ErkrankungenErkrankung

Delir: plötzliche Verwirrtheit

Ein Delir ist ein plötzlich auftretender Verwirrtheitszustand mit Störungen von Bewusstsein und Aufmerksamkeit, der besonders häufig bei älteren Menschen, nach Operationen und im Krankenhaus vorkommt; laut Patientenleitlinie ist ein Delir immer ein Notfall. Behandelt werden vor allem die Ursachen, dazu kommen überwiegend nicht medikamentöse Maßnahmen; Medikamente empfiehlt die S3-Leitlinie nur bei belastenden Beschwerden wie Wahn oder Angst und unter bestimmten Voraussetzungen. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Mann Ende siebzig sitzt in einem hellen Zimmer im Sessel am Fenster, seine Tochter in den Vierzigern sitzt neben ihm und hält ruhig seine Hand
Bild: KI-generiert

Ein Delir ist laut Patientenleitlinie ein plötzlich auftretender Verwirrtheitszustand, der besonders häufig bei älteren Menschen ab dem 65. Lebensjahr vorkommt. Die Betroffenen sind typischerweise in ihrer Aufmerksamkeit gestört, haben Gedächtnisprobleme, sind unruhig oder sehr schläfrig; die Beschwerden treten innerhalb von Stunden oder Tagen auf [3]. Die in Deutschland verwendete Klassifikation ICD-10-GM beschreibt das Delir als Syndrom, bei dem das Bewusstsein gestört ist und mindestens zwei weitere Bereiche betroffen sind: Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Denken, Gedächtnis, Bewegungsverhalten (Psychomotorik), Gefühle oder der Schlaf-Wach-Rhythmus. Dauer und Schweregrad sind sehr unterschiedlich [4].

Die ICD-10-GM unterscheidet unter anderem ein Delir ohne Demenz, ein Delir bei Demenz und sonstige Formen wie das Delir nach einer Operation (F05) [4]. Ein Delir im Alkoholentzug, das Delirium tremens, ist eigens als Entzugssyndrom mit Delir eingeordnet [5]. Laut S3-Leitlinie ist das Delir ein akut auftretendes Syndrom mit körperlichen Ursachen, dem eine Störung der Hirnfunktion zugrunde liegt (akute Enzephalopathie) [1].

Wie häufig ein Delir ist, hängt stark von der Situation ab. Während eines Krankenhausaufenthalts bekommt laut S3-Leitlinie etwa jeder Fünfte über 70 Jahren ein Delir, nach Operationen je nach Dauer und Schwere bis zu 60 Prozent, bei Beatmung auf der Intensivstation oder in der letzten Lebensphase bis zu 80 Prozent; in Pflegeheimen liegt die Rate bei etwa 20 Prozent [1]. In der häuslichen Umgebung geht die Patientenleitlinie von bis zu 2 Prozent Betroffenen aus [3].

Grundlage dieser Seite ist die S3-Leitlinie "Delir im höheren Lebensalter" der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Version 1.1 vom 30.04.2025, überarbeitet am 19.01.2026, mit ihrer Patientenleitlinie. Sie gilt laut Übersicht der DGPPN bis 29.04.2029 und bezieht sich auf Menschen über 65 Jahren mit einem Delir, das nicht auf den Gebrauch oder Entzug von Alkohol, Drogen oder anderen psychotropen Substanzen zurückgeht (ICD-10-GM F05) [1, 2, 3, 11]. Starke Empfehlungen formuliert sie mit "Wir empfehlen", bedingte mit "Wir schlagen vor" [3].

Anzeichen eines Delirs

Bei einem Delir verhalten sich Betroffene laut Patientenleitlinie ungewöhnlich und spüren oft selbst, dass etwas nicht stimmt. Typisch ist der Wechsel zwischen einem klaren und einem verwirrten Zustand. Die Leitlinie unterscheidet zwei Hauptformen, die auch ineinander übergehen können [3]:

  • Beim hypoaktiven (ruhigen) Delir sind Betroffene antriebslos, schläfrig, verlangsamt und wirken teilnahmslos. Es tritt häufig bei älteren Menschen mit Demenz auf und wird wegen seines unauffälligen Bildes oft übersehen.
  • Beim hyperaktiven (unruhigen) Delir sind Betroffene rastlos, aufgewühlt und haben starke Stimmungsschwankungen; diese Form fällt eher auf.

Beim gemischten Delir wechseln beide Bilder im Tagesverlauf, und manchmal zeigt sich ein Delir nur durch Gedächtnisprobleme [3]. Die Patientenleitlinie ordnet die Anzeichen fünf Bereichen zu [3]:

Anzeichen eines Delirs (nach Patientenleitlinie Delir im höheren Lebensalter, Tabelle 2, eigene Zusammenfassung)
BereichBeispiele
Aufmerksamkeit und BewusstseinSchwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder Gedanken zu wechseln, Probleme, Informationen aufzunehmen, Zustände verminderter Wachheit [3]
Wahrnehmung und DenkenVerwechseln oder Fehldeuten von Dingen, etwa Schatten als Menschen, Halluzinationen, Gedächtnisprobleme vor allem bei Neuem, Orientierungslosigkeit zu Zeit oder Ort [3]
Bewegungabrupter Wechsel zwischen Unruhe und sehr langsamen Bewegungen, verlängerte Reaktionszeit, verstärkte Schreckreaktion, Nesteln [3]
SchlafEin- und Durchschlafprobleme, nachts stärkere Beschwerden, Albträume, die sich nach dem Aufwachen noch real anfühlen [3]
Stimmung und Gefühleplötzlicher Wechsel zwischen Freude und Traurigkeit, Unruhe, Angst oder Gereiztheit, Teilnahmslosigkeit [3]

