen. Leiden Sie unter übermäßiger Angst oder Sorge, die Sie nur schwer kontrollieren können, oder über längere Zeit unter mehreren Beschwerden wie Unruhe, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, Muskelverspannungen oder Schlafstörungen, bittet die Gebrauchsinformation, vor der Einnahme mit der Ärztin, dem Arzt oder der Apotheke zu sprechen; es könnte eine psychische Erkrankung dahinterstecken, die ärztliche Betreuung erfordert. Ein Präparat mit Baldrianwurzel ist laut Fachinformation freiverkäuflich. Einige pflanzliche Mittel vertragen sich laut IQWiG nicht mit anderen Beruhigungsmitteln; wer schon Beruhigungsmittel nimmt, lässt sich vorher am besten ärztlich beraten. [5, 20, 21]
Wirkstoffe der Gruppe
Alprazolamz. B. Alprazolam-ratiopharm, TafilAngstzustände
Bromazepamz. B. Bromazanil, Bromazepam-ratiopharm, LexostadAkute und chronische Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände
Buspironz. B. BuspAngst, innere Unruhe und Anspannung
Clobazamz. B. Clobazam DesitinSchwere Angstzustände (kurzfristig), Zusatzbehandlung bei Epilepsie
Diazepamz. B. Diazepam AbZ, Diazepam-ratiopharm, Diazepam STADAAngst-, Spannungs- und Erregungszustände, erhöhte Muskelspannung, vor und nach Eingriffen
Dikaliumclorazepatz. B. Tranxilium, Tranxilium TabsAngst-, Spannungs- und Erregungszustände; Vorbereitung auf Eingriffe
Hydroxyzinz. B. Atarax, Hydroxyzin BluefishAngstzustände (Erwachsene), Juckreiz
Lavendelölz. B. LaseaUnruhezustände bei ängstlicher Verstimmung
Lorazepamz. B. Lorazepam neuraxpharm, Tavor, TolidKurzzeitbehandlung schwerer Angst-, Spannungs- und Erregungszustände; Beruhigung vor und nach Eingriffen
Medazepamz. B. RudotelSpannungs-, Erregungs- und Angstzustände
Melperonz. B. Melneurin, Melperon AbZ, Melperon-ratiopharmSchlafstörungen, Verwirrtheit, Unruhe und Erregungszustände, insbesondere in der Altersmedizin (Geriatrie) und Psychiatrie
Opipramolz. B. Insidon, Opipramol STADA, Opipramol-neuraxpharmGeneralisierte Angststörung, somatoforme Störungen
Oxazepamz. B. durazepam 50 mg forte, Oxazepam-ratiopharmAngst-, Spannungs- und Erregungszustände, Durchschlafstörungen
Pipamperonz. B. Dipiperon, Pipamperon-neuraxpharmSchlafstörungen, vor allem bei älteren Menschen; Unruhe und Erregungszustände
Pregabalinz. B. Lyrica, Pregabalin-ratiopharmNervenschmerzen, Epilepsie (Zusatzbehandlung), generalisierte Angststörung
Promethazinz. B. Atosil, Promethazin-neuraxpharmUnruhe- und Erregungszustände, Übelkeit und Erbrechen, Schlafstörungen
Prothipendylz. B. Dominal 40 mg, Dominal forte 80 mg, Dominal TropfenUnruhe- und Erregungszustände bei psychiatrischen Erkrankungen
Clobazam wird laut Gebrauchsinformation außerdem kurzfristig bei Übererregbarkeit und Unruhe bei Psychosen angewendet, dort nur zusammen mit anderen Behandlungen. Opipramol ist laut S3-Leitlinie eine trizyklische Substanz, die den trizyklischen Antidepressiva ähnelt, aber nicht als Antidepressivum zugelassen ist. Melperon ist laut Fachinformation unter anderem bei Psychoneurosen angezeigt, wenn Tranquilizer wegen Unverträglichkeit oder Abhängigkeitsgefahr nicht angewendet werden können, und bei Alkoholkrankheit. [1, 11, 16]
Als Schlafmittel ist die Anwendung von Lorazepam, Diazepam und Bromazepam laut Fachinformation nur gerechtfertigt, wenn zugleich eine Wirkung am Tag erwünscht oder erforderlich ist. Oxazepam ist dagegen auch bei Durchschlafstörungen zugelassen. Mehr unter Schlafmittel. [6, 8, 9, 10]
Nebenwirkungen im Vergleich
