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Unruhe und Akathisie durch Psychopharmaka

Innere Unruhe und eine quälende Sitzunruhe mit Bewegungsdrang, die Akathisie, nennen die Packungsbeilagen vieler Antipsychotika und mehrerer Antidepressiva. Laut mehreren Fachinformationen tritt eine Akathisie am ehesten in den ersten Behandlungswochen auf, und eine Erhöhung der Dosis kann dann schaden. Sprechen Sie die Unruhe früh bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an und ändern Sie die Dosis nicht selbst.

Frau Ende dreißig geht an einem ruhigen Morgen langsam einen sonnigen Weg am Flussufer in einem Park entlang
Bild: KI-generiert

Innere Unruhe und Nervosität führen die Packungsbeilagen vieler Psychopharmaka als Nebenwirkung auf. Bei Sertralin etwa stehen Erregtheit und Nervosität unter den häufigen Nebenwirkungen [1]. Eine besondere Form ist die Akathisie, eine Sitzunruhe mit starkem Bewegungsdrang. Die S3-Leitlinie Schizophrenie (Version 5.0, Stand 13.06.2026, gültig bis 12.07.2027) beschreibt sie als Bewegungsunruhe vor allem in den Beinen, verbunden mit einer inneren Anspannung, die erhebliche Ausmaße annehmen kann. Oft schaukeln Betroffene hin und her, stehen auf und setzen sich wieder, trippeln auf der Stelle oder schlagen im Sitzen immer wieder die Beine übereinander [17, 18].

Die Fachinformationen von Sertralin, Escitalopram und Venlafaxin kennzeichnen die Akathisie durch eine subjektiv unangenehme oder als quälend erlebte Ruhelosigkeit und einen Drang, sich zu bewegen, oft zusammen mit der Unfähigkeit, still zu sitzen oder still zu stehen [2, 4, 8]. In den Packungsbeilagen heißt es zum Beispiel "Gefühl der Ruhelosigkeit oder Unfähigkeit, stillzusitzen oder stillzustehen" (Venlafaxin) oder "ein unangenehmes Gefühl von innerer Unruhe und ein zwanghafter Bewegungsdrang" (Aripiprazol) [7, 10]. In der Nebenwirkungstabelle der Fachinformation von Risperidon umfasst die Akathisie unter anderem auch innere Unruhe und das Restless-Legs-Syndrom; die Fachinformation merkt an, dass dort ein breiteres Spektrum an Beschwerden aufgeführt ist, die nicht alle von einer Bewegungsstörung herrühren müssen [12].

Wie oft eine Nebenwirkung vorkommt, geben die Packungsbeilagen in festen Klassen an: "sehr häufig" kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen, "häufig" bis zu 1 von 10 und "gelegentlich" bis zu 1 von 100 [7]. Was diese Angaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?.

Welche Psychopharmaka Unruhe und Akathisie auslösen können

Antipsychotika

Bei den Antipsychotika, traditionell Neuroleptika genannt, gehört die Akathisie laut S3-Leitlinie Schizophrenie zu den extrapyramidal-motorischen Störungen (EPS), also zu den Bewegungsstörungen. Solche Bewegungsstörungen sind laut Leitlinie prinzipiell bei jedem Antipsychotikum möglich. Unter Antipsychotika der ersten Generation beginnt eine Akathisie laut Leitlinie schon in den ersten Tagen, kann aber auch erst in den ersten Wochen und Monaten der Behandlung auftreten [17].

Die Fachinformation von Cariprazin nennt Akathisie und Unruhe häufig auftretende Nebenwirkungen von Antipsychotika. Sie beschreibt die Akathisie als Bewegungsstörung mit einem Gefühl innerer Unruhe und einem zwingenden Bedürfnis, ständig in Bewegung zu bleiben, etwa mit Wippen im Stand oder im Sitzen oder mit Heben der Füße wie beim Gehen auf der Stelle; sie tritt frühzeitig während der Behandlung auf [11]. In der Packungsbeilage von Cariprazin steht das "Gefühl der Unruhe und Unfähigkeit stillzusitzen" unter den sehr häufigen Nebenwirkungen, bei Aripiprazol die Akathisie unter den häufigen. In den placebokontrollierten Studien mit Aripiprazol gehörte die Akathisie zu den am häufigsten berichteten Nebenwirkungen [10, 11].

Bei Risperidon hängen Parkinsonismus und Akathisie laut Fachinformation dem Anschein nach von der Dosis ab [12]. Für Haloperidol beschreibt die Fachinformation die Akathisie als quälend empfundene innere und motorische Unruhe, bei der Betroffene häufig nicht ruhig sitzen oder ruhig stehen können. In ihrer Nebenwirkungstabelle steht die Akathisie unter den häufigen Nebenwirkungen; die Packungsbeilage fasst Rastlosigkeit und das Unvermögen, ruhig zu sitzen, mit anderen unkontrollierten Bewegungen zusammen, die insgesamt sehr häufig sind [13, 20].

Antidepressiva

Auch unter Antidepressiva kann eine Akathisie auftreten. Laut den Fachinformationen von Sertralin und Venlafaxin wurde ihre Anwendung mit der Entwicklung einer Akathisie in Verbindung gebracht. Die Fachinformation von Escitalopram sagt das für die Gruppen der SSRI und SNRI allgemein, also für selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Die Beschwerden treten am ehesten in den ersten Behandlungswochen auf; bei Menschen, die solche Beschwerden entwickeln, kann eine Dosiserhöhung laut den Fachinformationen von Sertralin und Venlafaxin schädlich, laut der von Escitalopram nachteilig sein [2, 4, 8].