Bis zu 60 Prozent aller Delirien bleiben laut Patientenleitlinie unerkannt, weil die Beschwerden stark schwanken und schwer einzuordnen sind; zudem ist es schwierig, sie von denen einer Demenz oder Depression abzugrenzen [3]. Ein Delir beginnt plötzlich innerhalb von Stunden bis Tagen, schwankt stark und ist oft nachts schlimmer; das Bewusstsein ist getrübt. Eine Demenz beginnt dagegen schleichend über Monate oder Jahre, die Beschwerden sind meist gleichbleibend und das Bewusstsein ist klar [3]. Bei Menschen mit Demenz zeigt sich ein Delir oft durch feine Veränderungen: mehr Unruhe, starke Verwirrung, Orientierungslosigkeit, nachlassende Alltagsfähigkeiten, Rückzug oder ungewöhnliches Verhalten [3]. Mehr zur Abgrenzung unter Demenz.

Ursachen und Risiken

Ein Delir entsteht laut S3-Leitlinie aus dem Zusammenwirken von Faktoren, die anfälliger machen, und auslösenden Faktoren. Anfälliger machen zum Beispiel höheres Alter, eine kognitive Beeinträchtigung oder Demenz, Gebrechlichkeit (Frailty), mehrere Erkrankungen gleichzeitig, Erkrankungen des Gehirns und psychische Erkrankungen wie Alkoholabhängigkeit oder Depression. Auslösen können unter anderem akute Erkrankungen, Operationen, Infektionen, Stoffwechselstörungen, Medikamente mit Delir-fördernder Wirkung, etwa Benzodiazepine und Anticholinergika, und Behandlungsfolgen wie ein Blasenkatheter. Das Risiko steigt mit Zahl und Schwere dieser Faktoren; bei hoher Anfälligkeit können schon wenige oder geringe Auslöser genügen [2].

Als auslösende Faktoren nennt die Patientenleitlinie außerdem eine ungeplante Krankenhausaufnahme oder einen Umzug ins Pflegeheim, Stürze und Knochenbrüche, Sauerstoff- und Flüssigkeitsmangel, Störungen der Blutsalze, Harnverhalt und Verstopfung, starke Schmerzen, Bewegungsmangel, Zugänge und Katheter, Fixierungen, schlechten Schlaf, Lärm, fehlende Orientierungshilfen und soziale Isolation [3]. Auch die Einnahme oder der Entzug bestimmter Medikamente, von Alkohol oder Drogen kann ein Delir auslösen [3].

Unter den Psychopharmaka nennt die S3-Leitlinie in einer Auswahl Delir-fördernder Mittel unter anderem Benzodiazepine, trizyklische Antidepressiva, besonders solche mit starker anticholinerger Begleitwirkung wie Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin oder Opipramol, seltener andere Antidepressiva wie Paroxetin oder Mirtazapin, grundsätzlich alle Antipsychotika, besonders solche mit starker anticholinerger Begleitwirkung wie Chlorprothixen oder Clozapin, Lithium und bestimmte Antiepileptika. Dazu kommen unter anderem Antihistaminika wie Doxylamin und Diphenhydramin, Biperiden, Opioide, Parkinsonmittel, Cholinesterasehemmer und Memantin [1]. Belegte Aussagen zur Delir-fördernden Wirkung in üblichen Dosen sind laut Leitlinie für viele Mittel nicht mit hoher Zuverlässigkeit möglich [1]. Setzen Sie kein Medikament eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an.

Welche Psychopharmaka laut Produktinformation Verwirrtheit als Nebenwirkung nennen, zeigt diese Übersicht:

