Behandlung

Antipsychotika (Neuroleptika) absetzen

Setzen Sie ein Antipsychotikum, auch Neuroleptikum genannt, nicht auf eigene Faust ab: Fachinformationen etwa von Quetiapin, Risperidon und Clozapin empfehlen ein schrittweises Absetzen, und bei einer Schizophrenie steigt laut S3-Leitlinie nach dem Absetzen das Risiko eines Rückfalls. Ob und wie die Dosis verringert wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; bei einer Schizophrenie kann das laut Leitlinie in allen Krankheitsstadien angeboten werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Wird zu schnell abgesetzt, können körperliche und seelische Absetzerscheinungen auftreten.

Mann Anfang dreißig, seine ältere Schwester und eine Ärztin in den Vierzigern sitzen in einem hellen Sprechzimmer zusammen und sprechen ruhig miteinander
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Antipsychotika heißen traditionell auch Neuroleptika; die S3-Leitlinie Schizophrenie zieht den Begriff Antipsychotikum vor [1]. Bei einer Schizophrenie wünschen sich laut Leitlinie viele Menschen, ihr Mittel zu verringern oder abzusetzen, etwa nach längerer Stabilität oder wegen Nebenwirkungen. Sie dabei zu begleiten und zugleich über das erhöhte Rückfallrisiko aufzuklären, entspricht laut Leitlinie der Forderung nach mehr Selbstbestimmung der Betroffenen [1]. Die Fachinformationen zum Beispiel von Quetiapin, Risperidon und Clozapin empfehlen ein ausschleichendes, schrittweises Absetzen [3, 5, 7]. Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; wie Ihr Vorgehen im Einzelnen aussieht, legt die Praxis mit Ihnen fest.

Ob abgesetzt wird: was die Leitlinie bei Schizophrenie sagt

Bei einer Schizophrenie soll Menschen mit einer ersten Erkrankung und Menschen mit wiederkehrenden psychotischen Episoden laut S3-Leitlinie nach individueller Abwägung von Nutzen und Risiken eine Behandlung mit Antipsychotika zur Rückfallvorbeugung angeboten werden, und zwar als fortlaufende Behandlung ("soll") [1]. Eine allgemeine Dauer nennt die Leitlinie nicht; sie beschreibt den Rahmen, in dem Ärztin oder Arzt und Patientin oder Patient darüber sprechen. Berücksichtigt werden sollen unter anderem die Schwere der Erkrankungsphase, das Ansprechen auf die Behandlung, Nebenwirkungen, die eigene Motivation, Erkrankungen in der Familie, die Lebenssituation und die vorhandenen Behandlungsangebote [1]. Menschen mit wiederkehrendem Verlauf, ihre Angehörigen und andere Vertrauenspersonen sollen darüber informiert werden, dass das Rückfallrisiko nach einem Absetzen steigt und über Jahre erhöht bleibt [1]. Ob nach dem Absetzen ein Rückfall kommt, lässt sich im Einzelfall laut Leitlinie nicht vorhersagen [1]. Mehr dazu unter Wie lange behandeln?

Die Verringerung und gegebenenfalls das Absetzen können laut Leitlinie in allen Stadien der Erkrankung angeboten werden, als gemeinsame (partizipative) Entscheidung von Ihnen und Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ("können"). Voraussetzungen sind eine ausreichende Stabilität, ausreichende psychosoziale Unterstützung, regelmäßige Kontrollen des Verlaufs und keine Hinweise darauf, dass Sie sich selbst oder andere gefährden. In jedem Fall soll über das erhöhte Rückfallrisiko des Absetzens aufgeklärt werden ("soll") [1]. Gibt es bei stabilem Verlauf Gründe gegen eine dauerhafte Einnahme, zum Beispiel weil sie nicht akzeptiert wird, sollte nach schrittweiser Dosisverringerung der Versuch einer begleiteten Behandlung mit Unterbrechungen angeboten werden, bei der bei ersten Anzeichen eines Rückfalls gezielt früh behandelt wird ("sollte") [1]. Menschen, die schon mehrmals erkrankt sind, haben laut Leitlinie bei einer solchen Behandlung mit Unterbrechungen häufiger Rückfälle und Klinikaufenthalte als bei fortlaufender Behandlung [1].

