Behandlung

Elektrokrampftherapie (EKT)

Bei einer Elektrokonvulsionstherapie (EKT), auch Elektrokrampftherapie genannt, lösen kurze Stromimpulse über Elektroden am Kopf in kurzer Narkose und mit Muskelentspannung einen Krampfanfall im Gehirn aus; laut Patientenleitlinie spüren Sie davon nichts. Bei Depressionen, die auf mehrere Behandlungen nicht angesprochen haben, soll sie laut Nationaler VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression angeboten werden, insbesondere im höheren Lebensalter oder bei psychotischen Beschwerden. Als wichtigste Nebenwirkung gelten Störungen des Gedächtnisses, die sich laut Leitlinie meist innerhalb weniger Wochen zurückbilden.

Mann Mitte fünfzig spricht in einem hellen Besprechungszimmer an einem runden Tisch ruhig mit einer Ärztin in den Vierzigern
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Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression das älteste Verfahren, das das Gehirn ohne operativen Eingriff stimuliert; sie wird seit den 1930er Jahren angewendet [1]. Die NVL führt Elektrokrampftherapie als zweiten Namen, die Patientenleitlinie nennt diesen Begriff veraltet [1, 2]. Bei der Behandlung werden Nervenzellen im Gehirn mit elektrischen Stromreizen angeregt; dadurch werden laut Patientenleitlinie vermutlich Botenstoffe im Gehirn beeinflusst und das Wachstum von Nervenzellen angeregt [2]. Abschließend geklärt ist der Wirkmechanismus laut einer Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer (BÄK) von 2003 nicht; verantwortlich für die Wirkung ist demnach vor allem der Krampfanfall selbst [7]. Auch die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) schrieb 2012 gemeinsam mit Fachgesellschaften aus Österreich, der Schweiz und Südtirol, der Zusammenhang zwischen dem Krampfanfall und der Besserung sei bisher nicht geklärt [8].

Eine EKT wird laut NVL in Deutschland fast ausschließlich im Krankenhaus durchgeführt [1]. Laut BÄK ist sie immer nur ein Baustein einer Gesamtbehandlung [7]. Ob sie für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wann die Leitlinien eine EKT empfehlen

Für unipolare Depressionen gilt die NVL in der Version 3.2 (verabschiedet 2022, gültig bis 29.09.2027). Sie empfiehlt: Eine EKT soll bei therapieresistenten depressiven Episoden angeboten werden, insbesondere im höheren Lebensalter oder bei psychotischen Beschwerden ("soll", starke Empfehlung) [1]. Als therapieresistent gelten allgemein Menschen, die auf mindestens zwei unterschiedliche, ausreichend dosierte Antidepressiva aus verschiedenen Wirkstoffklassen nicht angesprochen haben; die NVL selbst versteht darunter ein Nichtansprechen auf eine erste Behandlung und auf mindestens eine weitere Behandlungsstrategie [1]. Wie viele und welche Versuche einer EKT vorausgehen, legt die Leitliniengruppe nicht fest; sie setzt eine leitliniengerechte Vorbehandlung voraus, gegebenenfalls auch eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie [1]. Mehr dazu unter Wenn ein Antidepressivum nicht wirkt.

Die starke Empfehlung begründet die Leitliniengruppe mit den großen Effekten und damit, dass bessere Kenntnisse zu Gegenanzeigen, weiterentwickelte Behandlungsprotokolle und Fortschritte der Narkose die Sicherheit des Verfahrens erhöht haben. Vergleiche mit einer Scheinbehandlung gibt es kaum, weil solche Studien wegen der nötigen Vollnarkose aus ethischen Gründen nicht durchführbar sind [1]. Laut Patientenleitlinie tritt die Wirkung einer EKT schnell ein [2]. Außerdem empfiehlt die NVL eine EKT in zwei Notfällen. Bei einem depressiven Stupor ist die Bewegung vermindert oder aufgehoben ("Erstarren"), ohne dass das Bewusstsein gestört ist; hat dabei eine Behandlung mit Lorazepam keinen Erfolg, sollte eine EKT angeboten werden. Ebenso sollte sie bei lebensbedrohlichen Notfällen bei psychotischen Depressionen angeboten werden, zu denen die NVL unter anderem Nahrungsverweigerung und Stupor zählt [1]. Lorazepam-Tabletten sind laut Fachinformation nur bei schweren Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen und zur Beruhigung vor und nach Eingriffen zugelassen; einen Stupor oder eine Katatonie nennt die Fachinformation nicht [13].