Die Packungsbeilagen beschreiben das in Alltagssprache. Bei Sertralin steht ein Gefühl der Ruhelosigkeit, bei dem man nicht ruhig sitzen oder ruhig stehen kann, unter den Beschwerden, bei denen es heißt: "Benachrichtigen Sie Ihren Arzt umgehend" [1]. Laut Packungsbeilage von Escitalopram können Ruhelosigkeit oder Schwierigkeiten, still zu sitzen oder still zu stehen, während der ersten Wochen der Behandlung auftreten; Sie sollen sie der Ärztin oder dem Arzt sofort mitteilen [3]. Bei Paroxetin kann eine Dosiserhöhung solche Gefühle laut Packungsbeilage verschlimmern, bei Fluoxetin verschlechtern [5, 6]. Bei Venlafaxin steht die Unfähigkeit, stillzusitzen oder stillzustehen, unter den häufigen, bei Duloxetin unter den gelegentlichen Nebenwirkungen [7, 9].

Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression (Version 3.2, gültig bis 29.09.2027) zählt Unruhe und Antriebssteigerung zu den wichtigen Nebenwirkungen der SSRI und SNRI und Unruhe auch zu denen von Bupropion [19].

Weitere Mittel und das Absetzen

Selbst Biperiden, ein Mittel gegen Bewegungsstörungen, kann bei höheren Dosen laut Fachinformation selten unter anderem Unruhe, Agitiertheit und Angst auslösen [15]. Unruhe kann außerdem beim Absetzen auftreten: Die Packungsbeilage von Paroxetin führt Unruhe oder Agitiertheit (Erregtheit, Ruhelosigkeit) unter den gelegentlichen Absetzsymptomen auf [5]. Nach abruptem Absetzen von Amisulprid wurden laut Packungsbeilage unwillkürliche Bewegungsstörungen wie eine Akathisie berichtet [16]. Mehr dazu unter Absetzsymptome und Psychopharmaka absetzen.

Alle Wirkstoffe mit Datensatz im Überblick

Die erste Tabelle zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Datensatz auf Psychopharmakon.de, deren Produktinformation eine Akathisie mit einer Häufigkeit nennt. Die zweite ist breiter gefasst: Sie zeigt alle, bei denen Unruhe, Nervosität oder Erregtheit mit einer Häufigkeit genannt sind, darunter viele Angaben zur Akathisie. Angegeben ist jeweils die höchste genannte Häufigkeit. Die Tabellen sind keine Rangliste: Jede Klasse stammt aus der Produktinformation eines einzelnen Präparats, und welches Mittel für Sie in Frage kommt, hängt von vielen weiteren Punkten ab, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen abwägt.

Sitzunruhe (Akathisie) als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
AmisulpridSehr häufigExtrapyramidale Störungen wie Zittern (Tremor), Muskelversteifung (Rigidität), verminderte Bewegungsfähigkeit (Hypokinese), vermehrter Speichelfluss, Unvermögen, ruhig zu sitzen (Akathisie), unwillkürliche…
BenperidolSehr häufigSitzunruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie), im Allgemeinen später als die Frühdyskinesien
CariprazinSehr häufigGefühl der Unruhe und Unfähigkeit, still zu sitzen (Akathisie)
FlupentixolSehr häufigSitzunruhe (Akathisie): Unfähigkeit, sitzen zu bleiben, und Bewegungsdrang
QuetiapinSehr häufigUngewöhnliche Muskelbewegungen: erschwerter Bewegungsbeginn, Zittern, Ruhelosigkeit, steife Muskeln
ZuclopenthixolSehr häufigBewegungsdrang und Unfähigkeit, sitzen zu bleiben (Akathisie), Unruhe
AripiprazolHäufigSchlafprobleme, Angstgefühl, Unruhegefühl und nicht stillhalten können, Schwierigkeiten, still zu sitzen · Akathisie, ein unangenehmes Gefühl von innerer Unruhe und ein zwanghafter Bewegungsdrang
ClozapinHäufigBewegungsstörungen (extrapyramidale Symptome): Zittern, Steifigkeit (Rigor), ungewöhnliche Bewegungen, Unfähigkeit, sich zu bewegen, und Unfähigkeit, bewegungslos zu bleiben (Akathisie)
HaloperidolHäufigLaut Fachinformation einzeln genannt: Spätdyskinesie (tardive Dyskinesie), Sitzunruhe (Akathisie), verlangsamte oder verminderte Bewegungen (Bradykinesie, Hypokinesie), unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesie),…
LevomepromazinHäufigBewegungsdrang und Unfähigkeit, sitzen zu bleiben (Akathisie)
OlanzapinHäufigRuhelosigkeit (laut Fachinformation Akathisie)
PaliperidonHäufigRuhelosigkeit (laut Fachinformation Akathisie), sich schläfrig fühlen oder unaufmerksam sein (Sedierung, Somnolenz)
PipamperonHäufigErhöhte Muskelspannung, Sitzunruhe, Blickkrampf, krampfhafte Überstreckung des Körpers, Bewegungsstörung
RisperidonHäufigAkathisie; dazu zählt die Fachinformation unter anderem innere Unruhe und das Restless-Legs-Syndrom
VenlafaxinHäufigGefühl der Ruhelosigkeit oder Unfähigkeit, stillzusitzen oder stillzustehen (Akathisie)
ZiprasidonHäufigSitzunruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie)
ChlorprothixenGelegentlichBewegungsdrang mit der Unfähigkeit, ruhig zu sitzen (Akathisie)
DuloxetinGelegentlichInnere Unruhe oder Unvermögen, still zu sitzen oder still zu stehen (Akathisie); Nervosität
MilnacipranGelegentlichSitzunruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie)
MirtazapinGelegentlichErregtheit (Agitiertheit), Bewegungsdrang (psychomotorische Unruhe einschließlich Akathisie)
PerazinGelegentlichBewegungsunruhe vor allem der Beine (Akathisie), häufig mit depressiver Verstimmung verbunden; vor allem unter höheren Dosen und bei längerer Behandlung
TiapridGelegentlichUnfähigkeit, still zu sitzen oder unbeweglich zu bleiben (Akathisie)
AgomelatinSeltenUnfähigkeit, still zu halten, aufgrund körperlicher und seelischer Unruhe (Akathisie)
BuspironSeltenBewegungsstörungen mit unwillkürlichen Bewegungen, Starre und Verlangsamung (extrapyramidale Beschwerden), einschließlich Früh- und Spätdyskinesien, Dystonien und Steifigkeit (Rigor), Parkinson-Syndrome, Sitzunruhe…
ClomipraminSeltenBewegungsstörungen (Akathisie, Dyskinesien)
FluoxetinSeltenGefühl der Ruhelosigkeit, bei dem man nicht still sitzen oder stehen kann (Akathisie); laut Fachinformation auch unwillkürliche Bewegungen im Mund- und Zungenbereich (buccoglossales Syndrom)
ParoxetinSeltenInnere Unruhe mit dem Gefühl, nicht ruhig sitzen oder stehen zu können (Akathisie); eine Dosiserhöhung kann diese Gefühle verschlimmern
SertralinSeltenGestörte Bewegungen, Bewegungsschwierigkeiten, unwillkürliche Bewegungsstörung (Choreoathetose), verstärkte Empfindung (Hyperästhesie), Empfindungsstörungen; quälende Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie,…
AmitriptylinSehr seltenGefühl innerer Unruhe mit überwältigendem Drang, sich ständig zu bewegen (Akathisie)
ImipraminSehr seltenBewegungsstörungen: quälende Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie) und unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien)
OpipramolSehr seltenStörungen des Bewegungsablaufs (Dyskinesien, Ataxie), Unfähigkeit zu ruhigem Sitzen (Akathisie)
CitalopramNicht bekanntGefühl der Ruhelosigkeit oder Unvermögen, stillzusitzen oder stillzustehen (Akathisie), unwillkürliche Muskelbewegungen
EscitalopramNicht bekanntQuälende innere Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie, psychomotorische Unruhe); bei Arzneimitteln berichtet, die ähnlich wie Escitalopram wirken
MelperonNicht bekanntAkathisie (Bewegungsdrang und Unfähigkeit, sitzen zu bleiben), insbesondere bei hoher Dosierung oder besonderer Reaktionsbereitschaft
SulpiridNicht bekanntDosisabhängig, insbesondere unter hohen Dosen: Bewegungsstörungen (extrapyramidal-motorische Störungen) wie ein medikamentöses Parkinson-Syndrom mit Zittern, Steifigkeit und Bewegungsarmut oder Sitzunruhe (Akathisie)
TrimipraminNicht bekanntStörungen der Bewegungsabläufe (extrapyramidale Störungen) wie Akathisie, Gangstörungen und Dyskinesien