Antipsychotika bei anderen Erkrankungen

Antipsychotika werden auch bei anderen Erkrankungen verordnet. Quetiapin als Retardtablette ist laut Fachinformation zum Beispiel auch bei bipolaren Störungen zugelassen, und zwar zur Behandlung mäßiger bis schwerer manischer und schwerer depressiver Episoden und zur Rückfallvorbeugung bei Menschen, die zuvor auf Quetiapin angesprochen haben. Außerdem ist es als Zusatzbehandlung einer Depression zugelassen, wenn ein Antidepressivum allein nicht ausreichend gewirkt hat [3]. Die Empfehlungen der S3-Leitlinie Schizophrenie gelten für die Schizophrenie. Bei anderen Erkrankungen gelten die Angaben der Fachinformation Ihres Mittels und der Leitlinie zu Ihrer Erkrankung; die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Bei einer Demenz schlägt die S3-Leitlinie Demenzen vor, regelmäßig Absetzversuche von Antipsychotika zu machen (schwache Empfehlung, "wir schlagen vor"). Das Absetzen kann laut Leitlinie vor Nebenwirkungen schützen; Verhaltenssymptome können danach wieder auftreten, häufig treten sie aber nicht wieder auf [2]. Im weiteren Verlauf sollte laut dieser Leitlinie regelmäßig geprüft werden, ob die Behandlung noch nötig ist, gegebenenfalls mit Versuchen, die Dosis zu verringern oder das Mittel auszulassen [2].

Was beim Absetzen passieren kann

Abruptes Absetzen kann laut S3-Leitlinie Schizophrenie eine Vielzahl körperlicher und seelischer Absetzerscheinungen nach sich ziehen; ein vorbereitetes, langsames Verringern ist deshalb laut Leitlinie entscheidend für eine gute Verträglichkeit [1]. Am häufigsten scheinen sich Absetzreaktionen laut Leitlinie in vegetativen und seelischen Beschwerden zu zeigen. Die Leitlinie nennt unter anderem [1]:

  • Störungen von Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnis;
  • vegetative Beschwerden: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, außerdem Schwitzen, Schwindel, Herzrasen, Bluthochdruck, Zittern, einen Kreislaufzusammenbruch (Kollaps), grippeähnliche Beschwerden, Kopfschmerzen, eine übermäßige Schmerzempfindlichkeit und, zum Beispiel bei schnellem Absetzen von Clozapin, ein Delir;
  • Gefühlsschwankungen, Angst, Unruhe, Depression, Reizbarkeit, Aggressivität und manieähnliche Beschwerden;
  • unwillkürliche Bewegungen von Gesicht, Lippen, Kiefer, Zunge, Armen, Händen, Beinen, Nacken, Schultern oder Hüften (Absetzdyskinesien), die häufig in den ersten Wochen nach dem Absetzen auftreten und Monate anhalten können;
  • psychotische und andere Verhaltensauffälligkeiten, die sich nicht immer von der ursprünglichen Erkrankung unterscheiden lassen.