Verwirrtheit als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
ChlorprothixenSehr häufigVerwirrtheit bei Vorschädigung des Gehirns · Delirante Beschwerden (Verwirrtheitszustände), insbesondere in Kombination mit anticholinerg wirkenden Mitteln
DiazepamSehr häufigVerwirrtheit
AlprazolamHäufigVerwirrtheit
AmitriptylinHäufigVerwirrtheit · Delirium (vor allem bei älteren Menschen), Halluzinationen
BuspironHäufigVerwirrtheit
CitalopramHäufigUnruhe (Agitiertheit), Nervosität, Verwirrtheit
ClomipraminHäufigVerwirrtheitszustände, Desorientiertheit · Verwirrtheits- und Erregungszustände (Delir)
EsketaminHäufigVerwirrtheitsgefühl (Verwirrtheitszustand)
LevomethadonHäufigBenommenheit, Beruhigung (Sedation), Verwirrtheit, Desorientiertheit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Unruhe, gelegentlich bis häufig
LorazepamHäufigVerwirrtheit
MedazepamHäufigVerwirrtheit
MethadonHäufigVerwirrtheit; sie scheint bei ambulant Behandelten und bei Einnahme (oraler Behandlung) häufiger aufzutreten · Desorientiertheit
MirtazapinHäufigVerwirrtheit
ModafinilHäufigDenkstörungen, Verwirrtheit
NatriumoxybatHäufigVerwirrtheit, Desorientiertheit
NitrazepamHäufigEmotionale Erkrankungen, Verwirrtheitszustände · Delirium
OxcarbazepinHäufigTeilnahmslosigkeit (Apathie), Erregung und Verwirrtheit
PregabalinHäufigEuphorie, Verwirrtheit, Desorientierung, Reizbarkeit
RivastigminHäufigVerwirrtheit (laut Fachinformation Delirium)
TemazepamHäufigVerwirrtheit (Verwirrtheitszustand)
ValproinsäureHäufigHalluzinationen, Verwirrtheit · Demenz, die vorübergehend sein kann, Beeinträchtigung geistiger Funktionen
VenlafaxinHäufigVerwirrtheit; Gefühl, von sich selbst abgetrennt zu sein (Depersonalisation) · Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit, oft mit Trugwahrnehmungen (Delirium)
AgomelatinGelegentlichVerwirrtheit
AmisulpridGelegentlichVerwirrtheit
BenperidolGelegentlichDepressive Verstimmungen (besonders bei Langzeitbehandlung), Erregungszustände, Verwirrtheitszustände (delirante Symptome)
BuprenorphinGelegentlichVerwirrtheit, Schlafstörungen, Unruhe (Pflaster)
BupropionGelegentlichVerwirrtheit
CarbamazepinGelegentlichBei älteren Menschen Verwirrtheit und Unruhe (Agitation) · Sinnestäuschungen (optische und akustische Halluzinationen), Depression, depressive oder manische Verstimmungen, Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten; laut…
CariprazinGelegentlichPlötzliche und schwere Verwirrtheit (Delirium)
DikaliumclorazepatGelegentlichReizbarkeit, gesteigerte Aktivität (Agitiertheit), Verwirrtheit als sogenannte "paradoxe" Reaktionen, besonders bei älteren Menschen und Kindern
DuloxetinGelegentlichSich desorientiert fühlen (Verwirrtheit)
EscitalopramGelegentlichZähneknirschen, Erregtheit (Agitiertheit), Nervosität, Panikattacken und Verwirrtheit
EszopiclonGelegentlichVerwirrtheit, Aufgeregtheit
FlupentixolGelegentlichVerwirrtheitszustände (delirante Symptome), besonders in Kombination mit anticholinerg wirksamen Mitteln
FluvoxaminGelegentlichVerwirrtheit
HaloperidolGelegentlichVerwirrtheit; Verlust oder Abnahme des sexuellen Verlangens
ImipraminGelegentlichVerwirrtheitszustände und andere Zeichen eines Delirs wie Desorientierung und Sinnestäuschungen (Halluzinationen), besonders bei älteren Menschen und bei Morbus Parkinson oder Parkinson-Syndrom
LevomepromazinGelegentlichSeltener Zeichen von Erregung und Verwirrtheit, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme anticholinerg wirksamer Mittel, sowie Krampfanfälle des Gehirns und starke Schwankungen der Körpertemperatur · Delir:…
MemantinGelegentlichVerwirrtheit
MilnacipranGelegentlichVerwirrtheit
MoclobemidGelegentlichVerwirrtheitszustände, die nach dem Absetzen schnell verschwanden
NaltrexonGelegentlichVerwirrtheitszustände, Desorientierung
ParoxetinGelegentlichVerwirrtheit
QuetiapinGelegentlichVerwirrtheit
RisperidonGelegentlichErregungszustand (Manie), Verwirrtheit, verminderter sexueller Antrieb, Nervosität, Albträume
TiapridGelegentlichVerwirrung
TrazodonGelegentlichVerwirrtheitszustände · Schlaflosigkeit, Angst, Nervosität, Unruhe (sehr selten verschärft zu einem Delirium)
TriazolamGelegentlichVerwirrtheit
ZolpidemGelegentlichVerwirrtheit, Reizbarkeit · Plötzliche, schwerwiegende Veränderung des Geisteszustands, durch die eine Person verwirrt oder desorientiert erscheint (Delirium)
ZuclopenthixolGelegentlichZeichen von Erregung und Verwirrtheit, besonders bei gleichzeitiger Einnahme anticholinerg wirksamer Mittel
BiperidenSeltenBei höheren Dosen Unruhe, gesteigerte Erregbarkeit (Agitiertheit), Angst, Verwirrtheit, Sinnestäuschungen (delirante Syndrome und Halluzinationen), Schlaflosigkeit
ClozapinSeltenVerwirrtheit und Delir
FluoxetinSeltenUntypisches wildes Verhalten (laut Fachinformation Hypomanie und Manie), Halluzinationen, Erregtheit, Panikattacken, Verwirrtheit, Stottern, Aggression
MelatoninSeltenDesorientiertheit
MethylphenidatSeltenOrientierungslosigkeit oder Verwirrtheit
OpipramolSeltenErregungszustände; Verwirrtheitszustände und Delirien, vor allem bei älteren Menschen
PaliperidonSeltenKeine Bewegungen oder Reaktionen im wachen Zustand (Katatonie), Verwirrtheit, Schlafwandeln, Emotionslosigkeit, Orgasmusunfähigkeit
PerazinSeltenVerwirrtheitszustand durch die anticholinerge Wirkung (anticholinerges Delir)
PitolisantSeltenAnormales Verhalten, Verwirrtheit
TranylcyprominSeltenHalluzinationen, Verwirrtheit (laut Fachinformation selten bis sehr selten)
ZopiclonSeltenUnruhe, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Aggressivität, Wut, Sinnestäuschungen (Halluzinationen), Psychosen (z. B. Wahnvorstellungen), unnormales Verhalten, möglicherweise mit Gedächtnisstörung, und andere…
LamotriginSehr seltenVerwirrtheit
BromazepamNicht bekanntEmotionale Dämpfung, Verwirrtheit, verringerte Aufmerksamkeit, eingeschränktes Erinnerungsvermögen
ClonazepamNicht bekanntEmotionale Störungen und Stimmungsschwankungen, Verwirrtheit und Desorientiertheit
DexamfetaminNicht bekanntVerwirrtheit, Bewusstseinsstörungen
DoxylaminNicht bekannt"Paradoxe" Reaktionen wie Unruhe, Erregung, Spannung, Schlaflosigkeit, Albträume, Verwirrtheit, Halluzinationen und Zittern
FlurazepamNicht bekanntVerwirrtheit, Halluzinationen
HydroxyzinNicht bekanntVerwirrtheit, Orientierungslosigkeit
OxazepamNicht bekanntVerwirrtheit
SulpiridNicht bekanntVerwirrtheit
TianeptinNicht bekanntVerwirrung und Halluzinationen
TrimipraminNicht bekanntVerwirrtheitszustände bei älteren Menschen und andere delirante Syndrome, z. B. mit krankhafter Unruhe und Bewusstseinstrübung

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (72 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Verwirrtheit als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (12 Wirkstoffe)

Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.

