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Vermehrtes Schwitzen durch Psychopharmaka

Vermehrtes Schwitzen steht in den Packungsbeilagen vieler Psychopharmaka; bei Citalopram, Venlafaxin, Amitriptylin und Clomipramin ist es als sehr häufig angegeben, es kann also mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Auch bei Antipsychotika wie Clozapin, bei ADHS-Mitteln wie Methylphenidat und beim Absetzen mancher Mittel kann es auftreten. Schwitzen zusammen mit Fieber, Muskelsteifheit, Verwirrtheit oder schnellem Herzschlag gehört sofort ärztlich abgeklärt.

Frau in den Vierzigern wählt in einem hellen Schlafzimmer eine leichte Leinenbluse aus dem Kleiderschrank
Bild: KI-generiert

Die Packungsbeilagen bezeichnen vermehrtes Schwitzen unterschiedlich: als "vermehrtes Schwitzen" etwa bei Citalopram, als "starkes Schwitzen" bei Amitriptylin, als "Schwitzen (einschließlich Nachtschweiß)" bei Venlafaxin, als "Schweißausbrüche" bei Bupropion oder als "kalter Schweiß" bei Sertralin [1, 2, 3, 6, 10]. Als Fachbegriff nennt die Packungsbeilage von Buprenorphin "Hyperhidrosis (übermäßiges Schwitzen)" [17].

Wie oft eine Nebenwirkung vorkommt, geben die Packungsbeilagen in festen Klassen an: "sehr häufig" kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen, "häufig" bis zu 1 von 10 und "gelegentlich" bis zu 1 von 100 [1]. Was diese Angaben bedeuten, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression, Version 3.2 (gültig bis September 2027), zählt Schwitzen zu den wichtigen Nebenwirkungen der SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Citalopram, Fluoxetin und Sertralin) und der SSNRI (Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer wie Venlafaxin und Duloxetin), bei den SSNRI mit dem Zusatz "v. a. nachts" [18].

Welche Psychopharmaka vermehrtes Schwitzen auslösen können

Antidepressiva

Als sehr häufig nennen die Packungsbeilagen vermehrtes Schwitzen bei Citalopram, Schwitzen einschließlich Nachtschweiß bei Venlafaxin, starkes Schwitzen bei Amitriptylin, Schwitzen bei Clomipramin und übermäßiges Schwitzen bei Desvenlafaxin [1, 2, 3, 4, 5]. Unter "häufig" steht vermehrtes Schwitzen bei Sertralin, Escitalopram und Duloxetin, starkes Schwitzen bei Fluoxetin und Schweißausbrüche bei Bupropion [6, 7, 8, 9, 10]. Kalter Schweiß steht bei Sertralin, Duloxetin und Fluoxetin unter "gelegentlich", bei Duloxetin dort auch nächtliches Schwitzen [6, 8, 9]. Daneben nennen die Packungsbeilagen von Sertralin und Venlafaxin Hitzewallungen als häufig [2, 6].

Bei Mirtazapin erscheint Schwitzen in der Packungsbeilage als eines von mehreren Zeichen eines Serotonin-Syndroms, das in sehr seltenen Fällen auftreten kann, allein oder zusammen mit bestimmten anderen Arzneimitteln [11]. Was dann zu tun ist, lesen Sie im Abschnitt Wann Schwitzen ein Warnzeichen ist.

Antipsychotika

Bei den Antipsychotika (Neuroleptika) nennt die Packungsbeilage von Clozapin vermehrtes Schwitzen als häufig; die Fachinformation führt unter "häufig" eine Störung der Schweiß- und Temperaturregulation auf [12, 13]. Bei Haloperidol stehen ausgeprägte Schweißausbrüche unter "gelegentlich" [14]. Für weitere Antipsychotika wie Flupentixol, Zuclopenthixol, Sulpirid und Chlorprothixen zeigt die Tabelle unten die Angaben der Produktinformationen.

ADHS-Mittel und weitere Psychopharmaka

Bei Methylphenidat, einem der ADHS-Medikamente, nennt die Packungsbeilage übermäßiges Schwitzen als häufig [16]. Bei Sublingualtabletten mit Buprenorphin zur Behandlung der Opioidabhängigkeit steht übermäßiges Schwitzen unter "sehr häufig" [17]. Weitere Wirkstoffe, darunter Atomoxetin, Lisdexamfetamin, Pregabalin und Vareniclin, finden Sie in der Tabelle.