Bei Benzodiazepinen kann es laut S3-Leitlinie zu Dämpfung (Sedierung), Schwindel, verlängerter Reaktionszeit und weiteren unerwünschten Wirkungen kommen; Denkleistung und Fahrtüchtigkeit können beeinträchtigt sein. Sogenannte paradoxe Reaktionen sind besonders bei Kindern und älteren Menschen möglich; treten sie auf, muss die Behandlung mit Lorazepam beendet werden. [1, 6]
Bei Pregabalin sollen Behandelte laut Leitlinie besonders auf Schwindel und Benommenheit hingewiesen werden, bei Opipramol auf anticholinerge Wirkungen, Dämpfung, Gewichtszunahme und Wirkungen auf Herz und Kreislauf. Hydroxyzin könnte laut Gebrauchsinformation mit einem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zusammenhängen; bei Herzproblemen wie Herzklopfen oder Atemschwierigkeiten rät sie, umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Bei Melperon nennt die Fachinformation besonders zu Beginn Müdigkeit, außerdem eine mögliche Verlängerung der QT-Zeit und vor allem bei hoher Dosis Bewegungsstörungen. [1, 14, 16]
Die folgende Tabelle zeigt für die Wirkstoffe mit Datensatz jeweils die höchste Häufigkeitsangabe der Produktinformation für einige Beschwerden, nach denen oft gefragt wird. Sie ist keine Rangliste: Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde, nicht, wie stark sie ist.
| Wirkstoff | Müdigkeit | Schwindel | Kopfschmerzen | Konzentrations- und Gedächtnisstörungen | Mundtrockenheit | Übelkeit | Gewichtszunahme | Unruhe und Nervosität |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Alprazolam | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Nicht bekannt | Häufig | nicht genannt | Gelegentlich |
| Bromazepam | Häufig | Selten | Häufig | Häufig | Selten | Selten | nicht genannt | nicht genannt |
| Buspiron | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Häufig |
| Diazepam | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Gelegentlich | Gelegentlich | nicht genannt | Nicht bekannt |
| Dikaliumclorazepat | Sehr häufig | Häufig | Nicht bekannt | Gelegentlich | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | Gelegentlich |
| Hydroxyzin | Sehr häufig | Nicht bekannt | Häufig | Nicht bekannt | Häufig | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt |
| Lavendelöl | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt |
| Lorazepam | Sehr häufig | Häufig | Nicht bekannt | Nicht bekannt | nicht genannt | Gelegentlich | nicht genannt | Nicht bekannt |
| Medazepam | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Selten | Selten | nicht genannt | Nicht bekannt |
| Melperon | Nicht bekannt | nicht genannt | Nicht bekannt | nicht genannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | nicht genannt |
| Opipramol | Häufig | Häufig | Selten | nicht genannt | Häufig | Selten | Gelegentlich | Selten |
| Oxazepam | Häufig | Häufig | Häufig | Nicht bekannt | Häufig | Häufig | nicht genannt | nicht genannt |
| Pipamperon | Sehr häufig | nicht genannt | Nicht bekannt | nicht genannt | nicht genannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | nicht genannt |
| Pregabalin | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Promethazin | Sehr häufig | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | Sehr häufig | nicht genannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Nicht in der Tabelle, weil Packungsbeilage bzw. Fachinformation die Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangaben nennen: Clobazam, Prothipendyl. Die Beschwerden stehen auf der Wirkstoffseite.