Empfehlungen zur EKT: NVL Unipolare Depression 3.2; S3-Leitlinie Bipolare Störungen 2.1 (Gültigkeit abgelaufen); S3-Leitlinie Schizophrenie 5.0; S3-Leitlinie Zwangsstörungen 2.0
SituationWas die Leitlinie empfiehltGrad
therapieresistente unipolare DepressionEKT anbieten, insbesondere im höheren Lebensalter oder bei psychotischen Beschwerden (NVL 7-27) [1]"soll"
depressiver Stupor, wenn Lorazepam keinen Erfolg hatteEKT anbieten (NVL 12-21) [1]"sollte"
lebensbedrohliche Notfälle bei psychotischer DepressionEKT anbieten (NVL 12-23) [1]"sollte"
schwere oder therapieresistente depressive Episode bei bipolarer StörungEKT einsetzen [3]"sollte" (B)
lebensbedrohliche depressive Episode bei bipolarer Störung, auch stationär nicht anders beherrschbar, zum Beispiel mit NahrungsverweigerungEKT durchführen [3]"sollte" (Klinischer Konsenspunkt)
schwere manische EpisodeEKT kann durchgeführt werden [3]"kann" (0)
manische Episode, die auf Medikamente nicht ansprichtEKT in diesen seltenen Fällen durchführen [3]"sollte" (B)
Schizophrenie mit eindeutiger Behandlungsresistenz gegen MedikamenteEKT anbieten mit dem Ziel, den klinischen Gesamtzustand zu verbessern (Empfehlung 46) [5]"sollte" (bedingte Empfehlung)
perniziöse Katatonie, wenn ein Antipsychotikum und Lorazepam keinen Erfolg hattenzeitnah EKT anbieten (Empfehlung 94) [5]"soll" (starke Empfehlung)
therapierefraktäre ZwangsstörungEKT nicht anwenden (Empfehlung 8-3) [6]"sollte nicht" (B)

Die Leitlinienübersicht der DGPPN führt die S3-Leitlinie Bipolare Störungen der DGBS und DGPPN (Langversion 2.1, Update 2019, letzte Anpassung Mai 2020) mit dem Vermerk "Gültig bis: 01.03.2023"; diese Gültigkeit ist abgelaufen [3, 4]. Die S3-Leitlinie Schizophrenie der DGPPN liegt als fortlaufend aktualisierte Fassung 5.0 vom 13.06.2026 vor, laut DGPPN-Übersicht gültig bis 12.07.2027; die S3-Leitlinie Zwangsstörungen in der Version 2.0 vom 30.06.2022, laut Deckblatt gültig bis 30.06.2027 [4, 5, 6]. Die perniziöse Katatonie beschreibt die BÄK als akute, lebensbedrohliche Form der Katatonie [7]. Bei der Zwangsstörung fehlen laut Leitlinie zuverlässige Wirksamkeitsnachweise; beobachtete Besserungen waren häufig nur vorübergehend, und es kommen die Risiken einer mehrfachen Narkose hinzu [6]. Mehr unter Bipolare Störung, Schizophrenie und Zwangsstörung.

