Behandlung

Antidepressiva absetzen

Ein Antidepressivum soll am Ende der Erhaltungstherapie oder Rückfallvorbeugung schrittweise abgesetzt werden, so empfiehlt es die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression; wann und wie, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Beim Absetzen können vorübergehend Beschwerden wie Schwindel, Schlafstörungen, Übelkeit, Reizbarkeit oder stromschlagähnliche Missempfindungen auftreten. Achten Sie außerdem darauf, ob die Depression zurückkehrt, auch in den Monaten nach der letzten Einnahme.

Frau Ende dreißig und eine Ärztin in den Fünfzigern sitzen an einem runden Tisch in einer hellen Praxis und schauen gemeinsam auf ein Blatt Papier
Bild: KI-generiert

Wer ein Antidepressivum beenden möchte, sollte das nicht von heute auf morgen tun. Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression empfiehlt, ein Antidepressivum nach dem Abklingen der Depression am Ende der Erhaltungstherapie oder Rückfallvorbeugung schrittweise abzusetzen ("soll"), um Absetzsymptomen und einer Rebound-Depression vorzubeugen; so heißt eine Depression, die nach dem Absetzen ausgeprägter oder schneller zurückkehrt als zuvor [1]. Die Packungsbeilage von Venlafaxin etwa bittet, die Behandlung nicht ohne Rücksprache abzubrechen oder die Dosis zu verringern, selbst wenn Sie sich besser fühlen [7]. Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; wie Ihr Ausschleichen im Einzelnen aussieht, legt die Praxis für Sie fest.

Wann ein Antidepressivum abgesetzt wird

Nach dem Abklingen einer depressiven Episode (Remission) soll das Antidepressivum laut NVL noch 6 bis 12 Monate in gleicher Dosis weiter eingenommen werden; danach soll es ausgeschlichen werden, wenn keine längere Rückfallvorbeugung nötig ist [1]. Wer es zu früh absetzt, weil es schon besser geht, riskiert laut Patientenleitlinie einen Rückfall [2]. Wie lange behandelt wird, steht unter Wie lange behandeln?

Je nach Anlass unterscheidet sich das Vorgehen laut NVL [1]:

  • Am Ende einer Erhaltungstherapie oder Rückfallvorbeugung, wenn die Depression abgeklungen ist, sollte über einen Zeitraum von mindestens 8 bis 12 Wochen ausgeschlichen werden, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen ("sollte").
  • Hat ein Antidepressivum nach 3 bis 4 Wochen in der Standarddosis nicht gewirkt, soll die Behandlungsstrategie geprüft werden. Mit Absetzsymptomen ist laut NVL erst nach mindestens acht Wochen Einnahme zu rechnen, eine besondere Absetzstrategie hält sie dann nicht für nötig. Bei Therapieversagen, wenn ohnehin eine neue Behandlung beginnen soll, hält sie aus praktischen Gründen einen eher kurzen Zeitraum zum Ausschleichen für sinnvoll, ein abruptes Absetzen aber für zu riskant (siehe Wenn Antidepressiva nicht wirken).
  • Bei gefährlichen oder stark belastenden Nebenwirkungen soll das Antidepressivum rasch oder abrupt abgesetzt werden ("soll"), laut Patientenleitlinie nach ärztlicher Absprache [2].
  • Wurden mehrere Medikamente kombiniert, sollen sie nicht gleichzeitig, sondern nacheinander ausgeschlichen werden ("soll").

Was beim Absetzen passieren kann

Beim Absetzen, vor allem wenn es zu schnell geschieht, können laut NVL unerwünschte Effekte auftreten. Ein Absetzsyndrom ist nach den Merkmalen der NVL eine unspezifische, überwiegend milde Reaktion mit Beschwerden wie diesen [1]:

  • grippeähnliche Beschwerden und Kopfschmerz
  • Schlafstörungen und Albträume
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Benommenheit
  • stromschlagähnliche Missempfindungen, auch "Brain Zaps" genannt
  • Angst, innere Unruhe (Agitation) und Reizbarkeit