Verwirrtheit als Zeichen einer anderen Nebenwirkung
WirkstoffAngabe in der ProduktinformationHäufigkeit dieser Nebenwirkung
CarbamazepinHoher Ammoniakspiegel im Blut (Hyperammonämie), möglicherweise mit Reizbarkeit, Verwirrtheit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und SchläfrigkeitNicht bekannt
DonanemabSchwellungen oder Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn (ARIA-E), in der MRT festgestellt; mögliche Anzeichen sind Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen, Gang- oder Standunsicherheit, Schwindelgefühl, Zittern, Sehstörungen, Sprachstörungen,…Sehr häufig
DonanemabBlutungen oder Eisenablagerungen im Gehirn oder an seiner Oberfläche (ARIA-H), in der MRT festgestellt; mögliche Anzeichen wie bei ARIA-ESehr häufig
EscitalopramSerotonin-Syndrom mit hohem Fieber, Erregtheit (Agitiertheit), Verwirrtheit, Zittern und plötzlichen MuskelzuckungenSelten
EscitalopramZu niedriger Natriumwert im Blut (Hyponatriämie), erkennbar an Unwohlsein mit Muskelschwäche oder VerwirrtheitNicht bekannt
FluoxetinSerotonin-Syndrom: Kombination von Beschwerden wie unerklärlichem Fieber mit schnellerer Atmung oder schnellerem Puls, Schwitzen, Muskelsteifheit oder Muskelzittern, Verwirrtheit, äußerster Erregung oder SchläfrigkeitSelten
GuanfacinHoher Blutdruck bei abruptem Absetzen als schwerwiegende Absetzreaktion; mögliche Zeichen sind Kopfschmerz, Verwirrtheit, Nervosität, Erregung und Zittern (hypertensive Enzephalopathie)Sehr selten
HaloperidolMalignes neuroleptisches Syndrom mit hohem Fieber, ausgeprägter Muskelsteife, Verwirrtheit und BewusstlosigkeitSelten
LecanemabAmyloid-assoziierte Bildgebungsanomalien (ARIA), die meist keine Beschwerden machen und in der MRT des Gehirns sichtbar sind; mögliche Anzeichen sind Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwindelgefühl, verschwommenes Sehen, Übelkeit, Gangunsicherheit oder…Sehr häufig
LecanemabARIA-H mit Beschwerden (symptomatische ARIA-H); häufiges Zeichen sind Kopfschmerzen, gelegentliche Zeichen Verwirrtheit, Veränderungen des Sehvermögens, Schwindelgefühl, Übelkeit, Gangunsicherheit und KrampfanfälleHäufig
LecanemabARIA-E mit Beschwerden (symptomatische ARIA-E); häufiges Zeichen sind Kopfschmerzen, gelegentliche Zeichen Verwirrtheit, Veränderungen des Sehvermögens (Doppeltsehen, Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen, verminderte Sehschärfe, Sehstörung),…Häufig
LecanemabGrößere Blutungen im Gehirn (intrazerebrale Blutung), mit möglichen Zeichen wie starken Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krampfanfällen oder Schlaganfall; sie können lebensbedrohlich seinGelegentlich
OxcarbazepinNiedriger Natriumspiegel durch eine unangemessene Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (SIADH) mit Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit, Muskelzuckungen oder deutlicher Verschlechterung der Krampfanfälle; laut Fachinformation auch Übelkeit, Schwindel,…Selten
PaliperidonMalignes neuroleptisches Syndrom (Verwirrtheit, eingeschränktes oder verlorenes Bewusstsein, hohes Fieber, schwere Muskelsteifheit)Selten
SertralinZeichen eines Serotonin-Syndroms oder eines malignen neuroleptischen Syndroms wie Erregtheit, Verwirrtheit, übermäßiges Schwitzen, Durchfall, Fieber, hoher Blutdruck, Muskelsteifheit (Rigidität) und schneller Herzschlag; in einigen Fällen zusammen mit der…Selten
ValproinsäureUnangemessene Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (SIADH) mit übermäßiger Flüssigkeitsansammlung und zu niedrigem Natriumwert im Blut, die Verwirrtheit verursachen kannGelegentlich
VenlafaxinSerotonin-Syndrom (Unruhe, Halluzinationen, Koordinationsverlust, schneller Herzschlag, erhöhte Körpertemperatur, schnelle Blutdruckänderungen, überaktive Reflexe, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Koma); in der schwersten Form ähnlich einem malignen…Selten

Wie die Diagnose gestellt wird

Bei Menschen mit einem Risiko für ein Delir empfiehlt die S3-Leitlinie ein Delirscreening (Expertenkonsens) [2]. Laut Patientenleitlinie wird dabei zum Beispiel nach dem aktuellen Jahr und dem Aufenthaltsort gefragt oder darum gebeten, die Monate rückwärts aufzuzählen. Kann jemand nicht antworten, hilft die Beobachtung; auch eine Frage an Angehörige, ob die Person in letzter Zeit verwirrter war, liefert Hinweise. Weil die Beschwerden schwanken, reicht eine einmalige Untersuchung nicht aus [3]. In der Notaufnahme und bei älteren Menschen im Krankenhaus empfiehlt die Leitlinie ein Screening mit geprüften Testverfahren wie dem 4AT oder Verfahren nach der Confusion Assessment Method (CAM), bei Menschen mit Demenz den 4AT oder CAM-Verfahren [2].