Absetzsymptome können laut Leitlinie in der Regel innerhalb von Tagen bis Wochen nach einer deutlichen Dosisverringerung oder einem schnellen Absetzen auftreten [1]. Die Fachinformationen beschreiben für einzelne Wirkstoffe ähnliche Beschwerden. Nach abruptem Absetzen von Quetiapin wurden akute Absetzsymptome wie Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Schwindel und Reizbarkeit beschrieben; in Studien war ihre Häufigkeit eine Woche nach dem Ende der Behandlung bereits signifikant zurückgegangen. Die Fachinformation empfiehlt ein ausschleichendes Absetzen über mindestens 1 bis 2 Wochen [3]. Nach plötzlichem Absetzen von Olanzapin wurden selten Schwitzen, Schlaflosigkeit, Zittern, Angst, Übelkeit oder Erbrechen berichtet; beim Beenden sollte laut Fachinformation eine schrittweise Verringerung der Dosis in Betracht gezogen werden [6]. Für Risperidon und Haloperidol beschreiben die Fachinformationen sehr selten akute Absetzsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und Schlaflosigkeit nach dem plötzlichen Ende einer hoch dosierten antipsychotischen Behandlung. Bei Risperidon können auch die psychotischen Beschwerden zurückkehren, und unwillkürliche Bewegungsstörungen wurden berichtet [7, 8].

Bei Flupentixol als Depotspritze kann ein plötzliches Absetzen laut Fachinformation Entzugserscheinungen hervorrufen, am häufigsten Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall, laufende Nase, Schwitzen, Muskelschmerzen, Kribbeln, Schlaflosigkeit, Unruhe, Angst und Erregung. Sie beginnen innerhalb von 1 bis 4 Tagen nach dem Absetzen und lassen innerhalb von 7 bis 14 Tagen nach [9]. Spätdyskinesien, laut Fachinformation von Haloperidol vor allem rhythmische unwillkürliche Bewegungen von Zunge, Gesicht, Mund oder Kiefer, können auch nach dem Absetzen auftreten [8]. Laut Fachinformationen von Quetiapin und Olanzapin können sie sich nach dem Ende der Behandlung verschlechtern oder erst dann auftreten; bei Flupentixol kann die Behandlung die Anzeichen einer beginnenden Spätdyskinesie zunächst verdecken, die sich dann nach dem Absetzen zeigt [3, 6, 9]. Mehr unter Spätdyskinesien und Absetzsymptome.

Absetzsymptome oder Rückfall?

Psychotische Beschwerden nach einer Dosisverringerung lassen sich laut S3-Leitlinie Schizophrenie nicht immer von der ursprünglichen Erkrankung unterscheiden. Sie entstehen meist innerhalb von Tagen bis ungefähr sechs Wochen nach der Verringerung und bessern sich oft erst nach Wochen [1]. Weil die Abgrenzung schwierig sein kann, hält die Leitlinie es für hilfreich, vor einer Dosisverringerung eine Liste von Frühwarnzeichen zu erstellen [1]. Die Beschwerden der Grunderkrankung können laut Fachinformation von Haloperidol auch erst mehrere Wochen oder Monate nach dem Absetzen wiederkehren [8]. Nach dem Absetzen soll Menschen mit Schizophrenie laut Leitlinie im Rahmen des Gesamtbehandlungsplans für mindestens zwei Jahre eine fortlaufende Beobachtung auf Zeichen und Beschwerden eines Rückfalls angeboten werden ("soll") [1]. Was hinter Ihren Beschwerden steckt, beurteilt die Ärztin oder der Arzt.

Wie eine Dosisverringerung abläuft

Zwei Freunde in den Dreißigern gehen an einem ruhigen Herbstnachmittag nebeneinander durch einen Park und unterhalten sich
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Jeder Reduktionsprozess muss laut S3-Leitlinie Schizophrenie individuell gestaltet werden, denn ob und bis zu welcher Dosis eine kontrollierte Verringerung im Einzelfall möglich ist, lässt sich bisher nicht vorhersagen [1]. Um Absetzerscheinungen zu vermeiden, hält die Leitlinie eine langsame Verringerung, teilweise über Monate, für sinnvoll [1]. Für Menschen mit Schizophrenie beschreibt sie diese Schritte [1]:

  1. Aufklären und Ziele klärenSie und Ihr Umfeld sollten über mögliche Absetzerscheinungen und über die hohen Rückfallraten aufgeklärt werden. Als Voraussetzung nennt die Leitlinie außerdem klare Ziele für die Verringerung, zum Beispiel weniger Nebenwirkungen oder eine unabhängigere Lebensführung [1].
  2. Gut vorbereitenZu den Voraussetzungen zählt die Leitlinie unter anderem eine gute Vorbereitung, einen Krisenplan mit Frühwarnzeichen, eine Behandlung in einem Team aus mehreren Berufsgruppen, auf Wunsch die Unterstützung durch andere Betroffene (Peers) und durch Selbsthilfegruppen, mit Ihrem Einverständnis die Einbeziehung wichtiger Bezugspersonen sowie ein stabiles soziales Umfeld [1].
  3. Langsam und kontrolliertNach der Entscheidung für eine Verringerung sollte sie kontrolliert und in sehr kleinen Schritten angeboten werden ("sollte"), unter Berücksichtigung der Empfehlungen zur Rückfallvorbeugung, entsprechend Ihren Wünschen, unter Einbezug von Vertrauenspersonen und eines Gesamtbehandlungsplans und mit Blick auf den bisherigen Verlauf und die Verträglichkeit [1]. Wie groß die Schritte sind und wann der nächste folgt, legt die Praxis mit Ihnen fest.
  4. Genau beobachtenNach jedem Schritt sollten Absetzerscheinungen in den ersten Wochen beobachtet und eingeordnet werden; auf ausreichenden und guten Schlaf sollte geachtet werden [1].
  5. Bei ersten Rückfallzeichen die Praxis ansprechenKündigt sich ein Rückfall an, sieht die Leitlinie vor, auf die zuvor genutzte Dosis zurückzugreifen und weitere Maßnahmen zur Krisenbewältigung zu nutzen ("sollte") [1]. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen; ändern Sie die Dosis nicht selbst.
  6. Auch danach begleitet bleibenNach dem Absetzen soll für mindestens zwei Jahre eine fortlaufende Beobachtung auf Zeichen eines Rückfalls angeboten werden ("soll") [1].

Depotspritzen und Clozapin

Depotspritzen sind langwirksame Formen von Antipsychotika [1]; Flupentixol als Depot etwa wird tief in einen Muskel gespritzt [9]. Wenn Sie keine Injektionen mehr erhalten, endet laut Packungsbeilage von Paliperidon als Depotspritze die Wirkung, und die Beschwerden können zurückkehren; setzen Sie das Mittel daher nur ab, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie dazu auffordert [10]. Beim Absetzen ist laut Fachinformation die verzögerte Freisetzung des Wirkstoffs aus dem Depot zu berücksichtigen [10]. Bei Flupentixol als Depotspritze muss die Dosis nach einer längeren Behandlung laut Fachinformation in sehr kleinen Schritten über einen großen Zeitraum hinweg und in engem Kontakt zwischen Ihnen und Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt verringert werden [9]. Mehr unter Depot-Antipsychotika.

Clozapin sollte laut S3-Leitlinie Schizophrenie nur langsam verringert und abgesetzt werden, weil hier ein erhöhtes Risiko für einen Rebound angenommen wird [1]. Ist eine Beendigung geplant, empfiehlt die Fachinformation, die Dosis schrittweise über einen Zeitraum von 1 bis 2 Wochen zu verringern. Muss Clozapin abrupt abgesetzt werden, etwa bei einer Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie), wird sorgfältig überwacht, ob die Psychose zurückkehrt und ob Zeichen eines sogenannten cholinergen Rebounds auftreten wie vermehrtes Schwitzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall [5]. Liegt die letzte Einnahme mehr als 2 Tage zurück, sollte die Behandlung laut Fachinformation wieder mit einer niedrigen Anfangsdosis beginnen; sprechen Sie nach einer Pause deshalb mit Ihrer Praxis, bevor Sie Clozapin wieder einnehmen [5]. Mehr zu den Blutbildkontrollen unter Clozapin und Blutbild.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Achten Sie in der Zeit des Absetzens auch auf Ihre Stimmung. Zu den möglichen Absetzerscheinungen zählt die S3-Leitlinie Schizophrenie unter anderem Depression, Angst und Unruhe [1]. Laut Fachinformation von Quetiapin wurde über Suizidgedanken und suizidales Verhalten während der Behandlung oder kurz nach ihrem Ende berichtet; Ärztinnen und Ärzte müssen das Risiko solcher Ereignisse nach einer abrupten Beendigung berücksichtigen, das sich aus der behandelten Erkrankung ergibt [3]. Die Packungsbeilage erklärt, dass bei einer Depression Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, auch verstärkt sein können, wenn Sie plötzlich aufhören, Ihre Arzneimittel einzunehmen. Sie bittet, dann zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen oder unverzüglich ein Krankenhaus aufzusuchen [4]. Zu den Voraussetzungen für eine Verringerung oder ein Absetzen bei Schizophrenie gehört laut Leitlinie, dass keine Hinweise auf eine Gefährdung Ihrer selbst oder anderer bestehen [1].