Alle Wirkstoffe mit Datensatz im Überblick

Die Tabelle zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Datensatz auf Psychopharmakon.de, deren Produktinformation vermehrtes Schwitzen nennt, jeweils mit der höchsten angegebenen Häufigkeit. Sie ist keine Rangliste: Jede Klasse stammt aus der Produktinformation eines einzelnen Präparats, und welches Mittel für Sie in Frage kommt, hängt von vielen weiteren Punkten ab, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen abwägt.

Vermehrtes Schwitzen als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
AmitriptylinSehr häufigStarkes Schwitzen (Hyperhidrose)
BuprenorphinSehr häufigHautveränderungen (Exanthem), im Allgemeinen bei wiederholter Pflasteranwendung; Schwitzen (Pflaster) · Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrosis) (Substitution, Sublingualtabletten ohne Naloxon)
CitalopramSehr häufigVermehrtes Schwitzen
ClomipraminSehr häufigSchwitzen
DesvenlafaxinSehr häufigÜbermäßiges Schwitzen
MethadonSehr häufigSchwitzen
VenlafaxinSehr häufigSchwitzen, auch Nachtschweiß (Hyperhidrose)
AtomoxetinHäufigBei Kindern und Jugendlichen: Vermehrtes Schwitzen und juckende Haut · Bei Erwachsenen: Geschwollene, gerötete und juckende Haut, vermehrtes Schwitzen und Hautausschlag
BupropionHäufigJuckreiz, Schweißausbrüche und Hautausschlag (manchmal aufgrund einer allergischen Reaktion)
BuspironHäufigKalter Schweiß · Schwitzen, feuchte Hände
ChlorprothixenHäufigVermehrtes Schwitzen
ClozapinHäufigMüdigkeit, Fieber, gutartige Erhöhung der Körpertemperatur, Störung der Schweiß- und Temperaturregulation mit vermehrtem Schwitzen
DuloxetinHäufigVermehrtes Schwitzen · Nächtliches Schwitzen und kalter Schweiß
EscitalopramHäufigVermehrtes Schwitzen
EsketaminHäufigÜbermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose) · Kalter Schweiß
FluoxetinHäufigHautausschlag, Nesselsucht, Juckreiz, starkes Schwitzen · Haarausfall, erhöhte Neigung zu Blutergüssen, kalter Schweiß
FlupentixolHäufigJuckreiz (Pruritus), vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)
FluvoxaminHäufigSchweißausbruch
ImipraminHäufigSchwitzen
LevomethadonHäufigSchweißausbrüche, Mattigkeit, Schwächeanfälle, Wassereinlagerungen (Ödeme), gelegentlich bis häufig
LisdexamfetaminHäufigVermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)
MethylphenidatHäufigÜbermäßiges Schwitzen
MilnacipranHäufigJuckreiz (Pruritus), Hautausschlag, vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)
NaltrexonHäufigAppetitmangel, Durst, gesteigerte Energie, Schüttelfrost, vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)
NatriumoxybatHäufigVermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose), Hautausschlag