Ein auffälliges Screening ist noch keine gesicherte Diagnose. Danach empfiehlt die Leitlinie weitere Diagnostik durch auf diesem Gebiet erfahrene Ärztinnen und Ärzte; ist das Screening unauffällig, sollte es regelmäßig wiederholt werden [2, 3]. Bei unklarem Ergebnis oder untypischem Verlauf empfiehlt die Leitlinie, in der Delir-Diagnostik erfahrene Fachärztinnen und Fachärzte hinzuzuziehen [2].

Weil ein Delir als Folge einer zugrunde liegenden Erkrankung oder mehrerer Umstände auftritt, sind die Suche nach den Ursachen und ihre Behandlung laut Leitlinie die vordringlichen Schritte [2]. Dazu gehören laut Patientenleitlinie die Befragung von Betroffenen, Angehörigen und Behandlungsteam, die Überprüfung aller Medikamente und eine körperliche Untersuchung mit Blutdruck, Sauerstoffsättigung, neurologischen Funktionen, Schmerzen, Flüssigkeitshaushalt, Ernährung und Hinweisen auf Verletzungen oder Infektionen. Ergänzend folgen Blut- und Urinuntersuchungen, je nach Verdacht auch eine Bildgebung des Gehirns, ein EEG oder ein EKG [3]. Eine Bildgebung des Gehirns empfiehlt die Leitlinie bei bestimmten Befunden, etwa neuen neurologischen Ausfällen oder einem anhaltenden Delir ohne erkennbare Ursache, nicht als Routine; hält das Delir an, empfiehlt sie, die Ursachen erneut zu prüfen [2]. Trotzdem bleibt die genaue Ursache laut Patientenleitlinie in vielen Fällen unklar [3].

Behandlung im Überblick

An erster Stelle steht laut S3-Leitlinie die gezielte Behandlung der Ursachen und Auslöser (Expertenkonsens) [2]. Mögliche Ansätze sind laut Patientenleitlinie eine sorgfältige Überprüfung der Medikamente, eine angemessene Schmerzbehandlung oder der Ausgleich eines Flüssigkeitsmangels; ob eine Krankenhauseinweisung nötig ist, wird abgewogen, weil auch ein Ortswechsel belasten kann [3]. Im Krankenhaus empfiehlt die Leitlinie für ältere Menschen mit Delir ein auf sie zugeschnittenes Programm aus vielen Maßnahmen (Multikomponentenprogramm, starke Empfehlung) [2]. Die Behandlung soll laut Patientenleitlinie bis zum Abklingen der Beschwerden fortgeführt werden, auch nach einem Wechsel des Versorgungsorts [2, 3].

Wichtige Maßnahmen in Multikomponentenprogrammen (nach Patientenleitlinie Delir im höheren Lebensalter, Tabelle 4, eigene Zusammenfassung)
MaßnahmeBeispiele
Essen und Trinkenregelmäßig trinken und essen, Hilfe bei Schluckproblemen, Verstopfung und Harnverhalt vorbeugen [3]
OrientierungUhren, Kalender, Familienfotos und persönliche Gegenstände in Bettnähe, Notizen, ein gleichbleibendes Behandlungsteam, möglichst kein Zimmerwechsel [3]
Seh- und HörhilfenBrillen, Hörgeräte und Zahnprothesen nutzen [3]
Geistige Aktivierung und EntlastungRätsel, Vorlesen oder Spiele, weniger Lärm, Abläufe klar ankündigen [3]
Bewegung und Schlaffrüh aufstehen und gezielt bewegen, ein strukturierter Tag und genug Tageslicht für den Schlaf-Wach-Rhythmus [3]
Schmerzen und AngehörigeSchmerzen regelmäßig erfassen und behandeln; Besuche und Übernachtungsmöglichkeiten für Angehörige (Rooming-in) [3]

Körpernahe freiheitsentziehende Maßnahmen wie Fixierungen empfiehlt die Leitlinie zu vermeiden (Expertenkonsens) [2]. Sie greifen laut Patientenleitlinie erheblich in die Persönlichkeitsrechte ein und können das Delir zusätzlich verstärken oder verlängern; zuerst sollen andere Maßnahmen ausgeschöpft werden [3]. Menschen mit einem Delir bei Demenz in der Langzeitpflege schlägt die Leitlinie individuelle geistige Aktivierung vor [2].

Medikamente beim Delir

Im Krankenhaus empfiehlt die S3-Leitlinie Medikamente nur bei belastenden Beschwerden eines Delirs wie Wahn, Angst oder beunruhigenden Wahrnehmungsstörungen und nur, wenn nicht medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichend wirken oder ein psychiatrischer Notfall besteht (Expertenkonsens) [2]. Antipsychotika empfiehlt sie bei älteren Menschen mit Delir im Krankenhaus nicht pauschal (starke Empfehlung) [2]. Werden sie gegeben, erfordert das laut Patientenleitlinie eine sorgfältige Abwägung: Möglich sind Nebenwirkungen wie Benommenheit, Zittern und erhöhte Sturzgefahr, und bei bestimmten Erkrankungen wie schweren Herzproblemen oder bestimmten neurologischen Erkrankungen sollten sie nicht oder nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Die Behandlung sollte so kurz wie möglich sein, und täglich wird geprüft, ob sie noch nötig ist [3].