Die Beschwerden stehen laut NVL in engem zeitlichem Zusammenhang mit dem Absetzen, meist nach 36 bis 96 Stunden beziehungsweise nach etwa 3 bis 5 Halbwertszeiten des Wirkstoffs. Sie sind vorübergehend, bilden sich je nach Halbwertszeit innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst zurück und bessern sich rasch, wenn das Medikament wieder eingenommen wird [1]. Die Halbwertszeit ist die Zeit, in der die Menge des Wirkstoffs im Blut auf die Hälfte sinkt (mehr unter Halbwertszeit). Die Fachinformationen von SSRI wie Sertralin und Paroxetin und von SNRI wie Venlafaxin und Duloxetin beschreiben Absetzreaktionen als häufig, besonders nach plötzlichem Absetzen; sie sind dort im Allgemeinen leicht bis mäßig, bei einigen Menschen schwer, klingen im Allgemeinen innerhalb von 2 Wochen von selbst ab und können bei einigen 2 bis 3 Monate oder länger anhalten [3, 4, 6, 8]. Das Risiko hängt laut diesen Fachinformationen unter anderem von der Dauer der Behandlung, der Dosis und davon ab, wie schnell die Dosis verringert wird [3, 6, 8]. In sehr seltenen Fällen traten Absetzsymptome schon nach einer versehentlich ausgelassenen Dosis auf [3, 4, 6, 8]. Laut einer Risikoinformation des BfArM von 2008 waren die Warnhinweise zu Absetzerscheinungen für verschiedene SSRI und für Venlafaxin nach einer europäischen Neubewertung aktualisiert worden [13].

Eine Abhängigkeit im Sinne der Definition liegt laut NVL formell nicht vor, denn von den Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung sind nur zwei erfüllt: die Gewöhnung (Toleranzentwicklung) und die Entzugssymptome [1]. Auch die Fachinformation von Paroxetin betont, dass Absetzsymptome nicht bedeuten, dass das Mittel süchtig oder abhängig macht [4]. Mehr zu Absetzsymptomen bei Psychopharmaka allgemein steht unter Absetzsymptome.

Unterschiede zwischen den Wirkstoffen

Wie wahrscheinlich Absetzsymptome sind, unterscheidet sich je nach Wirkstoff. Die NVL ordnet die Antidepressiva nach einer Übersichtsarbeit drei Risikostufen zu, dazu kommt eine Gruppe mit unklarem Risiko. Die Aussagesicherheit ist sehr unterschiedlich; um keine zu große Sicherheit vorzutäuschen, nutzt die NVL statt der fünf Stufen der Übersichtsarbeit nur drei [1]. Die Einteilung ist keine Empfehlung für oder gegen ein Mittel und kein Grund zum Wechsel. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Risiko für Absetzsyndrome nach NVL Unipolare Depression, Version 3.2, Tabelle 32 (modifiziert nach Henssler et al., Deutsches Ärzteblatt 2019)
Risiko laut NVLWirkstoffe
hochParoxetin, Amitriptylin, Imipramin, Venlafaxin [1]
moderatCitalopram, Escitalopram, Sertralin, Duloxetin, Vortioxetin [1]
geringFluoxetin, Milnacipran, Agomelatin [1]
unklarMirtazapin, Bupropion, Tranylcypromin [1]

In der zugrunde liegenden Übersichtsarbeit war Tranylcypromin mit "sehr hoch" und Agomelatin mit "kein" Risiko eingestuft; die NVL ordnet beide wie in der Tabelle ein. Zusammenfassend erwartet die NVL ein erhöhtes Risiko bei MAO-Hemmern, trizyklischen Antidepressiva, Venlafaxin und Paroxetin [1]. Was die Fachinformationen und die NVL je Gruppe sagen:

SSRI: Am häufigsten berichtet werden laut Fachinformation von Sertralin Schwindelgefühl, Empfindungsstörungen wie Kribbeln (Parästhesien), Schlafstörungen mit Schlaflosigkeit oder intensiven Träumen, Erregtheit oder Angst, Übelkeit oder Erbrechen, Zittern und Kopfschmerzen; empfohlen wird, die Dosis über mehrere Wochen oder Monate schrittweise zu verringern, je nach Bedarf [3]. Die Fachinformation von Paroxetin nennt zusätzlich unter anderem Stromschlaggefühl, Ohrgeräusche, Verwirrtheit, Schwitzen, Herzklopfen, Gefühlsschwankungen und Sehstörungen [4]. Fluoxetin und sein Abbauprodukt Norfluoxetin haben Halbwertszeiten von 4 bis 6 und 4 bis 16 Tagen, sodass noch 5 bis 6 Wochen nach dem Absetzen wirksame Substanz im Körper ist [5]; laut NVL verursacht Fluoxetin wegen dieser langen Wirkdauer kaum Absetzsymptome [1]. Auch für Fluoxetin sieht die Fachinformation trotzdem ein schrittweises Verringern der Dosis vor [5].