ParoxetinHäufigSchwitzen
RivastigminHäufigBei Exelon Hartkapseln beobachtet und möglicherweise auch beim Pflaster: vermehrter Speichelfluss, Ruhelosigkeit, allgemeines Unwohlsein, Zittern, vermehrtes Schwitzen
SertralinHäufigVermehrtes Schwitzen, Hautausschlag · Hautproblem mit Blasenbildung (Dermatitis), trockene Haut, Augenschwellung, Gesichtsschwellung (Gesichtsödem), kalter Schweiß
SolriamfetolHäufigÜbermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose)
SulpiridHäufigSchwitzen, Kopfschmerzen, Schwindel, herabgesetzte körperliche Aktivität (Hypokinesie)
ZuclopenthixolHäufigLichtempfindlichkeit der Haut (direkte Sonneneinstrahlung meiden), übermäßige Schweißproduktion
AgomelatinGelegentlichVermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)
EszopiclonGelegentlichLichtempfindlichkeit der Haut, Schwitzen, Akne, trockene Haut, Ekzem
GalantaminGelegentlichVermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)
HaloperidolGelegentlichErhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut, Juckreiz, ausgeprägte Schweißausbrüche
MelatoninGelegentlichHautentzündung (Dermatitis), nächtliches Schwitzen, Juckreiz, auch am ganzen Körper, Hautausschlag, trockene Haut
ModafinilGelegentlichSchwitzen, Hautausschlag, Akne, Juckreiz (Pruritus)
PerazinGelegentlichVor allem unter höheren Dosen: Schwitzen
PitolisantGelegentlichJuckreiz (Pruritus), Hautrötung (Erythem), Ausschlag, vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose) · Schmerzen, nächtliche Schweißausbrüche, Beklemmungsgefühl, anormaler Allgemeinzustand
PregabalinGelegentlichSchwitzen, Hautausschlag, Nesselausschlag, Juckreiz · Kalter Schweiß
VareniclinGelegentlichVermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose), nächtliche Schweißausbrüche
ZolpidemGelegentlichJuckreiz oder Hautausschlag, vermehrtes Schwitzen
OpipramolSeltenUnruhe, Schweißausbrüche und Schlafstörungen, vor allem bei plötzlichem Absetzen einer längerfristigen, hoch dosierten Behandlung
TranylcyprominSeltenSchwitzen
CarbamazepinSehr seltenLichtempfindlichkeit, Hautrötungen mit scheiben- oder knotenförmigen Veränderungen und Einblutungen (Erythema exsudativum multiforme et nodosum), kleinfleckige Hautblutungen (Purpura), Haarausfall, vermehrtes…
AripiprazolNicht bekanntHautausschlag, Lichtempfindlichkeit der Haut, Haarausfall, übermäßiges Schwitzen
DexamfetaminNicht bekanntSchwitzen, Haarausfall
DoxepinNicht bekanntSchwitzen
HydroxyzinNicht bekanntVermehrtes Schwitzen
TrazodonNicht bekanntJuckreiz (Pruritus), vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)
TrimipraminNicht bekanntGewichtszunahme und Schwitzen; laut Packungsbeilage vor allem zu Beginn der Behandlung