Auch ein Delir ist möglich; die Leitlinie nennt es zum Beispiel bei schnellem Absetzen von Clozapin [1].

Was Sie selbst tun können

Sprechen Sie den Wunsch, Ihr Mittel zu verringern oder abzusetzen, offen in der Praxis an, bevor Sie etwas verändern. Fragen Sie, wie lange es dauern soll, wie oft Termine stattfinden, welche Absetzerscheinungen möglich sind und wen Sie in einer Krise erreichen; dabei helfen die Fragen fürs Arztgespräch. Einen Krisenplan mit Frühwarnzeichen nennt die S3-Leitlinie unter den Voraussetzungen für eine Dosisverringerung bei Schizophrenie [1]; eine Vorlage bietet der Krisenplan. Wenn Sie einverstanden sind, können Angehörige oder andere Vertrauenspersonen Sie begleiten; die Leitlinie nennt ihre Einbeziehung und ihre Aufklärung über Absetzerscheinungen und Frühwarnzeichen ebenfalls unter den Voraussetzungen [1]. Mehr unter Angehörige.

Wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten, setzen Sie das Antipsychotikum nicht auf eigene Faust ab. Ist in der Schwangerschaft ein Absetzen von Risperidon erforderlich, sollte das laut Fachinformation nicht abrupt geschehen [7]. Mehr unter Schwangerschaft. Zu einem Wechsel auf ein anderes Mittel steht mehr unter Medikament wechseln, zum Absetzen anderer Psychopharmaka unter Psychopharmaka absetzen.

Hinweise zu einzelnen Wirkstoffen

Was die Packungsbeilage und die Fachinformation Ihres Mittels zum Absetzen sagen, steht auf der jeweiligen Wirkstoffseite.