Weiter gefasst sind ältere Stellungnahmen. Der Wissenschaftliche Beirat der BÄK sah die EKT 2003 unter anderem bei wahnhafter Depression, depressivem Stupor und akuter, lebensbedrohlicher Katatonie als Therapie der ersten Wahl. Als Therapie der zweiten Wahl nannte er sie unter anderem bei einer Depression, die auf mindestens zwei verschiedene, ausreichend dosierte Antidepressiva und zusätzlich auf einen therapeutischen Schlafentzug nicht angesprochen hat [7]; mehr zum Schlafentzug unter Wachtherapie. Die DGPPN setzte sich 2012 mit den Fachgesellschaften der Nachbarländer dafür ein, die EKT nicht erst als letzte Möglichkeit einzusetzen; Menschen mit Depression sollten nach dieser Stellungnahme spätestens nach zwei erfolglosen Standardbehandlungen mit Antidepressiva und Psychotherapie über die Möglichkeit einer EKT aufgeklärt werden [8].

So läuft eine EKT ab

  1. Voruntersuchungen und AufklärungVor einer EKT sind laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen Untersuchungen von Körper und Psyche, die für die Sicherheit wichtig sind, und das informierte Einverständnis verpflichtend [3]. Die Narkosefähigkeit muss laut NVL gegeben sein [1]. Zur Aufklärung gehört laut S3-Leitlinie Schizophrenie wesentlich, über mögliche Einbußen bei Gedächtnis und Denken zu informieren [5].
  2. Die einzelne BehandlungSie findet laut NVL in einer wenige Minuten dauernden Kurznarkose mit Muskelentspannung statt, begleitet von Fachleuten aus Psychiatrie und Anästhesie; beatmet wird meist über eine Maske. Über Elektroden an der Kopfhaut lösen kurze Stromimpulse einen Krampfanfall aus. Häufiger wird dabei die rechte Hirnhälfte stimuliert, mitunter beide [1]. Laut BÄK-Stellungnahme von 2003 gehören eine Beatmung mit Sauerstoff, ein Zahnschutz und eine Überwachung mit EEG, EKG und Pulsoxymetrie dazu [7]. Danach folgt laut NVL eine kurze Nachbeobachtung [1]. Laut Patientenleitlinie werden die Stromimpulse erst übertragen, wenn Sie eingeschlafen sind, und Sie spüren davon nichts [2].
  3. Die BehandlungsserieEine Serie umfasst laut NVL etwa 8 bis 12 Einzelbehandlungen, meist 2- bis 3-mal pro Woche [1]. Die Patientenleitlinie nennt meist 10 bis 12, die S3-Leitlinie Bipolare Störungen meist 6 bis 12 Behandlungen [2, 3].

Medikamente während einer EKT

Frau Ende fünfzig pflegt an einem ruhigen Nachmittag Blumen in Töpfen auf einer sonnigen Terrasse
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In der Praxis kommt eine EKT laut NVL in der Regel zu einer Behandlung mit Medikamenten hinzu. Das bisherige Antidepressivum wird dabei entweder weitergegeben oder durch einen anderen Wirkstoff ersetzt, zum Beispiel Lithium oder Nortriptylin [1]. Einige Fachinformationen und die S3-Leitlinie Schizophrenie gehen auf die gleichzeitige Anwendung eigens ein:

  • Zur gleichzeitigen Anwendung von EKT und Sertralin liegen laut Fachinformation keine klinischen Studien zu Risiken oder Nutzen vor [10].
  • Mit SSRI und EKT gibt es laut Fachinformation von Escitalopram nur wenige klinische Erfahrungen, deshalb ist Vorsicht geboten [11].
  • Bei Menschen, die während einer Behandlung mit Lithium eine EKT bekamen, wurde laut einer in Österreich veröffentlichten Fachinformation über ein erhöhtes Risiko neurologischer Nebenwirkungen berichtet, zum Beispiel Delirium, verlängerte Krampfanfälle und Verwirrung. Ist beides gleichzeitig angezeigt, soll die EKT mit Vorsicht angewendet und die behandelte Person sorgfältig überwacht werden [12].
  • Clozapin senkt laut S3-Leitlinie Schizophrenie die Krampfschwelle. Bei gleichzeitiger EKT ist daher zunächst ein erhöhtes Risiko unter anderem für lang anhaltende Anfälle oder für spontane Anfälle nach der Behandlung denkbar; regelmäßige EEG-Untersuchungen erlauben eine Überwachung. Weil die EKT selbst die Krampfschwelle im Verlauf erhöht, nimmt dieses Risiko nach Annahme der Leitlinie im Lauf der Behandlung ab [5].