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (36 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Unruhe und Nervosität als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
BenperidolSehr häufigSitzunruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie), im Allgemeinen später als die Frühdyskinesien · Depressive Verstimmungen (besonders bei Langzeitbehandlung), Erregungszustände, Verwirrtheitszustände (delirante Symptome)
CariprazinSehr häufigGefühl der Unruhe und Unfähigkeit, still zu sitzen (Akathisie)
ClomipraminSehr häufigInnere Unruhe · Angstzustände, Erregung
DexamfetaminSehr häufigNervosität · Hyperaktivität, abnormes Verhalten · Erregtheit, Ängstlichkeit · Nachtangst, Zwangsverhalten, Panikzustände, Ruhelosigkeit
FlupentixolSehr häufigSitzunruhe (Akathisie): Unfähigkeit, sitzen zu bleiben, und Bewegungsdrang · Schlaflosigkeit, Depression, Nervosität, Agitiertheit (Filmtabletten) · Unruhe, Schlafstörungen, Erregung, depressive Verstimmung…
HaloperidolSehr häufigUnkontrollierte Bewegungen des Körpers oder der Gliedmaßen (extrapyramidale Erkrankung), zum Beispiel Bewegungen von Mund, Zunge und Kiefer (Spätdyskinesie), Rastlosigkeit oder Unvermögen, ruhig zu sitzen, verstärkte…
MethylphenidatSehr häufigNervosität, Schlaflosigkeit · Aggressivität, Erregtheit, Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Angespanntheit, anomales Verhalten · Zorn, Ruhelosigkeit, Traurigkeit, übermäßiger Rededrang, übermäßige Wahrnehmung der Umgebung
NaltrexonSehr häufigNervosität, Angstzustände, Schlaflosigkeit · Erregtheit (Agitiertheit) · Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Unruhe
QuetiapinSehr häufigUngewöhnliche Muskelbewegungen: erschwerter Bewegungsbeginn, Zittern, Ruhelosigkeit, steife Muskeln
ZuclopenthixolSehr häufigBewegungsdrang und Unfähigkeit, sitzen zu bleiben (Akathisie), Unruhe · Erregung, Depression, Angst · Zeichen von Erregung und Verwirrtheit, besonders bei gleichzeitiger Einnahme anticholinerg wirksamer Mittel
AmisulpridHäufigSchlaflosigkeit, Angst, gesteigerte körperliche Erregbarkeit (Agitiertheit) und Orgasmusstörungen
AmitriptylinHäufigRuhelosigkeit (Agitiertheit) · Aufregung, Angst · Gefühl innerer Unruhe mit überwältigendem Drang, sich ständig zu bewegen (Akathisie)
AripiprazolHäufigSchlafprobleme, Angstgefühl, Unruhegefühl und nicht stillhalten können, Schwierigkeiten, still zu sitzen · Akathisie, ein unangenehmes Gefühl von innerer Unruhe und ein zwanghafter Bewegungsdrang · Bei Jugendlichen ab…
AtomoxetinHäufigBei Kindern und Jugendlichen: Reizbarkeit oder Unruhe · Bei Erwachsenen: Unruhe, Gefühl von Nervosität und Gereiztheit · Bei Erwachsenen: Ruhelosigkeit und Zuckungen
BuprenorphinHäufigVerwirrtheit, Schlafstörungen, Unruhe (Pflaster) · Unruhe, Angst, Nervosität, Benommenheit, Depression, Feindseligkeit, Paranoia, anomales Denken (Substitution, Sublingualtabletten ohne Naloxon)
BupropionHäufigAngst- oder Erregungszustände · Unruhegefühl, Gereiztheit, Feindseligkeit, Aggressivität, seltsame Träume einschließlich Albträumen
BuspironHäufigErregung, Nervosität · Entfremdungserlebnisse, Unbehagen, Geräuschempfindlichkeit, Hochstimmung, Bewegungsdrang, Ängstlichkeit, Interessenverlust, Assoziationsstörungen · Ruhelosigkeit
ChlorprothixenHäufigNervosität, Erregung (Agitiertheit)
CitalopramHäufigUnruhe (Agitiertheit), Nervosität, Verwirrtheit · Gefühl der Ruhelosigkeit oder Unvermögen, stillzusitzen oder stillzustehen (Akathisie), unwillkürliche Muskelbewegungen
DesvenlafaxinHäufigAngstgefühl, Nervosität · Bewegungsänderungen, zum Beispiel unfreiwillige Muskelbewegungen, Ruhelosigkeit
DonepezilHäufigErregungszustände und aggressives Verhalten
DoxepinHäufigInnere Unruhe
DuloxetinHäufigSich aufgeregt fühlen (Agitiertheit) · Innere Unruhe oder Unvermögen, still zu sitzen oder still zu stehen (Akathisie); Nervosität · Psychomotorische Unruhe
EscitalopramHäufigAngst, Ruhelosigkeit und ungewöhnliche (anormale) Träume · Zähneknirschen, Erregtheit (Agitiertheit), Nervosität, Panikattacken und Verwirrtheit · Quälende innere Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie, psychomotorische…