Mehr zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit durch Psychopharmaka, Unruhe und Akathisie, Gewichtszunahme und Herz und QT-Zeit.
Wirkungseintritt und Dauer

Bei Angststörungen setzt die Wirkung laut S3-Leitlinie unterschiedlich schnell ein: Benzodiazepine wirken angstlösend sofort nach der Einnahme oder Injektion, Antihistaminika wie Hydroxyzin nach einigen Stunden und Pregabalin bereits in den ersten Tagen. Bei Buspiron und Opipramol kann der angstlösende Effekt laut Leitlinientext (Kapitel 5.1.2.8) mit einer Verzögerung von 2 bis 4 Wochen auftreten, in manchen Fällen auch später; die Übersichtstabelle derselben Leitlinie (Tabelle 29) nennt für beide 2 bis 6 Wochen bis zum Wirkungseintritt. Opipramol sollte laut Fachinformation mindestens 2 Wochen regelmäßig eingenommen werden, weil die Besserung der Stimmungslage allmählich erfolgt. Bessern sich die Beschwerden unter Buspiron nicht innerhalb von 4 bis 8 Wochen, rät die Gebrauchsinformation, mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen. [1, 13, 15]
Benzodiazepine sollten laut Fachinformation von Lorazepam grundsätzlich nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen; eine Langzeitanwendung von Lorazepam wird nicht empfohlen. Bei Alprazolam sollte die Gesamtdauer laut Packungsbeilage von 2026 einschließlich der schrittweisen Absetzphase 8 bis 12 Wochen nicht übersteigen, letztlich entscheidet die Ärztin oder der Arzt; Clobazam wird gegen schwere Angstzustände laut Gebrauchsinformation im Allgemeinen 2 bis 4 Wochen lang eingenommen. Wenn Benzodiazepine bei Angststörungen in begründeten Ausnahmefällen angewendet werden, sollte die Behandlung laut S3-Leitlinie in der Regel nur wenige Wochen dauern. [1, 6, 11, 24]
Für Opipramol hält die Fachinformation eine durchschnittliche Behandlungsdauer von 1 bis 2 Monaten für ratsam. Bei Buspiron legt die Ärztin oder der Arzt die Dauer fest; eine Langzeitbehandlung sollte laut Gebrauchsinformation engmaschig überwacht und der Bedarf regelmäßig überprüft werden. Das Lavendelöl-Präparat sollte nicht länger als 3 Monate eingenommen werden; halten die Beschwerden nach 1 Monat unverändert an oder werden sie schlimmer, sollten Sie laut Gebrauchsinformation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen. Mehr unter Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [13, 15, 20]
Absetzen
Schon nach wenigen Tagen täglicher Einnahme von Lorazepam können laut Fachinformation nach dem Absetzen, besonders wenn es plötzlich geschieht, Entzugssymptome wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen auftreten. Plötzliches Absetzen oder eine schnelle Verringerung der Dosis nach Langzeitanwendung kann Entzugssymptome auslösen, die lebensbedrohlich sein können. Sie reichen von leichter Verstimmung und Schlaflosigkeit bis zu einem schweren Syndrom mit Bauch- und Muskelkrämpfen, Erbrechen, Schwitzen, Zittern und Krampfanfällen; schwere akute Entzugserscheinungen umfassten auch Delirium tremens, Depression, Sinnestäuschungen, Manie, Psychose und Suizidalität. Durch eine allmähliche Verringerung der Dosis lassen sich Entzugserscheinungen laut Fachinformation meist vermeiden. Nach längerer Behandlung einer Angststörung sollten Benzodiazepine laut S3-Leitlinie sehr langsam, gegebenenfalls über mehrere Wochen, ausgeschlichen werden. [1, 6]
Nach dem Absetzen von Pregabalin wurden laut Fachinformation Entzugssymptome beobachtet, nach kurzer wie nach langer Behandlung: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Angst, Durchfall, Grippesymptome, Nervosität, Depressionen, suizidale Gedanken, Schmerzen, Krampfanfälle, starkes Schwitzen und Benommenheit. Sie können auf eine Arzneimittelabhängigkeit hinweisen. Empfohlen wird, Pregabalin schrittweise über mindestens 1 Woche abzusetzen. Opipramol sollte laut Fachinformation nicht abrupt abgesetzt werden, weil es besonders nach längerer, hoch dosierter Behandlung dann zu Unruhe, Schweißausbrüchen und Schlafstörungen kommen kann; Promethazin sollte nach längerer Anwendung laut Gebrauchsinformation nicht plötzlich, sondern ausschleichend abgesetzt werden. [12, 15, 18]
Absetzen und Wechsel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ausführlich: Benzodiazepine und Z-Substanzen absetzen, Psychopharmaka absetzen und Absetzsymptome. Beschwerden und Stimmung können Sie im Stimmungstagebuch festhalten.