Weil Fachinformationen und Leitlinie auf die gleichzeitige Anwendung eingehen [5, 10, 11, 12], nennen Sie dem Behandlungsteam vor der EKT alle Medikamente, auch rezeptfreie und pflanzliche; dabei hilft der Medikationsplan. Ändern oder beenden Sie keine Medikamente auf eigene Faust, darüber entscheidet die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen.

Nebenwirkungen und Risiken

Als wesentlichste Nebenwirkung gelten laut NVL Einschränkungen von Gedächtnis und Denken. Sie zeigen sich als Verwirrtheit direkt nach dem Anfall und als Gedächtnislücken, die sich in den meisten Fällen rasch und vollständig zurückbilden [1]. Laut Patientenleitlinie verschwinden die Gedächtnisprobleme meist rasch wieder, nach weiteren Daten nach etwa 2 Wochen [2]. Laut der BÄK-Stellungnahme von 2003 können direkt nach der Behandlung Orientierung, Kurzzeitgedächtnis und Aufmerksamkeit vorübergehend gestört sein; ein Teil der Gedächtnisstörungen bildet sich in der Regel nach Stunden bis wenigen Tagen zurück, spätestens nach 4 Wochen, andere Gedächtnislücken können länger bestehen bleiben [7]. Selten, schwer messbar, aber glaubhaft beklagen laut NVL wenige Menschen anhaltende, inselförmige Erinnerungslücken im Langzeitgedächtnis, unter denen sie stark leiden. Kognitive Effekte sind laut NVL allgemein schwer zu objektivieren und schwer von Einschränkungen zu trennen, die zur Depression selbst gehören [1].

Um Einbußen bei Gedächtnis und Denken zu verringern, nennt die S3-Leitlinie Schizophrenie zum Beispiel zwei statt drei Behandlungen pro Woche, die Stimulation nur einer Hirnhälfte und möglichst wenige Behandlungen. Tests von Gedächtnis und Denken vor und nach einer Serie sowie dazwischen können mögliche Einbußen im Einzelfall erfassen [5].

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind laut NVL Kopfschmerzen, Schwindel und Muskelkater, seltener hypomanische Beschwerden, Herzrhythmusstörungen, Störungen der Blutdruckregulation und verlängerte Anfälle [1]. Die Patientenleitlinie nennt zusätzlich Schläfrigkeit und die üblichen Risiken einer Narkose [2]. Kopfschmerzen gelten laut BÄK als häufigste Nebenwirkung; selten kommen Übelkeit und Erbrechen vor [7]. Bei einer bipolaren Depression kann eine EKT laut S3-Leitlinie, ähnlich wie stark wirksame Antidepressiva, kurzzeitig eine hypomane oder manische Phase auslösen [3].

Lebensbedrohliche Zwischenfälle sind laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen extrem selten, das Risiko dafür entspricht dem Narkoserisiko [3]; ähnlich schätzte es die DGPPN 2012 ein [8]. Lebensbedrohliche Komplikationen gingen laut BÄK hauptsächlich von Herz und Kreislauf aus und betrafen vor allem Menschen mit vorgeschädigtem Herzen; das erfordert nach der Behandlung eine ausreichend lange Überwachung, insbesondere mit EKG [7]. Strukturelle Schäden am Gehirn sind laut BÄK nach fachgerecht durchgeführter EKT nicht beschrieben worden, auch Untersuchungen mit Kernspin- und Computertomografie ergaben keine Hinweise darauf [7].

Laut NVL haben Betroffene und Angehörige manchmal erhebliche, sachlich nicht begründete Vorbehalte gegen die EKT, die eine vernünftige Abwägung von Nutzen und Risiken erschweren [1]. Fragen Sie in der Klinik nach allem, was Sie beunruhigt; dabei helfen die Fragen fürs Arztgespräch.