SNRI: Bei Venlafaxin sind laut Fachinformation zusätzlich Sehstörungen und ein Blutdruckanstieg häufig berichtete Absetzreaktionen; bei einigen Menschen muss möglicherweise sehr allmählich über Monate oder länger abgesetzt werden [6]. Die Halbwertszeit beträgt im Mittel 5 Stunden, die seines wirksamen Abbauprodukts 11 Stunden [6]. Bei Duloxetin nennt die Fachinformation unter anderem Empfindungen ähnlich einem elektrischen Schlag, vor allem im Kopf, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Durchfall und vermehrtes Schwitzen und empfiehlt ein langsames, schrittweises Ausschleichen [8].

Trizyklische Antidepressiva: Ein plötzliches Absetzen nach längerer Behandlung kann laut Fachinformation von Amitriptylin Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlafstörungen und Reizbarkeit hervorrufen; beendet wird die Behandlung schrittweise über mehrere Wochen [9].

MAO-Hemmer: Tranylcypromin hemmt das Enzym Monoaminooxidase irreversibel, der Körper muss es nach dem Absetzen erst neu bilden, was mindestens zwei Wochen dauert. Die Diätvorschriften gelten laut NVL auch noch zwei Wochen nach dem Absetzen [1].

Weitere Antidepressiva: Nach plötzlichem Absetzen von Mirtazapin nach längerer Behandlung wurden laut Fachinformation am häufigsten Schwindel, Erregtheit, Angst, Kopfschmerzen und Übelkeit berichtet, meist leicht und selbstbegrenzend; Mirtazapin soll schrittweise abgesetzt werden [10]. Für Bupropion können Absetzsymptome oder ein Rebound nicht ausgeschlossen werden, ein Ausschleichen kann laut Fachinformation in Betracht gezogen werden [11]. Bei Agomelatin ist laut Produktinformation kein Ausschleichen der Dosis erforderlich; beenden Sie die Einnahme trotzdem nicht ohne Rücksprache [12].

So läuft das Absetzen ab

Mann in den Sechzigern sitzt entspannt in einem Sessel an einem hellen Fenster und schaut in einen Garten, eine Tasse Tee in den Händen
Bild: KI-generiert

Die NVL beschreibt für das Absetzen Schritte, die die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen geht. Wie schnell und in welchen Schritten die Dosis verringert wird, hängt vom Wirkstoff, der Dosis, der Dauer der Behandlung und Ihrem Befinden ab und wird individuell festgelegt [1, 6]. Ein sehr langsames Ausschleichen hält die NVL nicht in jedem Fall für nötig, weil viele Menschen zügig ausschleichen können; sie setzt auf enge Begleitung und langsameres Vorgehen, wenn Absetzsymptome auftreten [1].

  1. Aufklärung schon zu BeginnSchon bevor ein Antidepressivum verordnet wird, sollen Sie über mögliche Absetzsymptome und eine Rebound-Depression aufgeklärt werden [1].
  2. Gemeinsam entscheidenOb und wann abgesetzt wird, besprechen Sie mit der Praxis, die das Mittel verordnet hat. Am Ende einer Erhaltungstherapie oder Rückfallvorbeugung sollte laut NVL über mindestens 8 bis 12 Wochen ausgeschlichen werden, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen [1].
  3. Enge KontrollenWährend des Ausschleichens sollen Sie engmaschig auf Absetzsymptome und auf eine zurückkehrende Depression untersucht werden; Absetzsymptome sollen aktiv erfragt werden. Ein Kontakt sollte etwa eine Woche nach jeder Verringerung der Dosis stattfinden, mindestens aber alle 2 Wochen [1].
  4. Bei Absetzsymptomen langsamerTreten beim Ausschleichen Absetzsymptome auf, soll laut NVL wieder auf die vorherige Dosis erhöht und danach langsamer und möglichst in kleineren Schritten ausgeschlichen werden; das legt die Praxis mit Ihnen fest [1]. Ist das schrittweise Absetzen wegen der Absetzsymptome schwierig oder nicht möglich, kann laut NVL erwogen werden, innerhalb der Gruppe auf ein Präparat in Tropfenform umzustellen, das sich besonders langsam verringern lässt, bei SSRI alternativ auf Fluoxetin ("kann"); das entscheidet die Ärztin oder der Arzt [1].
  5. Kontakt nach der letzten EinnahmeNach der letzten Tablette soll der regelmäßige Kontakt laut NVL mindestens 6 Monate weitergehen, zum Beispiel alle 4 Wochen. Absetzsymptome können auch erst nach dem vollständigen Beenden auftreten, und in dieser Zeit ist die Gefahr einer zurückkehrenden Depression erhöht [1]. Die Patientenleitlinie nennt für diese Kontrolltermine mindestens 6 Wochen [2]; wie lange Ihre Termine laufen, besprechen Sie mit Ihrer Praxis.

