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Spätdyskinesien (tardive Dyskinesien)
Spätdyskinesien, auch tardive Dyskinesien genannt, sind unwillkürliche Bewegungen vor allem von Zunge, Mund und Gesicht, die bei einer längeren Behandlung mit Antipsychotika auftreten können. Laut S3-Leitlinie Schizophrenie zeigen sie sich in der Regel erst Monate bis Jahre nach Beginn, bleiben nach dem Absetzen oft bestehen und können unumkehrbar sein. Wenn Ihnen solche Bewegungen auffallen, informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und halten Sie sich an die Hinweise der Packungsbeilage Ihres Präparats.

Spätdyskinesien, auch tardive Dyskinesien genannt, sind laut S3-Leitlinie Schizophrenie (Version 5.0, Stand 13.06.2026, gültig bis 12.07.2027) durch unwillkürliche, stereotype Bewegungsmuster gekennzeichnet. Im Bereich von Mund und Gesicht sind das zum Beispiel mahlende oder mümmelnde Kaubewegungen, automatische Schluckbewegungen, Schmatzen, Grimassieren und rollende Zungenbewegungen; dazu kommen Kopfwendungen, ständiges Blinzeln und Bewegungen etwa der Finger und Zehen [1, 2]. Die Leitlinie zählt Spätdyskinesien zu den chronischen Bewegungsstörungen unter Antipsychotika: Sie zeigen sich in der Regel erst Monate bis Jahre nach Beginn, hängen nicht unbedingt von der Dosis ab, bleiben nach dem Absetzen oft bestehen und können unumkehrbar sein [1].
Die Packungsbeilagen beschreiben sie in Alltagssprache. Bei Tiaprid heißt es "unwillkürliche, rhythmische Bewegungsstörungen", die vorwiegend im Bereich von Zunge, Lippen und Gesicht auftreten [3]. Die Packungsbeilage von Risperidon spricht von unkontrollierbaren zuckenden oder ruckartigen Bewegungen des Gesichts, der Zunge oder anderer Teile des Körpers [5]. Laut Fachinformation von Haloperidol äußert sich das Syndrom vorwiegend durch rhythmische unwillkürliche Bewegungen von Zunge, Gesicht, Mund oder Kiefer [8].
Von den Spätdyskinesien zu unterscheiden sind die Frühdyskinesien, Muskelverkrampfungen, die in der Regel in den ersten Tagen und Wochen einer Behandlung auftreten und sich bei geringerer Dosis oder nach dem Absetzen zurückbilden [1]. Mehr dazu unter Bewegungsstörungen durch Antipsychotika.
Welche Psychopharmaka Spätdyskinesien auslösen können
Laut Fachinformation von Risperidon werden Arzneimittel, die Andockstellen für den Botenstoff Dopamin blockieren, mit der Entstehung von Spätdyskinesien in Verbindung gebracht [6]. Bei Tiaprid wurde laut Fachinformation nach einer Behandlung von mehr als 3 Monaten, wie bei allen Neuroleptika, über Spätdyskinesien berichtet; dort sind sie selten [4]. Die Fachinformation von Sulpirid beschreibt, dass wie bei allen Neuroleptika nach längerer, meist hoch dosierter Behandlung von mehr als 3 Monaten eine nicht rückbildungsfähige Spätdyskinesie auftreten kann [11]. Laut Fachinformation von Cariprazin kann es unter antipsychotischer Behandlung zu potenziell nicht umkehrbaren, rhythmischen, unwillkürlichen Bewegungen vorwiegend der Zunge oder des Gesichts kommen [14].
Wie häufig das vorkommt, geben die Produktinformationen unterschiedlich an. Bei Risperidon und Quetiapin stehen Spätdyskinesien in der Packungsbeilage unter den gelegentlichen Nebenwirkungen, sie können also bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen [5, 18]. Bei Haloperidol fasst die Packungsbeilage Spätdyskinesien mit anderen unkontrollierten Bewegungen zusammen, die insgesamt sehr häufig sind; die Fachinformation führt die tardive Dyskinesie einzeln als häufig [7, 8]. Auch bei Mitteln aus anderen Gruppen kommen Spätdyskinesien vor, etwa sehr selten bei dem Antidepressivum Venlafaxin [15].