EsketaminHäufigUnruhe (Agitiertheit)
EszopiclonHäufigNervosität, Depression, Angst · Verwirrtheit, Aufgeregtheit · Emotionale Verstimmung, Aggression, Ärger, Unruhe
FluoxetinHäufigNervosität, Angst, Ruhelosigkeit, sich angespannt fühlen · Untypisches wildes Verhalten (laut Fachinformation Hypomanie und Manie), Halluzinationen, Erregtheit, Panikattacken, Verwirrtheit, Stottern, Aggression ·…
FluvoxaminHäufigErregungszustand, Ängstlichkeit, Nervosität
GuanfacinHäufigRuhelosigkeit oder Reizbarkeit · Aufgeregtheit (laut Fachinformation Agitiertheit) und Aggression
LamotriginHäufigRuhelosigkeit (Agitiertheit)
LevomethadonHäufigBenommenheit, Beruhigung (Sedation), Verwirrtheit, Desorientiertheit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Unruhe, gelegentlich bis häufig
LisdexamfetaminHäufigGefühl der Erregung, Zerfahrenheit oder "Hippeligkeit", Angst, Depression, Aggressivität, Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen · Unruhe · Unkontrollierte zuckende oder fahrige Bewegungen, Zittern oder ungewöhnlich…
MilnacipranHäufigErregtheit (Agitiertheit), Ängstlichkeit
MoclobemidHäufigErregtheit (Agitiertheit), Angstzustände, Unruhe · Erregung
ModafinilHäufigNervosität · Feindseligkeit, Agitiertheit, Aggression · Übermäßiger Bewegungs- und Tätigkeitsdrang (psychomotorische Hyperaktivität)
NatriumoxybatHäufigAngst, Nervosität · Erregtheit (Agitiertheit)
OlanzapinHäufigRuhelosigkeit (laut Fachinformation Akathisie)
OxcarbazepinHäufigAngst und Nervosität, Depression, Stimmungsschwankungen · Teilnahmslosigkeit (Apathie), Erregung und Verwirrtheit
PaliperidonHäufigRuhelosigkeit (laut Fachinformation Akathisie), sich schläfrig fühlen oder unaufmerksam sein (Sedierung, Somnolenz) · Schlafstörungen, Erregungszustand (Manie), verminderter sexueller Antrieb, Nervosität, Albträume ·…
ParoxetinHäufigSich aufgeregt oder erregt fühlen (Agitiertheit) · Innere Unruhe mit dem Gefühl, nicht ruhig sitzen oder stehen zu können (Akathisie); eine Dosiserhöhung kann diese Gefühle verschlimmern
RisperidonHäufigSchlafstörungen, Reizbarkeit, Depression, Angst, innere Unruhe · Erregungszustand (Manie), Verwirrtheit, verminderter sexueller Antrieb, Nervosität, Albträume
RivastigminHäufigAufgeregtheit (Agitiertheit) · Hyperaktivität (hohe Aktivität, Ruhelosigkeit; laut Fachinformation psychomotorische Überaktivität) · Ruhelosigkeit und Albträume · Bei Exelon Hartkapseln beobachtet und möglicherweise…
SertralinHäufigAngst, Depression, Erregtheit (Agitiertheit), Nervosität · Gestörte Bewegungen, Bewegungsschwierigkeiten, unwillkürliche Bewegungsstörung (Choreoathetose), verstärkte Empfindung (Hyperästhesie), Empfindungsstörungen;…
SolriamfetolHäufigGefühl der Fahrigkeit · Aufgeregtheit (Agitiertheit), Ruhelosigkeit
TiapridHäufigUnruhe · Unfähigkeit, still zu sitzen oder unbeweglich zu bleiben (Akathisie)
TranylcyprominHäufigAngstzustände, Erregtheit (Agitiertheit), Unruhe
TrazodonHäufigSchwindel, Kopfschmerzen, Unruhe · Schlaflosigkeit, Angst, Nervosität, Unruhe (sehr selten verschärft zu einem Delirium)
ValproinsäureHäufigAggression, Unruhe (Agitiertheit), Aufmerksamkeitsstörung, besonders bei Kindern · Abnormes Verhalten, Unruhe, Lernstörung, hauptsächlich bei Kindern
VenlafaxinHäufigErregtheit (Agitiertheit) und Nervosität · Gefühl der Ruhelosigkeit oder Unfähigkeit, stillzusitzen oder stillzustehen (Akathisie)
ZiprasidonHäufigKrankhafte Hochstimmung (Manie), Erregtheit (Agitiertheit), Angst, Unruhe · Sitzunruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie) · Panikattacken, Nervosität
ZolpidemHäufigWahrnehmung von Dingen, die nicht real sind (Halluzinationen), Erregung, Albträume · Gefühl intensiver Hochstimmung oder Zuversicht (Euphorie), Unruhe oder Wut
AgomelatinGelegentlichUnruhe, Gereiztheit und Ruhelosigkeit (Agitiertheit) · Unfähigkeit, still zu halten, aufgrund körperlicher und seelischer Unruhe (Akathisie)
AlprazolamGelegentlichAngst, Ruhelosigkeit (Agitiertheit), Nervosität, Stimulation
CarbamazepinGelegentlichBei älteren Menschen Verwirrtheit und Unruhe (Agitation) · Sinnestäuschungen (optische und akustische Halluzinationen), Depression, depressive oder manische Verstimmungen, Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten; laut…