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (51 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Vermehrtes Schwitzen als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (13 Wirkstoffe)

Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.

Vermehrtes Schwitzen als Zeichen einer anderen Nebenwirkung
WirkstoffAngabe in der ProduktinformationHäufigkeit dieser Nebenwirkung
AripiprazolKombination aus Fieber, Muskelsteifheit, beschleunigtem Atmen, Schwitzen, verringertem Bewusstseinszustand und plötzlicher Veränderung von Blutdruck und Puls, Ohnmacht (malignes neuroleptisches Syndrom)Nicht bekannt
AripiprazolSerotonin-Syndrom, eine Reaktion, die Glücksgefühle, Schläfrigkeit, Schwerfälligkeit, Ruhelosigkeit, Trunkenheitsgefühl, Fieber, Schwitzen oder steife Muskeln verursachen kannNicht bekannt
CariprazinKombination aus Fieber, Schwitzen, Muskelsteifigkeit und Benommenheit oder Schläfrigkeit (malignes neuroleptisches Syndrom)Nicht bekannt
ClozapinNach plötzlichem Absetzen: starkes Schwitzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall (cholinerges Syndrom)Nicht bekannt
DonanemabAllergische Reaktionen (Überempfindlichkeit) und andere infusionsbedingte Reaktionen; mögliche Anzeichen sind Hautrötung, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen, Kopfschmerzen, Engegefühl im Brustkorb, Atemnot und BlutdruckveränderungenHäufig
DonanemabSchwere allergische Reaktion während oder kurz nach der Infusion, mit Hitzewallungen, Schüttelfrost, Übelkeit, Schwitzen, Kopfschmerzen, Engegefühl im Brustkorb, Atembeschwerden, Muskelschmerzen und BlutdruckveränderungenGelegentlich
DonanemabPlötzliche, schwere allergische Reaktion (anaphylaktische Reaktion) mit Atembeschwerden, Schwellungen, Benommenheit, schnellem Herzschlag, Schwitzen und BewusstlosigkeitGelegentlich
FluoxetinSerotonin-Syndrom: Kombination von Beschwerden wie unerklärlichem Fieber mit schnellerer Atmung oder schnellerem Puls, Schwitzen, Muskelsteifheit oder Muskelzittern, Verwirrtheit, äußerster Erregung oder SchläfrigkeitSelten
LevomethadonZu Beginn der Substitutionsbehandlung Opiat-Entzugssymptome wie Angstzustände, Appetitlosigkeit, unwillkürliche zuckende und stoßende Bewegungen, Darmkrämpfe, Depression, Durchfall, Erbrechen, Fieber, abwechselnd Frösteln und Hitzewallungen, Gähnen,…Häufig
MirtazapinKombination von Beschwerden wie unerklärlichem Fieber, Schwitzen, beschleunigtem Herzschlag, Durchfall, unkontrollierbaren Muskelkontraktionen, Schüttelfrost, übersteigerten Reflexen, Ruhelosigkeit, Stimmungsschwankungen, Bewusstlosigkeit und vermehrtem…Nicht bekannt
OlanzapinKombination aus Fieber, schnellerer Atmung, Schwitzen, Muskelsteifheit und Benommenheit oder Schläfrigkeit (laut Fachinformation malignes neuroleptisches Syndrom)Nicht bekannt
QuetiapinMalignes neuroleptisches Syndrom (Fieber, Schwitzen, Muskelsteifheit, Benommenheit)Selten
RisperidonMalignes neuroleptisches Syndrom: Fieber, Muskelsteifheit, Schweißausbrüche oder eingeschränktes BewusstseinSelten
SertralinZeichen eines Serotonin-Syndroms oder eines malignen neuroleptischen Syndroms wie Erregtheit, Verwirrtheit, übermäßiges Schwitzen, Durchfall, Fieber, hoher Blutdruck, Muskelsteifheit (Rigidität) und schneller Herzschlag; in einigen Fällen zusammen mit der…Selten
TiapridMalignes neuroleptisches Syndrom mit hohem Fieber, Muskelsteifheit, Störungen des vegetativen Nervensystems (z. B. Blässe, Schwitzen, Kreislaufstörungen), Bewusstseinstrübung und erhöhtem Muskelenzym Kreatinphosphokinase (CPK) im Blut; es kann…Selten
TrazodonZeichen eines Serotoninsyndroms oder malignen neuroleptischen Syndroms, zum Beispiel Schwitzen, Durchfall, Fieber, Blutdruckschwankungen, beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Erregtheit (Agitation), Muskelsteifigkeit (Rigidität) und BewusstseinsstörungenSehr selten

Warum es zum Schwitzen kommt

Wie Antidepressiva vermehrtes Schwitzen auslösen, beschreiben die hier zitierten Packungsbeilagen nicht. Bei Clozapin nennt die Fachinformation eine Störung der Schweiß- und Temperaturregulation als Nebenwirkung [13].

Für das Serotonin-Syndrom gibt die Packungsbeilage von Methylphenidat eine Erklärung: Zusammen mit bestimmten anderen Arzneimitteln kann Methylphenidat einen lebensbedrohlichen Anstieg des Botenstoffs Serotonin im Gehirn verursachen, der zu Verwirrtheit oder Ruhelosigkeit, Schwitzen, Schüttelfrost, Muskelzucken oder raschem Herzschlag führen kann [16]. Mehr dazu lesen Sie unter Serotonin-Syndrom.

Nach plötzlichem Absetzen von Clozapin beschreibt die Fachinformation Zeichen eines sogenannten cholinergen Rebounds, darunter vermehrtes Schwitzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall [13]. Laut S3-Leitlinie Schizophrenie (Version 5.0 vom Juni 2026, eine Living Guideline, die jährlich überprüft wird) beschreiben ältere Studien nach plötzlichem Absetzen typischer Antipsychotika (Antipsychotika der ersten Generation) Absetzbeschwerden, darunter Schweißausbrüche; einige dieser Beschwerden wurden als Folge einer cholinergen Überempfindlichkeit bei Langzeitbehandlung mit Antipsychotika erklärt, also einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Botenstoff Acetylcholin [19].

Kommt das Schwitzen vom Medikament?