  • Amisulpridz. B. SolianAkute und chronische Schizophrenie
  • Aripiprazolz. B. ABILIFY, Aripiprazol-ratiopharm Tabletten, Aripiprazol AbZ TablettenSchizophrenie, manische Episoden bei Bipolar-I-Störung
  • Benperidolz. B. Benperidol-neuraxpharm, GlianimonAkute und chronische Psychosen, manieähnliche (maniforme) Syndrome, Erregungszustände
  • Cariprazinz. B. ReagilaSchizophrenie
  • Chlorprothixenz. B. Chlorprothixen Holsten, Chlorprothixen-neuraxpharmUnruhe und Erregung bei Psychosen, manische Zustände
  • Clozapinz. B. Clozapin AbZ, Clozapin-ratiopharm, ElcritSchizophrenie, wenn andere Antipsychotika nicht wirken oder nicht vertragen werden; Psychosen bei Parkinson-Krankheit, wenn andere Behandlungen erfolglos waren
  • Flupentixolz. B. Flupentixol-neuraxpharm, Fluanxol Depot, FluanxolSchizophrenie (akut und langfristig als Tabletten, langfristig als Depotspritze)
  • Haloperidolz. B. Haldol, Haloperidol-ratiopharmSchizophrenie, Manie, Delir, Erregungszustände, Aggression bei Demenz, Tics, Chorea Huntington
  • Levomepromazinz. B. Levomepromazin-neuraxpharm, NeurocilUnruhe und Erregung bei Psychosen und Manie, starke Schmerzen (in Kombination)
  • Melperonz. B. Melneurin, Melperon AbZ, Melperon-ratiopharmSchlafstörungen, Verwirrtheit, Unruhe und Erregungszustände, insbesondere in der Altersmedizin (Geriatrie) und Psychiatrie
  • Olanzapinz. B. Olanzapin AbZ, Olanzapin-CT, Olanzapin-ratiopharmSchizophrenie, manische Episoden, Vorbeugung bei bipolarer Störung
  • Paliperidonz. B. Invega, Paliperidon AbZ, Paliperidon ALSchizophrenie und schizoaffektive Störungen (Retardtabletten), Erhaltungstherapie der Schizophrenie (monatliche Depotspritze)
  • Perazinz. B. Perazin-neuraxpharmPsychosen, Manie, Erregungszustände
  • Pipamperonz. B. Dipiperon, Pipamperon-neuraxpharmSchlafstörungen, vor allem bei älteren Menschen; Unruhe und Erregungszustände
  • Promethazinz. B. Atosil, Promethazin-neuraxpharmUnruhe- und Erregungszustände, Übelkeit und Erbrechen, Schlafstörungen
  • Prothipendylz. B. Dominal 40 mg, Dominal forte 80 mg, Dominal TropfenUnruhe- und Erregungszustände bei psychiatrischen Erkrankungen
  • Quetiapinz. B. Quetiapin - 1 A Pharma Retardtabletten, Quetiapin-ratiopharm Filmtabletten, Quetiapin-ratiopharm RetardtablettenSchizophrenie, bipolare Störung, Zusatzbehandlung bei Depression (nur Retardtabletten)
  • Risperidonz. B. Risperdal, Risperdal Consta, Risperidon AbZSchizophrenie, Manie, anhaltende Aggression bei Alzheimer-Demenz und bei Kindern mit Verhaltensstörung
  • Sulpiridz. B. Sulpirid-neuraxpharm, Sulpirid - 1 A PharmaSchizophrenie (je nach Präparat), Depression (wenn andere Antidepressiva nicht halfen), Schwindel
  • Tiapridz. B. Tiaprid STADA, Tiaprid AL, Tiaprid NIOSpätdyskinesien durch Neuroleptika
  • Ziprasidonz. B. Ziprasidon-neuraxpharm, Zeldox, Ziprasidon MylanSchizophrenie, Manie bei bipolarer Störung
  • Zuclopenthixolz. B. Ciatyl-Z, Ciatyl-Z Depot, Ciatyl-Z AcuphaseSchizophrenie, Manie, Erregungszustände

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009), Kapitel 9.2, 9.5, 9.9 und 9.10 (Begriff, Dosierung und Absetzen, Rezidivprophylaxe, Dauer der Behandlung). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie S3-Leitlinie Demenzen, Living Guideline, Langfassung, Version 6.1 (AWMF-Register-Nr. 038-013), Abschnitt 5.3.4.4 (Antipsychotika, Empfehlung 91 Absetzen von Antipsychotika). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Stand Fassung vom 27.04.2026. abgerufen am 23.10.2026
  3. Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 23.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50/150/200/300/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2020. abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Flupentixol-neuraxpharm 20 mg/ml, 40 mg/ml, 100 mg/ml, 200 mg/10 ml (Injektionslösung, Flupentixoldecanoat). neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 23.10.2026
  10. EMA-Produktinformation Xeplion (Paliperidon, EPAR), Anhang I: Fachinformation, und Anhang III B: Packungsbeilage Xeplion Depot-Injektionssuspension. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2024 (zuletzt aktualisiert 22.07.2024). abgerufen am 23.10.2026

Weiterführend Medikamente absetzen: allgemeiner Ratgeber auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Kann man Neuroleptika einfach absetzen?