DikaliumclorazepatGelegentlichReizbarkeit, gesteigerte Aktivität (Agitiertheit), Verwirrtheit als sogenannte "paradoxe" Reaktionen, besonders bei älteren Menschen und Kindern · Wirkungsumkehr ("paradoxe Reaktion"), besonders bei älteren Menschen…
ImipraminGelegentlichInnere Unruhe, Verstärkung von Angst und Erregung · Bewegungsstörungen: quälende Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie) und unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien)
LevomepromazinGelegentlichUnruhe, Erregung
MelatoninGelegentlichReizbarkeit, Nervosität, Rastlosigkeit, Angst · Rastlosigkeit mit gesteigerter Aktivität (psychomotorische Hyperaktivität) · Aggression, krankhafte Unruhe (Agitiertheit), Stresssymptome · Bei Kindern und Jugendlichen…
MirtazapinGelegentlichErregtheit (Agitiertheit), Bewegungsdrang (psychomotorische Unruhe einschließlich Akathisie)
PitolisantGelegentlichErregtheit (Agitiertheit), Nervosität, Anspannung, Ruhelosigkeit und Unfähigkeit, still zu bleiben · Übermäßiger Bewegungsdrang (psychomotorische Hyperaktivität) · Erregbarkeit
PregabalinGelegentlichBeeinträchtigung des Persönlichkeitsgefühls (Depersonalisation), Ruhelosigkeit, körperliche Unruhe (Agitiertheit), Teilnahmslosigkeit
SulpiridGelegentlichErhöhte Muskelspannung, Nervosität, Schlaf- und Konzentrationsstörungen
VareniclinGelegentlichUnruhe
ZopiclonGelegentlichGesteigerter Bewegungsdrang (Agitiertheit) · Unruhe, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Aggressivität, Wut, Sinnestäuschungen (Halluzinationen), Psychosen (z. B. Wahnvorstellungen), unnormales Verhalten, möglicherweise mit…
BiperidenSeltenBei höheren Dosen Unruhe, gesteigerte Erregbarkeit (Agitiertheit), Angst, Verwirrtheit, Sinnestäuschungen (delirante Syndrome und Halluzinationen), Schlaflosigkeit · Nervosität, unnatürlich gehobene Stimmung (Euphorie)
ClozapinSeltenErregtheit (Agitiertheit) und Ruhelosigkeit
NitrazepamSeltenStimmungsänderung, Angst, Unruhe, krankhafte Unruhe (Agitiertheit)
OpipramolSeltenErregungszustände; Verwirrtheitszustände und Delirien, vor allem bei älteren Menschen · Unruhe, Schweißausbrüche und Schlafstörungen, vor allem bei plötzlichem Absetzen einer längerfristigen, hoch dosierten Behandlung…
ClonazepamNicht bekanntWirkungsumkehr ("paradoxe Reaktionen") wie Unruhe, Erregtheit (Agitiertheit), Reizbarkeit, Aggression, Nervosität, Feindseligkeit, Angst, Schlafstörungen, Wahnvorstellungen, Wut, Albträume, ungewöhnliche Träume,…
DiazepamNicht bekanntSinnestäuschungen (Halluzinationen) und eine Wirkungsumkehr ("paradoxe Reaktionen") wie Erregbarkeit, Reizbarkeit, aggressives Verhalten, Unruhe, Nervosität, Feindseligkeit, Angstzustände, Schlafstörungen, Albträume…
DoxylaminNicht bekannt"Paradoxe" Reaktionen wie Unruhe, Erregung, Spannung, Schlaflosigkeit, Albträume, Verwirrtheit, Halluzinationen und Zittern
FlurazepamNicht bekanntPsychiatrische und "paradoxe" Reaktionen, zum Beispiel Angst, Reizbarkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Albträume, Unruhe, Erregungszustände, Verwirrtheit, Aggressivität, Wahnvorstellungen, psychotische Erkrankungen,…
HydroxyzinNicht bekanntErregung, Spannung, Unruhe
JohanniskrautNicht bekanntUnruhe
LorazepamNicht bekanntParadoxe Reaktionen, also Wirkungen entgegen der erwarteten Beruhigung, zum Beispiel Angst, Erregungszustände, Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten (Feindseligkeit, Aggression, Wut), Schlafstörungen oder…
MedazepamNicht bekanntWirkungsumkehr ("paradoxe Reaktionen") wie akute Erregungszustände, Angst, Suizidalität (Neigung zum Suizid), Schlaflosigkeit, Wutanfälle oder vermehrte Muskelkrämpfe
MethadonNicht bekanntErregtheit (Agitiertheit)
PromethazinNicht bekanntRuhelosigkeit (laut Fachinformation psychomotorische Hyperaktivität)
TemazepamNicht bekanntHalluzinationen, Enthemmung, euphorische Stimmungen, Unruhe, Schlafstörungen
TriazolamNicht bekanntAggressivität, Unruhe, Erregtheit (Agitiertheit), Reizbarkeit, Wut
TrimipraminNicht bekanntInnere Unruhe und Schlafstörungen