Alle Wirkstoffe mit Datensatz im Überblick
Die Tabelle zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Datensatz auf Psychopharmakon.de, deren Produktinformation Spätdyskinesien mit einer Häufigkeit nennt, jeweils mit der höchsten angegebenen Häufigkeit. Sie ist keine Rangliste: Jede Klasse stammt aus der Produktinformation eines einzelnen Präparats, und welches Mittel für Sie in Frage kommt, wägt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen ab.
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Haloperidol | Häufig | Laut Fachinformation einzeln genannt: Spätdyskinesie (tardive Dyskinesie), Sitzunruhe (Akathisie), verlangsamte oder verminderte Bewegungen (Bradykinesie, Hypokinesie), unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesie),… |
| Ziprasidon | Häufig | Spätdyskinesien und andere unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien) |
| Amisulprid | Gelegentlich | Spätdyskinesien: rhythmische unwillkürliche Bewegungen vor allem von Zunge und/oder Gesicht, gewöhnlich nach Langzeitbehandlung; Antiparkinson-Mittel sind dagegen unwirksam oder können die Beschwerden verstärken |
| Aripiprazol | Gelegentlich | Nicht kontrollierbare Bewegungen von Mund, Zunge und Gliedmaßen (tardive Dyskinesie), eine Muskelerkrankung mit windenden Bewegungen (Dystonie), unruhige Beine |
| Cariprazin | Gelegentlich | Unwillkürliche Bewegungen, am häufigsten der Zunge oder des Gesichts, nach kurzfristiger oder langfristiger Anwendung (tardive Dyskinesie, Dyskinesie) |
| Chlorprothixen | Gelegentlich | Anhaltende, vielfach nicht umkehrbare Störungen des Bewegungsablaufs (Spätdyskinesien) nach zumeist längerer und hoch dosierter Behandlung oder nach Abbruch der Behandlung: unwillkürliche Bewegungen vor allem im… |
| Flupentixol | Gelegentlich | Ungewöhnliche Bewegungen von Mund und Zunge als mögliches frühes Zeichen einer tardiven Dyskinesie, also einer Spätdyskinesie (Filmtabletten) |
| Levomepromazin | Gelegentlich | Nach langfristiger Anwendung, besonders bei Frauen und älteren Menschen: Bewegungsstörungen vor allem im Mundbereich (Spätdyskinesien), die noch nach dem Ende der Behandlung anhalten können und manchmal nicht heilbar… |
| Olanzapin | Gelegentlich | Spät auftretende Bewegungsstörungen (tardive Dyskinesie) |
| Paliperidon | Gelegentlich | Tardive Dyskinesie: unkontrollierbare zuckende oder ruckartige Bewegungen von Gesicht, Zunge oder anderen Körperteilen |
| Perazin | Gelegentlich | Nach längerfristiger Anwendung von Neuroleptika, insbesondere bei älteren Menschen und bei Frauen: Spätdyskinesien vor allem im Mundbereich, die noch nach dem Ende der Behandlung anhalten können und manchmal nicht… |
| Quetiapin | Gelegentlich | Unkontrollierbare Bewegungen, vor allem von Gesicht oder Zunge (Spätdyskinesie) |
| Risperidon | Gelegentlich | Spätdyskinesie (tardive Dyskinesie): unkontrollierbare zuckende oder ruckartige Bewegungen von Gesicht, Zunge oder anderen Körperteilen |
| Zuclopenthixol | Gelegentlich | Spätdyskinesien und andere unwillkürliche Bewegungsstörungen (Dyskinesie) sowie abnormale Körperhaltungen |
| Buspiron | Selten | Bewegungsstörungen mit unwillkürlichen Bewegungen, Starre und Verlangsamung (extrapyramidale Beschwerden), einschließlich Früh- und Spätdyskinesien, Dystonien und Steifigkeit (Rigor), Parkinson-Syndrome, Sitzunruhe… |
| Tiaprid | Selten | Rhythmische, unwillkürliche Bewegungen vor allem der Zunge und/oder der Gesichtsmuskulatur nach längerer Behandlung (mehr als 3 Monate) (tardive Dyskinesie) |
| Clozapin | Sehr selten | Nicht kontrollierbare Bewegungen von Mund, Zunge und Gliedern (Spätdyskinesie) |