Antipsychotika, die die S3-Leitlinie beim Delir ohne Substanzbezug nennt, mit Zulassung laut Fachinformation (keine Rangfolge)
WirkstoffZielbeschwerden laut LeitlinieZulassung laut Fachinformation
HaloperidolWahn, Halluzinationen, starke Unruhe (Agitation) [2]bei Erwachsenen unter anderem zur Akutbehandlung des Delirs, wenn nicht medikamentöse Behandlungen versagt haben [6]
RisperidonWahn, Halluzinationen, starke Unruhe [2]für das Delir nicht zugelassen; zugelassen nur bei Schizophrenie, manischen Episoden und kurzzeitig bei anhaltender Aggression bei Alzheimer-Demenz oder bei Verhaltensstörungen von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung [9]
QuetiapinWahn, Halluzinationen, starke Unruhe; Unruhe und Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus [2]für das Delir nicht zugelassen; zugelassen ist es nur bei Schizophrenie, bipolaren Störungen und als Zusatzbehandlung depressiver Erkrankungen [10]
MelperonUnruhe und Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus [2]bei Schlafstörungen, Verwirrtheitszuständen und zur Dämpfung von Unruhe und Erregung, insbesondere bei Patientinnen und Patienten der Altersmedizin und Psychiatrie [7]
PipamperonUnruhe und Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus [2]bei Schlafstörungen, insbesondere älterer Menschen, und bei Erregungszuständen; das Delir nennt die Fachinformation nicht [8]; in ihrer Tabelle führt die S3-Leitlinie Pipamperon mit "Zulassung Delir: ja" [2]

Vor Beginn einer Behandlung mit Haloperidol wird laut Fachinformation ein EKG empfohlen; bei Parkinson-Krankheit und Lewy-Körper-Demenz darf es nicht angewendet werden [6]. Bei Parkinson-Krankheit und Demenz mit Lewy-Körpern sollte laut Leitlinie nur Quetiapin oder Clozapin eingesetzt werden [2]; für das Delir ist laut Fachinformation keines der beiden zugelassen, Clozapin ist unter anderem bei Psychosen im Verlauf einer Parkinson-Krankheit nach Versagen der Standardtherapie zugelassen [10, 12]. Für ältere Menschen, die wegen einer Psychose im Rahmen einer Demenz behandelt werden, nennt die Fachinformation von Haloperidol ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko unter Antipsychotika [6]; mehr dazu unter Demenz.

Für weitere Mittel gibt die Leitlinie diese Empfehlungen [2]:

  • Benzodiazepine nicht zur Behandlung eines Delirs ohne Substanzbezug einsetzen, da sie das Delir verstärken oder verlängern können (Expertenkonsens); bei älteren Menschen vor und während einer Operation vermeiden, da sie das Delirrisiko erhöhen können (starke Empfehlung).
  • Acetylcholinesterasehemmer wie Donepezil nicht zur Behandlung eines Delirs im Krankenhaus einsetzen ("Wir empfehlen ... nicht", Empfehlungsgrad B) und bei älteren Menschen mit einer Operation nicht allein zur Vorbeugung.
  • Melatonin: Für oder gegen eine Behandlung reicht die Studienlage nicht aus; zur Vorbeugung schlägt die Leitlinie es nicht vor. Für das Delir ist Melatonin nicht zugelassen; die Fachinformation der Retardtabletten mit 2 mg nennt nur die kurzzeitige Behandlung einer primären Schlaflosigkeit ab 55 Jahren [13].
  • Clonidin schlägt die Leitlinie nicht vor, um die Dauer eines Delirs bei älteren Menschen außerhalb der Chirurgie zu verkürzen.

Wer schon einen Acetylcholinesterasehemmer einnimmt und ein Delir bekommt, für den erscheint laut Hintergrundtext der Leitlinie eine Weiterführung angemessen, wenn keine Hinweise auf unerwünschte Wirkungen des Antidementivums vorliegen [1]. Ändern Sie eine Behandlung nie selbst; das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Delir im Alkohol- oder Medikamentenentzug

Beim Delirium tremens wird ein Alkoholentzug durch ein Delir kompliziert; auch Krampfanfälle können auftreten [5]. Für ein Delir im Entzug von Alkohol oder Benzodiazepinen gelten laut S3-Leitlinie andere Regeln als beim Delir ohne Substanzbezug: Dort sind Benzodiazepine laut Hintergrundtext Mittel der Wahl, und die Leitlinie verweist auf die dafür zuständigen Leitlinien [1, 2]. Mehr unter Alkoholabhängigkeit und Abhängigkeit von Beruhigungs- und Schlafmitteln.

Verlauf, Folgen und Nachsorge

Ein Delir dauert laut Patientenleitlinie meistens einige Tage bis Wochen, in schweren Fällen auch mehrere Monate; hält es länger als sechs Monate an, kann das auf eine beginnende Demenz hinweisen [3]. Es kann sich vollständig zurückbilden, aber auch langfristige Folgen haben, etwa längere Krankenhausaufenthalte mit mehr Komplikationen wie Infektionen oder Stürzen, Einschränkungen im Alltag, ein erhöhtes Risiko für eine Demenz oder ein erneutes Delir, ein höheres Risiko für Pflegebedürftigkeit sowie Depressionen, Angststörungen oder posttraumatische Belastungsstörungen [3].

Älteren Menschen, die ein Delir hatten, empfiehlt die S3-Leitlinie eine Untersuchung auf mögliche Folgen und gegebenenfalls eine Behandlung (Expertenkonsens). Für die geistigen Fähigkeiten nennt sie eine Kontrolle 3 bis 6 Monate nach dem Abklingen des Delirs [2]; die Patientenleitlinie hält nach zwei bis drei Monaten weitere Untersuchungen für möglicherweise sinnvoll [3]. Nach einem Delir ist das Risiko für ein erneutes Delir erhöht. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, alle weiterbehandelnden Stellen zu informieren, etwa über den Arztbrief, und zur Vorbeugung individuelle geistige, soziale und körperliche Aktivierung [2, 3].