Worauf Sie achten sollten
Abhängigkeit
Lorazepam hat laut Fachinformation ein primäres Abhängigkeitspotenzial: Bereits bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich. Das Risiko steigt mit Dauer und Dosis und ist höher bei Alkohol- oder Arzneimittelmissbrauch in der Vorgeschichte und bei schweren Persönlichkeitsstörungen. Laut S3-Leitlinie kann sich nach langfristiger Behandlung mit Benzodiazepinen eine Abhängigkeit entwickeln, besonders bei dafür anfälligen Menschen, und eine solche Abhängigkeit wird häufig nicht entdeckt. [1, 6]
Pregabalin kann laut Fachinformation eine Arzneimittelabhängigkeit verursachen, auch bei therapeutischen Dosen; es wurde über Missbrauch und nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch berichtet, und bei Drogenmissbrauch in der Vorgeschichte kann das Risiko erhöht sein. Von Clobazam können Sie laut Gebrauchsinformation abhängig werden, wenn Sie es längere Zeit oder in hohen Dosen einnehmen, besonders nach früherem Alkohol- oder Arzneimittelmissbrauch. Mehr unter Machen Psychopharmaka abhängig?, Lorazepam und Abhängigkeit und Abhängigkeit von Beruhigungs- und Schlafmitteln. [11, 12]
Straßenverkehr, Alkohol und andere Mittel
Lorazepam kann laut Fachinformation auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigen, verstärkt zusammen mit Alkohol; solche Tätigkeiten sollten unterbleiben, solange sich nicht gezeigt hat, dass die Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt ist. Bei Pregabalin wird empfohlen, kein Fahrzeug zu führen, keine komplexen Maschinen zu bedienen und keine anderen potenziell gefährlichen Tätigkeiten auszuführen, solange nicht bekannt ist, ob das Mittel diese Fähigkeiten beeinträchtigt. Mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [6, 12]
Mit anderen dämpfenden Arzneimitteln wie Antipsychotika, Antidepressiva, Schlafmitteln, Schmerzmitteln vom Opiat-Typ oder müde machenden Antihistaminika sowie mit Alkohol können sich die dämpfenden Wirkungen von Lorazepam laut Fachinformation gegenseitig verstärken. Zusammen mit Opioiden können Benzodiazepine laut Fachinformation zu Sedierung, Atemdepression und Koma führen; das kann lebensbedrohlich sein, ebenso eine Atemdepression unter Benzodiazepinen allein. Bei Melperon kann laut Fachinformation die Alkoholwirkung verstärkt werden. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol und Psychopharmaka kombinieren. [6, 16]
Ältere Menschen und Demenz
Lorazepam ist laut Fachinformation bei älteren Menschen mit Vorsicht anzuwenden, weil Dämpfung und Muskelschwäche das Sturzrisiko erhöhen können, mit schwerwiegenden Folgen in dieser Altersgruppe; laut S3-Leitlinie ist bei älteren Menschen wegen der Sturzgefahr besondere Vorsicht geboten. Für ältere Menschen mit Demenz, die mit herkömmlichen (typischen) Antipsychotika behandelt werden, nennen die Fachinformationen von Melperon, Pipamperon und Prothipendyl ein leicht erhöhtes Sterblichkeitsrisiko, die Gebrauchsinformation von Promethazin ebenfalls ein leicht erhöhtes Risiko. Pipamperon und Prothipendyl sind laut Fachinformation nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz zugelassen; bei Melperon prüft die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall, ob es dafür angewendet werden soll. Mehr unter Demenz und Alzheimer-Demenz und Psychopharmaka im Alter. [1, 6, 16, 17, 18, 19]
Depression und Krisen