| Venlafaxin | Sehr selten | Unwillkürliche Bewegungen, die erst nach längerer Behandlung auftreten (tardive Dyskinesie) |
| Benperidol | Nicht bekannt | Spätdyskinesien (anhaltende, vielfach nicht rückbildungsfähige unwillkürliche Bewegungen vor allem der Kiefer- und Gesichtsmuskulatur, auch der Arme und Beine), meist nach längerer und hoch dosierter Behandlung oder… |
| Melperon | Nicht bekannt | Anhaltende Störungen des Bewegungsablaufs (Spätdyskinesien, zum Beispiel unwillkürliche Bewegungen an Armen und Beinen) nach zumeist längerer und hoch dosierter Behandlung; unter Melperon bisher nur in Einzelfällen… |
| Pipamperon | Nicht bekannt | Anhaltende Störung des Bewegungsablaufs (laut Fachinformation tardive Dyskinesie, also Spätdyskinesie) |
| Promethazin | Nicht bekannt | Nach längerfristiger Anwendung, insbesondere bei älteren Menschen und bei Frauen: Spätdyskinesien vor allem im Mundbereich, die über das Ende der Behandlung hinaus anhalten und manchmal nicht umkehrbar sein können;… |
| Sulpirid | Nicht bekannt | Nach längerer (mehr als 3 Monate) und meist hoch dosierter Behandlung: Spätdyskinesien mit rhythmischen, unwillkürlichen Bewegungen vor allem im Mund- und Gesichtsbereich, auch an Armen und Beinen, die nicht umkehrbar… |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (23 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Warum es zu Spätdyskinesien kommt
Als allgemeine Risikofaktoren nennt die S3-Leitlinie Schizophrenie ein höheres Alter, das weibliche Geschlecht, schon bestehende andere Bewegungsstörungen wie ein Parkinsonoid, Diabetes mellitus, affektive Störungen, einen früheren Drogenkonsum sowie eine höhere Dosis und eine längere Dauer der antipsychotischen Behandlung [1]. Auch laut Fachinformation von Risperidon ist das Auftreten anderer Bewegungsstörungen ein Risikofaktor für Spätdyskinesien [6]. Frauen und ältere Menschen scheinen laut Fachinformation von Sulpirid eher betroffen zu sein; laut Fachinformation von Perazin treten Spätdyskinesien nach längerer Anwendung von Neuroleptika gelegentlich auf, insbesondere bei älteren Menschen und bei Frauen [11, 12]. Bei älteren Menschen mit Schizophrenie zählt die S3-Leitlinie motorische Nebenwirkungen, insbesondere die tardive Dyskinesie, zu den Besonderheiten, die beachtet werden müssen [1]. Für Kinder und Jugendliche zeigen die verfügbaren Sicherheitsdaten laut Fachinformation von Haloperidol ein Risiko für Bewegungsstörungen einschließlich tardiver Dyskinesie [8].
Ältere Arbeiten zeigen laut S3-Leitlinie, dass Menschen mit Schizophrenie auch ohne antipsychotische Behandlung ein vom Alter abhängiges, höheres Risiko für spontane Spätdyskinesien haben; diese sind nur schwer von Spätdyskinesien durch Antipsychotika zu unterscheiden [1].
Woran Sie Spätdyskinesien erkennen
Spätdyskinesien können zunächst verdeckt sein. Laut Fachinformation von Haloperidol kann es bei manchen Menschen unter einer Langzeitbehandlung oder nach dem Absetzen zu einer tardiven Dyskinesie kommen; nimmt man die Behandlung wieder auf, erhöht die Dosis oder stellt auf ein anderes Antipsychotikum um, kann das Syndrom verdeckt werden [8]. Auch laut Fachinformation von Perazin können Spätdyskinesien unter der Behandlung verdeckt sein und erst nach dem Ende sichtbar werden [12]. Laut Fachinformation von Quetiapin können die Beschwerden nach dem Ende der Behandlung schlimmer werden oder sogar erstmals auftreten [9]. Die S3-Leitlinie beschreibt, dass sich Spätdyskinesien beim Absetzen oder bei geringerer Dosis zunächst verschlimmern können [1].