Nicht auf eigene Faust. Fachinformationen etwa von Quetiapin, Risperidon und Clozapin empfehlen ein schrittweises Absetzen, und bei einer Schizophrenie steigt laut S3-Leitlinie nach dem Absetzen das Rückfallrisiko. Bei einer Schizophrenie können Verringerung und Absetzen gemeinsam entschieden und angeboten werden, wenn Sie ausreichend stabil sind, genug psychosoziale Unterstützung haben, der Verlauf regelmäßig kontrolliert wird und keine Gefährdung besteht.

Welche Absetzerscheinungen gibt es bei Antipsychotika?

Die S3-Leitlinie Schizophrenie nennt unter anderem Konzentrationsstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwitzen, Schwindel, Herzrasen, Zittern, grippeähnliche Beschwerden, Kopfschmerzen, Angst, Unruhe, Reizbarkeit, unwillkürliche Bewegungen und psychotische Beschwerden. Nach abruptem Absetzen von Quetiapin wurden laut Fachinformation zum Beispiel Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Schwindel und Reizbarkeit beschrieben.

Wie lange dauern Absetzerscheinungen bei Neuroleptika?

Das ist unterschiedlich. Nach plötzlichem Absetzen von Flupentixol als Depotspritze beginnen Entzugserscheinungen laut Fachinformation innerhalb von 1 bis 4 Tagen und lassen innerhalb von 7 bis 14 Tagen nach. Psychotische Beschwerden nach einer Dosisverringerung entstehen laut S3-Leitlinie meist innerhalb von Tagen bis ungefähr sechs Wochen und bessern sich oft erst nach Wochen; unwillkürliche Bewegungen können Monate anhalten. Melden Sie sich in der Praxis, wenn Beschwerden Sie stark belasten.

Wie werden Neuroleptika reduziert?

Langsam, kontrolliert und begleitet. Bei einer Schizophrenie sollte eine beschlossene Verringerung laut S3-Leitlinie in sehr kleinen Schritten angeboten werden, mit Blick auf Ihre Wünsche, den bisherigen Verlauf und die Verträglichkeit; eine langsame Verringerung, teilweise über Monate, hält die Leitlinie für sinnvoll. Wie groß die Schritte sind, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen fest.

Kommt die Psychose nach dem Absetzen zurück?

Bei einer Schizophrenie lässt sich das laut S3-Leitlinie im Einzelfall nicht vorhersagen. Bei wiederkehrendem Verlauf steigt das Rückfallrisiko nach einem Absetzen und bleibt über Jahre erhöht; laut Fachinformation von Haloperidol können die Beschwerden auch erst Wochen oder Monate später zurückkehren. Nach dem Absetzen soll laut Leitlinie mindestens zwei Jahre lang eine Beobachtung auf Rückfallzeichen angeboten werden.

Was passiert, wenn man Quetiapin plötzlich absetzt?

Laut Fachinformation wurden nach abruptem Absetzen akute Absetzsymptome wie Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Schwindel und Reizbarkeit beschrieben; empfohlen wird ein ausschleichendes Absetzen über mindestens 1 bis 2 Wochen. Bei einer Depression können Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, laut Packungsbeilage auch verstärkt sein, wenn Sie plötzlich aufhören; gehen Sie dann zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder unverzüglich in ein Krankenhaus.

Werden Neuroleptika bei Demenz abgesetzt?

Die S3-Leitlinie Demenzen schlägt vor, bei Demenz regelmäßig Absetzversuche von Antipsychotika zu machen (schwache Empfehlung). Das Absetzen kann laut Leitlinie vor Nebenwirkungen schützen; Verhaltenssymptome können danach wieder auftreten, häufig treten sie aber nicht wieder auf. Ob und wann abgesetzt wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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