Bei Menschen mit Depression kann sich laut Fachinformation von Lorazepam unter Benzodiazepinen die depressive Symptomatik zeigen oder verstärken, und eine Behandlung kann suizidale Tendenzen demaskieren; sie sollte nicht ohne angemessene antidepressive Behandlung erfolgen. Über Suizidgedanken und suizidales Verhalten wurde bei Menschen berichtet, die mit Antiepileptika behandelt wurden, nach der Markteinführung auch unter Pregabalin; laut Fachinformation sollten Betroffene und Betreuende medizinische Hilfe holen, wenn Anzeichen dafür auftreten. Die Gebrauchsinformation von Clobazam rät, sich sofort an die Ärztin oder den Arzt zu wenden, wenn Gedanken auftreten, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Suizidgedanken nennt die Gebrauchsinformation von Buspiron als gelegentliche Nebenwirkung. Bei Opipramol sollten laut Fachinformation alle Behandelten engmaschig auf eine Verschlechterung, Suizidgefahr und andere psychische Beschwerden überwacht werden, besonders zu Beginn der Behandlung und nach Änderungen der Dosis. [6, 11, 12, 13, 15]
Schwangerschaft und Stillzeit
Für Lorazepam beschreibt Embryotox einen mittleren Erfahrungsumfang: Eine Studie mit mehr als 100 ausgewerteten Schwangerschaften konnte kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko nachweisen. Bei regelmäßiger Einnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel oder hohen Dosen kurz vor oder während der Geburt muss laut Embryotox mit teilweise schwerwiegenden Beschwerden beim Neugeborenen gerechnet werden, von Anpassungsstörungen über eine gedämpfte Atmung bis zu einer teilweise wochenlang anhaltenden Muskelschlaffheit; außerdem können beim Neugeborenen Entzugszeichen auftreten. Auf ein abruptes Absetzen muss laut Embryotox wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen in jedem Fall verzichtet werden. Bei der Planung einer Behandlung oder einer Schwangerschaft sollten laut Embryotox je nach Grund der Behandlung, etwa Angst, Unruhe oder Schlafstörungen, besser geeignete Psychopharmaka eingesetzt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Hydroxyzin darf laut Gebrauchsinformation in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Mehr unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch und Psychopharmaka in der Stillzeit. [14, 22]
Abgrenzung zu verwandten Gruppen
Einige Beruhigungsmittel sind auch für Schlafstörungen zugelassen. Mittel, die vor allem gegen Ein- und Durchschlafstörungen eingesetzt werden, stehen auf der Seite Schlafmittel; Benzodiazepine im Einzelnen auf der Seite Benzodiazepine. Zu den Antidepressiva gehören Escitalopram, Paroxetin, Venlafaxin und Duloxetin, die die S3-Leitlinie bei der generalisierten Angststörung mit dem Empfehlungsgrad A nennt. Von den Antipsychotika sind die in der Tabelle genannten niederpotenten Mittel für Unruhe- und Erregungszustände zugelassen; die Filmtabletten von Quetiapin sind laut Fachinformation nur bei Schizophrenie und bipolaren Störungen zugelassen. Pflanzliche Mittel wie Lavendelöl und Baldrian beschreibt auch die Seite Pflanzliche Psychopharmaka. [1, 16, 17, 18, 19, 23]
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Langfassung, Version 2 (AWMF-Register-Nr. 051-028). Bandelow B., Beutel M. E. u. a. (Textredaktion B. Bandelow); Federführung laut DGPPN-Übersicht: Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Stand Version 2.0, Stand 06.04.2021 (nächste Überprüfung geplant 04/2026; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 05.04.2026). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Angststörungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Einträge Pregabalin, Buspiron, Hydroxyzin, Opipramol, Melperon, Pipamperon, Prothipendyl und Betäubungsmittel, soweit sie Zubereitungen nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 des Betäubungsmittelgesetzes sind. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III, Einträge Alprazolam, Bromazepam, Clobazam, Clorazepat, Diazepam, Lorazepam, Medazepam und Oxazepam. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Schlafstörung: Behandlung mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln (gesundheitsinformation.de). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand aktualisiert am 03.07.2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Alprazolam-ratiopharm 1,0 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Oxazepam-ratiopharm 10 mg Tabletten (Version 2). ratiopharm GmbH. Stand 09/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Bromazepam-ratiopharm 6 mg Tabletten (Version 2). ratiopharm GmbH. Stand 04/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Diazepam STADA 10 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Clobazam Desitin 2 mg/ml Suspension zum Einnehmen. Desitin Arzneimittel GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Busp 10 mg Tabletten. Hexal AG. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Atarax Tabletten 25 mg Filmtabletten. UCB Pharma GmbH. Stand 01/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Opipramol STADA 50 mg/100 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Melperon STADA 10 mg und 25 mg Filmtabletten, 25 mg/5 ml Lösung zum Einnehmen. STADAPHARM GmbH. Stand 06/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Pipamperon-neuraxpharm 40 mg Tabletten, Pipamperon-neuraxpharm 120 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Atosil 25 mg Filmtabletten. DESITIN Arzneimittel GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Dominal 40 mg überzogene Tabletten, Dominal forte 80 mg Filmtablette, Dominal Tropfen. TEVA GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Lasea 80 mg Weichkapsel. Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG. Stand 04/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Baldrian-ratiopharm 450 mg überzogene Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Lorazepam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Filmtabletten (25/100/150/200/300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Alprazolam-ratiopharm 1,0 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Welche Beruhigungsmittel gibt es ohne Rezept?
Ohne Rezept erhältlich sind pflanzliche Mittel. Ein Lavendelöl-Präparat ist laut Gebrauchsinformation apothekenpflichtig und für Erwachsene bei Unruhezuständen bei ängstlicher Verstimmung zugelassen; ein Präparat mit Baldrianwurzel ist laut Fachinformation zur Beruhigung und bei leichter nervöser Anspannung zugelassen und freiverkäuflich. Benzodiazepine, Pregabalin, Buspiron, Hydroxyzin, Opipramol und die beruhigend wirkenden Antipsychotika brauchen ein Rezept. Leiden Sie unter übermäßiger Angst oder Sorge, die Sie nur schwer kontrollieren können, rät die Gebrauchsinformation des Lavendelöl-Präparats, mit der Ärztin, dem Arzt oder der Apotheke zu sprechen.
Was ist das stärkste Beruhigungsmittel?
Eine Rangliste nach Stärke gibt diese Seite nicht. Bei Angststörungen wirken Benzodiazepine laut S3-Leitlinie sofort nach der Einnahme; Lorazepam etwa kann laut Fachinformation aber schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen abhängig machen. Menschen mit einer Angststörung sollen sie laut Leitlinie wegen gravierender Nebenwirkungen wie der Entwicklung einer Abhängigkeit nicht angeboten werden; in Ausnahmefällen können sie zeitlich befristet angewendet werden. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen.
Welche Beruhigungsmittel helfen bei Angst?