Viele Betroffene nehmen die Bewegungsstörung selbst laut S3-Leitlinie nicht als sehr beeinträchtigend wahr. Trotzdem verringert sie laut Leitlinie die Lebensqualität und führt zu sozialer Behinderung und zu einer Stigmatisierung in der Öffentlichkeit [1]. Beobachtungen, etwa wann Ihnen oder anderen ungewöhnliche Bewegungen aufgefallen sind, können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten.
Kontrollen
Laut Fachinformation von Sulpirid muss regelmäßig untersucht werden, ob sich Anzeichen einer Spätdyskinesie entwickeln, die manchmal erst nach Abschluss der Behandlung auftreten [11]. Bei einer Schizophrenie sieht die S3-Leitlinie Untersuchungen auf motorische Nebenwirkungen vor Beginn, nach 1, 3 und 6 Monaten und danach halbjährlich vor; bei unauffälligem Verlauf können jährliche oder längere Abstände ausreichen [1]. Bei langjähriger Behandlung mit Antipsychotika sollten ältere Menschen mit Schizophrenie laut Leitlinie gezielt auf Spätdyskinesien untersucht werden; dabei sollen die funktionalen Auswirkungen und das Ausmaß der Beeinträchtigung der Lebensqualität erfasst werden (Empfehlung 122) [1]. Mehr dazu unter Kontrollen und Blutwerte und Psychopharmaka im Alter.
Was Sie tun können

Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt sofort, wenn Ihnen unwillkürliche Bewegungen von Zunge, Mund oder Gesicht auffallen. Die Packungsbeilage von Risperidon bittet darum, das sofort mitzuteilen; ein Absetzen kann notwendig sein [5]. Bei Tiaprid ist laut Packungsbeilage umgehend eine Ärztin oder ein Arzt zu informieren, die oder der über die nötigen Maßnahmen entscheidet [3]. Manche Packungsbeilagen geben strengere Hinweise: Bei Quetiapin zählen unkontrollierbare Bewegungen vor allem von Gesicht oder Zunge zu den ernsthaften Nebenwirkungen, bei denen Sie die Einnahme beenden und umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen oder sich direkt in das nächstgelegene Krankenhaus begeben sollen [18]. Halten Sie sich an die Packungsbeilage Ihres Präparats und ändern Sie die Behandlung darüber hinaus nicht auf eigene Faust.
Treten Anzeichen einer Spätdyskinesie auf, soll laut Fachinformation von Risperidon ein Absetzen sämtlicher Antipsychotika in Betracht gezogen werden; laut Fachinformation von Haloperidol muss es erwogen werden [6, 8]. Bei Quetiapin sollte laut Fachinformation eine geringere Dosis oder die Beendigung der Behandlung erwogen werden [9]. Bei einer Schizophrenie empfiehlt auch die S3-Leitlinie in erster Linie das Absetzen oder eine geringere Dosis des Antipsychotikums, wobei es zum Absetzen keine randomisierten, kontrollierten Studien gibt. Dabei muss laut Leitlinie stets das Risiko berücksichtigt werden, dass sich die Psychose erneut verschlechtert. Gestützt auf kleinere, meist nicht kontrollierte Studien wird laut Leitlinie außerdem der Wechsel auf bestimmte andere Antipsychotika vorgeschlagen [1]. Für Menschen mit Schizophrenie, die auf andere Neuroleptika, darunter ein atypisches, mit schweren, nicht zu behandelnden neurologischen Nebenwirkungen reagieren, ist laut Fachinformation Clozapin zugelassen [19]. Welche Möglichkeit in Frage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen; mehr dazu unter Medikament wechseln und Antipsychotika absetzen.
Mittel gegen Parkinson-Beschwerden sind hier kein Gegenmittel
Anders als bei Frühdyskinesien raten die Produktinformationen von Amisulprid, Tiaprid und Sulpirid davon ab, Mittel gegen Parkinson-Beschwerden als Gegenmittel einzusetzen, weil sie unwirksam sind oder die Beschwerden verstärken können [4, 10, 11]. Laut Fachinformation von Biperiden können durch Neuroleptika ausgelöste Spätdyskinesien durch Biperiden verstärkt werden; gelegentlich sind Parkinson-Beschwerden bei bestehenden Spätdyskinesien aber so gravierend, dass eine Behandlung mit einem Anticholinergikum notwendig wird [13]. Meta-Analysen zu einer Reihe von Wirkstoffgruppen, darunter Anticholinergika und Benzodiazepine, konnten laut S3-Leitlinie keine überzeugenden Belege für eine Wirkung gegen Spätdyskinesien zeigen [1].