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (81 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Unruhe und Nervosität als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (9 Wirkstoffe)

Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.

Unruhe und Nervosität als Zeichen einer anderen Nebenwirkung
WirkstoffAngabe in der ProduktinformationHäufigkeit dieser Nebenwirkung
CitalopramSerotonin-Syndrom, erkennbar an Krankheitszeichen wie hohem Fieber, Zittern, plötzlichen Muskelzuckungen und UnruheSelten
EscitalopramSerotonin-Syndrom mit hohem Fieber, Erregtheit (Agitiertheit), Verwirrtheit, Zittern und plötzlichen MuskelzuckungenSelten
GuanfacinHoher Blutdruck bei abruptem Absetzen als schwerwiegende Absetzreaktion; mögliche Zeichen sind Kopfschmerz, Verwirrtheit, Nervosität, Erregung und Zittern (hypertensive Enzephalopathie)Sehr selten
LecanemabInfusionsbedingte Reaktionen, auch an der Infusionsstelle; Anzeichen sind unter anderem Fieber, grippeähnliche Beschwerden wie Schüttelfrost, Körperschmerzen, Zittern und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, niedriger oder hoher Blutdruck, niedriger…Sehr häufig
LevomethadonZu Beginn der Substitutionsbehandlung Opiat-Entzugssymptome wie Angstzustände, Appetitlosigkeit, unwillkürliche zuckende und stoßende Bewegungen, Darmkrämpfe, Depression, Durchfall, Erbrechen, Fieber, abwechselnd Frösteln und Hitzewallungen, Gähnen,…Häufig
MirtazapinKombination von Beschwerden wie unerklärlichem Fieber, Schwitzen, beschleunigtem Herzschlag, Durchfall, unkontrollierbaren Muskelkontraktionen, Schüttelfrost, übersteigerten Reflexen, Ruhelosigkeit, Stimmungsschwankungen, Bewusstlosigkeit und vermehrtem…Nicht bekannt
SertralinZeichen eines Serotonin-Syndroms oder eines malignen neuroleptischen Syndroms wie Erregtheit, Verwirrtheit, übermäßiges Schwitzen, Durchfall, Fieber, hoher Blutdruck, Muskelsteifheit (Rigidität) und schneller Herzschlag; in einigen Fällen zusammen mit der…Selten
TrazodonZeichen eines Serotoninsyndroms oder malignen neuroleptischen Syndroms, zum Beispiel Schwitzen, Durchfall, Fieber, Blutdruckschwankungen, beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Erregtheit (Agitation), Muskelsteifigkeit (Rigidität) und BewusstseinsstörungenSehr selten
VenlafaxinSerotonin-Syndrom (Unruhe, Halluzinationen, Koordinationsverlust, schneller Herzschlag, erhöhte Körpertemperatur, schnelle Blutdruckänderungen, überaktive Reflexe, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Koma); in der schwersten Form ähnlich einem malignen…Selten

Warum es zur Akathisie kommt

Die Bewegungsstörungen unter Antipsychotika zählt die S3-Leitlinie Schizophrenie zu den antidopaminergen Nebenwirkungen, also zu Nebenwirkungen, die mit der Wirkung gegen den Botenstoff Dopamin zusammenhängen [17]. Laut Fachinformation von Haloperidol ist die Wirkung des Mittels auf die Basalganglien, bestimmte Bereiche im Gehirn, wahrscheinlich die Ursache für Bewegungsstörungen wie Dystonie, Akathisie und Parkinsonismus [13].

Die S3-Leitlinie beschreibt die Akathisie als häufig verbunden mit einer höheren Dosis des Antipsychotikums und mit anderen Bewegungsstörungen. Ein höheres Risiko haben laut Leitlinie unter anderem ältere Menschen, jüngere Menschen mit chronischem Krankheitsverlauf, Frauen und Menschen mit einer begleitenden körperlichen Erkrankung [17]. Laut Fachinformation sollte Cariprazin bei Menschen, die für eine Akathisie anfällig sind oder schon Anzeichen davon zeigen, mit Vorsicht angewendet werden [11].

Kommt die Unruhe vom Medikament?

Einen Anhaltspunkt gibt der zeitliche Zusammenhang. Laut den Fachinformationen von Sertralin, Escitalopram, Venlafaxin und Haloperidol tritt eine Akathisie am ehesten oder am wahrscheinlichsten in den ersten Behandlungswochen auf [2, 4, 8, 13]. Unter Antipsychotika der ersten Generation kann sie laut S3-Leitlinie schon in den ersten Tagen beginnen, aber auch erst nach Wochen oder Monaten [17]. Nach einer Dosiserhöhung können sich die Beschwerden laut den Packungsbeilagen von Paroxetin und Fluoxetin verstärken [5, 6].