Gegenanzeigen und besondere Situationen

Absolute Gegenanzeigen gibt es laut NVL nicht. Einige Erkrankungen des Gehirns und anderer Organe gelten als relative Gegenanzeigen, zum Beispiel ein erhöhter Druck im Schädel oder ein kürzlich überstandener Herz- oder Hirninfarkt; außerdem muss die Narkosefähigkeit gegeben sein [1]. Die ältere Stellungnahme der BÄK von 2003 stufte mehrere Erkrankungen noch als absolute Gegenanzeigen ein, darunter einen Herzinfarkt oder einen Hirninfarkt in den letzten 3 Monaten, schwerste Einschränkungen von Herz und Lunge, einen schweren Bluthochdruck (hypertensive Krise), einen erhöhten Hirndruck, eine Raumforderung im Gehirn mit Begleitödem und einen akuten Glaukomanfall; als relative Gegenanzeigen nannte sie ein Aneurysma oder Angiom im Gehirn. Ein höheres Lebensalter, eine Schwangerschaft und ein Herzschrittmacher galten nach dieser Stellungnahme nicht als Gegenanzeigen [7].

Im höheren Lebensalter soll eine EKT bei therapieresistenter Depression laut NVL insbesondere angeboten werden [1]; mehr unter Altersdepression. In der Schwangerschaft ist eine EKT laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen eine Möglichkeit, wenn andere Behandlungen versagen oder nicht infrage kommen; die besonderen Narkoserisiken für Mutter und Kind sind dabei zu beachten, und ein geringfügig erhöhtes Gesundheitsrisiko für das Kind lässt sich nicht sicher ausschließen [3]. Die S3-Leitlinie Schizophrenie sieht eine EKT in der Schwangerschaft als klinische Sondersituation, etwa bei einer Katatonie; sie soll nur in Zentren der Maximalversorgung mit Erfahrung in der EKT erfolgen, und die Risiken für Mutter und ungeborenes Kind sind streng gegen den erwarteten Vorteil abzuwägen. Systematische Übersichtsarbeiten, die diese Leitlinie anführt, beschreiben bei schwangeren Frauen mit EKT, die meist an einer Depression oder Psychose erkrankt waren, auch Komplikationen, etwa einen Abfall der Herzfrequenz beim Kind oder eine vorzeitige Geburt [5]. Mehr unter Schwangerschaft.

Nach der Behandlungsserie

Nach einer erfolgreichen EKT besteht ohne vorbeugende Maßnahmen laut NVL eine hohe Rückfallgefahr, weil die behandelten Erkrankungen lange bestehen und auf andere Behandlungen nicht angesprochen haben; am höchsten war das Risiko laut einer Metaanalyse in den ersten 6 Monaten. Eine Rückfallvorbeugung mit Antidepressiva, Psychotherapie oder beidem ist deshalb grundsätzlich angezeigt [1]. Eine Erhaltungstherapie mit weiteren EKT-Behandlungen soll laut NVL Menschen angeboten werden, die trotz einer angemessenen anderen Rückfallvorbeugung schon einmal einen Rückfall hatten, eine andere Rückfallvorbeugung nicht vertragen oder eine EKT-Erhaltungstherapie bevorzugen ("soll"). Sie ist aufwändig und nur in einer Tagesklinik oder stationär möglich [1]. Laut Patientenleitlinie gibt es kaum aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit einer EKT-Erhaltungstherapie [2].

Bei einer bipolaren Störung kann eine Fortführung der EKT laut S3-Leitlinie aufgrund klinischer Erfahrung angeboten werden, vor allem wenn eine andere leitliniengerechte Vorbeugung nicht gewirkt hat, nicht vertragen wurde oder die betroffene Person die Fortführung ausdrücklich wünscht ("kann", 0); sie wird üblicherweise in einer Tagesklinik oder kurz stationär angeboten [3]. Für die Schizophrenie gibt es laut S3-Leitlinie nur wenige Daten zu einer Erhaltungstherapie mit EKT [5]. Wie lange Sie weiterbehandelt werden, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr unter Wie lange behandeln?