Einen Hinweis gibt der zeitliche Zusammenhang. Für Citalopram heißt es in der Packungsbeilage allgemein, Nebenwirkungen seien in der Regel mild und vorübergehend, träten vor allem zu Beginn der Behandlung auf und ließen mit Besserung der depressiven Beschwerden gewöhnlich nach [1]. Laut Packungsbeilage von Desvenlafaxin traten die aufgeführten Nebenwirkungen zumeist während der ersten Behandlungswoche auf [5]. Bei Sertralin sind die Nebenwirkungen laut Packungsbeilage dosisabhängig; häufig verschwinden sie wieder oder bessern sich bei fortdauernder Behandlung [6].

Schwitzen kann auch nach dem Absetzen oder einer Verringerung der Dosis auftreten. Die Packungsbeilage von Citalopram nennt Schwitzen unter den Absetzerscheinungen, die nach Beendigung der Behandlung häufig auftreten, besonders nach plötzlichem Absetzen. Sie beginnen laut Packungsbeilage normalerweise in den ersten Tagen nach dem Absetzen und klingen im Allgemeinen innerhalb von zwei Wochen von selbst ab, können bei einigen Menschen aber auch zwei bis drei Monate oder länger anhalten [1]. Die Packungsbeilage von Escitalopram zählt Schwitzen einschließlich Nachtschweiß zu den möglichen Absetzsymptomen und bittet, schwerwiegende Absetzsymptome der Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen [7]. Bei Duloxetin steht übermäßiges Schwitzen unter den Beschwerden nach abruptem Absetzen; sie sind laut Packungsbeilage normalerweise nicht schwerwiegend und verschwinden innerhalb einiger Tage, bei Beschwerden sollen Sie aber Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat fragen [8]. Bei Olanzapin können nach plötzlichem Absetzen laut Packungsbeilage unter anderem Schwitzen, Schlaflosigkeit, Zittern, Angst oder Übelkeit und Erbrechen auftreten [15]. Für Antipsychotika nennt die S3-Leitlinie Schwitzen unter den Beschwerden, die innerhalb von Tagen bis Wochen nach einer deutlichen Dosisverringerung oder einem schnellen Absetzen auftreten können [19]. Mehr dazu lesen Sie unter Absetzsymptome und Absetzen von Psychopharmaka.

Die Packungsbeilagen nennen auch Fälle, in denen Schwitzen zu einer anderen Erkrankung gehört. Bei Venlafaxin zählen dazu Anzeichen einer Infektion wie erhöhte Temperatur, Schüttelfrost, Zittern, Kopfschmerzen, Schwitzen und grippeähnliche Beschwerden, die durch eine Erkrankung des Blutes verursacht sein können. Für diesen Fall verlangt die Packungsbeilage, Venlafaxin nicht mehr einzunehmen und unverzüglich mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen oder die Notfallambulanz eines Krankenhauses aufzusuchen [2]. Laut Packungsbeilage von Clozapin wurde ein leicht erhöhtes Risiko für Blutkrebs beobachtet, insbesondere bei längerer Behandlung; zu den möglichen Symptomen zählt sie neben unerklärlichem Fieber, geschwollenen Drüsen, Gewichtsverlust und extremer Müdigkeit auch Nachtschweiß [12]. Ob das Schwitzen vom Medikament oder von etwas anderem kommt, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüfen. Notieren Sie, wann es auftritt und wie stark es ist, etwa im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch, und nehmen Sie die Notizen zum nächsten Termin mit.

Was Sie tun können

Mann in den Dreißigern sitzt entspannt auf einem Sofa in einem hellen Wohnzimmer und trinkt ein Glas Wasser
Bild: KI-generiert

Setzen Sie ein Psychopharmakon wegen vermehrten Schwitzens nicht selbst ab und ändern Sie die Dosis nicht ohne Rücksprache. Die Packungsbeilage von Clozapin etwa bittet, die Einnahme nicht ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt zu beenden, weil es zu Entzugserscheinungen kommen kann, die sich unter anderem in Schweißausbrüchen äußern [12]. Auch die Packungsbeilage von Escitalopram bittet, die Einnahme nicht zu beenden, bevor die Ärztin oder der Arzt es empfiehlt [7]. Für Antipsychotika hält die S3-Leitlinie Schizophrenie zur Vermeidung von Absetzbeschwerden generell eine langsame Verringerung der Dosis für sinnvoll, teilweise über Monate [19]. Wie ein Absetzen gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt geplant wird, lesen Sie unter Absetzen von Psychopharmaka.