Melden Sie sich bei Beschwerden in der Praxis, statt die Dosis selbst zu ändern; auch die Packungsbeilage von Venlafaxin bittet, die Dosis nicht ohne Rücksprache zu verringern [7]. Mehr zu einem geplanten Wechsel des Mittels steht unter Medikament wechseln; zum Absetzen anderer Psychopharmaka unter Psychopharmaka absetzen.

Absetzsymptome oder Rückfall?

Absetzsymptome und eine zurückkehrende Depression lassen sich laut NVL nur schwer voneinander unterscheiden, ebenso eine Rebound-Depression [1]. Hinweise auf Absetzsymptome sind nach den Merkmalen der NVL der enge zeitliche Zusammenhang mit dem Absetzen, der vorübergehende Verlauf und die rasche Besserung, wenn das Medikament wieder eingenommen wird [1]. Eine Rebound-Depression kann sich laut NVL zeigen, wenn die Depression ausgeprägter als zuvor oder mit zusätzlichen Beschwerden wie Ängsten, Panikattacken oder Schlafstörungen zurückkehrt oder schneller wiederkommt [1]. Auch die Fachinformation von Mirtazapin weist darauf hin, dass gemeldete Absetzsymptome mit der Grunderkrankung zusammenhängen könnten [10]. Was dahintersteckt, kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen.

Bei SSRI und SNRI wurden laut Fachinformationen lang anhaltende sexuelle Funktionsstörungen berichtet, die trotz des Absetzens bestehen blieben [3, 5, 8]. Sprechen Sie solche Beschwerden an; mehr unter Sexuelle Funktionsstörungen.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Die Zeit des Absetzens und die Monate danach brauchen Aufmerksamkeit. Laut Fachinformation von Venlafaxin wurden Suizidgedanken und Aggressionen bei Änderungen der Dosis beobachtet, auch während des Absetzens; Patientinnen und Patienten sollten dann engmaschig überwacht werden [6]. Die Packungsbeilage nennt Suizidgedanken ausdrücklich unter den möglichen Beschwerden beim Beenden [7]. Auch bei Fluoxetin und Amitriptylin wurde laut Fachinformation über Suizidgedanken oder suizidales Verhalten kurz nach Beendigung der Behandlung berichtet [5, 9]. Für alle Antidepressiva gilt laut BfArM: Wer im Verlauf der Behandlung Gedanken entwickelt, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, soll die Ärztin oder den Arzt kontaktieren oder unverzüglich ein Krankenhaus aufsuchen [13].

Bei belastenden Beschwerden sollen Sie laut Packungsbeilage von Venlafaxin Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat fragen [7]; die NVL sieht vor, dass Absetzsymptome und eine zurückkehrende Depression in dieser Zeit aktiv erfragt werden [1]. Bei stark beeinträchtigenden Absetzsymptomen sieht die Fachinformation von Sertralin vor, dass die Ärztin oder der Arzt erwägt, die zuletzt verordnete Dosis wieder einnehmen zu lassen und sie danach in kleineren Schritten zu verringern [3].

Was Sie selbst tun können

Sprechen Sie das Absetzen in der Praxis an, bevor Sie etwas verändern. Fragen Sie, wie lange das Ausschleichen dauern soll, wann Kontrolltermine stattfinden und an wen Sie sich wenden, wenn Beschwerden auftreten; dabei helfen die Fragen fürs Arztgespräch. Wenn Sie einverstanden sind, sollen Angehörige laut NVL in Information und Behandlung einbezogen werden [1]. Die Packungsbeilage von Venlafaxin rät, Freunde oder Verwandte zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sie den Eindruck haben, dass sich Ihre Depression verschlimmert [7].

Was bei einer vergessenen Einnahme zu tun ist, steht in der Packungsbeilage Ihres Präparats; die von Venlafaxin etwa rät, nicht die doppelte Menge einzunehmen [7]. Wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten, setzen Sie das Antidepressivum nicht auf eigene Faust ab; die Fachinformation von Fluoxetin etwa rät, ein abruptes Absetzen in der Schwangerschaft zu vermeiden [5]. Mehr unter Schwangerschaft.