Aufklärung, Einwilligung und Angehörige

Laut DGPPN-Stellungnahme von 2012 setzt die EKT als medizinischer Eingriff zwingend die Aufklärung und Einwilligung der Patientin oder des Patienten oder der gesetzlichen Vertretung voraus und ist Ärztinnen und Ärzten vorbehalten [8]. Neben der verpflichtenden Aufklärung und Einwilligung sollen laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen mit Ihrem Einverständnis auch Angehörige hinzugezogen werden, ein gemeinsamer Konsens ist anzustreben ("sollen", Klinischer Konsenspunkt) [3]. Laut BÄK-Stellungnahme von 2003 wird die EKT nur nach angemessener Aufklärung und mit schriftlicher Einverständniserklärung durchgeführt. Das setzt voraus, dass jemand Sachlage, Bedeutung und Tragweite der Behandlung hinreichend beurteilen kann [7].

Kann jemand nicht selbst einwilligen und ist eine EKT dringend angezeigt, wird nach der BÄK-Stellungnahme von 2003 eine rechtliche Betreuung eingerichtet. Stimmt die Betreuerin oder der Betreuer zu, widerspricht die betroffene Person aber ausdrücklich, wird danach im Regelfall auf die EKT verzichtet [7]. Laut einer Stellungnahme der DGPPN von 2025 hat der Bundesgerichtshof diese Regel in seinen Beschlüssen zugrunde gelegt, und höchstrichterliche Entscheidungen kamen je nach Einzelfall zu unterschiedlichen Ergebnissen; die DGPPN hält eine Sonderstellung der EKT gegenüber anderen medizinischen Maßnahmen für wissenschaftlich nicht begründbar [9]. Bei einem depressiven Stupor kann die nötige Zustimmung einer gesetzlichen Betreuung laut NVL die Behandlung verzögern [1]. Was bei einer Behandlung gegen den eigenen Willen gilt, steht unter Unterbringung und Zwangsbehandlung.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Gedanken an Suizid oder Suizidversuche können laut Patientenleitlinie zu den Beschwerden einer Depression gehören [2]. Solche Gedanken sind auf jeden Fall ernst zu nehmen; die Patientenleitlinie rät Angehörigen, gemeinsam mit der betroffenen Person die behandelnde Ärztin oder den Psychotherapeuten darüber zu informieren und zu besprechen, was das für die Behandlung bedeutet [2].

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
  3. Leitlinie S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, Langversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 038-019). Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) und DGPPN. Stand Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.03.2023. abgerufen am 23.10.2026
  4. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Einträge Bipolare Störungen, Schizophrenie und Zwangsstörungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 23.10.2026
  5. Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (veröffentlicht 15.07.2026); laut DGPPN-Übersicht gültig bis 12.07.2027. abgerufen am 23.10.2026
  6. Leitlinie S3-Leitlinie Zwangsstörungen, Langversion, erste Revision (Version 2.0, AWMF-Register-Nr. 038-017). Voderholzer U., Rubart A., Favreau M., Kathmann N., Staniloiu A., Wahl-Kordon A., Zurowski B. im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 2.0, Stand 30.06.2022 (laut Deckblatt gültig bis 30.06.2027). abgerufen am 23.10.2026
  7. Stellungnahme zur Elektrokrampftherapie (EKT) als psychiatrische Behandlungsmaßnahme (Tätigkeitsbericht der Bundesärztekammer 2002/2003). Wissenschaftlicher Beirat der Bundesärztekammer. Stand 2003 (im Dokument ohne Datum; veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt 100, Heft 8, 2003). abgerufen am 23.10.2026
  8. Elektrokonvulsionstherapie: Psychiatrische Fachgesellschaften aus vier Ländern empfehlen einen rechtzeitigen und adäquaten Einsatz (Stellungnahme). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) mit SIP, ÖGPP und SGPP (Referat Klinisch angewandte Stimulationsverfahren in der Psychiatrie). Stand 2012 (im Dokument ohne Datum; laut Dateiname 07.06.2012). abgerufen am 23.10.2026
  9. Zugang zur Elektrokonvulsionstherapie bei Menschen mit fehlender Einwilligungsfähigkeit und als Behandlung gegen den natürlichen Willen (ärztliche Zwangsmaßnahme), Stellungnahme. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand 24.02.2025. abgerufen am 23.10.2026
  10. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  11. Fachinformation Escitalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was passiert bei einer Elektrokrampftherapie?