Leicht ist die Unterscheidung nicht immer. Weil mit einer Akathisie laut S3-Leitlinie häufig eine "dysphorische Stimmungslage" verbunden ist, fällt bei einer Schizophrenie die Abgrenzung von psychotischer Erregung und Angst manchmal schwer. Betroffene äußern die Akathisie oft nicht von sich aus, und es gibt viele Fälle ohne oder nur mit leichten sichtbaren Zeichen wie Umherlaufen, Wippen oder Tippeln. Das Erkennen ist laut Leitlinie deshalb wesentlich: Eine Akathisie muss durch gezieltes Fragen von anderer Unruhe unterschieden werden. Eine Skala, die Barnes Akathisia Rating Scale, kann die Diagnostik unterstützen [17]. Die Fachinformation von Perazin beschreibt die Akathisie als beinbetonte Bewegungsunruhe, häufig verbunden mit depressiver Verstimmung [14].

Auch die Erkrankung selbst kann unruhig machen. Die NVL Unipolare Depression zählt eine innerliche Unruhe und ein Gefühl des Getriebenseins zu den möglichen Zusatzsymptomen einer Depression; eine ihrer Beispielfragen lautet, ob man innerlich so unruhig ist, dass man nicht stillsitzen kann [19]. Laut S3-Leitlinie Schizophrenie können außerdem motorische Nebenwirkungen, vor allem eine Akathisie, Schlafstörungen nach sich ziehen [17].

Ob die Unruhe vom Medikament, von der Erkrankung oder von etwas anderem kommt, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüfen. Notieren Sie, wann die Unruhe begonnen hat und ob sich kurz vorher die Dosis geändert hat, zum Beispiel im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch.

Was Sie tun können

Mann in den Vierzigern geht nachdenklich in einem hellen Wohnzimmer auf und ab, eine Hand im Nacken
Bild: KI-generiert

Ändern Sie die Dosis nicht selbst und setzen Sie das Mittel nicht eigenmächtig ab. Sprechen Sie die Unruhe früh an: Die Packungsbeilagen von Sertralin, Escitalopram, Paroxetin, Fluoxetin, Venlafaxin und Duloxetin bitten ausdrücklich darum, sich bei solchen Beschwerden an die Ärztin oder den Arzt zu wenden [1, 3, 5, 6, 7, 9]. Die Packungsbeilage von Sertralin begründet das: Eine Dosiserhöhung kann schädlich sein, deshalb sollen Sie beim Auftreten solcher Beschwerden mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen [1].

Bei einer Schizophrenie sollen Nebenwirkungen von Antipsychotika laut S3-Leitlinie aktiv erfragt und dokumentiert werden, und bei Verdacht sollen eine Abklärung und Behandlung angeboten werden (Empfehlung 51). Je nach Schwere der Nebenwirkung soll nach Abwägung von Nutzen und Risiko eine Anpassung oder Verringerung der Dosis, eine Umstellung auf ein anderes Präparat oder das Absetzen angeboten werden (Empfehlung 52). Für die Akathisie nennt die Leitlinie eine geringere Dosis oder die Umstellung auf ein Antipsychotikum mit weniger Risiko für eine Akathisie als übliche Wege, wenn der psychopathologische Befund das zulässt [17].

Die Fachinformation von Cariprazin nennt als vorbeugende Maßnahme eine langsame Steigerung der Dosis und als Behandlung eine langsame Verringerung der Dosis oder Arzneimittel gegen extrapyramidale Symptome [11]. Laut Fachinformation von Perazin ist die Behandlung der Akathisie schwierig; zunächst kann eine Verringerung der Dosis versucht werden [14].

Ist das bei einer Schizophrenie nicht möglich und ist der Leidensdruck groß, sollten laut S3-Leitlinie verschiedene Behandlungsversuche mit Medikamenten unternommen werden, von denen viele keine gute Evidenz haben; für die in der Literatur diskutierten Möglichkeiten sind gut gemachte Studien nicht verfügbar [17]. Für Bewegungsstörungen durch Arzneimittel, ausdrücklich auch für die Akathisie, ist laut Fachinformation das Anticholinergikum Biperiden zugelassen [15]. Die S3-Leitlinie nennt niedrig dosierte Anticholinergika wie Biperiden unter den diskutierten Möglichkeiten und bezeichnet die Evidenz für diese in der Klinik häufig verwendete Behandlung als gering [17]. Welche Möglichkeit für Sie in Frage kommt, prüft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Mehr über Bewegungsstörungen durch Antipsychotika lesen Sie unter Bewegungsstörungen. Den nächsten Termin können Sie mit den Fragen fürs Arztgespräch vorbereiten.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Bei einer Schizophrenie ist eine Akathisie laut S3-Leitlinie Schizophrenie von besonderer klinischer Bedeutung, weil sie mit einem erhöhten Risiko einer Suizidalität verbunden ist [17]. Auch zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva kann laut NVL Unipolare Depression aus der Aktivierung der Behandelten sowie aus Nebenwirkungen wie innerer und motorischer Unruhe, Schlafstörungen oder Angst ein erhöhtes Suizidrisiko resultieren, insbesondere bei SSRI und SNRI. In den ersten Behandlungswochen ist laut NVL deshalb eine engmaschige und aktive Überwachung der Suizidalität notwendig. Während der Aufdosierung und bis die Wirkung einsetzt, soll laut NVL besonders auf Anzeichen geachtet werden, die auf ein erhöhtes Suizidrisiko hindeuten (Empfehlung 4-9, starke Empfehlung) [19].

Haben Sie Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, gehen Sie laut Packungsbeilage von Sertralin zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf [1]. Sie können sich auch sofort an eines der folgenden Hilfsangebote wenden.