Sprechen Sie das Schwitzen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an, auch wenn Sie nicht danach gefragt werden. Laut NVL Unipolare Depression sollen Wirkungen und typische Nebenwirkungen von Antidepressiva aktiv erfragt werden (Empfehlung 4-13). Bei der Auswahl eines Antidepressivums sollen laut NVL unter anderem das Sicherheitsprofil und die Präferenz der Patientin oder des Patienten berücksichtigt werden; als Kriterium nennt die Leitlinie dabei auch, ob das mögliche Nebenwirkungsprofil für die betroffene Person annehmbar ist (Empfehlung 4-4) [18]. Für Antipsychotika empfiehlt die S3-Leitlinie Schizophrenie, Nebenwirkungen aktiv zu erfragen und zu dokumentieren und bei Verdacht eine Abklärung und Behandlung anzubieten (Empfehlung 51, "soll") [19]. Je nach Schwere einer Nebenwirkung von Antipsychotika soll nach Abwägung von Nutzen und Risiko eine Anpassung oder Verringerung der Dosis, eine Umstellung auf ein anderes Präparat oder das Absetzen angeboten werden (Empfehlung 52) [19]. Ob eine solche Änderung für Sie in Frage kommt, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüfen; mehr dazu lesen Sie unter Medikament wechseln. Eigene Maßnahmen gegen das Schwitzen, etwa bestimmte Mittel oder Verhaltensregeln, nennen die Packungsbeilagen und Leitlinien, auf die sich diese Seite stützt, nicht. Fragen Sie deshalb auch nach, was Sie im Alltag tun können.

Wann Schwitzen ein Warnzeichen ist

Zusammen mit anderen Beschwerden kann Schwitzen auf eine schwerwiegende Nebenwirkung hinweisen. Bei Sertralin sollen Sie laut Packungsbeilage umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt benachrichtigen, wenn Sie Erregtheit, Verwirrtheit, Durchfall, hohe Körpertemperatur und hohen Blutdruck, übermäßiges Schwitzen und schnellen Herzschlag bemerken; laut Packungsbeilage sind das Symptome eines Serotonin-Syndroms oder eines malignen neuroleptischen Syndroms [6]. Bei Venlafaxin sollen Sie bei Verdacht auf ein Serotonin-Syndrom unverzüglich die Ärztin oder den Arzt informieren oder sich in die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses begeben. Bei Zeichen eines Serotonin-Syndroms verlangt die Packungsbeilage außerdem, Venlafaxin nicht mehr einzunehmen [2]. Bei Mirtazapin nennt die Packungsbeilage als Zeichen unter anderem unerklärliches Fieber, Schwitzen, beschleunigten Herzschlag, Durchfall und unkontrollierbare Muskelkontraktionen; treten mehrere davon auf, sollen Sie sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen [11].

Laut Packungsbeilage von Olanzapin können vergleichbare Arzneimittel sehr selten eine Kombination aus Fieber, raschem Atmen, Schwitzen, Muskelsteifheit und Benommenheit oder Schläfrigkeit hervorrufen; dann sollen Sie sich sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung setzen [15]. Mehr dazu lesen Sie unter Malignes neuroleptisches Syndrom. Bei Clozapin nennt die Packungsbeilage Schwitzen auch unter den Anzeichen eines Herzinfarkts, zusammen mit drückenden Schmerzen oder Engegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit, Schwäche, Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen und Herzrasen; dann sollten Sie sich laut Packungsbeilage sofort einer medizinischen Notfallbehandlung unterziehen [12].

Bei Clozapin gehören Anzeichen einer Erkältung, Fieber, grippeartige Beschwerden, Halsschmerzen oder eine andere Infektion zu den Beschwerden, bei denen Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren sollen, bevor Sie die nächste Tablette einnehmen; dann muss dringend eine Blutuntersuchung erfolgen [12]. Mehr dazu lesen Sie unter Blutbildveränderungen.