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005), Kapitel 4.4.8 Absetzen von Antidepressiva. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 22.10.2026
  2. Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 22.10.2026
  3. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 22.10.2026
  4. Fachinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2024. abgerufen am 22.10.2026
  5. Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 22.10.2026
  6. Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 22.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 22.10.2026
  8. Fachinformation Duloxetin-ratiopharm magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 22.10.2026
  9. Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 22.10.2026
  10. Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 22.10.2026
  11. Fachinformation Bupropion-ratiopharm 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 22.10.2026
  12. EMA-Produktinformation Valdoxan (Agomelatin, EPAR), Anhang I: Fachinformation, und Anhang III B: Packungsbeilage. Les Laboratoires Servier (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2025 (zuletzt aktualisiert 15.04.2025). abgerufen am 22.10.2026
  13. Behörde Antidepressiva: Erhöhtes Risiko zu suizidalem Verhalten bei Erwachsenen unter 25 Jahren. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 15.02.2008. abgerufen am 22.10.2026

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Häufige Fragen

Wie lange dauern Absetzsymptome bei Antidepressiva?

Laut NVL beginnen sie meist 36 bis 96 Stunden nach dem Absetzen und bilden sich je nach Halbwertszeit des Wirkstoffs innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst zurück. Laut den Fachinformationen von SSRI und SNRI klingen sie im Allgemeinen innerhalb von 2 Wochen ab, bei einigen Menschen halten sie 2 bis 3 Monate oder länger an. Wenn sie Sie stark beeinträchtigen, melden Sie sich in der Praxis.

Was sind Stromschläge im Kopf beim Absetzen?

Stromschlagähnliche Missempfindungen, auch "Brain Zaps" genannt, zählt die NVL zu den typischen Absetzsymptomen. Die Fachinformation von Duloxetin beschreibt sie als Empfindungen ähnlich einem elektrischen Schlag, vor allem im Kopf; die von Paroxetin spricht von Stromschlaggefühl. Wenn sie Sie stark beeinträchtigen oder nicht nachlassen, melden Sie sich in der Praxis.

Wie lange sollte man ein Antidepressivum ausschleichen?

Am Ende einer Erhaltungstherapie oder Rückfallvorbeugung sollte laut NVL über mindestens 8 bis 12 Wochen ausgeschlichen werden, wenn nichts dagegen spricht. Wie die Dosis im Einzelnen verringert wird, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; es hängt vom Wirkstoff, der Dosis, der Dauer der Behandlung und Ihrem Befinden ab.

Machen Antidepressiva abhängig?

Eine Abhängigkeit im Sinne der Definition liegt laut NVL formell nicht vor: Von den Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung sind nur zwei erfüllt, die Gewöhnung und die Entzugssymptome. Auch die Fachinformation von Paroxetin betont, dass Absetzsymptome nicht bedeuten, dass das Mittel süchtig macht. Trotzdem sollen Antidepressiva schrittweise abgesetzt werden.

Bei welchen Antidepressiva sind Absetzsymptome häufiger?

Die NVL stuft das Risiko bei Paroxetin, Amitriptylin, Imipramin und Venlafaxin als hoch ein, bei Citalopram, Escitalopram, Sertralin und Duloxetin als moderat, bei Fluoxetin, Milnacipran und Agomelatin als gering; bei Mirtazapin, Bupropion und Tranylcypromin ist es unklar; insgesamt erwartet die NVL bei MAO-Hemmern, trizyklischen Antidepressiva, Venlafaxin und Paroxetin ein erhöhtes Risiko. Die Aussagesicherheit ist sehr unterschiedlich. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Woran erkenne ich, ob es Absetzsymptome oder ein Rückfall ist?

Das ist laut NVL schwer zu unterscheiden. Für Absetzsymptome sprechen ein enger zeitlicher Zusammenhang mit dem Absetzen, ein vorübergehender Verlauf und eine rasche Besserung, wenn das Medikament wieder eingenommen wird. Kehrt die Depression ausgeprägter als zuvor, schneller oder mit neuen Beschwerden wie Ängsten zurück, kann das ein Rebound sein. Beurteilen kann das nur die Ärztin oder der Arzt.

Kann ich ein Antidepressivum einfach weglassen, wenn es mir besser geht?

Nein. Laut Patientenleitlinie kann ein zu frühes Absetzen einen Rückfall zur Folge haben, und plötzliches Absetzen kann Absetzsymptome auslösen. Nach dem Abklingen der Depression soll das Antidepressivum laut NVL noch 6 bis 12 Monate weiter eingenommen und danach schrittweise abgesetzt werden, gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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