Unruhe kann auch zu einem seltenen, ernsten Krankheitsbild gehören. Erregtheit, Verwirrtheit, Durchfall, hohe Körpertemperatur, hoher Blutdruck, übermäßiges Schwitzen und schneller Herzschlag können laut Packungsbeilage von Sertralin Symptome eines Serotonin-Syndroms oder eines malignen neuroleptischen Syndroms sein; auch bei diesen Beschwerden heißt es dort: "Benachrichtigen Sie Ihren Arzt umgehend" [1]. Mehr dazu unter Serotonin-Syndrom und Malignes neuroleptisches Syndrom.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
  2. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Escitalopram-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Escitalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Duloxetin-ratiopharm 30 mg, 60 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
  10. EMA-Produktinformation ABILIFY (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, und Anhang III B: Packungsbeilage ABILIFY Tabletten. Otsuka Pharmaceutical Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 23.10.2026
  11. EMA-Produktinformation Reagila (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, und Anhang III B: Packungsbeilage Reagila Hartkapseln. Gedeon Richter Plc. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
  14. Fachinformation Perazin-neuraxpharm 25 mg, 100 mg, 200 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 23.10.2026
  15. Fachinformation Biperiden-neuraxpharm 2 mg/4 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2020. abgerufen am 23.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Solian 200 mg Tabletten (gleichlautend für 100 mg Tabletten und 400 mg Filmtabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 23.10.2026
  17. Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
  18. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Schizophrenie. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
  19. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand Version 3.2, Juli 2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
  20. Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was ist eine Akathisie?

Eine Akathisie ist eine Sitzunruhe. Laut Fachinformationen ist sie durch eine als quälend erlebte Ruhelosigkeit und einen Bewegungsdrang gekennzeichnet, oft mit der Unfähigkeit, still zu sitzen oder still zu stehen. Die S3-Leitlinie Schizophrenie beschreibt eine Bewegungsunruhe vor allem in den Beinen mit innerer Anspannung; Betroffene schaukeln zum Beispiel hin und her oder trippeln auf der Stelle. Die Akathisie zählt zu den Bewegungsstörungen, die Antipsychotika auslösen können, kommt aber auch unter einigen Antidepressiva vor.

Welche Medikamente machen innere Unruhe?

Innere Unruhe oder Nervosität nennen die Packungsbeilagen vieler Psychopharmaka, darunter Antidepressiva und Antipsychotika; die Tabellen auf dieser Seite zeigen die Angaben aus den Produktinformationen. Laut Fachinformation von Cariprazin gehören Akathisie und Unruhe zu den häufig auftretenden Nebenwirkungen von Antipsychotika. Unruhe kann außerdem beim Absetzen auftreten, etwa laut Packungsbeilage von Paroxetin.

Können Antidepressiva eine Akathisie auslösen?

Ja. Laut den Fachinformationen von Sertralin und Venlafaxin wurde ihre Anwendung mit einer Akathisie in Verbindung gebracht, die Fachinformation von Escitalopram sagt das für SSRI und SNRI allgemein. Die Akathisie tritt am ehesten in den ersten Behandlungswochen auf; eine Dosiserhöhung kann dann schädlich sein. Die NVL Unipolare Depression zählt Unruhe zu den wichtigen Nebenwirkungen der SSRI und SNRI. Sprechen Sie solche Beschwerden bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.

Tritt bei Aripiprazol eine Akathisie auf?

Das ist möglich. Die Packungsbeilage von Aripiprazol nennt die Akathisie, ein unangenehmes Gefühl von innerer Unruhe und einen zwanghaften Bewegungsdrang, unter den häufigen Nebenwirkungen; sie kann also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen. In den placebokontrollierten Studien gehörte sie zu den am häufigsten berichteten Nebenwirkungen. Ändern Sie die Einnahme nicht selbst, sondern besprechen Sie die Unruhe mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was hilft gegen eine Akathisie?

Zuerst das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; ändern Sie die Dosis nicht selbst. Bei einer Schizophrenie nennt die S3-Leitlinie eine geringere Dosis oder die Umstellung auf ein Antipsychotikum mit weniger Risiko für eine Akathisie als übliche Wege, wenn der psychopathologische Befund das zulässt. Biperiden ist laut Fachinformation auch bei einer Akathisie durch Arzneimittel zugelassen; die Leitlinie bewertet die Evidenz für diese Behandlung als gering. Für weitere in der Literatur diskutierte Medikamente sind laut Leitlinie gut gemachte Studien nicht verfügbar.

Geht eine Akathisie wieder weg?

Bei Antipsychotika zählt die S3-Leitlinie Schizophrenie die Akathisie zu den akuten Bewegungsstörungen. Diese sind laut Leitlinie von der Dosis abhängig und bilden sich zurück, wenn die Dosis verringert oder das Antipsychotikum abgesetzt wird. Ob und wie die Behandlung geändert wird, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; setzen Sie das Mittel nicht selbst ab.

Warum bin ich zu Beginn eines Antidepressivums so unruhig?

Unruhe gehört laut NVL Unipolare Depression zu den wichtigen Nebenwirkungen der SSRI und SNRI, und eine Akathisie tritt laut mehreren Fachinformationen am ehesten in den ersten Behandlungswochen auf. Innere Unruhe kann aber auch ein Zeichen der Depression selbst sein. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Bescheid: Laut NVL kann aus innerer und motorischer Unruhe zu Beginn der Behandlung ein erhöhtes Suizidrisiko resultieren. Hilfe finden Sie im Abschnitt Wann Sie sofort Hilfe brauchen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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    Spätdyskinesien sind unwillkürliche Bewegungen von Zunge, Mund oder Gesicht nach längerer Einnahme von Antipsychotika.

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