Zugelassene Mittel gegen Spätdyskinesien
Tiaprid ist laut Fach- und Gebrauchsinformation zur Behandlung von Spätdyskinesien zugelassen, die durch Neuroleptika ausgelöst wurden und vorwiegend im Bereich von Zunge, Lippen und Gesicht auftreten. Der Behandlungserfolg zeigt sich laut Fachinformation möglicherweise erst nach 4 bis 6 Wochen [3, 4]. Die S3-Leitlinie hält Tiaprid für diesen Zweck für möglicherweise wirksam; qualitativ hochwertige Studien fehlen aber [1]. Tiaprid kann selbst Bewegungsstörungen auslösen, nach längerer Behandlung selten auch Spätdyskinesien [4].
Deutetrabenazin ist seit Januar 2026 in der Europäischen Union zur Behandlung mäßiger bis schwerer tardiver Dyskinesien bei Erwachsenen zugelassen [16, 17]. Laut Fachinformation kann es das Risiko einer Akathisie, von Agitiertheit und Unruhe erhöhen, einen Parkinsonismus verursachen und Depressionen verursachen oder eine bestehende Depression verschlimmern. Schläfrigkeit (Somnolenz) ist laut Fachinformation eine sehr häufige Nebenwirkung. Nehmen Sie Deutetrabenazin ein, führen Sie deshalb laut Fachinformation kein Fahrzeug und bedienen Sie keine gefährlichen Maschinen, solange Sie nicht in der Erhaltungsbehandlung sind und wissen, wie das Mittel auf Sie wirkt. Bei Leberfunktionsstörungen und zusammen mit Reserpin, MAO-Hemmern oder anderen Hemmern des vesikulären Monoamintransporters 2 (VMAT2) darf Deutetrabenazin nicht angewendet werden [16]. Mehr zum Fahren unter Psychopharmaka und Autofahren.
Die S3-Leitlinie in der Fassung vom 13.06.2026 beschreibt Deutetrabenazin und Valbenazin, die in den USA gegen Spätdyskinesien zugelassen sind, noch als in Deutschland nicht verfügbar. Valbenazin hat laut Leitlinie keine EMA-Zulassung und ist in Deutschland nicht zugelassen [1]. Ob Deutetrabenazin für Sie in Frage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann Sie ärztlichen Rat brauchen
Die Packungsbeilage von Haloperidol zählt unkontrollierte Bewegungen, darunter Bewegungen des Mundes, der Zunge, des Kiefers und manchmal der Gliedmaßen, zu den Nebenwirkungen, bei denen Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren sollen; Sie benötigen möglicherweise dringend eine medizinische Behandlung [7]. Nehmen Sie Deutetrabenazin ein und fühlen Sie sich traurig, wertlos, hoffnungslos oder hilflos oder verlieren Sie das Interesse an Dingen, die Ihnen früher Freude gemacht haben, sollen Sie laut Packungsbeilage umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen [16].
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Schizophrenie. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Tiaprid STADA 100 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Tiaprid STADA 100 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Risperidon AbZ 1 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Solian 200 mg Tabletten (gleichlautend für 100 mg Tabletten und 400 mg Filmtabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Sulpirid-neuraxpharm 50 mg/100 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 08/2021. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Perazin-neuraxpharm 25 mg, 100 mg, 200 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Biperiden-neuraxpharm 2 mg/4 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2020. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Reagila (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, und Anhang III B: Packungsbeilage Reagila Hartkapseln. Gedeon Richter Plc. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Austedo (Deutetrabenazin), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, und Anhang III B: Packungsbeilage Austedo Retardtabletten. TEVA GmbH (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Behörde Austedo (deutetrabenazine): EPAR-Übersicht mit Zulassungsdaten (Marketing authorisation issued 08/01/2026). Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 23.01.2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50/150/200/300/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was sind Spätdyskinesien?