Einem Delir vorbeugen

Die S3-Leitlinie empfiehlt, das persönliche Delirrisiko mit geeigneten Instrumenten abzuschätzen und es Betroffenen, Angehörigen und weiterbehandelnden Fachleuten mitzuteilen (Expertenkonsens) [2]. Bei Menschen mit Demenz, kognitiver Beeinträchtigung oder Gebrechlichkeit ist laut Leitlinie von einem stark erhöhten Risiko auszugehen [2]. Im Krankenhaus empfiehlt die Leitlinie bei erhöhtem Delirrisiko oder geplanter Sedierung die tägliche Anwendung von Programmen aus vielen Maßnahmen zur Vorbeugung, auch bei Menschen mit Demenz (starke Empfehlung) [2]. Eine allgemeine Vorbeugung mit Medikamenten empfiehlt sie nicht; Antipsychotika und Melatonin schlägt sie dafür nicht vor [2, 3].

Vor einem geplanten Krankenhausaufenthalt oder einer Operation rät die Patientenleitlinie, die eigenen Risikofaktoren mit der Hausärztin oder dem Hausarzt zu besprechen, einen aktuellen Medikationsplan mit allen, auch rezeptfreien Mitteln und Schlafmitteln erstellen zu lassen und Brille, Hörgeräte, Zahnprothese und Gehhilfen mitzunehmen. Eine Uhr, ein Tischkalender und Fotos von vertrauten Menschen helfen bei der Orientierung. Bei einer Demenz oder hohem Delirrisiko lohnt die Frage, ob eine vertraute Person mit aufgenommen werden kann (Rooming-in) [3]. Mehr dazu unter Operation und Narkose und im Medikationsplan.

Selbsthilfe und Alltag

Frau Anfang siebzig geht mit einer Gehhilfe und einer Physiotherapeutin langsam einen hellen, sonnigen Gang mit Pflanzen entlang
Bild: KI-generiert

Wichtig für ein geringes Delirrisiko sind laut Patientenleitlinie ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und genug Flüssigkeit, regelmäßige Bewegung und Krafttraining, geistige Aktivität und soziale Kontakte. Im Krankenhaus hilft es, tagsüber Tageskleidung zu tragen, aktiv zu sein, für frische Luft und Tageslicht zu sorgen und Hilfsmittel wie Brille und Hörgeräte zu tragen. Bei schlechtem Schlaf können Schlafbrille und Ohrstöpsel helfen; sprechen Sie das Behandlungsteam darauf an [3].

Haben Sie das Gefühl, dass mit Ihnen etwas nicht stimmt, oder verschlechtert sich Ihr Zustand, informieren Sie laut Patientenleitlinie umgehend das Behandlungsteam. Manche Menschen erinnern sich später an den Verwirrtheitszustand und schämen sich; dann kann es helfen, das Behandlungsteam und vertraute Personen um Unterstützung zu bitten. Wenn es schwerfällt, das Erlebte zu verarbeiten, oder die Beschwerden bleiben, ist die Hausarztpraxis eine Anlaufstelle; förderlich können Psychotherapie, Ergotherapie oder pflegerische Unterstützung sein [3]. Die Patientenleitlinie rät auch, mit vertrauten Personen eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht vorzubereiten [3].

Für Angehörige

An- und Zugehörige können laut Patientenleitlinie viel beitragen: Sie bemerken plötzliche Veränderungen oft als Erste und können berichten, wie die Person vorher war [3]. Hilfreich sind regelmäßige, angenehme Besuche, möglichst nicht mehr als zwei Personen gleichzeitig und nicht zu lang, die Begleitung zu Untersuchungen und wichtigen Gesprächen und kleine Aktivitäten wie eine Runde über den Flur. Erinnern Sie die Person bei Besuchen daran, wo sie ist und welcher Tag und welche Uhrzeit ist, achten Sie darauf, dass Brille, Hörgeräte und Zahnprothese getragen werden, und ermutigen Sie zum Trinken und Essen, sofern nichts dagegen spricht [3].

Für das Gespräch rät die Patientenleitlinie, langsam, deutlich und in klaren Sätzen zu sprechen und einfache Ja-Nein-Fragen zu stellen. Lässt sich die Person in ihrer Wahrnehmung nicht korrigieren, sollten Sie nicht darauf beharren; sie erlebt den Zustand als real. Verletzende Aussagen oder Aggressionen sind Ausdruck der Erkrankung und sollten nicht persönlich genommen werden. Möchte die Person herumlaufen, begleiten Sie sie, achten auf festes Schuhwerk und räumen Stolperfallen weg [3]. Achten Sie auch auf Ihre eigene Gesundheit; Unterstützung bieten unter anderem die Unabhängige Patientenberatung, Pflegeberatungsstellen und Selbsthilfegruppen [3]. Mehr unter Angehörige.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Ein Delir ist laut Patientenleitlinie immer ein Notfall: Holen Sie schnellstmöglich ärztliche oder pflegerische Hilfe, wenn mit Ihnen oder einer angehörigen Person etwas nicht stimmt oder bekannte Delir-Beschwerden erneut auftreten, auch zu Hause oder im Pflegeheim [3]. Zum Delir gehören laut S3-Leitlinie auch Störungen der Gefühle, unter anderem von Euphorie über Angst bis hin zur Suizidalität [1]. Nach einem Delir können außerdem Depressionen oder Angststörungen auftreten [3].

Besonders kritisch sind laut S3-Leitlinie Entgleisungen von Herzfrequenz und Blutdruck im Rahmen eines Delirs, die lebensbedrohlich werden können [1]. Manche Menschen gefährden sich im Delir selbst, indem sie zum Beispiel lebenswichtige Zugänge entfernen; auch dann sollen laut Patientenleitlinie Fixierungen vermieden werden [3].

Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise.