Laut NVL Unipolare Depression und Patientenleitlinie bekommen Sie eine wenige Minuten dauernde Kurznarkose und Medikamente, die die Muskeln entspannen. Über Elektroden an der Kopfhaut lösen kurze Stromimpulse dann einen Krampfanfall im Gehirn aus, danach folgt eine kurze Nachbeobachtung. Eine Serie umfasst laut NVL etwa 8 bis 12 Behandlungen, meist 2- bis 3-mal pro Woche, in Deutschland fast immer im Krankenhaus.

Tut eine EKT weh?

Laut Patientenleitlinie werden die Stromimpulse erst übertragen, wenn Sie in der Narkose eingeschlafen sind, und Sie spüren davon nichts. Danach können laut NVL Kopfschmerzen, Schwindel und Muskelkater auftreten; Kopfschmerzen nannte die Bundesärztekammer 2003 als häufigste Nebenwirkung.

Welche Nebenwirkungen hat eine EKT?

Als wesentlichste Nebenwirkung gelten laut NVL Einschränkungen von Gedächtnis und Denken, etwa Verwirrtheit direkt nach dem Anfall und Gedächtnislücken, die sich meist rasch und vollständig zurückbilden; selten beklagen Menschen anhaltende Erinnerungslücken. Außerdem nennt die NVL Kopfschmerzen, Schwindel und Muskelkater, seltener hypomanische Beschwerden, Herzrhythmusstörungen, Störungen der Blutdruckregulation und verlängerte Anfälle. Hinzu kommen die üblichen Risiken einer Narkose.

Wie viele Sitzungen sind bei einer EKT nötig?

Die NVL nennt etwa 8 bis 12 Einzelbehandlungen, meist 2- bis 3-mal pro Woche, die Patientenleitlinie meist 10 bis 12 und die S3-Leitlinie Bipolare Störungen meist 6 bis 12. Wie viele es bei Ihnen werden, legt das Behandlungsteam fest. Nach der Serie ist laut NVL eine vorbeugende Weiterbehandlung grundsätzlich angezeigt.

Wird die EKT auch bei Schizophrenie eingesetzt?

Ja. Laut S3-Leitlinie Schizophrenie sollte eine EKT bei eindeutiger Behandlungsresistenz gegen Medikamente mit dem Ziel angeboten werden, den klinischen Gesamtzustand zu verbessern. Bei einer perniziösen, also lebensbedrohlichen Katatonie soll sie zeitnah angeboten werden, wenn ein Antipsychotikum und Lorazepam keinen Erfolg hatten. Mehr steht auf der Seite Schizophrenie.

Kann eine EKT das Gehirn schädigen?

Gedächtnisstörungen bilden sich laut NVL meist rasch zurück; selten, schwer messbar, aber glaubhaft beklagen wenige Menschen anhaltende Erinnerungslücken im Langzeitgedächtnis. Strukturelle Hirnschäden sind laut einer älteren Stellungnahme der Bundesärztekammer von 2003 nach fachgerecht durchgeführter EKT nicht beschrieben worden, auch Kernspin- und Computertomografie ergaben keine Hinweise darauf. Fragen Sie vor der Behandlung, wie Gedächtnis und Denken überprüft werden.

Wie wirkt eine Elektrokrampftherapie?

Laut Patientenleitlinie werden Nervenzellen im Gehirn durch Stromreize angeregt; dadurch werden vermutlich Botenstoffe beeinflusst und das Wachstum von Nervenzellen angeregt. Entscheidend ist laut einer Stellungnahme der Bundesärztekammer von 2003 vor allem der Krampfanfall selbst; abschließend geklärt war der Wirkmechanismus danach nicht. Die Wirkung tritt laut Patientenleitlinie schnell ein.

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