Spätdyskinesien, auch tardive Dyskinesien genannt, sind unwillkürliche Bewegungen, die bei einer längeren Behandlung mit Antipsychotika auftreten können. Typisch sind laut S3-Leitlinie Schizophrenie Kau- und Schmatzbewegungen, Grimassieren, rollende Zungenbewegungen, Kopfwendungen und ständiges Blinzeln. Sie zeigen sich in der Regel erst Monate bis Jahre nach Beginn der Behandlung.
Welche Symptome haben Spätdyskinesien?
Die Packungsbeilagen beschreiben unwillkürliche, rhythmische Bewegungen vor allem von Zunge, Lippen und Gesicht (Tiaprid) oder unkontrollierbare zuckende oder ruckartige Bewegungen von Gesicht, Zunge oder anderen Körperteilen (Risperidon). Laut S3-Leitlinie Schizophrenie gehören auch mahlende Kaubewegungen, automatische Schluckbewegungen, Kopfwendungen und Bewegungen der Finger und Zehen dazu.
Sind Spätdyskinesien heilbar?
Laut S3-Leitlinie Schizophrenie können Spätdyskinesien unumkehrbar sein und bleiben nach dem Absetzen oft bestehen. Bei einer Schizophrenie empfiehlt die Leitlinie in erster Linie das Absetzen oder eine geringere Dosis des Antipsychotikums, wobei das Risiko einer erneuten Verschlechterung der Psychose zu beachten ist. Tiaprid ist laut Fachinformation gegen Spätdyskinesien durch Neuroleptika zugelassen, Deutetrabenazin laut EMA seit Januar 2026 in der EU für mäßige bis schwere Formen bei Erwachsenen; die S3-Leitlinie in der Fassung vom 13.06.2026 nennt es in Deutschland noch nicht verfügbar. Was für Sie in Frage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was ist der Unterschied zwischen Frühdyskinesien und Spätdyskinesien?
Frühdyskinesien sind Muskelverkrampfungen, die laut S3-Leitlinie Schizophrenie in der Regel in den ersten Tagen und Wochen auftreten und sich bei geringerer Dosis oder nach dem Absetzen zurückbilden; sie bessern sich in der Regel gut auf ein Anticholinergikum wie Biperiden. Spätdyskinesien zeigen sich erst nach Monaten bis Jahren, bleiben oft bestehen, und Mittel gegen Parkinson-Beschwerden sind laut mehreren Fachinformationen dagegen unwirksam oder können sie verstärken.
Welche Neuroleptika verursachen Spätdyskinesien?
Mehrere Fachinformationen, etwa die von Tiaprid und Sulpirid, beschreiben Spätdyskinesien als Nebenwirkung aller Neuroleptika. Bei Risperidon und Quetiapin stehen sie in der Packungsbeilage unter den gelegentlichen Nebenwirkungen. Die Tabelle auf dieser Seite zeigt die Angaben aller Wirkstoffe mit Datensatz; sie ist keine Rangliste. Welches Mittel für Sie in Frage kommt, wägt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen ab.
Hilft Biperiden gegen Spätdyskinesien?
Als Gegenmittel gegen Spätdyskinesien ist Biperiden nicht geeignet: Laut seiner Fachinformation können durch Neuroleptika ausgelöste Spätdyskinesien durch Biperiden verstärkt werden. Auch die Produktinformationen von Amisulprid, Tiaprid und Sulpirid raten davon ab, Mittel gegen Parkinson-Beschwerden als Gegenmittel einzusetzen, weil sie unwirksam sind oder die Beschwerden verstärken können.
Können Spätdyskinesien nach dem Absetzen auftreten?
Ja. Laut Fachinformation von Haloperidol kann eine tardive Dyskinesie auch nach dem Absetzen auftreten, laut Fachinformation von Quetiapin können die Beschwerden nach dem Ende der Behandlung schlimmer werden oder erstmals auftreten. Die S3-Leitlinie Schizophrenie beschreibt, dass sich Spätdyskinesien beim Absetzen oder bei geringerer Dosis zunächst verschlimmern können. Informieren Sie dann Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
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Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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