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter, Langversion 1.1 (AWMF-Registernummer 109-001). Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) und Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Stand Version 1.1 vom 30.04.2025, überarbeitet 19.01.2026; nächste Überprüfung geplant 29.04.2029. abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter, Kurzversion 1.1 mit allen Empfehlungen (AWMF-Registernummer 109-001). Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) und Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Stand Version 1.1 vom 30.04.2025, überarbeitet 19.01.2026; nächste Überprüfung geplant 29.04.2029. abgerufen am 23.10.2026
  3. Leitlinie Patientenleitlinie Delir im höheren Lebensalter für Betroffene und Angehörige (zur S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter, AWMF-Registernummer 109-001), Version 1.0. Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) und Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Stand Stand 04/2025. abgerufen am 23.10.2026
  4. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F00 bis F09: Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen (F05 Delir). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026 (Stand der Seite 12.09.2025). abgerufen am 23.10.2026
  5. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F10 bis F19: Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (vierte Stelle .4 Entzugssyndrom mit Delir). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026 (Stand der Seite 12.09.2025). abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Melperon STADA 10 mg und 25 mg Filmtabletten, 25 mg/5 ml Lösung zum Einnehmen. STADAPHARM GmbH. Stand 06/2022. abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Pipamperon-neuraxpharm 40 mg Tabletten, Pipamperon-neuraxpharm 120 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
  10. Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024 (Version 10). abgerufen am 23.10.2026
  11. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Delir im höheren Lebensalter. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026 (Version 7). abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Melatonin-ratiopharm 2 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2025 (Version 4). abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was bedeutet Delir?

Ein Delir ist laut Patientenleitlinie ein plötzlich auftretender Verwirrtheitszustand, der besonders häufig bei älteren Menschen ab 65 Jahren vorkommt. Typisch sind gestörte Aufmerksamkeit, Gedächtnisprobleme, Unruhe oder starke Schläfrigkeit, die innerhalb von Stunden oder Tagen beginnen und im Tagesverlauf schwanken. Laut ICD-10-GM ist dabei immer das Bewusstsein gestört.

Wie lange dauert ein Delir?

Meist einige Tage bis Wochen, in schweren Fällen auch mehrere Monate. Hält ein Delir länger als sechs Monate an, kann das laut Patientenleitlinie auf eine beginnende Demenz hinweisen. Ein Delir kann sich ganz zurückbilden, aber auch Folgen haben; deshalb empfiehlt die S3-Leitlinie nach einem Delir eine Untersuchung auf mögliche Folgen.

Warum bekommen ältere Menschen nach einer Operation ein Delir?

Ein Delir entsteht laut S3-Leitlinie, wenn eine erhöhte Anfälligkeit, etwa durch hohes Alter, Demenz oder Gebrechlichkeit, mit Auslösern zusammentrifft. Eine Operation ist ein solcher Auslöser; je nach Dauer und Schwere des Eingriffs bekommen laut Leitlinie bis zu 60 Prozent ein Delir. Dazu können Schmerzen, Infektionen, Flüssigkeitsmangel, ein Blasenkatheter oder Medikamente kommen. Benzodiazepine empfiehlt die Leitlinie bei älteren Menschen vor und während einer Operation zu vermeiden.

Welche Medikamente können ein Delir auslösen?

Die S3-Leitlinie nennt in einer Auswahl unter anderem Benzodiazepine, trizyklische Antidepressiva, besonders mit starker anticholinerger Begleitwirkung, Antipsychotika, Lithium, bestimmte Antiepileptika, Antihistaminika wie Doxylamin und Diphenhydramin, Opioide, Parkinsonmittel und Cholinesterasehemmer. Auch der Entzug bestimmter Medikamente kann laut Patientenleitlinie ein Delir auslösen. Setzen Sie kein Mittel eigenmächtig ab; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Welche Medikamente helfen bei einem Delir?

An erster Stelle steht laut S3-Leitlinie die Behandlung der Ursachen, dazu kommen nicht medikamentöse Maßnahmen. Medikamente empfiehlt sie nur bei belastenden Beschwerden wie Wahn oder Angst und wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen; Antipsychotika empfiehlt sie nicht pauschal. Für die Akutbehandlung eines Delirs zugelassen ist laut Fachinformation Haloperidol, wenn nicht medikamentöse Behandlungen versagt haben. Benzodiazepine empfiehlt die Leitlinie beim Delir ohne Substanzbezug nicht.

Ist ein Delir dasselbe wie eine Demenz?

Nein. Ein Delir beginnt laut Patientenleitlinie plötzlich innerhalb von Stunden bis Tagen, schwankt stark, ist oft nachts schlimmer und bildet sich häufig ganz zurück; das Bewusstsein ist getrübt. Eine Demenz beginnt schleichend über Monate oder Jahre und schreitet fort, das Bewusstsein ist klar. Menschen mit Demenz haben aber ein stark erhöhtes Risiko für ein Delir, das bei ihnen oft übersehen wird.

Was können Angehörige bei einem Delir tun?

Laut Patientenleitlinie helfen kurze, angenehme Besuche, Hinweise auf Ort, Tag und Uhrzeit, mitgebrachte Brille, Hörgeräte und vertraute Gegenstände sowie Unterstützung beim Trinken und Essen. Sprechen Sie langsam und in klaren Sätzen und beharren Sie nicht darauf, die Wahrnehmung der Person zu korrigieren. Fällt Ihnen eine Veränderung auf, informieren Sie umgehend das Behandlungsteam.

Was ist ein Delirium tremens?

Beim Delirium tremens wird ein Alkoholentzug laut ICD-10-GM durch ein Delir kompliziert; auch Krampfanfälle können auftreten. Für ein Delir im Alkohol- oder Benzodiazepinentzug gelten laut S3-Leitlinie andere Behandlungsregeln als beim Delir ohne Substanzbezug. Mehr dazu steht auf der Seite zur Alkoholabhängigkeit.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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