Bei einer generalisierten Angststörung soll laut S3-Leitlinie Angststörungen (Stand 2021, Gültigkeit abgelaufen) eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden. Als Medikamente sollen Escitalopram, Paroxetin, Venlafaxin oder Duloxetin angeboten werden, Pregabalin sollte angeboten werden; Buspiron oder Opipramol können angeboten werden, wenn diese Mittel nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden. Benzodiazepine sind laut Leitlinie wirksam, sollen wegen gravierender Nebenwirkungen wie der Entwicklung einer Abhängigkeit aber nicht angeboten werden; in Ausnahmefällen können sie zeitlich befristet angewendet werden. Hydroxyzin ist laut Gebrauchsinformation zur Behandlung von Angstzuständen bei Erwachsenen zugelassen; laut Leitlinie sollte es wegen seiner dämpfenden Wirkung nur verwendet werden, wenn andere Medikamente nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden.
Machen Beruhigungsmittel abhängig?
Benzodiazepine können abhängig machen: Laut Fachinformation von Lorazepam besteht bereits bei täglicher Einnahme über wenige Wochen die Gefahr einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich. Auch Pregabalin kann laut Fachinformation eine Arzneimittelabhängigkeit verursachen, auch bei therapeutischen Dosen. Nach längerer Behandlung einer Angststörung sollten Benzodiazepine laut S3-Leitlinie sehr langsam ausgeschlichen werden; besprechen Sie das Vorgehen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Helfen pflanzliche Beruhigungsmittel wie Lavendel?
Ein Lavendelöl-Präparat ist in Deutschland für Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung zugelassen, laut S3-Leitlinie aber nicht für Angststörungen nach der ICD-10. Die Datenlage erlaubt aus Sicht der Leitliniengruppe keine Empfehlung des untersuchten Lavendelölextrakts zur Behandlung einer generalisierten Angststörung; für andere Lavendelölextrakte macht die Leitlinie keine Aussagen. Das Präparat sollte laut Gebrauchsinformation nicht länger als 3 Monate eingenommen werden.
Welche Beruhigungsmittel werden bei Demenz eingesetzt?
Melperon ist laut Fachinformation unter anderem zur Behandlung von Verwirrtheitszuständen und zur Dämpfung von Unruhe und Erregung zugelassen, insbesondere bei Menschen in der Altersmedizin und bei organisch bedingter Demenz. Zugleich nennt die Fachinformation für ältere Menschen mit Demenz, die mit herkömmlichen Antipsychotika behandelt werden, ein leicht erhöhtes Sterblichkeitsrisiko; ob Melperon bei Verhaltensstörungen im Rahmen einer Demenz angewendet wird, prüft die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall. Pipamperon und Prothipendyl sind laut Fachinformation nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz zugelassen.
Darf man Beruhigungsmittel mit Alkohol nehmen?
Alkohol kann die dämpfende Wirkung verstärken. Laut Fachinformation von Lorazepam können sich Lorazepam und Alkohol gegenseitig in ihrer dämpfenden Wirkung verstärken, und die Beeinträchtigung im Straßenverkehr nimmt zu. Auch bei Melperon kann Alkohol laut Fachinformation in seiner Wirkung verstärkt werden. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was für Ihr Mittel gilt.
Was ist der Unterschied zwischen Beruhigungsmitteln und Schlafmitteln?
Beruhigungsmittel sind vor allem bei Angst, Anspannung, Unruhe und Erregung zugelassen, Schlafmittel bei Ein- und Durchschlafstörungen. Die Grenze ist fließend: Lorazepam ist laut Fachinformation auch für Schlafstörungen zugelassen, die durch Angst, Spannung und Erregung bedingt sind, als Schlafmittel ist seine Anwendung aber nur gerechtfertigt, wenn zugleich Wirkungen am Tag erwünscht sind. Melperon und Pipamperon sind für beides zugelassen.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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