Wenn es Ihnen seelisch schlecht geht, finden Sie unter Hilfe in der Krise Telefonnummern und Anlaufstellen, die sofort erreichbar sind.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
  2. Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 23.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Clomipramin-neuraxpharm 75 mg retard Retardtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Desveneurax 50 mg / 100 mg Retardtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 23.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Escitalopram-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Duloxetin-ratiopharm 30 mg, 60 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Bupropion-ratiopharm 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten (2,5 mg bis 20 mg). ratiopharm GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 23.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
  17. Gebrauchsinformation Buprenorphin-neuraxpharm 0,4 mg, 2 mg und 8 mg Sublingualtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH (Pharmazeutischer Unternehmer). Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  18. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand Version 3.2, Juli 2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
  19. Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026), Living Guideline mit jährlicher Überprüfung. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Welche Antidepressiva verursachen kein Schwitzen?

Eine solche Liste stellt Psychopharmakon.de nicht auf. Die Packungsbeilagen nennen vermehrtes Schwitzen bei vielen Antidepressiva mit unterschiedlicher Häufigkeit; die Tabelle auf dieser Seite zeigt die Angaben aus den Produktinformationen. Welches Mittel zu Ihnen passt, hängt von vielen weiteren Punkten ab und wird gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt entschieden. Wechseln Sie nicht selbst.

Warum schwitzt man durch Antidepressiva?

Die Packungsbeilagen nennen vermehrtes Schwitzen als Nebenwirkung, erklären aber nicht, wie es entsteht. Die NVL Unipolare Depression zählt Schwitzen zu den wichtigen Nebenwirkungen der SSRI und SSNRI, bei den SSNRI vor allem nachts. Tritt Schwitzen zusammen mit Fieber, Muskelsteifheit, Verwirrtheit oder schnellem Herzschlag auf, kann es ein Zeichen eines Serotonin-Syndroms sein und gehört sofort ärztlich abgeklärt.

Können Neuroleptika Schwitzen auslösen?

Ja, bei einigen Antipsychotika (Neuroleptika) steht es in der Packungsbeilage, etwa bei Clozapin als häufig und bei Haloperidol als gelegentlich. Laut Fachinformation von Clozapin kann die Schweiß- und Temperaturregulation gestört sein. Beim Absetzen von Clozapin und nach plötzlichem Absetzen von Olanzapin kann laut Packungsbeilage ebenfalls Schwitzen auftreten.

Machen ADHS-Medikamente Schwitzen?

Bei Methylphenidat nennt die Packungsbeilage übermäßiges Schwitzen als häufig. Für weitere ADHS-Mittel zeigt die Tabelle auf dieser Seite die Angaben der Produktinformationen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie oder Ihr Kind unter dem Schwitzen leiden.

Geht das Schwitzen wieder weg?

Das lässt sich nicht allgemein sagen. Für Citalopram heißt es in der Packungsbeilage, Nebenwirkungen träten vor allem zu Beginn auf und ließen mit Besserung der depressiven Beschwerden gewöhnlich nach; bei Sertralin verschwinden Nebenwirkungen laut Packungsbeilage häufig wieder oder bessern sich bei fortdauernder Behandlung. Hält das Schwitzen an oder belastet es Sie, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann man beim Absetzen von Antidepressiva schwitzen?

Ja. Die Packungsbeilagen von Escitalopram und Duloxetin zählen Schwitzen zu den möglichen Beschwerden beim Absetzen. Besprechen Sie das Absetzen immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr dazu lesen Sie auf der Seite zu Absetzsymptomen.

Wann ist Schwitzen gefährlich?

Wenn es zusammen mit Fieber, Muskelsteifheit, Verwirrtheit, Unruhe oder schnellem Herzschlag auftritt. Das können laut Packungsbeilagen Zeichen eines Serotonin-Syndroms oder eines malignen neuroleptischen Syndroms sein; dann brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe. Bei Clozapin nennt die Packungsbeilage Schwitzen mit Schmerzen oder Engegefühl in der Brust als mögliches Zeichen eines Herzinfarkts; dann sollten Sie sich laut Packungsbeilage sofort einer medizinischen Notfallbehandlung unterziehen.

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